Aufgeklärtes Wutbürgertum
Abdel Ourghi entschuldigt sich bei Islamwissenschaftlerin
Bremen (cro) – Wer Ende der 1980er Jahre die Charles-Crichton-Filmkomödie „Ein Fisch namens Wanda“ gesehen hat, wird sich unweigerlich an den Dialog zwischen den Hauptprotagonisten Wanda und Otto in den Docks erinnern, nachdem der sich für einen großen Intellektuellen haltende Letztere sich einen groben Ausraster geleistet hatte. Ähnlich wie ihm scheint sich auch dem sich selbst für einen großen Islamwissenschaftler haltenden Abdel Hakim Ourghi nach dessen übergriffiger Nachricht an seine Berufskollegin Caroline Neumüller (NEX berichtete) die Frage gestellt zu haben, was Plato in einer solchen Situation tun würde. Und wie Otto im Film kam auch er offenbar zur Erkenntnis, dass dieser sich in einer solchen Situation entschuldigen würde. Die Bremer Islamwissenschaftlerin teilte mit, dass Ourghi dies am Sonntag ihr gegenüber getan hätte.
„Hallo Frau Neumüller, für den Ton meiner letzten Mail an Sie, möchte ich mich entschuldigen. Dieser Ton war nicht in Ordnung von mir“, äußerte demnach Ourghi und erklärte zudem: „Ich schrieb diese Mail in höchster Wut gegen Sie, wie dem Text abzulesen war.“ Ourghi bestritt, ein sexistisches Weltbild zu haben und habe Neumüller „nicht in die Küche schicken wollen“. Der selbst ernannte Kämpfer für den „liberalen und aufgeklärten Islam“, den die Welt brauche, beharrte allerdings darauf, im Grunde das eigentliche Opfer zu sein und vonseiten Neumüllers – die er nach wie vor „als Islamwissenschaftlerin, Muslim und Person wirklich hoch problematisch“ sieht – sowie des Hamburger Islamwissenschaftlers Lutz Jäkel – mit dem Ourghi ebenfalls vor einigen Wochen eine Kontroverse auf Facebook ausgefochten hatte – „dauernden Attacken“ gegen seine Person und „Cybermobbing“ ausgesetzt zu sein. Für diese will er allerdings auch eine Erklärung haben: „Ich kann sie mir in der Tat nur mit Neid erklären. Über meine Inhalte reden Sie so gut wie nie. Aber dass Neid dahinter steckt, ist natürlich eine Hypothese von mir, gegen die Sie sich verwahren können. Es ist aber mein Gefühl.“
Zum Ende seiner Nachricht appellierte Ourghi noch einmal: „Ich verstehe die permanenten Angriffe von Lutz Jäckel und Ihnen gegen meine Person wirklich nicht. Lassen mich bitte einfach in Ruhe meine Arbeit machen! Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar. Meine Inhalte können von jedem diskutiert werden. Die Welt da draußen braucht die Stimme des liberalen und aufgeklärten Islam.“ Immerhin scheinen diesem bei aller Apotheose der Ratio von Zeit zu Zeit auch Gefühle nicht fremd zu sein.
Syrien
Mutter von Syriens Präsident Assad gestorben
Beirut (nex) – Die Mutter des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad ist tot. Wie Staatsmedien, ohne weitere Details zu nennen, berichteten, sei Anissa Machluf al-Assad am Samstag im Alter von 86 Jahren in Damaskus gestorben.
Die Witwe von Ex-Präsident Hafiz al-Assad hatte sich während des blutigen Konflikts in Syrien, aber auch schon zu Zeiten, als ihr Mann noch herrschte, aus der Öffentlichkeit zurückgehalten, schreibt der in Österreich erscheinende Kurier. Nur selten wurde sie von den Medien Syriens erwähnt.
Als Tochter einer mächtigen und reichen Familie war Machluf 1930 in der syrischen Küstenprovinz Latakia geboren worden. Assads Vater Hafis al-Assad, der 1971 syrischer Präsident wurde und das Land bis 2000 regierte, heiratete sie 1957.
