Covid-19
Corona-Pandemie: Türkei kündigt eigenen Impfstoff an

Ankara – Unter Hochdruck suchen weltweit Forscher nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Mittlerweile werden weltweit 40 Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus in klinischen Studien getestet. Nach Russland hat nun auch die Türkei einen einheimischen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus angekündigt. In einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, sagte Gesundheitsminister Fahrettin Koca, dass der Impfstoff das Stadium der Erprobung am Menschen erreicht habe. Drei weitere Impfstoff-Bemühungen in der Türkei würden in den nächsten sieben bis zehn Tagen ebenfalls bereit sein für Erprobungen an Menschen. Dies sei ein bedeutender Schritt bei der Zulassung von Impfstoffen gegen COVID-19. Jetzt könne das Mittel auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit untersucht werden. Bereits im September hatte Erdogan die Hoffnung auf einen Impfstoff aus der Türkei zum Ausdruck gebracht, der zu Beginn des nächsten Jahres der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werde. Experten für Infektionskrankheiten und Pandemien warnen jedoch, dass es einige Zeit dauern wird, bis ein Impfstoff für die Herstellung, Verteilung und Verabreichung von Milliarden von Dosen zugelassen ist. Weltweit hat COVID-19 seit Dezember letzten Jahres mehr als eine Million Todesopfer in 188 Ländern und Regionen gefordert. Die USA, Indien und Brasilien sind derzeit die am schlimmsten betroffenen Länder.  

Kartellrecht
Sägewerke verklagen fünf Bundesländer auf 853,5 Millionen Euro Schadensersatz

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Hagen – Die deutsche Sägeindustrie verklagt fünf Bundesländer auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt 853,5 Millionen Euro. Die Branche wirft den Landesregierungen Verstöße gegen das Kartellrecht beim Holzverkauf vor. Demnach sollen die Länder jahrelang gemeinsam mit kommunalen und privaten Waldbesitzern ein Rundholzsyndikat unterhalten und das Holz überteuert an die Sägewerke verkauft haben. Das berichtet die Westfalenpost (online und Samstag-Ausgabe). Hinter der Klage stehen insgesamt 113 Sägewerke. Sie haben das Verfahren an den internationalen Prozessfinanzierer Burford Capital abgegeben, der seine Erlöse aus Teilen der Klagesumme erzielt. Geklagt wird gegen Baden-Württemberg (416 Millionen Euro), Rheinland-Pfalz (121 Millionen), Nordrhein-Westfalen (183 Millionen), Hessen (49 Millionen) und Thüringen (84,5 Millionen). Die nordrhein-westfälische Landesregierung weist die Vorwürfe zurück. „Die laufenden Klagen in Nordrhein-Westfalen und in den anderen Bundesländern halte ich für nicht angemessen“, sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) der Westfalenpost. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass alle Beteiligten aus Forst- und Holzwirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen, um die dramatischen Borkenkäferschäden zu bewältigen.“ Die Landesregierung erstelle derzeit die Klageerwiderung. Prof. Rüdiger Lahme von der Anwaltskanzlei Quinn Emanuel, der Burford Capital vertritt, sagte der Westfalenpost: „Die Landesforstverwaltungen sind lange wie Gutsherren aufgetreten. Deshalb haben sich die Sägewerke nicht getraut, allein gegen die Länder vorzugehen. Es geht auch um kleinere und mittlere Betriebe, die lange Zeit vom Land betuppt worden sind.“ Burford Capital werde das Verfahren bis in die letzte Instanz durchziehen, kündigte Lahme an.

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Bergkarabach-Konflikt
Kommentar: „Bei Armeniern wird der christliche Glaube hervorgehoben“

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Parteinahme zugunsten von Armenien Ich habe in den letzten Tagen die Berichterstattung eines großen Teils der deutschen Presse zum Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan näher durchleuchtet. Diese ist nicht nur von einer einseitigen Parteinahme zugunsten von Armenien geprägt, sondern von einer Terminologie, die mit investigativem und sachlichem Journalismus wenig gemein hat. Die verwendeten Begriffe werden von einem großen Teil der Medien unkritisch übernommen, so als ob eine Institution vor Kriegsbeginn die zu verwendenden Ausdrücke festgelegt hätte. Daher verwundert es kaum, wenn in den Artikeln explizit auf die religiöse Herkunft der Konfliktparteien bzw. der Länder hingewiesen wird. Auf tagesschau.de gab es am 28. September einen Artikel, in dem es heißt
„Die von Armenien kontrollierte Region Bergkarabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan.“
Ethnisch-territorialer Konflikt Dieser Hinweis zieht sich durch die gesamte Presse. Bei den Armeniern wird der christliche Glauben hervorgehoben. Die Zeit spricht von „christlichen Armeniern, die Bergkarabach bewohnen“, auch wenn der Konflikt mit Religion wenig zu tun hat. Darauf hatte bereits der Politikwissenschaftler Asif Masimov in seinem wertvollen Beitrag hingewiesen, weil es sich in Wirklichkeit um eine ethnisch-territoriale Auseinandersetzung handelt. Durch den Hinweis auf die Religionszugehörigkeit wird eine Differenzierung der Konfliktparteien in „good and bad guys“ vorgenommen. Fragwürdige Terminologie Bei den Ausdrücken für den Präsidenten bzw. Ministerpräsidenten verwenden manche Medien für den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew den Terminus „Diktator“, obwohl dieser durch demokratische Wahlen vom Volk bestimmt wurde, während hingegen die Legitimität von Nikol Paschinyan in Armenien über jeden Zweifel erhaben zu sein scheint. Auch hier wird dem Leser suggeriert, dass der aserbaidschanische Präsident unrechtmäßig regieren würde und der armenische Ministerpräsident vom Volk durch freie Wahlen bestimmt worden sei. Ein anderes Beispiel sind die Bezeichnungen für die Städtenamen, die sich seit fast 30 Jahren unter armenischer Besatzung befinden. Exemplarisch sei hier die Stadt Hankendi erwähnt, die Hauptstadt von Bergkarabach. Der Spiegel, tagesschau.de und andere Medien finden nichts dabei, den von der Invasionsmacht Armenien verwendeten Städtenamen Stepanakert zu verwenden. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt, was die etablierten Medien bei der Berichterstattung bisher geleistet haben. Minsker-Gruppe und der Status quo Ein anderer Aspekt ist die illegale Besetzung aserbaidschanischen Territoriums seit fast 30 Jahren. Es wird so getan, als ob sich die beiden Konfliktparteien nur wegen der Besetzung Bergkarabachs bekämpfen. Das Armenien neben Bergkarabach weitere 20 Prozent aserbaidschanisches Staatsterritorium rechtswidrig besetzt hält, wird nur am Rande erwähnt. Jetzt fordern die USA, Russland, Frankreich und andere Staaten eine sofortige Waffenruhe, also ausgerechnet jene Staaten, die in den letzten 27 Jahren als Minsker Gruppe eine Lösung für den Konflikt aushandeln sollten, fordern jetzt eine Feuerpause. Diese Staaten waren es, die als Minsker-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in den letzten drei Jahrzehnten eine geradezu meisterhafte Leistung darin erbracht haben, Armenien den Rücken zu stärken, um den Status quo, also die rechtswidrige Besetzung aserbaidschanischen Territoriums zu zementieren. Eine Feuerpause zum jetzigen Zeitpunkt würde Armenien nützen Eine Feuerpause würde Armenien einen Vorteil verschaffen, weil es nach wie vor aserbaidschanische Gebiete besetzt hält und nicht bereit ist, diese zurückzugeben. Es ist eine Ironie der Geschichte, wenn ausgerechnet jetzt von den erwähnten Staaten und von sogenannten Experten eine Feuerpause gefordert wird, aber eine Million Aserbaidschaner, die vor 30 Jahren von den Armeniern aus ihrer Heimat für immer vertrieben wurden, finden nirgendwo Erwähnung. Haben diese Kriegsflüchtlinge es nicht verdient, in ihre Heimat wieder zurückzukehren? Was ebenfalls keine Erwähnung in der Berichterstattung findet, ist der Beschuss von aserbaidschanischen Siedlungen durch armenische Einheiten, bei dem viele Zivilisten ihr Leben verloren haben. Stattdessen wird der Beschuss von armenischen Zivilisten durch die aserbaidschanische Armee behauptet, aber ein Beweis dafür wird nicht vorgelegt. Ferner wird in der Presse behauptet, die Türkei habe „syrische Kämpfer“ nach Aserbaidschan entsendet, um dort die aserbaidschanische Armee zu unterstützen. Auch für diese Behauptung existieren keine Beweise. Einmal abgesehen vom Wahrheitsgehalt derartiger Anschuldigen, soll mit dieser Bezichtigung ein anderer Sachverhalt möglichst nicht thematisiert werden. Nach Medienberichten sollen die USA über 300 Terroristen der YPG/PKK aus den besetzten Gebieten Nordwestsyriens nach Bergkarabach transportiert haben, um Armenien bei der Verteidigung der besetzten Gebiete zu unterstützen. Propaganda gegen Aserbaidschan In der Presse war heute eine Nachricht, wonach der armenische Ministerpräsident vor einem „zweiten Syrien“ gewarnt hätte, und bezog sich auf den angeblichen Einsatz von Söldnern auf aserbaidschanischer Seite. Diese Warnung ist abwegig, weil Armenien selbst bei diesem Konflikt der Aggressor ist und seit dreißig Jahren aserbaidschanisches Territorium besetzt hält und bei der damaligen Invasion von aserbaidschanischem Boden auf die Unterstützung von kampferprobten Söldnern aus dem Libanon zurückgriff. Der armenische Außenminister Mnatsakanyan war mehrere Wochen vor Beginn des eskalierten Konflikts zu einem Besuch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo.  Interessanterweise hatte dieser vor Ort, bevor die Auseinandersetzungen wieder aufflammten, von der Verlegung von „syrischen Kämpfern“ nach Aserbaidschan berichtet. Wie bereits dargelegt, sollen sich nach Presseberichten mehrere Hundert Terroristen der YPG/PKK in Bergkarabach befinden, um auf armenischer Seite gegen Aserbaidschan Krieg zu führen. Im Syrienkrieg befanden sich aufseiten der Terroristen der YPG/PKK armenische Milizen, die bei den Massakern und ethnischen Vertreibungen gegen die einheimische Bevölkerung aus Arabern, Turkmenen und oppositionellen Kurden mitwirkten. Auch dieser Sachverhalt wird in großen Teilen der Medien leider nicht thematisiert. Iran ist Verbündeter Armeniens Ein weiterer Verbündeter Armeniens ist der Iran. Auch wenn Teheran es offiziell nicht zugibt, existieren laut Presseberichten Beweise, dass der Iran über den Landweg Eriwan mit Waffen und militärischen Gerätschaften versorgt. Zu Beginn der 1990er-Jahre, als der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan ausbrach, unterstützte Teheran die Armenier mit Waffen und Ausrüstung. In den sozialen Medien waren vor einigen Tagen Bilder zu sehen, die einen ellenlangen Konvoi aus Militärtankern im Iran zeigten und tonnenweise Dieselkraftstoff nach Armenien transportiert haben sollen. Die Lieferungen wurden vermutlich während der Nacht durchgeführt. Im Iran leben nach Angaben von Experten zwischen 25-35 Millionen Iraner mit aserbaidschanisch-türkischen Wurzeln. Bevor ein Waffenstillstand überhaupt vereinbart werden sollte, wie Präsident Alijew es betont hatte, muss sich Armenien vollständig und ohne Kompromisse aus dem besetzten Gebieten Aserbaidschans zurückziehen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Bergkarabach-Konflikt – SPD-Politikerin Hendricks: Armenien handelt nicht nach dem internationalen Völkerrecht

