Währungspolitik
Schwedens Rückkehr zum Bargeld: Eine Lehre für die Zukunft

Schweden wurde lange als Vorbild für den Übergang zu einer Gesellschaft ohne Bargeld gesehen. Aber seit kurzer Zeit gibt es eine deutliche Änderung. Die Regierung sowie die Riksbank bitten die Bevölkerung nun, wieder mehr Bargeld zu verwenden. Als Grund dafür gelten wachsende Sorgen bezüglich der Anfälligkeit digitaler Zahlungssysteme – etwa bei Cyberangriffen, Stromausfällen oder anderen Problemen. Bargeld kommt als Garantie für Sicherheit und Unabhängigkeit zurück.

Der Weg zur bargeldlosen Gesellschaft

In Schweden hat man früh angefangen, Bargeld im Alltag weniger zu nutzen. Bereits in den frühen 2010er Jahren bauten Banken ihre Bargeldservices gezielt ab. Viele Geschäftsstellen gaben kein Bargeld mehr aus, während Terminals zur Selbstbedienung für Überweisungen sowie Kartenzahlungen wichtiger wurden. Als die Swedbank 2013 in einigen Filialen komplett auf Bargeldservices verzichtete, sorgte dies für besonders viel Kritik – es traf vor allem ältere Menschen, die stark auf Bargeld angewiesen waren. Auch von der Politik kamen Anstöße. Die Regierung sorgte dafür, dass sich digitale Bezahlsysteme wie Swish schnell verbreiteten – die App fürs Handy wird mittlerweile von den meisten Menschen in Schweden genutzt. Zugleich lockerte man die Pflicht, Bargeld anzunehmen, in vielen Bereichen, sodass viele Läden wie Restaurants gar kein Bargeld mehr annahmen. Zwar wurde das Bezahlsystem dadurch schneller, allerdings gab es auch Protest. Menschen kritisierten, dass bestimmte Gruppen systematisch ausgeschlossen würden und die finanzielle Unabhängigkeit verloren ginge.

Schwedens E-Krona-Projekt

Neben der Reduktion von Bargeld arbeitete die schwedische Zentralbank an der E-Krona, einer digitalen Währung. Sie sollte das Bargeld ergänzen oder gar ablösen. Das Ziel war, eine staatlich garantierte, sichere Alternative zu privaten Zahlungssystemen anzubieten. Mit der E-Krona sollte der Zugang zu Zahlungsmitteln gesichert sein, besonders in einer Gesellschaft, in der immer weniger Bargeld genutzt wird. Das Projekt begann 2017 und befindet sich seitdem in der Pilotphase. An zwei Designs für die E-Krona wird gearbeitet: Zum einen gibt es eine kontobasierte Variante, bei der Guthaben direkt bei der Riksbank verwaltet wird, zum anderen eine wertbasierte Version, die offline auf Geräten oder Karten gespeichert sein kann. Beide Ansätze sollen ein widerstandsfähiges, effizientes Zahlungsmittel schaffen, das auch bei Cyberangriffen oder technischen Störungen funktioniert. Die Einführung der E-Krona ist ein schwieriger Prozess. Zu rechtlichen Hindernissen kommen technische Aufgaben, beispielsweise die Integration in bestehende Zahlungssysteme und die Sicherstellung von Datenschutz. Trotz dieser Probleme bleibt das Projekt ein wichtiger Teil von Schwedens Strategie zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs.

Wendepunkt: Warum Schweden zurück zum Bargeld findet

Der Krieg in der Ukraine sowie Russlands Verhalten haben in Schweden Zweifel an digitalen Zahlungssystemen geweckt. Besonders die Gefahr durch Cyberangriffe bereitet Sorge. Denn digitale Systeme sind angreifbar – zum Beispiel Stromnetze oder IT-Strukturen. Russland hat früher schon gezeigt, wie gut Cyberangriffe funktionieren, etwa 2022, als diese Angriffe im Ukraine-Krieg zunahmen. Zur Aufklärung über diese Gefahren gibt die Regierung Schwedens Broschüren mit Tipps heraus, wie Bargeld als Reserve helfen mag. Für eine Woche sollen Haushalte Bargeld besitzen – eine einfache Idee, nur schwierig in einer Gesellschaft ohne Bargeld. In einem Land wie Schweden, das früher fast ohne Bargeld auskommen wollte, ist diese Umkehr ein deutliches Signal. Zwar sind digitale Systeme nützlich, doch die Abhängigkeit bedeutet in Notzeiten große Risiken.

Kritik an der ausschließlichen Digitalisierung

Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs scheint zwar fortschrittlich, bringt aber Probleme mit sich. Besonders ältere Menschen, Leute mit wenig Geld oder ohne Zugang zu digitalen Angeboten haben Nachteile. Fast die Hälfte der Befragten sagte in einer Umfrage, sie bräuchten Bargeld für ihren Alltag. Für diese Menschen ist Bargeld wichtig, um finanziell unabhängig zu sein. Ohne Bargeld gibt es soziale Ungleichheit. In ländlichen Gegenden oder abgelegenen Orten ohne stabiles Internet gibt es oft keine Möglichkeit, nur digital zu bezahlen. Auch Senioren, die sich mit Kartenzahlungen nicht auskennen, und Geflüchtete ohne schwedisches Bankkonto haben Schwierigkeiten. Viele fühlen sich abgehängt, da sie sich an digitale Zahlungssysteme anpassen sollen. In der Gesellschaft erschwert das die Integration. Alle Gruppen der Bevölkerung brauchen Zugang zu Finanzsystemen – das geht kaum ohne Bargeld. Eine Rückkehr zum Bargeld könnte ein Beispiel für die ganze Welt sein: Ein Schritt zurück, um alle einzubeziehen. In verschiedenen Industrien spielt echtes Geld eine zentrale Rolle. Das passiert zum Beispiel im Fall von Online Casinos mit echtem Geld. Diese Option ist besonders attraktiv für Nutzer, die keine digitalen Bezahldienste verwenden oder ihre persönlichen Finanzdaten nicht im Internet preisgeben möchten. Während digitale Transaktionen wie E-Wallets oder Kreditkarten weit verbreitet sind, gewinnt auch Bargeld durch hybride Systeme zunehmend an Bedeutung.

