Kühlgeräterecycling
Deutsche Umwelthilfe: Ministerin Hendricks für Klimabelastung verantwortlich

0
Berlin (ots) – Falsch entsorgte Kühlschränke heizen massiv den Klimawandel an – Umweltministerin Hendricks ist aufgrund unzureichender Vorgaben beim Kühlgeräterecycling für eine vermeidbare Klimabelastung von bis zu einer Million Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr verantwortlich – Deutsche Umwelthilfe fordert vollständige Übernahme vorbildlicher europäischer Entsorgungsstandards in deutsche Regelwerke. Deutschland gilt weltweit als Vorbild in Sachen Recycling. Bei der Verwertung alter Kühlgeräte entspricht die Entsorgungssituation allerdings dem eines EU-Entwicklungslandes. Noch besorgniserregender ist, dass Umweltministerin Barbara Hendricks bei der aktuellen Überarbeitung der Regeln für die Kühlgeräteentsorgung nicht genug tut, um etwas an diesem Zustand zu ändern. Durch ihre Blockadehaltung bei der vollständigen Übernahme vorbildlicher europäischer Entsorgungsstandards für Kühlgeräte ist sie verantwortlich für die jährliche Belastung des Klimas mit bis zu einer Million Tonnen CO2-Äquivalenten. Die Klimaprobleme entstehen durch einen Stoff, der eigentlich schon seit 1995 verboten ist: Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW). Das als Kälte- und Treibmittel in Kühlschränken eingesetzte Treibhausgas ist je nach Verbindung bis zu 10.700 Mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid. Werden Kühlgeräte unsachgemäß entsorgt, dann entweichen die Gase in die Atmosphäre und belasten viele Jahre lang das Klima und die Ozonschicht. Das bisherige Regelwerk zum Schadstoffausstoß von industriellen Anlagen – die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft)- ist veraltet, beinhaltet große Spielräume für Entsorgungsunternehmen zum Betrügen und wird momentan novelliert. Deshalb fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von Umweltministerin Hendricks das Klimaproblem bei der Entsorgung alter Kühlgeräte endlich zu lösen und die fortschrittlichen europäischen Mindeststandards EN 50625-2-3 und TS 50625-3-4 vollständig in die TA Luft zu überführen. „Ministerin Hendricks muss die katastrophalen Zustände bei der Kühlschrankentsorgung endlich ernst nehmen. Mit umgerechnet bis zu einer Million Tonnen CO2 jährlich trägt die Entsorgung alter Kühlschränke überproportional zum Klimawandel bei. Wenn Deutschland die eigenen Klimaschutzziele bis 2020 wirklich erreichen will, muss die Kühlschrankentsorgung an viel geeignetere europäische Entsorgungsstandards angepasst werden“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er verweist auf Länder wie Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Irland, Österreich und die Schweiz, die beispielgebende und wirksame europäische Mindeststandards gesetzlich festgelegt oder über ihre nationalen Rücknahmesysteme verbindlich vorgegeben haben. Nach Einschätzung der DUH wird es mit dem aktuell vom Bundesumweltministerium erarbeiteten Entwurf der TA Luft nicht gelingen, den vermeidbaren Ausstoß von Treibhausgasemissionen durch ein unsachgemäßes Kühlgeräterecycling drastisch zu reduzieren. Zwar wurden im aktuellen Entwurf der TA-Luft einzelne Elemente aus den vorbildlichen Entsorgungsnormen EN50625-2-3 und TS 50625-3-4 übernommen, allerdings auch Dinge weggelassen, die von entscheidender Bedeutung sind. „Es wird in der TA Luft nicht festgelegt, dass die Betriebsbedingungen während eines Anlagentests denen der täglichen Praxis entsprechen müssen. Das eröffnet ohne Not große Spielräume für Betrügereien. Besonders problematisch ist auch die Prüfung festgelegter Standards durch einen sehr eingeschränkten Kreis an Auditoren. Es ist fraglich, wie viele der zur Kontrolle vorgesehenen Stellen tatsächlich die Sachkenntnis haben, um die umfangreichen und anspruchsvollen Tests gemäß Normenvorgabe durchführen zu können“, sagt Thomas Fischer, Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft. Es muss sichergestellt werden, dass die in der TA Luft benannten Prüfer der jährlichen Leistungstests und Wochenbilanzen Erfahrung in der Überprüfung der Normen haben, um diese vollständig anwenden und mögliche Betrugsversuche wirksam unterbinden zu können. Anlagentests zur Kältemittelentnahme werden unverständlicherweise komplett ohne Anwendung vorbildlicher Normen ausgeführt. Grenz- und Zielwerte werden nicht exakt und stringent gemäß Normenvorgabe in die TA Luft übertragen. Im Gegenteil: es werden Spielräume für Restmengen von Klimagasen geschaffen, die in den entnommenen Isolierschäumen enthalten sein dürfen. Das ist aus Sicht der DUH jedoch unverantwortbar und widerspricht geltendem EU-Recht.