Am 27. September 2020 wurde der Krieg im Südkaukasus neu entfacht. Es geht wieder um die Region Karabach, u. a. das Gebiet Bergkarabach. Die Bergkarabach-Region sowie sieben umliegende Provinzen wurden noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunders durch armenische Truppen besetzt.

SPD-Politikerin Hendricks: Armenien handelt nicht nach dem internationalen Völkerrecht

Bergkarabach-Konflikt
SPD-Politikerin Hendricks: Armenien handelt nicht nach dem internationalen Völkerrecht

Ein Gastbeitrag von Asif Masimov – Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin Konflikt um Bergkarabach: Hier geht es auch um Menschenrechte Am 27. September 2020 wurde der Krieg im Südkaukasus neu entfacht. Es geht wieder um die Region Karabach, u. a. das Gebiet Bergkarabach. Die Bergkarabach-Region sowie sieben umliegende Provinzen wurden noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunders durch armenische Truppen besetzt. Heute befinden sich immer noch armenische Truppen auf dem aserbaidschanischen Territorium, weshalb die aktuellen Gefechte auch auf dem aserbaidschanischen Gebiet stattfinden. In Bezug auf diesen Konflikt wurden bereits mehrfach Beschlüsse von diversen internationalen Organisationen angenommen, in denen eindeutig bestätigt wurde, dass sich die armenischen Truppen rechtswidrig auf aserbaidschanischem Boden aufhalten und dass sie Aserbaidschan bedingungslos verlassen müssen. Die Weltgemeinschaft sowie Politiker blieben jedoch über die letzten 30 Jahre hinweg unfähig, diesen Konflikt friedlich zu lösen. In der UN-Charta gibt es bei auftretender Aggression einen Mechanismus, der zur Verhängung wirtschaftlicher und politischer Sanktionen auffordert. Bis heute wurden gegen Armenien aber keine Sanktionen verhängt. Deutsche Politiker nehmen auch Stellung zu diesem Konflikt Als Mitglied der Minsker Gruppe der OSZE reagiert auch Deutschland sofort auf die jüngsten Gefechte. Der deutsche Außenminister, Heiko Maas, rief beide Seiten zum Waffenstillstand auf und forderte die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Des Weiteren wurde auf estnische und deutsche Initiative eine UN-Sicherheitsversammlung bezüglich der Konfliktlage in der Karabach-Region einberufen. Aserbaidschan hat bereits in einigen Stellungnahmen seinen Wunsch bekundet, dass eines der Ko-Vorsitzenden Länder der OSZE durch Deutschland ersetzt wird, mit der Hoffnung, dass sich Deutschland neutraler verhalten wird. Auch einige deutsche Politiker haben unter Verweis auf das Völkerrecht Stellung zur aktuellen Situation genommen. Die Vorsitzende der Südkaukasischen Parlamentarier Gruppe, Barbara Hendricks (SPD), betonte in ihrem Interview mit der Deutschen Welle (DW Russisch):
„Das größte Problem ist, dass Armenien sich weigert, gemäß den Bestimmungen des Internationalen Völkerrechts zu handeln. Dieses ist auf der Seite Aserbaidschans“.
Der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN-Abgeordnete, Sergey Lagodinsky, hat sich in seiner Äußerung gegenüber der Deutschen Welle auch auf das Völkerrecht bezogen:
„Nagornyj Karabach wird von keinem Land, u. a. auch nicht von Armenien, anerkannt. Alle sind damit einverstanden, dass es aserbaidschanisches Territorium ist.“
Herr Lagodinsky hat in seiner Äußerung Bergkarabach eine „starke kulturelle Autonomie“ eingeräumt. Eine Vertreterin der Fraktion DIE LINKE, Helin Evrim Sommer, ging in ihrer Presseerklärung auch auf die rechtlichen Grundlagen des Konflikts ein und forderte die Implementierung der „Madrider Basisprinzipien“, die dazu aufrufen, dass sich armenische Truppen aus Bergkarabach und den umliegenden Bezirken zurückziehen müssen. Des Weiteren soll eine Sicherheitsgarantie für die armenische Bevölkerung Bergkarabachs gegeben und der Rückzug der über 750.000 aserbaidschanischen Binnenvertriebenen in ihre früheren Wohnorte ermöglicht werden, so Helin Evrim Sommer. Es gab auch subjektive Stellungnahmen Es gab jedoch einige deutsche Bundesabgeordneten, die eine eher subjektive Haltung eingenommen haben. Diese lobbyieren armenische Interessen oder betreiben antitürkische Rhetorik. Besonders auffallend waren in diesem Zusammenhang die Stellungnahmen von Albert Weiler, Sevim Dagdelen, Heike Hänsel, Cem Özdemir und Till Mannsmann. All die gerade aufgeführten Politiker haben etwas gemeinsam: Sie möchten über den Bergkarabach-Konflikt eine Politik gegen den türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan betreiben, um im Jahr 2021 bei den geplanten Bundestagswahlen die Stimmen der Wähler zu gewinnen. Es handelt sich allerdings um äußerst fragwürdiges Verhalten, wenn man als Politiker bei einem Konflikt ganz klar nur eigennützige Ziele verfolgt – anstatt sich für das Völkerrecht zu positionieren. Frau Hänsel forderte zum „Rückzug der aserbaidschanischen Truppen“ auf, während sich die Aserbaidschaner doch auf dem eigenen Territorium befinden. Hier war keine Rede vom Völkerrecht. Der Vorsitzende des Deutsch-Armenischen Forums, Albert Weiler (CDU), lobbyiert im Bundestag die armenischen Interessen. Herr Weiler, dessen Name bei einem ARD-Doku-Film mit dem Titel „Paten in Deutschland“ genannt wurde, bei dem armenische kriminelle Strukturen in Deutschland behandelt wurden, hat in einem Facebook-Post Aserbaidschan wegen der Verletzung des humanitären Rechts scharf kritisiert, weil auf der armenischen Seite Zivilisten ums Leben gekommen waren. Herr Weiler hat in diesem Zuge jedoch nicht erwähnt, dass auf der aserbaidschanischen Seite ebenfalls viele Zivilisten getötet wurden (Stand heute, 01.10.2020: 17 Opfer). Der andere Lobbyist der armenischen Interessen in Deutschland, Cem Özdemir (DIE GRÜNEN), hat beide Seiten zum „Verhandlungstisch“ aufgefordert und die Gelegenheit genutzt, um Erdogan zu kritisieren:
„Erdogan zündelt trotz der historischen Schuld der Türkei gegenüber Armenien“.
Herr Özdemir hat dabei wahrscheinlich vergessen, dass Bergkarabach nicht während Erdogans Amtszeit von den armenischen Truppen besetzt wurde und der wieder aufflammende Konflikt mit der Türkei überhaupt nichts zu tun hat. Gleichzeitig fehlt bei der Aussage des liberalen Politikers die Aufforderung zum Rückzug der armenischen Truppen aus den aserbaidschanischen Territorien. Bei der gemeinsamen Erklärung von Albert Weiler und Till Mansmann (FDP) wird erneut Aserbaidschan wegen des „Beschusses der Stadt Stepanakert“ kritisiert, wobei die Bombardierung der aserbaidschanischen Siedlungen völlig außer Acht gelassen wird. Die Bundesabgeordnete der Fraktion DIE LINKE, Sevim Dagdelen, ging noch einen Schritt weiter, indem sie Aserbaidschan beschuldigte, „islamistische Söldner aus Syrien und Libyen einzubeziehen“. Eine vernünftige Quelle dazu fehlte dennoch. Selbst die Artikel von The Guardian, Reuters oder BBC, die in ihren Publikationen über mögliche Kämpfer auf aserbaidschanischer Seite schrieben, weisen darauf hin, dass diese Informationen weiterhin unbestätigt sind. Bei diesem Konflikt geht es auch um Menschenrechte Die aufgeführten deutschen Politiker, die eine subjektive Haltung einnehmen, haben noch etwas gemeinsam: Fast alle kritisieren lautstark die aserbaidschanische Regierung wegen der Menschenrechtslage. Es ist prinzipiell deren gutes Recht, die aserbaidschanische Regierung zu kritisieren. Sie vergessen dabei aber, dass beim Konflikt um Bergkarabach eine Mio. Aserbaidschaner als Binnenvertriebene aus dem eigenen Land und Flüchtlinge aus Armenien geworden sind. Sie haben wahrscheinlich auch vergessen, dass es in Bezug auf diesen Konflikt bereits die Resolutionen der UN aus dem Jahr 1993 gibt, die zum Rückzug der armemischen Truppen auffordern. Wieso ist davon nicht die Rede? Es ist nicht spät, um das eigene Verhalten zu korrigieren!
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Asif Masimov Asif Masimov hat Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Er ist Doktorand im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er bloggt auf masimovasif.net zu historischen und politischen Themen rund um Deutschland, Aserbaidschan und Russland.

