Berlin
Union verschärft Angriffe auf Schulz: Erst mal Realität richtig darstellen

Schäuble kritisiert „abstrakte Betrachtungen“ zur Rente und mahnt neue Regeln für Manager an Osnabrück (nex) – Die CDU verschärft ihre Angriffe auf SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte unter anderem die Forderungen der SPD zum Rentenniveau und sagte in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“:
„Martin Schulz muss erst einmal die Realität unseres Landes richtig darstellen. Dann können wir auch über seine Problemlösungen diskutieren.“
Schäuble monierte, die Sozialdemokraten erklärten die Lebensarbeitszeit für tabu. „Stattdessen wird rein schematisch auch für heute ganz junge Menschen über das Rentenniveau mit 65 Jahren gesprochen. Das sind völlig abstrakte Betrachtungen mithilfe sogenannter Eckrentner, die mit der Wirklichkeit der Menschen wenig zu tun haben.“ Der Minister forderte zugleich, die demografische Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen. „Die Menschen leben erfreulicherweise sehr viel länger. Und wenn die Lebenserwartung steigt, dann muss die durchschnittliche Lebensarbeitszeit angepasst werden. Wenn zusätzliche Lebensjahre eins zu eins zusätzlichen Ruhestand bedeuten, dann drückt das auf das Rentenniveau.“ Kritisch äußerte sich der CDU-Politiker ferner zu den SPD-Arbeitsmarktplänen: „Herr Schulz hat gesagt, er will länger Arbeitslosengeld zahlen, wenn sich Arbeitslose qualifizieren. Wir wollen die Menschen nicht erst qualifizieren, wenn sie arbeitslos sind, sondern wir wollen sie qualifizieren, damit sie erst gar nicht ihren Job verlieren. Das ist sehr viel besser.“ Schäuble kritisierte in diesem Zusammenhang, dass Schulz die erfolgreiche Agenda 2010 teilweise zurücknehmen wolle. Das heiße: „Die SPD entwickelt Visionen, will aber für die Umsetzung ihrer Ideen nicht die Verantwortung tragen. Deswegen ist die SPD eigentlich lieber Oppositionspartei. Und wir Christdemokraten werden ihr da nicht im Weg stehen.“ Der Finanzminister drängte zudem noch einmal auf neue Regeln für die Bezahlung von Managern. „Aber leider“, so Schäuble weiter, „besteht immer noch keine Einigkeit mit der SPD, Vorstandsbezüge transparent von der Hauptversammlung beschließen zu lassen“. Diese Neuregelung war nach den Worten des CDU-Politikers eigentlich schon im Koalitionsvertrag von 2013 vereinbart. Aber auch der Koalitionsausschuss am Mittwoch habe keine Einigkeit gebracht. „Die SPD steht hier auf der Bremse, um den Sondereinfluss der Gewerkschaften bei den Managergehältern zu schützen. Das verstehen die Menschen nicht.“

Siedlungsbau Israels
Norbert Röttgen: Keine Alternative zur Zweistaatenlösung in Israel

Siedlungsbau Israels: SPD-Außenexperte Annen hofft auf US-Regierung Osnabrück (ots) – Der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, setzt im Konflikt um den israelischen Siedlungsbau im Westjordanland auf die US-Regierung. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Annen: „Ich hoffe, dass die US-Regierung trotz der problematischen Aussagen von Präsident Donald Trump einen positiven Einfluss auf die israelische ausüben wird.“ Immerhin führe Trumps Sondergesandter Jason Greenblatt derzeit intensive Gespräche mit allen Seiten. Annen fügte hinzu: „Aber Anlass für Optimismus sehe ich nicht.“ Trump hatte jüngst angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen und damit Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Allerdings hatte er auch Israel mit Blick auf eine Friedenslösung im Nahostkonflikt zur Zurückhaltung in der Siedlungspolitik aufgefordert. Der SPD-Politiker sagte: „Der Beschluss zur Gründung einer neuen Siedlung lässt mich ernsthaft zweifeln, ob eine Zwei-Staaten-Lösung von israelischer Seite überhaupt noch angestrebt wird.“ Bereits das im Februar verabschiedete Gesetz zur Legalisierung von Siedler-Außenposten sei „ein besorgniserregender Schritt“ gewesen, der das Vertrauen in die Regierung von Benjahmin Netanjahu international beschädigt habe. Annen fügte hinzu: „Es fehlt mir die Phantasie, eine Alternative zu einer Zwei-Staaten-Lösung zu erkennen, die den demokratischen und jüdischen Charakter Israels bewahren und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser respektieren könnte.“ Auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen sagte, es gebe keine sinnvolle Alternative zur Zweistaatenlösung. Er nannte den Beschluss Israels zum Siedlungsneubau in den besetzten Gebieten einen „weiteren Rückschlag für den Friedensprozess im Nahen Osten“. Schon jetzt lebten 400.000 israelische Siedler auf palästinensischem Gebiet, was den Aufbau eines unabhängigen Staates Palästina erheblich erschwere. „Jede Initiative der israelischen Regierung, weitere Siedlungen zu bauen, macht die Lösung dieses Konflikt unwahrscheinlicher“, kritisierte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses.

