Mardin-Ceylanpınar-Hauptkanal
Kampf gegen Trockenheit: Neuer Wasserkanal der Türkei

Während die Welt auf die schwindenden Wasserreserven blickt, hat die Türkei ein Mammutprojekt vollendet: Der Mardin-Ceylanpınar-Hauptkanal

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Mardin – Während die Welt auf die schwindenden Wasserreserven blickt, hat die Türkei ein Mammutprojekt vollendet: Der Mardin-Ceylanpınar-Hauptkanal führt nun offiziell Wasser. Mit einer Länge, die sogar den weltberühmten Suez-Kanal in den Schatten stellt, soll das Bauwerk die Landwirtschaft in Südostanatolien revolutionieren und ein Bollwerk gegen den Klimawandel bilden.

Was lange Zeit als bloßes Versprechen in den Medien kursierte, ist nun Realität. Das Wasser des Euphrat, gespeichert im gewaltigen Atatürk-Staudamm, fließt nun über hunderte Kilometer durch die trockenen Ebenen von Şanlıurfa bis nach Mardin. Für die Region bedeutet dies das Ende einer Ära der Wasserknappheit und den Beginn einer neuen landwirtschaftlichen Blütezeit.

Längste künstliche Fluss der Türkei 

Das Ausmaß des Projekts ist im internationalen Vergleich beeindruckend. Der Mardin-Hauptkanal ist mit seinen 221 Kilometern offiziell der längste künstliche Fluss der Türkei. Damit übertrifft er bedeutende Weltwasserstraßen deutlich:

  • Er ist länger als der Suez-Kanal (ca. 193 km).
  • Er ist fast dreimal so lang wie der Panama-Kanal (ca. 82 km).

Dieses gigantische Bewässerungssystem ist das Herzstück des GAP-Projekts (Südostanatolien-Projekt) und soll eine landwirtschaftliche Fläche von insgesamt 100.000 Hektar mit Wasser versorgen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa der gesamten Fläche des Stadtstaates Berlin, die nun durch den Mardin-Hauptkanal krisenfest bewirtschaftet werden kann

Strategische Antwort auf den Klimawandel

Die Türkei und der gesamte Nahe Osten stehen vor einer existenziellen Wasser-Herausforderung. Steigende Temperaturen, verschwenderischer Umgang mit Ressourcen und veraltete Leitungssysteme haben bereits zum Austrocknen zahlreicher Seen geführt.

Der neue Kanal setzt genau hier an: Er stoppt die übermäßige Entnahme von Grundwasser, das in den letzten 30 Jahren oft aus bis zu 700 Metern Tiefe hochgepumpt werden musste.

Wie dramatisch die Lage ohne solche Kanäle ist, zeigt die Krise in der Provinz Konya: Dort verschlingen mittlerweile zahlreiche gewaltige Senklöcher (Sinkholes) ganze Ackerflächen, da der Grundwasserspiegel durch jahrelange Übernutzung und illegale Brunnen dramatisch gesunken ist.

Durch die neue, koordinierte Wasserzufuhr können Landwirte in der Region nun bis zu drei Ernten pro Jahr einfahren. Dies sichert nicht nur das Einkommen tausender Familien, sondern deckt künftig bis zu 35 Prozent des türkischen Getreidebedarfs.

Vision für die Zukunft: Wasserstraßen von Nord nach Süd

Trotz dieses Erfolgs bleibt die ungleiche Wasserverteilung ein zentrales Thema. Während der Norden der Türkei, insbesondere die Schwarzmeerregion, wasserreich ist, leiden der Süden und Zentralanatolien unter zunehmender Trockenheit. Experten fordern daher eine mutige Vision für die kommenden Jahrzehnte: Die Schaffung großflächiger Kanalsysteme, die das Wasser vom Norden in den Süden transportieren.

Im Vergleich zu Europa nutzt die Türkei bisher kaum künstliche Wasserstraßen für den großflächigen Ressourcenaustausch. Der Mardin-Kanal beweist nun, dass solche Infrastrukturprojekte technisch möglich sind. Er könnte das Startsignal für eine nationale Transformation sein, um die Geografie der Türkei aktiv gegen die Folgen der Erderwärmung zu wappnen.

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