Nationalsozialistischer Untergrund
Politologe Yasin Baş: NSU ohne Unterstützung nicht möglich

Der deutsch-türkische Politikwissenschaftler und Historiker Yasin Baş (sprich Basch) weist anlässlich des zehnten Jahrestags der Aufdeckung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in einem Meinungsbeitrag für TRT-Deutsch sowie im Gespräch mit NEX24 auf die Parallelen der rechtsextremistischen Terrorgruppe und der NATO-Geheimorganisation „Gladio“ hin und zeigt sich über den NSU-Prozess ernüchtert. Baş hält es für fatal, dass immer mehr Vertrauen verspielt werde. Das Vertuschen und Versagen müsse ein Ende haben. Nach Ansicht des Politikberaters steige die Zahl derjenigen, die von der Existenz eines „Tiefen Staats“ in Deutschland überzeugt seien. Das verloren gegangene Vertrauen müsse deshalb unbedingt zurückgewonnen werden. In dem Beitrag, der auf TRT-Deutsch erschien, sagt Baş, dass man es sich zu einfach mache, die Hauptschuld einer langjährigen und bundesweiten Mordserie auf drei Menschen abzuwälzen, von denen nur noch eine Person am Leben sei. Eine „mutmaßlich systematische Verstrickung“ zahlreicher Stellen könne dadurch dementiert werden. Dabei hätten die NSU-Mitglieder manipulierte Ausweisdokumente bei sich, die nicht ohne weiteres zu bekommen seien. „Ohne logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung hätte eine Terrorserie mit dieser Reichweite freilich nicht durchgeführt werden können“, so der 34-jährige Historiker und Politologe. Die NSU-Terroristen seien an Geld, Waffen, Sprengstoff, technisches Material und – besonders gravierend – an nützliche Tipps und sogar an geheim eingestufte Informationen gelangt. „Von wem diese gefährliche Terrororganisation ihre logistische, finanzielle und nachrichtendienstliche Hilfe erhielt, wurde jahrelang in mehreren Untersuchungsausschüssen deutscher Landtage sowie des Bundestages und in Gerichtsprozessen erforscht. Fazit: Am Ende gab es mehr Fragen als Antworten“, schreibt Baş. Viele Alt-Nazis setzten ihre Karriere nach dem 2. Weltkrieg fort Der auch als Journalist und Autor tätige Baş erklärt zudem, welche historisch-strukturellen Umstände diese rechtsterroristische Organisation begünstigt haben könnten: „Ein Großteil der Eliten und Behördenmitarbeiter, vor allem im Auswärtigen Amt (AA), den Sicherheitsdiensten, Ministerien, Gerichten, Universitäten und Verwaltungen waren [nach dem Zweiten Weltkrieg] ‚neue alte Nazis‘. Kurz: In Wirtschaft, Politik, Staat, Medien, Polizei, Verwaltung, Wissenschaft, Armee und Justiz konnten sich nicht nur alte Demokraten der Weimarer Republik, sondern auch viele Nazis einnisten. Und zwar nicht nur in Westdeutschland, sondern gerade auch in der DDR. Auch die Amerikaner kooperierten mit Nazis“, so der Politikberater weiter. Laut Schätzungen des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA seien noch bis in die 1970er-Jahre 25 bis 30 Prozent der Mitarbeiter der aus der Organisation des Ex-Wehrmachts-Generalmajors Reinhard Gehlen gegründeten BND ehemalige Mitglieder elitärer Naziorganisationen, schreibt Baş in seiner Analyse.
„Die Frankfurter Rundschau wies darauf hin, dass sich die Leitungsebene des Bundeskriminalamts 1959 noch zu 56 Prozent aus ehemaligen SS-Mitgliedern und zu 75 Prozent aus früheren Mitgliedern der NSDAP zusammensetzte. Dies alles konnte trotz der viel beachteten Bemühungen der Befreiungsmächte zur Entnazifizierung geschehen – also obwohl jede Anwärterin und jeder Anwärter auf einen Posten im Staatsdienst beweisen musste, dass sie oder er keine nationalsozialistische Vergangenheit hatte und der freiheitlich demokratischen Grundordnung gegenüber nicht feindlich gesinnt war.“
Ungereimtheiten und viele offene Fragen Wenn Baş über den NSU redet, spricht er auch von einem „mutmaßlich großen Sumpf“, der ausdrücklich auf Einzelpersonen begrenzt werde. Doch die Einzeltäterthese sei höchst umstritten. Die Vernichtung von Akten, mysteriöse Todesfälle von Zeugen und V-Leuten, unerklärliche Ungereimtheiten, die vor den verschiedenen NSU-Untersuchungsausschüssen zu Tage traten, oder die Mitgliedschaft einzelner Beamter in rassistischen Organisationen wie dem „Ku-Klux-Klan“ oder „Blood and Honour“ sowie weitere Mitgliedschaften von einzelnen Sicherheitsleuten in rechtsextremistischen Organisationen verleiteten Beobachter dazu, Parallelen mit den Aktionen der NATO-Geheimarmee „Gladio” zu ziehen. „Es wurde zwar gegenüber der Öffentlichkeit nie offiziell eingeräumt“, so der Politikwissenschaftler, „gilt aber weithin als wissenschaftlich nachgewiesen, dass im Kalten Krieg rechtsextremistische und antikommunistische Netzwerke innerhalb oder zumindest mit Wissen von Sicherheitsbehörden bzw. deren Duldung aufsehenerregende und teils blutige ‚Aktionen‘ durchführten“. Parallelen mit der NATO-Geheimarmee „Gladio“ Die blutigen Aktionen der „Gladio“ seien damals reihenweise „Linken” oder kommunistischen Gruppierungen zugeordnet und die Urheber sowie Netzwerke im Hintergrund bewusst verschleiert worden, schreibt Baş. „Und was passierte bei den NSU-Morden? Welche Menschen wurden nach den Morden der NSU anfangs verdächtigt?“, fragt der Politikberater. „Meist wurde von ‚rivalisierenden türkischen Gruppen‘ gesprochen. Die Familien der Opfer wurden zu Verdächtigen erklärt und stigmatisiert. Desinformation stand also in beiden Fällen im Vordergrund“, so Baş. Die verbrecherischen Taten seien allerdings nachweislich von rechtsextremistischen Zellen ausgeführt worden. Außerdem sei nachgewiesen, dass die Täter damals in Verbindung mit verschiedenen antikommunistischen, transatlantischen Nachrichtendiensten und der NATO-Geheimarmee „Gladio“ standen. Viele Deutschtürken sind enttäuscht und desillusioniert Auf Anfrage von NEX24 erklärt der Politologe, dass er von der Aufklärungsarbeit in Bezug auf den NSU enttäuscht sei. „Das untergräbt das Vertrauen. Die Menschen, allen voran die türkischstämmigen Menschen in Deutschland, möchten den Behörden gerne vertrauen. Aber das Versagen von Teilen dieser Behörden bei der Aufklärung führt leider nicht zu mehr Vertrauen.“ Wenn manche Untersuchungsausschüsse dann auch noch von „Sabotage“ sprechen, Zeugen und V-Leute plötzlich sterben, Akten verschwinden oder für Jahrzehnte unter Verschluss gehalten werden sollen, machen sich die Einen oder Anderen durchaus Gedanken, ob es hier einen „Tiefen Staat“ gebe. Auf die Frage von NEX24, wie der Politikberater und Autor das Aufklärungsversprechen von der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewertet, antwortet dieser, seine anfängliche Hoffnung habe sich in eine Desillusion gewandelt.
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.  

