Jahrestag des Putschversuchs
Türkei: Erdogan nimmt Putschnacht-Überlebenden ins Sicherheits-Team auf

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Ankara (nex) – Volkan Yigit, ein Veteran des vereitelten Putschversuchs vom 15. Juli 2016 in der Türkei und der Zwillingsbruder eines der in dieser Nacht getöteten insgesamt 249 Menschen, wurde zum Wachmann im Präsidialkomplex in Ankara ernannt. Volkan und sein eineiiger Zwillingsbruder Erkan befanden sich unter den Tausenden Menschen in der Türkei, die in der Nacht des 15. Juli auf die Straße gegangen waren. Nach Angaben von Hakan Yigit, dem älteren Bruder der Zwillinge, wurde Erkan getötet und Volkan verletzt, als ein F16-Kampfjet, den einer der am Putsch beteiligten Militärs flog, eine Bombe in der Nähe des Präsidialkomplexes abwarf. Dies berichten türkische Medien. „Gott sei Dank erleben wir diesen Moment“, sagt Yigit und ergänzt: „Das türkische Volk vergisst den 15. Juli nicht, und es wird auch nicht zulassen, dass er vergessen wird. Wir schwören, dass wir ihn nicht vergessen werden, und wir nehmen unseren Schwur nicht zurück.“ Yigit erzählt weiter, dass sie in der Nacht des vereitelten Putschversuchs der Aufforderung des Präsidenten Erdogan nachgekommen seien,  auf die Straße zu gehen. Die vom F16 abgeworfene Bombe habe ein Fahrzeug in ihrer Nähe getroffen, und sein Bruder Erkan sei getötet worden, während Volkan verletzt worden sei, so Yigit weiter. Präsident Erdogan hatte Medienberichten zufolge seine Tränen nicht zurückhalten können, als ihm im August des vergangenen Jahres die Geschichte der beiden Zwillinge im Fernsehen gezeigt worden war. Die Türkei beschuldigt den im US-Exil lebenden Prediger und Anführer des Gülen-Netzwerks FETÖ, Fetullah Gülen, der Drahtzieher hinter dem gescheiterten Staatsstreich mit über 200 Toten gewesen zu sein.

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Brexit
Industrie-und Handelskammertag drückt aufs Tempo bei Brexit-Verhandlungen

„Bodenhaftung“ bei den Briten angemahnt Osnabrück (ots) – Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) macht Druck mit Blick auf die laufenden Brexit-Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien. „Die Uhr tickt“, mahnte Präsident Eric Schweitzer im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er forderte zeitnah einen klaren Brexit-Fahrplan, um der Wirtschaft Planungssicherheit zu geben. Schweitzer: 2000 deutsche Niederlassungen in Großbritannien brauchen Planungssicherheit Deutsche Unternehmen hätten in Großbritannien mehr als 2000 Niederlassungen mit rund 400.000 Mitarbeitern. „Für unsere Betriebe ist es besonders wichtig, dass die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien geklärt werden“, sagte Schweitzer. Es sei daher überfällig, dass die Verhandlungen nun endlich auch inhaltlich geführt würden. Nach Auffassung des DIHK muss die Brexit-Debatte auch auf britischer Seite „an Bodenhaftung gewinnen“. Aus Sicht der Wirtschaft habe der Brexit bisher besonders für eines gesorgt – für Unsicherheit, beklagte der DIHK-Präsident.

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McAllister fordert schnellen Brexit

Bundestagswahl 2017
Barley: SPD kommt wieder aus dem Umfragetief

Berlin (nex) – Bundesfamilienministerin Katharina Barley (SPD) ist zuversichtlich, dass ihre Partei wieder aus dem Umfragetief kommt. Barley sagte am Dienstag im RBB-Inforadio, drei Monate vor der Wahl seien Umfragen nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Auf die lange Sicht komme bei den Wählern gut an, wenn eine Partei einen Plan habe. „Ich erwarte nicht, dass jetzt von heute auf morgen die Umfragen in die Höhe springen. Aber die CDU verweigert bisher den Wahlkampf komplett, sie bietet überhaupt keine Inhalte an. Ich glaube, dass das am Ende die Wählerinnen und Wähler nicht goutieren werden.“ Außerdem sei es wichtig, dass die SPD ihre Wahlversprechen halte. „Wir haben den Mindestlohn, die Rente mit 63, das Elterngeld Plus, eine Bafög-Reform und eine Pflege-Reform versprochen – und haben all das erreicht. Deswegen ist es für uns keine Lösung, zu sagen, warum kommt das in den Umfragen nicht durch – darauf kommt es doch nicht an. Die Ergebnisse kommen bei den Menschen an – das ist das, worum es geht, und nicht Zahlen, die irgendwelche Institute erheben.“

