Syrienkonflikt
Kurdischer Premierminister: PKK ist Quelle der Destabilisierung in der Region
Syrienkrieg
Analyse: Assads Vorgehensweise erinnert an russische Strategie der „verbrannten Erde“ in Tschetschenien
Zivilisten aus ihren Wohngebieten sukzessive zu vertreiben, ist kein Phänomen in Aleppo, sondern fand landesweit Anwendung. Auf die Strategie wurde immer dann zurückgegriffen, wenn die SAA im klassischen Kampf am Boden gegen Rebellen scheiterte. Damaskus entschied in Homs, Ghouta und jetzt Aleppo, die Rebellen samt feindlich gesinnter Zivilbevölkerung kurzerhand aus dem urbanen Gebieten heraus zu bomben. Mit der russischen Intervention 2015 wurde die Strategie der „verbrannten Erde“ umso tödlicher. Neben Fassbomben bestückte die SAA ihre Luftwaffe fortan auch mit Brandbomben und Streumunition.
Zwei Schritte zur Belagerung Aleppos
Die tatsächliche Belagerung der Rebellengebiete in Aleppo-Stadt wäre ohne russische Luftunterstützung nicht möglich gewesen. Auch machte eine gewisse Koordinierung der al-Assad-treuen Truppen mit der PKK-nahen Kurden-Miliz YPG und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ am Boden erst eine Umschließung der Rebellen-Gebiete real.
Im Februar 2016 starteten die al-Assad-Loyalisten und Alliierten eine Offensive von Bashköy, um die Schiiten-Exklaven Nubbol und Zahra zu erreichen. Die Rebellenbelagerung von Nubbol und Zahra konnte ebenfalls nur mit Luftnahunterstützung aus Russland von der syrischen Armee durchbrochen werden. Die Rebellen belagerten zuvor die Schiiten-Siedlungsgebiete von drei Seiten. Im Norden grenzten sie an das von YPG-kontrollierte Gebiet von Efrin.
Mit einem Vorrücken nordwestlich konnte die syrische Armee die Hauptversorgungsroute der Rebellen nach Aleppo über die Türkei unterbrechen. Im Anschluss besetzte die kurdische YPG die von der Freien Syrischen Armee gehaltene Stadt Tell Rifaat. Auch diesmal setzte russische Luftunterstützung ein. Als faktische Gegenleistung schaffte die YPG eine Pufferzone zwischen den FSA-Rebellen im Norden und der syrischen Armee in Aleppo-Stadt. In der Zwischenzeit begann die Terrormiliz „Islamischer Staat“ eine eigene Offensive auf die FSA-gehaltene Stadt Marea an der türkischen Grenze. Das setzte die Rebellen in der Region ernsthaft unter Druck. Sie standen lange Zeit vor der endgültigen Vernichtung in Nord-Aleppo. Andernorts in Aleppo-Stadt machte sich der IS mit der Einnahme der Infanterieschule von den Rebellen Komplizen der al-Assad-Armee, die daraufhin die Möglichkeit wahrnahm, auf Baschköy vorzurücken. Baschköy war das Sprungbrett der SAA nach Nubbol und Zahra.
Nach erfolgreicher Verbindung mit Nubbol und Zahra folgte der zweite Schritt der Offensive auf Aleppo im Juni 2016. Die SAA schloss einen Ring um die Rebellen-Gebiete. Die Armee legte den Rebellen eine eigene Belagerung im Stadtkern der zweitgrößten Stadt des Landes auf. Die russische und syrische Luftwaffe bombten die letzte Versorgungsroute der Rebellen in die Stadt, auch als Castillo-Straße bekannt, zu. Die Luftwaffe und SAA-Loyalisten von Handarat und den Mallah-Farmen im Norden sowie die YPG von Scheich Maksud aus machten mit ihrem Vorrücken die Straße unpassierbar für Rebellen. Die Rebellen scheiterten mit einer Offensive gegen YPG-Positionen. Die faktische Belagerung von Aleppo wurde im Juli 2016 eingeleitet.
