Treffen in Athen
Türkei und Griechenland möchten Handelsbeziehungen stärken

Athen – Während Politiker und zahlreiche Medien auf beiden Seiten auf Spannung setzen, möchte die Wirtschaft die Beziehungen stärken. Besonders der Tourismussektor bietet zahlreiche Möglichkeiten. Die fünfte Sitzung des griechisch-türkischen Gemischten Wirtschaftsausschusses (Joint Economic Committee)  fand nach elfjähriger Unterbrechung am Montag in Athen statt. Die Delegationsleiter drückten ihre Zufriedenheit über die Reaktivierung des JEC aus, dessen letzte Sitzung vor mehr als 11 Jahren, 2010 in Ankara, stattfand. Die türkische Delegation wurde vom stellvertretenden Handelsminister Mustafa Tuzcu geleitet, die griechische Delegation vom stellvertretenden Außenminister für Wirtschaftsdiplomatie Kostas Frangogiannis, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Laut einer gemeinsamen Erklärung, die im Anschluss an das Treffen veröffentlicht wurde, begrüßten die Parteien die Reaktivierung der Kommission, deren letzte Sitzung vor mehr als 11 Jahren im Oktober 2010 in Ankara stattfand. Die Delegationen erörterten zahlreiche Themen, die die beiden Nachbarländer betreffen, darunter die Verbesserung des bilateralen Handelsvolumens, die Ermutigung von Unternehmen zur Entwicklung von Joint Ventures in Griechenland und der Türkei, die Stärkung der Zusammenarbeit im Energiebereich und die Kooperation im Transportsektor. Auch die Verbesserung der Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel, der Umweltschutz und die Wiederaufnahme der bilateralen Zusammenarbeit in Forschung und Technologie gehörten zu den Themen, die die Parteien erörterten. Insbesondere im Bereich des Tourismus äußerten sich beide Seiten zufrieden mit den Fortschritten, die in der bilateralen Zusammenarbeit in diesem Bereich während der vierten Sitzung des Gemeinsamen Türkisch-Griechischen Tourismusausschusses am 18. November 2021 und dem 9. griechisch-türkischen Tourismusforum am 17. November 2021 in der türkischen Ägäisprovinz Izmir erzielt wurden. Die Erklärung unterstreicht, dass die Parteien ihre Entschlossenheit bekräftigt haben, Wege zur Stärkung der touristischen Zusammenarbeit und zur Steigerung der Touristenströme zwischen den Ländern zu finden.

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– Griechenland – Treffen in Athen: Griechenland und Türkei wollen Handelsbeziehungen stärken

Bei seinem Besuch in Athen will der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu mit seinem griechischen Amtskollegen Nikos Dendias die Probleme zwischen Griechenland und der Türkei, die Entwicklungen in der Region, die Zypernfrage sowie die Stärkung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erörtern.

Treffen in Athen: Griechenland und Türkei wollen Handelsbeziehungen stärken

Corona-Krise
Städte fürchten Impfpflicht-Bürokratie

Essen – Sieben Wochen vor Einführung der einrichtungsbezogenen Corona-Impfpflicht in medizinisch-pflegerischen Betrieben gibt es in den nordrhein-westfälischen Kommunen erhebliche Zweifel an Umsetzung und Kontrollierbarkeit. „Die Bundesregierung muss schnell alle offenen Fragen klären. Es kann nicht sein, dass uns in den Städten wieder ein irrer Verwaltungsaufwand auf die Füße fällt“, warnte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), der zugleich Vize des NRW-Städtetages ist, gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Bislang sei völlig ungeklärt, wie sich der Bund das Zusammenspiel von Arbeitgebern und Gesundheitsämtern im Umgang mit personenbezogenen Daten vorstelle und wie Beschäftigungsverbote durchgesetzt werden sollen, so Kufen. Mit der Reform des Infektionsschutzgesetzes hat die Ampel-Koalition im Dezember beschlossen, dass ab 15. März alle Beschäftigten in Einrichtungen wie Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen, Pflegedienstleistern, Rettungsdiensten oder Geburtshäusern vollständig geimpft sein müssen. Das gilt nicht nur für Beschäftigte in medizinisch-pflegerischen Berufen, sondern auch für Reinigungs- und Küchenpersonal oder Verwaltungsjobs. Wird der Impfnachweis nicht erbracht, soll der Arbeitgeber dies dem zuständigen Gesundheitsamt melden, das daraufhin ein Beschäftigungsverbot aussprechen müsste. Trotz der vergleichsweise hohen Impfquote wartet auf die 53 Gesundheitsämter in NRW womöglich eine Bürokratie-Lawine. Allein bei der Stadt Essen wird davon ausgegangen, dass man es bei insgesamt 50.000 Beschäftigten in diesem Bereich mit 2500 bis 3000 Ungeimpften zu tun bekommen könnte. Die Zeit drängt: Nur wer bis zum 28. Januar eine Erstimpfung erhält, kann zum Geltungsbeginn der Impfpflicht vollständig geimpft sein. Unklar ist, wie die Gesundheitsämter bei Rechtsstreitigkeiten um medizinische Atteste, sozialen Härten wegen wegfallender Entgeltfortzahlung oder Versorgungsengpässen in einzelnen Pflegeheimen verfahren sollen. Kritiker aus der Pflegebranche hatten bereits Befürchtungen geäußert, dass die Impfpflicht den Fachkräftemangel weiter verschärfen werde.

