Tourismus
Türkei: Griechenland ist ein Partner

Izmir – Die Türkei sieht Griechenland als Partner und nicht als Rivalen und will die Beziehungen in allen Bereichen verbessern, so der türkische Tourismusminister. Während die Türkei und Griechenland in einer Reihe von Fragen zerstritten sind, könne der Tourismus bei den Bemühungen um eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen eine zentrale Rolle spielen, sagten hochrangige Offizielle der beiden Länder am Mittwoch. Ankara möchte die Beziehungen zu Athen in allen Bereichen verbessern, und der Tourismus kann dazu beitragen, unsere Gesellschaften einander näher zu bringen und uns besser kennenzulernen, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu den  türkische Kultur- und Tourismusminister der auf dem 9. türkisch-griechischen Tourismusforum in der westlichen Stadt Izmir sprach. Hierzu unterschrieben die Tourismusminister beider Länder eine Deklaration. „Wir sehen Griechenland als Partner, nicht als Rivalen“, sagte Mehmet Nuri Ersoy. Die Visafreiheit für türkische Staatsbürger in Griechenland sei eine Priorität für Ankara, ebenso wie die Wiederaufnahme der Fährverbindungen von türkischen Küstenstädten zu griechischen Inseln, so Ersoy weiter. „Die Türkei und Griechenland werden zusammenarbeiten, um Reisepakete mit Zielen in beiden Ländern zu entwickeln und diese in wichtigen Tourismusmärkten wie den USA, China, Indien und Japan zu bewerben“, fügte Ersoy hinzu. Sein griechischer Amtskollege Vassilis Kikilias stimmte zu, dass der Tourismus die bilaterale Zusammenarbeit und die Beziehungen zwischen Ankara und Athen verbessern könne. „Wir schätzen die Türken als unsere Gäste und werden sie gerne aufnehmen. Ich bin überzeugt, dass persönliche Bindungen und herzliche Beziehungen zwischen unseren Völkern uns helfen werden, unsere Differenzen zu überwinden“, sagte er. Er betonte, dass der Tourismus eine Haupteinnahmequelle für beide Länder sei, und erklärte, Griechenland wolle die Zahl der griechischen und türkischen Städte, die über das Meer miteinander verbunden seien, erhöhen.

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Warschau
OSZE-Bericht erwähnt Behandlung türkischer Minderheit in Griechenland

Warschau – Das Büro für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat ihren Jahresbericht 2020 für Hasskriminalität veröffentlicht. In dem Kapitel für Griechenland wird auch auf die türkische Minderheit in Westthrakien Bezug genommen. Die zivilgesellschaftliche Institution der Föderation der Westthrakien-Türken in Europa (ABTTF) hatte Angriffe, die als Hasskriminalität bezeichnet werden, und sich gegen die türkische Minderheit in Westthrakien gerichtet waren, dokumentiert und als Bericht vorgelegt. Der Jahresbericht der OSZE zur Hasskriminalität stützt sich auf Daten von 42 Mitgliedsstaaten der Organisation, 136 NGOs, des UN-Flüchtlingshochkommissariats sowie den OSZE-Missionen, die Informationen über Vorfälle der Hasskriminalität in 46 Mitgliedsstaaten berichten. Wie der Direktor der Einrichtung für Demokratische Institutionen und Menschenrechte, Matteo Mecacci, hervorhob, handle es sich bei Hasskriminalität um eine Menschenrechtsverletzung. Viele der OSZE-Mitgliedsstaaten hätten gegen Hasskriminalität konkrete Schritte unternommen, allerdings seien die meisten entsprechenden Straftaten nicht als Bericht dokumentiert, gespeichert, keine Ermittlungen aufgenommen und die Opfer seien weder unterstützt noch entschädigt worden. In dem OSZE-Bericht zu Griechenland werden einige Vorfälle zur Hasskriminalität erwähnt. In dem Dorf Yanıköy, das zur Stadt Gümülcine (Komotini) gehört, habe ein Bürger der türkischen Community für wohltätige Zwecke einen Springbrunnen errichten lassen. Dieser sei am 12. Mai 2020 von Unbekannten einem Angriff ausgesetzt gewesen. Dabei sei das aus Marmor errichtete und in Türkisch geschriebene Schild mit dem Namen des Spenders und des Baudatums zerschmettert worden. An die Wand des Springbrunnes hätten die Täter anti-türkische Beleidigungen mit einer Lackfarbe geschrieben. Am 16. Juli 2020 hätten Unbekannte die Minarette der historischen Moschee des Dorfes Hemitli (Bulustra/İskeçe) zerstört. Ein Gebäude des von Westthrakien-Türken gegründeten Vereins in Imatia sei am 25. September 2020 angegriffen und die Fensterscheiben des Bauwerks eingeschlagen. Unbekannte Täter hätten am 27. November 2020 sich Zugang zum Wohnhaus des gewählten Muftis von İskeçe (Xanthi), Ahmet Mete, verschafft und in den Spiegel des Aufzugs die Drohung „Ein guter Türke ist ein toter Türke“ geschrieben. Ferner hätten die Täter mündliche Drohungen ausgesprochen. Kemal Bölge/Warschau