Gegenoffensive der Rebellen
Um die Belagerung aufzubrechen verbündeten sich zwei große Rebellen-Schirmorganisationen, Dschaisch el-Fatah und Fatah Halep. Sie starteten eine Offensive auf Südaleppo. Nach einer Woche konnten sie durch die SAA-gehaltenen Gebiete 1070 Siedlungskomplex, Artillerieschule, Ramousah und Muscherfah eine Schneise nach Ost-Aleppo schlagen. Die Rebellen durchbrachen die Belagerung.
Die Schneise sollte allerdings zu eng gewesen sein, um sie nachhaltig offen zu lassen. Die Oppositionskräfte scheiterten, die Schneise auf den 3000 Siedlungskomplex und die Zementfabrik im Westen und Osten auszuweiten. Eine neue Versorgungsroute konnte nicht etabliert werden. Wieder schlossen SAA-Artillerie und Luftwaffe mit Russland die Schneise. Am Boden leitete Damaskus eine Offensive ein.
Diese wurde maßgeblich mit ausländischen Schiiten-Kämpfern ausgeführt. In diesem Fall griff die Strategie der „menschlichen Wellen“, die sich für Teheran im Iran-Irak-Krieg bewährte. Die Rebellen verloren Ramousah, Muscherfah, die Artillerieschule und die Hälfte des 1070 Siedlungskomplexes.
Ende Oktober starteten Dschaisch el-Fatah und Fatah Halep einen zweiten Versuch. Diesmal berücksichtigten die Rebellen die Gefahr der Luft- und Artillerieschläge. Luftschläge sind in stärker urban besiedelten Regionen nicht so effektiv. Deshalb umgingen die Rebellen die Artillerieschule. Stattdessen griffen sie das Viertel Dhahiyat el-Assad im Südwesten des Stadtzentrums an. Dhahiyat el-Assad und das Viertel Minyan nahmen sie auch ein. Die Einheiten rückten wieder im 1070 Siedlungskomplex ein, aber die SAA und Alliierten wehrten Angriffe auf den 3000 Siedlungskomplex und den Bezirk Neu-Aleppo ab. Ein Angriff auf das Zahra-Distrikt brachte einige Ergebnisse ein. Sie waren nicht von Dauer. Während dieser Offensive verließ sich Dschaisch el-Fatah auf den Einsatz von Autobomben.
Insgesamt setzte der Rebellenschirm 17 Autobomben ein. Die Rebellen versuchten über diese Strategie das Fehlen einer eigenen Luftwaffe zu kompensieren. Diese Initiative reichte nicht aus, um das Schicksal der Rebellen in Ost-Aleppo zu ändern.
Damaskus und seine Verbündeten Kräften reagierten mit einer umfassenden Gegenoffensive. Nie zuvor setzten al-Assad-Loyalisten so viel Feuerkraft in der Stadt ein. Russische Spezialeinheiten, Iranische Revolutionsgardisten, die libanesische Hisbollah, die YPG und andere Schiiten-Milizen unterstützten die Angriffe. Die Kurden-Organisation griff Rebellen von Scheich Maksud aus an. Rebellen und Zivilisten flohen in den von ihr gehaltenen Süden in Ost-Aleppo auf ein Gebiet von nur 30 Quadratkilometer. Die Rebellen sollten in den kommenden Tagen all ihre Gebiete verlieren. Die Verteidigungsreihen der Rebellen kollabierten. Am 15. Dezember begannen erste Busse, die Bevölkerung und Kämpfer Ost-Aleppos aus die Stadt zu fahren.
Inzwischen tauchten Medienberichte auf, wonach die al-Assad-Armee begonnen hat, Oppositionsvertreter systematisch zu verhaften. In Ankara starteten Rebellen-Vertreter Verhandlungen mit Russland unter Vermittlung der Türkei über einen friedlichen Abzug aus der Stadt.
Nach dem Fall von Aleppo wird al-Assad versuchen seine Armee entweder nach Südsyrien vorrücken zu lassen oder die Rebellen-Provinz Idlib militärisch zu attackieren.