"Rebellische Strukturen verteidigen und solidarische Kieze schaffen"
Berlin: Rund 3.000 Demonstranten ziehen durch Friedrichshain
Berlin (dts) – In Berlin-Friedrichshain haben am Samstag linke und linksradikale Gruppen gegen Personenkontrollen und Hausdurchsuchungen der Polizei demonstriert. Unter dem Motto „Rebellische Strukturen verteidigen und solidarische Kieze schaffen“ versammelten sich die Teilnehmer an der Gürtelstraße in Friedrichshain, wo sich gegen 17:30 Uhr der Demonstrationszug unter anderem in Richtung Frankfurter Allee und Rigaer Straße in Bewegung setzte. Nach Polizeiangaben nahmen etwa 3.000 Menschen teil; 200 waren angemeldet.
Dem gegenüber waren 1.100 Polizisten im Einsatz. Der Protest verlief relativ ruhig. Vereinzelt seien Steine gegen Beamte und eine Bankfiliale geflogen. Eine Bushaltestelle wurde demoliert und Bengalos gezündet, teilte die Polizei mit. Anlass für die Protestaktion war ein Polizeieinsatz in der Rigaer Straße am 13. Januar dieses Jahres. Nach einem Angriff auf einen Polizisten hatte ein Großaufgebot der Polizei die Rigaer Straße 94 durchsucht. Der Einsatz war unter anderem von Linken, Grünen und Piraten als unverhältnismäßig kritisiert worden.
Syrienkrieg
SPD-Europaabgeordneter: Russland soll Bombardierung einstellen
Brüssel (dts) – Der SPD-Europaabgeordnete Knut Fleckenstein ist überzeugt, dass Russland bereit sein müsse, seine Bombardements in Syrien einzustellen, um den Konflikt in der vom IS besetzten Region zu lösen.
Es gebe „keine vernünftigere Alternative, wenn man es auch über den Tag hinaus sieht, als an einen Tisch zu kommen und zu versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden“, sagte Fleckenstein dem Deutschlandfunk. „Das wird schwierig genug, aber durch Bombardierung bringen wir niemanden an den Verhandlungstisch.“
Grundsätzlich müsse man mehr miteinander reden, das gelte insbesondere für die USA und Russland. Gehe jeder seinen eigenen Weg, werde es immer schwieriger. Bei Gesprächen zum Syrien-Konflikt könnten die Russen eine positive Rolle spielen „indem sie alles tun, was ihnen möglich ist, damit alle Beteiligten in Wien an einem Tisch sitzen“, so Fleckenstein.
Türkei
Turkish Airlines will über 1.000 neue Flugbegleiter einstellen
Ankara (nex) – Wie der stellvertretende Generaldirektor der halbstaatlichen türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines, Abdülkerim Çay, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi mitteilte, plane das Unternehmen in diesem Jahr die Einstellung von mehr als 1000 Flugbegleitern.
„Turkish Airlines hat in den letzten zwölf Jahren ein enormes Wachstum erlebt. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei ist auch Turkish Airlines um das fünffache gewachsen“, so Çay. Noch 2003 sei die Airline in Besitz von 65 Flugzeugen gewesen, mittlerweile sei die Anzahl der Flugzeuge in der Turkish Airlines Flotte auf fast 300 gestiegen.
„Mit dem Wachstum unseres Unternehmens ist auch die Anzahl unserer Flugbegleiter gestiegen und steigt auch weiter an“, fuhr Çay fort. 9.000 der 20.000 Turkish Airlines Mitarbeiter seien Flugbegleiter. Durch den Erwerb neuer Flugzeuge werde auch neues Bordpersonal eingestellt werden. In diesem Jahr sei die Einstellung von über 1.000 Flugbegleitern vorgesehen. Bewerben könne man sich nur online, auf anderen Wegen sei eine Bewerbung nicht möglich.
Gute Englischkenntnisse, ein „Lise“-Abschluss (Abitur) und eine Mindestgröße von 1,60m bei Frauen und 1.70m bei Männern mit einem zur Größe proportionalen Gewicht seien die Voraussetzungen für eine Einstellung. Vor einer Einstellung werde man Bewerber Englisch- und psychotechnischen Prüfungen unterziehen, wer diese bestehe, werde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Der Beruf des Reisebegleiters stoße bei jungen Leuten in der Türkei auf großes Interesse.