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– Griechenland – Westthrakien: Angriff auf Fremdsprachen-Nachhilfezentrum der türkischen Minderheit

Unbekannte Täter haben die Schaufensterscheibe eines Nachhilfezentrums (Kültür Dershaneleri) für Fremdsprachen in der nordostgriechischen Stadt Gümülcine (Komotini) eingeschlagen.

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FETÖ-Netzwerk
Medienbericht: Fethullah Gülen in seinem Anwesen vergiftet

Istanbul – Sektenchef Gülen ist nach einem Medienbericht in seinem Anwesen im US-Bundesstaat Pennsylvania vergiftet worden. Wie unter anderem das Online-Nachrichtenportal „Odatv“ berichtet, sei der mit Haftbefehl gesuchte Anführer der sogenannten „Fetullahistischen Terrororganisation“ (FETÖ) letzte Nacht in seinem amerikanischen Wohnsitz vergiftet worden. In dem Besitztum habe zudem ein „Mullah“ Selbstmord begangen. Der Anführer sei bei Gesundheit, hieß es jedoch in einem dem Gülen-Netzwerk nahestehenden News-Portal. „Hinter der Vergiftung steckt ein Machtkampf innerhalb des Gülen-Netzwerks“ Bei den „Mullahs“ handelt es sich um einen Personenkreis, die Gülen direkt unterstellt sind und die dieser selbst gefördert sowie ausgewählt hat. Die Organisation habe den Sekten-Mitgliedern einen Maulkorb verpasst, damit keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Außerdem sei die Ein- und Ausfahrt zum Grundstück gesperrt worden. Nachrichtendienstliche Quellen hätten den Bericht des Nachrichtenportals bestätigt. „Odatv“ vermutet hinter der Vergiftung einen Machtkampf innerhalb des Gülen-Netzwerks und stützt sich dabei auf einen Bericht eines Nachrichtendienstes. Fetö versuchte den türkischen Staat systematisch zu unterwandern Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara erhob gegen Ende der 1990er-Jahre Anklage gegen Gülen. Unter dem Vorwand einer medizinischen Untersuchung gelang Gülen 1999 die Flucht in die Vereinigten Staaten. Schon vor dieser Zeit versuchte seine Organisation den türkischen Staat mit eigenen Mitgliedern systematisch zu unterwandern. Insbesondere bei der Polizei sowie Armee und auch in anderen Bereichen. Internationales Zentrum für Terrorismus- und Sicherheitsforschung: Zahlreiche Morde an Journalisten und Akademikern in der Türkei gehen auf das Konto des Gülen-Netzwerks Auf das Konto dieser Terrororganisation gehen nach Angaben des Internationalen Zentrums für Terrorismus- und Sicherheitsforschung (UTGAM) zahlreiche Morde an Journalisten und Akademikern in der Türkei. Die Forscher berichten in ihrer Studie vom Mord am Akademiker Dr. Necip Hablemitoğlu, von der Universität Ankara, der 2002 vor seinem Haus ermordet wurde. Er galt als einer der ersten Akademiker, der vor der Gefährlichkeit dieser Organisation eindringlich gewarnt hatte. Er verfasste dazu zahlreiche Schriften. Kurz vor der