Die Entwicklungen in Aleppo sind militärisch für die Rebellen nicht mehr umkehrbar. Vielmehr scheinen die Zeichen auf Verhandlung zu stehen. Die Rebellen könnten einen Ausgleich mit Blick Idlib am Verhandlungstisch mit Damaskus suchen, was auch der gegenwärtigen Strategie der Türkei entspricht.
Außerdem ist die syrische Revolution in Gefahr zu zerbrechen, wenn sich die widerstreitenden Oppositionskräfte nicht unter einem einzigen oder deutlicht weniger Banner einander annähern.
Erschienen auf Eurasianews/Suriye Gündemi
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Darin seien, so teilt die Partei mit, auch „paramilitärische Paraden“ abgehalten worden. Veranstalter des grotesken Aufmarsches war die „Stimme der Kurden in Österreich“ (Avusturya Kürt Basin Merkezi). Der „Neuen Kronen Zeitung“ zufolge sollen die Wände mit Postern des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan geschmückt gewesen sein und bereits Kinder sollen an den militärisch anmutenden Vorführungen teilgenommen haben. Der Wiener NEOS-Landtagsabgeordnete Christoph Wiederkehr forderte nun einen Förderstopp für die aus öffentlichen Haushalten mitfinanzierten Volkshochschulen, solange diese ihre Räume für extremistische Bestrebungen zur Verfügung stelle. Auf Facebook schrieb er: „Eine PKK-Splittergruppe tötet in Istanbul bei einem Anschlag 38 Menschen. Gleichzeitig wird eine PKK-Propagandaveranstaltung in Wien toleriert. Geht’s noch? Genau sowas fördert die Spaltung der Gesellschaft in Österreich. Ich fordere einen Förderstopp der Volkshochschulen bis zur klaren Distanzierung von derartigen Vereinen.“ Die Volkshochschulen weisen alle Vorwürfe von sich und betonen, es sei „alles legal“ gewesen, was sie mit den extremistischen Vereinen vereinbart hätten.
Ausland
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Gesellschaft
Kommentar: „Integriert euch nicht!“
Von Fabian Köhler
Jetzt mal ehrlich! Glaubt wirklich jemand, dass das so funktioniert? Doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen und schon geben Deutsch-Türken ihre Identitätskonflikte beim Einwohnermeldeamt ab? Arabisch in Kitas verbieten und schon wächst eine Generation von Germanistik-Studentinnen heran? Musliminnen nur lang genug als unterdrückt und unmündig diffamieren und dann reißen sie sich irgendwann die Burka vom Kopf? Oder das Kopftuch? Oder am besten gleich den Kopf?
Klar, Integration ist wichtig. Deutsche Sprache. FDGO. Mesut Özil. Gesellschaftliche Teilhabe. Keine Einbahnstraße. Geben und Nehmen. Fördern und Fordern. Dagegen kann eigentlich keiner etwas haben. Und hat auch keiner. Leider.
Tag ein, Tag aus geht das so. Von links bis rechts, von Bundespresseball bis Kiezfest: Linke für Integration. Gauck für Integration. Afd für Integration. Kochkurs für Integration. Hüpfeburg für Integration. Leitkultur für Integration. Deutschpflicht für Integration. Leistungskürzung für Integration. Stigmatisierung für Integration. Abschiebung für Integration.
„Ausländer raus!“, hieß es früher auf Nazis-Demos. Heute sagt man: „Integriert euch!“
Jetzt mal ehrlich: So funktioniert das nicht! Nur bei wenigen Begriffen des politischen Alltags dürften Anspruch und Irrtum soweit auseinander gehen wie bei Integration. Integrare: lateinisch für ergänzen, nicht für ausschließen. Desintegration wäre ein viel passender Begriffe für die Wirkung jener Debatten, an deren Ende immer irgendwer hinaus statt herein soll: Flüchtlinge raus aus der Sauna. Imame raus aus der Hinterhofmoschee. Hinterhofmoschee raus aus dem Gewerbegebiet. Halal-Fleisch raus aus der Aldi-Tiefkühltruhe. Kopftuchträgerin raus aus dem Gesichtssaal. Gebetsteppich raus aus der Uni. Multikulti raus aus den Köpfen. „Ausländer raus“, hießt das früher auf Nazis-Demos. Heute sagt man stattdessen: „Integriert euch!“
Integration darf kein Vorwand für Assimilation sein. Das sagt nicht der türkische Präsident, sondern Migrationsforscher. Damit meinen sie: Ist sie aber. Die ständigen Integrationsforderungen dienten dazu, Minderheiten verbriefte Menschen- und Bürgerrechte abzusprechen, sagen sie auch. Dass anerkannte Flüchtlinge ihren Wohnort nicht frei wählen dürfen, sagt zum Beispiel das deutsche Integrationsgesetz. Das heißt tatsächlich so. Der vermeintliche Grund für den Entzug des Rechts auf Freizügigkeit: bessere Integrationschancen durch Schutz vor Diskriminierung durch die deutschen Nachbarn.