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China
„Vater aller Chinesen“: Zehntausende versammeln sich zu Ehren Huangdi

Zhengzhou, China (ots) – Mehr als 10.000 Chinesen, die aus 40 Ländern und Regionen angereist waren, versammelten sich am Donnerstag zu einer großen Verehrungszeremonie zu Ehren von Huangdi, dem legendären Urahnen der Nation, der auch als der Gelbe Kaiser bekannt ist, wie das lokale Nachrichtenportal zynews berichtete. Nach dem chinesischen Mondkalender war an diesem Donnerstag der 30. März, der als Geburtstag des Heiligen gilt. Die Zeremonie wurde in Xinzheng, das in der zentralchinesischen Provinz Henan liegt und zur Verwaltungszone der Stadt Zhengzhou gehört, abgehalten. Hier war vor 5.000 Jahren die Hauptstadt des Huaxia-Reichs von Huangdi, nachdem er alle anderen Stämme Chinas vereint hatte. Auch in Macao, Hongkong, Taiwan, San Francisco und Sydney fanden Zeremonien zu Ehren Huangdis statt. Zudem wurde für die Erneuerung der chinesischen Nation gebetet. Das Motto der Zeremonie lautete „Chinesen, die die gleichen Wurzeln haben, beten für Frieden und Eintracht“. Seit 2006 konnte die Zeremonie Zehntausende von Chinesen aus der ganzen Welt anlocken, um sich jedes Jahr ihrer Wurzeln zu vergewissern. Die Veranstaltung hat sich mittlerweile zu einem wichtigen Ereignis für im Ausland lebende Chinesen entwickelt. Xinzheng hat sich somit zu einem heiligen Ort und zur spirituellen Heimat für die Chinesen entwickelt. Es wird vermutet, dass Huangdi in Xinzheng geboren wurde und dass er hier sowohl seinen Aufstieg startete als auch seine Hauptstadt errichtete. Er wurde als Stammvater aller Chinesen auf der ganzen Welt betrachtet. Der Verehrung für den berühmten Vorfahren reicht weit bis ins alte China zurück und hat sich seit der Tang-Dynastie zu einem rituellen Kult entwickelt, der sich über ein Jahrtausend hielt. Zhengzhou ist die Heimat von Huangdi und hat als einer der wichtigen Ursprungsorte für die chinesische Zivilisation ebenso die schnelle Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte miterlebt. Die Stadt ist eine von Chinas Logistikdrehscheiben und gilt als das Tor, das den Weg zum Hinterland öffnet. Zudem ist es ein wichtiger Knotenpunkt der kontinentalen Brücke zwischen Europa und Asien und die Stadt ist bestrebt zu einer der nationalen Zentralmetropolen (National Central City) zu werden.