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– Corona-Pandemie – Türkei: Gesundheitsminister Koca ruft erneut zur Booster-Impfung auf

Der türkische Gesundheitsminister hat die Bevölkerung erneut aufgerufen, sich impfen zu lassen.

Türkei: Gesundheitsminister Koca ruft erneut zur Booster-Impfung auf

NRW
Corona-Zahlen bei NRW-Schülern explodieren

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Düsseldorf  – Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Corona-bedingt nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, hat sich in NRW im Wochenvergleich offenbar verdoppelt. Das NRW-Schulministerium erklärte auf Nachfrage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), dass zum Stichtag 19. Januar 2022 insgesamt 42.830 Corona-Fälle unter Schülern gezählt wurden. Das entspreche einem Anteil von 2,1 Prozent. In der Vorwoche gab es 20.232 bekannte Fälle (0,99 Prozent). In Quarantäne befanden sich demnach zum Stichtag 19. Januar insgesamt 65.389 Schulkinder (3,2 Prozent), in der Vorwoche waren es rund 38.000. Darüber hinaus wurden von den Schulen im Rahmen der wöchentlichen Abfrage des NRW-Schulministeriums insgesamt 2.462 bestätigte Corona- Fälle unter den Lehrkräften gemeldet (Vorwoche: 1.709), in Quarantäne befanden sich am 19. Januar 2022 weitere 1.592 Lehrkräfte (Vorwoche: 1.046). Keine Schule war in der vergangenen Woche pandemiebedingt geschlossen, hieß es aus dem Ministerium. „Trotz der gestiegenen Zahlen bleibt das Infektionsgeschehen landesweit unter Kontrolle. Durch die engmaschigen Testungen werden Infektionen frühzeitig erkannt und Infektionsketten unterbrochen“, so das Ministerium. Die NRW-Vorsitzende der Grünen, Mona Neubaur, sagte, NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) trage die Verantwortung für die zunehmend schwierige Lage an den Schulen: „Sie schafft es seit zwei Jahren nicht, die Schulen auf dem Weg durch die Pandemie vernünftig auszustatten, adäquat zu begleiten und angemessen mit ihnen zu kommunizieren. Kaum Luftfilter in den Klassenräumen, keine umfassenden Konzepte für digitale Unterrichtsformate, Zick-Zack bei der Maskenpflicht – die Bilanz der Schulministerin ist mehr als unglücklich.“ Die Bildungsinstitutionen benötigten jetzt „Flexibilität und Klarheit, um eigenverantwortlich auf die konkrete Situation vor Ort reagieren zu können. Dazu gehört beispielsweise, auf feste, möglichst kleine Lerngruppen ohne häufige Wechsel des Lehrpersonals zu setzen“, so Neubaur gegenüber der WAZ.

