Russland-Sanktionen
Russland fordert vom Westen Ende der Sanktionen

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Berlin (dts) – Russland verlangt vom Westen ein Ende der gegen das Land verhängten Sanktionen. Vorleistungen wie eine einseitige Aufhebung der von Moskau verhängten Importverbote für Lebensmittel lehnt Russland indes ab: „Wir erwarten den ersten Schritt von unseren Kollegen von der Europäischen Union“, sagte Premierminister Dmitrij Medwedew im Interview mit dem „Handelsblatt“. Europa solle den „Mut finden und zugeben, dass die Wirtschaftssanktionen beendet werden müssen, die zu nichts Gutem sowohl für Europa, als auch für Russland“ führen, so der russische Regierungschef. Zugleich warf Medwedew dem Westen vor, nach Ausbruch der Ukraine-Krise und der Okkupation der ukrainischen Halbinsel Krim fast alle Kontakte zu Russland abgebrochen zu haben: „Dass wir keinen Dialog mehr pflegen, ist ein fataler politischer Fehler“, sagte Medwedew. „Durch den Abbruch des Dialogs mit Russland wurde alles zerstört.“ Er frage sich, ob das gut sei. Russland könne auch seinerseits „jetzt den Eisernen Vorhang wieder fallen lassen“. Das werde das Land aber nicht machen, sondern stattdessen auf die Wiederherstellung des Dialogs und des Vertrauens setzen. Medwedew wird am Samstag in München auf der Sicherheitskonferenz eine Grundsatzrede halten und darin Russlands Vorstellungen für eine neue Kooperation zwischen Moskau und dem Westen präsentieren. Vor allem in der Ukraine- und der Syrien-Frage sind beide Seiten tief zerstritten. Russland habe aber im Gegensatz zu den USA „nie angestrebt, die Führungsrolle in der Geopolitik zu spielen“, sagte Medwedew im Gespräch mit der Zeitung.

Koalition ohne Grüne
FDP bietet Schwarz-Rot-Gelb in Baden-Württemberg an

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Stuttgart (dts) – Der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer hat sich für eine schwarz-rot-gelbe Koalition mit CDU und SPD offen gezeigt: „Weil wir mit einem Fünfparteien-Parlament rechnen müssen, gehören klassische Zweiparteienkonstellationen wohl der Vergangenheit an. Ich kann mir vorstellen, mit CDU und SPD eine Deutschland-Koalition einzugehen und zwar für den Fall, dass wir zur Mehrheitsbildung gebraucht werden sowie für eine Konstellation, bei der uns ein Veto-Recht zugesichert wird“, sagte Theurer dem Nachrichtenportal FAZ.NET. Jede Koalition, in die seine Partei eintrete, müsse „wesentliche Inhalte“ der FDP umsetzen. Theurer nannte die Abschaffung des Bildungszeitgesetzes, eine Entbürokratisierung der Landesbauordnung sowie eine Schulfinanzierung, die eine Privilegierung der Gemeinschaftsschulen beende. „Unser Wunschpartner ist die CDU. Eine Partei wie die FDP muss aber mit allen anderen demokratischen Parteien koalitionsfähig sein. Deshalb werden wir auch keine Ausschließeritis betreiben und wenn wir inhaltliche Gemeinsamkeiten feststellen können, auch mit der SPD und den Grünen über eine Koalition sprechen“, sagte Theurer FAZ.NET.

Fremdenfeindlichkeit
Bericht: 2016 Straftaten gegen Asylunterkünfte bereits mehr als verdoppelt

Berlin (dts) – Die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte hat sich in den ersten sechs Wochen des Jahres 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereits mehr als verdoppelt: Laut aktuellen Zahlen des Bundesinnenministeriums, über die die „Rheinische Post“ berichtet, wurden von Jahresbeginn bis zum 9. Februar 94 Straftaten gegen Asylunterkünfte und deren Bewohner registriert. Demgegenüber gab es zwischen 1. Januar und 9. Februar 2015 weniger als 40 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Seit Jahresbeginn 2016 zählte das Innenministerium bundesweit 38 Sachbeschädigungen, 24 Propagandadelikte und 19 Gewalttaten gegen Flüchtlingsunterkünfte. Außerdem gab es zwölf Brandstiftungen. Die Zahl dieser Anschläge ist damit im laufenden Jahr bereits verhältnismäßig stark angestiegen. Im Vorjahr gab es mit insgesamt 95 Brandanschlägen auf Asylunterkünfte durchschnittlich acht pro Monat. 2014 waren es dagegen zwölf im gesamten Jahr. Auch ein Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz wurde seit Jahresbeginn registriert. Das Bundesinnenministerium teilte zudem mit, dass 90 der 94 Übergriffe rechtsmotiviert gewesen seien, bei den übrigen vier Delikten könne „eine politische Motivation noch nicht sicher ausgeschlossen werden“.

