Paraquat
Whistleblower: Tausende in Sri Lanka sterben durch giftiges Pestizid aus Großbritannien

Zehntausende Menschen, wie die Teenagerin Shashikala aus Sri Lanka, starben an Vergiftungen durch ein tödliches Pestizid, das in Großbritannien hergestellt wurde. Hunderte von geheimen Dokumenten und ein Whistleblower werfen die Frage auf, ob der Hersteller Syngenta den Profit über die Menschen stellte. 

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Colombo – Zehntausende Menschen, wie die Teenagerin Shashikala aus Sri Lanka, starben an Vergiftungen durch ein tödliches Pestizid, das in Großbritannien hergestellt wurde. Hunderte von geheimen Dokumenten und ein Whistleblower werfen die Frage auf, ob der Hersteller Syngenta den Profit über die Menschen stellte.

Das Unkrautvernichtungsmittel Gramoxone mit seinem Wirkstoff Paraquat hat den Landwirten weltweit jahrzehntelang geholfen, Lebensmittel billig anzubauen. Aber es ist so giftig, dass ein Schluck tödlich sein kann. Die Zahl der Todesopfer könnten in die Hunderttausende gehen, so ein ehemaliger UN-Beamter gegenüber dem britischen TV-Sender Channel 4 News. 

Laut Channel 4 News präsentierte der schweizer Hersteller Syngenta fehlerhafte Sicherheitsdaten zu Gramoxone und geheime Firmendokumente legten nahe, dass Syngenta sicherere und teurere Alternativen hatte, die sie den Verbrauchern vorenthielt, um ihre Gewinne zu schützen.

„Ich kann nachts nicht schlafen, wenn ich daran denke, dass irgendwo auf der Welt ein Mensch Gramoxone schluckt», so Whistleblower Jon Heylings gegenüber dem Schweizer Rundfunk (SRF). Heylings war Forscher bei Syngenta und hat jahrzehntelang für die Industrie zur Sicherheit von Paraquat geforscht.

Der 1962 eingeführte Unkrautvernichter ist in der EU nicht mehr zugelassen und gilt als eines der tödlichsten Pestizide weltweit. Es gibt kein Gegengift gegen eine Paraquat-Vergiftung. Das Pestizid ist trotzdem noch in rund 100 Ländern zugelassen. Syngenta ist laut NGOs weltweit der größte Hersteller,  berichtet SRF weiter.

Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichten Unearthed, einem journalistischen Arm von Greenpeace UK, und Public Eye, einer Schweizer NGO (Nichtregierungsorganisation), eine Untersuchung wonach Unternehmen in Großbritannien sowie in einigen Ländern der Europäischen Union (EU) massive Mengen an Pestiziden – die in ihren eigenen Ländern verboten sind – in ärmere Länder exportieren.

Mehr als 89.000 (US-)Tonnen solcher Pestizide wurden demnach 2018 exportiert, größtenteils in Länder, in denen der Einsatz giftiger Pestizide die größten Risiken birgt. Großbritannien war der größte Exporteur (15.000+ Tonnen oder 40 % der Gesamtmenge im Jahr 2018); andere bedeutende Exporteure sind die Niederlande, Frankreich, Spanien, Deutschland, die Schweiz und Belgien. Das in der Schweiz ansässige und in chinesischem Besitz befindliche Unternehmen Syngenta war der mit Abstand größte Exporteur von verbotenen Agrochemikalien. Zu den Ländern, die den Großteil dieser gefährlichen Pestizide erhalten, gehören Brasilien, Südafrika, Mexiko, Indonesien und die Ukraine.

Obwohl dieses Problem in den USA in den frühen 2000er Jahren große Aufmerksamkeit erregte, hat sich weltweit wenig geändert, um diese Praxis des Verkaufs von im Inland verbotenen Pestizidprodukten in Teile der Welt zu stoppen, die ihre Verwendung weiterhin erlauben. Dies ist eine unethische Praxis, die die Risiken für die Arbeiter in den Entwicklungsländern noch vergrößert, die ohnehin schon großen Gefahren für die Gesundheit und die lokalen Ökosysteme ausgesetzt sind.

 

 

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