Berlin – In Deutschland sorgen Berichte über die Verbindungen des wegen Spionageverdachts festgenommenen ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, für Aufsehen.
Wie die Nachrichtenplatform The Cradle berichtet, sind E-Mail-Korrespondenzen aufgetaucht, die eine über Jahre gewachsene Beziehung zwischen Hanning und dem ehemaligen Mossad-Direktor Danny Yatom offenlegen.
Nach Angaben des Berichts geht es in den Nachrichten um Zugang zu deutschen Politikern, die Beschaffung von Informationen aus nachrichtendienstlichen Quellen sowie um gemeinsame kommerzielle Interessen.
Ein Geheimbericht für 10.000 Euro
Besondere Aufmerksamkeit erregt dem Bericht zufolge ein Angebot Hannings aus dem Jahr 2018. Darin habe er Yatom angeboten, bis zum 13. Juli 2018 einen Bewertungsbericht zu erstellen, für den er 10.000 Euro verlangte. Der Bericht sollte Informationen über einen namentlich nicht genannten Kandidaten enthalten, die von hochrangigen deutschen Beamten und Nachrichtendiensten stammen sollten. Ob der Bericht tatsächlich erstellt wurde und um wen es sich bei der betreffenden Person handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Kontakte vor der Bundestagswahl 2021
Die Korrespondenz zwischen den beiden ehemaligen Spionagechefs setzte sich laut dem Bericht auch im Jahr 2021 fort. Danny Yatom soll Hanning demnach gebeten haben, vor der Bundestagswahl im September 2021 Treffen mit führenden politischen Kandidaten zu organisieren. Ziel dieser Kontakte sei es gewesen, die Arbeit der israelischen politischen Beratungsfirma CIY Global deutschen Politikern vorzustellen. In derselben Korrespondenz sei auch die Übersendung von Werbematerial zu einem Cybersicherheitsunternehmen geplant gewesen.
Verbindung zu israelischem Cybersicherheitsunternehmen
Ein weiteres Detail, das in dem Bericht hervorgehoben wird, ist die Verbindung zum israelischen Unternehmen World Health Energy Holdings. Yatom soll mit dieser Firma in Verbindung gestanden haben, die im selben Zeitraum Hannings Beratungsdienste in Anspruch genommen habe. Diese gemeinsame geschäftliche Verbindung wird in dem Bericht im Zusammenhang mit der Debatte darüber genannt, dass israelische Geheimdienstveteranen und private Sicherheitsfirmen Zugang zu politischen und bürokratischen Kreisen in Europa erhalten.
Vom Kindesentführungsfall zum Spionageverfahren
Die Ermittlungen gegen August Hanning gehen laut dem Bericht auf den September 2025 zurück. Im Zuge eines Verfahrens wegen der Entführung der Kinder der Unternehmerin Christina Block seien bei einer Durchsuchung von Hannings Wohnung Dokumente sichergestellt worden, die Anlass zu einem neuen Verfahren gegen den ehemaligen Geheimdienstchef gaben. Am 7. Oktober sei Hanning wegen Spionageaktivitäten, der Beschaffung von Staatsgeheimnissen und des versuchten Landesverrats festgenommen worden, die dem Bereich des Landesverrats zugeordnet werden.
Verbindungen zur israelischen Lobby in Washington
Der Bericht verweist zudem auf eine weitere Verbindung Hannings: Er soll dem Beratungsgremium der in den USA ansässigen Organisation United Against Nuclear Iran (UANI) angehört haben.
Die Organisation gilt The Cradle als israelfreundlich und wird in einigen Kreisen als informelles israelisches Geheimdienstnetzwerk in Washington beschrieben. Damit werden die Korrespondenz des ehemaligen BND-Präsidenten mit dem früheren Mossad-Direktor, seine Geschäftsbeziehungen zu israelischen Sicherheitsfirmen und seine Verbindungen zu in Washington ansässigen Organisationen im Rahmen derselben Untersuchung diskutiert.
Turgay Gülek
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