London – Die internationalen Notenbanken stocken ihre Goldreserven in rasantem Tempo auf. Wie aus dem heute veröffentlichten Bericht „Gold Demand Trends Q3 2026“ des World Gold Council (WGC) hervorgeht, haben die Zentralbanken weltweit im dritten Quartal Netto-Zukäufe von insgesamt 321 Tonnen getätigt.
Damit verzeichnet das offizielle Sektor-Kaufverhalten den stärksten Zuwachs seit Ende 2024 und liegt um rund 42 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Strategische Käufe und geopolitische Absicherung
Der anhaltende Goldhunger der Währungshüter unterstreicht einen breiter angelegten Trend zur Diversifikation von Währungsreserven. Insbesondere Schwellenländer, angeführt von Staaten wie China, Polen und Usbekistan, treiben den Aufbau ihrer Bestände kontinuierlich voran.
Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen, handelspolitischer Unsicherheiten und des Wunsches, die Abhängigkeit von traditionellen Leitwährungen zu verringern, gilt das Edelmetall in den Bilanzen der Notenbanken als unverzichtbarer Anker für finanzielle Stabilität und Liquidität. Im laufenden Jahr summieren sich die gemeldeten Nettokäufe der Zentralbanken damit bereits auf rund 675 Tonnen.
Gesamtnachfrage stabil – Starke Dynamik bei ETFs
Trotz der massiven staatlichen Käufe zeigte sich die weltweite Gesamtnachfrage nach Gold im dritten Quartal mit 1.369 Tonnen weitgehend stabil und verzeichnete im Jahresvergleich einen leichten Rückgang von rund einem Prozent.
Getrieben durch den anhaltend hohen Goldpreis kletterte der Gesamtwert der weltweiten Nachfrage jedoch um 22 Prozent auf beeindruckende 188 Milliarden US-Dollar. Einen bemerkenswerten Boom verzeichneten im Berichtszeitraum auch institutionelle Investoren.
Nach einer längeren Phase der Zurückhaltung kehrten globale Gold-ETFs mit starken Netto-Zuflüssen von 211 Tonnen an den Markt zurück. Dieser massive Kapitalstrom trieb die weltweiten Bestände in goldgedeckten Fonds auf einen neuen historischen Höchststand von 4.256 Tonnen.
Insbesondere in Nordamerika und Europa griffen Anleger verstärkt zu, um sich gegen volatile Märkte und steigende Staatsverschuldung abzusichern. Gegenbewegung bei Privatkunden: Hohe Preise bremsen Schmucknachfrage Während institutionelle und staatliche Käufer den Markt stützen, zeigt sich im privaten Endverbrauchersegment ein völlig anderes Bild.
Die Nachfrage nach klassischem Schmuck sank im dritten Quartal um 17 Prozent auf 313 Tonnen. Auch der Kauf von Goldbarren und -münzen gab nach und verzeichnete einen Rückgang von 19 Prozent auf 268 Tonnen. Marktbeobachter führen dies darauf zurück, dass viele private Käufer angesichts des historisch hohen Preisniveaus zögern oder Gewinne realisieren.
Ein Lichtblick zeigt sich derweil im Industriesektor: Die Technologie-Nachfrage stieg um drei Prozent auf 85 Tonnen – den höchsten Wert seit Ende 2021. Vor allem die stark expandierende Halbleiter- und KI-bezogene Fertigung sorgt hier für einen stabilen, wachsenden Bedarf an dem Edelmetall.
Central bank buying, ETF inflows support third-quarter gold demand 🥇 * Central banks and other official institutions added a net 321 t to reserves in the quarter, up 42% year-on-year and the highest quarterly total since the fourth quarter of 2024 * Physically backed gold exchange-traded funds (ETFs) returned to inflows during the third quarter in a marked reversal from the second quarter, adding 211 t in the third quarter * Over-the-counter (OTC) and other demand reached 143 t * But: Bar and coin demand dropped by 19% year-on-year to 268 t https://t.co/WnzW0PpWwv
— Oliver Groß (@minenergybiz) November 3, 2026

