Start Panorama Ausland Fall Albanese Manipulierte Narrative: Die gezielte Kampagne gegen Francesca Albanese

Fall Albanese
Manipulierte Narrative: Die gezielte Kampagne gegen Francesca Albanese

Eine Kampagne gegen UN-Berichterstatterin Albanese basiert auf KI-Fakes. Erfahren Sie mehr über die Hintergründe und die Rolle europäischer Regierungen.

(Foto: UN)
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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Was derzeit als koordinierte diplomatische Offensive gegen die UN-Sonderberichterstatterin für das besetzte Palästina, Francesca Albanese, wahrgenommen wird, wirft grundlegende Fragen über die politische Integrität europäischer Regierungen auf.

Angeführt vom französischen Außenminister Jean-Noël Barrot und unterstützt durch den deutschen Außenminister Johann Wadephul, fordern mehrere Hauptstädte den Rücktritt der Juristin. Die Grundlage dieser massiven Demontagebemühungen bildet jedoch kein tatsächliches Fehlverhalten, sondern ein digital manipuliertes Konstrukt.

In den sozialen Netzwerken kursieren Videos, in denen Albanese behauptet haben soll, Israel sei der „gemeinsame Feind der Menschheit“. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese Aufnahmen jedoch als Resultat künstlicher Intelligenz und gezielter Zusammenschnitte, die ihre tatsächlichen Aussagen ins Gegenteil verkehren.

Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei der Rolle der israelischen Botschaft in Frankreich zu. Berichten zufolge verbreitete diese bereits am 9. Februar eine stark gekürzte Version eines Al-Jazeera-Interviews mit Albanese.

Durch das gezielte Weglassen entscheidender Kontexte entstand der fälschliche Eindruck einer pauschalen Verurteilung Israels als „Feind“. Diese mediale Inszenierung scheint als Katalysator für eine Empörungswelle gedient zu haben, die schließlich von Regierungsvertretern wie Johann Wadephul aufgegriffen wurde, um den politischen Druck auf die Sonderberichterstatterin zu erhöhen.

Die Tragweite dieses Vorfalls reicht über eine bloße Personaldebatte hinaus. Sie offenbart ein besorgniserregendes Defizit an Medienkompetenz und Verantwortungsbewusstsein in höchsten politischen Kreisen. Während staatliche Akteure und Teile der Medienlandschaft die Kampagne trotz der offensichtlichen Manipulation aufrechterhalten, regt sich juristischer Widerstand.

Der französische Verband der Juristen für die Achtung des Völkerrechts (JURDI) erstattete am vergangenen Freitag Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Paris. Der Vorwurf lautet auf Verbreitung von Falschinformationen. Durch die Unterstellung nicht getätigter Aussagen werde Albanese zudem einem erhöhten Sicherheitsrisiko sowie massivem öffentlichem Druck ausgesetzt.

Die Rekonstruktion der tatsächlichen Aussagen
Ein Blick auf das Originalinterview bei Al Jazeera verdeutlicht die Diskrepanz zwischen Manipulation und Realität. Albanese thematisierte darin die strukturellen Herausforderungen der internationalen Gemeinschaft. Sie kritisierte, dass weite Teile der Welt Israel nicht etwa gebremst, sondern durch Waffenlieferungen, politischen Schutzraum und finanzielle Mittel unterstützt hätten.

In Bezug auf den oft zitierten „Feind“ erklärte sie wörtlich, dass die Menschheit einen gemeinsamen Gegner erkenne – damit meinte sie jedoch ausdrücklich nicht einen Staat oder eine Bevölkerungsgruppe. Vielmehr definierte sie dieses Feindbild als jenes globale politische und ökonomische Geflecht aus Finanzkapital, Algorithmen und Waffen, welches Gewalt und Menschenrechtsverletzungen erst ermögliche. Die Achtung grundlegender Freiheiten bezeichnete sie als den letzten verbliebenen friedlichen Weg zur Wiedergewinnung kollektiver Freiheit.

Politische Mitverantwortung und strategische Diskreditierung
Es scheint, als sei die Deutlichkeit, mit der Albanese die Mitverantwortung europäischer Regierungen am Geschehen in Gaza anspricht, der eigentliche Grund für die gegen sie geführte Kampagne. Wer Waffen exportiert und diplomatische Schutzmechanismen aufrechterhält, während die zivile Infrastruktur in Gaza systematisch zerstört wird, für den ist die Analyse einer UN-Sonderberichterstatterin zwangsläufig unbequem.

Dass europäische Regierungen ihre Rücktrittsforderungen auf Basis von Fake-Videos aufrechterhalten, ohne eine Prüfung der Originalquellen vorzunehmen, stellt einen medialen und politischen Präzedenzfall dar.

Es bleibt die kritische Frage offen, ob es sich hierbei um ein eklatantes Versagen der internen Verifizierungsmechanismen handelt oder ob die Nutzung KI-generierter Desinformation billigend in Kauf genommen wird, um eine kritische Stimme im internationalen Diskurs mundtot zu machen. Eine aufrichtige politische Aufarbeitung müsste bei der eigenen Rolle in diesem Konflikt ansetzen, statt sich auf die Diskreditierung derer zu konzentrieren, die auf die Einhaltung des Völkerrechts pochen.

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