"Versteckte Schuldenschnitte sind keine Lösungen"
Sinn zur Finanzkrise: „Reiche Bürger in den Krisenstaaten müssen sich an der Krisenhilfe beteiligen“

"In vielen der Krisenländer gibt es ein beträchtliches Privatvermögen, wie eine Studie der EZB gezeigt hat." So seien spanische und italienische Haushalte 14 Prozent wohlhabender als deutsche, 40 Prozent wohlhabender als finnische und 42 Prozent wohlhabender als niederländische Haushalte.

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München (dts) – Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), zweifelt daran, dass Griechenland und Portugal ihre Staatsfinanzen aus eigener Kraft in den Griff bekommen: Er fordert einen Schuldenschnitt für beide Länder und Zwangsabgaben für reiche Bürger in den Krisenländern Südeuropas.

„Griechenland benötigt einen neuen Schuldenschnitt; dieses Mal freilich zulasten der öffentlichen Gläubiger“, schreibt Sinn laut eines Berichts der „Welt“ im Manuskript seines neuen Buches „Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel“. Darin schreibt Sinn, dass auch Portugal nicht in der Lage sei, den staatlichen Schuldenberg aus eigener Kraft zu bewältigen.

„Portugals Situation ist lange nicht so schlecht, doch ebenfalls viel zu schlecht, um damit zurechtzukommen. Portugal ist ebenfalls ein Kandidat für eine Schuldenrestrukturierung“, schreibt der Ökonom. Sinn fordert eine Entschuldungskonferenz, auf der ein formeller Schuldenerlass beschlossen werden solle.

Von so genannten versteckten Schuldenschnitten, bei denen Laufzeiten verlängert oder Zinsen gesenkt werden, hält der Ifo-Präsident wenig. „Versteckte Schuldenschnitte sind keine wirklichen Lösungen, sondern Vertuschungsversuche, die es den öffentlichen Gläubigern erlauben, Abschreibungsverluste in ihren Büchern zu verschleiern und der Öffentlichkeit mehr Staatsvermögen vorzutäuschen, als tatsächlich vorhanden ist“, schreibt Sinn.

Der Ökonom will zudem reiche Bürger in den Krisenstaaten dazu zwingen, sich an der Krisenhilfe zu beteiligen. „Weitere Maßnahmen, die in den Krisenländern in Betracht gezogen werden könnten, sind Vermögensabgaben oder Zwangshypotheken“, schreibt Sinn. „In vielen der Krisenländer gibt es ein beträchtliches Privatvermögen, wie eine Studie der EZB gezeigt hat.“ So seien spanische und italienische Haushalte 14 Prozent wohlhabender als deutsche, 40 Prozent wohlhabender als finnische und 42 Prozent wohlhabender als niederländische Haushalte.

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