Gesetzliche und politische Maßnahmen zur Förderung von Bargeld

Die schwedische Regierung hat eine wichtige Regelung eingeführt. Händler müssen Bargeld als Zahlung akzeptieren. Besonders betroffen sind Läden mit wichtigen Waren, etwa Supermärkte oder Apotheken. Das Ziel: Alle Bürger sollen am Wirtschaftsleben teilnehmen dürfen, selbst ohne digitale Zahlungsmittel. Weshalb das wichtig ist? Nicht jeder will oder kann digital bezahlen – ältere Menschen, Menschen mit wenig Geld oder Leute aus ländlichen Gebieten könnten sonst nicht mitmachen. Indem Händler Geld annehmen müssen, wird sichergestellt, dass niemand im Alltag Probleme hat. Zusätzlich macht diese Pflicht den Zahlungsverkehr stärker, sollte es zu Krisen kommen, zum Beispiel Stromausfälle oder Angriffe aus dem Netz. Mit dieser Regelung zeigt Schweden, wie es einen Mittelweg zwischen Fortschritt und der Berücksichtigung der Menschen sucht. Es geht darum digitale Bezahlmethoden voranzubringen – Bargeld aber nicht ganz verschwinden zu lassen.

Bargeld-Depots für Notfallszenarien

Händler sind verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Zusätzlich errichtet Schweden ein Netz mit Bargelddepots. Diese Lager dienen als Notfallversorgung, falls digitale Systeme versagen, ebenso als Vorrat für Firmen sowie Kommunen. Die Idee dahinter: Bei großem Infrastrukturausfall, etwa durch Cyberattacken oder Unwetter, bleibt Bargeld als Option verfügbar. Die Riksbank macht die Stabilität des Finanzsystems zu einer Hauptaufgabe. Die Bargelddepots gehören zu der Strategie. Besonders Firmen in entlegenen Gebieten haben Vorteile dadurch – sie können ihre Arbeit ohne digitale Technik fortsetzen. Die Schritte zeigen, wie ernst Schweden Gefahren nimmt, ebenso warum Bargeld als Basis eines stabilen Zahlungssystems gilt. In einer unsicherer werdenden Welt sind Bargelddepots eine finanzielle Lebensversicherung – sie stellen eine simple, wichtige Ergänzung zu digitalen Alternativen dar.

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Wissenschaft
Leben ohne Zeit: Michel Siffre und die innere Uhr

Paris – Im Jahr 1962 lebte der französische Höhlenforscher Michel Siffre zwei Monate lang in völliger Isolation in einer unterirdischen Höhle, ohne Zugang zu Uhr, Kalender oder Sonne. Er stellte fest, dass sich mehrere Menschen, darunter auch er selbst, ohne zeitliche Hinweise auf einen 48-Stunden- statt auf einen 24-Stunden-Zyklus einstellten. Siffre war Geologe, aber was er ursprünglich als Expedition zur Erforschung des Gletschers geplant hatte, wurde als etwas ganz anderes berühmt: die erste Studie über die menschliche Reaktion auf ein Leben ohne Zeitangaben. Siffre war der erste, der zeigte, dass unser Körper seine eigene Uhr haben könnte. Seitdem hat sich die Chronobiologie zu einem äußerst wichtigen Forschungsgebiet entwickelt. Er schlief und aß nur, wenn sein Körper es ihm sagte. Sein Ziel war es, herauszufinden, wie sich ein Leben „jenseits der Zeit“ auf die natürlichen Rhythmen des menschlichen Lebens auswirken würde. 1972 kehrte er in die Unterwelt zurück und verbrachte sechs Monate in einer Höhle in Südtexas. Seine Einrichtung war spärlich: Ein auf einer hölzernen Plattform errichtetes Zelt war mit einem Bett, einem Tisch und einem Stuhl sowie mit verschiedenen Geräten für wissenschaftliche Experimente ausgestattet. Die Kammer war außerdem mit tiefgekühlten Lebensmitteln und etwa 3.000 Liter Wasser ausgestattet. Er ließ die Forscher wissen, wenn er bereit war zu schlafen, und das Licht wurde ausgeschaltet. Er führte ein Tagebuch, in dem er seine eigenen Tage und Nächte festhielt, aber seine Berechnungen waren nicht genau. Zum Beispiel war sein Tag 63 in Wirklichkeit der Tag 77, oberirdisch. An seiner Brust und seinem Kopf befestigte Elektroden maßen verschiedene Vitaldaten, und er verbrachte seine Zeit damit, ein langes Protokoll von Tests an sich selbst durchzuführen. Die Zeit, wie er sie erlebte, hatte sich „teleskopiert“, sagte er.  Und was sich für ihn wie ein Monat anfühlte, waren auf der Oberfläche in Wirklichkeit zwei.
„Ich stellte ein Team am Eingang der Höhle auf. Ich beschloss, sie zu rufen, sobald ich aufwachte, während ich aß und kurz bevor ich einschlief. Mein Team durfte mich nicht rufen, sodass ich keine Ahnung hatte, wie spät es draußen war“, sagte er.
„Nach ein oder zwei Tagen erinnert man sich nicht mehr daran, was man einen oder zwei Tage zuvor getan hat“, sagte er 2008 dem Kunst- und Kulturmagazin Cabinet. „Die einzigen Dinge, die sich ändern, sind, wann man aufwacht und wann man zu Bett geht. Ansonsten ist es völlig schwarz. Es ist wie ein einziger langer Tag.“ Am Ende des ersten Monats lebte er in einem 26-Stunden-Zyklus, auch wenn er das damals noch nicht wusste. Er blieb einfach so lange wach, wie er wollte, und nannte es „Nacht“, wenn er sich müde fühlte. Am 37. Tag, der für ihn der 30. Tag war, erlebte er eine seltsame Unterbrechung der Routine und eine Verschiebung der Muster: Er durchlebte einen übermäßig langen Tag und schlief dann 15 Stunden lang. Danach schwankten seine Tage stark, von 26 Stunden bis hin zu 40 oder 50 Stunden. Ohne Licht und Uhren begann sich sein Zeitgefühl zu verzerren. Stunden fühlten sich wie Minuten an, Tage verschmolzen miteinander. Siffres geistiger Zustand verschlechterte sich schnell: Er halluzinierte von Schatten und Stimmen. Er wurde paranoid – er war überzeugt, dass noch jemand anderes in der Höhle war. Irgendwann machte ihm die Einsamkeit zu schaffen, er riss die Sensoren ab und hätte die Mission beinahe abgebrochen. Er hatte sich vorgenommen, Musik zu hören und zu lesen, um die einsamen Stunden zu überbrücken. Leider führte die feuchte Umgebung in der Höhle dazu, dass seine Stereoanlage nicht richtig funktionierte und der allgegenwärtige Schimmel seine Bücher angriff. In seinem Tagebuch hielt er auch seine Gedanken und Gefühle fest. Nach anfänglicher Begeisterung wurde Siffre durch die totale Isolation deprimiert. Siffre beschrieb die Erfahrung später als „ein langsames Abgleiten in den Wahnsinn“. Er sprach mit Insekten, um Gesellschaft zu haben. Er fand Trost in seiner eigenen Stimme. Am 77. Tag konnten seine Hände „keine Perlen mehr auffädeln“, und sein Geist konnte „kaum noch Gedanken aneinanderreihen“.  Er zog einen Selbstmord in Erwägung, entschied sich aber dagegen, weil seine Eltern dann auf teuren Rechnungen sitzen geblieben wären.
Am 160. Tag sah er eine Maus. Weil er sich nach Gesellschaft sehnte, plante er, sie zu fangen, doch er tötete sie aus Versehen. „Die Verzweiflung überwältigt mich“, schrieb er.“
Das Experiment endete am 10. August nach vollen sechs Monaten, wie geplant. Er blieb noch einen weiteren Monat unter der Erde, zusammen mit seinen Kollegen, die hinabstiegen, um Tests durchzuführen. Am Ende war seine Sehkraft so geschwächt, dass er ständig schielte. Als er schließlich am 5. September aus der Höhle kam, fand er sich als veränderter Mensch wieder.
 