Flüchtlingspolitik
Merkel trifft sich mit George Clooney

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Berlin (dts) – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Freitag mit Hollywood-Schauspieler George Clooney und seiner Ehefrau Amal getroffen. „Wir haben darüber gesprochen, wie Nichtregierungsorganisationen und Regierungen gemeinsam da arbeiten können, wo es um Fluchtursachen geht, wie sie auch Menschen ermutigen können sich für diese Arbeit zu engagieren und insofern war es ein sehr gutes Gespräch“, sagte Merkel am Freitagnachmittag in Berlin. Clooney hatte bereits am Donnerstag gesagt, er wolle mit Merkel über Flüchtlinge sprechen und erklärt, die USA müssten sich mehr engagieren.

Staudamm bei Artvin
Mega-Projekte Türkei: Größter Staudamm wird schon 2018 fertig

Artvin (nex) – Bereits im Jahre 2018 sollen die Bauarbeiten zur Wasserkraftanlage von Yusufeli abgeschlossen sein. Am Ende soll der Damm, der in der Provinz Artvin errichtet wird, eine Gesamthöhe von 270 Metern aufweisen und damit nicht nur der größte der Türkei sein, sondern auch zu den größten Anlagen ihrer Art weltweit gehören. Neben dem Yusufeli-Damm sollen entlang des Flusses Çoruh noch weitere zehn Staudämme gebaut werden. Der Çoruh gehört mit einer Länge von 390 Kilometern zu den längsten Flüssen der Türkei. Auch die bislang größte Talsperre der Türkei liegt am Çoruh in der Nähe von Artvin. Es handelt sich dabei um die 2012 fertiggestellte Deriner-Talsperre mit einer Staumauer, die eine Höhe von 249 Metern über der Gründungssohle aufweist. Die Wasserkraft-Infrastruktur entlang des Çoruh bei Artvin soll am Ende in der Lage sein, etwa fünf Prozent des landesweiten Elektrizitätsbedarfs zu decken. In Anbetracht des stetig weiter wachsenden Energiebedarfes der türkischen Bevölkerung und der immer noch hohen Abhängigkeit des Landes von Energieimporten soll das Dammprojekt nach Vorstellung der Regierung einen wichtigen Pfeiler im Zuge der Diversifizierung des türkischen Energieportfolios darstellen. Bereits 2012 betonte Akif Özkaldı, der Generalmanager der Staatlichen Wasserbehörde (DSİ), im Rahmen der damaligen Feierlichkeiten zur Unterzeichnung der Verträge zum Damm- und Wasserkraft-Projekt, dass es sich bei der Wasserkraft um eine saubere, günstige und erneuerbare Energiequelle handle. Umwelt- und Forstminister Veysel Eroğlu ergänzte, dass der Bau des Dammsystems außerdem komplett mit heimischen Ressourcen, Ingenieuren und Bauunternehmern bewerkstelligt werden solle.  

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RAMSA
Uni-Dortmund: Muslimische Studierende positionieren sich gegen frauenfeindliche Vorfälle

