Fall Omar Ibrahim
Foltervorwürfe: Türkische Staatsanwälte leiten Untersuchung gegen al-Sisi ein

Türkische Staatsanwälte haben eine Untersuchung gegen den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und 29 ägyptische Beamte wegen mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet, sagte die Menschenrechtsanwältin Gülden Sönmez am Mittwoch.

Teilen

Istanbul – Türkische Staatsanwälte haben eine Untersuchung gegen den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und 29 ägyptische Beamte wegen mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet, sagte die Menschenrechtsanwältin Gülden Sönmez am Mittwoch.

Sönmez vertritt den ägyptischen Studenten Omar Gamal Metwally Ibrahim, der zuvor von den ägyptischen Behörden verhaftet und inhaftiert worden war.

„Omar überlebte die Mordversuche und Hinrichtungen, die auf dem Rabaa-Platz in Kairo stattfanden, und wurde Zeuge von Hunderten von Tötungen und außergerichtlichen Hinrichtungen dort und auf anderen Plätzen und Feldern. Er ist ein Universitätsstudent, der rechtswidrig in Ägypten inhaftiert war“, sagte Sönmez gegenüber Reportern und bezog sich dabei auf die Ermordung von über tausend ägyptischen Demonstranten durch das Sisi-Regime im August 2013.

„Obwohl Omar Ibrahim ein junger Mann war, wurde er in Ägypten drei Jahre lang in vier Polizeistationen, sieben Gefängnissen und zwei Geheimdienstzentren festgehalten. Er wurde in der Haft schwer gefoltert, und sein Körper leidet immer noch unter bleibenden Schäden“, so Sönmez weiter. Ibrahims Vater und Brüder befinden sich laut Sönmez noch immer in Haft.

„Abdel-Rahman, Omars Bruder, ist seit sechs Jahren inhaftiert und läuft aufgrund seines Gesundheitszustandes Gefahr, sein Leben zu verlieren. Sein anderer Bruder, Abdulaziz, ist seit drei Jahren inhaftiert, und seit 30 Tagen gibt es keine Nachricht über seinen Zustand. Beide wurden mit verschiedenen Methoden der Misshandlung schwer gefoltert“, betonte Sönmez.

„Schauprozesse“

Am 3. Juli 2013 wurde der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens, Mohammed Mursi, nach nur einem Jahr im Amt durch einen Militärputsch gestürzt. Seitdem werden Mitglieder und angebliche Mitglieder der Muslimbruderschaft mit aller Härte verfolgt, Hunderte von ihnen wurden getötet, Zehntausende inhaftiert. So heißt es in dem unter dem Titel „Egypt: ‘Officially, you do not exist’ – Disappeared and Tortured in the Name of Counter-Terrorism“ erschienenen Bericht von Amnesty International (AI), dass nicht nur politische Aktivisten von derartigen repressiven Praktiken betroffen seien, sondern auch Kinder unter 14 Jahren.

„Gewaltsame Verschleppung ist zu einem Hauptinstrument der ägyptischen Staatspolitik geworden“, erklärte Philip Luther, der AI-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika.

„Jeder, der es wagt, seine Meinung zu sagen, befindet sich in Gefahr, unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung entführt, vernommen und gefoltert zu werden, wenn er das Vorgehen der Regierung kritisiert“, so Luther weiter.

Der Bericht dokumentiert Fälle von Personen, die verschleppt und mit Schlägen und Elektroschocks, auch an den Genitalien, gefoltert worden seien, um falsche Geständnisse zu erzwingen.

„Der Bericht liefert eine vernichtende Kritik an der ägyptischen Staatsanwaltschaft, die bei diesen Gewalttaten Komplizin ist und auf grausame Weise Verrat an ihrer gesetzlichen Verpflichtung begangen hat, das Volk vor Verschleppung, willkürlichen Festnahmen, Folter und anderen Misshandlungen der Häftlinge zu schützen“, so Luther weiter. Mursi starb im Juni 2019 in Haft. Laut UN-Experten könnten Haftbedingungen direkt zu seinem Tod geführt haben.  Sie bezeichneten seinen Tod als „eine staatlich sanktionierte willkürliche Tötung“.

