Russland
Vater von UFC-Kämpfer Khabib Nurmagomedov stirbt an Corona

Moskau – Der Vater und Trainer des UFC-Champions Khabib Nurmagomedov verstarb an den Folgen einer Corona-Infektion. Wie der tschetschenische Präsident und Freund der Familie bekannt gab, starb Abdulmanap Nurmagomedov  in einem Moskauer Krankenhaus im Alter von nur 57 Jahren nach Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19. Im April war er aufgrund einer Lungenentzündung zunächst in einem Krankenhaus in Dagestan behandelt worden, wurde dann nach verschlechtertem Zustand in ein Militärkrankenhaus in Russlands Hauptstadt verlegt, wo die Diagnose einer Covid-19-Erkrankung diagnostiziert wurde, berichtet Sport1. Sein Sohn Khabib ist ungeschlagener UFC-Weltmeister im Leichtgewicht. Sieg gegen McGregor Nurmagomedov hatte im vergangenen Oktober den mit Spannung erwarteten Kampf gegen den Iren McGregor bei der UFC 229 deutlich gewonnen und blieb weiter ungeschlagen. Der Russe aus der autonomen russischen Republik Daghestan dominierte den Kampf über vier Runden und siegte schließlich verdient. Nurmagomedov wurde jedoch eine neunmonatige Sperre auferlegt, weil er nach dem Kampf gegen McGregor aus dem Oktagon in die Ecke des McGregor-Teams sprang und auf dessen Teammitglieder einschlug. Der Russe entschuldigte sein Verhalten im Nachhinein und nannte Beleidigungen gegen ihn und seine Familie als Grund des Ausrasters. Nurmagomedov holte bei der UFC 242 in Abu Dhabi am 7. September mit einem Sieg gegen US-amerikanischen MMA-Kämpfer Dustin Poirier den Titel zurück. Numagomedov bezwang Poirier in Runde drei nach einem Rear Naked Choke via Submission.

Kaukasus
Aserbaidschan: „Auf dem Weg zu neuen, toleranzbereiten Generationen“

Ein Gastbeitrag von Asif Masimov – Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin

Das kaukasische Modell: Multikulturalismus in Aserbaidschan

Jedes Land mit mindesten zwei Kulturen ist stets von Reibungspunkten als auch von Bereicherungen geprägt. Nicht immer ist es möglich zu wählen, sodass es oft ein Kampf ist, nur die Bereicherung der Kulturen zu einander zu haben.

Aserbaidschan als Vielvölkerstaat kennt diese Probleme und auch Vorteile, sodass der Multikulturalismus fest in der Politik verankert ist. Dabei gehört starkes Ein- und Durchgreifen politischer Instanzen u.a. zum Schutz von Minderheiten dazu.