Der Rat muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA) betrachtet die Art und Weise des Umgangs der TU Dortmund mit ihren muslimischen Studierenden kritisch – dies insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen medialen Berichterstattung, die hauptsächlich die Sicht der Universität aufgreift. Dazu wird der RAMSA bald eine Stellungnahme veröffentlichen. Wir haben mit verschiedenen muslimischen Studierenden und Akademikern der TU-Dortmund gesprochen. Im Folgenden das Ergebnis der Gespräche: „Muslimische Studierende und Akademiker an der TU Dortmund positionierten und positionieren sich klar und unmissverständlich gegen jedwede frauenfeindlichen Positionen und weisen zudem jegliche offenkundige oder mitschwingenden Vorwürfe, diese praktiziert oder toleriert zu haben, auf das Schärfste zurück! Die Universitätsleitung sollte nicht das Fehlverhalten einzelner Personen zum Anlass nehmen, um pauschale Verdächtigungen oder Unterstellungen gegenüber Studierenden mit einem bestimmten Religionsbekenntnis, einer bestimmten ethnischen Herkunft und/oder nicht weißer Hautfarbe implizit oder explizit zu behaupten oder zu verbreiten. Weit über 60 Artikel sind seit der Pressemitteilung der TU Dortmund zum „Raum der Stille“ erschienen. Binnen weniger Tage haben unterschiedliche Medien über die Schließung berichtet. Fast durchgängig wurde die Darstellung der Universitätsleitung ohne weitere Recherche übernommen. Schlagworte wie „frauenfeindlich“, „Umfunktionierung für eigene Zwecke“, „Religionsärger“, „Kopftuchzwang“, „Verstoß gegen Gleichberechtigung“ wurden zu einem Feinbild-Diskurs “Studierende die Anders sind” hochstilisiert. Diese erschreckende und bedrückende Polarisierung führte bereits zu verbalen Übergriffen und angedeuteten Akten von körperlicher Aggression gegenüber muslimischen Studierenden an der TU Dortmund. In Zeiten einer “PEGIDAisierung” und von Übergriffen gegenüber verschiedenen Gruppen von Menschen, frauenfeindlichen und antisemitischen Attacken, brennenden Asylbewerberunterkünften und stärker werdenden rechtsextremen Positionen in der Mitte der Gesellschaft, so eine Studie der Universität Leipzig, ist es beängstigend und bestürzend, wenn ähnliche Diskurse und Stimmungen von Seiten der Universitätsleitung gegenüber den eigenen Studierende betrieben werden. Niemand seitens der Universitätsleitung hat mit den derart angefeindeten Studierenden den Dialog gesucht. Binnen kürzester Zeit sahen die Studierenden sich massiv mit gängigen ausgrenzenden, menschengruppenfeindlichen Narrativen konfrontiert und das Bestreben der Studierenden, die Interessen einiger hundert Studierender gegenüber der Unileitung zur Sprache zu bringen, wurde derart skandalisiert, dass man dieser ohnmächtig gegenüberstand. Das ist inakzeptabel! Muslimische Studierende und Akademiker positionierten und positionieren sich wiederholt gegen menschengruppenfeindlich Praktiken – egal ob in Bezug auf Geschlecht, Weltanschauung, soziale oder nationale Elemente der Identität – und weisen auf das Schärfste jeglichen pauschalen Vorwurf zurück, den man uns direkt oder indirekt anlastete. Verstöße gegen die Nutzungsordnung seitens Einzelner und Weniger wurden niemals von muslimischen Studierenden gut geheißen. Insgesamt wurden maximal 2 Beschwerden innerhalb mehrerer Jahre dem ASTA eingereicht, die umgehend bearbeitet wurden. Dieser hat die ordentliche Nutzung des Raumes der Stille verwaltet und wiederhergestellt. Zur aktuellen Lage hat die Universität weder die Studierenden noch dessen Vertretung (AStA) in Kenntnis gesetzt. Der Universitätsleitung war bekannt, dass der Raum größtenteils von muslimischen Studierenden zur Verrichtung ihrer täglichen rituellen Gebete genutzt wurde. Zusätzliches Interieur wie Raumaufteiler für mehr Privatsphäre während der Gebetshandlungen für alle Studierende ungeachtet ihres Geschlechts wurden sogar vom Dezernat 6 brandschutztechnisch überprüft und zur Verfügung gestellt. Da der Raum regelmäßig von muslimischen Studierenden besucht wurde, entstand unter vielen Studierenden der Eindruck, dass es sich um einen eigens für Muslime eingerichteten Raum handelt, sodass diese nichts Verwerfliches darin sahen, z.B. einen Gebetsteppich liegen zu lassen, um ihn für den nächsten Tag gleich parat zu haben oder sich dort mit Kommilitonen hinzusetzen und zu meditieren oder Studienangelegenheiten zu besprechen. Die muslimischen Studierenden und Akademiker
