Kommentar
Türkei-Krise: Es geht um viel Geld

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Frankreich kommt einem Land zu Hilfe, das an der Wand steht und glaubt, von der Türkei bedroht zu werden: Griechenland. Griechenland selbst hat 101 sowjetische BMP-1 Schützenpanzer, die sie von Deutschland erhalten hat, an den ägyptischen Diktator al-Sisi verkauft. Diese werden vermutlich in Libyen eingesetzt und damit auch das Embargo gebrochen; durch Deutschland selbst. Paris will Athen Fregatten aufschwatzen Nun zu der ersten Frage, warum Paris, während sie ihre Fregatten in die Badewanne südlich von Europa einsetzt, mit Athen in erneute Verhandlungen um den Kauf von Fregatten der neuen BELH@RRA-Klasse getreten ist. Offenbar bieten die Franzosen den Griechen diesmal zum „Schnäppchenpreis“ Fregatten an, die wiederum derzeit Streß mit den Türken in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer haben. Die Griechen haben zudem eine viel kleinere und veraltete Flotte in der Ägäis, aber auch im östlichen Mittelmeer, während die Türken ihre Flotte erneuert und modernisiert und damit eine schlagkräftige Marine haben. Das heißt, Paris hat alle Trümpfe in der Hand, um für viel Geld Waffen an Athen zu verkaufen, die erst in einigen Jahren ein griechisches Marinehafen anlaufen werden können. Um den Deal perfekt zu machen, bietet es sich für den Verkäufer an, auf den Nutzen des Kaufs hinzuweisen und dabei auch noch unverhofft Hilfe gegen den „Aggressor“ Türkei anzudeuten. Das bedeutet, dass die anfängliche, von griechischen Medien gepflegte Euphorie, dass die Franzosen mit einer modernen Flotte Griechenland gegen die Türkei zur Hilfe eilen, bald der Nüchternheit weichen könnte, wenn die Preise weiterhin horrend sind oder der Vertrag ein Knebelvertrag wird und die Griechen diese Lunte riechen. Doch, die griechischen Medien stimmen das Volk weiterhin ein, sich gegen die Türken zu wappnen und zu bewaffnen. Ob nun diplomatisch mit Hilfe der EU oder durch Kauf von modernen Waffen, um sich gegen die „Aggressoren“ zur Wehr zu setzen. Es gibt aber ein Problem: Auch Washington will Athen Fregatten aufbinden. Nun stehen sich zwei mächtige Verkäufer gegenüber, die einen in bedrängnis geratenen Käufer zur Hilfe eilen, bzw. vorgeben das zu tun. Man kann sich schon jetzt ausmalen, wie dieses Geschäft am Ende ausgeht. Deutsche BMP-1 brechen das EU-Waffenembargo Ein anderes Geschäft bringt jetzt die Bundesregierung in Erklärungsnot. 1994, nach der Wiedervereinigung, erhielt Athen von Berlin insgesamt 501 robuste sowjetische BMP-1 Schützenpanzer aus dem Bestand der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR. Davon verkaufte Griechenland offenbar 101 an Ägypten weiter. In der Vergangenheit hatte die Athener Regierung bei ähnlichen Deals vorab in Deutschland um eine Genehmigung gebeten. Ob bei diesem Deal mit 101 BMP-1 Schützenpanzer ebenfalls eine deutsche Genehmigung eingeholt wurde, das steht nun im Raum. Man darf dahingehend gespannt sein, zumal die Bundesregierung behauptet, es wäre viel Zeit vergangenen. Der Deal zwischen Griechenland und Ägypten ist aber nicht so lange her. September 2016 soll laut arabischen Quellen der Vertrag zwischen Athen und Diktator al-Sisi zustande gekommen sein. Mit diesem Vertrag wurde auch eine Modernisierung der Schützenpanzer vereinbart. Demnach soll im August 2019 eine weitere Vereinbarung getroffen worden sein, 92 BMP-1 Schützenpanzer innerhalb von 26 Monaten zu modernisieren und sie von Infanterie-Schützenpanzer auf Panzermörser umzurüsten. Das ganze Prozedere fand offenbar auch öffentlich statt, denn das griechische Beschaffungsamt (GDDIA – General Directorate for Defense Investments and Armements) hatte diese Vereinbarung samt Ausfuhrgenehmigung Online veröffentlicht, dann aber aus dem Netz genommen, so die arabischsprachigen Medien. Die GDDIA bezeichnete diesen Vorgang laut dieser Meldung als irrtümliches veröffentlichen von internen Dokumenten. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, in welchen Krisenherden diese Kampfpanzer nun eingesetzt werden können oder gar schon eingesetzt werden: Libyen. Da trifft man sich wieder: Türkei. Die Türkei hat sich offenbar zu einem Verkaufsmagneten entwickelt, wo viel Geld im Spiel ist.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Gleichwie auch Weltkrisen der Vergangenheit – wie etwa die Spanische Grippe Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit fast 50 Millionen Toten – hat auch die Corona-Pandemie die skurrilsten Fantastereien und Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht.