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Im einem Gespräch mit NEX24 bemängelt der Sprecher der griechischen Menschenrechtsorganisation Greek Helsinki Monitor das Fehlen einer strafrechtlichen Verfolgung rassistischer Verbrechen, die in seinem Land fast gänzlich fehle.

NEX24-Interview mit Menschenrechtler Dr. Panayote Dimitras

Sportwetten
Snaitech-Partnerschaft: HAPPYBET startet zur Eroberung der Sportwetten in Österreich und Deutschland

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Neuer Wind für den österreichischen und deutschen Sportwettenmarkt: Auf der Welle der Branchenregulierungs-Upgrades steigen die Umsatzesmengen und die Wachstumsprognosen für die kommenden Monate rosig. Genau in diesen Expansionstrend passt die Wahl von Playtech, das unter seiner Schirmherrschaft HPYBET, heute HAPPYBET, und Snaitech vereint wird. Einerseits hatte sich das junge deutsche Unternehmen, das zu den ersten Händlern gehörte, die 2020 die neue Lizenz erhielten, bereits in früheren Jahren durch die Gründung von mehr als 200 Wettstellen im Inland und eine Einnahme von mehr als 19 Millionen Euro im vergangenen Jahr hervorgetan. Auf der anderen Seite stellt das historische italienische Unternehmen einen der berühmtesten und etabliertesten Namen im italienischen Panorama der Sportwetten dar, die zweifellos zu den wettbewerbsfähigsten der Welt gehört. Für beide Unternehmen ist die Entstehung dieser Zusammenarbeit ein wichtiger Wendepunkt: Snaitech hat heute die Möglichkeit, nationale Grenzen zu überschreiten und ein Geschäftsmodell und ein bisher erfolgreiches Angebot zu exportieren; HAPPYBET verfügt, neben der Unterstützung eines Unternehmens mit einem ausgezeichneten Ruf, über die gesamte Erfahrung eines Giganten, der in der Lage ist, satte 523 Millionen Euro im Jahr 2020 einzunehmen, durch die 2.100 Wettstellen in Italien und dank einer leistungsfähigen Online-Plattform mit allen notwendigen Sicherheitszertifizierungen. Mit einer neuen Marke, einem neuen Logo und einer erneuerten Mission, die sich dafür entscheidet, den Benutzer und die Förderung des verantwortungsvollen Spiels in den Mittelpunkt der Unternehmensziele zu stellen, bereitet sich HAPPYBET auf einen Neuanfang vor und setzt auf die Einführung einer Online-Wettplattform, die dank des wertvollen technologischen Inputs von Snaitech entwickelt wurde. Heute zeichnet sich das HAPPYBET-Portal durch seine große Sorgfalt für die Benutzererfahrung aus: Alles wurde entwickelt, um eine einfache und reibungslose Navigation durch die verschiedenen Abschnitte zu fördern, klare und umfassende Informationen zu liefern und natürlich das Angebot zu nutzen, das im Vergleich zur Vergangenheit erweitert wurde und ständig wächst. So bietet die HAPPYBET-Plattform heute die Möglichkeit, sich zu allen großen Spielen aller großen europäischen Fußballligen zu äußern: Von den Wetten auf die Serie A bis hin zu den Spielen in der Premier League, können Sie über eine einzige Schnittstelle mit wenigen Klicks auf den gewünschten Wettbewerb zugreifen und Ihre Spiele platzieren. Wenn sich das Angebot erweitert und aktualisiert, auch mit vielen anderen Disziplinen (einschließlich Basketball, Volleyball, Tennis und Hockey, um nur die wichtigsten zu nennen), auch auf der Spielformeln, werden die Vorschläge vielfältiger: Wenn für Traditionsliebhaber die klassischen 1×2, Under/Over und Gol/Nogol weiterhin eine Gewissheit darstellen, sind die Live-Spiele für diejenigen, die immer neue Impulse suchen, ihre Einsätze direkt während des laufenden Spiels zu platzieren, wobei ständig aktualisierte Quoten zu berücksichtigen sind (je nach Entwicklung der Situation auf dem Platz). Die Spielmodi sehen daher die Möglichkeit vor, Einzel- oder Kombinationswetten zu platzieren und vorgefertigte Systeme zu verwenden. Für jedes Online-„Programm“ wird ein Mindestsatz von 1 Euro und eine maximale Auszahlungsobergrenze von 50.000 Euro festgelegt. Verschiedene und interessante Aktionen, die von Zeit zu Zeit auf dem Portal aktiviert werden: Der Willkommensbonus bietet beispielsweise die Möglichkeit, 150% der ersten Spiele mit einer Obergrenze von 100 Euro zurückzufordern. Neues Image, überarbeitetes und bereichertes Angebot und vor allem eine immer stärkere und umfassendere Online-Präsenz (über das neue Portal, aber auch dank Smartphone- und Tablet-Apps): Dank der Ehe mit Snaitech hat HAPPYBET heute alle Karten, um das deutsche und österreichische Publikum für sich zu gewinnen und sich als nächster großer Name der europäischen Sportwetten durchzusetzen.