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Le Pen-Urteil
Türkei wirft Frankreich Doppelmoral vor

Ankara – Die Türkei hat Frankreich scharf kritisiert und vorgeworfen, bei der gerichtlichen Behandlung der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen mit zweierlei Maß zu messen. Le Pen wurde wegen Veruntreuung verurteilt und am 31. März 2025 für fünf Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Ankara nutzte die Gelegenheit, um auf die ihrer Meinung nach bestehende Heuchelei im politischen und rechtlichen System Frankreichs hinzuweisen. Ömer Çelik, Sprecher der regierenden AKP, verurteilte das Urteil in einem Interview mit dem Nachrichtensender A Haber am Montag und nannte es „ein klares Zeichen von Doppelmoral“. Çelik verwies auf die jüngste Kritik Frankreichs an der Türkei wegen der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters wegen Korruptionsvorwürfen, die der französische Präsident Emmanuel Macron als „systematische Verfolgung von Oppositionellen“ und als Angriff auf die Demokratie bezeichnet hatte. „Frankreich ist schnell dabei, andere über demokratische Prinzipien zu belehren, aber wenn es um seinen eigenen Hinterhof geht, bringt es eine wichtige politische Figur wie Le Pen mit einem sofortigen Verbot zum Schweigen“, argumentierte Çelik.
„Korruptionsermittlungen innerhalb der EU werden mit Ernsthaftigkeit behandelt, aber Frankreich erwartet Nachsicht für seine eigenen, während es Nicht-EU-Länder verurteilt.“
„Dies (die Anschuldigungen gegen Le Pen) ist wichtig, weil ihre Partei in den letzten Jahren immer stärker wurde und Le Pen Macrons größter Rivale war. Aber durch die Korruptionsermittlungen erhielt sie ein Politikverbot. Es gab in der Vergangenheit mehrere ähnliche Beispiele in der französischen Politik“, sagte Çelik und nannte Beispiele für frühere Politiker, die vor Gericht gestellt wurden, darunter Nicolas Sarkozy.
Le Pen-Urteil
Le Pen wurde am Montag von einem Pariser Gericht wegen Veruntreuung zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt – zwei Jahre auf Bewährung und zwei unter Hausarrest -, ein Urteil, das die politische Landschaft Frankreichs erschüttert hat. Das Urteil, das auch eine Geldstrafe von 100.000 Euro und ein fünfjähriges Verbot der Ausübung öffentlicher Ämter vorsieht, macht Le Pens Hoffnungen auf eine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2027 zunichte.

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Israel-Krise
Israel nennt Erdogan „antisemitischer Diktator“

Jerusalem – Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als „antisemitischen Diktator“ bezeichnet und reagierte damit auf Erdoğans  Äußerungen, in denen er die Zerstörung Israels forderte. Der scharfe Schlagabtausch, der sich am Wochenende entwickelte, markiert einen neuen Tiefpunkt in den ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei, zwei Nationen mit einer wechselhaften Geschichte. Die Kontroverse brach am Sonntag aus, als Erdoğan in einer Moschee in Istanbul erklärte:
„Wir sehen, was in Palästina geschieht. Möge Allah in seinem heiligen Namen das zionistische Israel zerstören.“
Die Äußerungen des türkischen Staatsoberhauptes, die im Zusammenhang mit den anhaltenden regionalen Spannungen wegen des Gazastreifens gemacht wurden, lösten eine sofortige und scharfe Rüge von Sa’ar aus. In einem Beitrag auf X schrieb der israelische Außenminister:
„Der Diktator Erdoğan hat sein antisemitisches Gesicht gezeigt. Er ist sowohl für die Region als auch für sein eigenes Volk gefährlich, wie die letzten Tage gezeigt haben.“
In seiner Erklärung forderte Sa’ar die NATO-Mitgliedsstaaten auf, Erdoğan als Bedrohung zu erkennen. Er verwies auf die Rolle der Türkei in der Allianz und forderte:
„Hoffen wir, dass die NATO-Mitglieder verstehen, wie gefährlich er ist, bevor es zu spät ist.“
Türkischer Vizepräsident verurteilt Sa’ar-Äußerungen 
Der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz hat die Äußerungen  Sa’ars scharf kritisiert. „Das Unbehagen und die Respektlosigkeit gegenüber unserem Präsidenten haben ihre Wurzeln in der Angst, dass die Wahrheit klar ausgesprochen wird“, schrieb Yilmaz auf X. Er betonte, dass die türkische Zivilisation nie antisemitisch gewesen sei, und forderte diejenigen, die nach Antisemitismus suchen, auf, „in die europäische Geschichte zu schauen“. „Die Ablehnung der Besatzung, des Völkermords und der ethnischen Säuberung durch die Regierung Netanjahu ist kein Antisemitismus“, sagte Yilmaz. „Im Gegenteil, die wahre Ursache für den weltweit zunehmenden Antisemitismus ist die unmenschliche Aggression der israelischen Regierung.“ Er schloss mit dem Hinweis auf das Engagement der Türkei für eine Zwei-Staaten-Lösung, die auf Gerechtigkeit und menschlichen Werten beruht. Auch Erdoğan-Sprecher fahrettin Altun kritisierte die jüngsten Äußerungen des israelischen Außenministers und sagte: „Sie haben keine Scham, nachdem sie unsägliche Terrorakte und Völkermord an unzähligen unschuldigen Zivilisten begangen haben.“ Altun forderte Sa’ar auf, „seine verachtenswerte ‚hasbara‘ besser für sich zu behalten“ und fügte hinzu, dass Ankara keine Angst verspüre und „niemals davor zurückschrecken werde, Lügnern wie ihm die Stirn zu bieten“.
„Zionistische Terrororganisation“
Erdoğan bezeichnete Israel bereits in seinen frühren Reden wegen seiner Angriffe auf den Gazastreifen und den Libanon als „zionistische Terrororganisation“ und wiederholte seine Kritik an den westlichen Mächten, insbesondere den Vereinigten Staaten, wegen der Unterstützung Israels. In seiner Rede vor der UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr zog Erdogan Parallelen zwischen dem Vorgehen Israels in Gaza und im Libanon und dem Dritten Reich der Nazis. „So wie Hitler vor 70 Jahren durch eine Allianz der Menschlichkeit gestoppt wurde, müssen Netanjahu und sein Mördernetzwerk durch eine Allianz der Menschlichkeit gestoppt werden“, sagte der türkische Präsident. „Die Befugnis der UN-Generalversammlung, die Anwendung von Gewalt zu empfehlen, sollte in Betracht gezogen werden.“