Bei fast 700 verschiedenen, registrierten Religionsgemeinschaften und mindestens 40 verschiedenen Kulturen, darunter circa 16 ethnischen Minderheiten, ist es nur verständlich, dass der Staat eine Kontrollfunktion über das Engagement etwaiger Organisationen zum Völkeraustauch ausübt. Dieser Ansatz der Bewahrung und Unterstützung der Multikulturalität ist nicht ausschließlich in Aserbaidschan üblich, jedoch wohl am ehesten gerade in diesem Staat präsent. Ob die Kontrolle über den interkulturellen Austausch im Land sinnvoll ist, beziehungsweise eventuell tatsächlich einen richtigen und unkomplizierten Weg darstellt, kann erst langfristig in einem Vergleich, aber auch im bereits erzielten Ergebnis heute betrachtet werden. Man muss hierbei natürlich beachten, dass an anderer Stelle laut nach Akzeptanz und Schutz der Minderheiten gerufen wird. Hier wäre eine politische Unterstützung angebracht, um eventuell fatale Folgen zu umgehen. So sehen wir das Ergebnis solcher ungelösten Konflikte oftmals als gewalttätige Ausartungen, denen durchaus politische Fehler zu Grunde liegen können. Solch eine Ausartung ist aktuell in den USA zu beobachten, die in der bereits weltweiten Kampagne „Black lives matter“ gemündet hat und nicht ausschließlich friedlich von Statten ging. Ravan Hasanov, seit 2015 Leiter des Baku international Multiculturalism Centre, sagt dazu, dass es in Aserbaidschan keine zwischenethnischen Konflikte gäbe. Durch das Verständnis von einer Völker-Diversität als eine Art Schatz, also auch Ressource, sei der Schutz und die politische Einmischung eine logische Folge. Aserbaidschan unterstützt die kulturelle Pluralität nicht nur durch Gesetze, sondern ebenso durch finanzielle Hilfen. Hasanov sieht die „Einheit durch Ungleichheit“ als ein fehlerhaftes Modell an und sieht die Relevanz des Multikulturalismus allein darin, dass sein Gegensatz, bestenfalls, so Hasanov, die Diskriminierung sei. Den interkulturellen Dialog sieht Hasanov als einen Schlüssel zur regionalen als auch globalen Sicherheit, gerade wenn man die fortschreitende Globalisierung und Migrationsprozesse in Betracht zieht. Aserbaidschan habe in kürzester Zeit eine Politik begonnen, die jedoch fest verankert in moralischen Werten sei und bereits durch historische Auseinandersetzungen zwischen den Völkern nur ein rechtliches Ratifizieren von allgemeingeltenden Regeln darstelle. Somit scheint Aserbaidschan bereits erste Schritte auf dem Weg zu neuen, toleranzbereiten Generationen getan zu haben. Durch Einführen von interkulturellen Kompetenzen in die Schulbildung, kann man einem friedlichen Miteinander und Fremdenverständnis beitragen. Hasanov stellt heraus, dass der Multikulturalismus als Schwerpunkt in Bachelor- sowie Masterstudiengängen behandelt wird und ein Novum darstellt. Möglich wurde dies durch die Initiative des Baku international Multiculturalism Centre. „Different cultures within a state has no choice but to live together with tolerance. History has repeatedly proved this to us.“, sagt Hasanov in seinem Interview für die englische “The Prisma”. Gerade die Erziehung neuer Generationen ist offensichtlich auch in Zukunft relevant und auf heutigen Erfolgen sollte sich kein Staat und kein Volk ausruhen. Für Hasanov liegen die Schwierigkeiten und Herausforderungen deutlich im Nationalismus, welcher –bisher regional- ein Aufleben zu finden scheint. Sollte dieser Nationalismus sich ausbreiten, muss ein solides Grundverständnis von Multikulturalismus und Toleranz dem entgegenstehen. Die Menschen würden die Relevanz dieses Systems und dieser Idee, so Hasanov, „neu“ verstehen und eine solche Politik neu bewerten müssen. Offensichtlich ist für die aserbaidschanische Politik an dieser Stelle der interkulturelle Austausch und damit der von Hasanov erwähnte Dialog von hoher Bedeutung. Der Dialog als Methode wird des Öfteren genutzt und angewandt. In der Regel erfolgreich, also gewaltfrei. Es ist also nicht überraschend, dass Aserbaidschan ein politisch organisiertes, friedliches Miteinander der Vielzahl an Kulturen gelingt. Nun kann man sich fragen, ob man die Kulturpolitik in Europa neu bewerten sollte. Ob es nicht möglich wäre, dieses kaukasische Modell zu übernehmen oder sich zumindest davon inspirieren zu lassen und Toleranzbewegungen in diesem Sinne zu organisieren. Natürlich existieren eine Vielzahl an Hindernissen, dennoch muss beachtet werden, dass Aserbaidschan auf politischer Ebene Unterstützung und Hilfestellungen gibt, damit Dialoge möglich werden. Dieser Gedanke und die Wegbereitung zum Dialog sollte eine zentrale Rolle in jedem demokratischen Staat innehaben.
Asif Masimov Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften Born 1987 in Ismayilli, Azerbaijan. Graduate of Baku State University (Bachelor of Arts in “International Relations”) and Georg-August University of Göttingen (Master of Arts in “Political Science”). Currently a PhD student in History at the Humboldt University of Berlin.

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– „Erstklassiges Beispiel für religiöse Toleranz“ – Kinder der Atlanta Jewish Academy loben nach Besuch „religiöse Toleranz“ in Aserbaidschan

„Ich war überall mit der Kippa auf meinem Kopf unterwegs und habe mich überall willkommen und wohl gefühlt“, erklärte Rabbi Travis. „Es gibt Städte in Europa, wo ich keine Kippa tragen würde.“

Kinder der Atlanta Jewish Academy loben nach Besuch „religiöse Toleranz“ in Aserbaidschan

Corona-Krise
Starbucks will Senkung der Mehrwertsteuer nicht an Kunden weitergeben

Die US-Kaffeekette Starbucks wird Einsparungen aus der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung nicht an seine Kunden weitergeben. Das geht aus einer internen E-Mail an deutsche Starbucks-Partner hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. „Das bedeutet, dass sich für die Verkaufspreise keine Änderungen ergeben“ heißt es darin. AmRest Coffee Deutschland, der Betreiber nahezu aller deutschen Starbucks-Filialen, begründet die Entscheidung mit den langfristigen Perspektiven der Kette. Das Unternehmen will an dem im März verkündeten Tarifvertragsabschluss fest-halten und der vereinbarten schrittweisen Lohnsteigerung von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr nachkommen. „Die Mehrwertsteuersenkung gibt uns hierfür einen flexibleren Handlungsspielraum“, heißt es auf Nachfrage. Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuersenkung im Rahmen ihres Konjunkturpakets beschlossen, um den Konsum wieder anzukurbeln. Kritiker dieser Corona-Maßnahme sehen sich am Beispiel Starbucks nun jedoch bestätigt. „Die Mehrwertsteuersenkung ist vor allem ein Steuerscheck für Konzerne mit großer Marktmacht“, sagte der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli dem Tagesspiegel. „Anstatt die Steuersenkung an die Kunden oder die eigenen Beschäftigten weiterzugeben, maximiert Starbucks seine Gewinne“, sagt Perli.