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Promi-News
Ephesus: Auch Hollywood-Star Liv Tyler in der Türkei gesichtet

Izmir (nex) – Hollywood-Star Liv Tyler hat am vergangenen Samstag zusammen mit ihrer Familie die antike Stadt Ephesus in der westtürkischen Provinz Izmir an der Ägäis besucht. Tyler, die mit der „Herr der Ringe“-Trilogie des Regisseurs Peter Jackson weltbekannt wurde, flog Medienberichten zufolge mit einem Hubschrauber vom westtürkischen Urlaubsort Antalya nach Selçuk, einer Kreisstadt in Izmir. Demnach habe die Schauspielerin und ihre Familie besichtigten zunächst das Haus der Mutter Maria, ein Klostergebäude und das mögliche Sterbehaus der Mutter Jesu in Selcuk, besichtigt und dort anschließend ein Mittagessen zu sich genommen.
(Foto: Screenshot/Instagram)
Danach besuchte der Superstar Ephesus. Sie teilte einige Aufnahmen mit ihren Fans über ihren offiziellen Instagram-Account. Nach der fünfstündigen Besichtigung kehrten Tyler und ihre Familie zurück zum Badeort Kemer in Antalya, um ihren Sommerurlaub fortzusetzen.

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Ausland
Syrien: Türkische Religionsbehörde bildet Imame aus

Ankara (nex) – Die türkische Religionsbehörde Diyanet wird eigenen Angaben zufolge 467 syrische Imame in Nordsyrien ausbilden. Damit soll das Angebot eines angemessenen Gottesdienstes für die syrischen Einwohner in verschiedenen syrischen Städten wie Al-Bab, Dscharablus, Azaz, Mare und Al-Rai gewährleistet werden. An diesen Orten wurden Terroristen im Zuge der von der Türkei angeführten Militäroperation Schutzschild Euphrat vertrieben. Diyanet habe die Imame nach mehreren Gesprächen ausgewählt und viele von ihnen zur Ausbildung in die Türkei geschickt. Es haben bereits 61 Imame ihre Ausbildung in der Türkei abgeschlossen, 40 davon in der zentraltürkischen Provinz Kayseri und 21 im südosttürkischen Gaziantep. In Gaziantep wurde ein Ausbildungszentrum für Imame errichtet, wo stellvertretende Muftis unterrichten. Diyanet habe auch 50 Koranlehrer in die syrischen Flüchtlingslager entsandt. Syrien befindet sich seit 2011 in einem Bürgerkrieg. Das Assad-Regime hatte damals die Demonstrationen für Demokratie, die als Teil der Aufstände im „Arabischen Frühling“ entstanden waren, mit unerwarteter Brutalität und unverhältnismäßiger Gewalt niedergeschlagen. Seitdem wurden Hunderttausende Menschen getötet und Millionen vertrieben.

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Arbeitszeitgesetz
NRW-Minister für flexiblere Arbeitszeiten

Düsseldorf (nex) – NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat sich für eine Liberalisierung des Arbeitszeitgesetzes ausgesprochen. Die neue Regierungskoalition von CDU und FDP in NRW will über eine Bundesratsinitiative das Arbeitszeitgesetz ändern. Im Gespräch ist unter anderem, die Mindestruhepause zwischen zwei Arbeitstagen von derzeit elf Stunden aufzuweichen. Laumann sagte der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“: „Wenn eine junge Mutter morgens im Homeoffice arbeiten will, bevor das Kind aufwacht und dann abends wieder, wenn das Kind erneut schläft, darf sie das nicht.“ Die angestrebte Flexibilisierung stehe aber „ganz klar unter den Vorbehalt des Gesundheitsschutzes und der Zustimmung der Gewerkschaften“, so der Minister. Unternehmen, die in keiner Tarifbindung seien und deshalb keine gewerkschaftliche Zustimmung einholen könnten, hätten auch keine Möglichkeit von der angestrebten Flexibilisierung zu profitieren. Trotzdem stoßen Laumanns Pläne im Gewerkschaftslager auf Widerstand: „Mit der Initiative setzt Schwarz-Gelb die Gesundheit der Beschäftigten aufs Spiel“, warnte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. „Die Obergrenze der täglichen Arbeitszeit von acht Stunden ist keine Willkür, sondern arbeitsmedizinisch begründet. Ebenso wie die Ruhepause.“