Fußball
Die besten Fußball-Ligen Europas

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In den europäischen Ligen sind 37 Profi-Fußballligen mit mehr als 1000 Vereinen aus 30 Ländern vertreten. Fast jede Nation hat ihre eigene Fußballliga und Fußball ist eine der meistgesehenen Sportarten der Welt. In Zeiten, in denen auf der Fußballbühne im eigenen Land weniger los ist, wenden sich die Fans den Fußballligen anderer Ländern zu, was sich auch deutlich in den Sportwetten bemerkbar gemacht hat. Diese Ligen, mit den besten Spielern und Vereinen der Welt, haben so viel Aufsehen erregt, dass es Experten schwerfällt zu entscheiden, welche die besten Fußballligen der Welt sind. Die Premier League Die englische Premier League genießt eine erstaunliche globale Reichweite. Viele sind zwar der Meinung, dass die deutsche Bundesliga prestigeträchtiger ist und die spanische La Liga auf eine lange Geschichte mit einer großen Anzahl von Weltklassespielern zurückblicken kann, kommt keine dieser beiden Ligen auch nur annähernd an den weltweiten Einfluss und die Popularität heran, die die englische Premier League derzeit genießt. Sie ist die bei weitem meistgesehene Fußballliga der Welt; geschätzte 643 Millionen Haushalte in 212 Ländern schalteten in der Saison 2018/19 ein. Sie wird weltweit in mehr als 200 Ländern ausgestrahlt und erreicht über vier Milliarden Menschen. Die Premier League hat Spieler wie David Beckham, Wayne Rooney, Paul Pogba, Didier Drogba und Harry Kane hervorgebracht. Die 1992 in Großbritannien gegründete Premier League ist gegenwärtig eine der beliebtesten Fußballligen der Welt. La Liga La Liga ist der Name der spanischen Fußballliga die seit 1929 existiert. Seit 1997 spielen 20 Vereine in der obersten Spielklasse von La Liga mit. Die spanische Liga ist vielleicht nicht so populär wie die englische Premier League, aber sie ist immer noch ein Riese, und zwei der reichsten Fußballvereine der Welt, Real Madrid und Barcelona, spielen in ihr. Bundesliga An der Spitze des deutschen Ligasystems ist die Bundesliga der wichtigste Fußballwettbewerb. Die Bundesliga umfasst 18 Mannschaften und funktioniert nach einem System von Auf- und Abstieg mit der 2. Bundesliga. Die Saison dauert von August bis Mai, und die Mannschaften spielen sowohl zu Hause als auch auswärts gegeneinander, um insgesamt 34 Spiele zu absolvieren. Alle Bundesligavereine sind für den DFB-Pokal qualifiziert. Der Sieger der Bundesliga qualifiziert sich für den DFL-Supercup. Die deutsche Bundesliga ist eine der härtesten Ligen der Welt. In der Anfang der 1960er Jahre gegründeten Liga spielen heute über 50 Vereine. Sie ist jedes Jahr eine der erfolgreichsten Ligen, was die Zuschauerzahlen angeht, und ihre Vereine sind bei vielen Turnieren international erfolgreich. Die Deutsche Fußball-Liga hat bekannt gegeben, dass die Gesamteinnahmen der 18 Vereine knapp über 4 Mrd. Euro liegen, was sie zur Nummer 3 in Sachen Einnahmen macht. Ligue 1 Die Ligue 1 ist die nationale französische Liga, in der seit Mitte der 1900er Jahre hervorragender Fußball gespielt wird. 2019 stufte die UEFA die Ligue 1 als die siebtbeste in Europa ein. Sie hat Spieler wie Edinson Cavani, Angel DiMaria und Kylian Mbappe hervorgebracht. Sie steht an der Spitze des französischen Ligasystems und ist der wichtigste Fußballwettbewerb des Landes. Die von der Ligue de Football Professionnel verwaltete Ligue 1 wird von 20 Vereinen bestritten und basiert auf einem System von Auf- und Abstieg aus der und in die Ligue 2. In der ersten Saison waren es 20 Mannschaften, genauso viele wie heute in der Ligue 1. Serie A Serie A ist der Name der obersten italienischen Fußballliga und besteht seit 1898 und seit 1929 in der heutigen Form. Seit 1961 erhält der Sieger die Trophäe Coppa Campioni d’Italia. Als die Liga gegründet wurde, umfasste sie 18 Vereine, aber seitdem wurde sie mehrmals verkleinert und erweitert: von 16 als Minimum bis zu 21 Vereinen als Maximum. Bis 1943 wurde sie vom „Direttorio Divisioni Superiori“ organisiert und bis 2010 von der „Lega Calcio“, als die Lega Serie A für die Saison 2010/11 gegründet wurde. Der Meistertitel der Serie A wird als „Scudetto“ bezeichnet, weil die siegreiche Mannschaft in der folgenden Saison ein kleines Wappen mit der italienischen Flagge auf ihrem Trikot tragen wird. Der erfolgreichste Verein der Liga ist Juventus F.C. mit über 30 Meisterschaften, gefolgt vom A.C. Mailand mit fast zwanzig. Für jeweils zehn gewonnene Titel darf ein Verein einen goldenen Stern über seinem Vereinswappen tragen; Juventus hat also drei, während Milan und Internazionale jeweils einen Stern haben. Die italiensiche Liga wurde einst von der UEFA als die drittbeste in Europa eingestuft.

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– Volleyball – Türkische Volleyballerin Eda Erdem bricht historischen Rekord

Die herausragende türkische Volleyballerin Eda Erdem hat einen historischen Rekord aufgstellt. Sie wurde nach 2015, 2017, und 2019 auch bei der diesjährigen Volleyball-Europameister zur besten Mittelblockerin gekürt. Sie ist somit die erste Volleyballerin in der Geschichte, die zum vierten Mal in Folge diesen Titel erhält.

Türkische Volleyballerin Eda Erdem bricht historischen Rekord

Millennium Tower
300 Meter: Neuer Wolkenkratzer in Frankfurt soll Deutschlands höchster Büroturm werden

Frankfurt am Main – In der hessischen Finanzmetropole soll mit dem Millennium Tower der höchste Wolkenkratzer der Stadt gebaut werden. Der zukünftige Turm im Europaviertel mit einer Höhe von 300 Metern würde damit den bisherigen Spitzenreiter, den Commerzbank-Turm, ablösen, der mit 259 Metern als höchster Büroturm Deutschlands gilt. Wie die F.A.Z. und die Frankfurter Rundschau berichten, soll das Hochhaus aus zwei Türmen bestehen. Geplant ist in dem einen Turm ein Büro- und Hotelkomplex und in dem anderen ein Wohnkomplex mit 500 Wohnungen. Auf dem Dach des Wolkenkratzers soll es auch eine Aussichtsplattform geben. Die Ausschreibung zum Bau des Millennium Towers gewann der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide. In der Bankenmetropole gab es bereits Ende der 90er-Jahre Pläne für den Bau des Millennium Towers. Das Architekturbüro Albert Speer & Partner erstellte damals ein Konzept für den Millennium Tower als Bestandteil des Hochhausrahmenplans der Stadt Frankfurt. 2001 erteilte die Stadt die Baugenehmigung für den Wolkenkratzer, was jedoch nie umgesetzt wurde. Die Bauarbeiten für das Rekord-Hochhaus sollen 2023 beginnen. Kemal Bölge/Frankfurt

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Die landesweit renommierte Immobilienentwicklungsfirma Extell Development Company gab heute den Verkaufsbeginn für das höchste Wohngebäude der Welt bekannt.

100 Millionen Dollar: Verkaufsbeginn für das höchste Wohngebäude der Welt

Antalya
Zyperntürkischer Billardspieler Mustafa Alnar gewinnt Europameisterschaft

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Antalya – Bei den Billard-Europameisterschaften der unter 23-Jährigen (Dynamic Billard Antalya Open 2021) in Aksu/Antalya wurde der zyperntürkische Sportler Mustafa Alnar Europameister. Er spiele seit seinem 10. Lebensjahr Billard, so Alnar gegenüber der zyperntürkischen Zeitung „Kıbrıs Postası“.
„Ich bin sehr glücklich. Seit 2016 habe ich zweimal im Halbfinale und dreimal im Finale gespielt. In der Alterskategorie der U 17 und U 19 habe ich verloren. Ich wusste, dass ich es eines Tages schaffen werde. Umso glücklicher bin ich, dass es vor Publikum in Antalya funktioniert hat. Ich möchte mich bei allen bedanken.“
Die in zwei Etappen durchgeführte Billard-Europameisterschaft läuft noch bis 11. November 2021.

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– Jerez – Superbike-WM: Türkischer Rennfahrer Razgatlioglu holt zweiten Sieg

Bei der Superbike-WM im spanischen Jerez hat der türkische Motorradrennfahrer Yamaha-Werkspilot Toprak Razgatlioglu nach dem Erfolg in Lauf eins auch den Sieg im zweiten Rennen gesichert und somit seinen Vorsprung in der WM auf 20 Punkte vergrößert.

