Flüchtlingspolitik
Grüne zweifeln an Merkels Krisenlösungs-Kompetenz
Berlin (dts) – Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise haben die Grünen deutliche Zweifel daran geäußert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Lage ist, die Probleme des Flüchtlingsandrangs in Deutschland zu lösen. Ob Flüchtlinge, Euro oder Lebenspartnerschaft, die Kanzlerin beschreibe nie Aufgabe, Ziel und die Schritte dahin, sagte der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck dem „Handelsblatt“. „Merkel befördert Stimmungen: Beim Euro chauvinistischen Egoismus, um dann doch zu spät das Notwendigste zu tun. Bei den Flüchtlingen Zuversichtlichkeit und Menschlichkeit, während ihr Finanzminister derweil verhindert, dass die Kommunen das Nötige haben, um das Notwendige zu tun.“
Und ihr Innenminister Thomas de Maizière (CDU) stimme „die Melodie der Auslöschung von Mitmenschlichkeit und Rechtsgewährung im Asylrecht“ an. „Merkel tut, als habe sie nichts mit der Arbeit ihrer Minister zu tun. Scheitern sie, waren es nur ihre Minenhunde“, sagte Beck weiter. Die Kanzlerin bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „eine Meisterin im Sichern ihrer Stellung und ihrer Macht“. Da habe sie sich viel vom früheren Kanzler Helmut Kohl abgeschaut. „Ihrer Politik fehlt es an Linie und so nimmt sie die Menschen nicht mit, sondern lullt sie ein. Nicht ganz ungefährlich für eine Demokratie“, konstatierte Beck. Kritisch fällt auch das Urteil des SPD-Bundesvize Ralf Stegner aus.
Merkels politischer Erfolg und ihre Popularität gründeten durchgängig auf den Grundsatz „Alles ist richtig, auch das Gegenteil“, sagte Stegner dem „Handelsblatt“ mit Blick auf die vergangen zehn Kanzlerinnen-Jahre. Vom Soli bis zur Ausländermaut, von der Atomenergie bis zum Mindestlohn könne heute immer auch das Gegenteil dessen gelten, was Merkel gestern noch vertreten habe. Der SPD-Politiker attestierte Merkel eine „sympathisch uneitle und uneigennützig anmutende Interpretation ihres politischen Amtes“ und eine „`Sie kennen mich`-Beruhigungsattitüde“. Damit sei es ihr gelungen, „politische Führung konsequent zu vermeiden und zugleich in der Manier eines Staatsoberhaupts in entpolitisierender Weise bei Wahlkämpfen die Demobilisierung von politischen Gegnern zu erreichen.“ Stegner warnte zugleich vor den Folgen dieser Politik: „Was heute auf dem Gipfel von Angela Merkels Popularität zum Erfolg der Union beiträgt, trägt im Kern aber bereits die Probleme von morgen in sich für eine Partei, die inhaltlich entkernt und beliebig und ohne überzeugende personelle Alternativen dasteht.“
Flüchtlingskrise
Türkei: Hilfsorganisation vor Ort in Mazedonien
Kumanova/Mazedonien (nex) – Eine türkische humanitäre Hilfsorganisation hat Hilfspakete an Flüchtlinge, die versuchen, die Stadt Kumanova im Norden von Mazedonien zu erreichen, ausgeliefert.
Burak Berberoglu, Mitglied der Humanitarian Relief Foundation (IHH), sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu, die Organisation habe bereits während des gesamten heiligen Monats Ramadan Hilfsgüter in diesem Gebiet verteilt. Ungefähr 500 Nahrungsmittelpakete seien täglich an die Flüchtlinge ausgeteilt worden. „Die Nahrungsmittelpakete enthalten unter anderem Fruchtsäfte, Wasser, belegte Brote und konservierte Waren.”, so Berberoglu. Es seien außerdem noch Kleidung und Kinderwagen verteilt worden.
Die IHH, eine der größten Hilfsorganisationen der Türkei mit fast 100.000 Freiwilligen, arbeitet in diesem Gebiet mit der UN-Flüchtlingsagentur, dem UNHCR sowie dem Roten Kreuz zusammen.
Die Organisation ist vor ungefähr 10 Tagen in die Türkei zurückgekehrt, als das Foto des ertrunkenen syrischen Kleinkindes Aylan Kurdi die internationalen Medien beherrschte. Burak Berberoglu sicherte aber zu, dass die Agentur plant, während des Winters wieder vor Ort in Mazedonien zu sein, um den Flüchtlingen zu helfen.
Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass pro Tag ungefähr 3.000 Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen und in den kommenden Monaten in Mazedonien erwartet werden. Die Flüchtlinge kommen in Mazedonien über Griechenland an, um dann weiter über Serbien, Kroatien und Ungarn nach Westeuropa zu gelangen.
Griechenland
Tsipras wieder Ministerpräsident Griechenlands
Athen (dts) – Alexis Tsipras ist wieder Ministerpräsident Griechenlands. Der Syriza-Chef wurde am Montag vereidigt. Zuvor hatte er erneut das Mandat zur Bildung einer Regierung erhalten.
Tsipras war vom 26. Januar bis 27. August 2015 schon einmal griechischer Ministerpräsident. Am 20. August gab er seinen Rücktritt bekannt, die Neuwahlen wurden für den 20. September angesetzt, bei denen Syriza erneut siegte. Kanzlerin Merkel hat Tsipras bereits telefonisch zum Wahlsieg gratuliert.
Atom-Nachhaftungsgesetz
Bundeskabinett verschiebt Entscheidung über Atom-Haftung
Berlin (dts) – Das geplante Eilgesetz über eine unbegrenzte Nachhaftungspflicht der Atomkonzerne verzögert sich offenbar: Nach Informationen der „Welt“ hat das Bundeskabinett die für Mittwoch anstehende Abstimmung über den Gesetzesvorschlag von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) von der Tagesordnung gestrichen. Das Gesetz sollte sicherstellen, dass die Energiekonzerne die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke nicht auf Tochterfirmen übertragen können, um sich damit selbst aus der Verantwortung zu nehmen. Nach bisheriger Rechtslage endet die Konzernhaftung von Muttergesellschaften gegenüber abgespaltenen Tochterunternehmen nach fünf Jahren.
Für die führenden deutschen AKW-Betreiber Eon und RWE ergibt sich damit zumindest eine Atempause: Die Aktienkurse der Unternehmen waren massiv unter Druck gekommen, nachdem das Bundeswirtschaftsministerium seine Pläne für eine zeitlich und der Höhe nach unbegrenzte Nachhaftung öffentlich gemacht hatte. Das Bundeswirtschaftsministerium halte allerdings grundsätzlich an dem Ziel eines Nachhaftungsgesetzes fest, sagte ein Gabriel-Sprecher auf Nachfrage der Zeitung.
6 aus 49
Lotto-Jackpot steigt auf 32 Millionen Euro
Saarbrücken (dts) – Der Jackpot im Lotto 6 aus 49 steigt für die Ziehung am Mittwoch auf rund 32 Millionen Euro. Bei der Ziehung am Samstag war es keinem Glücksritter gelungen, die sechs richtigen Gewinnzahlen und die Superzahl auf seinem Spielschein anzukreuzen, teilte der Deutsche Lotto- und Totoblock am Montag mit. Gleich acht Tippern gelang demnach ein „Sechser“: Die Lottospieler aus Bayern (2), Brandenburg (1), Niedersachsen (1), Nordrhein-Westfalen (3) und Sachsen (1) gewinnen jeweils 286.037,90 Euro.
Somit wird am kommenden Mittwoch der millionenschwere Gewinntopf definitiv geleert: Es kommt zur sogenannten Zwangsausschüttung, da in der zurückliegenden Ziehung wieder kein Tipper den Jackpot knacken konnte. Die Zwangsausschüttung wird angewendet, wenn in zwölf aufeinanderfolgenden Ziehungen der Jackpot nicht geknackt wurde. Ein Tipper aus Baden-Württemberg wurde mit der Zusatzlotterie Spiel 77 zum Millionär. Er gewann mit der Endziffer-Lotterie exakt 1.177.777 Millionen Euro. Jeweils 100.000 Euro haben vier Spieler mit der Zusatzlotterie Super6 gewonnen. Ihre Spielscheine wurden in den Bundesländern Hessen (1), Niedersachsen (1) und Rheinland-Pfalz (2) gespielt.
