Lefkoşa/Nordzypern – Was Sicherheitsbehörden am Flughafen Ercan im türkisch kontrollierten Nordzypern am 19. Mai entdeckten, sorgte für Aufsehen:
In dem Gepäck eines 24-jährigen israelischen Staatsangehörigen befanden sich vier menschliche Embryonen — aufbewahrt in Reagenzgläsern in einem speziellen Kryobehälter mit der Aufschrift „Life Parcel“.
Der Mann stand kurz davor, einen Flug nach Mexiko via Istanbul zu besteigen. Er wurde noch am Flugsteig festgenommen.
Gleichzeitig rückten Ermittler eine IVF-Klinik in Lefkoşa, der de-facto-Hauptstadt Nordzypers, aus. Der Klinikdirektor und ein dort tätiger Arzt, beide türkische Staatsangehörige, wurden ebenfalls verhaftet.
Die Klinik soll nach Angaben der Behörden ohne die erforderliche Zulassung betrieben worden sein. Auch für die Entnahme und den internationalen Transfer der Embryonen habe es keine Genehmigung der zuständigen zyprischen Gesundheitsbehörden gegeben, hieß es. Medienberichten zufolge soll die Klinik mit dem Unternehmen Vita Altera in Verbindung stehen, das von dem in Israel tätigen Embryologen Aharon Peretz gegründet wurde.
Drei Verdächtige vor Gericht
Alle drei Festgenommenen wurden einem Gericht vorgeführt, das ihre Untersuchungshaft um zunächst zwei Tage verlängerte, um den Ermittlern Zeit zu geben, Zeugenaussagen aufzunehmen und Sicherheitskameraaufnahmen auszuwerten.
Sie werden beschuldigt, menschliche Embryonen ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen aus Nordzypern entfernt zu haben — ein Verstoß gegen Gesetze zur Übertragung menschlicher Zellen, Gewebe und Organe.
Ziel Mexiko — Hintergründe noch unklar
Warum die Embryonen nach Mexiko gebracht werden sollten und wem sie gehören, ist bislang unklar. Ermittler prüfen laut Ynet auch die mutmaßliche Schmuggelroute: Der Flughafen Ercan im türkisch kontrollierten Teil Zyperns wird von den meisten Ländern nicht offiziell anerkannt.
Flüge von dort führen in der Regel zunächst nach Istanbul — von wo aus dann Verbindungen in alle Welt bestehen. Ob hinter dem Vorfall Leihmutterschaft, Organhandel oder andere Motive stehen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Angaben dazu machten die Behörden bislang nicht.
Der Fall wirft laut Rechtsexperten ein Schlaglicht auf eine wachsende rechtliche Grauzone: Internationale IVF-Verfahren und grenzüberschreitende Embryonentransfers nehmen weltweit zu — die gesetzlichen Regelungen dazu unterscheiden sich jedoch von Land zu Land erheblich.
Medicus-Skandal
Der Fall erinnert an den Medicus-Skandal von 2008: Damals wurden in einer Klinik im Kosovo illegale Nierentransplantationen durchgeführt. Der israelische Staatsbürger Moshe Harel, der als Kopf des Organhandelsrings gilt, wurde 2018 in Zypern verhaftet — kosovarische Behörden beantragten seine Auslieferung. Empfänger der illegal verpflanzten Nieren waren hauptsächlich israelische Staatsbürger, die mehr als 70.000 Euro pro Organ bezahlt haben sollen.
🇮🇱🇨🇾 Security at a Cyprus airport stopped a 24-year-old Israeli man and found 4 human embryos in his luggage, stored in a cryogenic container labeled „Life Pack,“ bound for Mexico via Istanbul.
The embryos came from an IVF clinic in northern Nicosia operating without proper… pic.twitter.com/a83DvyK8To
— Mario Nawfal (@MarioNawfal) May 22, 2026
AUCH INTERESSANT
Kosovo: Behörden beantragen Auslieferung von israelischem Organhändler Moshe Harel