Fertigstellung seines Buches „Köstebek“ (Der Maulwurf) wurde Hablemitoğlu getötet. Sein nicht fertiggestelltes Buch erschien dennoch postum. Ein weiterer Mord, bei dem die Forscher des Forschungsinstituts der türkischen Polizeiakademie das Gülen-Netzwerk dafür verantwortlich machen, ist der Journalist Haydar Meriç. Der investigative Journalist recherchierte über Gülen sowie seine Organisation und wollte darüber ein Buch publizieren. Am 31. Mai 2011 wurde Meriç als vermisst gemeldet. Sein lebloser Körper wurde am 18. Juni 2011 gefesselt im Meer gefunden. Journalist Nedim Şener: Hinter dem Mord an Hrant Dink steckt ein Mordkomplott von Fetö Auch der Mord am türkisch-armenischen Publizisten Hrant Dink geht nach Ansicht der Wissenschaftler auf das Konto dieser Terrororganisation. Diese Aussage wird auch vom Journalisten Nedim Şener bestätigt, der monatelang über den Mord an Hrant Dink recherchierte und anschließend darüber ein Buch geschrieben hat. Nach Meinung von Şener handelt es sich bei Fetö sowohl um einen Nachrichtendienst als auch eine Terrororganisation. Das Buch schlug nach der Veröffentlichung 2011 hohe Wellen, denn Şener hatte darin das Mordkomplott gegen Dink aufgedeckt. Für sein Buch musste Nedim Şener 375 Tage unschuldig im Gefängnis verbringen Der Journalist wurde nach Erscheinen seines Buches festgenommen und saß 375 Tage unschuldig im Gefängnis. Für seine Verhaftung war das Gülen-Netzwerk verantwortlich, das über seine „Bürokraten“ wie Staatsanwälte, Richter und Gefolgsleuten bei der Polizei eine derartige Aktion durchführen konnte. Auch die Redakteure der Online-Nachrichtenplattform „Odatv“ gerieten durch ihre Berichterstattung über das Netzwerk ins Visier der Gülen-Organisation. Die Journalisten Soner Yalçın, Doğan Yurdakul, Ahmet Şık, Mümtaz İdil, Ayhan Bozkurt, Barış Pehlivan sowie Barış Terkoğlu saßen jahrelang im Gefängnis, weil sie kritisch über die Gülen-Organisation berichtet hatten. Die Sicherheits- und Justizbehörden in der Türkei haben nach dem Putschversuch von 2016 durch viele Festnahmen und Verurteilungen von wichtigen Gülen-Mitgliedern im In- und Ausland die Handlungsfähigkeit der Terrororganisation deutlich geschwächt, aber es gibt noch immer viele nicht enttarnte Angehörige, die bei den staatlichen Behörden, bei der Armee und Polizei, in der Privatwirtschaft, in den Medien, bei den politischen Parteien sowie in den Nichtregierungsorganisationen (NGO) tätig sind. Kemal Bölge/Istanbul

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Kommentar: Heute werde ich mich mit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei beschäftigen. Ich werde über das Ereignis selbst und auf mögliche Hintergründe des Putschversuchs eingehen.

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Psychologie
TikTok-Syndrom: Tourette-ähnliche Tics bei Usern