Wahlen in Bulgarien
Bulgarien: Türkische DOST Partei protestiert gegen Wahlergebnis

Sofia (nex/eurasia) – Bulgariens Vorsitzender der etnisch-türkischen Partei DOST hat am Dienstag gesagt, dass er beim Verfassungsgericht wegen zahlreicher Hindernisse klagen wird, denen Wähler bei den Parlamentswahlen am Sonntag ausgesetzt waren. „Wenn Nationalisten an Einfluss gewinnen, wird es die DOST Partei in Bulgarien mobilisieren“, glaubt der Politikanalyst Peter Cholakov im Interview mit Eurasia News und NEX24. „Wir werden uns an das Verfassungsgericht wenden, damit das Wahlergebnis annulliert wird“, sagte Lütfi Mesten, Vorsitzender der „Demokraten für Verantwortung, Freiheit und Toleranz“, kurz DOST, gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Viele türkisch-bulgarische Wähler, die in der Türkei leben, wurden am Wahlgang durch bulgarische Proteste an den Grenzen gehindert. Laut offiziellen Angeben ist mindestens zehn Prozent der bulgarischen Gesellschaft türkisch geprägt. Die Wählerbasis von DOST, was auf Türkisch „enger Freund“ bedeutet, besteht aus bulgarischen Türken und Muslimen. „Bei diesen Wahlen standen wir alleine gegen alle, nicht nur gegen die politischen Kräfte, sondern auch den Staat und die Regierung Bulgariens“, monierte Mestan. „Ich bin sicher, dass wir einen größeren Erfolg hätten, gäbe es diese Hindernisse nicht.“ Der bulgarische Politikanalyst Peter Cholakov, der mit Eurasia News sprach, zeigt sich über die künftigen Aussichten der DOST Partei langfristig dennoch optimistisch. Er sagte:
„Die Konkurrenzpartei DPS von DOST verlor im Vergleich zu den Wahlen 2014 rund 170.000 Wähler. Das ist ein echter Brocken, der abfiel. DOST, die mit der ethnisch türkischen NPSD (Nationale Partei für Freiheit und Ehre) kooperiert, hat es geschafft viele Stimmen von bulgarischen Türken zu gewinnen, die im Ausland leben.“
Der Aufstieg von nationalistischen Elementen in der bulgarischen Politik schafft türkischen Parteien wie DOST eine Basis. Cholakov bemerkte:
„Die Strategie der türkischen Regierung war teilweise erfolgreich. Der Erfolg wird auch von den erstarkenden Nationalisten im Parlament definiert, angeführt von den Vereinten Patrioten. Meines Erachtens nach stehen ethnische Parteien wie DPS, DOST, NPSD im Zusammenhang mit der Formierung von populistischen radikalen Parteien. Umso größer die Unterstützung für die Vereinten Patrioten, desto größter der Grad für die Mobilisierung von türkischen Wählern.“
„Wenn der Trend von vorgezogenen Wahlen anhält und die Nachfrage für die Vereinten Patrioten anhält, wäre ich nicht überrascht, wenn wir in der nächsten Legislatur zwei ethnisch türkische Parteien sehen – DPS und DOST“, so der Politikanalyst aus Bulgarien. Der Politikwissenschaftler Dimitar Bechev an der US-amerikanischen Universität von North Carolina und Analyst beim Atlantic Council sagte Eurasia News:
„DOST hat Potenzial, aber ich sehe keine Chance, dass die Partei in nächster Zukunft über vier Prozent erreicht.“
Die Mitte-rechts-Partei GERB des ehemaligen Premierministers Boyko Borisow entschied die Wahlen am Wochenende für sich. Sie gewann 32,55 Prozent. DOST kam mit über 100.000 Wählern auf 2,84 Prozent und zog nicht ins Parlament. Die Wahlhürde in Bulgarien liegt bei vier Prozent. Mestan ist davon überzeugt, dass das Parlament in Sofia „den Willen des Volkes nicht repräsentieren kann“, solange DOST nicht Teil des Abgeordnetenhauses ist. Er beschuldigte die natonalistischen Vereinten Patrioten, bewusst Proteste an den Grenzen zur Türkei initiiert zu haben, um DOST zu schwächen. „Die bulgarische Politik wurde vollständig von Rassisten übernommen, aber rassistische Parteiführer können nicht alleine für diese Ergebnisse verantwortlich gemacht werden. Andere sind mitverantwortlich“, fügte DOST-Parteichef Mestan hinzu. Inzwischen teilte auch der Vorsitzende der Türkischen Balkan Föderation in Edirne, Nedim Dönmez, mit, dass seine Organisation ein rechtliches Verfahren einleiten wird. Dönmez informierte, dass bei den bulgarischen Wahlen in 2016 in der Türkei insgesamt 140 Wahlboxen zur Verfügung standen. Am Samstag machte Sofia nur 35 Wahlboxen frei. Das türkische Außenministerium bewertete das als Entscheidung, türkische Bulgaren beim Wahlhergang zu hindern. Bulgarische Behörden entschieden nur zwei Tage vor der Wahl, dass Anmeldeformulare in den Wahlbüros auszufüllen seien, sagte Dönmez. Das verursachte weitere Probleme für türkische Bulgarien, die nicht mehr immer ausreichend bulgarische Sprachkenntnisse mitbrachten. Laut Dönmez leben in der Türkei zwischen 200.000 und 400.000 bulgarische Staatsbürger, die Wählen dürfen. Angaben zufolge wählten am Sonntag 30.000 Bulgaren auf türkischem Boden. Im Vergleich zu 2009 waren es 90.000, äußerte der Vorsitzende der Türkischen Balkan Föderation in Edirne. Dönmez möchte eine rechtliche Klage zunächst bei bulgarischen Gerichten einreichen. Er scheue allerdings auch nicht davor, bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind. „Wir können Einschränkungen des Menschenrechts nicht tolerieren“, sagte er. Der Politikwissenschaftler Bechev ist skeptisch über diese Aussagen. Seiner Meinung nach werden Klagen zugunsten von DOST ins Leere verlaufen. Die Wahlen am Sonntag sind die insgesamt fünften seit Mai 2013, dass Bulgaren zu Wahlen gingen. Gegenwärtig durchlaufen Ankara und Sofia eine Phase politischer Spannungen. Beide Staaten gingen auf Konfrontationskurs. Bulgarien warf Ankara vor, die DOST Partei zu favorisieren, während nationalistische Proteste an der bulgarisch-türkischen Grenze anprangerte.