Fußball
Türkei: Tschechischer Ex-Bundesliga-Profi tot aufgefunden

Gaziantep (nex) – Der tschechische Fußballspieler Frantisek Rajtoral wurde nach einer Mitteilung der Polizei am gestrigen Sonntag tot in seinem Haus in der südosttürkischen Stadt Gaziantep aufgefunden. Der ehemalige Bundesliga-Profi wurde nur 31 Jahre alt. https://twitter.com/GaziantepsporSK/status/856260468478013440

Frantisek, der im tschechischen Nationalteam und dem türkischen Erstligisten Gaziantepspor spielte, sei am Morgen nicht zum Training erschienen, sagte der Mannschaftstrainer Ibrahim Kizil gegenüber den Medien.

Die besorgten Kollegen und Verantwortluche des Fußballclubs machten sich auf den Weg zu Frantiseks Haus, wo zwar Licht zu sehrn war, sie jedoch vor verschlossenen Türen standen und die Polizei alarmierten, so Kizil weiter.

Die Polizei fand den jungen Mann erhängt vor.

Erste Hinweise deuteten Medienberichten zufolge auf einen Selbstmord hin, die Ermittlungen seien angelaufen.

Clubkapitän Elyasa Sume teilte mit, dass sie einen geliebtes Mannschaftsmitglied verloren hätten.

Die traurige Nachricht verbreitete sich innerhalb der Fußball-Community sehr schnell. Von allen Seiten kamen Sympathiebekundungen. Auch Frantiseks ehemalige Mannschaft Viktoria Plzen meldete sich zu Wort:

„Franto, wir werden dich vermissen. Die Viktoria-Familie ist in Trauer“, twitterte das Team unter einem Foto des Fußballers.

Die UEFA brachte auf ihrer Homepage ihre Traurigkeit über Frantiseks Tod sowie ihr Beileid gegenüber der Familie zum Ausdruck.

Der 31-Jährige hatte sieben Jahre für Plzen gespielt und im vergangenen August zum Gaziantepspor gewechselt.

Ausland
Türkei: Starker Rückgang bei Kinderehen in letzten Jahren

Ankara (nex) – Die Zahl der Kinderehen in der Türkei ist laut dem Türkischen Institut für Statistik TurkStat in den vergangenen zehn Jahren um 45,5 Prozent zurückgegangen.

Der Rückgang der Kinderehen sei insbesondere in der Altersgruppe von 16- bis 17-Jährigen zu verzeichnen gewesen.

2016 gab es nach TurkStat-Angaben 22,9 Millionen Unter-17-Jährige, was 28,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache.

Mädchen würden 21-mal öfter im Kindesalter verheiratet als Jungen. Während die Zahl der verheirateten Jungen 2007 bei 2 279 lag, nahm sie 2016 um 42 Prozent ab und betrug 1 319, so TurkStat weiter. Die Zahl der Kinderbräute ging von 50 723  auf 27 637 und somit um 45,5 Prozent zurück.

Der Anteil der Kinderbräute unter den standesamtlichen Eheschließungen ging von 7,9 Prozent im Jahr 2007 auf 4,6 Prozent im vergangenen Jahr zurück, während die Zahl Kinderbräutigame von 0,4 auf 0,2 Prozent abnahm.