Laut Sedat Şekerci, dem für die Flugtrainings und Schulungen zuständigen Leiter bei Turkish Airlines, werden Berufseinsteiger ein fast zweimonatiges Ausbildungsprogramm in Theorie und Praxis erhalten. Das Flugschulungszentrum biete für angehende Flugbegleiter praxisorientierte Notfalltrainings in vorgeschriebenen Flugzeugtypen an verschiedenen Geräten.
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"Werben für Terrorismus"
Twitter sperrt mehr als 125.000 Profile wegen Terrordrohungen
San Francisco (dts) – Der Kurznachrichtendienst Twitter hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Benutzerkonten wegen Terrordrohungen gesperrt. Seit Mitte März 2015 seien mehr als 125.000 Profile stillgelegt worden, teilte Twitter in seinem Unternehmens-Blog mit. Demnach habe es in den meisten Fällen eine Verbindung zur Terrormiliz „IS“ gegeben.
Der Kurznachrichtendienst habe in den vergangenen Monaten auch die Zahl der Mitarbeiter erhöht, die derartigen Hinweisen im Twitter-Netzwerk nachgehen. Zudem seien die Nutzungsbedingungen angepasst worden: Nun seien „Drohungen oder Werben für Terrorismus“ als Missbrauch eingestuft.
Russische Luftangriffe
Steinmeier kritisiert Vorgehen Russlands in Syrien – Zehntausende Zivilisten auf der Flucht
Berlin (dts) – Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat das russische Vorgehen in Syrien, das zu einem neuen Flüchtlingsstrom geführt hat, kritisiert. Über 50.000 Menschen seien vor den russischen Luftangriffen auf der Flucht und würden bald die türkische Grenze erreichen.
„Die Chance für eine politische Lösung darf jetzt nicht wieder kurzsichtigem militärischen Taktieren zum Opfer fallen“, sagte Steinmeier der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die russischen Luftangriffe hätten „die militärischen Kräfteverhältnisse für den Moment verschoben“, so der Minister.
Gleichzeitig habe sich Russland abermals zum Wiener Prozess einer Friedenslösung bekannt. „Ich erwarte von allen, dass jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die in Genf unterbrochenen Gespräche wieder aufgenommen werden können.“ Dringend nötig seien Fortschritte, um einen Waffenstillstand und humanitären Zugang zu den belagerten Orten in Syrien zu erreichen.
Am kommenden Donnerstag soll in München ein weiteres Syrien-Treffen im Wiener Format stattfinden, zu dem auch Russland und die Vereinigten Staaten gehören. Steinmeier begrüßte es, „dass mir sowohl der iranische als auch der saudische Außenminister zugesagt haben“, an dem Treffen teilzunehmen. Es wäre das erste Aufeinandertreffen offizieller Vertreter beider Länder seit dem Abbruch der Beziehungen Anfang Januar.
Energieprojekte
Turkmenistan: Ankara arbeitet an einer Partnerschaft mit Aschgabat und Baku
Aschgabat (eurasia/nex) – Turkmenistan und die Türkei haben politische Konsultationen in Aschgabat abgehalten, teilte das turkmenische Außenministerium am fünften Februar mit. Dabei diskutierten die Außenminister beider Turkstaaten politische, aber auch ökonomische Fragen.
Die Teilnehmer engagierten sich in einer Vielzahl von Themen, die auf der Agenda standen. Die Türkei und Turkmenistan sind daran interessiert, die Kooperation in Politik, Handel, Wirtschaft und Kultur zu intensivieren, ging aus den Konsultationen hervor. Schließlich teilte das turkmenische Außenministerium mit, dass es künftig einen stärken Austausch mit den Amtskollegen aus der Türkei wünsche. Außerdem wurden regionale sowie internationale Herausforderungen von gemeinsamen Interesse besprochen. In diesem Zusammenhang sollen gemeinsame Projekte in den Bereichen Energie und Transport thematisiert worden sein. Genaueres gibt es bislang nicht. Die Türkei und Turkmenistan pflegen enge historische, kulturelle und ethnische Verbindungen miteinander. Im Zeichen einer ökonomischen Partnerschaft bietet Ankara dem „Brudervolk“ in Zentralasien technologisches Know-How an und wünscht sich im Gegenzug seinen Energie-Warenkorb mit Erdgaslieferungen aus Turkmenistan zu ergänzen. Turkmenistan gehört zu den weltweit Erdgas reichsten Staaten. Bislang scheiterten Ankaras Bemühungen, Aschgabat in gemeinsame Energieprojekte, die es mit Aserbaidschan verfolgt, zu integrieren und perspektivisch via Anatolien auch den europäischen Energiemarkt zu versorgen. Mehr zum Thema:Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews.de
Wirtschaft
Iran: Nach Ende der Sanktionen intensivieren Moskau und Teheran den Handel
Teheran (eurasia/nex) – Die Sanktionen gegen den Iran sollen nach fast zehn Jahren teilweise aufgehoben werden. Vor allem in den Bereichen Finanzen und Energie entfallen zahlreiche Beschränkungen. Gerade für das wirtschaftlich angeschlagene Russland bietet sich hier eine gute Möglichkeit, die eigene sinkende Nachfrage auszubalancieren. Exportiert werden soll alles, was die iranischen Partner interessieren könnte – von landwirtschaftlichen Produkten bis hin zum Bau von Kraftwerken.
