Jerusalem des Kaukasus
Das Judentum in Aserbaidschan: „Sie fragten mich nach der AfD“

In diesem Beitrag lenke ich den Fokus auf die Geschichte und gegenwärtige Situation der bergjüdischen Gemeinde Aserbaidschans. Um diesen Beitrag verfassen zu können, benötigte ich eindeutige Informationen, also bin ich von Baku nach Guba (aserb. Quba) zur „Roten Siedlung“ der Bergjuden gereist.

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Gemeinde der Siedlung

Im Park der „Roten Siedlung“ traf ich betagte Mitglieder der jüdischen Gemeinde, u. a. den ehemaligen Gemeindevorsitzenden Herrn Simandiuev Boris, der von 1994 bis 2014 die bergjüdische Gemeinde leitete. Seit 2015 gibt es einen neuen Vorsitzenden: Naftal´jev Jurij. Ich möchte hier anmerken, dass wir uns auf Aserbaidschanisch unterhielten, obwohl fast jeder Bergjude außer dem Aserbaidschanischen noch seine Muttersprache Juhuri und die russische Sprache beherrscht.

Simandiuev Boris

Das Gespräch entwickelte sich als Frage-Antwort-Runde. Ich war ziemlich überrascht, als meine Gesprächspartner mich über den aktuellen Antisemitismus in Deutschland bzw. die AfD-Politik und Angriffe auf Vertreter der jüdischen Gemeinde befragten. Des Weiteren wurde mir mitgeteilt, dass die bergjüdische Gemeinde Aserbaidschans enge Kontakte mit den bergjüdischen Gemeinden im Ausland bzw. in Deutschland pflegt.

Bei diesem Gespräch bin ich besonders auf die Aktivität der Stiftung „STMEGI“ aufmerksam geworden, die 2001 von der aus der „Roten Siedlung“ stammenden Familie Sacharjev gegründet wurde. Der Präsident der Stiftung ist Herman Sacharjev. Die Stiftung hat ihren Hauptsitz in Russland und Vertretungen in Aserbaidschan, Israel und den USA. An dieser Stelle möchte ich noch hinzufügen, dass in Deutschland in Frankfurt am Main eine bergjüdische Gemeinde existiert, die momentan von Herrn Avi Shefatja geleitet wird.

Die bergjüdische Gemeinde Aserbaidschans genießt Fördermaßnahmen durch bekannte Geschäftsleute wie God Nisanov, Sachar Iliev u. v. m. Darüber hinaus wird die jüdische Gemeinde der „Roten Siedlung“ wie auch andere religiöse Gemeinden in Aserbaidschan durch den Staat gefördert. Außerdem sind die aserbaidschanischen Bergjuden im aserbaidschanischen Parlament durch Evda Abramov vertreten, der in der „Roten Siedlung“ geboren wurde.
Die jüdische Gemeinde der „Roten Siedlung“ wird als Kehillah verwaltet, in der 20 ausgewählte Mitglieder vertreten sind. Die Gemeinde wird von einem Vorsitzenden geleitet.

Während des Gesprächs habe ich zudem erfahren, dass in der „Roten Siedlung“ insgesamt acht Synagogen existieren, jedoch werden in nur zwei Häusern heutzutage Gottesdienste durchgeführt. Einst gab es in der Siedlung sogar 13 Synagogen. In der Synagoge „Kartschogi“ werden momentan Bauarbeiten durchgeführt; dieses Gebäude soll demnächst als erstes Museum der Bergjuden bzw. bergjüdischen Kultur ausgebaut werden dienen. In der Sowjetzeit wurde diese Synagoge hingegen als Lager für landwirtschaftliche Produkte genutzt.

Nach dem Gespräch bin ich zur zentralen Synagoge der Siedlung im Viertel Gusary gegangen, die in Juhuri „Schesch Gambar“ (sechs Kuppeln) heißt. In der Synagoge wurde ich vom Vorsteher empfangen, der mich sofort herein ließ. Mit seiner Erlaubnis habe ich einige Fotos aufgenommen. Diese Synagoge war, wie auch andere, während der Sowjetzeit geschlossen und diente als Textilfabrik. Der Gottesdienst in dieser Synagoge wird nun täglich dreimal durchgeführt. Auffällig war, dass es in dieser Synagoge keinen Platz für Frauen gibt. Das liegt möglicherweise daran, dass die Gemeinde der Bergjuden dem orthodoxen Zweig des Judaismus nahesteht.

Vorsteher

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