Baku – Beim 7. Gipfel der Konferenz über Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA) in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist es am heutigen Donnerstagmittag zu einem bemerkenswerten diplomatischen Protest gekommen.
Wie internationale Medien berichten, verließen Vertreter von mehr als zehn Ländern den Saal, als der israelische Präsident Isaac Herzog mit seiner Rede begann.
Erdoğan sagt Teilnahme aus Protest ab
Bereits im Vorfeld hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan seine Teilnahme an dem Gipfel abgesagt. Grund dafür war die Einladung des israelischen Präsidenten Isaac Herzog. Erdoğan blieb dem Gipfel aus Protest fern und ließ sich durch Außenminister Hakan Fidan vertreten. Damit setzte die Türkei bereits vor Beginn der Veranstaltung ein deutliches Zeichen gegen die israelische Teilnahme und das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza.
Türkei, Iran und weitere Länder protestieren
Nach übereinstimmenden Berichten erhob sich der türkische Außenminister Hakan Fidan gemeinsam mit seiner Delegation und verließ den Saal, als Herzog das Rednerpult betrat. Neben der Türkei sollen auch die Delegationen aus Iran, Pakistan, Palästina und Kuwait den Saal verlassen haben. Iran wurde durch den stellvertretenden Außenminister Kazım Garibabadi vertreten.
Wie internationale Medien unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtet, verließen auch Vertreter aus Saudi-Arabien, Irak, Ägypten, Jordanien, Malaysia, Indonesien und Bangladesch den Saal. Nach Angaben der Times of Israel blieb der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, während der gesamten Ansprache im Saal. Auch die Delegationen der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahreins sollen anwesend geblieben sein.
Wachsende Isolation Israels
Der koordinierte Auszug zahlreicher Delegationen fällt in eine Zeit, in der Israel wegen seines militärischen Vorgehens im Gazastreifen international zunehmend unter Druck steht. Menschenrechtsorganisationen und mehrere UN-Gremien erheben seit Monaten schwere Vorwürfe gegen die israelische Kriegsführung, die in weiten Teilen der internationalen Gemeinschaft als völkerrechtswidrig und mit einem Völkermord vergleichbar eingestuft wird. Die israelische Regierung weist die Vorwürfe zurück.
Doch die Szene in Baku zeigt deutlich, wie sehr sich das Land in weiten Teilen der Staatengemeinschaft isoliert hat. Dass ausgerechnet auf einem asiatischen Kooperationsgipfel, der eigentlich dem Dialog und der vertrauensbildenden Zusammenarbeit gewidmet ist, mehr als zehn Delegationen demonstrativ den Saal verlassen, dürfte für Israel ein schwerer diplomatischer Rückschlag sein. Herzogs Versuch, Israel als Partner der asiatischen Region zu präsentieren, wurde damit sichtbar konterkariert.
Herzog: „Boykott hat im Bereich der Zusammenarbeit keinen Platz“
In seiner Rede betonte der israelische Präsident, Israel wolle die Zusammenarbeit mit der asiatischen Region stärken. Nach Angaben israelischer Medien sagte Herzog, „Boykott hat im Bereich der Zusammenarbeit keinen Platz“. Dass dieser Satz ausgerechnet vor einem nahezu halb leeren Saal fiel, verleiht ihm eine besondere Note.
Der CICA-Gipfel in Baku bringt Vertreter zahlreicher asiatischer Staaten zusammen. Am Rande des Gipfels wurde der türkische Außenminister Fidan nach Angaben diplomatischer Kreise auch vom aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev empfangen. Zudem kam Fidan mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu einem vertraulichen Gespräch zusammen.
Turgay Gülek
Turkish Foreign Minister Hakan Fidan and representatives from more than 10 other countries walked out of the hall as Israeli President Isaac Herzog commenced his address at the 7th CICA Summit on October 15, in Baku, Azerbaijan https://t.co/odkovNAjAj
— TRT World (@trtworld) October 15, 2026
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