  • sind deutsche sowie internationale und deutschsprachige Muslime, die sich an ihrer deutschen Universität für ihre garantierten Grund- und Menschenrechte und geltendes Recht einsetzen. Zu denen gehört im Übrigen auch die Weltanschauungs- und Religionsfreiheit – Sie stellen sich gegen jeden, der einer Frau oder einem Mann einen bestimmten Platz meint zuweisen zu müssen aufgrund seines Geschlechtes oder seiner Herkunft.
  • positionieren sich gegen jegliche Personen und Positionen, die eine rigorose Geschlechtertrennung einfordern und stellen klar, dass Formen des Zwangs der Praxis der Mainstream-Muslime diametral zuwiderläuft.
  • stellen sich entschieden und laut gegen jeden, der die Selbstbestimmung der Frau beschneidet oder ihr Verhaltensweisen vorschreibt.
  • benötigen keine Raumaufteiler.
  • informieren, dass in islamischen Gebeten Frauen und Männer für gewöhnlich in von einander abgegrenzten Reihen stehen, ähnlich wie noch in manchen christlichen und jüdischen Gotteshäusern und dieser Wunsch nach Rückzugsbereichen deshalb aus Gewohnheit in den „Raum der Stille“ übertragen worden sein könnte.
  • wollen den konstruktiven Dialog und frei und demokratisch um ihre Interessen streiten dürfen, ohne in frauenfeindliche Diskurse eingespeist zu werden.
Bis heute weiß niemand, wer 2012 einige Flyer ausgelegt hatte. Der AStA, der für den Raum verantwortlich ist, hat sie umgehend entfernen lassen und die Nutzungsordnung wiederhergestellt. Der Gesamtheit der Muslime am Campus mit diesen alten Fällen oder mit Raumaufteilern und Nutzungsverstößen in Zusammenhang zu bringen, ist schlichtweg unfair. Man wollte sich ausschließlich für den Erhalt des Raumes der Stille einsetzen, nachdem er geschlossen wurde. Studierende haben nach der Schließung des Raumes das konstruktive Gespräch mit der Universitätsleitung gesucht. Diese hat es verwehrt. Der deutlich formulierte – nicht öffentliche – Brief an die Universitätsleitung im Anschluss sollte nach Informationen nur den Unmut ausdrücken und folgte erst danach. Beigefügte Unterschriften sollten dem Text lediglich mehr Gewicht verleihen. Die Studierenden hatten zu keiner Zeit die Absicht, eine mediale Debatte zu entfachen. Die Absicht war und ist es einen konstruktiven Dialogwunsch zu äußern, um die Problematiken zu besprechen und über eine möglicherweise Wiedereröffnung des Raumes der Stille zu reden. Die Antwort daraufhin wurde ohne Absprache veröffentlicht und medial breit gestreut. Die im Nachhinein offengelegten Gründe für die Schließung des Raumes sind durchaus nachvollziehbar, jedoch keine Probleme, die nicht hätten beseitigt werden können, wenn eben diese Nutzer auf ihre Fehler aufmerksam gemacht worden wären. Es gibt genügend Studierende, die sich an die Nutzungsbedingungen sehr wohl gehalten haben und diese achten. Der Raum wird von vielen Studierenden täglich genutzt, auch von Studierenden aus der benachbarten Fachhochschule. An etlichen Universitäten in Deutschland gibt es diese Räume. Er war wirklich benötigt und liegt den Nutzern am Herzen. Man kann nachvollziehen, dass es offiziell keinen Anspruch auf den Raum gibt, zumal die Probezeit bereits vor zwei Jahren abgelaufen ist. Muslimische Studierende und Akademiker haben sich sehr gewünscht und wünschen sich immer noch, dass zwischen Leitung und Studierenden ein vertrauensvolles Verhältnis entstünde und bestünde. Die Zitationen des Grundgesetzes in dem öffentlichen Schreiben der Uni haben die Studierende sehr irritiert. Studierende und Akademiker der TU Dortmund wissen allzu gut, was Demokratie bedeutet. Intention sei das interne Gespräch und keine öffentliche mediale Debatte, in der man in einen bestimmten Kontext vorverurteilt wird. Die Studierenden glauben weiterhin daran, dass bestehende Unstimmigkeiten, Fehler und Probleme geändert werden können. Probleme sollen aber nicht auf dem Rücken aller muslimischen Studierenden ausgetragen werden, die einer religiösen Minderheit angehören. In einem vertrauten und weniger emotionsbeladenen Rahmen, wie wir es eigentlich an der Technischen Universität gewohnt sind, möchten wir diese Problematik diskutiert wissen und suchen weiterhin den Weg des Dialogs.“   Zum Thema: 