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Brexit
Großbritannien verzweifelt unter Brexit-Folgen

Lange hat die britische Regierung unter Boris Johnson behauptet, der Brexit sei eine gute und notwendige Entscheidung, welche das Land problemlos bestreiten würde. Dass dies nun vermutlich nicht ganz so sacht ablaufen wird, haben die Briten nach den letzten Ereignissen, z. B. in Form von Benzinmangel an Tankstellen, festgestellt. Doch nicht nur die Spritversorgung bereitet der Regierung vor Ort Sorgen, sondern auch der Lkw-Fahrermangel und das bevorstehende Weihnachtsgeschäft könnten Herausforderungen bereithalten, welche für das unabhängige Land nicht leicht zu bewältigen sind. Britische Supermärkte schulen Angestellte um Durch den Mangel an Lkw-Fahrern, welcher sich in den letzten Wochen in Großbritannien zugespitzt hat, fühlte sich das Unternehmen Co-op dazu genötigt, seinen Mitarbeitern das Lkw-Fahren beizuspringen, um die Engpässe zu überbrücken. Das ist mit Hinblick auf die bevorstehenden Weihnachtsgeschäfte ein kluger Schachzug. Hierbei sollte allerdings bedacht werden, dass viele Fahranfänger mit den großen und schwerfälligen Trucks nur mühsam vorankommen. Deswegen haben viele Firmen, welche dem Beispiel von Co-op nachgehen möchten, beschlossen, sogenannte Dashcams für ihre Trucks zu installieren, um bei Unfällen rechtlich abgesichert zu sein. Das ist gerade in Hinblick auf die Fahranfänger sinnvoll, denken viele Beteiligte.
(Symbolfoto: nex24)
Doch auf lange Sicht ist auch diese Lösung für Supermärkte vermutlich keine Option. Viele Supermarktketten schlagen jetzt schon wegen des akuten Mangels an Lastwagenfahrer im ganze Land Alarm. Auch der Chef der Supermarktkette Co-op, Steve Murrels, äußert sich zu der jetzigen Situation. So teilt er gegenüber der Times mit, dass die Engpässe auf einem schlimmeren Niveau sind, als er sie je gesehen habe. Grund für die bestehenden Engpässe in der Branche sind laut dem Branchenverband Road Haulage Association, die rund 100.000 fehlenden Mitarbeiter in der Transportgemeinschaft. Also die Menschen, die jeden Tag weltweit jegliche Güter von A nach B transportieren und Gerätschaften von mehr als 7 Tonnen bedienen. Der Zusammenhang mit dem Brexit könnte hierbei allerdings auch eine maßgebliche Rolle spielen, da seit diesem viele Fahrer aus Europa das Land verlassen haben. Komplizierte und teure Visa-Verfahren sind jetzt notwendig, um Fahrer aus dem Ausland zu organisieren, weshalb kaum neue hinzukommen. Der Faktor, dass jeden Monat mehr als tausend Fahrer vor Ort in Rente gehen und nicht genug Nachwuchs in diesem Tätigkeitsbereich nachkommt, ist ebenso relevant wie fürchterlich. Durch die Coronakrise sind obendrein Zehntausende Fahrprüfungen für den so dringend benötigten Lkw-Führerschein ausgefallen. Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür Die Verantwortlichen bei der Supermarktkette Iceland sind ebenfalls alarmiert und machen deutlich, dass in dem Zeitraum von jetzt bis Weihnachten noch viele Waren transportiert werden müssen. Dafür ist eine stabile und schnelle Lieferkette unbedingt notwendig, wenn nicht sogar lebenswichtig, so Iceland Chef Richard Walker in einem Interview mit BBC. Weiterhin teilt er mit, dass bereits das letzte Weihnachten abgesagt werden musste, das diesjährige dürfe nicht dem gleichen Schicksal unterliegen. Auch andere Supermärkte wie etwa Tesco bangen ebenfalls um die Weihnachtsversorgungen. Im letzten Jahr hat der Premierminister von Großbritannien, Boris Johnson, wegen des plötzlichen Ausbruchs der Alpha-Variante des Coronavirus den Menschen im Land kurzfristig alle Weihnachtspläne, welche Geselligkeit implizieren, verboten. Das traf die Bürger unerwartet und sehr hart.

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Im Oktober sind die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um satte 4,5 Prozent gestiegen.

