Fall Jalloh
Neues Gutachten: Polizisten zündeten Oury Jalloh in Zelle an

Laut einem neuen Gutachten wurde Oury Jalloh 2005  in einer Gefängniszelle von Polizisten angezündet.

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Dessau – Laut einem neuen Gutachten wurde Oury Jalloh 2005  in einer Gefängniszelle von Polizisten angezündet.

Jalloh verbrannte 2005 in einer Gefängniszelle in Dessau. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Das am Mittwoch in Berlin vorgestellte neue Gutachten wurde von einer privaten Aufklärungsinitiative in Auftrag gegeben. Diese gehen seit Jahren davon aus, dass Jalloh ermordet worden ist.

Die Familie Jallohs fordert nun die Wiederaufnahme der Mordermittlungen und erstattet Anzeige gegen die zuständigen Staatsanwälte.

Wie der mdr unter Bezugnahme auf eine Mitteilung der Initiative berichtet, waren die Grundlage für das Gutachten Brandversuche mit einem Dummy in einem originalgetreuen Nachbau der Zelle, in der Jalloh 2005 verbrannte, sowie Bewegungsversuche. Dabei wurde eine Person auf einer Matratze in Originalgröße wie Jalloh an beiden Händen und Füßen fixiert. Der Versuch habe gezeigt, dass Jalloh weder den Bewegungsspielraum, noch andere Möglichkeiten hatte, die Matratze selbst anzuzünden.

Oury Jalloh (amtlich Ouri Jallow; * 2. Juni 1968 in Kabala; † 7. Januar 2005 in Dessau) war ein in Deutschland geduldet lebender Sierra-Leoner. Er wurde in einer Gewahrsamszelle im Keller des Dienstgebäudes Wolfgangstraße 25 des Polizeireviers Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt tot aufgefunden. Die genaue Todesursache ist unklar. Die Feuerwehr fand einen stark verbrannten Leichnam vor.

„Oury Jalloh verbrennt in einer Zelle der Polizei Dessau-Rosslau. Erst sieht es so aus, als hätte er sich selbst angezündet. Doch warum taucht das Feuerzeug erst später auf? Wie leicht ist es eine schwer entflammbare Matratze anzuzünden und das Ganze auch noch in einer gefliesten Zelle?“, fragt der stern.

Auch der Richter habe im ersten Prozess diese Theorie eines Selbstmordes stark angezweifelt und bei der Urteilsverkündung gemahnt: „All diese Beamten, die uns hier belogen haben, sind einzelne Beamte, die als Polizisten in diesem Land nichts zu suchen haben.“ Akten seien vernichtet worden und Zeugen hätten ihre Aussagen zurückgezogen. Experten seien „schon Anfang des Jahres 2017 überwiegend zu der Überzeugung gekommen, dass Oury Jalloh nicht selbst Feuer gelegt haben und daran gestorben sein kann“, sagte Rechtsanwältin Gabriele Heinecke im Interview mit nd Ende 2017. Sie bezeichnete den Falls damals schon als „skandalös und intransparent“.

Zum Thema

– „Selbstanzündungs-Theorie“ –
Anwältin Oury Jallohs fordert die Wiederaufnahme des Verfahrens

Die Rechtsanwältin Gabriele Heinecke nennt das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Halle im Verfahren zur Aufklärung des verstorbenen Oury Jalloh „skandalös und intransparent“.

Anwältin Oury Jallohs fordert die Wiederaufnahme des Verfahrens

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