Nur drei Monate später starb auch der jüngste Sohn Mursis, Abdullah, an einem angeblichen Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Kairo. Abdullah Mursi, 25, war vor seinem Tod mit der UNO in Kontakt gewesen, um sich offiziell über den Tod seines Vaters zu beschweren. .

„Abdullah starb kurz nachdem er privat den Vereinten Nationen entscheidende Beweise für den Tod seines Vaters gegeben hatte“, sagte Yehia Hamed, ein ehemaliger Minister unter Mursi, in der Erklärung. „Ich stand in engem Kontakt mit Abdullah Mursi und bin überzeugt, dass es seine sehr mutige Arbeit mit den Vereinten Nationen war, die zu seinem Tod führte.“

(Screenshot/Twitter(

Zum Thema

– New York –
UN-Experten bezeichnen Mursis Tod als „staatlich sanktionierte Tötung“

Die Haftbedingungen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi könnten direkt zu seinem Tod geführt haben, sagten unabhängige UN-Experten am Freitag. Sie bezeichneten seinen Tod als „eine staatlich sanktionierte willkürliche Tötung“.

UN-Experten bezeichnen Mursis Tod als „staatlich sanktionierte Tötung“

Auch interessant

Palästina: Zum Jahrestag der Erdmordung von Shireen Abu Akleh

Ramallah/Washington – Heute, am 11. Mai 2026, jährt sich die Ermordung der palästinensisch-amerikanischen Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh durch israelische Soldaten zum vierten Mal. Sie wurde...

Westjordanland: Noch immer ein getötetes Kind pro Woche

Jerusalem – Während die Welt auf Gaza schaut, sterben Kinder im Westjordanland still und weitgehend unbemerkt. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden im Gazastreifen nach...

Spanien zeigt Interesse an türkischem Kampfjet Kaan

Madrid/Ankara – Im August 2025 sorgte Spanien für Aufsehen bei seinen NATO-Partnern und in Washington: Madrid verkündete, den amerikanischen Tarnkappenjäger F-35 von Lockheed Martin...

AfD stärkste Kraft: Rekordwerte bei Umfragen in Sachsen-Anhalt

Magdeburg – Vier Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD in einer aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap einen neuen Höchststand erreicht. Mit...

Herero-Völkermord: Namibias Parlament fordert Mitsprache mit Deutschland

Windhoek/Berlin – Eine namibische Parlamentsdelegation hat bei einem offiziellen Besuch in Berlin ernsthafte Bedenken über den festgefahrenen Stand der Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland...

Headlines

Israels Armee droht zu kollabieren: Generalstab fordert sofort Soldaten

Jerusalem – Es sind ungewöhnlich offene Worte für einen amtierenden Generalstabschef. Generalleutnant Eyal Zamir erschien am 10. Mai vor...

Papst Leo verleiht iranischem Botschafter „höchsten Orden“

Vatikan - Es ist eine Geste mit großer Symbolkraft: Inmitten des offenen Konflikts mit US-Präsident Donald Trump hat Papst...

Spanien zeigt Interesse an türkischem Kampfjet Kaan

Madrid/Ankara – Im August 2025 sorgte Spanien für Aufsehen bei seinen NATO-Partnern und in Washington: Madrid verkündete, den amerikanischen...

Türkei: Belgische Königin Mathilde trifft Rüstungsmogul Bayraktar

Istanbul – Belgiens Königin Mathilde ist am 10. Mai an der Spitze der größten belgischen Wirtschaftsmission seit 14 Jahren...

Meinung

Israels Armee droht zu kollabieren: Generalstab fordert sofort Soldaten

Jerusalem – Es sind ungewöhnlich offene Worte für einen amtierenden Generalstabschef. Generalleutnant Eyal Zamir erschien am 10. Mai vor dem Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten...

Westjordanland: Noch immer ein getötetes Kind pro Woche

Jerusalem – Während die Welt auf Gaza schaut, sterben Kinder im Westjordanland still und weitgehend unbemerkt. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden im Gazastreifen nach...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...