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Erschienen auf ramsa-deutschland.org

Umfrage
Internetnutzer lesen Online-Nachrichten vor allem auf dem Smartphone

Berlin (dts) – Das Smartphone hat sich zum wichtigsten Gerät für den Konsum von Nachrichten im Internet entwickelt: Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom lesen 43 Prozent der Internetnutzer auf Smartphones Online-Nachrichten. Auf Rang zwei folgen mit einem Anteil von 35 Prozent Notebooks. 31 Prozent informieren sich mit einem stationären Computer über das aktuelle Tagesgeschehen. Und ein Viertel (25 Prozent) der befragten Internetnutzer liest Nachrichten auf dem Tablet. Am stärksten ist der Nachrichtenkonsum per Smartphone unter den 30- bis 49-Jährigen verbreitet: In dieser Altersgruppe liest gut die Hälfte der Internetnutzer (51 Prozent) Online-News. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es 47 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen 38 Prozent. In der Generation 65-Plus lesen dagegen nur zwölf Prozent Nachrichten auf dem Smartphone.

Syrienkonflikt
Französischer Premierminister Valls: Lokale Bodentruppen entscheidend im Syrien-Krieg

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Berlin (dts) – Nach Einschätzung des französischen Premierministers Manuel Valls kann der Kampf gegen die Terrormiliz IS (Daesch) nur mit lokalen Bodentruppen gewonnen werden. „Die Bodenoffensive dieser lokalen Truppen – und auch gewisser arabischer Länder, sofern sie sich dazu entschließen – ist entscheidend, und sei es nur, um die zurückeroberten Stellungen zu halten“, sagte Valls den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der französische Regierungschef nimmt zusammen mit dem scheidenden Außenminister Laurent Fabius und Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian an diesem Wochenende an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Derzeit fliegt eine internationale Koalition unter Führung der USA Luftangriffe auf Stellungen des IS in Syrien. Einige dieser Länder bilden lokale Truppen aus, die gegen den IS kämpfen. So beteiligt sich Deutschland an Training und Ausbildung der kurdischen Peschmerga im Nordirak. Jedes Land sei bei der Frage des Einsatzes von Bodentruppen souverän, sagte Valls. „Frankreich für seinen Teil beabsichtigt nicht, Bodentruppen in den Kampf gegen Daesch (den sogenannten IS) zu entsenden.“ Der französische Premierminister übte zudem scharfe Kritik an den russischen Luftangriffen in Syrien. „Man muss es deutlich sagen: Man kann nicht einen für Syrien unerlässlichen politischen Übergang verhandeln wollen und gleichzeitig die Zivilbevölkerung bombardieren, ganze Städte belagern, den humanitären Hilfsorganisationen den Zugang verweigern und die Opposition bekämpfen, die im Übergang und in der Zukunft Syriens eine entscheidende Rolle zu spielen hat“, erklärte Valls.