Berlin
Kurdische Mutter: „Warum ignorieren mich die Medien?“

Berlin (nex) – Nach vielen Jahrzehnten der Angst und Drohungen sowie Einschüchterungen der PKK, trauen sich immer mehr Kurdischstämmige gegen die Terrororganisation offen Stellung zu beziehen. Seit Wochen steht etwa Maide T. unermüdlich und unerschrocken vor dem Bundestag sowie dem Bundeskanzleramt und hofft bei der Suche nach ihrer Tochter auf die Unterstützung der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bisher jedoch vergebens. Auch die Medien habe sie nicht erreichen können. Ihre zahlreichen Kontaktaufnahmen seien unbeantwortet geblieben, so die alleinerziehende kurdischstämmige Mutter gegenüber NEX24. „Warum ignorieren mich die Medien bloß?“, fragt die 51-Jährige verzweifelt. Die Terrororganisation PKK habe ihre Tochter Nilüfer einer Gehirnwäsche unterzogen und sie daraufhin ins Ausland verschleppt, so Maide T. Die PKK sei Deutschlandweit in sogenannten Kulturvereinen vertreten und locke junge Leute zuerst mit Kultur- Sprach- und Musikprogrammen. Auch ihre Tochter habe vor ihrem Verschwinden angefangen, eine dieser Begegnungsstätten zu besuchen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit beginne man jedoch, auch politische Themen in den Mittelpunkt zu stellen. Nilüfer habe man eingeladen, an „Campingurlauben in den Bergen und freier Natur“ im Ausland teilzunehmen. Die besorgte Mutter habe ihre Tochter immer wieder vor diesen Vereinen gewarnt und sie darum gebeten diese nicht mehr zu besuchen. Nilüfer habe sie jedoch beruhigt und ihr versichert, dass sie nicht auf diese Tricks reinfallen würde. „Meine Tochter wollte studieren und hatte große Pläne für ihre Zukunft“, so T. Die Justiz habe sie mit Hinweis auf die Volljährigkeit ihrer Tochter „abgewimmelt“. „Würde man bei Kindern von deutschen Politikern auch in dieser Weise reagieren?“, fragt die Mutter verzweifelt. Es gebe sehr viele Betroffene wie sie, die sich aber nicht trauen würden, gegen die PKK anzutreten, sagt Maide weiter. Das wolle Sie nun ändern und hat wie in der Türkei die Hoffnung, dass viel mehr Mütter und Väter aufstehen und sich dieser Indoktrination ihrer Kinder entgegenstellen. Seit mehr als 290 Tagen sitzen vor der Parteizentrale der völkisch-kurdischen HDP Dutzende kurdische Eltern im Streik, um die Freilassung ihrer Kinder von der PKK zu erreichen. Eine tragische Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, deren einziges Kind von einem kurdischen Kulturverein in Berlin indoktriniert wird, um im Südosten der Türkei für die sogenannten Rechte der „Kurden“ in den „bewaffneten Kampf“ einzutreten. Maide T. kam 1997 aus der Türkei nach Berlin. Sie ist kurdischstämmig und wollte in Deutschland mit ihrem Ehemann einen Neuanfang beginnen. Aus der Ehe stammt die Tochter Nilüfer. Dann aber trennte sich das junge Paar. Sie arbeitete fortan als Altenpflegerin und zog das Kind alleine auf. Ihre Arbeit als Altenpflegerin war hart und mühsam, aber die Fürsorge für die Tochter sollte darunter nicht leiden; dass betont Maide immer wieder. Nilüfer bekam Liebe und die Fürsorge, um es bis ins Gymnasium zu schaffen. „Ich werde nicht aufgeben, bis meine Tochter zurückgekehrt ist“, so T.

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Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Assyrische Christen und Aramäer sind frustriert über die Berichterstattung westlicher Medien zur Terrororganisation PKK und ihrem syrischen Ableger YPG. Die Berichte entsprächen nicht der Realität und wer Fragen stelle oder Einwände habe, werde in Europa nicht erhört.