Netzwerkdurchsetzungsgesetz
Russland kopiert deutsches Gesetz gegen Hassbotschaften im Internet

Berlin (nex) – Das russische Parlament diskutiert ein neues Gesetz, um Inhalte in sozialen Netzwerken stärker zu kontrollieren, und orientiert sich dabei ausdrücklich an dem Ende Juni in Deutschland verabschiedeten Gesetz gegen Hassbotschaften im Internet. Reporter ohne Grenzen hat das so genannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz in der vorliegenden Form heftig kritisiert und davor gewarnt, dass es repressiven Staaten als Vorbild dienen könnte. In Russland wird das Internet immer stärker kontrolliert, Nutzer sollen nicht mehr anonym kommunizieren dürfen und ihre Daten ausschließlich in Russland gespeichert werden. 2016 wurden dort doppelt so viele Menschen wegen kritischer Nachrichten zu Gefängnisstrafen verurteilt wie noch ein Jahr zuvor. „Unsere schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Das deutsche Gesetz gegen Hassbotschaften im Internet dient undemokratischen Staaten nun als Vorlage, um gesellschaftliche Debatten im Internet einzuschränken“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Auch in Russland sollen in Zukunft Mitarbeiter sozialer Netzwerke unter hohem Zeitdruck darüber entscheiden, welche Informationen gelöscht werden. In einem Land ohne unabhängige Gerichte, die den Schutz der Meinungsfreiheit durchsetzen könnten, ist das eine verheerende Entwicklung. “ RUSSISCHER GESETZENTWURF KOPIERT DEUTSCHE VORLAGE Am 12. Juli reichten Abgeordnete der Duma-Fraktion „Einiges Russland“ einen Gesetzentwurf ein, der Betreibern sozialer Netzwerke hohe Strafen androht, wenn sie rechtswidrige Inhalte nicht innerhalb von 24 Stunden löschen (http://t1p.de/3i7b). In ihrer Begründung beziehen sich die Initiatoren ausdrücklich auf das Ende Juni vom deutschen Bundestag verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz, aus dem sie zahlreiche Punkte kopiert haben. Der Entwurf verlangt von Betreibern sozialer Netzwerke mit mehr als zwei Millionen Nutzern, Online-Formulare bereitzustellen, über die Nutzer „rechtswidrige“ Inhalte melden können. Diese Inhalte und sämtliche Kopien davon müssen innerhalb von 24 Stunden gelöscht, zu Beweiszwecken jedoch drei Monate lang gespeichert werden. Netzwerkbetreiber müssen den Behörden vierteljährlich Bericht über die gemeldeten Inhalte erstatten. Außerdem sind sie verpflichtet, Kontaktstellen in Russland einzurichten. Bei Zuwiderhandlungen sind für verantwortliche Personen Bußgelder von bis zu fünf Millionen Rubel (73.550 Euro) vorgesehen, Unternehmen sollen mit bis zu 50 Millionen Rubel (735.500 Euro) belangt werden. Dass das Gesetz verabschiedet wird, gilt als sicher. Es soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten. Welche Inhalte von den Netzbetreibern zu löschen sind, ist im Gesetzentwurf nur sehr allgemein formuliert. Es geht um Informationen, die zu Krieg oder ethnischem oder religiösem Hass aufrufen, um ehrverletzende Äußerungen und „sonstige Informationen, für deren Weiterverbreitung man straf- oder zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann“ – wobei gerade letztere Formulierung so schwammig und weit auslegbar ist, dass sie leicht missbraucht und willkürlich gegen Kritiker ausgelegt werden kann. ANONYMISIERUNGSSOFTWARE UND MESSENGERDIENSTE IM VISIER Der Gesetzentwurf über soziale Netzwerke ist der jüngste mehrerer eilig verhandelter Entwürfe, mit denen die freie Kommunikation im Internet eingeschränkt werden soll (http://t1p.de/rnrt). Am 23. Juni befasste sich das Parlament in erster Lesung mit einem Gesetzentwurf, der die Nutzung von Anonymisierungsdiensten und anderen Instrumenten zur Umgehung von Internetsperren stark einschränkt. Virtual Private Networks, Proxy Server oder das Tor Netzwerk, mithilfe derer Nutzer in Russland blockierte Seiten aufrufen können, dürften demnach nur noch entsprechend den Zensurvorgaben der russischen Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor benutzt werden. Ansonsten würde der Zugang zu ihnen gesperrt, genau wie sämtliche Seiten, die Hinweise auf enthalten. Der Gesetzentwurf war erst zwei Wochen zuvor in die Duma eingebracht worden. (http://t1p.de/99wu) In einer geschlossenen Sitzung hatte der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, die Abgeordneten unmittelbar vor der ersten Lesung aufgefordert, Gesetze zur Regulierung sozialer Netzwerke zügig zu verabschieden (http://t1p.de/bszm). Ein weiteres Gesetz, über das am 14. Juni in erster Lesung beraten wurde, soll es unmöglich machen, anonym über Messengerdienste zu kommunizieren (http://t1p.de/wj1t). Anbieter von Messengerdiensten müssen demnach mit Telekommunikationsunternehmen zusammenarbeiten, um Nutzer zu identifizieren. Gleichzeitig sollen durch ein weiteres Gesetz SIM-Karten nur noch an Menschen verkauft werden dürfen, die durch Vorlage ihres Passes ihre Identität nachweisen. Zur Überprüfung der Angaben sollen Telekommunikationsunternehmen Zugang zu staatlichen Melderegistern erhalten (http://t1p.de/ley5http://t1p.de/u2yn) Auch dieses