Zum Thema

– Karabach Konflikt – Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert

„Seit dem ersten Tag der Auseinandersetzung verfolge ich achtsam die deutschen Medien, um deren Berichterstattung zu beurteilen. Die ersten Tage war dies aus meiner Sicht zum großen Teil ausgewogen. In den letzten Tagen wurde ich hingegen sehr enttäuscht.“

UN: Armenische Truppen müssen aserbaidschanische Territorien verlassen

Corona-Pandemie
Corona-Maßnahmen: England setzt Türkei und Polen auf Quarantäne-Liste

London – Reisende, die aus der Türkei und Polen in England ankommen, müssen sich ab Samstag früh „für 14 Tage selbst isolieren“, sagte Großbritanniens Verkehrsminister Grant Shapps, als er die englische Quarantäneliste COVID-19 erweiterte. Die Daten aus Polen zeigten eine steigende Rate positiver Tests bei gleichzeitig rascher Zunahme der Fälle, während die Türkei die Zahl der neuen COVID-19-Fälle anders definiert habe als die von internationalen Organisationen verwendete Definition, sagte Shapps am Donnerstag. Die karibischen Inseln Bonaire, St. Eustatius und Saba wurden ebenfalls auf Englands Coronavirus-Quarantäneliste gesetzt, sagte er auf Twitter. Shapps twitterte am Donnerstag:
‚TRAVEL CORRIDOR UPDATE: Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass wir die Türkei, Polen sowie Bonaire, St. Eustatius und Saba diese Woche von der #TravelCorridor-Liste streichen müssen. Dies bedeutet, dass Sie sich selbst isolieren müssen, wenn Sie ab Samstag, dem 3. Oktober um 4 Uhr morgens aus diesen Destinationen anreisen.
Er fügte hinzu: „Sie MÜSSEN sich selbst isolieren, wenn Sie aus einem nicht freigestellten Land in das Vereinigte Königreich einreisen – ab morgen erhöhen wir die Strafen für Personen, die sich weigern, dies zu tun, auf maximal 10.000 Pfund für Wiederholungstäter. Es gab heute Morgen Befürchtungen, dass Griechenland und Italien Quarantänebestimmungen unterworfen werden könnten, nachdem erstere in den letzten Tagen 20,5 Fälle pro 100.000 Menschen verzeichneten, während Italien bei etwas über 20 pro 100.000 lag.  