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DigitalPakt Schule
Karliczek: 500 Millionen für Schülerlaptops können fließen

Schulen sollen digitale Endgeräte an Kinder und Jugendliche ausleihen, die in ihrer häuslichen Umgebung nicht darauf zugreifen können. Der Koalitionsausschuss hat Ende April beschlossen, hierfür zusätzliche 500 Millionen Euro für den DigitalPakt Schule bereitzustellen. Nachdem in den vergangenen Wochen alle Länder die Zusatzvereinbarung zum DigitalPakt Schule unterzeichnet haben, hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek heute mit ihrer Unterschrift den Weg dafür freigemacht, dass Schulen digitale Endgeräte beschaffen und an Schülerinnen und Schüler ausleihen können, die zuhause über keine entsprechende technische Ausstattung verfügen.
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterzeichnet die Bund-Länder-Vereinbarung. (Foto: BMBF)
Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek: „Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine große Bewährungsprobe. Das gilt in besonderer Weise auch für unser Bildungssystem. Seit Beginn der aktuellen Ausnahmesituation mussten sich Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern schnell auf neue Lernumstände einstellen. Gute Bildung muss auch in herausfordernden Zeiten selbstverständlich sein. Bildungsbiographien sollen durch die Pandemie keine Brüche bekommen. Dafür ziehen Bund und Länder an einem Strang. Digitales Lernen hat bereits in den zurückliegenden Wochen im ganzen Land deutlich an Bedeutung gewonnen. Das dürfen wir auch als Chance begreifen. Die Digitalisierung der Schulen hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Aus diesen Erfahrungen wollen wir lernen. Und darauf wollen und werden wir aufbauen. Wir alle wollen, dass die Schulen nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren können. Zugleich müssen wir sicherstellen, dass digitaler Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen auch zu Hause möglich ist. Ich bin deshalb froh, dass uns für die vom Koalitionsausschuss beschlossenen 500 Millionen Euro so schnell eine praktische und lebensnahe Zusatzvereinbarung zum DigitalPakt Schule gelungen ist. Schülerinnen und Schüler, die zuhause nicht auf digitale Endgerätezurückgreifen können, sollen sich Laptops oder Tablets bei ihrer Schule ausleihen können. Die 500 Millionen Euro Bundesmittel werden durch einen Eigenanteil der Länder in Höhe von zehn Prozent ergänzt. Auf Wunsch der Länder werden die Mittel unter ihnen nach dem Königsteiner Schlüssel aufgeteilt. Die Länder werden nun schnell Landesregelungen erlassen, nach denen die Endgeräte beschafft und dann von den Schulen vor Ort nach eigenem Ermessen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden können. Die Situation vor Ort ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Die Wiederaufnahme von Unterricht nach den Sommerferien geschieht möglicherweise nicht überall gleich. Vielleicht unterscheidet sich das Verhältnis von Präsenz- und Online-Unterricht sogar von Klasse zu Klasse. Die Verantwortlichen vor Ort kennen die individuellen sozialen Lagen ihrer Schülerinnen und Schüler am besten. Deswegen können die Schulen am besten entscheiden, wie die Geräte eingesetzt werden. Das gilt sowohl für soziale Bedarfe wie auch für pädagogische Erfordernisse. Die Geräte bleiben im Eigentum der Schule und können dort auch später im Regelbetrieb weiter genutzt werden. Wenn Schulen Hard- und Software für die Erstellung von Online-Lerninhalten benötigen, können die Mittel auch dafür eingesetzt werden. Damit ermöglichen wir individuelle Lösungen vor Ort. Die Schulverantwortlichen wissen am besten, wem man wie helfen muss. Sie sollen die Mittel flexibel und nach konkreten Bedarfslagen nutzen. Wir wollen so zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen.“ Hintergrund Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hat in seiner Sitzung am 22. April 2020 ein 500-Millionen-Euro-Programm zur Sofortausstattung von benachteiligten Schülerinnen und Schülern beschlossen. Daraufhin haben der Bund, vertreten durch das BMBF, und die Länder Verhandlungen über die Umsetzung aufgenommen. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde am 15. Mai 2020 in einer gemeinsamen Pressekonferenz von BMBF und KMK vorgestellt. Danach musste die Zusatzvereinbarung von allen Ländern, deren jeweiligen rechtsstaatlichen Grundsätzen folgend, unterschrieben werden. Die letzte Unterschrift hat heute Bundesbildungsministerin Karliczek geleistet. Die Zusatzvereinbarung basiert auf diesen Kernpunkten:

– Die Zusatzvereinbarung umfasst ein Volumen von 500 Millionen Euro Bundesmitteln.

– Der Kofinanzierungsanteil der Länder beträgt mindestens zehn Prozent. – Eine vollständige Verausgabung wird für 2020 angestrebt.

– Die Mittel dienen der Unterstützung der Schulen, um in der Zeit der coronabedingten Schulschließungen einem möglichst hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern digitalen Unterricht zu Hause durch mobile Endgeräte (Laptops, Notebooks, Tablets, ausdrücklich keine Smartphones) zu ermöglichen. Weiterer Zweck ist, die Ausstattung der Schulen zu fördern, die für die Erstellung professioneller online-Lehrangebote erforderlich ist.