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Nordzypern-Wahlen
Nationale Einheitspartei (UBP) Sieger der Parlamentswahlen in Nordzypern

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Lefkoşa – Bei den Parlamentswahlen in Nordzypern hat die regierende Nationale Einheitspartei (Ulusal Birlik Partisi, UBP) von Präsident Ersin Tatar mit 39,53 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Zweitstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus in Lefkoşa wurde die Republikanische Türkische Partei (Cumhuriyetçi Türk Partisi, CTP) von Parteichef Tufan Erhürman mit 32,04 Prozent. Die Demokratische Partei (DP) unter ihrem Vorsitzenden Fikri Ataoğlu erhielt 7,41 Prozent. Die Partei der Wiedergeburt (Yeniden Doğuş Partisi, YDP) 6,39 Prozent und die Partei des Volkes (Halkın Partisi, HP) 6,68 Prozent. Da bei den Parlamentswahlen in Nordzypern eine Fünf-Prozent-Hürde gilt, schafften es die übrigen Parteien nicht ins Parlament. Die Wahlamtsvorsitzende Nordzyperns, Narin Ferdi Şefik, erklärte, dass zum endgültigen Wahlergebnis noch neun Wahlurnen fehlten, da die Auszählung dieser Urnen noch laufe. Nach der Auszählung würden diese ins elektronische Wahlsystem übertragen.

Film
Türkei: Schauspielerin Fatma Girik an Corona gestorben

von Kemal Bölge Ihre schönen blauen Augen zogen so manchen Zuschauer in ihren Bann und galten zeit ihres Lebens als Markenzeichen. Wie kaum eine andere Schauspielerin vor ihr prägte Fatma Girik das türkische Kino. Sie wirkte stets authentisch und ohne Starallüren, denn die am 12 Dezember 1942 in Istanbul geborene Grande Dame des türkischen Films brachte vor und hinter der Kamera eigene Ideen mit. Den endgültigen Durchbruch schaffte sie mit dem 1960 gedrehten Film „Ölüm Peşimizdeydi“ (Der Tod hat uns verfolgt), bei dem ihr späterer Lebenspartner Memduh Ün Regie führte. Die Schauspielerin Perihan Savaş erzählte einmal, dass Girik bei den Vorbereitungen zum Film „Namus“ (Die Ehrbarkeit) sie zu ihrem Schneider mitgenommen habe und die Filmkostüme der beiden dort eigens habe anfertigen lassen. Sie soll vor dem Dreh auch das Make-up von Savaş aufgetragen haben. Während ihrer Schauspielkarriere wirkte Girik in mehr als 180 Filmen mit. Als in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland Videorekorder in türkischen Haushalten Einzug hielten, durften wir als Kinder die geliehenen türkischen Videokassetten uns anschauen. Ich schaute mir mit meinen Geschwistern gerne Action-Filme mit Cüneyt Arkın an und Fatma Girik hatte in diesen Filmen eine Aura, die ihresgleichen suchte. Für mich waren beide im Film das Traumpaar schlechthin, auch wenn sie im wirklichen Leben getrennte Wege gingen. Wir schauten uns gerne die Yeşilçam-Filme, also die türkischen Mainstreamfilme, an. Bereits mit 14 Jahren spielte Girik in ihrem ersten Film und das Glück sollte ihr lange hold bleiben. Im Alter von 79 Jahren ist Fatma Girik am frühen Montagmorgen in einem Krankenhaus in Istanbul verstorben. Das behandelnde Krankenhaus teilte mit, dass die Schauspielerin infolge einer Covid-19 Infektion an „mehrfachem Organversagen“ gestorben sei. Seit 10 Tagen befand sich Girik in der Intensivstation eines Privatkrankenhauses. Die türkische Filmindustrie verliert mit ihrem Tod nicht nur eine großartige Schauspielerin, sondern auch eine starke Persönlichkeit.

Griechenland
Sprengstoffanschlag auf Moschee in Athen

Athen – Unbekannte Täter haben einen Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in der griechischen Hauptstadt Athen verübt. Zum Zeitpunkt der Sprengstoffdetonation befand sich niemand in der Moschee, sodass keine Menschen verletzt wurden. Wie die Zeitung Birlik berichtet, entstand durch die Wucht der Explosion im Eingangsbereich des muslimischen Gotteshauses und an parkenden Autos Sachschäden. Der Anschlag ereignete sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen etwa 3 Uhr morgens im Athener Stadtteil Patisia Agios Panteleimonas in der Stefanu-Vizantiu-Straße. Der oder die Täter sollen den Sprengstoff in den Eingangsbereich der Moschee abgelegt haben. Durch die Detonation gingen Schaufenster im Eingangsbereich sowie an parkenden Autos zu Bruch. Die Moschee befindet sich im Keller des Gebäudes und wird von Moslems aus dem Stadtteil und der Umgebung besucht.