Deutschland erlebt höchste Inflation seit 28 Jahren
   

Pokertalent Örpen Kısacıkoğlu
„OrpTheTurk“ macht Millionen Gewinne am Pokertisch

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Poker ist eines der beliebtesten Kartenspiele weltweit und das schon über Jahrhunderte hinweg. Das Pokerspiel, so wie wir es heute kennen, hat sich im 19. Jahrhundert etabliert und wird mit Pokerkarten des anglo-amerikanischen Blatts zu 52 Karten gespielt. Mithilfe von fünf Karten wird eine Hand (Pokerblatt) gebildet. Das Besondere beim Pokern ist die Kombination aus Strategie und Kartenglück. In Deutschland wie auch in der Türkei wird Poker von vielen als Hobby gespielt, sowohl live als auch online. Der oft unerfüllte Traum vieler Spieler ist der große Gewinn am Pokertisch. Doch nur wenige hatten bisher das Glück, dass sie dieses Hobby zum Beruf machen konnten und bei High Roller Turnieren Preisgelder mitgenommen haben. Einer, der ganz genau weiß, wie man das Pokerface bewahrt, um die großen Gewinne mit nach Hause zu nehmen, ist der türkische Spieler Örpen Kısacıkoğlu.
(Screenshot/Pixabay)
Durch Glück im Spiel zum einzigen türkischen Pokermillionär Örpen Kısacıkoğlu wurde im Februar 1981 in der Türkei geboren und ist Unternehmer und Pokerspieler. Er stammt aus Izmir, lebt aber heute im Londoner Stadtteil Highgate. Dort ist er CEO des im Juni 2011 gegründeten Unternehmens Come On London Limited. Dieses bietet Unterstützungsdienste für das Risikomanagement. Bekannt ist Kısacıkoğlu in seiner Heimat aber dafür, dass er der erfolgreichste türkische Pokerspieler ist. Der Pokerprofi spielt online auf der Plattform PokerStars und nimmt seit 2011 an renommierten Live-Turnieren teil. Er nimmt fast ausschließlich an High-Roller-Events teil. Das heißt, er spielt nur bei Turnieren, die mit Buy-ins von umgerechnet mindestens 10.000 US-Dollar starten. Bei diesen Turnieren treffen sich die ganz großen Pokerstars an einem Tisch. Viele Turniere für Profis und auch für Anfänger werden in den letzten Monaten vermehrt in der digitalen Welt ausgetragen. Ob offizielle Matches der Weltspitze oder eine Runde im Online-Casino mit Echtgeld unter Laien, im digitalen Angebot findet jeder Interessierte das passende. So kann man mit ein bisschen Glück auch schon die ersten Gewinne einfahren. Wenn es um das Gewinnen geht, ist Pokerprofi Örpen Kısacıkoğlu ein echtes Ass. Bei Poker Live-Turnieren hat er bereits knapp sechs Millionen US-Dollar Preisgeld mit nach Hause genommen. Eine stolze Summe, die sich sehen lassen kann und die bisher kein anderer Landsmann toppen konnte. OrpTheTurk – ein Nickname, der Glück bringt Bekannt ist Kısacıkoğlu auch unter dem Nickname OrpTheTurk, mit diesem Namen zockt er auf der Plattform PokerStars. Der in London lebende Pokerstar hat als höchstes Live-Preisgeld 1.015.180 Dollar kassiert. Alle Live-Preisgelder zusammengerechnet ergeben ein sattes Plus von 5.894.403 Dollar. Der Unternehmer bringt schon sehr viel Erfahrung bei den unterschiedlichsten Turnieren mit:
  • World Series of Poker Keine Bracelets Geldplatzierungen 2
  • Main Event der World Poker Tour Geldplatzierungen 2
  • Main Event der European Poker Tour Geldplatzierungen 3
  • Main Event von Partypoker Live Geldplatzierungen 4
(Screenshot/Pixabay)
Die erfolgreichsten High Roller Turniere von OrpTheTurk Die ersten erfolgreichen Turniere bestritt er im Februar 2016. Kısacıkoğlu erreichte beim Main Event der European Poker Tour (EPT) in Dublin die Geldränge und belegte beim Turnier in der Variante No Limit Hold’em den 54. Platz. Das Preisgeld, das er mit nach Hause nehmen durfte: 10.000 Euro. Der nächste Durchbruch gelang ihm Ende Oktober 2016 bei einem eintägigen High Roller der EPT auf Malta. Bei diesem Turnier wurde er Vierter und erhielt ein Preisgeld von rund 80.000 Euro. Mitte März 2017 belegte Kısacıkoğlu beim Super High Roller der PokerStars Championship (PSC) in Panama-Stadt den fünften Platz, der mit knapp 150.000 US-Dollar dotiert war. Wenige Tage später gewann er ein High-Roller-Event mit einer Siegesprämie von rund 100.000 US-Dollar. Im Dezember 2017 erreichte Kısacıkoğlu gleich zweimal den Finaltisch: einmal bei der PSC in Prag sowohl beim High Roller als auch beim Super High Roller Event. Hier gewann er insgesamt Preisgelder von mehr als 340.000 Euro. Nur einen Monat später kam er beim PokerStars Caribbean Adventure auf den Bahamas beim High-Roller-Turnier und beim Main Event an Geld. Preisgelder von knapp 200.000 US-Dollar besserten das Poker Budget ordentlich auf. Anfang Februar 2018 zockte er in Österreich und belegte nach verlorenem Heads-Up gegen Christopher Frank den zweiten Platz beim Super High Roller der Casinos Austria Poker Tour in Seefeld. In die Kasse kamen neuerlich 172.000 Euro. Ende August 2018 cashte Kısacıkoğlu bei zwei Events der EPT in Barcelona und sicherte sich dadurch Preisgelder von mehr als 360.000 Euro. Weitere Turniergewinne des Türken
  • Anfang Oktober 2018: Finaltisch bei Millions UK High Roller der Partypoker Millions Dusk Till Dawn in Nottingham. Preisgeld für den erreichten dritten Platz: 200.000 britische Pfund
  • Ende Oktober 2018: Premiere bei der World Series of Poker (WSOP). Beim Super High Roller der in Rozvadov ausgespielten World Series of Poker Europe belegte er den souveränen elften Platz. Das Preisgeld betrug knapp 185.000 Euro.
  • Mitte August 2019: Gewinner des Super High Roller der Partypoker Millions Europe in Rozvadov. Hier machte er einen smarten Deal mit Wladimir Trojanowski und erzielte somit ein Preisgeld von mehr als 900.000 Euro.
  • Oktober 2019: Kısacıkoğlu wurde beim Short Deck High Roller der WSOP Europe in Rozvadov Dritter und sicherte sich rund 320.000 Euro.
  • Mitte November 2019: Hier hat der Pokerprofi seinen Einsatz mehr als verzehnfacht. Er landete bei einem 50.000 US-Dollar teuren Turnier der partypoker Millions World Bahamas auf dem zweiten Platz, was ihm ein Preisgeld von 550.000 US-Dollar einbrachte.
Örpen Kısacıkoğlu weiß, wie man Pokerspiele gewinnt und bei welchen High Roller Turnieren es sinnvoll ist, dabei zu sein. Er ist ebenso als Unternehmer wirtschaftlich erfolgreich und bringts so Beruf und Hobby auf einen gemeinsamen Nenner: Erfolg! Dass er beim Zocken so hohe Gewinne einfährt, hat er großer Konsequenz und guten Strategien zu verdanken. Fest steht, dass er einer der wenigen ist, der es in der Glücksspielbranche ganz nach oben geschafft hat und auch davon leben könnte.

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Digital World Acquisition Corp., die SPAC, die die geplante Social-Media-Plattform des ehemaligen Präsidenten Trump an die Börse bringen will, legte am Freitag nach einer massiven Rallye in der vorangegangenen Sitzung kräftig zu.

Trump-Aktien steigen um 800% nach Ankündigung einer neuen Social-Media-Plattform
 

Türkei
Auf den Spuren Atatürks – Die Wiedergeburt einer Nation

Ein Gastbeitrag von Can Burak Naz Die Türkei feierte erst kürzlich, am 29. Oktober 2021, den 98. Jahrestag der Proklamation der Republik. Das Land fußt bis heute auf dem Fundament, das Mustafa Kemal Pascha geschaffen hatte. Atatürk, der „Vater der Türken“, wie er sich nach einem Parlamentsbeschluss von 1934 nennen durfte, hatte 1923 aus der Asche des Osmanischen Reiches die moderne Republik Türkei ins Leben gerufen. Doch wer genau war dieser charismatische Mann, für den Jahr für Jahr Millionen von Menschen an Nationalfeiertagen das Anıtkabir — das Atatürk-Mausoleum in Ankara — aufsuchen? Zu seinen Ehren steht das Leben für die Türken jedes Jahr am 10. November um 09:05 Uhr für eine Minute still — zu jener Uhrzeit, an der er gestorben ist. Was hinterließ der „Vater der Türken“, welches Erbe und welche Lehren sowohl für unsere heutige als auch für die nächsten Generationen sind geblieben?

Ein erfolgreicher Soldat

Geboren wurde Mustafa Kemal am 19. Mai 1881 in Saloniki, dem heutigen Thessaloniki, in der letzten Epoche des Osmanischen Reiches, das damals als der „kranke Mann vom Bosporus“ galt. Der preußische Hauptmann Helmut von Moltke beschrieb dieses Reich als „im traurigsten Zustande (…) schwach wie ein Kind und hinfällig wie ein Greis in den älteren Institutionen (…), welche sich überlebt haben“ (1). Nach dem Besuch der Kriegsschule in Manastir und der erfolgreichen Absolvierung der Militärakademie in Istanbul machte der junge Kemal rasch Karriere. Einen Namen gemacht hatte er sich bereits in den Kämpfen in Nordafrika um die Gebiete des heutigen Libyen gegen die Italiener, die 1911 dem Osmanischen Reich den Krieg erklärt hatten. Spätestens nach seinen Erfolgen 1915 und 1916 während des Ersten Weltkriegs bei der Verteidigung der Halbinsel Gallipoli gegen die Armee des Commonwealth wurde allen klar, dass dieser ehrgeizige Offizier in die Geschichte eingehen und die Welt bewegen würde. Als genialer Stratege hatte er die Landung der Alliierten bei Gallipoli exakt vorausgesehen und den imperialistischen Angriff auf die Dardanellen erfolgreich abwehren können, in dessen Folge er schließlich in den Rang eines Nationalhelden erhoben wurde. Winston Churchills sogenannter Plan der „Entscheidung im Mittelmeer“ war an Mustafa Kemals Brillanz gescheitert. Kemals Weitsichtigkeit hatte ihn bereits am 16. Juli 1914 dazu veranlasst, dem türkischen Kriegsministerium ein Telegramm zu senden, in dem er für sein Land die politische Neutralität während des Ersten Weltkriegs empfahl. Sein tiefblickender Rat wurde allerdings nicht befolgt — die regierenden Jungtürken hatten 1914 eine geheime Allianz mit dem Deutschen Kaiserreich unter Wilhelm II. geschlossen, sodass das Osmanische Reich den Zentralmächten folgte und so Kriegspartei wurde. Mustafa Kemal Pascha wurde in seinen Bedenken bestätigt, denn der Erste Weltkrieg versetzte dem ohnehin „kranken Mann vom Bosporus“ den endgültigen Todesstoß. Dieser Krieg erwies sich als ein „Aufteilungskrieg“ des Osmanischen Reiches — insbesondere seiner rohstoffreichen Gebiete; das Reich musste bedingungslos kapitulieren.

