Ende der Konsultationen
Vatikan rückt von Vorwurf des ‚Genozids‘ an Armeniern ab

Ein Jahr nach dem Eklat bei der Generalaudienz des Papstes ist der Vatikan von der Wertung der Ereignisse von 1915 als „Genozid“ abgerückt. Der Kirchenstaat hat in einem Statement den türkischen Vorschlag zur Bildung einer Historikerkommission gewürdigt und die Ermordung eines früheren türkischen Botschafters durch armenische Terroristen verurteilt.

Teilen

Vatikanstadt (nex) – Der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Tanju Bilgiç, kündigte an, die Türkei werde ihren Botschafter Mehmet Paçacı, der seit der Generalaudienz des Papstes am 12. April 2015 zu Konsultationen nach Ankara zurückbeordert worden ist, wieder in den Vatikan zurückkehren lassen. Diese Erklärung war eine Reaktion auf ein Statement des Vatikans, das Bilgiç als „positive Entwicklung“ qualifizierte.

Der Botschafter war abgezogen worden, nachdem Papst Franziskus in einer Ansprache im Rahmen seiner Generalaudienz von einem „Genozid“ an Armeniern im Osmanischen Reich im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1915 sprach, als Armenier aus Ostanatolien vertrieben worden waren, nachdem eine Vielzahl unter ihnen parallel zur Invasion russischer Truppen gegen die Regierung revoltiert hatte.

Der Vatikan hat nun in einem Statement, das man Mittwoch veröffentlicht wurde, das wiederholte Bekenntnis der Türkei zur Öffnung ihrer Archive für Historiker und Forscher interessierter Parteien gewürdigt, „um gemeinsam zu einem besseren Verständnis historischer Ereignisse und der Schmerzen und Leiden aller Parteien unabhängig von ihrer religiösen oder ethnischen Identität zu gelangen“. Der Vatikan habe, so das Außenministerium, insbesondere die 2005 ausgesprochene Einladung Ankaras zur Bildung einer gemeinsamen Historikerkommission anerkannt.

Der Vatikan habe außerdem in seiner Erklärung die Ermordung des türkischen Botschafters im Vatikan, Taha Carım, durch die armenische Terrorgruppe ASALA im Jahre 1977 verurteilt. Auch weist Sprecher Bilgiç darauf hin, dass auch der Papst in diesem Jahr von den „tragischen Ereignissen von 1915“ gesprochen habe statt wie im Vorjahr von einem „Genozid“. Armenien verlangt von der Türkei eine Entschuldigung und Entschädigungszahlungen auf Grund der damaligen Ereignisse.

Die Türkei lehnt dies mit der Begründung ab, dass es sich nicht um einen Genozid gehandelt habe, sondern es im Zuge der Kriegswirren zu wechselseitigen Gräueltaten gekommen sei, auf Grund derer auch zahlreiche Türken infolge von Übergriffen armenischer Gruppen in Anatolien das Leben verloren hätten.

 

Mehr zum Thema:

Auch interessant

„You’re fucking crazy“: Trump brüllt Netanyahu an

Washington/Jerusalem - Es war laut Berichten eines der schlimmsten Telefonate zwischen Donald Trump und Benjamin Netanyahu seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Am Montag soll...

Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt historische Hedschas-Bahn an

Ankara/Istanbul – Die Hormus-Krise hat Europa an einem empfindlichen Nerv getroffen — und der Türkei eine historische Chance eröffnet. Während Europa über steigende Energiepreise...

Asiatische Zentralbanken reagieren auf Iran-Krise

Von James Syme Der Konflikt, in dessen Zentrum Iran steht, stellt einen außergewöhnlich negativen Angebotsschock dar, mit gravierenden Folgen für einige Schwellenländer. Seitdem hat sich...

Niederlande: Polizist wirft hochschwangere Syrerin zu Boden — Video löst internationale Empörung aus

Zeist/Utrecht - Ein Video aus den Niederlanden hat weltweit Empörung ausgelöst. Die Aufnahmen zeigen niederländische Polizisten, die eine neun Monate schwangere Syrerin zu Fall...

Welches Mönchspfeffer sollte ich kaufen?

Die Suche nach dem passenden Mönchspfeffer-Präparat kann überraschend komplex sein, da sich die verfügbaren Produkte in ihrer Zusammensetzung, Dosierung und Qualität zum Teil erheblich...

Headlines

Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt historische Hedschas-Bahn an

Ankara/Istanbul – Die Hormus-Krise hat Europa an einem empfindlichen Nerv getroffen — und der Türkei eine historische Chance eröffnet....

CHP: „Die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Partei“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Parteien kann exemplarisch an der ältesten Partei der Türkei,...

„You’re fucking crazy“: Trump brüllt Netanyahu an

Washington/Jerusalem - Es war laut Berichten eines der schlimmsten Telefonate zwischen Donald Trump und Benjamin Netanyahu seit Trumps Rückkehr...

Mattner: „Die Siedlerkinder wirkten auf mich deutlich radikaler“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich weiß, ich weiß. Jetzt kommt gleich wieder: „Aber die palästinensischen Kinder werden doch von...

Meinung

Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt historische Hedschas-Bahn an

Ankara/Istanbul – Die Hormus-Krise hat Europa an einem empfindlichen Nerv getroffen — und der Türkei eine historische Chance eröffnet. Während Europa über steigende Energiepreise...

Mattner: Die Willkommenskultur war eine Fassade

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich habe immer gewusst, dass es in diesem Land Vorurteile gibt. Gegen Minderheiten. Gegen Migranten. Gegen Menschen, die nicht ins...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...