Glücksspiel
Die 4 beliebtesten Casino Spiele im Überblick

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WERBUNG Das Jahr 2020 war bisher wie kein anderes Jahr in der jüngeren Geschichte. Es war das Jahr, in dem die Welt auf den Kopf gestellt wurde und was früher normal war ist jetzt weit von der Norm entfernt. Die Covid-19-Pandemie hatte beispiellose Auswirkungen auf die Menschen auf der ganzen Welt. 2020 war ein Jahr des Wandels, das von Ausgangssperren über das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit bis hin zur Aufrechterhaltung sozialer Distanz reicht. Es war auch das Jahr, in dem reale Casinos geschlossen wurden, ebenfalls eine Neuerung. Obwohl einige der Beschränkungen kürzlich aufgehoben wurden und eine Reihe von Casinos wiedereröffnet werden konnten, müssen sie mit strengen Regeln und Vorschriften in Bezug auf Covid-19 Vorlieb nehmen. Durch Online-Glücksspiele haben jedoch vielen Menschen weltweit eine alternative Möglichkeit zum Glücksspiel zu kommen. Soziale Distanzierungsregeln sind kein Grund zur Sorge, wenn ein paar Stunden Poker im Online Casino gespielt werden sollen. Online Casinos bieten eine riesige Palette an Spielen an, die von den gängigen Standardspielen wie Poker mit den gängigen Texas Hold’em Regeln bis zu einigen sehr obskuren Abweichungen reichen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die vier beliebtesten Casino Spiele im Internet. Blackjack Blackjack ist bei weitem die Nummer eins. Wenn der niedrige Hausvorteil für dieses Spiel, die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und eine große Anzahl von Variationen (viele mit interessanten Nebenwetten) in Betracht gezogen werden, dann ist es offensichtlich, warum Blackjack die unumstrittene Nummer eins ist. Es gibt einige seltsame und abstrakte Versionen neben den traditionellen spanischen 21, Ponton- und europäischen Regeln. Dazu gehören Burn 21 und Zappit Blackjack. Das neueste Spiel, das die Fantasie von Online-Spielern anregt, sind die Live-Dealer-Spiele, bei denen in Echtzeit von einem entfernten Studio aus gegen einen Dealer gespielt wird Slotspiele Slotspiele sind überall und stets sehr beliebt bei den Zockern. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Menschen einfach sehr gerne an Slots spielen. Sie bieten ein aufregendes Gameplay, wie etwa auf 25 kostenlose Freispiele, und die Möglichkeit, sofort groß zu gewinnen, sind sehr groß. Wie auch in realen Casinos zu sehen ist, wo meistens viele der Slotspiele stehen, ist die reine Anzahl der Zocker, die an Slots spielen möchten enorm. Ein weiterer Vorteil von Slots ist, dass Sie eine riesige Anzahl an Variationen von den Automaten finden können, insbesondere in Online Casinos. Die Möglichkeit, zwischen Hunderten von Themen zu wählen, bedeutet, dass Sie sich nicht so schnell langweilen werden. Klassisches Roulette Viele Menschen lieben Roulette, eines der ältesten Casinospiele, das bis heute beliebt ist. Die Grundregeln haben sich nicht wesentlich geändert, da sich das Rad weiter dreht und zwischen verschiedenen Wetten gewählt werden kann. Jeder, der schon einmal in einem richtigen Casino war, kennt einen klassischen Roulette Tisch und verbinden diesen sofort mit dem Casino. Es gibt verschiedene Variationen des Spiels und der Hausvorteil ist sehr unterschiedlich. Zum Beispiel hat das klassische europäische Roulette nur eine Null, sodass das Online Casino einen Vorteil von 2,70% hat. Wenn Sie sich für amerikanisches Roulette entscheiden, steigt dieser Wert aufgrund der zweiten Null auf 5,26%. Wenn Sie Online Casinospiele spielen, finden Sie möglicherweise noch bessere Optionen als das europäisches Roulette. Französisches Roulette hat zum Beispiel auf bestimmten Märkten einen Hausvorteil von 1,35%, und Sie könnten einige Orte finden, an denen es kein Null-Roulette gibt. Dieses Spiel ist also aus Sicht der Wahrscheinlichkeit eines Gewinns schon sehr beliebt. Poker Poker ist ein weiteres Casino-Spiel, bei dem der Hausvorteil extrem niedrig ist und es erfreut sich größter Beliebtheit und sogar echte Profis. In der Tat gibt es einige Variationen von Video Poker, bei denen der Glücksspielanbieter keinen Vorteil hat, wenn Sie perfekt spielen würden. Der Schlüssel ist, jedes Mal die beste Entscheidung zu treffen und dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit zu folgen. Dies ist nicht einfach, da es unterschiedliche Auszahlungstabellen für die verschiedenen Regeln gibt. Die beliebtesten Variationen dieses berühmten Casinospiels sind Jacks or Better, Deuces Wild, Joker Poker, All American und mehr.

Bergkarabach-Konflikt
Kommentar: Ein Türkei-Armenier ist nicht für die Haltung der armenischen Regierung verantwortlich