Freiheit oder Tod“

Für Mustafa Kemal Pascha kam jedoch eine Akzeptanz des „Vertrags von Sèvres“, des „Versailler Vertrags“ der Türken, nicht in Frage. Für ihn galt es zu entscheiden zwischen „Freiheit oder Tod“. Der junge Soldat verließ heimlich Istanbul und landete am 19. Mai 1919 mit dem Schiff „Bandırma“ in Samsun. Er wollte sich als Aufständischer nach Anatolien zurückziehen und von dort aus das Volk für den bewaffneten Widerstand organisieren, um auf diesem Wege den Kampf gegen die imperialistischen Siegermächte aufzunehmen. Diese instrumentalisierten die während des Krieges nahezu unversehrt gebliebenen Griechen, dazu sagte Mustafa Kemal Atatürk am 2. August 1923:
Der Imperialismus verbarg sich in der britischen Munition der griechischen Gewehre.“
Atatürk gewann 1923 gemeinsam mit seinem Volk den Unabhängigkeitskrieg; die griechische Invasion Kleinasiens war zurückgedrängt worden. Der hierauf folgende Friedensvertrag von Lausanne gegründete mithin auf einem militärischen Sieg (1). Das Osmanische Reich war zwar Verlierer des Ersten Weltkriegs, doch die moderne türkische Republik war hingegen als Sieger aus dessen Asche hervorgegangen. Atatürks kühl durchdachter Plan war aufgegangen; er kannte sein Volk gut und hatte früh genug erkannt, dass es eine Aufteilung Anatoliens durch die Alliierten nicht hinnehmen würde. Es bedurfte hierzu lediglich eines lang ersehnten, richtigen Anführers — und dieser war er selbst. Atatürk hatte in Anatolien den ersten erfolgreichen anti-imperialistischen und antikapitalistischen Befreiungskampf der Moderne geführt und wollte auch ein Modell für alle unterdrückten Völker bilden: „Die Türkei verteidigt die Sache aller unterdrückten Völker des ganzen Orients“ (2), kommentierte er. Er unterstützte die Unabhängigkeitsbewegungen Syriens und des Iraks. Am 23. Juli 1923 während eines Kongresses in Erzurum bezeichnete er die imperialistischen westlichen Staaten als die „Unterdrücker“ und die von diesen ausgebeuteten östlichen Staaten wie etwa Afghanistan, Indien, Irak, Syrien, Ägypten und Iran dagegen als die „Unterdrückten“, die sich neben der Sowjetunion gemeinsam gegen den Imperialismus erhoben hatten (3).

Krieg ist Mord

Soviel Ruhm und Erfolg Atatürk als Soldat auch hatte, so sehr verachtete er allerdings auch den Krieg. Er hatte sich an vielen Schlachten an vorderster Front beteiligt, den Krieg selbst erlebt und viel Blut, viele Opfer, viel Leid gesehen. Seiner Meinung nach gab es nur eine einzige Legitimation für den Krieg:
Solange nicht die Existenz der Nation in Gefahr ist, ist der Krieg reiner Mord!“
Auch als späterer Präsident erinnerte sich Atatürk immer wieder an blutige Schlachten und sagte zu einer Trauerfeier am Jahrestag der Schlacht von Gallipoli im Jahre 1934:
Diese Helden, die ihr Blut vergossen und ihr Leben ließen (…), nun liegt Ihr in dem Boden eines freundlich gesinnten Landes. Darum ruhet in Frieden. Da gibt es keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets, dort wo sie Seite an Seite in diesem unseren Lande liegen (…). Ihr, die Mütter, die ihre Söhne aus weit entlegenen Ländern schickten, wischt weg eure Tränen. Eure Söhne liegen nun an unserer Brust und sind in Frieden. Ihr Leben in diesem Land verloren zu haben, machte sie genauso zu unseren Söhnen.“

Staatsmann, Visionär, Philosoph und Revolutionär

Wer dachte, Mustafa Kemal Pascha werde sich nach dem errungenen militärischen Sieg zurückziehen oder sich etwa als Kalif oder Sultan an die Spitze des Staates setzen, hatte sich getäuscht. Den Vorschlag einer Delegation von Vertretern der ägyptischen und indischen Muslime, er solle selbst Kalif werden, lehnte er strikt ab (4). Zwar hätte ihm niemand diesbezüglich widersprochen, doch er ließ dem Unabhängigkeitskrieg eine Epoche großer Reformen folgen und gründete einen Nationalstaat, eine laizistische Demokratie. Bis heute ist im Plenarsaal des türkischen Parlamentsgebäudes sein Zitat „Die Souveränität gehört ohne Wenn und Aber der Nation“ zu lesen. Zu den bedeutendsten Reformen Atatürks gehörte die Schriftreform von 1928: Zuvor lag im Osmanischen Reich die Anzahl der alphabetisierten Männer bei 7 Prozent, bei Frauen dagegen gerade mal bei 0,4 Prozent, sodass im Gesamtdurchschnitt nicht einmal 5 Prozent im Lande lesen und schreiben konnten. Diese Zahl stieg nach der Reform innerhalb von 7 Jahren schnell auf 23 Prozent. Daneben gehörten zu den Reformen 1926 die Einführung europäischer Zivil- und Strafgesetzbücher, 1925 die Hut- und Kleiderreform und 1934 die Reform der Namensgebung. Eine seiner wichtigsten Reformen sollte schließlich die Emanzipation der Frauen sein, die unter Atatürk bereits Mitte der dreißiger Jahre das aktive und passive Wahlrecht erhielten — eine Errungenschaft, die damals auch im Westen noch nicht umfassend verbreitet war. Bezüglich der Bedeutung der Frauenrechte betonte Kemal Atatürk:
Wenn Männer und Frauen nicht gemeinsam für ein Ziel marschieren, sind die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen für eine moderne Zivilisation nicht geschaffen. Eine Gesellschaft besteht aus Männern und Frauen. Wie kann es dann sein, dass der eine Teil in Ketten am Boden gehalten wird und der andere in den Himmel ragen darf?“ (5).

