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Umwelt
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Fall Hager Barkous
„Entweder Kopftuch ausziehen oder Toiletten putzen“
„Das Erstarken des antimuslimischen Populismus ist nur eine von vielen Signalen des wachsenden Rassismus in Europa. Das gefährdet nicht nur die Rechte der europäischen Muslime, sondern bedroht auch die Existenz der liberalen Demokratie ernsthaft. Deutliche Beispiele können wir etwa in Ungarn finden. Aus diesem Grund sollten alle christlichen und muslimischen Demokraten, aber auch alle Religionsgemeinschaften, Hager beistehen“.Die seit vielen Jahren in Nizza lebende Hager Barkous wurde im Juni 2018 bei McDonalds als vielseitiges Teammitglied eingestellt. Damals habe ihr der Manager deutlich gemacht, dass er nichts gegen ihr Kopftuch oder ihre langen Ärmeln habe. Allerdings teilte man ihr nur einen Monat später bereits mit, dass sich einige Kunden über ihren Kleidungsstil beklagt hätten. Daraufhin habe zwischen Barkous und ihrem Manager ein Gespräch stattgefunden. In diesem habe er ihr eine Position als Empfangsdame angeboten, in der sie eine Arbeitskappe aufsetzen könne. Barkous habe die neue Arbeitsstelle angenommen und trug fortan die Arbeitskappe und Oberteile mit kürzeren 3/4-Ärmeln. Probleme mit Kunden habe es daraufhin nicht mehr gegeben. An der Université Côte d’Azur begann Barkous parallel ein Masterstudium für Management und internationalem Handel. Dies ermutigte sie auch dazu, sich an ihrer jetzigen Arbeitsstelle als Betriebsleiterin für die administrative Leitung des Restaurants zu bewerben. Obwohl es viele Bewerbungen für diese Stelle gegeben habe, wurde Hager eingestellt. Die eigentlichen Probleme begannen laut Barkous, nachdem ein neuer Manager die Geschäftsleitung des Restaurants übernahm. Er habe sich gleich zu Beginn nicht an „die arbeitsvertraglichen Bestimmungen gehalten“, so Barkous. Unter anderem seien ihr seitdem keine Verwaltungsaufgaben mehr anvertraut worden. „Als der neue Manager herausfand, dass ich eine Kopfbedeckung trug und meine Arme bedecke, begann er, mich aggressiv aufzufordern, diese abzunehmen. Als ich dem nicht nachkam, erhielt ich daraufhin eine viertägige Disziplinarstrafe“, erklärte Barkous gegenüber NEX24. Nach ihrer Rückkehr habe der Manager sie aufgefordert, die Toiletten zu putzen. Sie könne mit der Bekleidung keinen Kundenkontakt mehr haben. Er habe gefordert: „Kopftuch runter oder Toiletten putzen“. Als Barkous sich weigerte, habe sie bereits wenige Tage später wegen „schwerwiegenden Fehlverhaltens“ ihre Kündigung erhalten. Das Management habe seine Entscheidung zur Entlassung damit begründet, dass „interne Vorschriften“ (Hygiene- und Sicherheitsvorschriften) nicht eingehalten worden seien. Barkous:
„Meine Kollegen arbeiten problemlos mit künstlichen Nägeln, offenen Haaren, Schmuck oder auch langärmeligen Pullovern, war alles kein Problem. Ich verstehe nicht, warum mein frischgewaschenes Kopftuch, welches auch das Essen der Kunden vor meinen Haaren schützt, ein Problem darstellt“.„Hager ist ein Fall von vielen“ Der Fall Barkous stelle nicht die Ausnahme dar, sondern bestätige eher die Regel, so Samir Falah, der Präsident des in 28 Ländern vertretenen Council of European Muslims aus Brüssel gegenüber NEX24:
„Hager führt einen legalen und menschenrechtlichen Kampf gegen religiöse Diskriminierung. Hager ist einer von vielen Fällen, von denen einige ihre Stimme laut erheben und viele von ihnen Stille und Rückzug bevorzugen. Wir sind mit beunruhigenden Auswirkungen konfrontiert, die den gesellschaftlichen Frieden bedrohen. Unser Vertrauen in die Justiz ist derart groß, dass wir zuversichtlich sind, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Wir haben die Hoffnung, dass die Verfechter von Freiheit und Menschenrechten dafür Sorge tragen werden, dass die Gesellschaft nicht gespalten wird. Die muslimische Präsenz in europäischen Gesellschaften ist eine Bereicherung. Denn der Zustand der Angst und Einschüchterung muss beendet werden.“Die Geschichte Hagers hat eine große Unterstützungskampagne in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Auch in Deutschland. In einem Gespräch mit NEX24 appelliert Tolga Özgül, Bundesvorsitzender der Genç ASiP aus Köln:
„In Frankreich verschwinden meistens alle Begrifflichkeiten der Menschenrechte und des Feminismus, sobald es um muslimische Frauen geht. Es ist sehr traurig zu sehen, wie Frankreich in Richtung des 18. Jahrhunderts zurückfällt. Denn sowas wäre vielleicht vor 1789 in der Zeiten von Louis XVI akzeptabel, aber nicht in 2020.“Dr. Nabil Messabia, Direktor des Department of Accounting Sciences der Universität von Quebec in Outaouais, Kanada, lobt den Multikulturalismus Kanadas. Er funktioniere besser:
„Multikulturalismus im kanadischen Stil ist eine Erfolgsgeschichte. Unsere Vielfalt ist das Wesen unserer Identität. Es hat sich bewiesen, dass diese Art und Weise nicht nur funktioniert, sondern auch gut und besser ist.“
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Rüstungstechnologie
Rüstung: Die türkische Angriffsdrohne Bayraktar Akıncı
Erster erfolgreicher Testflug 2019
Von Kemal Bölge
Es ist der 6. Dezember 2019, Militärflugplatz Çorlu in der Provinz Tekirdağ. Aus dem Flugzeughangar wird mit einem Schlepper ein Ungetüm zum Rollfeld gebracht, denn auf diesen Augenblick haben die Ingenieure und Techniker von Baykar Technologies seit langer Zeit hingearbeitet. Der Prototyp der Angriffsdrohne Bayraktar Akıncı (TIHA), soll zu ihrem Jungfernflug starten. Die Turbo-Prop-Triebwerke werden eingeschaltet und dann rollt die Drohne von der Position zum Start.