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Der Konflikt um die Region Bergkarabach spitzt sich zwischen Armenien und Aserbaidschan zu. Aserbaidschan hat angekündigt, sich auf ganzer Front zu verteidigen. Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan rief zuletzt in einem Twitter-Beitrag seine Landsleute auf, sich zu vereinen und die Geschichte, die Heimat und die Identität Armeniens zu verteidigen.
(Screenshot/Twitter)
Bergkarabach heißt nach armenischer Lesart „Arzach“. Ein Begriff, der aus vorchristlicher Zeit stammen soll und womit seit 1991 eine Region, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, bezeichnet wird. Ein Begriff also, der nach völkerrechtlichen Aspekten gar nicht existiert, aber mit militärischen Mitteln erreicht werden will. Daran ändert auch die Vorgeschichte zu dieser Region nichts und ob die Region mehrheitlich von diesen oder jenen bewohnt wurde. 1991 wurde Bergkarabach mit Hilfe armenischer und russischer Truppen, mit mörderischen Mitteln gegen die Zivilbevölkerung, von Aserbaidschan schlichtweg gespalten und annektiert. Im Schatten des Jugoslawien-Krieges verübten die sogenannten „Proarmenischen Rebellen“ Gräueltaten an der aserbaidschanischen Bevölkerung von Bergkarabach und vertrieben dabei wohlkalkuliert über eine Million Zivilisten in das aserbaidschanische Mutterland. Trotz mehrerer Resolutionen der Vereinten Nationen, besetzt Armenien die Region Bergkarabach und mehrere weitere aserbaidschanische Distrikte weiterhin. Seither gab es weder mit internationalen Dialog-Aufforderungen, noch unter der OSZE mit der Minsker-Gruppe, Fortschritte in diesem Konflikt. Die Vertreter kamen und gingen, betteten sich in noblen Hotels, genossen die Spezialitäten des Hauses und gingen dann unverrichteter Dinge; seit 30 Jahren wird das so gehandhabt. Der jüngste Ausbruch des Konflikt war also vorprogrammiert. Unter diesem Aspekt, haben aus irgend einem unerfindlichen Grund, manche Oppositionelle in der Türkei aber den Schneid, sich für den Dialog zwischen Aserbaidschan sowie Armenien einzusetzen, dabei aber – und das unterstreiche ich hier mal – der Türkei die Hosen runterzuziehen. Zuerst war es die „linke“ Hand des Vorsitzenden der Republikaner Kemal Kılıçdaroğlu (CHP), Ünal Çeviköz, der ein Gerücht weiterverbreitete, wonach die Türkei „dschihadisdische Gruppen“ nach Aserbaidschan geschleust habe, damit diese jetzt gegen Armenien eingesetzt werden. Wer diesen Stuss verzapft hat, steht noch im Raum. Ich habe bewusst „linke Hand“ geschrieben, weil dieser Ünal Çeviköz sich als Berater wie ein Elefant im Porzellanladen verhält und damit alle sechs Pfeile auf dem Parteilogo der CHP auf einmal zerbricht. Übrigens glaube ich inzwischen felsenfest daran, dass die CHP als größte Oppositionspartei, der amtierenden Regierung unter der AK-Partei und der MHP zuarbeitet; wenn auch unter merkwürdigen Umständen. Denn, es gibt garantiert und weltweit keine andere Opposition, die so gegen das eigene Land opponiert, wie es in Teilen der CHP zu erleben ist, aber kleinlaut die gleichen Werte verteidigt, die schon immer im Parteiprogramm standen und sich im weitesten Sinne mit der Linie der amtierenden Regierung decken. Es gibt aber auch türkische Aktivisten, die sich für einen falsch verstandenen Dialog einsetzen. Rober Koptaş, Geschichtswissenschaftler armenischer Abstammung, twittert, wie in der Türkei Feindschaften gegenüber anderen Völkern gepflegt werde, um dann im Umkehrschluss Aserbaidschan als Aggressor dastehen zu lassen. Ich habe mir seine „Streitschrift“ auf Twitter mehrmal durchgelesen. Nichts anderes geht aus seiner ellenlangen Tweet-Sammlung hervor. Und dann tritt Can Dündar, der nächste Aktivist auf den Plan und teilt diesen aberwitzigen Tweet, um den Türken bzw. der Regierung Völkerfeindschaft zu unterstellen. Beide haben offenbar das Interview von Hrant Dink nicht gesehen, wo er von zwei kranken Völkern sprach; wobei ich anmerken will, dass die eine krankhaft kranker ist, als die andere. Dann betritt als nächste türkische „Opposition“ die DEVA die Bühne, um in diesem Zusammenhang über Dialog und Frieden zu schwadronieren. Als ob Armenien bzw. die Proarmenischen Rebellen mit Dialog Bergkarabach und weitere knapp 20 Prozent aserbaidschanischen Territoriums zugeschanzt bzw. ausgeliehen bekommen hätten, um sie jetzt mit Gerede wieder zurückzubekommen. Es gibt wohl nur ein einziges Land, wo Teile der Opposition so ticken: die Türkei! Aber ich muss hier auch betonen, dass es noch ein Schimmer Hoffnung gibt; der CHP-Dauernörgler Özgür Özer brach seine eigene Tradition und stellte sich demonstrativ hinter der Haltung der türkischen Regierung. Ein nicht alltäglicher Zustand…
(Screenshot/Twitter)
Seit 1991 hat Aserbaidschan, hat die Türkei, haben die Vereinten Nationen Armenien allzu oft aufgefordert, die besetzten Gebiete zu räumen, dem sie aber bislang nicht nachgekommen ist. Nach knapp 30 Jahren kann man sich weitere 30 Jahre den Mund fusselig reden, es wird sich daran nichts ändern. Ändern deshalb nicht, weil Karekin II. Nersissiander, der amtierende oberste Patriarch und Katholikos aller Armenier aktuell die Armenier darin bestärkt hat, sich mit dem Kreuz zu verteidigen. Es wird sich nichts ändern, weil die Geistlichen von Karekin II. mit Kalschnikow posieren und zum heiligen Kampf aufrufen, um dann über das armenische Außenministerium zur Schau gestellt zu werden. Es wird sich deshalb nichts ändern, weil der amtierende armenische Ministerpräsident Nikol Pashinyan, um jeden Preis die Freiheit und Unabhängigkeit schützen will und seine Ehefrau Anna im Schützengraben in Richtung Aserbaidschan mit Kalaschnikow posiert. Wohlgemerkt, um sich für die weitere Besetzung eines fremden Staatsgebiets einzusetzen.
(Screenshot)
Armenien ist ein fanatisches und krankhaft krankes Land, dermaßen, dass die armenische Regierung offenbar jetzt einen Eilantrag beim EGMR angemeldet hat, um Aserbaidschan wegen Bergkarabach als „Aggressor“ zu stoppen. Um es deutlich zu machen: ein Dieb versucht, sein Diebesgut vor Gericht zu erstreiten bzw. gegen den Besitzer anzuschwärzen; etwas, was Armenien seit einem Jahrhundert gut beherrscht und von Europa darin auch noch bestärkt wird. Der türkische Historiker Murat Belge hatte hierzu eine Anekdote aus dem Jahre 2005 in einem Hotel in Eriwan parat, wo er an einem Symposium zum Jahrestag des sogenannten „Völkermords“ teilnehmen wollte. Er, Hrant Dink und ja, auch Taner Akcam als Befürworter der sogenannten „Völkermord“-These, saßen gemütlich am Tisch, als ein Armenier plötzlich von hinten auf ihn zukam und ein Glas Wein über ihn kippte. Klar war es im nachhinein ein „Verrückter“, der ausgerechnet zwischen drei türkischen Staatsbürgern den einzigen erwischt, der die armenische These nicht gänzlich teilt. Aber Murat Belge nahm es mit Humor auf; er sei mit armenischem Wein gesegnet worden, schrieb er ihm nachhinein in einem Artikel der Radikal. Auch der verstorbene Journalist Mehmet Ali Birand musste das hautnah erleben, wie die Armenier in Armenien wirklich ticken. In Zeiten, wo Dialog-Befürworter in der Türkei armenische Gänseblümchen verteilten, um die Beziehungen mit Armenien zu normalisieren, traf Birand in Eriwan keinen einzigen armenischen Studenten, keine einzige armenische Studentin, die auch nur ansatzweise türkische Verhältnisse widergespiegelt hätten. Birand dachte wohl, er fände in Eriwan in Zeiten der in der Türkei propagierten Annäherung, auch in Armenien türkische Verhältnisse vor. Birands Frage, ob man mit Türken Freundschaften knüpfen, die Normalisierung befürworten würde, blieb in der größten armenischen Universität des Landes ausnahmslos negativ – im Gegensatz zu angehenden türkischen Akademikern, die viel lieber heute als morgen in Eriwans Einkaufsmeilen flanieren würden. Keiner dieser angehenden armenischen Akademiker, keine Akademikerin Armeniens, wollte positives darin erkennen, sich mit Türken und Türkinnen einzulassen. Umso mehr muss man hier unterstreichen, dass trotz dieser schwierigen Situation in der Region die Türken den Unterschied zwischen Armeniern in der Türkei und Armeniern in Armenien kennen. Wohl deshalb gibt es auch in sozialen Medien sofort eine Rüge, wenn ein Armenier in der Türkei wegen seiner Abstammung angefeindet wird. Einen aggressiven Ton pflegt man nicht auf dem Rücken von Minderheiten, nur weil sie vom selben Volk abstammen. Man unterscheidet und kann zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Ein Armenier in der Türkei ist nicht für die Haltung der armenischen Regierung oder armenischen Bevölkerung in Armenien haftbar zu machen; auch dann nicht, wenn er sich in der Meinung hierzu zurückhält oder seine Meinung – wie Rober Koptaş – frei äußert. Genau das ist ein himmelweiter Unterschied zwischen der Türkei und Armenien, den man hervorheben muss. Und wie betrachtet man in Deutschland den Konflikt? Die Mainstream-Medien haben bereits den „islamisch geprägten“ Aggressor ausgemacht und entsprechend wird die armenische Lesart übernommen.
Die islamisch geprägte Republik Aserbaidschan fordert die Rückgabe der ausschließlich von Karabach-Armeniern bewohnten Region.
Auch wenn die Vertreter dieser Medien die armenische Propaganda teilen, so ist ihre Verwunderung über die Einheit in der Türkei kaum zu übersehen. Dabei hat man diesen des Öfteren ausführlich erklärt, wo die Türkei an einem Strang zieht und wo es Differenzen gibt. Wer es nicht verstehen will, muss es dann eben selbst erlebt haben: Martin Glasenapp zeigt sich verwundert und ist geradezu empört über die CHP bzw. konkret gesagt, dessen Mitglied und ehemaligen Präsidentenanwärter Muharrem Ince, der es gewagt hat, sich auf die Seite der Aserbaidschaner zu schlagen; und damit der amtierenden türkischen Regierung den Rücken zu stärken. Den Oppositionellen Özgür Özel kennt Glasenapp aber offenbar nicht!? Ins gleiche Horn bläst sein ideologischer Genosse Frank Nordhausen, der sich über das „unausrottbare türkische Nationalismus“ der „Kemalisten“ echauffiert. Diese Mainstream-Genossen haben aber keine Bedenken, wenn sie völkisch-kurdischen Nationalismus propagieren oder armenischen Nationalismus samt ihrem Terror oder völkerrechtswidrigen Vergehen negieren. Und die Haustürken der Nation? Die üben sich in Zurückhaltung und Schweigen zum Thema. Der größte „Kemalist“, Prof. Burak Copur, hat keinen einzigen Tweet zum aktuellen Konflikt abgesetzt; wie auch andere Haustürken wie Ünsal Arik, obwohl dieses dringliche Thema für Sie als Kritik gegen die türkische Regierung wie gerufen kommt. Sie haben offenbar Angst, dem anschließenden Shitstorm – Pogrom, wie es Dieter Nuhr salopp formulierte – zum Opfer zu fallen. Wohlgemerkt, dem Shitstorm ihrer eigenen Fangemeinde. Diese Burschen beherrschen eben die Taqīya besser als jeder radikale Religiöse….
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Bergkarabach-Konflikt – UN: Armenische Truppen müssen aserbaidschanische Territorien verlassen

Kommentar: Die Hintergründe der aktuellen Eskalation sind in der ungeschickten Haltung Paschinjans zu sehen. Nachdem Nikol Paschinjan nach der Samtener Revolution die Macht in Jerewan ergriffen hatte, wurde die Rhetorik in Bezug auf die Konfliktverhandlungen mit Aserbaidschan komplett geändert.