London – Verursacht TikTok bei Menschen Symptome des Tourette-Syndroms?  Ärzte sind überrascht, dass junge Erwachsene Tics und Anfälle entwickeln, die normalerweise in der Kindheit beginnen. In letzter Zeit haben Tourette-ähnliche Symptome unter Jugendlichen stark zugenommen und die Social-Media-App TikTok könnte dafür verantwortlich sein. Laut Ärzten in medizinischen Zeitschriften registrieren auf das Tourette-Syndrom spezialisierte Kliniken in der ganzen Welt eine deutliche Zunahme an jungen Patienten mit komplexen motorischen oder vokalen Tics. Die Zahl der neuen Patienten habe sich innerhalb von kürzester Zeit teilweise verzehnfacht, Vor allem seien junge Mädchen im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren betroffen. Kirsten Müller-Vahl, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover. hat sich damit beschäftigt. Auch sie habe plötzlich viele Patienten mit der Verdachtsdiagnose Tourettesyndrom gehabt, so Müller-Vahl gegenüber Deutschlandfunkkultur. (DLF) Die Symptome seien bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen „abrupt“ aufgetreten. Ihre Patienten hätten „sehr komplexe Bewegungen, häufig mit ausfallenden Armbewegungen“ gezeigt und Schimpfwörter und Beleidigungen gerufen. „Wir haben Gruppen von Teenagern aus derselben Schule gesehen, die fast identische Tics entwickelten“, sagt Dr. Tammy Hedderly, Kinderneurologin am Guy’s and St Thomas‘ NHS Trust. Stern hat ebenfalls von Ausbrüchen in britischen Schulen gehört. „Sie schreien ‚Baked Beans!‘ oder schlagen ihren Eltern auf den Kopf“, so Hedderly. „Wenn ein 15-jähriges Mädchen in meine Klinik kommt und ‚Baked Beans!‘ schreit, lautet meine erste Frage: ‚Hast du diesen Influencer gesehen? Denn ich kenne alle Namen der Influencer. Es ist also wichtig zu erkennen, dass die sozialen Medien eine Rolle spielen und das Ausmaß des Problems groß ist, und zwar in ganz Großbritannien.“ Viele junge Mädchen hätten sich scheinbar beim Ansehen von Tourette-Content im Internet „infiziert“ und selbst Tics entwickelt. „Es war von Beginn an klar, dass es kein Tourette ist“, so Müller-Vahl. Es handle sich vielmehr um eine „funktionelle Störung“ – damit umschreiben Ärzte körperliche Beschwerden, deren Ursache auch nach intensiver medizinischer Diagnostik nicht zu ermitteln ist. Offenbar litten viele der Patienten nicht unter individuellen Tics, sondern hätten exakt jene Symptome entwickelt, die sie zuvor bei anderen Betroffenen im Internet gesehen hätten, berichtet der WDR mit Hinweis auf eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Movement Disorders“. Auch die Neurologin Dr. Caroline Olvera aus den USA beobachtet einen Anstieg unter jungen Menschen, vor allem Mädchen, mit plötzlich auftretenden Tics. Sie verfasste eine Forschungsarbeit, die auf ihrer Untersuchung von mehr als 3 000 Videos von TikTok-Tourette-Influencern basiert, und stellte fest: „Obwohl sich unsere Studiengruppe über verschiedene Länder erstreckte, gaben 67,9 Prozent der Gruppe an, dass ihre TikTok-Tics von anderen Inhaltserstellern stammten, und die Mehrheit hatte denselben vokalen Tic.“ Psychotherapeuten raten zur schnellen Behandlung Die Bundespsychotherapeutenkammer rät, möglichst bald einen Facharzt aufzusuchen, falls Eltern bemerken, dass ihre Kinder plötzlich chronische Tics entwickeln. Gesetzlich Krankenversicherte könnten sich auch ohne eine Überweisung durch den Haus- oder Kinderarzt direkt an einen Psychotherapeuten wenden. Jugendliche könnten sich auch ohne Wissen der Eltern an einen Arzt eigener Wahl wenden. In der Regel können gesetzlich versicherte Jugendliche ab 15 Jahren eine Psychotherapie selbstständig bei der Krankenkasse beantragen. Bei Privatversicherten müssen die Eltern die Kostenübernahme bei der Versicherung veranlassen, berichtet der WDR mit Bezugnahme auf die Bundespsychotherapeutenkammer.