Corona-Pandemie
Iran genehmigt Impfung von Kindern unter 12 Jahren

Teheran – Der Iran wird mit der Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren beginnen. Wie die Regierung am Samstag mitteilte, will sie damit eine weitere Corona-Welle verhindern. Mohammad Hashemi, ein Sprecher des iranischen Gesundheitsministeriums, teilte Reportern am Samstag mit, dass die nationale Anti-Coronavirus-Zentrale grünes Licht für die Impfung von Kindern zwischen 5 und 11 Jahren gegeben habe, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Die landesweite Einführung des Impfstoffs werde schrittweise und mit der erforderlichen Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten erfolgen. Auch der Gouverneur von Teheran, Mohsen Mansouri, versicherte, dass die Aktion  „freiwillig“ und „mit Zustimmung der Eltern“ erfolge. Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund eines sprunghaften Anstiegs der Zahl der COVID-19-Infektionen und Krankenhausaufenthalte bei Kindern unter 10 Jahren in Teheran und anderen Großstädten. In einem Tweet vom Samstag erklärte Hashemi, es sei schwierig, den Prozentsatz der Omicron-Fälle im Land zu bestimmen. Einige Experten schätzten ihn auf 30 Prozent, schlössen aber nicht aus, dass er auch 40 Prozent erreichen könne. Er fügte hinzu, dass die Durchimpfungsrate der Auffrischungsimpfung als „sichere Lösung gegen das Coronavirus“ „noch nicht das gewünschte Niveau“ erreicht habe. Der Iran hat mit der Einführung von Massenimpfungen spät begonnen, da die Einfuhr von Impfstoffen durch die US-Sanktionen behindert wurde. In den letzten Monaten hat sich das Impftempo jedoch allmählich erhöht, so dass der verspätete Beginn wieder aufgeholt werden konnte. Der iranische Präsident Ebrahim Raisi erklärte Anfang Januar, dass es im Iran keinen Mangel mehr an Corona-Impfstoffen gebe – sowohl an inländischen als auch an importierten. Er rief alle Iraner auf, sich mit einer Auffrischungsdosis des Impfstoffs zu versorgen. „Nach den Berichten, die vorliegen, gibt es keinen Mangel an Impfstoffen, sowohl an inländischen als auch an importierten, und ich fordere alle auf, die dritte Dosis des Impfstoffs zu erhalten, um die Gesundheit der Gesellschaft wirksamer zu schützen“, sagte Raisi.

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Handball-EM
Zyperngriechische Behörden verweigern türkischem Rettungsflugzeug Landeerlaubnis

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Lefkoşa – Die Behörden im griechischen Teil Zyperns haben einem türkischen Rettungsflugzeug die Landeerlaubnis verweigert, das den türkischen Handball-Nationalspieler Alperen Arabacı wegen eines Notfalls im griechischen Süden abholen sollte. Der Handball-Nationalspieler wurde beim Corona-Test positiv getestet und begab sich anschließend in Quarantäne. Eigentlich sollte Arabacı mit der türkischen Handball-Nationalmannschaft bei den Gruppenspielen zur Europameisterschaft in Südzypern antreten. Das erste Spiel in der Türkei gewann die türkische Auswahl mit 35-28.gegen die „Republik Zypern“ und das Rückspiel auf der Insel 29-26. Nach dem Positivbefund des Handballers führten das Jugend- und Sportministerium, das Gesundheitsministerium und das türkische Außenministerium konkrete Gespräche über eine Rückholaktion des Profisportlers mit einem Rettungsflugzeug. Allerdings erklärten die Behörden im griechischen Süden, dem Rettungsflugzeug keine Landeerlaubnis erteilen zu wollen. Die Türkei erkennt die „Republik Zypern“ nicht an und es bestehen keine diplomatischen Beziehungen untereinander. Die Insel Zypern ist seit einem Putsch griechischer Offiziere in der zyperngriechischen Armee 1974 geteilt, die einen gewaltsamen Anschluss an Griechenland (Enosis) anstrebten. In Anlehnung an den Garantievertrag intervenierte die türkische Armee am 20. Juli 1974, um die zyperntürkische Bevölkerung vor zyperngriechischen Extremisten zu schützen. Bis heute ist es den Konfliktparteien nicht gelungen, die Zypernfrage zu lösen. Kemal Bölge/Lefkoşa  