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Umfrage
Allzeithoch: AfD jetzt fast genau so stark wie CDU

Berlin – Im aktuellen Trendbarometer von RTL und ntv setzt sich der negative Umfrage-Trend für CDU und CSU fort. Die AfD liegt mit 24 Prozent (+1) nur noch knapp dahinter und erreicht ein neues Allzeithoch. 28,5 Prozent der Wähler stimmten bei der Bundestagswahl im Februar noch für die Union. Gut 3,5 Prozentpunkte hat die Union allerdings in den wenigen Wochen schon wieder eingebüßt und liegt bei der derzeitigen Trendbarometer-Umfrage nur noch bei 25 Prozent, berichtet RTL.
Laut der Forsa-Umfrage bleibt die Lage bei den anderen Parteien unverändert. Die SPD hält sich im Vergleich zur Vorwoche bei 15 Prozent, die Grünen bei 12 Prozent und die Linke bei 10 Prozent. Auch bei der FDP und dem BSW gibt es mit jeweils 4 Prozent keine Veränderung.
Der Anteil der Unentschlossenen und Nichtwähler beträgt 20 Prozent – ein Wert, der leicht über dem der letzten Bundestagswahl liegt, als er bei 17,9 Prozent lag.
CDU-Chef und Kanzlerkandidat Friedrich Merz verliert derweil an Vertrauen. Nur noch 28 Prozent der Befragten halten ihn für vertrauenswürdig, während 70 Prozent anderer Meinung sind.
Anfang Dezember 2024 waren die Zahlen noch positiver: Damals sprachen ihm 36 Prozent Vertrauen zu, 60 Prozent nicht. Regional zeigt sich ein Unterschied: Im Westen finden 30 Prozent Merz vertrauenswürdig, im Osten sind es lediglich 16 Prozent.
Hintergrund des knappen Rennens könnten die anhaltenden Debatten um Themen wie Migration und wirtschaftliche Unsicherheiten sein, die die AfD in den vergangenen Monaten für sich zu nutzen wusste. Die Union hingegen scheint trotz ihrer Führung in den Umfragen an Zustimmung zu verlieren – ein Trend, der sich bereits in früheren Erhebungen abzeichnete. So lag der Vorsprung der CDU/CSU im März laut Forsa noch bei drei Prozentpunkten (26 % zu 23 %).
Die weiteren Parteien im Bundestag zeigen gemischte Entwicklungen: Die SPD liegt bei 15 Prozent (plus ein Prozentpunkt), die Grünen bleiben stabil bei 12 Prozent, und die Linke verliert einen Prozentpunkt auf 10 Prozent. FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erreichen mit 4 bzw. 3 Prozent weiterhin nicht die Fünf-Prozent-Hürde.

Hip-Hop
Türkei: En Derin arbeitet mit US-Rap-Legende RBX zusammen

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Istanbul – En Derin, einer der bekanntesten Namen der türkischen Rap-Szene, hat seinen Song „Heatmizer 2“ mit der amerikanischen Rap-Legende RBX veröffentlicht. Diese Zusammenarbeit bringt die Stile der Westküste und des türkischen Raps zusammen. RBX ist einer der etablierten Namen in der amerikanischen Rap-Musik und hat auf wichtigen Alben wie Dr. Dre’s The Chronic, Snoop Dogg’s Doggystyle und Eminem’s The Marshall Mathers LP mitgewirkt. RBX trug zu sechs Songs auf Dr. Dre’s bahnbrechendem Soloalbum The Chronic aus dem Jahr 1992 bei. Seine tiefe, dröhnende Stimme ist in Songs wie „High Powered“, „Stranded On Death Row“ und „Lyrical Gangbang“ zu hören. Außerdem schrieb er den Song „Let Me Ride“ und einige andere.
Derin Çağ aka En Derin
En Derin wurde 1989 als Derin Çağ in Nordzypern geboren und ist heute ein international anerkannter türkischer Rap-Künstler. Seine Lebensgeschichte ist ebenso bemerkenswert wie seine Musik. En Derin, der sowohl in Zypern als auch in London auf der Straße aufwuchs, hat eine Künstleridentität geschaffen, die seine Jugend unter schwierigen Bedingungen in seiner Musik widerspiegelt. En Derin lebte in London in den harten Wohnblocks, die in Netflix-Serien wie Top Boy dargestellt werden, und hat das wahre Leben in diesen Vierteln kennengelernt. Das Aufwachsen in dieser rauen Umgebung während seiner Teenagerzeit hat seiner Musik sowohl eine tiefe Straßenkultur als auch eine authentische Erzählung verliehen. Indem er diese Erfahrungen geschickt auf seine Musik überträgt, ist En Derin seinen Wurzeln treu geblieben und hat sich einen festen Platz in der internationalen Szene erobert. Neben seiner eigenen Musik engagiert sich En Derin auch für die Förderung aufstrebender Künstler. Er hat eine Schlüsselrolle dabei gespielt, mehreren türkischen Rappern – die inzwischen mehr als 100 Millionen Streams erreicht haben – zu helfen, ihre Karriere zu starten, indem er ihre ersten Beats produzierte. Für ihn ist Talent wichtig, aber der Charakter zählt noch mehr. Er glaubt an das Karma: Was man in die Welt setzt, kommt zurück. Disziplin, Entschlossenheit und Authentizität sind Eigenschaften, die er bei Künstlern schätzt, so Derin in einem Interview mit dem Fachportal Magazonsortie. Derin: „Sowohl in der Türkei als auch weltweit ist der Hip-Hop zunächst als Stimme der Unterdrückten aufgetreten. Die Rapper verteidigten die Rechte der Menschen und waren ihre Stimme. Heute jedoch machen einige Künstler, vor allem in der Türkei, Lieder, die Materialismus und moralische Werte herabsetzen. Trotzdem glaube ich, dass der Hip-Hop mit der Zeit wieder zu seiner Essenz zurückkehren wird: Bewusstere Künstler werden in den Vordergrund treten, und die Musik wird wieder zu einem kraftvollen Ausdrucksmittel. Die größte Herausforderung für junge Talente besteht darin, ihre eigene Identität zu bewahren und sich nicht von Trends vereinnahmen zu lassen. Gleichzeitig bieten sich aber auch große Chancen für diejenigen, die wirklich authentisch sind, denn auf lange Sicht sind die wahren Künstler immer die Gewinner.“  

