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Türkei und Großbritannien wollen Freihandelsabkommen ausweiten

Türkei und Vereinigtes Königreich verhandeln über ein Freihandelsabkommen, das weitere Sektoren einbeziehen soll.

Der britische Premierminister Boris Johnson (l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Treffen 2019 (Archivfoto: tccb)
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London – Türkei und Großbritannien verhandeln über ein Freihandelsabkommen, das weitere Sektoren einbeziehen soll.

„Der Brexit hat die Handelsbeziehungen des Vereinigten Königreichs mit der Türkei dank der historischen Freihandelsabkommen nicht beeinträchtigt“, erklärte Chris Gaunt, Vorsitzender der Britischen Handelskammer in der Türkei (BCCT), gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. 

Er wies darauf hin, dass das Abkommen eine Klausel zur Erweiterung und Verbesserung der Freihandelsabkommen enthält.

„Es besteht also die Möglichkeit, in den nächsten zwei Jahren die Freihandelsabkommen zwischen der Türkei und dem Vereinigten Königreich neu zu verhandeln, um mehr Sektoren einzubeziehen und sowohl türkischen als auch britischen Unternehmen mehr Möglichkeiten zu bieten.“

Landwirtschaft, Pharmazie, Technologie und Finanzdienstleistungen seien Bereiche, die für beide Länder großes Potenzial böten.

„Hoffentlich können wir damit beginnen, diese Bereiche in die Verhandlungen über das neue Freihandelsabkommen einzubeziehen“, so Gaunt.

Die Handelsminister beider Länder werden sich in den nächsten sechs bis acht Monaten treffen, um den Neuverhandlungsprozess einzuleiten, erklärte er.

Der Technologiesektor in der Türkei wachse sehr schnell, betonte Gaunt und fügte hinzu:

„Er entwickelt sich zu einer wichtigen Kraft in Europa. Das Potenzial für die Türkei und das Vereinigte Königreich, ihren Handel auszubauen, ist also immer noch sehr groß. Und wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem wir dieses Potenzial über das hinaus, was wir derzeit haben, ausschöpfen können.“

Nach Angaben des türkischen Statistikamtes stiegen die türkischen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 9,7 Mrd. USD, während die Einfuhren aus dem Land im selben Zeitraum um 4,5 Prozent auf 4,2 Mrd. USD stiegen.

„Das Vereinigte Königreich ist der zweitgrößte Exportmarkt der Türkei. Hoffentlich wird das Vereinigte Königreich in Zukunft der größte Exportmarkt der Türkei sein“, so Gaunt.

Auf die Frage, ob einige globale Unternehmen ihre Produktionszentren in die Türkei verlagern, sagte Gaunt, die Türkei biete eine große Chance und eine Alternative für den Fernen Osten, insbesondere für China.

„Etwas Näheres mit kürzeren Vorlaufzeiten und mehr Flexibilität zu haben, zieht natürlich viel Aufmerksamkeit für britische Unternehmen auf sich, und die Türkei erfüllt alle Attribute, die wir brauchen. Sie hat eine starke Produktionsbasis, sie hat gut ausgebildete Arbeitskräfte. Technologie wird zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Arbeitsweise türkischer Hersteller“, betonte Gaunt.

Zeit nach Brexit

Die Handelsgespräche zwischen der Türkei und Großbritannien hatten nach dem Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU am 31. Dezember 2019 an Fahrt gewonnen.

„Wir haben uns bereits mit Großbritannien darauf geeinigt, dass wir in der Zeit nach Brexit unseren bilateralen Handel ausweiten werden; in Bezug auf das Volumen haben wir uns ein Ziel von 20 Milliarden Dollar [bilateraler Handel] gesetzt“, erklärte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Gespräch mit der in London ansässigen Wirtschaftszeitung Financial Times. 

Zweitgrößter Handelspartner der Türkei

Financial Times berichtete, dass Großbritannien mit einem Handelsvolumen von 18,8 Milliarden Pfund (fast 21 Milliarden Euro) nach Deutschland der zweitgrößte Handelspartner der Türkei ist und mehr als 2.500 britische Unternehmen in der Türkei tätig sind, darunter BP, Shell, Vodafone, Unilever, BAE Systems, HSBC, Aviva und Diageo.

 

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