Sicherheitsrisiko
Bauaufsicht stoppt Arbeiten am Flughafen BER
Berlin (dts) – Die Arbeiten in der Haupthalle des Hauptstadtflughafens BER sind von der Bauaufsicht gestoppt worden. Grund seien „erhebliche Überschreitungen“ von Gewichtsbelastungen im Gebäudedach, teilte der Landkreis Dahme-Spreewald am Montag mit. Der Baustopp werde frühestens aufgehoben, wenn ein Prüfingenieur die Standsicherheit nachgewiesen habe, hieß es seitens der Behörden weiter.
Der Flughafen hatte ursprünglich bereits im Juli 2012 eröffnet werden sollen. Wegen Bau- und Planungsmängeln bei der Brandschutzanlage hatte der BER allerdings nicht in Betrieb gehen können.
Abgas-Affäre
Autoexperte Dudenhöffer legt VW-Chef Winterkorn Rücktritt nahe
Berlin (dts) – In der Affäre um mutmaßlich manipulierte Abgaswerte bei VW fordert Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer personelle Konsequenzen an der Konzernspitze. Als direkter Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung habe der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn entweder von den Manipulationen gewusst oder aber er sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte Dudenhöffer der „Frankfurter Rundschau“ (Montagsausgabe): „In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.“ Der Wirtschaftswissenschaftler, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt, schloss in der „Frankfurter Rundschau“ zudem nicht aus, dass auch hiesige Modelle mit einer Schummel-Software ausgestattet sein könnten.
„Wenn ein Weltkonzern auf einem so wichtigen Markt wie dem nordamerikanischen die Werte manipuliert, dann sollte dringend überprüft werden, ob das nicht auch bei uns geschehen ist“, sagte Dudenhöffer zu der Zeitung. Künftig sollten vorsätzlich falsche Herstellerangaben in umwelt- und gesundheitspolitisch sensiblen Bereichen nach Ansicht Dudenhöffers in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden. „Der Justiz- und der Umweltminister müssen gemeinsam dafür sorgen, dass solche Praktiken unter das Strafrecht fallen.“ Bisher seien nur zivilrechtliche Klagen möglich. Der Skandal sei, so Dudenhöffer laut „Frankfurter Rundschau“, für VW eine „Imagekatastrophe par exellence“.
Netiwot-Siedlung
Israel: Iron Dome gegen Gaza
Jerusalem (nex) – Aufgrund der Eskalationen in Jerusalem und rund um die al-Aqsa-Moschee hat Israel in der Nähe des Gaza-Streifens eine Iron Dome Batterie stationiert. In einer Erklärung des israelischen Militärrundfunks heißt es, die Luftwaffe habe in der jüdischen Siedlung Netiwot am Gazastreifen eine Batterie des mobilen Raketenabwehrsystems Iron Dome stationiert.
Am 7. Juni 2014 hatte Israel Gaza aus der Luft und aus dem Meer sowie am 17. Juli mit Bodentruppen angegriffen. Bei dem Krieg waren 4562 Raketen aus Gaza nach Israel abgefeuert worden. 224 waren direkt in israelischen Wohngebieten eingeschlagen. Iron Dome konnte 735 Raketen vorzeitig abwehren und zerstören.
Flüchtlingspolitik
Biedenkopf stützt Angela Merkel im Streit in der Flüchtlingspolitik
Berlin (dts) – Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf stützt angesichts des Versagens der EU-Institutionen Angela Merkels Vorgehen in der Flüchtlingspolitik. „Angela Merkel führt und ich bewundere sie dafür. Aber sie wird schon angefeindet, wenn sie sagt `Wir schaffen das`. Das ist absurd! Sie muss doch wenigstens daran glauben dürfen, dass wir das schaffen!“, sagte Biedenkopf im Gespräch mit der „Welt“.
„Beim Euro ist ihr der Brückenschlag zur Empathie und zu Gefühlen nicht gelungen. Wer entwickelt auch schon Empathie für abstraktes Geld. Aber als die Flüchtlinge kamen, hat sie erkannt: Das ist eine wirkliche Zeitenwende. Sie wird Europa verändern und seine Rolle in der Welt“, sagte der CDU-Politiker weiter. Das liege auch an Merkels spezifischem Machtverständnis. „Angela Merkel hat eine andere Beziehung zur Macht als Kohl. Für ihn war Macht etwas, das er für sich persönlich wollte. Deshalb wollte er sie unreflektiert, und wenn er glaubte, jemand könne sie ihm streitig machen, war er unerbittlich.“ Merkel sei anders. „Für sie ist der Besitz von Macht eine Bedingung politischer Führung. Aber kein Lebensziel.“