– Die Länder berichten im Rahmen ihrer Nachweis- und Berichtspflichten gemäß der Verwaltungsvereinbarung zum DigitalPakt Schule über die Verwendung, erstmals zum 31.12.2020.

– Auf die Regelungen der Verwaltungsvereinbarung wird salvatorisch Bezug genommen, entsprechend sind Rückforderungen des Bundes bei nicht zweckentsprechender Verwendung möglich.

Als nächstes müssen die Länder auf der Zusatzvereinbarung beruhende Regelungen erlassen, aufgrund derer die Schulträger die mobilen Endgeräte beschaffen können. Sobald diese vor Ort inventarisiert sind, können sie nach dem Ermessen der Schulen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden. Die Geräte verbleiben im Eigentum der Schule und sollen auch im Regelbetrieb nach Ende der Corona-Zeit im Sinne des DigitalPaktes Schule eingesetzt werden.

Tönnies-Skandal
SPD-Fraktionsvize Wiese fordert Gabriel zur Spende seines Tönnies-Honorars auf

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese hat den früheren Parteichef Sigmar Gabriel aufgefordert, sein Tönnies-Beraterhonorar in Höhe von 10.000 Euro nicht zu behalten. Wiese sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Sigmar Gabriel sollte sich überlegen, ob er sein Beraterhonorar nicht für einen guten Zweck spendet.“ Wiese ergänzte: „Mit solchen Tätigkeiten schadet er seinem Ruf und dem Ruf unserer Partei immens.“ Gabriel habe zwar seine Verdienste als Parteivorsitzender, Wirtschafts- und Außenminister. „Ich würde mir aber wünschen, dass er auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als positives Aushängeschild unserer SPD wahrgenommen wird“, so Wiese.

Fleischkonzern Tönnies bezahlte Sigmar Gabriel als Berater

Sigmar Gabriel wurde von Deutschlands größtem Fleischproduzenten Tönnies als Berater bezahlt. Dies belegen Dokumente, die dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) vorliegen. Demnach ist der ehemalige Bundeswirtschaftsminister seit März 2020 bis mindestens Ende Mai 2020 für den Konzern tätig gewesen. Gabriel erhielt bislang offenbar ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro im Monat sowie ein zusätzliches vierstelliges Honorar für jeden Reisetag. Die Tätigkeit sollte auf zwei Jahre angelegt sein. Auf Anfrage von „Panorama“ teilte Sigmar Gabriel mit, dass seine privatwirtschaftlichen Tätigkeiten keiner Veröffentlichungspflicht unterlägen. Er habe bei Auskünften an Medien immer auch Interessen Dritter zu wahren. Trotzdem bestätigte er, dass er ab dem 1. März 2020 für Tönnies tätig gewesen sei. Er habe das Unternehmen im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest beraten. Seine Arbeit sei aber mittlerweile beendet: „Diese Tätigkeit musste ich aufgrund einer schwierigen Erkrankung und einer dadurch für mich notwendig gewordenen komplizierten Operation zum 31. Mai 2020 beenden. Für mich war zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, ob und ggf. wann ich meine beruflichen Tätigkeiten wieder aufnehmen kann.“ Dies erweckt den Eindruck, dass sein Vertragsverhältnis nun endgültig beendet sei. Gabriel betonte, dass er die „Panorama“-Anfrage beantworte „aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses im vorliegenden Fall und auch aufgrund der Tatsache, dass weder ich noch meine Geschäftspartner die frühere Beratungstätigkeit für die Firma Tönnies als problematisch ansehen“.

Firmenchef Clemens Tönnies hatte sich nach „Panorama“-Recherchen persönlich um die Personalie gekümmert. Panorama liegt eine Präsentations-Folie aus der Sitzung des Konzern-Beirats vom 26. Februar 2020 vor. Darin heißt es: „Es ist Clemens Tönnies gelungen, Herrn Sigmar Gabriel als Berater zu verpflichten Er wird seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten.“ Dabei geht es dem Dokument zufolge insbesondere um den chinesischen Markt. Gabriel solle neue Transportmöglichkeiten mit der Eisenbahn nach China eruieren und die Verhandlungen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium sowie China im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest führen.