Der höchste Anteil an Kinderbräuten wurde in der osttürkischen Provinz Agri mit 15,7 Prozent, also 733 Eheschließungen, verzeichnet.

Weitere Provinzen mit einem hohen Anteil an Kinderbräuten waren die osttürkische Provinz Mus mit 14,9 Prozent, gefolgt von Kilis im Süden des Landes mit 14,3 und Bitlis im Osten mit 14,2 Prozent.

Trabzon im Norden sowie Karabük im Nordwesten befinden sich unter den Provinzen mit der geringsten Kinderbräuterate.

Istanbul mit 1,8 Prozent, Izmir mit 2,5 Prozent und Ankara mit 3 Prozent befinden sich unter den Städten mit niedriger Kinderbräuterate, während Kahramanmaras mit 11,2 und Gaziantep mit 11 Prozent zu den Städten mit hoher Rate gehören.

Auch interessant

Zehnjährige Türkin hält Rede vor UNO

Energiepolitik
Studie: Kohleausstieg bis 2035 ist machbar

Berlin (nex) – Der beschleunigte Ausstieg aus der Kohle in Deutschland ist nicht nur notwendig für den Klimaschutz, sondern auch bis spätestens 2035 umsetzbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute vom NABU vorgestellte Meta-Studie. Unter dem Titel „Kohleausstieg – Analyse von aktuellen Diskussionsvorschlägen und Studien“ haben Experten vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie die in den vergangenen zweieinhalb Jahren veröffentlichten Szenarien, Studien und Positionspapiere zum Kohleausstieg wissenschaftlich analysiert und zusammengeführt. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Der Kohleausstieg in Deutschland kann in den nächsten 18 Jahren problemlos erfolgen, weil zur Umsetzung bereits eine Reihe von Europa- und verfassungsrechtlich belastbaren Instrumenten vorhanden sind: So können Mindestanforderungen an bestehende Kraftwerke gestellt werden, z.B. bezogen auf deren Energieeffizienz oder Einsatzflexibilität – dann sind Kohlekraftwerke eher letzte Wahl. Möglich ist auch die Festlegung von Restlaufzeiten oder begrenzten Strombudgets für einzelne Kraftwerke oder Kontingente. Eine weitere Option bieten Änderungen an den Energie- und Stromsteuern, um einem nationalen Mindestpreis auf CO2-Emissionen zu verlangen. „Die Pläne und Strategien liegen auf dem Tisch, aber die Politik hinkt hinterher. Angesichts dessen, dass die deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke 40 Prozent des deutschen Stroms produzieren, aber für doppelt so viel der Treibhausgas-Emissionen in diesem Bereich verantwortlich sind, ist der beschleunigte Ausstieg aus der Kohle alternativlos“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Bis spätestens 2035 müsse die Kohleverstromung in Deutschland beendet sein. Es sei höchste Zeit, einen Kohlekonsens zwischen Regierung und wichtigen Akteuren wie Ländern, Kommunen, Gewerkschaften und betroffenen Unternehmen auszuhandeln. Zwar habe die Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Regionalentwicklung“ angekündigt. „Bislang fehlt der Kommission allerdings ein klarer Auftrag, den geregelten Ausstieg aus der Kohle auf den Weg zu bringen“, so Tschimpke weiter. Daher fordert der NABU ein Dialogverfahren zum Kohlekonsens, das an die geplante Kommission angedockt werden kann sowie einen gesetzlich geregelten Abschaltplan mit Stillegungsdaten für alle 106 aktiven Kohleblöcke in Deutschland. Der Vorteil wäre, dass soziale, regionale und wirtschaftliche Verteilungsfragen in einen ausgewogenen Abschaltplan einfließen könnten. Bereits jetzt gibt es ein Überangebot an Stromerzeugung, was dazu führt, dass Kraftwerksbetreiber überschüssigen Kohlestrom lieber zu niedrigen Preisen ins Ausland verkaufen, als die Kohlestromerzeugung zu drosseln. Zudem wird der Anteil der erneuerbaren Energien weiter steigen und Strom künftig noch sparsamer und effizienter genutzt werden müssen, wenn Deutschland seine nationalen Klimaziele erreichen und den Pfad zur Einhaltung der Klimaschutzvereinbarungen von Paris offen halten will. „Die neue Bundesregierung muss den Kohleausstieg bis 2035 ganz oben auf die energiepolitische Agenda setzen“, so NABU-Energieexpertin Tina Mieritz. Dass die bestehende Bundesregierung in der EU für lasche Stickoxid-Grenzwerte für Kohlekraftwerke eintrete, sei daher das völlig falsche Signal.
(Foto: NABU)