Von Viktoria Benzel Die Wirtschaftskrise in Russland zwingt die Unternehmen dazu, neue Märkte zu erschließen. Durch die Abwertung der russischen Währung entsteht für den Export eine günstige Gelegenheit, da nun die heimischen Produkte über einen Kostenvorteil auf den ausländischen Märkten verfügen. Denis Manturow, der russische Minister für Industrie und Handel, hat bei der Ausstellung in Teheran „Industrial and Commercial Dialog: Russland – Iran“ eine mögliche Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern diskutiert. Die vorläufigen Ergebnisse der Verhandlungen wurden am ersten Tag der Ausstellung bekanntgegeben. Laut Oleg Sienko, dem Leiter von UralVagonZavod, einer russischen Maschinenbau- und Rüstungsfirma, soll seine Firma dem Iran innerhalb der nächsten sechs Wochen bis zu 5000 Güterwagen speziell für die iranische Eisenbahnlinie liefern. Der Umfang der Lieferung soll in etwa 250 Millionen Euro betragen. Auch Transmashholding, ein russisches Maschinenbauunternehmen, hat anscheinend Aufträge im Wert von 1,2 Milliarden Euro ergattern können. Auch Flugzeuge und landwirtschaftliche Maschinen sollen verkauft werden. Bisher wurden Geldtransaktionen über Dubai getätigt. Dies ist jedoch finanziell und zeitlich sehr aufwendig.Vorab müsste man aber noch das Problem der Finanztransaktionen lösen. Aufgrund der europäischen und amerikanischen Sanktionen hat der Iran das SWIFT-Zahlungssystem nicht implementiert. Direktüberweisungen können nur getätigt werden über die MIR BIZNES BANK, ein Tochterunternehmen des iranischen Finanz- und Kreditinstituts Melli Bank, und der Tempbank, welche ihrer Zusammenarbeit mit dem Iran wegen von den USA sanktioniert wird. Mehr zum Thema:Sanktionen gegen Türkei floppen – Russlands Automobilindustrie vor dem Stillstand
Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews.de
"Ignorierung der Vorbild-Funktion"
Bundesregierung stellt mehr Leiharbeiter ein
Berlin (dts) – Die Bundesregierung stellt neue Mitarbeiter oft nur befristet ein. Von rund 13.700 Beschäftigten, die die 14 Bundesministerien und ihre nachgeordneten Behörden im Jahr 2015 einstellten, erhielten knapp 7.000 nur einen Arbeitsvertrag auf Zeit, berichtet der „Spiegel“. Zugleich wurden mehr Leiharbeiter eingesetzt.
Deren Zahl stieg 2015 leicht auf 493 gegenüber 471 im Vorjahr. Die Statistik geht zurück auf eine Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag. Nach Berechnungen der Fraktion erfolgten rund sechzig Prozent aller 2015 bestehenden Befristungen ohne Grund, es handele sich weder um Krankheitsvertretungen oder besondere Engpässe.
„Bundesministerien und Behörden ignorieren mit dieser Praxis ihre Vorbild-Funktion“, kritisierte Beate Müller-Gemmeke (Grüne). „Befristungen ohne Grund führen dazu, dass die Beschäftigten permanent in Unsicherheit leben.“


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