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Gölcük-Erdbeben
21 Jahre nach Mega-Erdbeben: Die Türkei ist nicht bereit

Istanbul – Heute jährt sich das folgenschwere Erdbeben von Gölcük zum 21. Mal. Am 17. August 1999 erschütterte ein schweres Beben den Nordwesten der Türkei. Innerhalb kurzer Zeit starben über 18.000 Menschen. Etwa 300.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Eine halbe Million Menschen wurden obdachlos. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,4 lag ein paar Kilometer außerhalb von Gölcük bei Izmit und etwa 90 Kilometer von Istanbul entfernt. Auch heute ist die Gefahr eines neuen Bebens allgegenwärtig. Ein ähnliches Erdbeben mit einem Epizentrum direkt in Istanbul würde die Millionenmetropole sehr schwer treffen. Derzeit leben in der Stadt mehr als 15 Millionen Menschen. Ein Megaerdbeben würde zu schweren Schäden in Istanbul führen Fachleute warnen schon seit Jahren vor einem Megaerdbeben in Istanbul. „Nicht nur Istanbul, die ganze Türkei ist nicht bereit“, sagte Prof. Dr. Hasan Sözbilir, Erdbebenforscher der Dokuz Eylül Universität in Izmir bei einer Erdbeben-Konferenz in der westtürkischen Stadt Manisa. Auch Geophysiker Dr. Savaş Karabulut warnte vor einem bevorstehenden Erdbeben. Die Regierung investiere nicht ausreichend in notwendige Schutzmaßnahmen. „Mega-Projekte“ würden keine Menschenleben retten. Istanbul-Erdbeben kommt näher Der französische Geophysiker Xavier Le Pichon, ein Forscher, der sich in den letzten 18 Jahren auf die Störungszone des Marmara-Meers konzentriert hat, warnte in Gesprächen mit türkischen Medien vor einem potenziellen Erdbeben mit einer Stärke von 7.6, das langsam auf Istanbul zukommen könnte. „Auf Grund politischer Unruhen und regionaler Konflikte wird es nicht weiter wahrgenommen, aber das Erdbeben wird eine Wirkung auf Istanbul haben und es kommt näher”, erklärte der Forscher. Le Pichon bezieht sich in seiner Analyse auf Datenmaterial, das ihm das französische Forschungsschiff Le Suroit 2016 überlassen hatte. Das Schiff war 1999 nach dem Erdbeben von Gölcük in die Türkei gekommen. “Le Suroit hatte 2016 einen Artikel veröffentlicht, in dem es um die Entdeckung eines potenziellen Erdbebens ging”, so Le Pichon. “Die Marmara-Störungslinie, die ein Erdbeben herbeiführen wird, wird von türkischen Seismologen als ein einheitliches, durchlaufendes Blattverschiebungssystem beschrieben.” Le Pichon erklärt, man habe 1999 bemerkt, wir die nordanatolische Störungslinie sich der Provinz Marmara genähert und auf ein einheitliche Linie zugelaufen sei. “Wir beobachteten, dass die Geschwindigkeit der Fortbewegung bei 20 Millimetern jährlich liegt und fanden heraus, dass der letzte Riss in dieser Linie nach zwei größeren Erdbeben des Jahres 1766 in Istanbul aufgetreten war. Wir haben auch herausgefunden, dass es in den nächsten 30 Jahren ein Erdbeben der Stärke 7.6 geben wird”, warnte der Forscher.