"Rosinenpicken durch Vereinigtes Königreich"
Koalition will Terrorbekämpfung vom Brexit ausnehmen

Düsseldorf (nex) – Union und SPD wollen die Bekämpfung des internationalen Terrorismus vom Brexit ausnehmen. Innere und äußere Sicherheit und insbesondere die Terrorismusbekämpfung seien „in geringerem Maße unmittelbar mit der EU-Mitgliedschaft verknüpft, was eine Weiterführung der Zusammenarbeit erleichtern kann“, heißt es nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ in einem ihr vorliegenden Entwurf einer Bundestagsentschließung. Nach dem zwischen Union und SPD abgestimmten Resolutionstext soll der Bundestag im Brexit-Prozess mitreden. Der Bundestag werde „die Verhandlungen parlamentarisch eng begleiten“, heißt es darin. „Oberstes Ziel“ müsse der Zusammenhalt der EU sein. „Ein ,Rosinenpicken‘ durch das Vereinigte Königreich darf es nicht geben“, fordert der Bundestagsbeschluss. Auch eine sektorale Teilnahme Großbritanniens am Binnenmarkt sei künftig ausgeschlossen. Sollten Übergangsregelungen nötig werden, dürften diese durch Großbritannien nicht dazu genutzt werden, einen „unfairen Wettbewerb, etwa um Unternehmensinvestitionen, zu beginnen“. Deshalb müsse für eine solche Übergangszeit die Beihilfe- und Wettbewerbskontrolle durch die EU-Kommission „vollständig weitergelten“.

EU-Türkei
Visafreiheit für Türken: Ankara droht mit Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens

Ankara (nex) – Ankara wird im Mai ein neues Dokument über das Visaabkommen mit der EU vorlegen, das bei Nichtannahme durch die EU das Flüchtlingsabkommen für aufgekündigt erklären werde. Dies hat am gestrigen Samstag der türkische EU-Minister Ömer Celik mitgeteilt.

In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN Türk wies Celik darauf hin, dass die Türkei ihren im Deal mit der EU festgelegten Verpflichtungen nachkomme.

Das Flüchtlingsabkommen zwischen den beiden Parteien würde fortgesetzt, wenn die EU das neue Angebot aus Ankara annähme, das im Mai vorgelegt werden soll, sagte Celik und fügte hinzu:

„Wenn sie unseren Vorschlag annehmen, wird das Abkommen auf positive Weise erfüllt werden, andernfalls würde es aufgekündigt.“

Die EU und die Türkei hatten sich im März vergangenen Jahres auf einen Plan zur Eindämmung der illegalen Migration über das Ägäische Meer geeinigt. Dabei soll Menschenhändlern das Handwerk gelegt und die Situation der etwa drei Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei verbessert werden.

Premier-League
Verletzung: Droht Ibrahimovic das Karriere-Aus?

0
Manchester (nex) – Dem schwedischen Superstar des englischen Fußball-Rekordmeisters Manchester United droht wegen einer Kreuzbandverletzung angeblich das Karriereende. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf britische Medien. Demnach habe United allerdings lediglich eine schwere Knieverletzung, die in den kommenden Tagen genauer untersucht werden soll, bestätigt.Erst dann könne die Ausfallzeit bekannt gegeben werden. Neben Ibrahimovic hatte sich im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen den RSC Anderlecht auch der Argentinier Marcos Rojo am Knie verletzt, berichtet die „Bild“ weiter.  