Türkei
Türkischer Pikachu meldet sich zu Wort

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Istanbul – Die Straßen Türkei verwandelten sich in eine unerwartete dramatische Szene aus Pokemon Go, als die Bereitschaftspolizei während der Massenproteste gegen die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoglu ein lebensgroßes Pikachu jagte. Als Tausende von Demonstranten in der Türkei auf die Straße gingen, um die ihrer Meinung nach politische Verfolgung anzuprangern, sah man in Antalya einen als Pikachu verkleideten Aktivisten neben der Menge marschieren. Doch als die Behörden mit Wasserwerfern anrückten, gelang dem kostümierten Demonstranten eine dramatische Flucht – eine Szene, die seitdem das Internet im Sturm erobert hat. Die Aufnahmen des kostümierten Demonstranten, der durch die Straßen flüchtet, haben sich viral verbreitet, wurden alleine auf X über neun Millionen Mal aufgerufen und lösten eine Welle von Reaktionen im Internet aus. Nach den Protestaktionen machte er sogar Erinnerungsfotos mit den Polizisten. Nun wurde die Identität des lustigen Demonstranten bekannt. Bei dem jungen Mann handelt es sich um den in Antalya lebenden  Hasan Taşkan. „Ich bin auf diese Idee gekommen, weil die Ereignisse in unserem Land so angespannt sind. Ich bin gekommen, um meine Freunde zu unterstützen, um ihre Anspannung ein wenig zu lindern. Ich bin glücklich, wenn ich unsere Bürger ein wenig zum Lächeln bringen kann“, sagte Taşkan.
Türkischer Pikachu in den Weltmedien
Die New York Post titelte: „Als Pikachu verkleideter Demonstrant schließt sich Massendemonstrationen in der Türkei wegen der Verhaftung von Imamoglu an“. Washington Post; „Beobachten Sie, wie ein Demonstrant im aufblasbaren Pikachu-Kostüm vor der türkischen Polizei flieht“, Indian Today: „Pikachu schließt sich Anti-Erdogan-Protesten in der Türkei an und entkommt der Polizei“ The Daily Guardian; „Pikachu schließt sich dem Protest an“  

Gastkommentar
Kommentar: Imamoglu und das Chaos namens CHP

Ein Gastkommentar von Can Ünal Letztes Wochenende bin ich aus privaten Gründen nach Istanbul geflogen und habe somit die von mir schon 2020 prophezeite Verhaftung des Istanbuler Obermeisters Ekrem Imamoglu vor Ort mitbekommen und natürlich auch die Demos.
Was war passiert?
Schon seit Jahren murmelten nicht nur Gegner, sondern eigene CHP -Parteigenossen von Ekrem Imamoglu, dass ein Netzwerk von Buddies und Imamoglu selbst die Stadtkasse von Istanbul plündert und das in einem nie gekannten Ausmaß. Insbesondere die Informationen und Zeugen der eigenen Partei CHP wurden dann Imamoglu und seinem Netzwerk zum Verhängnis. Videoaufnahmen mit regelrechten Türmen aus Banknoten, Rechnungen für Autoleasings von 50.000€ pro Monat und pro Auto (!) und sogar der Verkauf von persönlichen Daten der Istanbuler an eine Datamining-Firma in UK waren Anlaß genug für eine Anklage und letztendlich für den U-Haft von Imamoglu und 50 seiner engsten Buddies. Ach ja, ich muss erwähnen, dass sein Uniabschluss kurz davor aberkannt wurde. Denn um der erwarteten Strafverfolgung zu entgehen, diktierte dieser Mann seiner CHP Parteiführung sage und schreibe 3.5 Jahre vor der nächsten Wahl, ihn als Präsidentschaftskandidaten der CHP aufzustellen – in der Hoffnung, dadurch sich den Strafbehörden zu entziehen. Dumm nur, dass man für eine Präsidentschaftskandidatur einen Uni-Abschluss benötigt, den die CHP selbst in der Verfassung verankern ließ. Und die Gerüchte, dass zwar sein Uni-Abschluss in englischsprachiger BWL an der Uni Istanbul korrekt ist, aber seine Zugang zu dieser Uni erkauft und mit falschen Belegen belegt wurde, bewahrheiteten sich und führten zu der Aberkennung des Uni-Abschlusses. Somit steht dieser billige Camorra-Verschnitt eines Mafia-Paten vor einem Scherbenhaufen seiner dreisten und skrupellosen Machenschaften. Und was macht die von Atatürk gegründete CHP? Man macht Jagd auf die eigenen „Maulwürfe“ und „Nestbeschmutzer“ die als Zeugen der Staatsanwaltschaft auftraten und ruft als Hauptoppositionspartei zum Strassenkampf auf. Der aktuelle CHP Vorsitzende jammert erst bei CNN, dann beim BBC und aktuell bei der Deutschen Welle über die unzureichende Solidarität des Westens und ruft zum Eingreifen der „befreundeten Staaten“ auf – ein einmaliger Vorgang in der skandalreichen türkischen Politik. Die Weltpolitik hat aktuell andere Sorgen als einen fragwürdigen und korrupten Istanbuler OB zu retten – einzige Ausnahme: Deutschland Die hiesigen Medien und Politik haben wieder ihr Lieblingsthema „der böse Erdogan“ und einige der sog. „Analysen“ von irgendwelchen möchtegern-Türkei Experten ist so hanebüchen, dass man nur noch über soviel Ahnungslosigkeit den Kopf schütteln kann. Eigene Cumex-Skandale mit einem Schaden von zig Milliarden € oder Stuttgart 21 (was vor 4 Jahren fertig sein sollte und immer noch gebaut und anstatt 2 Mrd. € auf knapp 12 Mrd. € kosten soll) werden wie BER, und andere fragwürdige Großprojekte achselzuckend hingenommen. Aber hey, wenn die USA sich in den deutschen Wahlkamp einmischt, jammert man rum aber insbesondere SPD, Grüne, Linke können und dürfen aktiv sich in die Geschehnisse anderer Länder einmischen.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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US-Zölle
Marktreaktion zu US-Zöllen auf europäische Autos