Darüber hinaus gehe es auch um „Kommunikationsberatung in vom Auftraggeber ausgewählten Fällen“. Eine Zielvereinbarung gibt es offenbar nicht. So heißt es in dem internen Papier: „Gegenstand des dem Auftragnehmer erteilten Auftrags ist die vereinbarte Leistung, nicht ein bestimmter Erfolg.“

Eine Antwort der Tönnies Holding hierzu stehe noch aus. Der Fleischkonzern Tönnies steht nach einer Welle von Corona-Infektionen unter überwiegend osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmern am Standort Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh in der Kritik. Anfang 2015 hatte Sigmar Gabriel – noch als Bundeswirtschaftsminister – das System der Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie als „Schande für Deutschland“ bezeichnet. Es ging vor allem um die oft desolaten Arbeits- und Wohnbedingungen der osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmer. Daraufhin besuchte Gabriel das Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück und wurde von Firmenchef Clemens Tönnies persönlich durch die Produktion geführt. In der Folge einigten sich die sechs größten deutschen Fleischkonzerne unter Federführung von Gabriel und Tönnies auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einhaltung sozialer Standards in der Fleischwirtschaft. Demnach sollten künftig auch alle Werkvertragsarbeitnehmer nach deutschem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht beschäftigt sein, die Zahl der Werkverträge sollte reduziert werden. Zudem wurde vereinbart, dass in die Unterkünfte investiert werde. Die Initiative blieb weitgehend wirkungslos. Allein beim Tönnies-Konzern war 2018 nach eigenen Angaben die Hälfte aller Beschäftigten noch über Subunternehmen tätig. Auch die Wohnsituation der Werkvertragsarbeitsnehmer hat sich offenbar nur unwesentlich verbessert. Sigmar Gabriel ist seit November 2019 nicht mehr im Bundestag. Er war von 2013 bis 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bis März 2018 Bundesaußenminister. Gegen die Karenzzeit-Regelung für den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft hat er mit seiner Tätigkeit für Tönnies nicht verstoßen. Gabriel war bis März 2018 Minister und ist erst seit März 2020 Tönnies-Berater. Das Gesetz sieht für ehemalige Mitglieder der Bundesregierung eine Anzeigepflicht vor, wenn sie beabsichtigen, innerhalb von 18 Monaten nach Ausscheiden aus dem Amt einer Beschäftigung außerhalb des öffentlichen Dienstes nachzugehen. Grünen-Politiker: „Gabriel hat nach Schröderscher Manier bei Tönnies die Hand aufgehalten“ Die Grünen haben die bezahlte Tätigkeit von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel für den umstrittenen Fleischkonzern Tönnies scharf kritisiert und Gabriel mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder verglichen. „Sigmar Gabriel hat bei Tönnies nach Schröderscher Manier die Hand aufgehalten – nach dem Motto: Man nimmt mit, was man kriegen kann“, sagte Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ . „Die SPD hat einen Ex-Kanzler, der vor einem Bundestagsausschuss die Position Putins vertritt – und jetzt einen weiteren Ex-Parteichef, der sich von Schröder kaum unterscheidet. Und der noch dazu ständig von der Seitenlinie mit moralischen Appellen zu hören ist“, sagte Janecek. „Man fragt sich: Wo kommt das in der SPD her? Sigmar Gabriel macht sich total unglaubwürdig. Damit schadet er seiner Partei – und der Politik generell“, sagte der industriepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion.

Tönnies-Skandal
Bericht: Fleischkonzern Tönnies bezahlte Sigmar Gabriel als Berater