Religion als Verbindung zwischen Mensch und Gott

Anders als viele Religionskritiker immer wieder behaupten, war Mustafa Kemal Atatürk indes der Religion — insbesondere dem Islam — gegenüber nicht feindlich gesinnt. Was er nicht dulden konnte, war die jahrhundertelange politische Instrumentalisierung der Religion und des Glaubens. Für ihn gehörten Glaube und Religion nicht ins öffentliche Leben oder etwa ins Parlament, sondern ins Privatleben, in die Herzen der Individuen. Religion und Glaube waren eine Verbindung allein zwischen „Mensch und Gott“, in die sich andere Menschen nicht einzumischen hatten. Ein Blick auf die von Leid, Krieg und Rückständigkeit geprägte heutige islamische Welt zeigt, wie befreiend die Einführung des Laizismus war. Die Stimmen und Rufe nach einer Trennung von Staat und Religion werden mit der Zeit indes lauter. Nicht umsonst sagte der irakische Kleriker Ayad Jamal al-Din im Fernsehen alarabiya, dass er sich für den Irak auch einen Atatürk wünsche, der das Land reformieren und dessen Einheit wiederherstellen könne (6).

Ein Pionier der türkisch-islamischen Aufklärung

Auch durch die 3.997 Bücher, die er in seinen 57 Lebensjahren gelesen hatte, kannte sich Atatürk in der Weltgeschichte bestens aus. Er hatte die Werke der großen Aufklärungsphilosophen wie Rousseau, Montesquieu oder Voltaire früh studiert und bewunderte als junger Offizier die Französische Revolution, die auch den Jungtürken zum Vorbild wurde. Dem Beispiel Martin Luthers folgend, ließ Atatürk höchstpersönlich den Koran ins Türkische übersetzen (7), damit das Volk seinen Glauben nach vielen Jahrhunderten eigenständig „verstehen“ und mit Verstand ausleben konnte. Dies alles war ihm zufolge nötig, „damit die Wiederbelebung der wahren islamischen Religion gewährleistet werden“ konnte (4). Nicht umsonst nannte der türkische Theologe, Religionsphilosoph, Autor, Jurist und Politiker Professor Yaşar Nuri Öztürk Atatürk den „Pionier der türkisch-islamischen Aufklärung“ in personam. Viele muslimische Staaten riefen Staatstrauer aus, als Atatürk am 10. November 1938 starb. In ihren Zeitungen und Zeitschriften wurde er unter anderem als Held neben „Sultan Saladin“ und „Ahmed asch-Sharif as-Senussi“ abgebildet (8).

Frieden im Lande, Frieden auf der Welt“

Abgesehen von seinen Reformen und seinen militärischen Erfolgen war es speziell auch die Friedenspolitik Atatürks, welche ihn zu einem der größten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts gemacht hatte. Nur wenige Menschen wissen beispielsweise, dass es von 1933 an die Türkei Atatürks war, die bereitwillig Tausende Deutsche aufgenommen hatte (9), welche vor den Nazis fliehen mussten — darunter vor allem Wissenschaftler und Intellektuelle, die die Modernisierung und Entwicklung der Türkei beschleunigen sollten. Vor allem in der Medizin und den Ingenieurwissenschaften, aber auch in der Musik spielten Deutsche eine wichtige Rolle. Atatürk hatte bereits 1934 den Ausbruch und Ausgang des Zweiten Weltkriegs — „zwischen 1940 und 1945“ — inklusive des Kriegsverlaufs samt der Niederlage Deutschlands und des Sieges der Alliierten richtig vorausgesagt (4). Er hatte die Gefahr des nationalsozialistischen Regimes erkannt und veranlasste — zwecks Sicherung der südosteuropäischen Grenzen auf dem Balkan — am 9. Februar 1934 die Gründung der Balkan-Entente. Dies war ein militärisches Bündnis zwecks Nichtangriff und Garantie der gegenseitigen Grenzen zwischen der Türkei, Jugoslawien, Rumänien und Griechenland. Der griechische Ministerpräsident Eleftherios Venizelos hatte Atatürk im Jahre 1934 sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen (10). Das Pendant zur Balkan-Entente war im Mittleren Osten der Sadabad-Pakt vom 8. Juli 1937, der zwischen der Türkei, dem Iran, dem Irak sowie Afghanistan geschlossen wurde. Auch die UN-Charta betont in Kapitel VIII, Artikel 52 bis 54 die Bedeutung solcher Regionalabmachungen für den Weltfrieden (11). Leitprinzip der Außenpolitik Atatürks war stets „Frieden im Lande, Frieden auf der Welt“. Die Verfolgung dieses Prinzip verschaffte der Türkei mit ihren Nachbarstaaten — und sogar mit dem ehemaligen Feindstaat Griechenland — und darüber hinaus weltweit friedliche und freundschaftliche zwischenstaatliche Beziehungen. Atatürk hatte von Afghanistan bis zum Balkan die größte Friedenszone der Welt geschaffen.