Nordzypern
Vorgezogene Parlamentswahlen in Nordzypern

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Lefkoşa – In der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC) finden an diesem Sonntag vorgezogene Parlamentswahlen statt. Insgesamt sind 203.792 Wähler dazu aufgerufen, die 50 Sitze im Parlament von Lefkoşa neu zu bestimmen. Um 8 Uhr öffneten die Wahllokale, die um 18 Uhr schließen. Zur Wahl treten 400 Kandidaten aus acht verschiedenen Parteien an. In sechs Bezirken Nordzyperns sind 2.289 Wahlhelfer im Einsatz, die die 763 aufgestellten Wahlurnen überwachen sollen. Von den 50 Sitzen im Parlament entfallen 16 auf den Bezirk Lefkoşa , 13 auf Gazimağusa, elf auf Girne, fünf auf Iskele, drei auf Güzelyurt und zwei sind für Lefke bestimmt. Bei den Parlamentswahlen in Nordzypern gilt eine Fünf-Prozent-Hürde. Mit ersten Ergebnissen wird gegen Mitternacht gerechnet. Das Wahlamt will am Montag, spätestens jedoch am Dienstag das offizielle Wahlergebnis mitteilen. Während der Stimmabgabe gelten in allen Wahllokalen in Nordzypern die Corona-Hygieneregeln. Bürgern ohne eine Mundschutzmaske ist der Zutritt ins Wahllokal untersagt. Die Wähler erhalten vor der Stimmabgabe Hygienehandschuhe ausgehändigt. Kemal Bölge/Lefkoşa

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– Türkei – Erdogan kündigt Besuch des israelischen Präsidenten Herzog an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan teilte am Dienstag mit, dass ein möglicher Besuch des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog im Gespräch sei.

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Ehe im Islam
Benjamin Idriz: Genau wie die Eheschließung ist auch die Ehescheidung ein juristischer Vorgang