"Opel erfüllt Abgaswerte"
General Motors: „Opel ist auf dem richtigen Weg“

Rüsselsheim (dts) – Der US-Autokonzern General Motors (GM) rechnet damit, dass die deutsche Tochter Opel in diesem Jahr die Gewinnschwelle durchbrechen wird: „Opel ist auf dem richtigen Weg. 2016 wird ein entscheidendes Jahr“, sagte GM-Chefin Mary Barra in einem Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. „Wir wollen in diesem Jahr mit Opel die Gewinnschwelle durchbrechen. Das steht im Mittelpunkt“, sagte Barra. Sie verteidigte die Schließung des Bochumer Opel-Werks vor etwas mehr als einem Jahr. „Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Aber wir mussten unsere Überkapazitäten in Europa und Deutschland abbauen. Daher war der Schritt notwendig“, sagte Barra. Pläne für weitere Werksschließungen in Europa gebe es nicht. „Wir wollen mit den Werken, die wir haben, kontinuierlich wachsen“, so die GM-Chefin. „Opel hat viel dafür getan, sich kontinuierlich zu verbessern. Wir arbeiten jetzt deutlich effizienter und haben die Marke gestärkt. Mit unseren Modellen Karl, dem neuen Corsa, dem Mokka und dem neuen Astra sind wir erheblich schlagkräftiger geworden.“ Zur Frage, ob sie den Kunden in Deutschland versprechen könne, dass bei den Diesel-Fahrzeugen von Opel alles korrekt und sauber ist, sagte Barra: „Unsere Fahrzeuge erfüllen die erforderlichen Abgasgrenzwerte. Sie haben alle erforderlichen abgasbezogenen Typzulassungstests erfolgreich durchlaufen. Es gibt keine GM-Software, die erkennt, ob ein Auto auf einem Prüfstand betrieben wird.“ Sie sprach sich zudem für staatliche Kaufanreize in Deutschland aus, um Elektroautos populärer zu machen. „Es gibt viele Wege, wie Regierungen dazu beitragen können, Elektromobilität attraktiver zu machen“, sagte Barra. Sie fügte hinzu: „Eine Infrastruktur mit einer ausreichenden Zahl von Ladesäulen ist wichtig. Ich freue mich, dass Kanzlerin Merkel erklärt hat, die Bundesregierung wolle an dieser Stelle intensiv mit der Industrie zusammenarbeiten.“ Auch Kaufanreize könnten helfen. „Generell gilt in unserer Branche: Wenn die Stückzahlen steigen, verringern sich die Kosten. Wenn für eine bestimmte Zeit Vergünstigungen dazu beitragen, Elektroautos erschwinglicher zu machen, profitieren alle davon.“

Schantall und die Scharia
Was unterscheidet 100 französische Moscheen von einem türkischen Kloster?

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Erinnert ihr euch an die Aufregung, die es vor einigen Jahren um ein orthodoxes Kloster im Südosten der Türkei gab? Wenn nicht, hier die Kurzversion: Die Mönche des 1.600 Jahre alten Klosters Mor Gabriel bekamen im Jahr 2008 Ärger mit drei kurdischen Nachbargemeinden, die das Land auf dem das Kloster stand für sich beanspruchten.

Die Sache eskalierte ziemlich schnell: Erst mischten sich türkische Politiker, dann der Rest der Welt ein. „Christenverfolgung“ schrien tausende Demonstranten in Köln und Berlin und warfen der AKP-Regierung vor, eine „kulturelle Vernichtungspolitik“ zu betreiben. Der Deutsche Bundestag setzte das Thema auf die Tagesordnung, die FAZ forderte „rettet das zweite Jerusalem“ und am Ende schickte sogar die Europäische Union Beobachter in die Türkei.

„Ja, aber das hat doch nichts mit Islamophobie zu tun“, mag man jetzt einwenden. Stimmt. Stattdessen aber folgende Geschichte, die weit weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht: In Frankreich droht auch gerade Gotteshäusern die Schließung. Die sind zwar nicht so alt und die meisten wahrscheinlich auch architektonisch nicht so ansprechend wie Mor Gabriel, dafür aber viel mehr. Bis zu 160 Moscheen könnten französische Behörden in den nächsten Monaten schließen. Das berichtet zumindest Al-Jazeera und beruft sich dabei auf Informationen aus dem französischen Innenministerium.

„Ja, aber Al-Jazeera, das ist doch der Islamistensender!“, mag man da einwenden. Hätten französische Behörden nicht schon längst die Befürchtungen des Senders zur Realität werden lassen: Im Norden von Paris schlossen Behörden Anfang Dezember eine Moschee, deren Inhaber „dschihadistische Dokumente“ besessen haben soll. Wenige Tage später traf es eine Moschee in Gennevilliers, nordwestlich von Paris. Kurz darauf wurde in Lyon eine Moschee geschlossen usw. usf.

„Ja, aber Terror, Dschihad, Charlie Hebdo, Paris“, mag man da auf Schließungsgründe verweisen, die für Klöster in Südostanatolien nicht geltend gemacht werden können. Verweisen müsste man dann aber auch auf den Umstand, dass es in Frankreich – anders als in der Türkei – keine unabhängige Instanz gibt, die die Vorwürfe überprüfen könnte. Denn während in Südostanatolien (schlimmstensfalls korrupte) Gerichte über Grundstücksfragen entscheiden, schließen in Frankreich Sicherheitsbehörden Moscheen einfach nach eigenem Ermessen – ohne dass ein Richter etwas einwenden könnte.