Musik
„Osmanen-Fan“: US-Rapperin Cardi B möchte in die Türkei

New York – Die international erfolgreiche US-Rapperin Cardi B hat ihren Wunsch geäußert in die Türkei reisen zu wollen. Wie sie wiederholt auf Instagram mitteilte, ist sie ein großer Fan der weltweit beliebten türkischen Historie-Serie Muhtesem Yüzyil (das großartige Jahrhundert) und wünscht sich in die Türkei zu reisen um alle die historischen Orte aus der Serie besuchen zu können. Die 27-Jährige scheint eine Manie für das Osmanische Reich entwickelt zu haben. Die Sängerin, die oft in sozialen Medien über türkische Fernsehserien spricht, erwähnte während einer Live-Sendung auf Instagram mit ihrem Mann Offset ihren Wunsch für eine Reise in die Türkei und bekundete ihr Interesse an der osmanischen Geschichte. „Ich möchte in die Türkei gehen, weil ich sehr vom Osmanischen Reich begeistert bin. Aber jemand (bezogen auf ihren Ehemann Offset) will nicht 16 Stunden lang fliegen! Ich kann 16 Stunden Flug ertragen, aber ich kann auch Offset verstehen. Ich werde dorthin reisen und ein Museum besuchen“, sagte sie. „Das Osmanische Reich beeindruckt mich sehr, und ich weiß nicht wann, aber ich möchte irgendwann dorthin“, fügte sie hinzu
(Screenshot/Instagram)
Die Serie das großartige Jahrhundert über den osmanischen Herrscher Sultan Süleyman aus dem 15. Jahrhundert wurde in 70 Länder exportiert und hatte über 500 Millionen Zuschauer. Türkische TV-Serien haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der lukrativsten Exportgüter der Türkei entwickelt und erreichen mit über 150 Fernsehserien weltweit Zuschauer aus 146 Ländern. Mit den Produktionen erreiche die Türkei in Europa, den USA, Südamerika, Afrika, dem Mittleren Osten, Zentralasien, Afrika und vielen anderen Gebieten mehr als 700 Millionen Zuschauer und werde bis 2023 voraussichtlich eine Milliarde Dollar einnehmen. Bis 2018 beliefen sich die Einnahmen der Türkei aus dem Export von Fernsehserien auf 500 Millionen Dollar.

Zum Thema

– Fernsehserien – „Die Türken sind zurück, und sie haben ganz Israel abhängig gemacht“

Das weltweite Interesse für türkische TV-Serien ist ungebrochen. Nach den arabischen Ländern, Russland, Polen, dem Balkan und weit entfernten Orten wie Südamerika, wächst auch in Israel eine immer größer werdende Anhängerschaft.

„Die Türken sind zurück, und sie haben ganz Israel abhängig gemacht“

Bildungspolitik
Knapp 80 Prozent der Deutschen fordern Pflicht zu Digitalunterricht