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Bundestagswahl 2017
Schäuble: SPD muss sich von Linkspartei distanzieren

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Schäuble: Die AfD ist noch nicht drin im Bundestag Osnabrück (nex) – Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat zu einem konsequenten Kampf gegen Populisten aufgerufen und die Hoffnung geäußert, dass die Alternative für Deutschland (AfD) im September nicht in den Bundestag einzieht. Schäuble sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Noch ist die AfD nicht drin. Und die Umfrageergebnisse sind deutlich rückläufig. Wenn das in diesem Tempo so weitergeht, werden sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen.“ Schäuble betonte zugleich, die CDU nehme die AfD ernst. „Wir wissen, dass sie in den vergangenen Landtagswahlen ziemlich erfolgreich war. Und wir wissen, dass nicht jeder Wähler dieser Partei gleich außerhalb des demokratischen Konsenses steht. Wir versuchen stattdessen, alle Menschen davon zu überzeugen, dass es sehr viel besser ist, für Maß und Mitte zu votieren.“ Mit Blick auf mögliche Koalitionen sagte der CDU-Politiker: „Für CDU und CSU ist klar: Wir machen weder mit Linksradikalen noch mit Rechtsradikalen gemeinsame Sache.“ Er forderte, auch die SPD müsse diese Frage beantworten. Man werde sie fragen, „ob sie wirklich eine Koalition mit der Linkspartei im Bund eingehen will“. Die Wähler im Saarland haben nach den Worten von Schäuble klargemacht: „Sie möchten nicht, dass diese Partei mitregiert. Ich glaube, dass auch die Deutschen insgesamt mehrheitlich dagegen sind.“ Mit Blick auf neue Partner für die Union sagte Schäuble: „Bei der vergangenen Bundestagswahl hätten wir fast eine Koalition mit den Grünen gemacht. Aber die Grünen hatten dazu nicht den Mut. Mal abwarten, wie es sich entwickelt.“ Zur FDP erklärte der CDU-Politiker: „Wenn 2013 die FDP nur 0,3 Prozentpunkte mehr Stimmen bekommen hätte, hätte sich die Frage nach einem neuen Partner gar nicht gestellt. Natürlich arbeiten wir gerne mit den Liberalen zusammen. Das wird auch nach den nächsten Wahlen gelten.“