UN: Armenische Truppen müssen aserbaidschanische Territorien verlassen

Bergkarabach-Konflikt
Kommentar: Argumentationen Armenien vs. Aserbaidschan

Ein Gastbeitrag von Asif Masimov – Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin Ein Krieg bzw. Konflikt zwischen Nachbarn, Nationen oder überhaupt Menschen ist immer tragisch. In einem Krieg gibt es keine Gewinner. Jede Seite verliert etwas. In Bezug auf den Bergkarabachkonflikt gibt es auf beiden Seiten zwei ziemlich kontroverse Vorstellungen, die man ausdiskutieren sollte. Ich bin inzwischen vorbelastet und es leid, immer selektive Darstellungen des Konflikts seitens der deutschen Medien zu lesen. Die Region Bergkarabach im Kontext der Weltordnung Beginnen wir zuerst einmal damit, die Weltordnungen der Internationalen Beziehungen zu klären. Diese waren: Westfälisches System (1648), Pentarchie (1815), Versailles-Washington-System (1918), das System der Internationalen Beziehungen von Jalta und Potsdam (1945). Vereinzelt wird noch eine weitere neue Weltordnung nach dem Ende des Kalten Krieges erwähnt (1991). Wichtig ist bei diesen Weltordnungen anzusprechen, dass die ersten kaukasischen Republiken ihre Unabhängigkeit erst im Mai 1918 erlangt haben (Georgien am 26. Mai 1918 und Armenien sowie Aserbaidschan am 28. Mai 1918). Davor gab es keine Nationalstaaten namens „Armenien“, „Aserbaidschan“ oder „Georgien“. Die Annektierung dieser drei Kaukasusrepubliken seitens der Rotarmisten war ein neues Kapitel in deren Geschichte. Alle Völker wurden auf einmal „Brüder“ und die „Freundschaft der Völker“ schien funktionsfähig zu sein, bis die Armenier bereits in den 60er Jahren ihre Ansprüche auf Bergkarabach und Nachitschewan gegenüber dem sowjetischen Aserbaidschan erhoben. Wenn wir nun die Region Bergkarabach innerhalb der kaukasischen Nationalstaaten betrachten, war dieses Gebiet nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ein Teil Aserbaidschans. Die Versuche der armenischen Seite mit allen möglichen Mitteln den Separatismus zu rechtfertigen, verstößt fortwährend gegen das internationale Völkerrecht. Der armenischen Argumentation zufolge „[haben] Sowjetrepubliken […] deren Unabhängigkeit erlangt, dieses Recht hat auch Bergkarabach in Anspruch genommen“.[1] Das Völkerrecht hilft uns dennoch die Problematik besser zu verstehen. 1977 wurde die letzte Verfassung[2] der Sowjetunion mit ihren Änderungen angenommen. Uns interessieren in diesem Zusammenhang vor allem Artikel 72 und 86, die unmittelbar Bergkarabach betreffen könnten. Laut Artikel 72 durften sich die Unionsrepubliken von der Sowjetunion abspalten – nur (!) die Unionsrepubliken. Bergkarabach galt damals aber nur als ein autonomes Gebiet. Der zweite Artikel 86 bekräftigte, dass die territoriale Abänderung der Unionsrepubliken ohne deren Zustimmung nicht umformiert werden durfte.[3] Die Argumentation von armenischer Seite geht weiter: Die Bergkarabach-Armenier haben als Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Es gibt aber kein Volk, welches den Namen „Bergkarabach-Armenier“ trägt. Das Volk von Bergkarabach besteht sowohl aus Armeniern als auch aus Aserbaidschanern und weiteren Minderheiten. Es gibt eine Nation von Armeniern, deren Mehrheit bereits das Recht auf Selbstbestimmung in Armenien wahrnimmt. Das Selbstbestimmungsrecht ist darüber hinaus der territorialen Integrität eines Staates untergeordnet. Dieser Punkt wurde auch in der Helsinki Schlussakte berücksichtigt.[4] Man kann die Grenzen nicht einfach willkürlich ziehen, einen Teil der Bevölkerung vertreiben und die Gegenseite vor diese Tatsache stellen. Als Mitglieder der Vereinten Nationen (VN) müssen beide Seiten das Völkerrecht respektieren und dementsprechend deren Politik ausrichten. Sonst hätten die VN die vier Resolutionen in Bezug auf den Bergkarabachkonflikt nicht verabschiedet, die den bedingungslosen Rückzug der armenischen Truppen aus den besetzten aserbaidschanischen Gebieten sowie die Rückkehr der aserbaidschanischen Binnenvertriebenen fordern.[5] Zahlen und Fakten Viele deutsche Journalisten versuchen, die nationale Zusammensetzung in Bergkarabach im 20. Jahrhundert zu vergleichen. Darin besteht prinzipiell kein Problem. Wir erhalten so jedoch mehrheitlich die Information, dass die Zahl der Armenier in der Region Bergkarabach überwiegt. Nach der Eroberung von Transkaukasien durch das zaristische Reich und der Unterzeichnung des Vertrages von Tjurkmenčaj im Jahr 1828 wurde die Zahl bereits in den 30er Jahren drastisch erhöht. Nach dem Erlass des russischen Zaren Nikolaj I. wurde an der Stelle des Khanats Jerewan und Nachitschewan ein „Armenisches Gebiet“ (Armjanskaja Oblast‘) gegründet. Daraufhin wurden die Armenier systematisch aus den unterschiedlichen Gebieten des Osmanischen und Persischen Reiches angesiedelt, um die neu eroberten Gebiete zu christianisieren. Bis zur Ansiedlung der Armenier lag die nationale Zusammensetzung in dem ehemaligen Khanat Jerewan bei ca. 50.000 Muslimen und 20.000 Armeniern; in Nachitschewan bei 17.000 Muslimen und 2.700 Armeniern.[6] Insgesamt weisen die Quellen darauf hin, dass aus dem Persischen Reich nur zwischen 1828 und 1830 rund 40.000 und aus dem Osmanischen Reich etwa 84.000 Armenier im heutigen Armenien sowie in Bergkarabach angesiedelt wurden.[7] Die Armenisierung der Region wurde noch in den Folgejahren durch das zaristische Russland fortgesetzt. Nun soll eben diese Information Stoff für die deutschen Journalisten sein, die weiter diesbezüglich Recherche betreiben. Ein äußerst beliebtes Argument der Armenier in Bezug auf Bergkarabach ist, dass dieses Gebiet Aserbaidschan von Stalin zugeteilt wurde. Einige Publizisten verweisen ohne konkrete Prüfung bzw. Belege auf diese armenische Argumentation. Nun gibt es auch hier Klärungsbedarf: Am 5. Juli 1921 fand die Tagung des Kaukasischen Büros (Kavbüro) statt. Dort wurde entschieden, die Lage Bergkarabachs innerhalb Aserbaidschans beizubehalten. Dies geschah auf der Grundlage des Friedens zwischen Muslimen und Christen in Bergkarabach und der ökonomischen Verbindung zwischen dem bergigen und niedrigen Karabach, seiner ständigen Verbindung mit Aserbaidschan. Bergkarabach sollte eine breite Autonomie mit dem Zentrum in der Stadt ŞuŞa (Schuscha) gegeben werden. Vier der Tagungsteilnehmer entschieden sich für diese Vorgehensweise, drei Teilnehmer stimmten enthalten.