Düsseldorf – Als Folge der Corona-Krise fordert eine deutliche Mehrheit von knapp 80 Prozent der Deutschen, dass es an Schulen künftig mehr digitalen Unterricht geben soll. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap für die Friedrich-Naumann-Stiftung, die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. Dass der Staat gesetzlich verpflichtet werden muss, auch digitalen Unterricht anzubieten, fordern demnach 77 Prozent der Bundesbürger. Im Osten des Bundesgebiets sehen das 82 Prozent so, um Westen 75 Prozent. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der FDP-nahen Stiftung, sagte dazu: „Der digitale Unterricht an den Schulen muss in Zukunft verpflichtend sein. Und zwar immer, nicht nur in Pandemiezeiten und in ganz Deutschland.“ Eine weitere Sorge: Dass die Bildungsungerechtigkeit im Zuge der Krise  zunehmen wird. Diese Befürchtung teilen der Umfrage zufolge 64 Prozent der Deutschen. „Wie im Brennglas hat die Corona-Krise gezeigt, wie ungenügend das deutsche Bildungssystem insgesamt aufgestellt ist“, sagte Stiftungsvorstand Paqué. „Es muss uns alarmieren, wenn fast zwei Drittel der Befragten damit rechnen, dass Corona zu mehr Bildungsungerechtigkeit führen wird.“ Es werde Zeit, dass Deutschland nicht mehr eines der Schlusslichter in der digitalen Bildung bleibe, sagte Paqué. Das Institut Dimap befragte vom 10. bis 12. August 1003 wahlberechtigte Deutsche in Telefoninterviews.

E-Mobilität
Autonomes Fahren: Tesla-Chef Musk kündigt Supercomputer „Dojo“ an

Palo Alto – Tesla-CEO Elon Musk teilte am Freitag mit , dass der Elektroautohersteller dabei ist, einen Trainingscomputer mit neuronalem Netzwerk namens „Dojo“ zu entwickeln. Musk wies darauf hin, dass das Dojo zur „Verarbeitung wirklich riesiger Videodatenmengen“ verwendet werden würde, was auf die Kommentare des CEO von Mitte Juli hinweist, wonach der Autopilot auf eine 4D-Infrastruktur aufgerüstet werden soll. Musk gab an, dass der derzeitige Autopilot mit „~2,5D“ arbeitet. Musk auf Twitter:
„Tesla entwickelt einen NN-Trainingscomputer namens Dojo, um wirklich riesige Mengen von Videodaten zu verarbeiten. Das ist eine Bestie! Bitte ziehen Sie in Betracht, unseren KI- oder Computer/Chip-Teams beizutreten, wenn dies interessant klingt“.
(Foto: Screenshot/Twitter)
Musk kündigte bereits im vergangenen Jahr an, sehr bald alle Funktionen für vollständig autonomes Fahren fertig entwickelt zu haben. Der Tesla-Chef bezeichnete Dojo als „bedeutendes Programm“. Es stehe für einen „leistungsfähigen Trainingscomputer mit dem Ziel, riesige Mengen Daten aufzunehmen und auf Video-Ebene zu trainieren und mit dem Dojo-Programm unüberwachtes massives Training mit riesigen Mengen Video-Daten vornehmen zu können“. Anders als bisherige Systeme mit neuronalen Netzen ist „Dojo“ demnach möglicherweise in der Lage, Videos als Bewegtbilder auszuwerten statt anhand ihrer einzelnen Bild-Frames. Dadurch könnte es möglich werden, das Netzwerk für autonomes Fahren schneller in unterschiedlichen und komplexeren Umfeldern zu trainieren, berichtet Teslamag. Nach Berichten von Fahrern funktioniert das aktuelle Autopilot-System von Tesla in den meisten Fällen überzeugend und zuverlässig, könne aber auch überraschende Fehler machen, so Teslamag weiter.