Von Benjamin Idriz Während ich im Büro arbeite, – üblich wie zwischen zwei Gebete- läutet das Telefon. Eine Frau meldet sich, sie möchte anonym bleiben. Weinend bittet sie mich um Rat, wie sie sich verhalten soll: sie kommt sich wie eine Geisel ihres (Ex-)Mannes vor. Beide hatten sich von einem Imam trauen lassen, ohne standesamtliche Eheschließung. Nach ein paar Jahren heiratete der Mann eine zweite Frau, wieder nur vor einem Imam. Nach einem Streit sagte er zu ihr: „Du bist geschieden!“, woraufhin sie das Haus verließ. Sie fing ein neues Leben an, wurde glücklich und zufrieden. Nach mehreren Monaten, während sie getrennt voneinander in unterschiedlichen Städten gelebt hatten, spürte der Mann sie telefonisch auf und behauptete, dass seine Aussage nicht ernst gemeint gewesen wäre und sie folglich immer noch seine Ehefrau wäre. Das lehnte die Frau ab, erklärte, dass sie das Eheleben nicht mehr mit ihm teilen wolle, dass sie nun schließlich tatsächlich schon einige Zeit getrennt seien und sie einen anderen Mann suche, den sie dann standesamtlich heiraten werde. Darauf erwiderte er, dass eine Eheschließung auf dem Standesamt islamisch nicht korrekt sei, sondern nur die Ehe „vor Allah“ bei einem Imam gültig geschlossen würde. Die verzweifelte Frau wollte wissen, ob sie nun noch verheiratet oder geschieden sei! Eine andere Frau rief an und wollte wissen, wie sie mit ihrem Mann umgehen dürfe, der sich zu ihr immer wieder gewalttätig verhielt. Ich bot ihr an, mit ihr ein gemeinsames Gespräch mit ihr und ihrem Mann an, worauf sie aber meinte, die traue sich nicht, ihrem Mann zu gestehen, dass sie mit einem Imam, also mit einem fremden Mann, telefoniert habe. Schließlich riet ich ihr, auf jeden Fall die Polizei einzuschalten, wenn ihr Mann gewalttätig würde – woraufhin sie empört reagierte: „A‘udhubillah! (‚Gott bewahre!‘)“ Wie könne ich als Imam ihr raten, Schutz bei der „ungläubigen“ Kuffar-Polizei zu suchen! Eine weitere Frau wurde vor Jahren gerichtlich von ihrem Mann geschieden – doch der Mann weigert sich, die gerichtliche Scheidung zu akzeptieren und betrachtet sie weiterhin als seine Ehefrau, obwohl sie längst getrennt leben. Sie bat mich nun als Imam ein Scheidungsurteil auszusprechen. Ich erklärte ihr, dass ich kein Richter bin und mir das daher nicht zusteht. Nachdem ich mich von ihrem Scheidungsurteil überzeugte, bestätigte ich ihr, dass das Urteil klar und sie damit nach meiner Auffassung eindeutig geschieden sei. Kurz danach rief mich ihr Ex-Mann an und warf mir wütend vor, was für ein Imam ich sei. Ich könne doch als Imam nicht das Urteil eines nicht-islamischen Gerichts akzeptieren… Er habe zwar inzwischen eine andere Frau geheiratet, aber die erste sei ebenfalls nach wie vor seine Frau. Eine Konvertitin, fast vierzig Jahre alt, fragte nach, ob sie ohne Zustimmung eines „waly“, ihres „Vormundes“, also Vater oder Bruder, heiraten dürfe. Ich erklärte, dass sie selbstverständlich selbst zu entscheiden haben, wann sie wen sie heiraten wolle, und dass sie dazu keine Zustimmung der Eltern (oder des Bruders) bräuchte. Aber, erzählte sie irritiert, „ihr Scheich“, d.h. der arabische Imam ihrer Moschee, habe ihr erklärt, dass sie nicht ohne „waly“ heiraten dürfe und ihr Vater könne nicht als „waly“ gelten, weil er kein Muslim ist. Was solle sie nun tun? Diese vier Fälle sind Beispiele für zahllose Gesuche von Frauen, die nicht nur mich, sondern viele Imame erreichen – und für die menschenunwürdige Hilflosigkeit, mit der viele muslimische Frauen konfrontiert werden. An sie möchte ich mich hier ganz speziell wenden! Deutschland ist Gott sei Dank ein Rechtsstaat. Die Richterinnen und Richter sind frei von ideologischen und politischen Einflüssen und von jeglichen Zwängen außerhalb der Gesetze. Der Staat ist verpflichtet, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zu schützen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Mit der islamischen Institution des „waly“, gemäß der prophetischen Überlieferung, soll nichts anderes bewirkt werden, als den Rechtsschutz der Betroffenen zu gewährleisten! Laut einigen Rechtsschulen ist die Zustimmung des waly, des „Vormunds“, für die Eheschließung erforderlich, um die Obhut der Frau zu gewährleisten. Der Prophet hat den „waly“ vorgesehen, um die Rechte der Frau zu schützen. Weil damals kein Rechtsstaat existierte, wurde die stärkste Person mit der Obhut betraut. Der Koran selbst sieht die Zustimmung des waly nicht ausdrücklich vor, lässt die Frage also offen. Deshalb kennt die hanafitische Rechtsschule diesen Zwang zur Zustimmung nicht und überlässt die Entscheidung zur Eheschließung der Frau selbst. In unserer Zeit und Kultur übernimmt der Rechtsstaat den wünschenswerten Schutz und fungiert damit, islamisch gesprochen, als waly seiner Bürger und Bürgerinnen. Die Eheschließung ist die Voraussetzung für das gemeinsame Eheleben. Sie ist aber im Islam kein „sakraler“ Vorgang, sondern ein gesellschaftlicher