[8] Es handelte sich also nicht um eine willkürliche Entscheidung Stalins. Durch die aufgeführten Schwerpunkte wird deutlich, dass bei dieser Tagung überhaupt nicht diskutiert wurde, ob Bergkarabach Aserbaidschan zugeteilt werden muss. Dennoch findet man diesen Streitpunkt während der Tagung vom 4. Juli 1921 für Armenien. Täter-Opfer-Ausgleich Die armenische Seite wirft der aserbaidschanischen Seite die Pogrome in Baku und Sumgait (Sumqayıt) vor, sowie die Ereignisse im Jahr 1918. Anhand der historischen Dokumente kann man diesbezüglich einige aufklärende Informationen ans Licht bringen. Im März/April 1918 wurden in mehreren Städten Aserbaidschans Muslime und Bergjuden durch die armenischen Daschnaken und Bolschewiki massenhaft massakriert, was in diesem Ausmaß sogar als Völkermord bezeichnet werden kann. Im September 1918 kam es bei der Befreiung Bakus von den Daschnaken und Bolschewiki seitens der kaukasisch-islamischen Truppen zu gegenseitigen Gefechten und verheerenden Massakern. Die Pogrome in Sumgait sowie in Baku wurden bereits aufgearbeitet. Dabei wurde festgestellt, dass bei diesen Ereignissen tatsächlich zahlreiche Armenier umgebracht wurden. Es wurden dennoch nicht nur Armenier, sondern auch Aserbaidschaner getötet. Während des Pogroms in Sumgait kamen 26 Armenier und 6 Aserbaidschaner ums Leben. Besonders auffallend dabei: Unter den Tätern befand sich ein Armenier namens Eduard Grigorjan. Er leitete unmittelbar die gewaltsamen Aktionen gegen die armenischen Einwohner von Sumgait. Die darauffolgenden Gerichtsprozesse mit den Hauptangeklagten und den armenischen Opfern fanden überwiegend in Moskau statt. Fast alle armenischen Betroffenen konnten dabei Grigorjan als Haupttäter identifizieren. Seinen Namen versucht die armenische Seite jedoch mit allen Mitteln auszublenden. Nun stellt sich die Frage: Wieso sollten die Gräueltaten von Sumgait nicht mit den Ereignissen von Chodschali verglichen werden? Weil einige Täter von Sumgait konsequenterweise in Moskau hingerichtet wurden. Es gab einen Gerichtsprozess. Des Weiteren waren damals Armenien und Aserbaidschan immer noch Teile der sowjetischen Republik. Im Falle von Chodschali haben wir die Täter, die hunderte (!) Zivilisten massakriert haben, inzwischen in höhere Ämter in der unabhängigen Republik Armenien eingesetzt. Sie befinden sich weiterhin auf freiem Fuß. Natürlich bin ich als empathischer Mensch traurig über jeden Tod bzw. Mord, auch eines Armeniers. Ich mache hier keine Abstriche. Wir sollen unsere Fehler akzeptieren. Doch die Armenier müssen sich für den Völkermord in Chodschali entschuldigen. Die Aserbaidschaner sollen den Angehörigen der armenischen Opfer ebenfalls ihr Beileid aussprechen. Ich kann jedoch an dieser Stelle die Tatsache nicht unausgesprochen lassen, dass auf der armenischen Seite ebenfalls Pogrome gegen Aserbaidschaner stattfanden. Die armenische Journalistin Mane Papjan hat diesbezüglich sehr interessante Fakten enthüllt. Sie fand heraus, dass in den armenischen Gebieten Kapan und Gugark in denen Aserbaidschaner auf engstem Raum lebten, Pogrome seitens der benachbarten Armenier stattfanden. Im Jahr 1988 wurden in der Stadt Wanadsor (in der Sowjetzeit Kirowakan) beispielsweise sieben Aserbaidschaner umgebracht. Daraufhin wurden weitere aserbaidschanische Familien überfallen, mit der Forderung, die Häuser zu verlassen. In einer weiteren armenischen Stadt, in Gugark, wurden im November 1988 mindestens elf Aserbaidschaner ermordet. Des Weiteren gab es vermehrt armenische Banden, die Aserbaidschaner verfolgt und zur Flucht gezwungen haben. Den russischen Original-Artikel der armenischen Journalistin Mane Papjan kann man im Internet lesen und sich so ein eigenes Bild von den damaligen Zuständen verschaffen.[10] Wenn wir vom Pogrom in Sumgait sprechen, vergessen viele, dass diesem Ereignis noch die Deportation von Aserbaidschanern im Jahr 1987 folgte. Thomas De Waal schreibt in seinem Buch „Black Garden“, dass bereits im November 1987 zwei Güterwagen mit Aserbaidschanern nach Baku kamen, die aus der armenischen Stadt Kapan vertrieben wurden. Leider wurden diese Ereignisse sowohl in Armenien als auch in der gesamten Sowjetunion nicht medial begleitet.[11] Sveta Pašaeva, eine Armenierin, erinnert sich an diese Ereignisse:
„Es wurde gesagt, dass zwei Güterwagen mit nackten und entkleideten Kindern aus Kapan ankamen. Wir gingen hin, um das anzuschauen. Das waren Aserbaidschaner aus Kapan. Ich war am Hauptbahnhof. Ich sah selbst mit eigenen Augen diese zwei Güterwagen. Die Türen waren auf und zwei lange Bretter wurden an die Wand genagelt, damit unterwegs keine Menschen aus dem Wagen fallen konnten. Wir wurden gebeten, für die Flüchtlinge etwas zur Unterstützung zu bringen. Ich, und nicht nur ich, auch viele andere haben für die Kinder alte Kleider gesammelt. Dort waren schmutzige Bauernmänner mit langen Haaren und Bärten, Betagte und Kinder.“    [12]
Da ich bereits die Vertreibung der Aserbaidschaner aus Armenien angesprochen habe, möchte ich hier noch einmal darauf verweisen, dass die Deportation der Aserbaidschaner aus Armenien nicht nur am Ende der 80er Jahre stattfand, sondern dass es auch zwischen 1948 und 1953 ein Programm der Sowjetunion gab, infolgedessen tausende Aserbaidschaner gezwungen wurden, deren Heimat (Armenien) zu verlassen – alles mit dem Ziel, die Armenier aus dem Ausland einzuladen bzw. anzusiedeln. Armenier, die aus Syrien, dem Iran und dem Irak nach Armenien kamen, zogen in die Häuser der Aserbaidschaner ein. Die Aserbaidschaner waren hingegen gezwungen, die klimatisch ungünstigeren Territorien Aserbaidschans zu besiedeln. In den offiziellen Dokumenten wurde die Vorgehensweise als „Erlass über die Umsiedlung von Genossenschaftsbauern und der weiteren aserbaidschanischen Bevölkerung aus der armenischen SSR in die Kura-Aras-Niederung der Aserbaidschanischen SSR“[13] betitelt, was eigentlich nicht stimmte, weil die Umsiedlung zwangsläufig stattfand und der Begriff „Deportation“ in diesem Fall naheliegend ist. An dieser Stelle möchte ich wieder darauf bestehen, dass der erste Schritt zu einer friedlichen Einigung von Armenien gemacht werden sollte! Solange sich die armenischen Truppen auf dem aserbaidschanischen Territorium befinden, solange die aserbaidschanischen Binnenvertriebenen nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren können und solange die Weltgemeinschaft und die Medien diese Problematik mit zweierlei Maß messen, werden wir in unserer Region keinen Frieden haben. Die Generationen, ob jung oder alt, bleiben so weiterhin verfeindet, wenn der erste Schritt einer Annäherung durch Armenien nicht bald getätigt wird. [1]https://www.primeminister.am/en/press-release/item/2019/11/12/Nikol-Pashinyan-Speech-Peace-Conference/(Letzter Zugriff am 06.03.2020). [2]Konstitucija (Osnovnoj zakon) Sojuza Sovetskich Socialističeskich respublik, 7. Oktober 1977, Im Internet (http://doc.histrf.ru/20/konstitutsiya-sssr-1977-goda/, letzter Zugriff am 07.03.2020). [3]Vgl. Krüger, Heiko: Der Berg-Karabach-Konflikt, Eine juristische Analyse, Heidelberg, 2009. S. 32. [4]Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit In Europa Schlussakte, Helsinki 1975. Im Internet:https://www.osce.org/de/mc/39503?download=true, (letzter Zugriff am 03.03.2020). [5]Resolutionen und Beschlüsse des Sicherheitsrats 1993, Sicherheitsrat, Offizielles Protokoll: Achtundvierzigstes Jahr, Vereinte Nationen, New York, 1993, S. 87-91. [6]Vgl. Kipke, Rüdiger: Das armenisch-aserbaidschanische Verhältnis und der Konflikt um Berg-Karabach, 2012, S. 17. [7]Ebd. S. 20. [8]Gulieva, D. P.: K istorii obrazovanija Nagorno-Karabachskoj Avtonomnoj Oblasti Azerbajdžanskoj SSR 1918-1925, Dokumenty i Materialy, Baku, 1989, S. 59. [9] [10]https://epress.am/ru/2015/04/29/события-в-гугарке-как-громили-азербай.html(letzter Zugriff am 03.03.2020). [11]Vgl. De Waal, Thomas: Black Garden, Armenia and Azerbaijan through Peace and War, New York University Press, New York and London, 2003, S. 18. [12]Ebd. S. 19. [13]Der Ministerrat der UdSSR, Dekret Nr. 4083, 23. Dezember 1947, Moskau, Kreml´.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Asif Masimov Asif Masimov hat Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Er ist Doktorand im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er bloggt auf masimovasif.net zu historischen und politischen Themen rund um Deutschland, Aserbaidschan und Russland.