Fußball International
Mesut Özil: Sie versuchen, mich zu zerstören

London – Der Weltmeister von 2014 hat sich in einem Interview mit dem Sportportal The Athletic über seinen Verbleib beim Londoner Top-Club FC Arsenal sowie zu seiner Verweigerung eines Gehaltsverzichts geäußert. „Leute, die mich kennen, wissen genau, wie großzügig ich bin, und soweit ich weiß, war ich nicht der einzige Spieler, der eine Kürzung ablehnte, aber nur mein Name wird erwähnt. Ich nehme an, das liegt daran, dass es um mich geht“, so Mesut Özil. Einige Menschen versuchten seit zwei Jahren ihn „zu zerstören und unglücklich zu machen“. Sie trieben eine Agenda voran, von der sie hofften, die Fans gegen ihn aufzubringen und zeichneten ein Bild, das nicht wahr sei, erklärte der 31-jährige Mittelfeldstar. Zwischen dem Club und ihm sei es in letzter Zeit nicht immer einfach gewesen, doch er liebe Arsenal. „Ich liebe Arsenal, ich liebe es, dort zu arbeiten, ich liebe die Leute im Club – die echten Leute, mit denen ich schon lange zusammen bin – und ich liebe London, es ist meine Heimat“, betonte Özil. „Als Spieler wollten wir alle einen Beitrag leisten“, sagte Özil. „Aber wir brauchten mehr Informationen, und viele Fragen blieben unbeantwortet. Sobald die fußballerischen und finanziellen Aussichten klarer gewesen wären, hätte er eine Kürzung akzeptiert. Die Spieler seien jedoch ohne ordnungsgemäße Rücksprache dazu gedrängt worden, so Özil weiter. Jeder, der sich in so einer Situation befindet, habe das Recht, „alles zu wissen, zu verstehen, warum es passiert und wohin das Geld geht“, beklagt der Profi. „Aber wir bekamen nicht genug Details, wir mussten einfach eine Entscheidung treffen. Das ging viel zu schnell für solch einen wichtigen Schritt und es gab viel Druck. Das war nicht fair, besonders für die jungen Leute, und ich habe mich geweigert“, so Özil. Er habe ein Baby bekommen und Verpflichtungen gegenüber seiner Familie in der Türkei und Deutschland und seiner Wohltätigkeitsorganisation. Zudem plane er ein neues Hilfsprojekt für Bedürftige in London.

Zum Thema

– „Big Shoe“ – Myanmar: Arsenal-Star Mesut Özil lässt 40 weitere Kinder operieren

Der für seine Wohltätigkeitsaktionen bekannte deutsch-türkische Ex-Nationalspieler Mesut Özil, hat mit einer weiteren guten Tat die Herzen der Menschen gewonnen.

Myanmar: Arsenal-Star Mesut Özil lässt 40 weitere Kinder operieren
   

Corona-Krise
Bericht: Corona-Gemüsehof in Bayern soll Arbeiter ausgebeutet haben