Von Howard Woodward Marktstimmung: Der Markt war zwar in gewisser Weise auf zusätzliche Zölle vorbereitet, doch der Zeitpunkt und das Ausmaß waren unerwartet. Dies verschlechtert die ohnehin schon schwache Stimmung der europäischen Verbraucher für hochpreisige Autos. Wir gehen davon aus, dass die Margen der europäischen Autohersteller in diesem Jahr und wahrscheinlich bis 2026 unter Druck bleiben werden. Marktpositionierung: Nicht alle europäischen Autoanleihen werden gleichermaßen betroffen sein. Es wird erwartet, dass deutsche Hersteller, die in hohem Maße von US-Exporten abhängig sind, von Anlegern genauer unter die Lupe genommen werden. Im Gegensatz dazu könnten Unternehmen, die weniger vom US-Markt abhängig sind, Investitionsmöglichkeiten bieten. Wir rechnen mit einer zunehmenden Divergenz in der Performance einzelner europäischer Autoanleihen. Zusätzliche Herausforderungen: Diese Zölle müssen im breiteren Kontext der bestehenden Herausforderungen im Automobilsektor betrachtet werden. Chinesische Hersteller mischen den Markt mit niedrigen Preisen und fortschrittlichen Technologien auf, um im Ausland zu expandieren. Darüber hinaus stehen europäische Hersteller aufgrund der verhaltenen Verbrauchernachfrage, des Preisdrucks, der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen und der strengen EU-Emissionsvorschriften unter Margendruck. Technische Positionierung: Eine interessante Dynamik, die es zu beobachten gilt, ist das Emissionsvolumen der US-amerikanischen Autohersteller auf dem Euro-Anleihemarkt. Es bleibt abzuwarten, ob Investoren von europäischen Autoanleihen zu in Euro ausgegebenen US-amerikanischen Autoanleihen wechseln und ihr Engagement im Automobilsektor beibehalten werden. Dies könnte US-Unternehmen zugutekommen, die auf den EUR- und GBP-Märkten emittieren.
Howard Woodward, Portfolio Manager bei T. Rowe Price          

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Gastkommentar
Imamoglu-Verhaftung: Was hätte Erdogan von diesem Chaos?

