Jerusalem-Krise
Kosovo: Präsident Hashim Thaçi hätte bei Jerusalem-Resolution für Trump gestimmt

Der kosovarische Präsident Hashim Thaci sagte in einem Interview, dass der Kosovo bei der UN-Vollversammlung im vergangenen Dezember, gemeinsam mit den USA und Israel, gegen eine Resolution der UNO, in der sie die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die Trump-Administration verurteilte, gestimmt hätte.

Teilen

Pristina (nex) – Der kosovarische Präsident Hashim Thaci sagte in einem Interview, dass der mehrheitlich muslimische Kosovo bei der UN-Vollversammlung im vergangenen Dezember, gemeinsam mit den USA und Israel, gegen eine Resolution der UNO, in der sie die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die Trump-Administration verurteilte, gestimmt hätte.

Damit wäre der Kosovo der einzige mehrheitlich muslimische Staat gewesen, der sich auf die Seite der US-Regierung gestellt hätte.

Thaçi, ein ehemaliger paramilitärischer Führer, der in den Rängen der UCK im Kosovo-Krieg gegen die Serben kämpfte und den Spitznamen Gjarpëri oder „die Schlange“ trägt, sagte kürzlich in einem Interview mit der albanischen Zeitung Express, dass sein Land, wenn es eine Vollmitgliedschaft bei der UNO bekäme, stets auf der Seite der USA stehen würde.

Am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen im vergangenen September in New York traf sich Thaçi mit Trump und lud ihn ein, Pristina, die Hauptstadt des Kosovo, zu besuchen. Laut lokalen Medien sagte Thaçi, dass ihr Treffen „außergewöhnlich freundlich, warm“ gewesen sei.

„Der Staatschef dankte Präsident Trump für seine persönliche Unterstützung für den Kosovo“, sagte Thaçis Pressesprecher in einer Erklärung, in der er die USA als „strategischen Partner“ bezeichnete und hinzufügte, dass die Unterstützung Washingtons „entscheidend für den Frieden, die Stabilität und die allgemeine Entwicklung des Kosovo und der Region“, sei.

„Präsident Trump hat, wie alle anderen US-Präsidenten zuvor, eine klare Vision für den Kosovo. Es ist eine einzigartige Unterstützung für unser Land. Er sagte, dass der Kosovo ein wunderbares Land ist und dass wir ein wunderbares Volk sind“, sagte Thaçi dem in Pristina ansässigen Sender RTV21.

Am 21. Dezember hatten in einer vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan initiierten UN-Resolution 128 Staaten mit einer überwältigenden Mehrheit gegen den Jerusalem-Beschluss des US-Präsidenten gestimmt. Darin wurden die USA aufgefordert, die Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, zurückzunehmen.

Das Ergebnis der UNO zeige, dass die einseitige Entscheidung Trumps über Jerusalem, gegen den internationalen Konsens verstoße und der Status der heiligen Stadt durch Verhandlungen entschieden werden sollte, sagten Kritiker des US-Präsidenten.

Donald Trump warnte andere Länder, bei der Abstimmung in der Vollversammlung gegen die USA zu votieren. Er drohte offen, finanzielle Hilfen zu stoppen. Es gebe Länder, die das Geld der USA nähmen und dann gegen sie stimmten. “Wir beobachten diese Staaten. Lasst sie gegen uns stimmen. Wir werden eine Menge sparen. Es ist uns egal”, so Trump.

Vor der Abstimmung in New York hatte Erdogan an die internationale Gemeinschaft appelliert, sich nicht dem Druck der USA zu beugen.

“Die Wiege der Demokratie sucht in der Welt Willen, den man mit Dollar kaufen kann. Herr Trump, Sie können den demokratischen Willen der Türkei nicht mit Ihren Dollars kaufen”, sagte Erdogan.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Abstimmung zurückgewiesen, bevor sie überhaupt stattgefunden hatte. “Jerusalem ist Israels Hauptstadt, ob die Vereinten Nationen dies anerkennen oder nicht”, sagte er bei einer Rede in Israel.