Neubrandenburg
Frau stürzt 60 Meter vom Kreidefelsen in die Tiefe und stirbt

Neubrandenburg (nex) – Ein tragischer Unfall ereignete sich gestern Nachmittag am Kreidefelsen. Über den Notruf der Einsatzleitstelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg wurde der Absturz einer weiblichen Person von den Kreidefelsen im Bereich der „Ernst Moritz Arndt Sicht“ im Nationalpark Jasmund gemeldet. Rettungsdienst und Polizei waren kurze Zeit später am Einsatzort. Durch die Beamten des Polizeireviers Sassnitz und der Wasserschutzpolizeiinspektion Sassnitz wurde die Absturzstelle auf dem Hochuferweg an der Ernst-Moritz-Sicht aufgesucht. Die Rettungskräfte konnten den ca. 60 Meter tieferen Uferbereich durch den Einsatz eines Rettungshubschraubers erreichen. Der Notarzt stellte nur noch den Tod der 21-jährigen Touristin aus Hamburg fest. Nach den bisherigen Erkenntnissen werde der Polizei zufolge von einem tragischen Unglücksfall ausgegangen. Ein Ehepaar aus Hamburg machte einen Spaziergang am Hochuferweg. Die Frau befand sich unmittelbar an der Felskante. Sie kam ins straucheln, verlor das Gleichgewicht und fiel ca. 60 Meter in die Tiefe. Dort stürzte sie auf die felsige Küste. Die Bergung der Verstorbenen erfolgte mit Unterstützung eines Schiffes der Bundespolizei.  
(Foto: Wikimedia)

"Dann geht doch nach Hause!"
Türkei-Deutsche widersprechen Serdar Somuncu: „Wir sind schon länger als eine Woche hier“

Dortmund (nex) Im Vorfeld des Referendums über die Verfassungsreform in der Türkei und in den darauffolgenden Tagen hat sich der Comedian Serdar Somuncu mit harscher Kritiker an der türkischen Einwanderercommunity hervorgetan. Insbesondere nahm er dabei Anstoß daran, dass unter den türkischen Einwanderern ein überdurchschnittlich hoher Anteil für die Einführung des umstrittenen Präsidialsystems votierte und Präsident Recep Tayyip Erdogan eine hohe Autorität genießt. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ erklärte Somuncu jüngst unter anderem, die Deutsch-Türken, die von Deutschland aus ihr Wahlrecht in der Türkei zu Gunsten Erdogans ausüben, würden „nicht eine Woche in der Türkei leben können“. Hinsichtlich dieser Behauptungen haben sich einige Leser und vor allem Leserinnen an die Redaktion gewandt, die aus Deutschland stammen oder dort aufgewachsen sind und bereits seit längerer Zeit in der Türkei leben:  
Anke Demirkıran
(Foto: Privat)
Ich lebe nun schon gute zehn Jahre in der Türkei. Also sogar schon etwas länger als eine Woche. Mich hat niemand gezwungen, ein Kopftuch zu tragen oder meinen Namen zu ändern.
 