Afghanistan
Linke: „Bundesregierung hat sich vor ihrer Verantwortung viel zu lange gedrückt“

Osnabrück – Neue Zahlen zeigen einen entscheidenden Fehler der Bundesregierung bei der Evakuierung von Ortskräften aus Afghanistan: Bei der Bundeswehr-Luftbrücke im August gab die Regierung den meisten Betroffenen erst während der Evakuierung oder sogar danach eine Zusage zur Aufnahme. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Gökay Akbulut hervor, die der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegt. Dadurch konnten viele Ortskräfte und schutzbedürftige Afghanen die Chance nicht mehr nutzen, das Land mit Bundeswehr-Maschinen zu verlassen. Nach Angaben des Ministeriums wurden von den 18.619 Zusagen für Ortskräfte und Werkvertragsnehmer sowie deren Familien, die die Bundesregierung von Mitte Mai bis Ende August erteilte, 11.866 erst während der militärischen Evakuierung ab Mitte August gegeben. Das heißt, fast zwei Drittel (64 Prozent) aller Zusagen erfolgten innerhalb der elf Tage von Mitte bis Ende August, in denen die Luftbrücke unter extrem unsicheren und unklaren Bedingungen stand. Besonders erstaunlich ist, dass weitere 4119 Aufnahmezusagen sogar erst nach Beendigung der Evakuierungsflüge ausgesprochen wurden. Ein Grund dafür war laut Linksfraktion, dass das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bis Ende August daran festhielten, dass nur solche afghanischen Ortskräfte berücksichtigt werden sollten, die in den vergangenen beiden Jahren als Ortskräfte gearbeitet hatten. Andere Ministerien hätten diese Auflage schon Monate zuvor aufgehoben. Die Migrationsexpertin der Linksfraktion, Gökay Akbulut, sagte der „NOZ“: „Die Zahlen zeigen: Die Bundesregierung hat sich vor ihrer Verantwortung viel zu lange gedrückt.“ Viele Ortskräfte müssten sich nun seit Monaten in Angst und Schrecken vor den Taliban verstecken, doch lange könnten sie das nicht mehr durchhalten. Akbulut forderte daher: „Die Bundesregierung muss alles tun, um diese Menschen schnell zu retten. Das ist sie den Betroffenen auch schuldig.“ Nach der Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatte die Bundeswehr im August in elf Tagen mehr als 5300 Deutsche, Afghanen und Staatsbürger anderer Länder mit Militärtransportern ausgeflogen. Kurz vor dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan endete die Aktion.

Berlin
Friedrich Merz will Illoyalität in CDU-Parteizentrale nicht dulden

Berlin – Friedrich Merz, Kandidat um den CDU-Bundesvorsitz, macht für den Fall eines parteiinternen Sieges eine klare Ansage an die CDU-Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. „Ich gehe davon aus, dass alle, mit denen ich zusammenarbeite, loyal mit der neuen Führung arbeiten. Wenn sie dazu nicht bereit und in der Lage sind, dann werde ich ihnen einen fairen Weg in eine andere Beschäftigungsmöglichkeit ebnen“, sagt der CDU-Politiker im Interview mit der in Hagen erscheinenden WESTFALENPOST. Beim großen Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mache er sich da aber keine Sorgen. Merz hält sich zudem die Option offen, bei einem parteiinternen Wahlsieg auch nach dem Fraktionsvorsitz im Bundestag zu greifen. Zwar habe er als Bundestagsmitglied auch so als möglicher CDU-Parteivorsitzender die Möglichkeit zu sprechen. Generell halte er es aber für richtig, dass die beiden Ämter in der Opposition in einer Person verbunden werden. „Darüber kann man nachdenken, das war auch immer meine Meinung.“ Das Thema Kanzlerkandidatur stelle sich heute nicht, so der Sauerländer. Friedrich Merz betont zudem, dass die Entwicklung einer neuen Sozialpolitik „die größte Baustelle für die CDU“ sei – noch vor der Klimapolitik. Mit Mario Czaja hat sich Merz für einen ausgewiesenen Sozialpolitiker als Kandidat für den Generalsekretärs-Posten der CDU ausgesprochen.