Am 25. Dezember teilte der guatemalische Präsident Jimmy Morales mit, die Botschaft seines Landes nach Jerusalem zu verlegen. Demnach habe er sich am Sonntag nach einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu zu diesem Schritt entschieden und bereits die Außenministerin Sandra Jovel angewiesen, den Umzug in die Wege zu leiten.

Damit ist Guatemala das erste Land, das sich der USA anschließt. Der israelische UNO-Botschafter Danny Danon bedankte sich mit einem Tweet bei Morales und hoffe, dass sich noch mehr Länder für diesen Schritt entschieden.

Auch interessant

– Kosovo –
Präsident Thaci begnadigt ehemalige UCK-Kämpfer

Der kosovarische Präsident Hashim Thaci unterzeichnete am vergangenen Freitag ein Dekret zur Begnadigung von drei ehemaligen Mitgliedern der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), die wegen des Mordes an einer Familie im Jahr 2001 verurteilt waren.

Präsident Thaci begnadigt ehemalige UCK-Kämpfer

 

Auch interessant

Pistorius räumt Fehler ein: Keine Genehmigung für Auslandsreisen nötig

Berlin – Nach wochenlanger Verwirrung um eine mögliche Genehmigungspflicht für längere Auslandsaufenthalte hat Verteidigungsminister Boris Pistorius einen Fehler im Wehrdienstgesetz eingeräumt. „Diese Regelung hat für...

NATO-Chef Rutte: „Wir können viel von der Türkei lernen“

Ankara - NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die türkische Verteidigungsindustrie als Vorbild für das gesamte Bündnis bezeichnet und von einer „verteidigungsindustriellen Revolution“ gesprochen. Während eines Besuchs...

Langzeitpflege braucht organisationsbezogene Gewaltschutzkonzepte

Berlin - Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen ist fachlich geboten. Zentrales Instrument dafür ist ein partizipativ erarbeitetes Schutzkonzept. Um bei der Entwicklung solcher organisationsspezifischen Konzepte zu unterstützen,...

Çelik: „Neutralitätspolitik der Türkei ist keine Schwäche“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das Magazin Foreign Affairs veröffentlichte am 27. April 2026 eine Analyse von Aslı Aydıntaşbaş mit dem Titel „Die Bedrohung der...

Deutschland: Größtes Geburtendefizit der Nachkriegszeit

Berlin - Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 654 300 Kinder geboren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das...

Headlines

Çelik: „Neutralitätspolitik der Türkei ist keine Schwäche“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das Magazin Foreign Affairs veröffentlichte am 27. April 2026 eine Analyse von Aslı Aydıntaşbaş mit...

Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Jerusalem - Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, hat die israelischen Aktionen im besetzten Westjordanland scharf...

Palästinenser: Israel hält seit Jahren Steuermillionen zurück

Jerusalem - Der palästinensische Premierminister Mohammad Mustafa warnte am Sonntag eindringlich vor den Folgen der israelischen Finanzpolitik. „Die Besatzung...

US-Kongress diskutiert Schutzrechte für Amerikaner in der israelischen Armee

Washington D.C. - Laut Berichten von Military.com zielt eine Initiative im US-Kongress darauf ab, wichtige militärrechtliche Schutzmaßnahmen auf US-Bürger...

Meinung

Kleine Bewegung. Große Wirkung: Kampagne für mehr Aktivität

Berlin - Drei von vier Deutschen fordern politisches Handeln für Bewegung. Das zeigt eine Studie, initiiert vom Wort & Bild Verlag, in Zusammenarbeit mit...

Çelik: „Neutralitätspolitik der Türkei ist keine Schwäche“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Das Magazin Foreign Affairs veröffentlichte am 27. April 2026 eine Analyse von Aslı Aydıntaşbaş mit dem Titel „Die Bedrohung der...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...