Türkei
Erdogan: PKK war gegen Friedensprozess mit Kurden

Mardin (nex) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprach am Donnerstag in der südöstlichen Provinz Mardin und bekräftigte das Engagement der Regierung gegenüber im Kampf gegen den Terror. Das berichtet das Nachrichtenportal Daily Sabah. Während einer Eröffnungszeremonie habe Erdogan demnach gesagt, dass die Regierung einen Friedensprozess gestartet habe, um den Konflikt mit der PKK-Terrororganisation in der Region zu beenden, „aber sie konnten es nicht verstehen, detonierten Bomben, gruben Gräber“, zitiert ihn Daily Sabah. Somit endete der Waffenstillstand einseitig. „Sie [die PKK-Terroristen] werden entweder von diesem falschen Weg zurückkehren und sich ergeben oder dieses Land verlassen“, habe Erdogan hinzugefügt. „Andernfalls werden unsere Soldaten, Polizisten und Dorfwächter sie aus diesem Land beseitigen.“

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Syrienkrieg
Schule bombardiert: SPD fordert Aufklärung über US-Strategie in Syrien

Verteidigungsexperte Arnold: Etwaige Fehler müssen benannt werden Osnabrück (ots) – Wegen der möglichen Verwicklung der Bundeswehr in einen Luftangriff in Syrien fordert der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, von der Bundesregierung, die Strategie der USA zu hinterfragen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Arnold: „Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die bisherigen Regeln weiter stringent eingehalten werden. Der tragische Vorfall muss selbstverständlich sorgfältig aufgearbeitet und etwaige Fehler benannt werden.“ Zuletzt hatte es vermehrt zivile Tote bei Einsätzen der US-geführten Koalition gegeben; bei der Bombardierung eines Schulgebäudes waren 33 Zivilisten getötet worden. Bislang war die Maxime, zivile Opfer um jeden Preis zu vermeiden. Inzwischen gibt es Zweifel, ob die Administration unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump die Regeln für die Einsätze ändern könnte. Arnold sagte: „Die Bundeswehr ist Mitglied in dieser Koalition und wir tragen gemeinsam auch Verantwortung.“ Der SPD-Außenexperte verteidigte die Beteiligung deutscher Soldaten an der Anti-IS-Koalition gegen Kritik von Linken und Grünen. „Der Einsatz ist politisch und militärisch notwendig.“ Politisch, weil Deutschland bei einer so großen Allianz gegen den IS-Terror nicht außen vor bleiben könne. Militärisch sei die Beteiligung sinnvoll, weil Deutschland mit den Tornados Gerät stelle, das andere Staaten nicht hätten.

Wirtschaft
Strafzölle: Gabriel wirft US-Regierung Protektionismus vor

Die US-Regierung hatte gegen ausländische Stahlhersteller, darunter die Firmen Salzgitter und Dillinger Hütte, Strafzölle angekündigt. „Wir müssen alles dafür tun, dass sich diese unfairen Praktiken und buchhalterischen Tricks zu Lasten unserer hervorragend aufgestellten Stahlindustrie nicht fortsetzen“, warnte Gabriel. Europa stehe für fairen und freien Handel. „Wir werden uns politisch dafür einsetzen, dass sich die US-Regierung an internationales Handelsrecht hält.“ Die Unternehmen könnten jetzt den Rechtsweg beschreiten. Die zuständige EU-Kommissarin, Cecilia Malmström, werde prüfen, ob sie Klage bei der Welthandelsorganisation erhebt. „Ich kann diese Prüfung nur unterstützen“, sagte er. Gabriel erklärte zudem, die Europäer würden geschlossen und gemeinsam vorgehen: „Auf den Wunsch der USA, von Fall zu Fall bilateral zu verhandeln, werden wir uns nicht einlassen. Wir lassen es nicht zu, dass die Position der Europäischen Union dadurch geschwächt wird“, sagte der Bundesaußenminister.
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Weihnachtsmarkt-Anschlag
Interner Aktenvermerk im Fall Amri setzt Generalbundesanwalt unter Rechtfertigungsdruck