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– Karabach Konflikt – Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert

„Seit dem ersten Tag der Auseinandersetzung verfolge ich achtsam die deutschen Medien, um deren Berichterstattung zu beurteilen. Die ersten Tage war dies aus meiner Sicht zum großen Teil ausgewogen. In den letzten Tagen wurde ich hingegen sehr enttäuscht.“

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert

Bergkarabach-Konflikt
UN: Armenische Truppen müssen aserbaidschanische Territorien verlassen

Ein Gastbeitrag von Asif Masimov – Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin Am 27. September 2020 teilten die Verteidigungsministerien der Republik Aserbaidschan und Armenien mit, dass wieder Gefechte an der Frontlinie zwischen den beiden verfeindeten Südkaukasusländern ausgebrochen sind. Die Kämpfe dauern auch weiterhin an, wobei bereits zahlreihe Militärleute auf beiden Seiten ums Leben kamen. Auf der aserbaidschanischen Seite wurden sogar bislang neun Zivilisten getötet, darunter auch Minderjährige und fünf Personen aus einer einzigen Familie. Hintergründe der Eskalation Die Hintergründe der aktuellen Eskalation sind in der ungeschickten Haltung Paschinjans zu sehen. Nachdem Nikol Paschinjan nach der Samtener Revolution die Macht in Jerewan ergriffen hatte, wurde die Rhetorik in Bezug auf die Konfliktverhandlungen mit Aserbaidschan komplett geändert. Baku hoffte auf einen Durchbruch beim langwierigen Konflikt nach der Machtwende in Jerewan. Paschinjan provozierte jedoch Aserbaidschan mit seinen Handlungen, nachdem er seine Macht als Ministerpräsident ausgebaut hatte. Einmal äußerte er: „Karabach ist Armenien und Punkt!“, ein anderes Mal bedrohte sein Verteidigungsminister, Tonojan, Aserbaidschan mit der Aussage „Neuer Krieg – neue Gebiete“. Seine Frau hat wiederum einmal an den Militärübungen für Frauen in der Bergkarabach-Region teilgenommen. Des Weiteren teilte das Außenministerium der Republik Armenien noch im April dieses Jahres mit, dass eine Lösung des Konfliktes mit Aserbaidschan durch eine schrittweise Annäherung nicht infrage kommt. Nach der Explosion in Beirut kündigte Armenien an, dass libanesische Armenier in der Region Karabach angesiedelt werden, obwohl dies das Völkerrecht komplett verletzt. Eine Woche später verkündete das separatistische Regime von Berg-Karabach, dass das administrative Zentrum der selbsternannten Republik Stepanakert (aser. Chankendi) in die Stadt Schuscha, in der vor dem Ausbruch des Krieges mehrheitlich Aserbaidschaner lebten (93 %), verlegt werden soll. Diese Stadt spielt eine bedeutende Rolle in der Geschichte Aserbaidschans. Am 29. August 2020 nahm Paschinjan an einer militärischen Zeremonie in der Bergkarabach-Region teil, in der er seine Militärleute, die bei der ethnischen Vertreibung der Aserbaidschaner in den 90er Jahren beteiligt waren, auszeichnete und ehrte. All diese Ereignisse und die militärische Provokation im Juli 2020 durch die armenische Regierung bildeten den Zündstoff für die aktuellen Gefechte, die nun wieder an der Frontlinie entfach wurden. Weltgemeinschaft zu jüngsten Gefechten Im Zuge des Bergkarabachkonfliktes wurden 20 Prozent der aserbaidschanischen Territorien von armenischen Streitkräften besetzt und ca. eine Million Aserbaidschaner vertrieben. Die von dem UN-Sicherheitsrat verabschiedeten Resolutionen (822, 853, 874, 884) fordern einen bedingungslosen und unverzüglichen Rückzug der armenischen Streitkräfte aus den aserbaidschanischen Territorien. Momentan werden Verhandlungen im Rahmen der Minsk-Gruppe der OSZE durchgeführt. Sowohl die frühere als auch die aktuelle Regierung Armeniens verweigerte bisher, die Beschlüsse der UN und die „Madrider Prinzipien“ zu implementieren. Bis heute führte Armenien nur Scheinverhandlungen, um Zeit zu gewinnen. Die Verhandlungen stecken jedoch offensichtlich seit Jahren in einer Sackgasse. Während Russland, Deutschland, Frankreich sowie die EU zum Waffenstillstand der beiden Seiten aufrufen, forderte der türkische Präsident, Tayyip Erdogan, den Rückzug der armenischen Besatzungstruppen aus den aserbaidschanischen Territorien. Viele deutsche Medien sowie Politiker haben Erdogan wegen dieser Äußerung angegriffen, obwohl er der einzige war, der in diesem Zusammenhang die Wahrheit sagte. Die Bundesabgeordnete der Linken, Heike Hänsel, hat nun in ihrer Pressemitteilung den Rückzug der aserbaidschanischen Truppen gefordert. Daraus ergibt sich eine interessante Frage: Rückzug, damit Armenien mehr Territorien besetzt oder Rückzug aus dem eigenen Territorium, aber wohin? Frau Hänsel ist höchstwahrscheinlich nicht informiert, dass die Kämpfe auf aserbaidschanischem Territorium durchgeführt werden. Wenn sich die aserbaidschanischen Truppen noch zurückziehen, sollen sie dann im Kaspischen Meer schwimmen gehen? Der CDU-Abgeordnete Albert Weiler hat auf seiner Facebookseite die aserbaidschanische Regierung aufgrund der Verletzung des humanitären Völkerrechts kritisiert. Meine Reaktion auf diesen Post lautete:
„Wenn Sie von einer Verletzung des humanitären Völkerrechts reden, wo waren Sie denn, als in Chodschali über 600 aserbaidschanische Zivilisten ermordet und eine Million Aserbaidschaner vertrieben wurden? Heute hat die armenische Seite ein aserbaidschanisches Dorf in Naftalan beschossen. Fünf Mitglieder einer Familie wurden getötet. Wenn Sie nur ein Prozent Gewissen hätten, würden Sie Ihre Stellung nicht einseitig vertreten!“.
Ich bekam allerdings von Weiler keine richtige Rückmeldung auf meinen Kommentar. Weiler ist selbst nicht moderat und antwortet auf zahlreiche Anfragen nicht, obwohl er der stellvertretende Vorsitzende der südkaukasischen Parlamentariergruppe ist. Möglicherweise wird Herr Weiler nur durch seine armenische Mitarbeiterin in Bezug auf den andauernden Konflikt informiert, was seine einseitige Vorstellung rechtfertigen soll. Das ist in dieser Form aber nicht akzeptabel! UN-Resolutionen noch nicht implementiert Heute, am 29. September 2020, findet eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates statt. Zum ersten Mal seit vielen Jahren, nach dem ersten Karabachkrieg in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, wird das ständige Gremium der Vereinten Nationen, das mit der Hauptverantwortung für die Wahrung der internationalen Sicherheit betraut ist, auch die Frage einer neuen militärischen Eskalation in Karabach prüfen. Die Versammlung der heutigen UN-Sitzung wurde durch die estnische und deutsche Initiative einberufen. Aserbaidschan hofft, dass die UN Armenien für die fast 30 Jahre aggressive Politik heute mit entsprechenden Maßnahmen bestrafen wird. Armenien ist dazu verpflichtet, die von der UN verabschiedeten vier Resolutionen zu implementieren und die aserbaidschanischen Territorien bedingungslos zu verlassen, damit auch aserbaidschanische Binnenvertriebene endlich zurückkehren können. Solange die Weltgemeinschaft und die Medien diese Problematik mit zweierlei Maß messen, werden wir in unserer Region keinen Frieden haben.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Asif Masimov Asif Masimov hat Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Er ist Doktorand im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er bloggt auf masimovasif.net zu historischen und politischen Themen rund um Deutschland, Aserbaidschan und Russland.

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– Karabach Konflikt – Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert

„Seit dem ersten Tag der Auseinandersetzung verfolge ich achtsam die deutschen Medien, um deren Berichterstattung zu beurteilen. Die ersten Tage war dies aus meiner Sicht zum großen Teil ausgewogen. In den letzten Tagen wurde ich hingegen sehr enttäuscht.“

Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht religiös motiviert