Petra Steiniger Aladag
(Foto: Privat)
Ich lebe seit sechs Jahren in der Türkei. Ich habe mich hier noch nie eingeengt gefühlt oder erlebt, dass man mir was aufzwingen will. Ich fühle mich hier freier als in Deutschland.
Manuela Klöpfel Fidan
(Foto: Privat)
Ich lebe seit 15 Jahren in der Türkei. Meine Schwägerin ist Türkin, sie ist in Deutschland geboren und dort über 28 Jahre aufgewachsen. Ich darf ganz offen lachen, in Restaurants Bier oder Raki mit meinem Mann und Freunden trinken, ich dürfte auch jederzeit mit kurzem Rock oder Hose an die Öffentlichkeit gehen, wenn mir danach wäre.
Petra Canan
(Foto: Privat)
Ich lebe seit über 11 Jahren mit meinem Mann, einem in Deutschland geborenen Türken, und unseren beiden Jungs (12 und 15 Jahre alt) in Antalya. Manche denken ja immer noch, in der Türkei gäbe es keinerlei Luxus und wir schöpfen unser Wasser noch aus Wasserlöchern. Das sind dann diejenigen, die ihre Augen nicht mehr zukriegen, wenn sie mal hier waren. Alles schon erlebt… Der einzige Unterschied: Ich könnte mir den gleichen Luxus in Deutschland niemals leisten. Seit Jahren setze ich mich schon gegen Falschmeldungen der deutschen Medien ein, aber was gerade passiert, ist einfach nur noch traurig und es macht mich sprachlos, wie gegen die Türkei gehetzt, gelogen und alles falsch dargestellt wird. Ich bin sehr dankbar, hier leben zu dürfen und bereue keine Sekunde.
Gaby Subaşı
(Foto: Privat)
Ich bin schon seit 24 Jahren mit türkischem Ehemann eingetürkt, lebe seit 14 Jahren in der Türkei und fühle mich hier sehr wohl. Ich lebe hier ohne jeglichen Zwang und Unterdrückung, selbst ein Kopftuch hat man nicht versucht, mir aufzuzwingen. Wenn ich die jungen Leute hier ansehe, die laufen super modern und gestylt durch die Gegend und keiner stört sich daran. Es ist so interessant, wenn man etwa zwei junge Mädels sieht, dicke Freundinnen, die hier Arm in Arm laufen, die Eine im Minirock, die andere mit Kopftuch. Es geht doch auch so, wie man sieht. Leben und leben lassen.
Marina Bütün
(Foto: Privat)
Ich bin nun seit 14 Jahren permanent in der Türkei und habe vor mehr als 25 Jahren in der Türkei geheiratet. Ab 1990 bin ich zwischen den Ländern gependelt… Mein türkischer Mann, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, hat genau wie ich dieselbe Einstellung, nämlich, dass wir in der Türkei unsere Heimat gefunden haben und wir hier lieber leben als in Deutschland. Natürlich fehlt mir meine Familie in Deutschland sehr, aber das würde mich nicht dazu bewegen, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Wir haben uns hier eine Existenz aufgebaut, eine Baufirma, und leben in einer traditionellen Stadt 15 Kilometer von der Küste in der Provinz Muğla entfernt, in der kaum Ausländer wohnen. Wenn ich will, laufe ich im Sommer mit kurzer Hose und im Top. Wenn ich will, gehe ich – zum Entsetzen meines Mannes – auch schon mal mit der Şalvar mit Blümchen (traditionelle Pumphose Anm. Redaktion) in die Stadt in den Supermarkt und meine türkischen Nachbarinnen finden es lustig. Im nächstgelegenen Stadtteil am Meer leben Christen und Muslime zusammen und keiner stört sich am anderen. Ja, sogar an der traditionellen Weihnachtsfeier am Strand nehmen auch die Türken teil und bringen Gebäck mit. Wer sagt, man kann hier nicht leben, der lügt oder hat keine Ahnung. Die, die wieder nach Deutschland zurückkehren, haben meistens private Gründe – wie Beziehungsprobleme, ein falsches Geschäftskonzept oder eine Änderung der Lebensplanung. Nur mal nebenbei: In der gesamten Türkei leben 50 000 Deutsche und das sind nicht nur Rentner, sondern auch solche, die hier leben und arbeiten und ich kenne keinen, der sagt, sie haben ein qualvolles Leben.
Steffi Nissel
(Foto: Privat)