Sigmar Gabriel wurde von Deutschlands größtem Fleischproduzenten Tönnies als Berater bezahlt. Dies belegen Dokumente, die dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) vorliegen. Demnach ist der ehemalige Bundeswirtschaftsminister seit März 2020 bis mindestens Ende Mai 2020 für den Konzern tätig gewesen. Gabriel erhielt bislang offenbar ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro im Monat sowie ein zusätzliches vierstelliges Honorar für jeden Reisetag. Die Tätigkeit sollte auf zwei Jahre angelegt sein. Auf Anfrage von „Panorama“ teilte Sigmar Gabriel mit, dass seine privatwirtschaftlichen Tätigkeiten keiner Veröffentlichungspflicht unterlägen. Er habe bei Auskünften an Medien immer auch Interessen Dritter zu wahren. Trotzdem bestätigte er, dass er ab dem 1. März 2020 für Tönnies tätig gewesen sei. Er habe das Unternehmen im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest beraten. Seine Arbeit sei aber mittlerweile beendet: „Diese Tätigkeit musste ich aufgrund einer schwierigen Erkrankung und einer dadurch für mich notwendig gewordenen komplizierten Operation zum 31. Mai 2020 beenden. Für mich war zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, ob und ggf. wann ich meine beruflichen Tätigkeiten wieder aufnehmen kann.“ Dies erweckt den Eindruck, dass sein Vertragsverhältnis nun endgültig beendet sei. Gabriel betonte, dass er die „Panorama“-Anfrage beantworte „aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses im vorliegenden Fall und auch aufgrund der Tatsache, dass weder ich noch meine Geschäftspartner die frühere Beratungstätigkeit für die Firma Tönnies als problematisch ansehen“. Firmenchef Clemens Tönnies hatte sich nach „Panorama“-Recherchen persönlich um die Personalie gekümmert. Panorama liegt eine Präsentations-Folie aus der Sitzung des Konzern-Beirats vom 26. Februar 2020 vor. Darin heißt es: „Es ist Clemens Tönnies gelungen, Herrn Sigmar Gabriel als Berater zu verpflichten Er wird seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten.“ Dabei geht es dem Dokument zufolge insbesondere um den chinesischen Markt. Gabriel solle neue Transportmöglichkeiten mit der Eisenbahn nach China eruieren und die Verhandlungen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium sowie China im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest führen. Darüber hinaus gehe es auch um „Kommunikationsberatung in vom Auftraggeber ausgewählten Fällen“. Eine Zielvereinbarung gibt es offenbar nicht. So heißt es in dem internen Papier: „Gegenstand des dem Auftragnehmer erteilten Auftrags ist die vereinbarte Leistung, nicht ein bestimmter Erfolg.“ Eine Antwort der Tönnies Holding hierzu stehe noch aus. Der Fleischkonzern Tönnies steht nach einer Welle von Corona-Infektionen unter überwiegend osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmern am Standort Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh in der Kritik. Anfang 2015 hatte Sigmar Gabriel – noch als Bundeswirtschaftsminister – das System der Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie als „Schande für Deutschland“ bezeichnet. Es ging vor allem um die oft desolaten Arbeits- und Wohnbedingungen der osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmer. Daraufhin besuchte Gabriel das Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück und wurde von Firmenchef Clemens Tönnies persönlich durch die Produktion geführt. In der Folge einigten sich die sechs größten deutschen Fleischkonzerne unter Federführung von Gabriel und Tönnies auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Einhaltung sozialer Standards in der Fleischwirtschaft. Demnach sollten künftig auch alle Werkvertragsarbeitnehmer nach deutschem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht beschäftigt sein, die Zahl der Werkverträge sollte reduziert werden. Zudem wurde vereinbart, dass in die Unterkünfte investiert werde. Die Initiative blieb weitgehend wirkungslos. Allein beim Tönnies-Konzern war 2018 nach eigenen Angaben die Hälfte aller Beschäftigten noch über Subunternehmen tätig. Auch die Wohnsituation der Werkvertragsarbeitsnehmer hat sich offenbar nur unwesentlich verbessert. Sigmar Gabriel ist seit November 2019 nicht mehr im Bundestag. Er war von 2013 bis 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bis März 2018 Bundesaußenminister. Gegen die Karenzzeit-Regelung für den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft hat er mit seiner Tätigkeit für Tönnies nicht verstoßen. Gabriel war bis März 2018 Minister und ist erst seit März 2020 Tönnies-Berater. Das Gesetz sieht für ehemalige Mitglieder der Bundesregierung eine Anzeigepflicht vor, wenn sie beabsichtigen, innerhalb von 18 Monaten nach Ausscheiden aus dem Amt einer Beschäftigung außerhalb des öffentlichen Dienstes nachzugehen. Grünen-Politiker: „Gabriel hat nach Schröderscher Manier bei Tönnies die Hand aufgehalten“ Die Grünen haben die bezahlte Tätigkeit von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel für den umstrittenen Fleischkonzern Tönnies scharf kritisiert und Gabriel mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder verglichen. „Sigmar Gabriel hat bei Tönnies nach Schröderscher Manier die Hand aufgehalten – nach dem Motto: Man nimmt mit, was man kriegen kann“, sagte Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ . „Die SPD hat einen Ex-Kanzler, der vor einem Bundestagsausschuss die Position Putins vertritt – und jetzt einen weiteren Ex-Parteichef, der sich von Schröder kaum unterscheidet. Und der noch dazu ständig von der Seitenlinie mit moralischen Appellen zu hören ist“, sagte Janecek. „Man fragt sich: Wo kommt das in der SPD her? Sigmar Gabriel macht sich total unglaubwürdig. Damit schadet er seiner Partei – und der Politik generell“, sagte der industriepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion.