Gesetz wurde am 14. Juni in erster Lesung angenommen. Messengerdienste, die sich nicht an die neuen Regeln halten, sollen künftig bis zu einer Million Rubel (14.710 Euro) Strafe zahlen (http://t1p.de/yu5k) AUFSICHTSBEHÖRDE ROSKOMNADSOR GEGEN TELEGRAM-GRÜNDER PAWEL DUROW Wie stark Betreiber sozialer Netzwerke und Messengerdienste unter Druck stehen, zeigt die Auseinandersetzung zwischen der russischen Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor und Pawel Durow, dem Gründer des russischen Facebook-Pendants Vkontakte und des Messengerdienstes Telegram. Seine Anteile an Vkontakte, dem größten sozialen Netzwerk in Russland, hatte Durow schon vor drei Jahren verkaufen müssen, nachdem er sich weigerte, dem Geheimdienst die Nutzerdaten ukrainischer Maidan-Aktivisten zu verraten. Durow lebt seitdem im Exil. Der Messengerdienst Telegram, der vielen mit seiner Verschlüsselung als sicher gilt, hat schätzungsweise sechs Millionen russische Nutzer und wird selbst im Kreml für die interne Kommunikation benutzt (http://t1p.de/8upjhttp://t1p.de/5306). Am 23. Juni drohte die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor, Telegram zu sperren, sollte sich der Dienst nicht in das amtliche Register für Informationsdienste eintragen lassen. Fünf weniger populäre Messengnerdienste – BlackBerry Messenger, Imo, Line, VChat and WeChat – waren im Mai blockiert worden, nachdem sie sich weigerten, ins Register aufgenommen zu werden (http://t1p.de/z4ur). Parallel dazu berichteten Staatsmedien immer wieder, beim Bombenanschlag auf die Metro in Sankt Petersburg im April hätten die Terroristen über Telegram kommuniziert. Auch die Initiatoren der oben genannten Gesetze führten dies wiederholt als Begründung dafür an, dass Kommunikation über Messengerdiensten stärker überwacht werden müsse. Am 28. Juni teilte Pawel Durow auf Vkontakte mit, sämtliche für den Eintrag ins Register notwendige Daten seien öffentlich zugänglich und fügte die entsprechenden Links an (http://t1p.de/fr23). Roskomnadsor nahm Telegram daraufhin in sein Register auf, theoretisch müsste sich der Dienst damit an russische Gesetze halten. Durow lehnt es jedoch weiterhin ab, Nutzerdaten oder Kodierungsschlüssel herauszugeben und sich Gesetzen zu unterwerfen, die den Datenschutzbestimmungen der Firma widersprechen. EINST FREIES RUSSISCHES INTERNET INZWISCHEN STRENG KONTROLLIERT Die Führung in Moskau hat die Kontrolle über das Internet nach den Massenprotesten gegen Wahlfälschungen 2011/12 massiv verstärkt. Seit Ende 2012 wurde eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, die es nach weit auslegbaren Kriterien erlaubt, Inhalte – teilweise ohne Gerichtsbeschluss – zu blockieren: zum Schutz von Kindern, wegen der Propagierung homosexueller Lebensweisen oder wegen Aufrufen zum Extremismus, wozu selbst Satire-Artikel oder Berichte über den Krieg in der Ostukraine zählen können. Im Juni 2016 schrieb die Duma im Rahmen eines Pakets von Anti-Terror-Gesetzen („Jarowaja-Gesetze“) unter anderem eine umfangreiche Vorratsdatenspeicherung fest: Anbieter von Kommunikationsdiensten müssen Verbindungsdaten künftig drei Jahre lang speichern. Konkrete Inhalte wie Telefonate, Nachrichten, Fotos und Videos, die Nutzer verschicken, müssen sechs Monate gespeichert und auf Wunsch den Behörden übermittelt werden. Um diese massive Überwachung zu gewährleisten, werden von den Betreibern Investitionen in Millionenhöhe für neue Ausrüstung und den Bau neuer Zentren zur Datenspeicherung verlangt. Nach Protesten russischer Telekommunikationsunternehmen erwägt die russische Führung inzwischen, das Gesetz nicht wie geplant 2018, sondern erst 2023 in Kraft treten zu lassen (http://t1p.de/lky7). Ein anderes Gesetz im Anti-Terror-Paket sieht vor, Messenger-Dienste zu sperren oder mit hohen Geldbußen zu bestrafen, wenn sie sich weigern, dem Geheimdienst Schlüssel zur Dekodierung von Nachrichten bereitzustellen. Im September 2016 trat außerdem ein Gesetz in Kraft, das verlangt, Internetdaten russischer Bürger ausschließlich in Russland zu speichern. Das Karriere-Netzwerk LinkedIn, dass sich weigerte, dem nachzukommen, wurde daraufhin im November 2016 in Russland gesperrt. GEFÄNGNISSTRAFEN SOLLEN INTERNETNUTZER EINSCHÜCHTERN Parallel zum Blockieren von Inhalten, Internetseiten oder ganzen Kommunikationsdiensten haben die Behörden in den vergangenen Jahren den Druck auf individuelle Nutzer merklich verstärkt. Das Strafmaß für Rechtsbrüche im Internet wurde in vielen Fällen erhöht, härtere Urteile sollen Bürger einschüchtern und sie davon abhalten, kritische Kommentare zu veröffentlichen oder zu verbreiten. Der russischen Menschenrechtsorganisation Agora zufolge wurden 2016 in 29 Fällen Gefängnisstrafen gegen Internetnutzer verhängt – doppelt so viele wie im Jahr zuvor (http://t1p.de/p7c6). Auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit steht Russland auf Platz 148 von 180 Staaten. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin zählt Reporter ohne Grenzen zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit.