Vertrag zwischen zwei Menschen, Mann und Frau. Der Koran bezeichnet die Eheschließung als „festes Abkommen“ (miythak galijdh; Sure 4, Die Frauen, 12). Das bedeutet, dass darin verbindliche Bestimmungen festgeschrieben werden, die kompetent und zuverlässig aufgestellt werden müssen. Privatpersonen oder private Institutionen können das nicht leisten, sondern staatliche Institutionen, die die Ehepartner vor Manipulation und Missbrauch schützen. Somit braucht die Eheschließung im Islam eine juristische Grundlage. Weder der Imam noch die Moschee haben die Befugnis dazu. Weder im Koran noch in den Hadithen steht, dass die Ehe „vor Allah“ geschlossen werden soll. Wenn in Moscheen oder Privaträumen ein Imam oder eine andere Person in Deutschland eine sogenannte Zeremonie zur Eheschließung vollzieht, dann ist das nicht mehr als eine „Segnung“. Sie hat keinen juristischen Boden in Deutschland, aber auch nicht im Islam. Wer sich nur von einem Imam trauen lässt, setzt seine Ehe aufs Spiel. Am meisten haben darunter dann die Frauen zu leiden. Bei Anfragen betone ich als Imam immer wieder, dass es keine „islamische Ehe“ gibt, sondern nur einen „Ehevertrag“, der „festen Boden“, d.h. Rechtssicherheit braucht. Dafür sind in Deutschland die Standesämter zuständig. Nicht nur ist es wichtig, die Ehe in jedem Fall auf dem Standesamt zu schließen – diese Form der Eheschließung ist auch im islamischen Sinn richtig und korrekt. Wenn ich das den Partnern, die sich trauen lassen möchten, erkläre, dann ist es häufig die Frau, der diese Position einleuchtet und die dann ihren künftigen Ehemann dazu bewegt, die Ehe erst auf dem Standesamt und anschließend in der Moschee zu besiegeln. Manche Männer dagegen zeigen dabei immer noch Skepsis. Ich kann nur an die Ehepartner appellieren, die Ehe ernst zu nehmen und die Trauung zuerst juristisch, also standesamtlich vorzunehmen. Danach kann sie dann von einem Imam gewissermaßen „abgesegnet“ werden. SO sehen es auch, soweit mir bekannt ist, die Islamische Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina (hier in Deutschland IGBD) und die Diyanet-Behörde der Türkei (hier in Deutschland DITIB). Sie raten ihren Imamen ab, Trauungen vorzunehmen, solange die rechtliche Eheschließung nicht erfolgt ist. Ich appelliere an meine Kollegen, diese Regelungen einzuhalten um sich selbst so wie das Paar vor den möglichen Konsequenzen zu schützen! Genau wie die Eheschließung ist auch die Ehescheidung ein juristischer Vorgang. Ein Imam ist nicht befugt, ein Urteil für oder gegen eine Scheidung zu fällen. Er kann, wie andere Menschen auch, nur Ratschläge geben, um eine Ehe zu retten und wie die Partner sich vielleicht aussöhnen können. Im islamischen Recht ist es der sogenannte Qadi, d.h. der „Richter“, der in zivilrechtlichen Angelegenheiten entscheidet, und damit auch für Eheschließung und Ehescheidung zuständig ist. Er nimmt in islamischen Ländern im Auftrag des Staates bzw. des Staatsoberhauptes die judikative Funktion wahr und richtet sich dabei nach dem islamischen wie auch dem positiven Normensystem. Für Deutschland gilt demzufolge, dass den Gerichten die alleinige Kompetenz und Autorität zukommt, eine Ehe aufzulösen. Ehepartner müssen wissen, dass eine im Streit getroffene, bloße Aussage „Du bist geschieden“ weder islamisch oder moralisch noch juristisch von Bedeutung ist, solange sie nicht vor Gericht rechtskräftig wird. Eine Frau hat selbstverständlich das Recht, sich von ihrem Mann zu trennen, wenn sie die Ehe als unerträglich empfindet. Der Weg dahin führt, genau wie umgekehrt, über die Gerichte. Dabei bleibt für beide Partner gleichermaßen immer zu berücksichtigen, dass eine Trennung bittere Konsequenzen nach sich ziehen kann – ganz besonders für die gemeinsamen Kinder. Deshalb ist aus islamischer Sicht die beste Lösung nicht eine Trennung, sondern immer die Versöhnung: „die Dinge auf friedliche Weise zwischen sich in Ordnung zu bringen; denn Frieden ist am besten“ (4:28). Erschienen auf facebook Benjamin Idriz

Benjamin Idriz dürfte der einzige Imam Deutschlands sein, der promovierter islamischer Theologe ist und zugleich auf deutsch schreibt. Beides – die Praxisbezogenheit des Seelsorgers und die wissenschaftliche Vertrautheit mit den Quellen – zeichnet sein neues Buch aus. Mit diesen Qualitäten ragt es aus einer wahren Flut von Veröffentlichungen aller Art über die „Frauenfrage“ im Islam wohltuend heraus.

Der Autor ist seit vielen Jahren weit über die oberbayerische Kleinstadt Penzberg, wo er als Imam wirkt, und über München, wo er das „Münchner Forum für Islam“ initiiert hat, bekannt: Sein Wirken und Schaffen gilt einem authentischen Islamverständnis, das mit den Wertvorstellungen der deutschen und europäischen Gesellschaft unserer Zeit nicht nur kompatibel ist, sondern die gemeinsamen Werte aus den Quellen des Islams – dem Koran und der Tradition der Propheten – ableitet.

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