Boğaziçi-Proteste
Türkei: Weitere Universitäten schließen sich Boğaziçi-Protesten an

Die Proteste gegen die Ernennung von Prof. Melih Bulu zum Universitätspräsidenten von Boğaziçi durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dauern an.

Teilen

Istanbul – In der Türkei haben sich weitere Universitäten den Protesten an der renommierten Boğaziçi Universität – zu Deutsch Bosporus-Universität – gegen den neuen, von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ernannten Rektor, angeschlossen.

Studenten der İstanbul Universität versammelten sich am Montag vor ihrem Hauptcampus auf dem Beyazıt-Platz, um ihre Unterstützung für die Studenten der Boğaziçi Universität in ihrem Protest auszudrücken: „Unser Kampf geht über die Grenzen von Boğaziçi hinaus; alle ernannten Universitätspräsidenten müssen zurücktreten“, so die Studenten in einer Mitteilung.

Während der Platz von der Polizei abgesperrt wurde, forderten die Studenten Prof. Mahmut Ak, den Präsidenten ihrer eigenen Universität, ebenfalls zum Rücktritt auf:

„Wir leiten unsere Kraft aus unseren berechtigten Einwänden und legitimen Forderungen ab. Wir sind gegen ernannte Universitätspräsidenten. Unsere Forderungen sind legitim, unsere Einwände sind gerechtfertigt“, so die protestierenden Studenten.

„Unser Kampf geht weit über die Grenzen der Boğaziçi Universität hinaus. Wir fordern den sofortigen Rücktritt aller als Kuratoriumsmitglieder ernannten Universitätspräsidenten. Dann fordern wir eine demokratische Wahl, an der sich die Wähler aller Universitäten beteiligen. Wir werden weiter kämpfen; wir geben nicht auf, wir sind hier, wir akzeptieren keine treuhänderischen Universitätspräsidenten.“

Studenten weiterer Städte wie Antalya und Izmir schlossen sich den Protesten an.

(Screenshot/Twitter/YolTV)

Der neue Direktor, Melih Bulu, war 2015 für die regierende AKP als Abgeordnetenkandidat angetreten. Die Studenten kritisieren die Ernennung als undemokratisch und fordern das Recht ein, ihren eigenen Direktor zu wählen. „Wir wollen keinen ernannten Rektor. Er wird gehen, wir bleiben!“, riefen die Studenten. Der Aufruf der Studenten wurde auch von den Akademikern der Universität unterstützt, die am 3. Januar eine gemeinsame Erklärung veröffentlichten.

„Ein Akademiker außerhalb der Gemeinschaft der Bogazici Universität wurde zum Rektor (Universitätspräsident) ernannt, was eine Praxis ist, die zum ersten Mal nach der militärischen Vormundschaft der 1980er Jahre eingeführt wurde“.

AKP-Sprecher Ömer Celik wies die Vorwürfe zurück und sagte, es sei kein Verbrechen, wenn eine Person eine politische Identität habe.

Erdogan: „Dahinter stecken Terroristen“

Der türkische Präsident hatte ein Treffen mit den Studenten abgelehnt.

„Warum sollte ich mich mit den Studenten treffen? Sie stecken nicht hinter den Demos“, sagte Recep Tayyip Erdogan gegenüber Reportern am Freitag. Die eigentlichen Planer seien „Terroristen“, erklärte der türkische Staatschef und erwähnte dabei die Istanbul-Vorsitzende der oppositionellen CHP Canan Kaftancıoğlu. Erdogan bezeichnete die Politikerin als „DHKP-C Militantin“.

Zahlreiche Studenten verurteilten die Bezeichnung als „Terrorist“.
„Wir sind Studenten“, riefen sie gemeinsam vor der Uni.

Zum Thema

– Türkei –
Istanbul: Oberbürgermeister Imamoğlu solidarisiert sich mit Boğaziçi-Studenten

Der Oberbürgermeister der türkischen Millionenmetropole Istanbul hat sich mit den Studenten und Professoren der renommierten Boğaziçi Universität – zu Deutsch Bosporus-Universität – in ihrem „rechtschaffenen Kampf“ gegen den neuen, von Präsident Erdoğan ernannten Rektor, solidarisiert.

Istanbul: Oberbürgermeister Imamoğlu solidarisiert sich mit Boğaziçi-Studenten

Auch interessant

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten aus Gaza-Dokumentarfilm „NAZA“

Tel Aviv - Der preisgekrönte Dokumentarfilm „NAZA“ wirft Fragen zur israelischen Kriegsführung im Gazastreifen auf. Anhand von Aussagen von 24 anonymisierten Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern...

Neue Zugstrecke: Türkei wird neues Drehkreuz der Weltwirtschaft

Istanbul. Die Türkei und die Europäische Union (EU) treiben gemeinsam den Ausbau einer neuen Handelsroute zwischen Europa und Zentralasien voran. Der türkische Präsident Recep...

Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay: Netanjahu soll vor Gericht

Genf - Die südafrikanische Juristin Navi Pillay, die 2026 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, fordert, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen des Gaza-Krieges strafrechtlich zur...

Merz: „Wir stehen an der Seite Israels“

Berlin - Angesichts massiver internationaler Kritik an der israelischen Militärpolitik und wachsendem Druck von UN-Organisationen und Menschenrechtsorganisationen hat Bundeskanzler Friedrich Merz die deutsche Solidarität...

Baku: Delegationen verlassen Saal während Rede von Israels Präsident Herzog

Baku - Beim 7. Gipfel der Konferenz über Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA) in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist es am heutigen...

Headlines

Gastkommentar: Finanzskandal in der Türkei und die Angst vor der Wahrheit

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge Das wahre Ausmaß des Fonds-Skandals in der Türkei und die Verstrickung von Mitgliedern der Regierung...

Baku: Delegationen verlassen Saal während Rede von Israels Präsident Herzog

Baku - Beim 7. Gipfel der Konferenz über Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA) in der aserbaidschanischen Hauptstadt...

Albert Einstein lehnte einen jüdischen Staat ab

Tel Aviv - Der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein wird oft mit der Gründung Israels in Verbindung gebracht...

Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay: Netanjahu soll vor Gericht

Genf - Die südafrikanische Juristin Navi Pillay, die 2026 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, fordert, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu...

Meinung

Feuerzeuge mit Logo: Warum das kleine Giveaway so lange wirkt

Ein bedrucktes Feuerzeug gehört zu den Werbeartikeln mit der längsten Kontaktzeit. Es kostet wenig und wird fast täglich in die Hand genommen. Oft bleibt...

Türkei: Neuer Schnellzug fährt dreimal täglich an die EU-Grenze

Seit dem 9. Oktober ist in Thrakien eine neue Hochgeschwindigkeitslinie in Betrieb, die von Çerkezköy bis zum Grenzübergang Kapıkule an der bulgarischen Grenze reicht....

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...