Upskirting
Heimliches Fotografieren unter den Rock wird strafbar

Das heimliche Fotografieren unter den Rock, das sog. Upskirting, sowie das Anfertigen und Verbreiten von Fotos Verstorbener beispielsweise bei Unfällen werden künftig unter Strafe gestellt. Der Bundestag wird dafür voraussichtlich am heutigen Donnerstag das Gesetz zur Verbesserung des Persönlichkeitsschutzes bei Bildaufnahmen verabschieden. Dazu erklären der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Jan-Marco Luczak, und der zuständige Berichterstatter Ingmar Jung: Dr. Jan-Marco Luczak: „Das heimliche Fotografieren oder Filmen unter den Rock, das sogenannte Upskirting, greift leider immer mehr um sich. Wir steuern als Gesetzgeber jetzt entschlossen dagegen, denn ein Kavaliersdelikt ist das nicht. Tatsächlich wird hier die Intimsphäre von Frauen schwerwiegend verletzt. Diese Übergriffe sind für die Opfer demütigend, verletzend und oft verbunden mit weitreichenden psychischen Folgen. Der Täter handelt in aller Regel aus sexueller Motivation und die Opfer werden zu einem Lustobjekt degradiert. Deswegen haben wir als Union darauf gedrungen, dass solche Taten als Verletzung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung geahndet werden. Wir stehen an der Seite der Frauen, die sich jetzt auf einen strafrechtlichen Schutz verlassen können.“ Ingmar Jung: „Leider werden Unfallopfer immer häufiger Zielobjekt von sensations- und schaulustigen Personen. Anschließend werden diese bloßstellenden Bildaufnahmen in sozialen Netzwerken oder Chatgruppen mit Freunden und Familie geteilt. Solche Situationen aus reiner Sensationsgier aufzuzeichnen und dabei auch noch Rettungskräfte an ihrer Arbeit zu hindern, für so ein Verhalten fehlt uns jedes Verständnis. Deshalb ist es gut, dass wir den Schutz vor bloßstellenden Bildaufnahmen auch auf verstorbene Personen ausweiten. Dass diese sog. ‚Gaffer‘ bisher nur dann strafrechtlich belangt werden können, wenn die abgebildeten Personen auf den Fotos noch am Leben sind, ist nicht sachgerecht. Das heimliche Fotografieren unter den Rock und in den Ausschnitt ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um eine durch nichts zu rechtfertigende Verletzung der Intimsphäre der Betroffenen, meist Frauen. Nicht nur aus Sicht der Opfer ist es wichtig, diese Eingriffe als Eingriff in das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu werten. Auch den Tätern wird damit das Unrecht ihrer Tat besser vor Augen geführt. Solche Verhaltensweisen gehören nicht nur gesellschaftlich geächtet, sondern auch strafrechtlich sanktioniert.“

Cyber
Tausende Server haben Sicherheitslücken

Tausende Server in Deutschland sind so eingerichtet, dass Angreifer sie unentdeckt ausspionieren können. Das berichtet die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe. Der Flensburger IT-Sicherheits-Unternehmer Matthias Nehls ermittelte rund 41.000 Systeme, die von der Schwachstelle betroffen sind. Die Server sind offenbar so konfiguriert, dass sich ohne großen Aufwand bestimmte Ordner auslesen lassen, in denen zum Beispiel Zugangsdaten zu Datenbanken mit sensiblen Daten von Kunden gespeichert sein können. Wie Recherchen der ZEIT, des Computermagazins c’t und des NDR zeigen, waren von der Schwachstelle auch Server von Dax-Konzernen oder Hochschulen betroffen. Zudem fanden sich unter den betroffenen Systemen auch Server von Mittelständlern, Arztpraxen, Online-Shops und Stadtwerken – und das, obwohl die Problematik seit Jahren bekannt ist. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigt sich davon nicht überrascht. „Viele kleine und mittelgroße Organisationen machen sich um ihre IT-Sicherheit keinen Kopf, da muss es erstmal knallen, bevor sie die richtigen Schutzmaßnahmen einleiten“, teilt Deutschlands Cybersicherheitsbehörde der ZEIT mit.

Corona-Krise
Linnemann verteidigt Laschets Krisenpolitik

„Wege aus dem Lockdown aufgezeigt“ Bielefeld – Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann hat den für dessen Krisenmanagement gescholtenen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) in Schutz genommen. In einem Gespräch mit der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen sagte Linnemann, im Gegensatz zu jenen Menschen, die in der Krise „gesichert weiterarbeiten konnten, etwa wir Politiker oder Beamte“, habe Corona „andere Gruppen hart getroffen“. Ihre Probleme habe Laschet „erkannt und in seine Krisenpolitik aufgenommen“. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte die Politik des möglichen Unionskanzlerkandidaten Laschet in der Corona-Pandemie scharf kritisiert. Kaum jemand habe in der Krise „so viel Verunsicherung bei den Menschen ausgelöst wie Armin Laschet“. Linnemann sagte, es sei „richtig, dass Laschet frühzeitig eine Debatte über mögliche Lockerungen angestoßen hat“. Das habe nicht jedem gefallen, die Debatte aber sei wichtig gewesen, „um Wege aus dem Lockdown aufzuzeigen“. Aus Linnemanns Sicht ist es jedoch noch zu früh, um über die Kanzlerfrage zu streiten. Die Menschen in Deutschland, und das gelte genauso für die Union, hätten gerade ganz andere Sorgen als die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. „Spätestens aber nach dem Sommer erwarte ich eine offene Debatte über die K-Frage“, sagte Linnemann. „Dann sollte auch geklärt werden, ob die CSU einen Kandidaten ins Rennen schicken möchte. Das sollte vor dem CDU-Parteitag im Dezember abgeräumt sein, um Spannungen innerhalb der Union vorzubeugen.“