Berater des Deutschen Gewerkschaftsbunds für osteuropäische Arbeitnehmer erheben schwere Vorwürfe gegen den bayerischen Gemüsehof, bei dem sich 250 Erntehelfer mit Corona infiziert haben. Der Großbetrieb Gemüsebau Wagner in Mamming mit etwa 500 Saisonarbeitskräften vor allem aus Rumänien habe weniger als den gesetzlichen Mindestlohn gezahlt, den Arbeitern ihre Personalausweise vorenthalten und die Menschen ohne Corona-Sicherheitsabstand untergebracht, teilte das DGB-Projekt „Faire Mobilität“ der Tageszeitung „taz“ mit. Es beruft sich auf zwei Besuche vor Ort, Aussagen und selbst geschriebene Stundenzettel von etwa 30 Arbeitern sowie Abrechnungen des Betriebs. Ein Teil liegt der taz vor. Der Hof ist derzeit einer der größten Coronainfektionsherde in Deutschland. „Ich habe gravierende Verstöße gegen das Mindestlohngesetz festgestellt“, sagte Beraterin Sevghin Mayr der taz. „Die Arbeiter haben mitunter nur 6 Euro pro Stunde statt der vorgeschriebenen 9,35 Euro erhalten.“ Einer bekam laut Lohnzettel 772 Euro, habe aber nach eigenen Angaben 133 Stunden gearbeitet. Das entspricht einem Stundenlohn von 5,80 Euro, von dem der Arbeitgeber noch einen Teil für die Unterkunft und „Sonstiges (Zigaretten …)“ sowie die Endreinigung abzog. So reduzierten sich die Einnahmen des Beschäftigten dem Dokument zufolge auf 472 Euro. Zudem mussten Arbeiter laut Mayr 200 bis 300 Euro an einen Vermittler zahlen. „Die Menschen waren auch besonders aufgebracht, weil ihnen der Betrieb bei der Ankunft die Personalausweise abgenommen und trotz mehrmaliger Aufforderung nicht zurückgegeben hat, bis sie abgereist sind“, ergänzte die Beraterin. „Da sind sie natürlich gezwungen, alles zu akzeptieren, damit sie den Ausweis wiederbekommen, ohne den sie nicht in ihre Heimat zurückkehren können.“ Der Ausweis sei von einer Vermittlungsperson nur zurückgegeben worden, wenn die Vermittlungsgebühr in bar bezahlt wurde. „Es wurden kein Arbeitsvertrag oder andere Unterlagen ausgehändigt, die das Arbeitsverhältnis dokumentieren sollen“, kritisierte Mayr. „Die Arbeiter mussten jedoch Unterlagen unterschreiben, die sie nicht verstanden und auch nicht behalten oder fotografieren durften. Das ist pure Ausbeutung.“ „Die Corona-Abstandsregelungen sind ebenfalls nicht eingehalten worden“, sagte die Beraterin. Sie hat der taz ein Foto geschickt, das aus einer der Unterkünfte stammen soll. Zu sehen ist ein enges Zimmer mit vier belegten Betten. Der Gang zwischen zwei Betten ist so schmal wie eine Person, also weit weniger als die gebotenen 1,50 Meter Sicherheitsabstand.