Internationales Nachwirken

Kemal Atatürk wird bis heute weit über die Grenzen der Türkei hinaus geehrt: In über 30 Ländern weltweit gibt es seine Statuen, Büsten, nach ihm benannte Straßen, Alleen und Freizeitparks — als Beispiel sei etwa die „Atatürkstraat“ in Rotterdam genannt. Revolutionären wie Ernesto Che Guevara und Fidel Castro, aber auch Mahatma Gandhi oder Mao Zedong sollte Kemal Atatürk später für ihre Revolutionen oder Unabhängigkeitsbewegungen als Vorbild und Idol dienen. So verwundert es nicht, dass man in Neu-Delhi auf die „Mustafa Kemal Atatürk Marg“ stößt oder seiner Büste in Havanna begegnet, unter der in Stein gemeißelt „PAZ EN EL PAIS, PAZ EN EL MUNDO“ steht, auf deutsch „Frieden im Lande, Frieden auf der Welt“. Darüber hinaus gedenkt man Atatürks auch anderorts, so etwa in Bukarest, in Wakayama in Japan, in Mexico City oder in Washington D.C.. Sein 100. Geburtstag im Jahre 1981 wurde von den Vereinten Nationen und der UNESCO schließlich zum „Atatürk Year in the World“ deklariert. Als bislang einzigem Staatsmann wurde ihm zu Ehren die Atatürk-Hundertjahrfeier ausgerufen und hierzu die „Resolution on the Atatürk Centennial“ angenommen, mit folgender Begründung: Die Generalkonferenz, Überzeugt davon, dass herausragende Persönlichkeiten, die sich für internationale Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden eingesetzt haben, Beispiele für zukünftige Generationen sein werden, In Erinnerung, dass der hundertste Geburtstag von Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Republik Türkei, im Jahr 1981 gefeiert wird, Unter Berücksichtigung, dass er ein außergewöhnlicher Reformer in allen Bereichen war, die heute in der Kompetenz der UNESCO liegen, In besonderer Anerkennung, dass er der Anführer eines der frühesten Kämpfe gegen Kolonialismus und Imperialismus war, In Erinnerung daran, dass er ein herausragender Förderer des gegenseitigen Verständnisses zwischen Völkern und dauerhaften Friedens zwischen den Nationen der Welt war und dass er sein ganzes Leben lang arbeitete für ein ‚Zeitalter der Harmonie und Zusammenarbeit zwischen den Völkern‘ ungeachtet deren Hautfarbe, Religion oder Rasse, Beschließt, dass die UNESCO 1981 auf intellektueller und technischer Ebene mit der türkischen Regierung für die Organisation eines internationalen Symposiums zusammenarbeiten wird. Dieses soll verschiedene Aspekte der Persönlichkeit und der Arbeit von Atatürk hervorheben, dessen Bestreben stets auf die Förderung des Weltfriedens, der Völkerverständigung und der Achtung der Menschenrechte ausgerichtet war, …“ Mustafa Kemal Atatürk ist auch noch 83 Jahre nach seinem Tod so aktuell und lebendig wie nie zuvor. Sein Weg, seine Reformen und seine Friedenspolitik sollten für viele Länder weiterhin ein Vorbild bleiben. Quellen und Anmerkungen: (1) https://www.welt.de/print-welt/article483517/Kemal-Pascha-Atatuerk-Der-Mann-der-die-moderne-Tuerkei-erfand.html (2) https://www.zeit.de/1983/45/pfeiler-und-pfeile-atatuerks/komplettansicht (3) https://www.sozcu.com.tr/2018/yazarlar/sinan-meydan/ataturkten-ortadogu-dersi-2184090/ (4) https://www.zeit.de/1981/22/ohne-atatuerk-gaebe-es-keine-tuerkei (5) https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/istanbul-die-milde-auflehnung-der-emanzipierten-frauen/8753754-2.html (6) http://english.alarabiya.net/en/webtv/programs/point-of-order/2015/12/05/The-cleric-who-dreams-of-Iraqi-Ataturk.html (7) https://www.sozcu.com.tr/2017/yazarlar/sinan-meydan/ataturkun-yanindaki-muftu-m-rifat-borekci-2032885/ (8) https://odatv.com/muhafazakarlar-ataturke-artik-o-iftirayi-atamayacak-0304131200.html (9) https://www.abendblatt.de/politik/europa/article106914889/Als-Atatuerks-grosse-Stunde-schlug.html (10) https://www.nobelprize.org/nomination/redirector/?redir=archive/show.php&id=7872 (11) https://www.unric.org/de/charta
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Von Thomas Weiberg Am 10. November 1938 – starb um 9.05 Uhr im Istanbuler Dolmabaçe Palast der Begründer der modernen Türkei und Staatspräsident Mustafa Kemal Atatürk. Das gesamte Land verharrte in tiefer Trauer. In einer pompösen Zeremonie wurde der Begründer der modernen Türkei im Thronsaal des Palastes am Bosporus aufgebahrt, die großenteils fassungslos scheinende Istanbuler Bevölkerung nahm in langen Zügen Abschied von dem Helden des Krieges, aus dem zu Beginn der 1920er Jahre die türkische Republik hervorgegangen war. Die innenpolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre, die zahlreiche Opfer gefordert hatten, schienen für einen Augenblick vergessen. Die Überführung des Leichnams des toten Staatspräsidenten von Istanbul nach Ankara, zunächst per Schiff zum Bahnhof Haydarpaşa und dann per Eisenbahn in die Hauptstadt, glich einem letzten Triumphzug durch sein Heimatland. Sieht man heute die eindrucksvollen Filmaufnahmen verschiedener türkischer und ausländischen Wochenschauen, so gewinnt man den Eindruck, die gesamte Nation habe in einer letzten von tiefem Respekt erfüllten Geste Abschied von dem Toten nehmen wollen. Bis heute sind seine Worte an die Mütter der während des Ersten Weltkrieges in blutigen Kämpfen um die Dardanellen gefallenen feindlichen Soldaten in der Türkei unvergessen:
»Ihr Mütter, die Ihr Eure Söhne aus weit entfernten Ländern sandtet – wischt Euch Eure Tränen ab. Eure Söhne liegen nun in Frieden an unserer Brust. Nachdem sie ihr Leben in diesem Land verloren haben, sind sie nun auch zu unseren Söhnen geworden.«
Mit diesen bewegenden zutiefst menschlichen Worten wandte sich Mustafa Kemal Atatürk vornehmlich an die Mütter Australiens und Neuseelands, deren Söhne seit 1915 auf britischer Seite in der verlustreichen Schlacht an den Dardanellen (Gallipoli, Çanakkale) gefallen waren und bis heute auf den Schlachtfeldern ruhen.

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Corona: Apothekenteams wollen Comeback für Bürgertests

Das Brechen der vierten Corona-Welle ist das Gebot der Stunde. Geht es nach dem Apothekenpersonal, kommen dafür drastische Maßnahmen in Betracht, und zwar auch in der Apotheke. So spricht sich die Mehrheit der Teams in einer aktuellen aposcope-Befragung für eine Impf- oder zumindest Auskunftspflicht aus. Zugang zur Offizin soll es außerdem nur nach 3G-Regel geben. Geimpft oder genesen – das ist in zahlreichen Restaurants, Bars und Co. bereits die Grundvoraussetzung für den Einlass. Und auch unter den Apothekenteams gilt die 2G-Regel als wirksamste Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie. Für die Apotheke selbst ist 2G derzeit kein Thema. Doch die Mehrheit der Apotheker:innen und PTA (57 Prozent) pocht zumindest auf 3G, um die Mitarbeiter:innen zu schützen. Denn schon jetzt haben die Krankmeldungen der Kolleg:innen zugenommen, bestätigen 43 Prozent der Befragten – im Vormonat waren es noch 32 Prozent. Die Zahl der Corona-Verdachtsfälle im Team hat sich im Vergleich zum Vormonat auf 12 Prozent verdoppelt, die Zahl der bestätigten Infektionen von 6 auf 13 Prozent ebenfalls deutlich erhöht. Jede/r zweite Befragte hat folglich Angst, sich selbst mit dem Virus zu infizieren. Aus der Krise führt indes nur die Impfung, sind die Apothekenteams überzeugt. Um das Impftempo wieder voranzutreiben, kommt für mehr als sieben von zehn Befragten (71 Prozent) auch eine Impfpflicht für das Gesundheits- und Pflegepersonal infrage – Apothekenmitarbeiter:innen sollten dabei eingeschlossen werden (70 Prozent). Alternativ sprechen sich die Teilnehmer:innen mehrheitlich (67 Prozent) für eine Auskunftspflicht zum Impfstatus für das Apothekenpersonal aus. Daneben befürworten 77 Prozent Booster-Impfungen für alle Erwachsenen, fast genauso viele wollen sich selbst definitiv eine Auffrischungsimpfung geben lassen. Das Problem: Viele Geimpfte wiegen sich bereits in Sicherheit und halten sich daher häufig nicht mehr an die Schutzmaßnahmen, kritisieren 79 Prozent. Dazu zählt auch regelmäßiges Testen. Folglich sind die befragten Apotheker:innen und PTA mehrheitlich (62 Prozent) für ein Comeback der kostenlosen Bürgertests, ohne deren Abschaffung es ihnen zufolge jetzt nicht so hohe Fallzahlen gegeben hätte (51 Prozent). Geht es um die Frage nach der Impfung von Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren, sind die Teams gespalten. Während mehr als jede/r Dritte (36 Prozent) erst eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission abwarten würde, würde ein Viertel der Befragten (26 Prozent) eine Kinderimpfung bei einer ärztlichen Empfehlung in Betracht ziehen. Jeweils 16 Prozent würden ihr Kind sofort oder grundsätzlich nicht impfen lassen.

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