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Kültür
Kommentar: „Wer mich nicht liebt, soll sterben!“

Von Martina Yaman Ich bin die Rose aller Schwägerinnen … und wer mich nicht liebt, soll sterben! Sommer an der Türkischen Riviera….  Es ist die Zeit, wo sich viele „Fernlieben“ wieder in Alanya und Co treffen, für wenige Wochen im Jahr. Und man hört wieder vermehrt die unglaublichen Komplimente, die man als Frau so wohl in deutscher Sprache gar nicht hört, weil sie auch viel zu dick aufgetragen sind. Das kann natürlich auch ganz einfach Balz-Vokabular sein, das sich insbesondere die bekannte Gattung der Gigolos angeeignet hat, um einsame Frauen erst um den Verstand und dann um ihr Kleingeld zu bringen. Einerseits. Aber im Türkischen gehört andererseits dieses überbordende, gefühlsbetonte einfach dazu und ist nicht etwa, wie viele verliebte Frauen denken, ganz allein und exklusiv für sie selbst bestimmt. Aşkım – meine Liebe oder Hayatım – mein Leben – klingt für kühle deutsche Ohren nach heißer Liebe, hat aber im Prinzip die Qualität eines schnöden „Schatzi“. Und „ölürüm sana“ – ich könnte sterben für dich“ ist auch nur ein Song von Tarkan. Überhaupt wird in türkischen Popsongs sehr viel geliebt, geweint, vermisst und aus Liebe gestorben. Und um fair zu bleiben, es gibt durchaus auch Liebesschwüre, die sowohl blumig als auch ernst gemeint sind. Allerdings kommen sie sicherlich dem türkischen Mann weitaus leichter über die Lippen als dem deutschen – einfach weil die türkische Sprache in der Hinsicht sehr viel ergiebiger ist. Ein ganz normaler Screenshot aus einer meiner Whatsapp-Gruppen mit türkischen Freundinnen…
(Foto: Martina Yaman/privat)
Selbst unter Freundinnen – sogar lockeren Cliquen – ist es durchaus üblich, eine Whatsapp-Meldung auf dem Handy zu schreiben „Seni özledim“ – ich vermisse Dich. Und niemals wäre es mir in Deutschland in den Sinn gekommen, meine Freundinnen mit „Öptüm“ zu verabschieden „Ich habe Dich geküsst“. Zu seinen Freundinnen zu sagen „seni seviyorum“ ist durchaus nichts ungewöhnliches – und ein Telefongespräch zu beenden, kann fast mühsam sein. Ein schnödes „machs gut“ – machs besser“ grenzt da schon hart an eine Beleidigung. Also auf türkisch hört sich eine normale Verabschiedung ungefähr so an:
„Tamam canım. Oldu görüþürüz kendine iyi bak. Öpüyorum hoþça kal. Hadi görüþürüz, tamam hadi… Neyse sonra görüþürüz. Tamam bende aleyküm selam öptüm hahahha tamam canım
*klack* „Ok meine Liebe. In ordnung, wir sehen uns, pass auf Dich auf. Ok wir treffen uns wieder. Ich küsse Dich, lass es Dir gut gehen“….. und so weiter und so fort. Für ältere Damen ist man grundsätzlich Kuzum (Mein Lamm) Yavrum (mein Kleines) oder auch Gülüm – meine Rose. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass der Nachbar mir aus voller Brust zuschmettert „Yengelerin Gülü!!! Seni sevmeyen ölsün!!!“ – „Du Rose unter den Schwägerin! Die Dich nicht lieben, sollen sterben!!!