Ich heiße Steffi Nissel und lebe mit meinen Mann Gerhard Maucher seit 09/2011 in Ilica/Antalya. Ich bin Rentnerin und uns geht es hier gesundheitlich viel besser. Wir wurden hier wie Freunde aufgenommen und wir fühlen uns hier angekommen. Mein Mann hatte vor einem Jahr einen Herzinfarkt und da ich beruflich aus den Gesundheitswesen komme, kann ich es sehr gut einschätzen, ob ein Gesundheitssystem gut ist oder nicht. Ich bin sehr, sehr positiv überrascht gewesen .Hier wird schnell geholfen und mir ist aufgefallen, dass man hier teilweise weiter ist als in Deutschland. Was mich seit einiger Zeit sehr ärgert ist, dass man sieht, wie die deutschen Medien die Türkei spalten möchten. Es kommen ständig entweder Falschmeldungen oder verdrehte Meldungen. Da wir noch Kinder und Enkelkinder in Deutschland haben, fliegen wir im Sommer sowie Weihnachten nach Deutschland. Dort spüre ich ganz deutlich, wie die Einstellung zur Türkei ist. Es tut mir im Herzen weh, wenn man über ein Land urteilt, obwohl man da nicht lebt! Für mich ist die Türkei ein stolzes Land und ich bin dankbar und glücklich hier leben zu dürfen. Wollen wir doch ehrlich zu uns sein, es gibt kein Land wo alles perfekt ist. Wir haben in Deutschland genügend Baustellen um die wir uns kümmern müssen ! Wir hoffen, dass Deutschland einmal einen vernünftigen und ehrlichen Weg findet , wieder mit der Türkei zusammen zu arbeiten. Schließlich kann man nur durch Einigkeit denn Terror bekämpfen. Wir haben alle nur ein Leben und eine Welt und wir sind alle Menschen, egal ob schwarz oder weiß, egal welche Religion !
Henriette Wild
(Foto: Privat)
Als wir uns nach mehreren Rucksackreisen durch Anatolien dazu entschlossen, für längere Zeit in der Türkei zu leben, wussten wir noch nicht, wie diese Entscheidung unser gesamtes Leben umkrempeln würde. Wie sagte schon Franz Kafka: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“. Mit diesem Leitmotto zogen wir, eine normale deutsche Familie, 1989 mit unseren vier Jungs in die Türkei. Für die damalige Zeit total ungewöhnlich, dementsprechend waren auch die Kommentare unseres direkten Umfeldes. Teilweise wurden wir als verantwortungslos bezeichnet. Nur ganz wenige konnten unseren neuen Weg nachvollziehen. Aber genau weil wir uns unserer großen Verantwortung bewusst waren, haben wir uns für diesen Schritt entschieden. Zum einen wollten wir unseren Kindern zeigen, dass man auch Wege gehen kann, die noch nicht vorgefertigt sind, sondern die man selber bereitet. Zum anderen war es uns wichtig, den Kids aufzuzeigen, dass Zufriedenheit und Glück nicht vom materiellen Wohlstand abhängig sind. Sie sollten selbst erfahren, was den Menschen ausmacht, dass man ihn nicht an seinen Markenklamotten misst, sondern an seinen Werten. Gleichzeitig war es ein Weg zurück zu den Wurzeln. Wir wählten ganz bewusst eine einfache Lebensweise. Heute kann ich mit Stolz sagen, diesen Weg zu gehen, das war eine gute Entscheidung. Obwohl wir in den 90iger Jahren wieder für eine gewisse Zeit nach Deutschland zurück mussten, war für uns die Türkei zur zweiten Heimat geworden. Es war ein ständiges Reisen zwischen den Kontinenten. Wir wussten, dass der Tag wieder kommen würde, an dem wir zu Deutschland „Tschüs“ sagen werden und uns für immer in der Türkei niederlassen werden. Heute ist dieser Tag schon lange dagewesen. Mittlerweile wohnt die Hälfte der Kinder hier bei uns in der Türkei und der Rest der mittlerweile erwachsenen Kinder verstreut sich in der Welt. Die Jüngste, ja, es kamen noch mehr Kinder dazu, studiert derzeit an einer türkischen Uni. Auch für sie gibt es keine Alternative mehr zur Türkei. Für uns ist das Land zwischen Orient und Okzident zur Heimat geworden. Für mich, als Autorin und Texterin ist es wichtig, dass ich in einem Umfeld in Ruhe und Sicherheit arbeiten kann. Wir leben an der nördlichen Ägäis und fühlen uns hier absolut sicher und geborgen. Geborgen in einer türkischen Gemeinschaft, die ihresgleichen sucht. Geborgen in einem Lebensgefühl der Sicherheit, Akzeptanz, Freundschaft und Zufriedenheit. Im empfehle jedem, vor allem denen, die dem Land, dem Volk und seiner Regierung kritisch gegenübersstehen und die ihre Informationen nur aus den deutschen Medien kennen: Besuchen Sie die Türkei, reden Sie mit den Leuten auf der Straße (es können genug deutsch), machen Sie sich Ihr eigenes Bild von diesem wunderschönen Land. Und machen Sie es wie ich, lernen Sie bei der Mitarbeit im dörflichen Alltag Kultur und Traditionen kennen. Hoşgeldiniz Türkiye !