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Die Parteizentrale der Türkischen Republikanischen Volkspartei (CHP) spricht in der Türkei von einem Putsch des amtierenden Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gegen den ‚Präsidentschaftskandidaten‘ Ekrem İmamoğlu. Die Ableger der CHP in europäischen Hauptstädten blasen ins selbe Horn, veranstalten hierfür Demonstrationen und mobilisieren dabei deutsche Parteien, Partnerstädte sowie den Deutschen Städtetag. Gleichzeitig berichtet die europäische Presse mit großem Interesse von einem ‚Rivalen‘, der von Erdoğan abgesägt worden sei. Der Vorsitzende der CHP, Özgür Özel, tritt im US-amerikanischen TV-Sender CNN auf und beschwert sich derweil über die unhaltbaren Zustände in der Türkei, schießt anschließend im britischen TV-Sender BBC gegen Premierminister Keir Starmer, der sich in Zusammenhang mit der Inhaftierung İmamoğlus bislang bedeckt halte und stimmt im eigenen Land die Massen darauf ein, doch bitteschön die eigene Regierung in die Knie zu zwingen. Wie fing denn alles an? Da die Informationsflut immens ist, befassen wir uns nur mit den offiziellen Statements der Generalstaatsanwaltschaften von Istanbul und Ankara, ziehen dabei Presseberichte sowie Talkshows der unzähligen türkischen TV-Kanäle heran, in der Journalisten, Politiker und Experten zu Wort kommen – ja auch Oppositionelle, lassen uns dabei aber von sozialen Medien nicht wirklich beeinflussen. Die Eckpunkte der Ermittlungen gegen zahlreiche Bürgermeister, Bedienstete, freie Mitarbeiter von Stadtgemeinden oder Städten, gegenüber städtischen wie privaten Unternehmen sowie deren Angestellte sind einerseits die Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe im Amt und andererseits die Wählerbestechung. Die Wählerbestechung bezieht sich dabei auf den 38. Parteitag der CHP (4-6. März 2023), bei der der amtierende Vorsitzende der CHP, Kemal Kılıçdaroğlu, von Özgür Özel gestürzt wurde. Was löste denn die Ermittlungen aus, dass dazu führte, dass bislang mehrere Dutzend Personen, darunter auch Ekrem İmamoğlu, in Polizeigewahrsam genommen, vor den Haftrichter geführt und in Untersuchungshaft genommen wurden? In der Istanbuler Stadtgemeinde Beşiktaş wurde der Bürgermeister Rıza Akpolat Mitte Januar dieses Jahres zusammen mit dem Unternehmer Aziz İhsan Aktaş verhaftet. Laut dem oppositionellen Journalisten Fatih Altaylı wurde Akpolat von der Generalstaatsanwaltschaft von Istanbul Strafmilderung in Aussicht gestellt, wenn er geständig ist. Demnach soll Akpolat dieses Angebot auch angenommen und ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Inzwischen geht man davon aus, dass diese Angebote auch dem einen oder anderen Inhaftierten vorgelegt wurden. In diesem Zusammenhang muss man erwähnen, dass zu diesem Zeitpunkt der CHP-Delegierte von Izmir, Hatip Karaaslan, juristisch gegen den 38. Parteitag der CHP in Bezug zu Bestechung der Delegierten zur Wahl des Parteivorsitzenden im November 2023 vorangegangen war. Dabei belastete Karaaslan auch weitere Delegierte und Mitglieder der CHP aus der Stadt Izmir und Mardin. Karaaslan hatte in seiner Klageschrift behauptet, dass die beschuldigten Delegierten und Mitglieder ihm einerseits ein Treffen mit Ekrem İmamoğlu aufgedrängt hätten, anderseits 1 Millionen Lira für ihn sowie 300.000 Lira für jeden Delegierten in seinem Umfeld angeboten hätten, der in der Wahl des neuen Vorsitzenden für Özgür Özel abstimmt. In seiner Aussage belastete Karaaslan auch Aziz İhsan Aktaş, also jenen, der ja in Zusammenhang mit der Stadtgemeinde Beşiktaş in Haft sitzt. Aktaş soll die Bestechungsgelder – zumindest für die Delegierten in Izmir – in Koordination mit Ekrem İmamoğlu, finanziert haben. Dann ging es Schlag auf Schlag. Der Bürgermeister der Istanbuler Stadtgemeinde Beykoz, Alaattin Köseler (CHP), wurde vor 3 Wochen wegen Vorteilsnahme, Vorteilsgewährung und Bestechlichkeit in Polizeigewahrsam und noch in derselben Woche in Untersuchungshaft genommen. Begründet wurde das Ermittlungsverfahren mit einem Zeugen, der aus demselben Stadtgemeinderat stammt und laut der Generalstaatsanwaltschaft Parteikollege von Köseler sein soll. Der Zeuge soll gleichzeitig der Anzeigenerstatter bei der Generalstaatsanwaltschaft von Istanbul sein. Die Geschichte wiederholte sich in gewissen Zeitabständen auch in der Stadtgemeinde Beylikdüzü in Zusammenhang mit dem Bürgermeister Mehmet Murat Çalık, dem Bürgermeister von Şişli, Resul Emrah Şahan, dem stellvertretendem Generalsekretär der Großstadt Istanbul, Mahir Polat, dem Medienberater der Istanbuler Stadtverwaltung Murat Ongun, und zuletzt von der Generalstaatsanwaltschaft als Kopf dieses „Syndikats“ gehandelt, der Oberbürgermeister der Stadt Istanbul, Ekrem İmamoğlu, sowie weiteren Vertretern von Dienstleistungsunternehmen unter dem Dach der Stadtverwaltung Istanbul und privaten Unternehmen – darunter die Baufirma der Familie İmamoğlu. Seitdem kocht die Gerüchteküche, werden in TV und sozialen Medien Aussagen der Beschuldigten rauf und runterrezitiert. Es werden mutmaßliche Audiomitschnitte breitgetreten, Verhörprotokolle in Teilen veröffentlicht oder Videoaufnahmen von Bestechungshandlungen im Amt aus vereinzelten Bürgermeisterämtern geteilt, deren Verifizierung noch aussteht. Was nicht geleugnet werden kann und ebenfalls großen Einfluss auf die Ermittlungen gegen Ekrem İmamoğlu hatte, ist der sogenannte „Geld-Türme“-Skandal, bei der u.a. der Direktor des städtischen Istanbuler Sportvereins IBB, Fatih Keleş, involviert ist. In einer Videoaufnahme, die mutmaßlich aus einer Überwachungskamera in einem Büro eines CHP-Mitglieds stammen, tragen Keleş und weitere Personen mehrere große Sporttaschen mit gebündelten türkischen Geldscheinen sowie Fremdwährungen in die Büroräume, entleeren diese, zählen die Geldbündel von Scheinen, türmem sie auf und packen diese wieder ein. Der Skandal sorgte vergangenes Jahr für Furore. Gegen die mediale Anschuldigung gegenüber der CHP in Istanbul hatte die Partei lediglich den Einwand, mit dem Geld eine Immobilie für die Partei selbst finanziert zu haben. Deshalb steht nun im Raum, die Partei habe am Fiskus vorbei eine Immobilie erworben und dabei den Verkäufer bevorteilt. Diese Vorfälle und vor allem der 38. Parteitag, mit dem Kılıçdaroğlu gestürzt und Özel mit İmamoğlu im Hintergrund die Macht der Partei an sich gerissen hatten, ist seither Gegenstand der juristischen Auseinandersetzung. Von Seiten des Kılıçdaroğlu-Lagers wird dem Duo İmamoğlu-Özel seit längerem Bestechung der Delegierten vorgeworfen, wenngleich Kemal Kılıçdaroğlu sich gegenwärtig bedeckt hält. Auch das ist übrigens Teil der staatsanwaltschaftlichen Vorwürfe gegen İmamoğlu, die aus Ankara heraus betrieben wird. Sollen doch laut den Vorwürfen von etlichen Zeugenaussagen 1.200 recht teure Markenhandys von den Konten des hauseigenen Istanbuler städtischen Marketingunternehmens Medya A.