Erst wird die Muslimin zum rückständigen Opfer erklärt, damit sie dann ihr emanzipiertes Seelenheil in der Unterwürfigkeit vor der deutschen Mehrheitsgesellschaft finden darf
Um die geht es in den Integrationsdebatten implizit auch, also die Nachbarn. Als Vorbilder, die die Werte quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben. Die deutschen Werte wohlgemerkt, nicht die universellen: Gleichberechtigung, Freiheit, Demokratie und so weiter. Die heißen jetzt wirklich so! Der Integrationsneuling muss die Basics des menschlichen Miteinanders hingegen im Integrationskurs mühsam lernen. Dem in Aussicht gestellten ungewissen Integrationserfolg, geht dort die realexistente Desintegration voraus: Erst wird die Muslimin zum rückständigen Opfer erklärt, damit sie dann ihr emanzipiertes Seelenheil in der Unterwürfigkeit vor der deutschen Mehrheitsgesellschaft finden darf. Kostet nur ein Kopftuch. Und die eigene Würde.
Aus der Talkshow dröhnt dann schon die nächste Integrationsdebatte als Ersatz zur verbrämten ersten Strophe des Deutschlandliedes: Deutschsein über alles. Ausgrenzen, Misstrauen, Vorverurteilen: Das ist das Wesen unserer Integrationsbemühungen. Eine kollektive Selbstvergewisserung, dass es immer noch Deutschland ist hier. Nicht mit den, sondern trotz der Migranen. Die sind allenfalls dazu nütze, das passend zu machen, was nicht ins Bild vom deutschen Werteweltmeister passt:
Sexuelle Gewalt? Neulich erst mit dem Flüchtlingsboot aus Nordafrika herübergeschwappt. Frauenunterdrückung? Typisch Islam! Jugendgewalt? Der heißt doch sicherlich Ali! Homophobie? In einem christlichen Deutschland kaum denkbar! Antisemitismus? Vor dem Zuzug von Migranten in Deutschland quasi unbekannt.
Nicht die Anzahl an Pässen entscheidet darüber, ob jemand dazu gehört
Jetzt mal ehrlich! Glaubt das wirklich jemand? Gibt es tatsächlich noch jemanden, der nicht mitkriegt, dass das realexistierende Deutschsein nicht nur Friede, Freude, FDGO bedeutet sondern auch jede Menge Nationalismus, Engstirnigkeit und Ausgrenzung bedeutet? Nicht mitkriegt, dass soziologischen Studien regelmäßig zu einem ganz anderen Bild über „die“ und „uns“ kommen? Ja, viele Deutsche sind Rassisten. Nein, die meisten Araber mögen keine Terroristen. Ja, ebenso viele Flüchtlinge wie Deutsche bekennen sich zur Demokratie. Nein, Muslime sind nicht gewalttätiger.
Jetzt mal ehrlich! Integration macht nicht Andere zu Gleichen. Sie macht ausreichend Ähnliche zu Gegensätzlichen. Denn es sind nicht Herkunft, Hautfarbe, Kopfbeckung oder die Anzahl an Pässen die darüber entscheiden, ob jemand Teil der Gesellschaft ist. Es ist die Gesellschaft, die entscheidet. Entscheiden wir uns doch einfach dafür!

