Hamburg
Gorch Fock: Werft lässt Vermögen ehemaliger Chefs pfänden

Die neue Leitung der Elsflether Werft hat mit zwei Gerichtsbeschlüssen erwirkt, Vermögen der ehemaligen Geschäftsführer zu pfänden. Insgesamt geht es um Millionen in zweistelliger Höhe.

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Die neue Leitung der Elsflether Werft hat mit zwei Gerichtsbeschlüssen erwirkt, Vermögen der ehemaligen Geschäftsführer zu pfänden. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem NDR und dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegen. Insgesamt geht es um Millionen in zweistelliger Höhe. Die Elsflether Werft ist mittlerweile insolvent. Sie ist mit der Instandsetzung der Gorch Fock beauftragt und arbeitet an einem Zukunftsplan, um das Segelschulschiff weiter reparieren zu können.

Beim ehemaligen Chef der Werft, Marcus Reinberg, geht es um private Konten, ein Motorboot, Rentenansprüche und eine Immobilie in der Hamburger Elbchaussee: Der Beschluss des Landgerichtes Hamburg sieht Pfändungen von bis zu knapp 3,9 Millionen Euro vor. Reinberg wurde im Januar als Vorstand der Elsflether Werft abgelöst. Die Elsflether Werft Verwaltung GmbH konnte das Landgericht Hamburg überzeugen, dass ihr Ansprüche in der genannten Höhe zustehen. Gegen den zweiten ehemaligen Vorstand, Klaus Wiechmann, wurde am Landgericht Oldenburg ein Beschluss zur Pfändung von 12,3 Millionen Euro erwirkt.

In dem Papier heißt es: Die Erfüllung des Untreuetatbestandes durch den Antragsgegner unter summarischer Prüfung liege hinreichend nahe. Gegen Reinberg und Wiechmann ermittelt parallel auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen des Verdachts auf Untreue. Auf Nachfrage des NDR zu den Pfändungsbeschlüssen reagierten Reinberg und Wiechmann nicht. Reinberg hatte zu einem früheren Zeitpunkt dem NDR gegenüber seine Unschuld beteuert: „Es gibt da in keiner Weise irgendwelche persönliche Bereicherung. Wenn das so wäre, dann wäre ja das einzig sinnvolle gewesen, diese Gelder an irgendeinem Punkt mal zu mir fließen zu lassen oder zu Herrn Wiechmann.“ Das sei jedoch nicht passiert.

Der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann, geht hingegen davon aus, dass sich die Männer persönlich bereichert haben. Sie sollen Gelder der Werft in Form von Darlehen in andere Firmen gelenkt haben. Firmen, die ihnen zum Teil selbst gehörten. Sie hätten damit eigene Geschäfte verfolgt. „Aber dafür nicht eigenes Geld aufgewendet, sondern das Geld der Werft. Das Geld fehlt bei der Werft, um dort notwendige Zahlungsverpflichtungen zu bedienen“, sagte Brinkmann dem NDR, „und das ist aus keiner Sichtweise von Vorteil für die Werft. Die Werft ist keine Bank.“

Nach Aussage des neuen Werft-Geschäftsführers Axel Birk belaufen sich die Außenstände auf rund 26 Millionen Euro. Die neue Leitung der Elsflether Werft hatte aufgrund des Fehlbetrags Insolvenz angemeldet. Gestern wurde das Insolvenzverfahren im niedersächsischen Kreis Wesermarsch offiziell eröffnet. Dem NDR sagte Birk: „Wenn es uns noch gelingt, Gelder zurückzuholen, können wir vielleicht ausgleichen, aber das wissen wir heute nicht. An beiden Fronten müssen wir arbeiten: Geld zurückholen und einen wirtschaftlichen Auftrag abliefern, der am Ende Geld für die Gläubiger erwirtschaftet.“

An dem Plan hängt auch die Zukunft der Gorch Fock. Mit der Pfändung sichert sich die Werft die Chance, Geld zurückzubekommen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. Verteidigungsministerin von der Leyen hat angekündigt, die Gorch Fock außer Dienst stellen zu wollen, wenn die Instandsetzung teurer werden sollte, als die bisher eingeplanten 135 Millionen Euro. Die Werft müsse bis zum Sommer mitteilen, ob sie das Schiff zu diesem Preis wieder hochseetauglich machen könne, sagte sie auf einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.

Ende 2015 war die Gorch Fock in Bremerhaven ins Trockendock gelegt worden. Die Arbeiten sollten zunächst 9,6 Millionen Euro kosten. In den folgenden Monaten kamen weitere Aufträge dazu. Im Dezember des vergangenen Jahres zeigte sich ein Preisprüfer des Marinearsenals an. Er soll zwei Darlehen von der Elsflether Werft zu einem niedrigen Zinssatz erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und weitere Personen wegen des Verdachts der Korruption. Der Bundesrechnungshof hatte das Verteidigungsministerium kritisiert, weil die Bundeswehr vor den Arbeiten keine umfangreiche Untersuchung an der Gorch Fock durchgeführt hat. Die Prüfer kritisieren, dass so die Wirtschaftlichkeit der Arbeiten nie festgestellt werden konnte.

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