Ş. bezahlt und an Delegierte verteilt worden sein, nebst einer ganzen Reihe anderer Zuwendungen, u.a. teurer Reisen. In diesem Zusammenhang ist die besonders skurrile Aussage eines Delegierten vielsagend, der sich darüber beschwert habe, dass ihm „nur“ 5.000 Dollar geboten worden sei, Delegierter X aber 10.000 Dollar erhalten habe. Mitten in den Ermittlungen, den Inhaftierungen, der anschließenden Absetzungen von Bürgermeistern, der Neubesetzung der Ämter durch Abstimmungen in Stadträten, preschte der Parteivorsitzende Özgür Özel mit dem Aufruf zum Parteitag vor, um wohl einer richterlichen Annullierung des vorigen Parteitags zuvorzukommen. Dieser ist für den 6. April anberaumt, um wohl einerseits die Ergebnisse von damals zu zementieren, andererseits die Wahl von Ekrem İmamoğlu zum Präsidentschaftskandidaten (2028) erneut von den Delegierten bestätigen zu lassen. Gegen diesen jüngst anberaumten Parteitag wird seit gestern aber ebenfalls geklagt – bei gleich 3 Verwaltungsgerichten hat der ehemalige CHP-Bürgermeister von Hatay Lütfü Savaş mit zwei weiteren Delegierten, der im Vorfeld der letzten Kommunalwahlen vom Duo İmamoğlu-Özel aus der Partei entfernt wurde, Klage eingereicht.
Kılıçdaroğlu bereitet sein Comeback vor
Derweil bereitet Kemal Kılıçdaroğlu sein Comeback vor, würde eine etwaige Annullierung des 38. Parteitags doch automatisch seine damalige Abwahl unwirksam machen, der anvisierte neue Parteitag obsolet und somit das Duo entmachtet. Für einen komplett Außenstehenden sind manche Namen nichtssagend, gibt es sehr verwirrende Details, ist der Bezug aufgrund der europäischen Berichterstattung wohl lediglich auf İmamoğlus „unrechtsstaatliche“ Inhaftierung beschränkt. Aber, im Detail und Umfang betrachtet, befindet sich die CHP seit dem 38. Parteitag in einem geradezu jämmerlichen Zustand, hat sich die Partei über Wochen in gegenseitigen Intrigen, Macht- und Ränkespielen teils öffentlich, teils im Verborgenen selbst aufgerieben.
Delegierte und Mitglieder gehen gegen CHP vor
Wenngleich gegenwärtig Stärke und Einheit suggeriert wird, so finden sich immer mehr Delegierte und Mitglieder ein, die gegen die eigene Partei in sozialen Medien, TV und Rundfunk schießen, deren großer Teil sogar juristisch vorgeht, Anzeige erstattet oder sich als Zeuge, gar ins Zeugenschutzprogramm begibt und zur Verfügung stellt.
Die Dynamik innerhalb der Partei war zuletzt so, dass İmamoğlu als schwächerer Kandidat den aussichtsreicheren derzeitigen Oberbürgermeister Mansur Yavaş (CHP) praktisch verdrängt hatte.
Es gab ja sogar schon erste Spekulationen darüber, ob Yavaş die CHP verlässt und bis 2028 seine eigene Partei aufbaut. Hierzu gab der oppositionelle Intellektuelle und Journalist Yılmaz Özdil zum CHP-internen Machtkampf um die nächste Präsidentschaftskandidatur jüngst auf YouTube eine ausführliche Meinung wieder.
Was hätte Erdoğan von diesem Chaos?
Der gesunde Menschenverstand würde sich daher zuerst fragen: was hätte Erdoğan bei diesem Chaos davon, gegen einen İmamoğlu vorzugehen? Wohlgemerkt: gegen den schwächeren der beiden möglichen CHP-Kandidaten? Mit Blick auf eine Wahl, die erst in 3,5 Jahren ansteht. Mit dem Ergebnis, dass die so heillos zerstrittene Partei zunächst einmal die Reihen geschlossen hat. Selbst Kılıçdaroğlu vergießt fleißig Krokodilstränen um İmamoğlu. Zudem wirkt die Spitze der Partei, allen voran Özgür Özel, getrieben zu werden, von den vergangenen und aktuellen Geschehnissen, schießt er doch derzeit nicht nur im Inland, sondern und vor allem auch im Ausland gegen Erdoğan. Und nicht nur das: er ruft zu einem generalstabsmäßig geplanten Boykott gegen türkische Konzerne, Unternehmen und Medien auf, die angeblich für Erdoğan arbeiten würden – wohlgemerkt, eine sozialistische Partei, die sich vorrangig um Arbeiterklassen bemüht zeigt, die in diesen Konzernen, Unternehmen selbst beschäftigt sind. Am nächsten Tag wird dann die Boykott-Liste in einer Kehrtwende wieder drastisch verkürzt, als wäre es reine Makulatur. Dann wirft Özel während einer Standpauke dem Wirtschaftsminister Mehmet Şimşek vor, diesen Putsch mitfinanziert und dabei Milliarden von Steuergeldern verpulvert zu haben, wirft dem türkischen Nachrichtendienst MIT während der Dauerkundgebung vor der Istanbuler Parteizentrale vor, diesen Machtkampf gegen die CHP zu unterstützen, während gewaltbereite Gruppierungen der Linken und kommunistischen Szene von den Reden und Handlungen zahlreicher CHP-Abgeordneter aufgewiegelt, Polizei und Hundertschaften mit Pflastersteinen, Säure, Äxten und Messern attackieren und städtisches Eigentum beschädigen. Wenn man Erdoğan für skrupellos hält, dann doch bitte nicht auch noch für dämlich. Sein Wirtschaftsminister hatte es doch in mühseliger Arbeit gerade geschafft, dass sich die Währung stabilisiert, die Inflation langsam sinkt. Die Wirtschaft brummt, trotz der noch gegenwärtig hohen Inflation, auch weil an allen Stellgliedern fein justiert vorgegangen wird, um das labile Gefüge aufrechtzuerhalten, wenn nicht gar positiver zu stimmen und die Stimmung im Land zu verbessern, wovon er am meisten ja nötig hat. Und mittendrin soll Erdoğan einen schwachen İmamoğlu absägen, 3,5 Jahre vor der eigentlichen offiziellen Präsidentschaftswahl, und dabei das labile Gefüge der Wirtschaft riskieren?
İmamoğlus Inhaftierung ist aller Wahrscheinlichkeit Folge eines innerparteilichen Machtkampfes der CHP
İmamoğlus Inhaftierung ist aller Wahrscheinlichkeit Folge eines innerparteilichen Machtkampfes der CHP, aus dessen Dynamik heraus ausgerechnet eigene Delegierte, Bürgermeister und womöglich auch Abgeordnete, eigenständig und im freien Willen Anzeigen und Beweismittel den Strafverfolgungsbehörden lieferten, ja deshalb seither die Annullierung des 38. Parteitags anstrengten. Da stellt sich automatisch die Frage: welche Theorie würde hier wohl eher zutreffen? Özgür Özel scheint kopflos zu wirken, zumal er auch noch fahrlässig genau das bedient, worüber die türkische Bevölkerung nach den Balkankriegen und dem Ersten Weltkrieg nicht wirklich hinweggekommen ist: nach dem Zusammenbruch der osmanischen Regierung wurde 1920 der Vertrag von Sèvres unterzeichnet. Dieser Vertrag teilte einen Großteil des Gebiets der heutigen Türkei unter den Entente-Mächten auf. Das Trauma des Vertrags von Sèvres wird just von Özel wiedererweckt, bedient er doch dies, in dem er sich in CNN und BBC über den türkischen Staat beschwert, ja sogar scharf angeht, dem britischen Premier die Leviten liest und seine Vertreter im Ausland einstimmt. Özgür Özel mobilisiert seine Parteiableger im Ausland, damit diese im Ausland Demonstrationen organisieren, die politischen Akteure dieser Länder um Aufmerksamkeit und um Intervention bitten und somit direkt in die Politik und damit dem Volkswillen eingreifen. Die Frage lautet daher: was treibt Özel eigentlich tatsächlich an, genau das zu tun, was die türkische Bevölkerung so gar nicht abhaben kann?
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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