https://www.youtube.com/watch?v=rIpDLZ_B9kMSie beschleunigt ihre Geschwindigkeit und wird immer schneller und dann endlich Take-off. Es ist genau 15:19 Uhr Ortszeit, als die Akıncı in den Himmel steigt und 16 Minuten nach dem Start wieder auf dem Flugplatz der türkischen Luftwaffe sicher landet. Die Erleichterung über diesen erfolgreichen Test ist aus den Gesichtern des Baykar-Teams deutlich abzulesen. Ihren Namen hat die Drohne den Osmanen zu verdanken. Die Akincis (auf Deutsch auch Renner und Brenner) waren ursprünglich osmanische Reitertruppen gemeint, die in feindlichen Terrain den Gegner und die örtlichen Gegebenheiten auskundschafteten.
Technische Details der Angriffsdrohne
Die Akıncı besitzt zwei ukrainische Turbo-Prob-Triebwerke des Typs Iwtschenko Progress AI-450C, die im August 2019 nach erfolgreichem Test in die Drohne integriert wurden. Die Turbinen des Prototyps hatten eine Leistung von 2 x 450 PS, wobei Baykar auch Triebwerke mit einer Leistung von 2 x 750 PS und 2 x 200 PS für ähnliche Modelle konfiguriert hat. Sie ist nach Herstellerangaben in der Lage, 24 Stunden in der Luft zu bleiben und erreicht eine Flughöhe von 40.000 Feet, was umgerechnet 12.192 Meter entspricht. Die Flügelspannweite beträgt 20 Meter, und die Länge 12,2 Meter.
Die Akinci hat ein Leergewicht von 4,5 Tonnen und kann bis zu 1,35 Tonnen Nutzlast mit sich führen. Ausgestattet ist diese Angriffsdrohne mit elektronischen Systemen und einem vielseitig einsetzbaren Radarortungssystem. Darüber hinaus besitzt es ein erweitertes System zur elektronischen Kriegsführung und ermöglicht die Überwachung und Auswertung von feindlichen Signalen. Dank der künstlichen Intelligenz kann das System ein bereits markiertes Ziel selbst berechnen, den Start, das Abheben in die Luft sowie den Angriff selbstständig ausführen und wieder zum Heimatflughafen zurückkehren.
Diese Informationen können dann per Satellit weitergeleitet werden. Selbst wenn ein Satellit vom Feind getroffen werden sollte, kann das System autonom einen Angriff durchführen. Außerdem ist es möglich, die Drohne mit Luft-Boden-Raketen und Luft-Luft-Raketen auszurüsten, die gegen Ziele in der Luft als auch am Boden eingesetzt werden können. Die Akıncı kann auch mit türkischen Hochpräzisionsmarschflugkörpern des Typs SOM (Stand-off Mühimmat Seyir Füzesi) bestückt werden. Damit ist es möglich, weit entfernte Ziele aus großer Distanz zu treffen.
Vergleich mit einem Kampfflugzeug ist abwegig
Es wäre jedoch vermessen, die Akıncı mit einem Kampfflugzeug zu vergleichen, da allein die Manövrierfähigkeit eines Kampfflugzeugs, wie etwa ein Dog-Fight oder ein Nahkampf in der Luft diese Drohne überfordern würde, da sie nicht hierfür konzipiert wurde. Der Einsatz dieser Angriffsdrohnen ist eher als Entlastung für einsatzfähige Kampfflugzeuge zu sehen und es ist ökonomisch betrachtet wesentlich effizienter, da die Einsatzkosten für Drohnen wesentlich geringer sind.
Dieses Jahr erfolgten weitere Testflüge, bei dem auch ein gut gemachter Dokumentarfilm über die Akıncı der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die ersten sechs Bayraktar Akıncı 2021 den türkischen Streitkräften übergeben werden. Das Wesentliche bei dieser Drohne ist, wie der technische Leiter Selçuk Bayraktar in dem Film betont, „die Software und die elektronischen Systeme.“
Die Akıncı wird gelegentlich als der große Bruder der Bayraktar TB2 bezeichnet, die als eines der erfolgreichsten Kampf- und Aufklärungsdrohnen ihrer Zeit gilt und dies in Einsätzen in Syrien, Libyen und in Berg-Karabach unter Beweis stellte. Ihre Größe ermöglicht der Akıncı eine viel größere Nutzlast aufzunehmen (1.350 kg) als im Vergleich die TB2 mit 150 kg, also das neunfache mehr an Gewicht transportieren kann.
Die neue Angriffsdrohne muss sich in ihren zukünftigen Einsätzen jedoch erst beweisen, da sie anders konzipiert ist. Nach Ansicht von Militärexperten gibt es auf der Welt nur ein paar Länder, die eine derartige Drohne in dieser Größenordnung bauen können.
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