Möglich macht das der „Ausnahmezustand“, den François Hollande wenige Stunden nach den Anschlägen von Paris vom 13. November 2015 ausrief. Eigentlich sollte dieser nur für zwölf Tage gelten. Doch bis heute können Behörden Wohnungen und Geschäftsräume auch ohne richterlichen Beschluss durchsuchen. Privateigentum kann konfisziert, Menschen könnten unter Hausarrest gestellt werden. Öffentliche Versammlungen können untersagt und Ausgangssperren verhängt werden.

3.242 Mal stürmten Polizisten seit dem 13. November Wohnung und Geschäftsräume. Mehr als 380 Mal verhängten sie Hausarreste. In 200 Fällen wurden im Anschluss Ermittlungsverfahren eröffnet. Die Anzahl daraus resultierender Anklagen wegen Terrorismus: vier. Getroffen hat es stattdessen vor allem unschuldige französische Bürger. Und die meisten von ihnen sind Muslime.


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„Ja, aber der islamophile Blogger kann ja viel erzählen“, mag man da einwenden. Dasselbe erzählt allerdings auch „Collectif contre l’Islamophobie en France“ (CCIF). 228 Beschwerden landeten in den vergangenen Wochen bei der Bürgerrechtsorganisation: über Polizisten, die sich in der Adresse geirrt hatten; Menschen, die allein schon aufgrund eines arabischen Namens ins Visier geraten seien; über traumatisierte Kinder und unverhältnismäßige Gewaltanwendung.

„Ja, aber eine Organisation, die ‚Islamophobie‘ im Namen trägt, da ist ja alles klar…!“, mag man da einwenden. Nur ist CCIF mit seiner Kritik nicht allein. Auch Amnesty International hat dem Ausnahmezustand für französische Muslime einen eigenen Bericht gewidmet. In diesem schrieben die Menschenrechtler vergangene Woche:

„In einigen Fällen wurden die Maßnahmen auf diskriminierende Art und Weise angewandt. Einige Muslime wurden vor allem auf Basis ihrer religiösen Praxis zur Zielscheibe, ohne dass etwas auf eine Verwicklung in Straftaten hinwies.“

Nicht besser klingt die Sache in einem Bericht von Human Rights Watch, der ebenfalls vergangene Woche erschienen ist:

„In missbräuchlicher und diskriminierender Weise hat Frankreich unter seinem drastischen neuen Ausnahmezustand Razzien gegen Muslime durchgeführt und Hausarreste verhängt. Die Maßnahmen führten zu wirtschaftlichen Nöten, haben jene stigmatisiert, die zur Zielscheibe wurden und Kinder traumatisiert.“

„Ja, aber“, kann man da eigentlich nicht mehr einwenden. Denn sogar die Vereinten Nationen kritisieren die französische Politik. In einem Brief werfen UN-Menschenrechtsexperten der französischen Regierung „überzogene und unverhältnismäßige Einschränkungen grundlegender Freiheiten“ vor. Ihre Forderung: Die Wiederherstellung richterlicher Kontrolle über Anti-Terror-Maßnahmen und einen „adäquaten Schutz vor Missbrauch“.

„Ja aber, das lässt sich doch nicht mit der Verfolgung von Christen in Südostanatolien vergleichen“, mag man da einwenden. Stimmt! Denn Anfang 2014 erhielten die Mönche des Klosters Mor Gabriel schließlich jene Dokumente, die sie zu rechtmäßigen Eigentümern des Grundstückes erklärten. Ganz ohne internationale Aufmerksamkeit steht das Kloster bis heute. In Frankreich werden in nächster Zeit wahrscheinlich noch viele Muslime ihr Gebetshaus verlieren. Das französische Kabinett hat vergangene Woche den Ausnahmezustand um weitere drei Monate verlängert.

Und wer jetzt immer noch „Ja, aber“ ruft, kann auch gleich Erika Steinbach gucken.

https://youtu.be/5V2gRYB1XwE  
  Erschienen auf Schantall und die Scharia