Düsseldorf (ots) – Ein interner Aktenvermerk bringt Generalbundesanwalt Peter Frank im Fall Anis Amri unter Rechtfertigungsdruck. Dem Papier zufolge, das der „Rheinischen Post“ vorliegt, hielt die Bundesanwaltschaft mit Rücksicht auf ein verdeckt laufendes Ermittlungsverfahren und die dort eingesetzte Vertrauensperson „VP01“ Informationen zeitweise unter Verschluss. Zu jener Zeit, Ende Juli 2016, war Amri gerade in Friedrichshafen wegen gefälschter Pässe von der Bundespolizei festgenommen worden. Es wäre womöglich eine Chance gewesen, einen Haftbefehl gegen ihn zu erwirken und das Attentat zu verhindern. In dem Aktenvermerk der Düsseldorfer Staatskanzlei, der am Freitag auch Thema im Düsseldorfer Untersuchungsausschuss zum Fall Amri war und in dem es um eine Rücksprache des Landeskriminalamts (LKA) NRW mit der Bundesanwaltschaft geht, heißt es: „Die sofortige Offenlegung wesentlicher Verfahrensbestandteile zu diesem Zeitpunkt hätte eine Enttarnung und erhebliche Gefährdung der Person der VP und des Ermittlungserfolges (…) verursacht.“ Und weiter:
„Eine Offenlegung sensibler Verfahrensbestandteile war zu diesem Zeitpunkt daher ohne gravierende Gefährdung / Auswirkung auf andere Ermittlungsverfahren und eine mögliche Gefährdung der VP nicht möglich gewesen.“
Diese Formulierung wurde dem Aktenvermerk mit der Generalbundesanwaltschaft abgestimmt. Der Generalbundesanwalt wusste gestern bei seiner Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss nichts von diesem Vermerk: „Diese Sprachregelung ist mir bislang unbekannt.“ Er könne nicht verifizieren, dass es eine solche Absprache gegeben habe. Er sei aber bereit, das mit seinen Mitarbeitern zu klären und dem Ausschuss-Vorsitzenden dann mitzuteilen.

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Gipfeltreffen der G20-Staaten
Polizei: Erdogan könnte vor G20-Treffen Flüchtlinge nach Europa ziehen lassen

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Heilbronn (ots) – Der Hamburger Landeschef des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Jan Reinecke, fürchtet vor dem Gipfeltreffen der G20-Staaten (7. und 8. Juli) eine weitere Mobilisierung in der gewaltbereiten linken Szene.  Auch warnt er davor, dass der türkische Präsident seine Drohungen, Flüchtlinge nach Europa weiterziehen zu lassen, wahrmachen könnte. Er sagte der „Heilbronner Stimme“: „Die politische Entscheidung, den G20 Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen, wird die Stadt womöglich teuer zu stehen kommen.“ Es sei damit zu rechnen, dass „das aktuelle Vorgehen einiger, nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten fragwürdiger Gipfelteilnehmer gegen Oppositionspolitiker, Journalisten oder Bevölkerungsminderheiten in deren eigenen Ländern zur Mobilisierung unterschiedlichster und häufig leider auch gewaltbereiter Gruppierungen für den G20 Gipfel führen wird.“ Die Entscheidung, den Gipfel mitten in Hamburg stattfinden zu lassen, sei allein eine „politische Entscheidung“, kritisierte Reinecke. Politiker hätten die vorgetragenen strategischen Bedenken von Polizei-und Gewerkschaftsführern mit einer „Basta-Rhetorik“ weggewischt. Reinecke erklärte weiter, es gebe zahlreiche Bedrohungsszenarien, „die zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar und gerade deswegen nicht zu verhindern sein werden“. Dazu sagte er: „Neben der häufig benannten abstrakt hohen Gefahr vor Terroranschlägen dürfte auch das aktuelle geopolitische Weltgeschehen weitere Gründe liefern, die den G20-Gipfel aus polizeilicher Sicht zu einem Pulverfass werden lassen könnten. Was würde beispielsweise passieren, wenn der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan seine erpresserische Drohung, die in der Türkei festgehaltenen Flüchtlinge nach Europa weiterziehen zu lassen, vor dem Beginn des G20-Gipfels wahrmachen würde? Würde dies nicht auf Schlag sämtliche Kapazitäten von Bund- und Länderpolizeien aufbrauchen?“ Der Polizeigewerkschafter geht davon aus, dass Hamburg starke Unterstützung aus anderen Ländern und dem Bund benötigen wird. Der G20-Gipfel finde „mitten in der Sommerurlaubszeit statt und es bleibt zu hoffen, dass die übrigen Bundesländer und auch der Bund es Hamburg gleichgemacht haben und Urlaubssperren für die Polizeibediensteten verhängt wurden.“