Auch interessant

Alanyas Ausländer: Wir sind hier glücklich und fühlen uns sicher
 

Erdogan-Kritik
„Eine Angst geht um“: Drohungen gegen ‚Erdogan-Anhänger‘ in Deutschland nehmen zu

Bielefeld  (tp/nex) – Wie die Polizei in Bielefeld bereits am Dienstag meldete, sprühten bislang unbekannte Täter am vergangenem Dienstag in Bielefeld die Fassade eines türkischen Schnellrestaurants mit Parolen, die in Zusammenhang mit dem Volksreferendum in der Türkei stehen. Laut dem Pressebericht wurden in der Tatzeit kurz zuvor auf der Detmolder Straße/Ecke Niederwall Autoreifen angezündet. Bei der anschließenden Fahndung entdeckten Polizeibeamte zudem Graffiti in der Nähe der Kreuzung. Dabei handelt es sich um ein türkisches Imbissgeschäft, dessen Schaufenster mit Parolen wie „Unterstützt Erdogan“ und „Faschisten Anhänger“ besprüht wurde. Gegen drei Uhr bemerkte eine Polizeistreife auf der Detmolder Straße in Höhe des Niederwalls die brennenden Autoreifen und löschten sie. In der Kreuzstraße fielen ihnen hierbei auch mehrere Farbschmierereinen an Hausfassaden auf, unter anderen an diesem Geschäft. Ob ein Bezug zu der Brandstiftung der Reifen besteht, ist derzeit nicht geklärt. Der Staatschutz habe die Ermittlungen aufgenommen. In Brühl haben Unbekannte Flugblätter in die Briefkästen vermeintlicher „Erdoğan-Anhänger“ hinterlegt. In den Flugblättern werden die Türken mit einem ironischen Unterton dazu aufgefordert, das Land zu verlassen. Als Grund dafür wird die scheinbare Ablehnung der deutschen Werte und Gesellschaft aufgeführt. Man solle doch in das Land gehen, über das man beim Referendum selbst abgestimmt habe, so der Wortlaut in dem Schreiben.
(Foto: AA)
„Ihr Präsident wird sie sicherlich mit offenen Armen empfangen, denn da er ganz viele böse Menschen bereits eingesperrt hat, und sie auch logischerweise auch wird hinrichten müssen, sind ganz viele Wohnungen und Arbeitsplätze in der Türkei frei.“, lautet unter anderem in einem Satz. Auf die DITIB-Moschee in Leipzig-Volkmarsdorf wurde in der Nacht zum vergangenem Donnerstag ein Farbanschlag verübt. Das Gebäude in der Hermann-Liebmann-Straße sei großflächig mit einer bislang unbekannten schwarzen Substanz beschmiert worden, sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf. Zudem wurde die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, mit dem Graffiti-Schriftzug „Fuck AKP!!“ beleidigt. Laut Braunsdorf soll der Staatsschutz die Ermittlungen übernehmen.
(Foto: Screenshot/Twitter/Lejeune)
Der Anschlag ereignete sich nach Polizeiangaben zwischen 23 Uhr und 5 Uhr. Ein Mitglied der Gemeinde stellte den Schaden am Morgen fest und informierte die Polizei, die gegen 5.40 Uhr am Tatort war. Auch das Schild über dem Eingang, Türen und Fenster wurden beschmiert. Die Schadenshöhe ist bislang noch unklar. „Immer mehr Menschen trauen sich nicht, sich offen positiv über den türkischen Präsidenten oder die AKP zu äußern“, so eine Erzieherin aus Hagen, die nicht namentlich genannt werden möchte. Sie habe von Fällen gehört, in denen Stellenbewerber von Arbeitgebern nach ihrer Einstellung gegenüber Präsident Erdogan gefragt wurden. „Es geht eine Angst um, niemand den ich kenne, lobt in irgendeiner Weise Erdogan“, sagte die 27-Jährige im Gespräch mit NEX24.

Auch interessant

„Kauft nicht beim Türken“: Erdogan-Kritik erreicht neue Stufe