Türkei nach dem Putschversuch
Türkei: Generalstabschef warnte Erdogan-Regierung bereits 2004 vor Gülen-Netzwerk

Der türkische Generalstabschef a. D. Hilmi Özkök erklärte am Dienstag, dass die Regierung über die vom Gülen-Netzwerk ausgehende Bedrohung innerhalb des Militärs während der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (MGK) bereits im August 2004 informiert worden sei.

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Ankara (nex) – Der türkische Generalstabschef a. D. Hilmi Özkök erklärte am Dienstag, dass die Regierung über die vom Gülen-Netzwerk ausgehende Bedrohung innerhalb des Militärs während der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (MGK) bereits im August 2004 informiert worden sei.

Özkök sprach in Ankara vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum vom Gülen-Netzwerk FETÖ durchgeführten Putschversuch vom 15. Juli. Diese Gruppe organisierte sich und verfolgte dabei nichts Gutes“, so Özkök. „2002 wurde ich zum Generalstabschef ernannt. Während der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates im August 2004 wiesen wir, die Streitkräfte, darauf hin, dass diese Organisation große Kapazitäten und Mittel erlangt habe.

Kapazitäten und Mittel können im Laufe von Jahren erreicht werden, aber eine Absicht kann sich über Nacht ändern. Auch die Medien berichteten darüber. Wir wiesen darauf hin, dass ein Aktionsplan entwickelt und die Angelegenheit weiterverfolgt werden müsse. Damals wurde es [das Gülen-Netzwerk] natürlich nicht als eine gefährliche Organisation betrachtet, man unterstellte ihm gute Absichten. Wir informierten die Regierung.

Es wurde eine Entscheidung getroffen und Aktionsplan genannt. Der MGK erteilt der Regierung einen Ratschlag, während Mitglieder eben jener Regierung anwesend sind. Wir beobachteten, was unternommen wurde, und ich muss ehrlich sagen, dass wir sahen, dass nicht so viel getan wurde.“ Özkök wurde nur fünf Jahre nach dem „postmodernen Putsch“ vom 28. Februar 1997 zum Generalstabschef ernannt.

Damals wurde die konservative Partei des Wohlstands (RP) vom Militär mit einer Liste aus ultimativen Forderungen und dem Druck der Medien, zu denen noch der Terror im Südosten des Landes sowie eine schwache Wirtschaft hinzukamen, aus der Regierung gedrängt. Die Spannungen zwischen dem Militär und der Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP), die mit ihrem Wahlsieg im Jahr 2002 größtenteils den Kader der RP und deren Wählerschaft übernahm, waren während Özköks Dienstzeit noch sehr stark.

Wenn auch Özkök selbst zum Vertreter der sogenannten „Taubenfraktion“ innerhalb des Miltärs zählt, wurden später nahezu alle Befehlshaber des Versuchs eines Staatsstreichs im Zuge der Ergenekon- und Balyoz-Putschversuche beschuldigt, die als ein Mittel zur Ausweitung des Einflusses des FETÖ innerhalb des Militärs genutzt worden waren.


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