„Die Leute haben den Mindestlohn bekommen. Den Vorschuss kann ich ja wohl abziehen“, sagte Landwirt Alois Wagner der taz. Die Ausweise habe er zur behördlichen Anmeldung eingesammelt und auf Wunsch wieder herausgegeben. Die Berater habe er nicht beleidigt. „Ich verstehe die Welt nicht mehr.“ Ob die Coronaregeln eingehalten wurden, wollte Wagner nicht sagen.

TV-Tipp
Stuttgart 21: Zehn Jahre nach dem „Schwarzen Donnerstag“

Stuttgart – Der 30. September 2010 hinterlässt ein Bild, das um die Welt ging: Ein Mann verliert bei Protesten in Stuttgart gegen das Verkehrsprojekt „Stuttgart 21“ durch Wasserwerfer der Polizei sein Augenlicht. Zehn Jahre danach widmet sich der Südwestrundfunk (SWR) dem Streit um „Stuttgart 21“ und den Geschehnissen rund um diesen Tag, der als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte eingegangen ist. Kann die Deutsche Bahn den von der Politik versprochenen, deutschlandweit abgestimmten Taktfahrplan umsetzen? Oder sind die Weichen beim künftigen Stuttgarter Bahnknoten falsch gestellt? Der SWR Schwerpunkt „Welche Bahn wollen wir? Von Stuttgart 21 bis zum Deutschlandtakt“ am 30. September 2020 im SWR Fernsehen, im Kulturprogramm SWR2 und in der ARD Mediathek. Die Sendungen im SWR Fernsehen „betrifft: Showdown am Bahnhof – Stuttgart 21 und der Schwarzer Donnerstag“ 20:15 bis 21 Uhr Schlagstöcke, Pfefferspray und Wasserwerfer gegen Schüler*innen und Parkschützer*innen – am 30. September 2010 setzt die Polizei in Stuttgart mehrere Hundertschaften ein, um den Mittleren Schlossgarten von Demonstrant*innen zu räumen, die gegen das Fällen von Bäumen für das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ protestieren. Der Polizeieinsatz entgleist, aus dem Tag wird der „Schwarze Donnerstag“ mit vielen Verletzten. Dieser Tag bringt das Land in Aufruhr und als Folge den Ministerpräsidenten Stefan Mappus zu Fall – nach mehr als 50 Jahren CDU-Vorherrschaft. Die Dokumentation von Hermann G. Abmayr rekonstruiert den „Schwarzen Donnerstag“, zeigt seine Vorgeschichte und Folgen. Zu Wort kommen Zeitzeugen der Protestbewegung, der Polizei und der Politik. Interne Akten, Fotos und Videosequenzen, die dem SWR zum Teil exklusiv vorliegen, helfen zu verstehen, was damals geschah – und warum. „Baustelle Bahn – Falsche Weichenstellung im Südwesten?“ 21 bis 21:45 Uhr Der Deutschlandtakt ist das große Versprechen und die Vision, mit der die Bahn zum Verkehrsmittel der Zukunft werden soll. Ein Fahrplan, der im Personenverkehr die größten deutschen Städte in einem 30-minütigen Rhythmus miteinander verbinden soll. 180 Milliarden Euro sind für den Ausbau der Bahn und der damit erhofften Verdopplung der Fahrgäste in den kommenden zehn Jahren vorgesehen. Doch es gibt Zweifel, ob der Umbau gelingen kann. Der geplante Bahnknoten Stuttgart, zurzeit größte und teuerste Baustelle Europas, erweist sich zunehmend als Nadelöhr, das den Schienenverkehr in ganz Deutschland ausbremsen könnte. Bedarf es weiterer Milliarden, damit der Südwesten auf der Schiene nicht abgehängt wird? Gemeinsam mit SWR Bahnexperte Harald Kirchner reist Filmautor Alexander Schweitzer in das Bahn-Musterland Schweiz und zu verschiedenen Bahn-Baustellen im Südwesten. Die Verbindung von Stuttgart nach Zürich ist immer noch auf 70 Kilometern eingleisig. Im Rheintal, einer der wichtigsten Strecken für den Gütertransport, hinkt der Ausbau zwischen Basel und Mannheim um Jahrzehnte hinterher. Im Mittelrheintal werden die Anwohner*innen vom Lärm der Güterzüge geplagt, trotz aller Lärmschutzbemühungen. „Eisenbahn-Romantik“ 29. September bis 1. Oktober, jeweils 14:15 Uhr und 14:45 Uhr Dokumentationen und Filme zu „Stuttgart 21“ aus der Zeit von 1998 bis 2018 „Wasserwerfer und Tränengas – Die Folgen des Schwarzen Donnerstags in Stuttgart“ 15:05 bis 15:30 Uhr Der 30. September 2010 ist als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte des Widerstandes gegen „Stuttgart 21“ eingegangen. Der bis dahin meist friedliche Protest wurde durch einen Polizeieinsatz mit Wasserwerfern und Tränengas zum Desaster auf beiden Seiten: schwere Verletzungen von Demonstrant*innen und Passanten, 380 Strafanzeigen gegen Polizist*innen und zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse. Den Kritiker*innen von „Stuttgart 21“ ging es vor allem um fehlende Transparenz und das „Nicht-gehört-werden“ durch die Politik. Was hat sich seitdem im Land verändert? Und welche Narben sind geblieben?

