Besuch aus Ägypten
Münster: Groß-Imam der Al-Azhar-Universität kommt zu Besuch

Auf hohen Besuch freuen sich die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) und dabei insbesondere das in der Vergangenheit als Gegenstand von Kontroversen in die Schlagzeilen geratene dortige Zentrum für Islamische Theologie (ZIT).

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Münster (nex) – Auf hohen Besuch freuen sich die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) und dabei insbesondere das in der Vergangenheit als Gegenstand von Kontroversen in die Schlagzeilen geratene dortige Zentrum für Islamische Theologie (ZIT).

Auf Initiative der Universität wird der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Mitte März nach Deutschland kommen. Dies verkündet die Universität auf ihrer Webseite. Der Scheich von Al-Azhar, der als eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islams und der islamischen Rechtsprechung gilt, hatte bei einem Besuch des umstrittenen Leiters des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) der WWU, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, in Kairo seine Bereitschaft bekundet, vor dem Hintergrund der zahlreichen Gewalttaten im Namen des Islams eine globale Friedensbotschaft zu verkünden.

Khorchide verkündet freudig auf seinem Facebook-Account: „Eine große Ehre: Der Großscheich der al-Azhar Universität und der Vorsitzende des Weisenrats der Muslime, seine Exzellenz Großimam Professor Dr. Ahmad Al-Tayyeb kommt Mitte März nach Deutschland, um eine wichtige Botschaft zu verkünden.“ Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe und WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles hatten einer Mitteilung der Universität zufolge den Großscheich eingeladen, nachdem dieser den Wunsch geäußert habe, „Münster als Stadt des Westfälischen Friedens und als Standort des größten universitären Islamzentrums in Deutschland zu besuchen“.

Gleich über vier Tage wird sich das Besuchsprogramm des Geistlichen in Europa erstrecken. Zunächst soll al-Tayyeb am 15. März in einem Protokollsaal des Berliner Reichstagsgebäudes vor Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertretern der Religionsgemeinschaften und Wissenschaftlern über das „Friedenspotenzial des Islams“ sprechen. Am Nachmittag des 16. März will, so heißt es auf der Seite der Universität weiter, Oberbürgermeister Markus Lewe den Großimam im Friedenssaal des Rathauses in Münster empfangen.

Am 17. März soll der Großimam von 10 bis 15 Uhr an einer wissenschaftlichen „Konferenz der Weltreligionen“ mit dem Titel „Friede sei mit Euch“ in der Aula des Schlosses zu Münster teilnehmen. Für den 19. März ist als Höhepunkt des Besuchs eine Privataudienz bei Papst Franziskus geplant, was darauf hindeutet, dass die 1998 begonnenen, aber 2011 unterbrochenen regelmäßigen Zusammenkünfte zwischen der Al-Azhar-Universität und dem Vatikan wiederaufgenommen werden könnten. Für den Münsteraner Professor Khorchide, dem in jüngster Zeit muslimische Verbände „Irrlehren“ und „liberale“ Kollegen wie der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi „Plagiate“ vorgeworfen haben, soll dies nach dem Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck im Vorjahr eine weitere Gelegenheit sein, sich als alternativlos in Szene zu setzen und seine fachliche Autorität aus der islamischen Welt selbst gestärkt zu sehen.

Entsprechend äußert sich auch WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles über den Besuch wie folgt: „Das ist für alle Muslime, aber auch für die Studierenden ein eindrucksvoller Beleg für die Qualität der Leistungen in Forschung und Lehre von Prof. Khorchide und seinem Team, die offenkundig weltweit Beachtung finden.“ Mouhanad Khorchide pflege seit mehreren Jahren intensive Kontakte zur Al-Azhar-Universität und zum Großscheich.

Der 70-jährige Ahmad Mohammad al-Tayyeb wurde am 19. März 2010 zum Scheich Al-Azhar und damit gleichzeitig zum Imam der Al-Azhar-Moschee ernannt. Er ist zudem Vorsitzender des Weisenrats der Muslime, der im Jahre 2014 in Kairo gegründet wurde und als Plattform des innerislamischen Dialogs fungiert, um Potenziale des Friedens zu entfalten. Unumstritten ist der Großimam innerhalb der muslimischen Welt jedoch nicht.

Insbesondere wird seine von Beginn an apologetische Haltung gegenüber dem Regime des ehemaligen Generals und heutigen Präsidenten Abdel-Fattah al-Sisi kritisiert, der im Juli 2013 gegen den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi putschte und tausende demonstrierender Anhänger Mursis auf dem Rabia-Platz ermorden ließ. Geistliche der Al-Azhar-Universität sollen die Soldaten zuvor sogar zu einem besonders brutalen Vorgehen ermuntert haben.

Seit dieser Zeit sind in Ägypten willkürliche Verhaftungen, Verschleppungen, Folterungen und Todesurteile gegenüber Regimekritikern an der Tagesordnung. Kritiker nennen den Scheich al-Azhar hinter vorgehaltener Hand „Scheich al-Askar“, Scheich der Armee. Sein Versuch, einen so genannten „moderaten“ Islam zu schaffen, dessen oberstes Ziel die Staatstreue ist, wird nicht allerorts mit ungeteilter Zustimmung aufgenommen.

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