Berlin
Thierse: Merkel Kanzlerin ohne ostdeutsches Gesicht

Berlin – Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat die aus dem Amt scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel einer kritischen Würdigung unterzogen. Viele Menschen in den neuen Ländern begegneten Merkel noch immer distanziert. „Irgendwie war sie eine gesamtdeutsche Kanzlerin ohne besonderes ostdeutsches Gesicht. … Meine Wahrnehmung war immer, dass ganz viele Ostdeutsche sie nicht mehr als eine der ihren erkannt haben“, erklärte Thierse in der rbb-Fernsehsendung „WIEPRECHT„. Der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes, Peter Altmaier (CDU), erwiderte in derselben Sendung: „Ich glaube, dass sie als Kanzlerin dem gesamtdeutschen Volk gehört, dass es nicht gut wäre für eine erfolgreiche Politik, wenn sie mit bestimmten Bundesländern oder einer bestimmten Region identifiziert würde. Der SPD-Politiker Thierse machte in seiner Würdigung Merkels Licht und Schatten aus. Merkels „lobenswerter Stoizismus“ habe eine Kehrseite: „Einen Mangel an Programmatik, an Emotionalität und Leidenschaft; an der Fähigkeit, Menschen für etwas zu begeistern“. Merkels Politikstil, so Thierse, sei „durch und durch pragmatisch“. Thierse weiter: „Angela Merkel ist eine erstaunliche Kombination aus wenig eitlem Glanzbedürfnis einerseits, und andererseits viel realistischem Machtbewusstsein“.

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„Mehr als sechs Millionen unserer jungen Menschen werden bei den Wahlen 2023 zum ersten Mal wählen“, so Recep Tayyip Erdogan.

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WM-Qualifikation
Danke Stefan Kuntz!

Podgorica – In der WM-Qualifikation der Gruppe G setzte sich die türkische Fußball-Nationalmannschaft mit 2-1 in Podgorica gegen Montenegro durch. Die Nationalmannschaft von Montenegro ging zunächst in der 3. Spielminute durch Fatoş Bećiraj in Führung. Die Mannen um Trainer Stefan Kuntz egalisierten den Treffer in der 22. Minute durch Kerem Aktürkoğlu. Die türkische Nationalmannschaft dominierte über weite Strecken das Spiel und erspielte sich viele Torchancen. Der verdiente Siegtreffer fiel in der 60. Minute durch den eingewechselten Orkun Kökçü von Feyenoord Rotterdam. Die Niederlande gewannen ihr Heimspiel gegen Norwegen mit 2-0 und konnten ihr Punktekonto auf 23 erhöhen und fahren direkt zur WM nach Katar. Mit dem Sieg über Montenegro beendet die Mannschaft von Stefan Kuntz die Gruppe G als zweiter und muss in die Play-Offs. Unter dem neuen Trainer Stefan Kuntz hat die türkische Nationalmannschaft keines der letzten vier Spiele verloren. Nach Spielende postete Orkun Kökçü auf Twitter: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich für die Türkei mein erstes Tor erzielen konnte“. Mittelfelder Kökçü ist ein niederländisch-türkischer Fußballspieler, der seit Beginn seiner Profikarriere bei Feyenoord Rotterdam unter Vertrag steht. Kemal Bölge/Podgorica

Mord an Moise
Türkei: Mann im Zusammenhang mit Mord an Haitis Präsidenten festgenommen