Gastbeitrag
„Atatürks Vermächtnis“: Leserbrief an die FAZ

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Am 24. Juli erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Artikel unter der Überschrift „Wie Atatürks Vermächtnis von Erdogan abgewickelt wird“. In dem Beitrag wird der Staatsgründer der Türkei zu Unrecht als Alkoholiker bezeichnet. Daraufhin habe ich einen Leserbrief an die F.A.Z. geschrieben und versucht einige Dinge klarzustellen. Zum Beitrag in der F.A.Z. vom 24.7.2020 „Wie Atatürks Vermächtnis von Erdogan abgewickelt wird“ von Christian Meier. Zunächst einmal hat die Umwandlung der Hagia Sophia nichts mit Laizismus zu tun, wie der Autor behauptet, denn vor 1934 diente das Gotteshaus ganze 481 Jahre als Moschee. Fragt sich also was schlimm daran sein soll, dass es wieder als islamisches Gotteshaus genutzt wird. Am Ende des Artikels wird der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, zu Unrecht als Alkoholiker bezeichnet. Es ist allgemein bekannt, dass Atatürk gelegentlich Alkohol trank, aber deshalb ist er nicht zwangsläufig ein Alkoholiker, wie unverschämt behauptet wird. Nach Ansicht des Mediziners Prof. Dr. Sait Kapıcıoğlu ist Atatürk, entgegen der weit verbreiteten Ansicht, nicht an einer durch Alkoholkonsum bedingten Leberzirrhose verstorben, sondern an Hepatitis B. Den Virus habe er sich während seiner militärischen Laufbahn auf dem Balkan, in Libyen oder in Anatolien eingefangen, wo der Virus damals grassierte. Auch der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, trank zu seinen Lebzeiten Alkohol, aber niemand würde heute auf die Idee kommen und Bismarck deshalb als Alkoholiker bezeichnen. Die damaligen Trinksitten sind mit heute nicht vergleichbar und in Deutschland war bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit nichts Außergewöhnliches. Ich halte es für unverantwortlich und ungerecht den Staatsgründer der Türkei als einen Trunkenbold zu bezeichnen, zumal die Behauptung auch nicht zutrifft. In Anbetracht der besonderen Leistungen Atatürks als militärischer Befehlshaber, Politiker und Staatsmann, halte ich den Fauxpas des Autors für deplatziert.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Der ehemalige türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu warf der Regierungspartei AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) vor, von selbst verschuldeten Problemen abzulenken und von Verschwörungstheoretikern durchsetzt zu sein.

Türkischer Ex-Premier Davutoglu: Krise selbstverschuldet

Türkei
Türkischer Ex-Premier Davutoglu: Krise selbstverschuldet

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Ankara (nex) – Der ehemalige türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu warf der Regierungspartei AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) vor, von selbst verschuldeten Problemen abzulenken und von Verschwörungstheoretikern durchsetzt zu sein. Die Türkei befinde sich in einer ernsthaften wirtschaftlichen Krise, so Davutoğlu in einem Interview. „Die Behauptungen der Regierung, es handle sich bei der Krise um Operationen aus dem Ausland, entsprechen nicht der Wahrheit. Diese Krise ist eine 100-prozentig selbst verantwortete, inländische und nationale Krise.“ Der ehemalige Chefberater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der im September 2019 die AKP verließ und noch im Dezember desselben Jahres seine „Zukunftspartei“ (GP) gründete, bedauerte, dass die „jetzige Regierung anstatt auf verdiente, fähige und qualifizierte Menschen zu hören, vor Ungebildeten, Ignoranten, Verschwörungsideologen und Demokratiefeinden kapituliert“ habe. Der Ex-Außenminister wies darauf hin, dass die vernünftigen und bewährten Personen, die wüssten, was Ökonomie sei, die Regierung ständig gewarnt hätten. „Doch diese Regierung hat anstatt auf sie zu hören, sich dem Willen einer Gruppe von Idioten, Geschäftemachern und Profiteuren ergeben“. Die Türkei habe derzeit mit einer Regierung zu tun, die alle Vorkommnisse, die sich in der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft ereigneten als ein Schauspiel begreife, so Davutoğlu weiter. Der 61-jährige Professor, der von 2014 bis 2016 auch Parteivorsitzender der AKP war und maßgeblich am Zustandekommen des Flüchtlingsdeals der Europäischen Union (EU) mit der Türkei beteiligt gewesen ist, sagte, dass die Wirtschaftskrise in der Türkei im Zusammenhang mit dem Wechsel vom Parlamentarismus in das Präsidialsystem zu sehen sei.

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Der Chef der in diesem Jahr gegründeten Partei für „Demokratie und Aufschwung” (DEVA), Ali Babacan, hat sich in der Sendung „Çalar Saat” („Wecker”) des türkischen Senders Fox TV zu der wirtschaftlichen und politischen Situation im Land geäußert.

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