“ Nicht, dass er das wirklich so meint – es ist einfach nur ein etwas überschwänglicher Sympathiebeweis. Unbedingt dazu gehören natürlich dann noch ausladende Gesten und eine ausreichende Lautstärke, dass auch ja alle Nachbarn rundrum mitbekommen, was er von mir hält. Und dass das durchaus nichts anrüchiges ist, wird durch das „Yenge“ – Schwägerin – signalisiert. Wobei sprachlich hier jeder mit jedem versippt ist…. Menschen, die man nicht kennt, werden grundsätzlich mit Verwandtschaftsbezeichnungen angesprochen – Abi oder Abla (Bruder/Schwester) bei etwas älteren, Kardeşim, Kızım oder Oğlum (Brüderchen, meine Tochter/ mein Sohn) bei Jüngeren, Teyze oder Amca  (Tante oder Onkel) bei Älteren. Die „Yenge“ (Schwägerin) ist ein Sonderfall und  eher eine Respektsbezeugung z.B. für die Frau vom Chef… Was allerdings so gar nicht üblich ist, sind niedliche Tiernamen…. mein Bärchen sollten sie besser nicht auf türkisch übersetzen – Ayı – Bär – ist eher eine Bezeichnung für einen ungehobelten, groben Kerl mit entsprechender Rückenbehaarung. Ähnlich wie der Öküz – der Ochse, der herhalten muss als Bezeichnung für einen absoluten Ignoranten. Auch Mäuschen kommt nicht gut an, handelt es sich doch bei Fare sowohl um Mäuse als auch um Ratten – Ungeziefer. Im Gegenzug war ich anfangs etwas beleidigt, als mir jemand sagte „Du hast die Augen eines Esels“ – wie bitte??? Ich wurde dann aufgeklärt, dass Esel über die schönsten Augen des Tierreiches verfügen, samt dazugehörigen langen und seidigen Wimpern. Na dann…. so richtig anfreunden konnte ich mich mit den Eselsaugen allerdings bis heute nicht. Dagegen sagt man zu kleinen Jungs gerne mal als Lob „Aslanım benim“ – mein Löwe. Mädchen – ganz niedlich – sind meistens „Prensesim“ – meine Prinzessin oder etwas vornehmer „Sultanım“ – Meine Königstochter. Und selbst wenn der Sohn ein gestandener Kerl im Erwachsenenalter ist, wird er sich völlig ohne jede Verlegenheit von seiner Mutter „Yavrum“ (mein Welpe) oder Kuzucuðum (mein Lämmchen) nennen lassen. Auch „Annesinin kuzusu“ „Mutters Lämmchen“ muss sich so mancher gestandene Kerl anhören…. Von derselben Mutter, die bei jeder Gelegenheit donnert „kafanı kırarım“ – ich brech Dir den Kopf oder auch „kafanı / ellerini koparım“ – ich reiß Dir den Kopf / die Hände ab“. Für besonders ungeliebte Zeitgenossen gibts dann schon mal den netten Wunsch, ihre Häuser mögen brennen… „Evlerine ateş salsın yuvaları yıkılsın“ wörtlich:
Feuer soll auf ihre Häuser regnen, ihre Nester (Heimstätten) sollen zusammenbrechen“
So könnte man eigentlich – im Positiven wie im Negativen – endlos weitermachen, da die türkische Sprache für jede Gefühlsregung die entsprechend dramatische Metapher bereithält. Absolut unseriös (um nicht zu sagen, bösartig) ist es aber, wie derzeit überall in den deutschen Medien zu lesen, diese bildhafte Sprache wortwörtlich ins Deutsche zu übersetzen und zu vermitteln, dass da wirklich jemand vorhat, Feuersalven auf Häuser abzuschießen oder Köpfe im Wortsinn abzureißen.