Istanbul – Die türkischen Behörden haben einen Mann verhaftet, der im Zusammenhang mit der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse im Juli, als Verdächtiger gilt, wie der haitianische Außenminister Claude Joseph am Montag mitteilte. Der 53-jährige ehemalige Geschäftsmann Moïse , der sein Amt 2017 angetreten hatte, wurde in seinem Privathaus erschossen, seine Frau wurde bei dem Anschlag verletzt. Kolumbianische Söldner erwiesen sich als Hauptverdächtige, jedoch wurde bisher niemand im Zusammenhang mit dem Fall angeklagt oder verurteilt. Es habe Medienberichten zufolge jedoch bereits mehr als 40 Festnahmen gegeben, darunter auch haitianische Polizeibeamte. „Ich hatte gerade ein Telefongespräch mit dem türkischen Minister, meinem Freund Mevlut Cavusoglu, um der Türkei für die Verhaftung von Samir Handal zu danken, einer der Personen, die bei den Ermittlungen zur Ermordung des Präsidenten von großem Interesse sind“, so Joseph auf Twitter. In einem Bericht der haitianischen Polizei vom August heißt es, Handal habe in seinem Haus in Port-au-Prince „Treffen mit politischem Charakter“ veranstaltet, an denen auch Emmanuel Sanon teilgenommen habe, ein mutmaßlicher Drahtzieher des Attentats, der im Juli verhaftet worden war. Türkische Medien berichteten am Dienstag, dass Handal, der mit einer internationalen Haftbefehl der Interpol gesucht wurde, auf dem Istanbuler Flughafen von den Behörden festgenommen wurde, als er auf dem Transitflug von den Vereinigten Staaten nach Jordanien war. Letzte Woche hatte das US-Außenministerium seine Bürger in Haiti aufgefordert, das Land zu verlassen, da sich die politischen Unruhen nach der Ermordung von Moïse verschärft hatten. „Die weit verbreitete Treibstoffknappheit kann im Notfall wesentliche Dienstleistungen einschränken, einschließlich des Zugangs zu Banken, Geldtransfers, medizinischer Notversorgung, Internet und Telekommunikation sowie öffentlichen und privaten Transportmöglichkeiten“, warnte das Außenministerium und merkte an, dass die US-Botschaft „wahrscheinlich nicht in der Lage ist, US-Bürgern in Haiti bei der Ausreise zu helfen, wenn kommerzielle Optionen nicht mehr verfügbar sind“. Moïse war seit 2017 im Amt und regierte seit mehr als einem Jahr per Erlass, weil die Ausrichtung einer Wahl scheiterte. Die Opposition warf dem 53-Jährigen Korruption vor, es kam zu Massenprotesten. Moïse hat die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrungen, mit der er nach eigenen Angaben für mehr Stabilität sorgen wollte, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Seine Gegner sahen darin den Versuch, eine Diktatur zu errichten. Nach Angaben der haitianischen Behörden wurde Moïse von ausländischen Profi-Killern getötet. Zwei Männer erklärten sich daraufhin jeweils zum Interims-Regierungschef.

Corona-Pandemie
Saudi-Arabien: 97 Prozent der Infektionen betreffen Ungeimpfte

Riad – Nach Angaben der saudischen Gesundheitsbehörden waren 97 Prozent der Menschen, die sich in den vergangenen zw Monaten im Königreich mit COVID-19 infiziert hatten, nicht gegen das Coronavirus geimpft. 65 Prozent der Infizierten waren demnach gar nicht geimpft, während 32 Prozent nur eine einzige Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhalten hatten. Der Anteil derjenigen, die mit zwei Dosen geimpft waren, lag bei nur drei Prozent. Die Zahl derjenigen, die in Saudi-Arabien die zweite Dosis des Impfstoffs gegen das Coronavirus erhalten haben, beläuft sich nach Angaben der Nachrichten-Website Argaam auf mehr als 22 Millionen Menschen, bei einer Gesamtbevölkerung von 35,01 Millionen Menschen. Das Ministerium rief alle Bürger und Einwohner, die vor mindestens sechs Monaten zwei Dosen des COVID-19-Impfstoffs erhalten haben, dazu auf, sich die dritte Impfung bzw. Auffrischungsdosis geben zu lassen, um die Immunität der Bevölkerung zu stärken. Die saudische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde hat am Mittwoch den COVID-19-Impfstoff von Pfizer-BioNtech für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren zugelassen, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete. Pfizer hatte zuvor einen Antrag auf Zulassung durch die Behörde gestellt.

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Der in Österreich lebende Imam Tarafa Baghajati hat auf Facebook zum Impfen aufgerufen. Baghajati klärt aus islamischer Sicht über soziale, rechtliche und moralische Aspekte der Corona-Impfung auf.

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