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Kommentar: Deutsche in der Türkei kritisiert Erdogan-Bashing der Medien

Martina Yaman ist freiberufliche Journalistin und lebt seit vielen Jahren mit Mann und Kindern in Alanya an der Türkischen Riviera. Yaman ist Herausgeberin des „Türkis Magazin“, ein deutschsprachiges Onlinemagazin für die Türkische Riviera.  

U18-Weltmeisterschaft
Nairobi: Türkische Sprinterin Mizgin Ay gewinnt erneut Medaille

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Nairobi (nex) – Die türkische Sprinterin Mizgin Ay hat am gestrigen Sonntag beim 200-Meter-Lauf (Mädchen) der U18-Weltmeisterschaften des Weltleichtathletikverbands IAAF die Bronzemedaille gewonnen. Die 17-Jährige lief über die Ziellinie in 23,76 Sekunden, womit sie ihren eigenen Rekord brach. Am vergangenen Donnerstag hatte Ay mit 11,62 Sekunden die Goldmedaille beim 100-Meter-Finale gewonnen. “Ich war nervös, weil mein Coach nach Kenia nicht mitkommen konnte, aber ich danke meinen Coaches hier”, sagte sie und ergänzte: “Es war ein gutes Rennen.” Medienberichten zufolge hieß es aus Präsidialamtskreisen, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Ay nach dem U-18-Wettkampf telefonisch gratuliert habe.

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Terrorismus
Irakischer Geheimdienst: Baghdadi lebt

Bagdad (nex) – Ein Offizier des irakischen Geheimdienstes behauptet, dass IS (Daesh)-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi noch immer am Leben sei und widerspricht vorhergehenden Berichten über den Tod des Terror-Chefs. Dies hat die arabischsprachige Zeitung „Al-Sabah“ am gestrigen Sonntag gemeldet. Im vergangenen Monat hatte das russische Verteidigungsministerium bekannt gegeben, dass Baghdadi vermutlich bei einem Luftschlag in Syrien gestorben sei. Vertreter der US-Regierung hatten jedoch darauf hingewiesen, dass ihnen keinerlei Beweise vorlägen, die den Tod des IS (Daesh)-Anführers bestätigten. „Baghdadi versteckt sich noch immer in einem Gebiet außerhalb von Rakka“, habe Abu Ali al-Basri, der Chef der Anti-Terror- und nachrichtendienstlichen Abteilung beim irakischen Innenministerium, gegenüber Al-Sabah erklärt. Er habe darauf bestanden, dass Meldungen über den Tod al-Baghdadis nicht der Wahrheit entsprächen. Die USA haben auf den Kopf al-Baghdadis 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt, der sich 2013 von der al-Qaida losgesagt hatte. Zuletzt war er 2014, nachdem seine Terrormiliz Mossul erobert hatte, gesehen worden, wo er den IS (Daesh) ausgerufen hatte.

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