Werneke soll Bsirske nachfolgen
Vorentscheidung für Führungswechsel bei Verdi

Stuttgart (sz/ots) – In der Gewerkschaft Verdi ist die Vorentscheidung über die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Frank Bsirske gefallen. Eine Findungskommission hat sich nach Informationen von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ einhellig auf Frank Werneke als künftigen Chef festgelegt. Der 51-Jährige ist seit 2003 stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft. Als gleichberechtigte Vize werden Christine Behle, Leiterin des Bundesfachbereichs Verkehr, und die bisherige weitere Stellvertreterin Andrea Kocsis vorgeschlagen, die zudem den Fachbereich Postdienste führt. Der Vorschlag soll im November vom ehrenamtlichen Gewerkschaftsrat beraten werden, dessen sechsköpfiges Präsidium auch die Nachfolgesuche übernommen hatte. Gewählt werden muss der neue Vorsitzende auf dem nächsten Bundeskongress vom 22. bis 28. September 2019 in Leipzig. Die Zustimmung beider Organe gilt aber als Formalie. Auch Frank Bsirske – der seit 18 Jahren amtierende dienstälteste deutsche Gewerkschaftschef – wirbt dem Vernehmen nach intern dafür. Die Verdi-Beschäftigten werden seit Dienstag darüber informiert. Der baden-württembergische Bezirkschef Martin Gross bestätigte auf Anfrage den Beschluss der Findungskommission. Die Landesbezirksleitung freue sich über deren Vorschlag und unterstütze ihn ausdrücklich, sagte er den beiden Stuttgarter Zeitungen. Die Vorsitzende des Gewerkschaftsrates, Monika Brandl, hatte in den vergangenen Wochen mit allen Landesbezirksleitungen über die Bsirske-Nachfolge beraten. Dies spricht nach den Worten von Gross für eine gründliche Suche nach dem neuen Vorsitzenden.

ESC 2019
Eurovision in Israel: Weltweit rufen Künstler zum Boykott auf

London (nex) – Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen haben in einem offenen Brief zum Boykott des Eurovision Song Contest in Israel aufgerufen. Als Grund für den Boykottaufruf nennen die Künstler Menschenrechtsverletzungen Israels gegen Palästinenser. Zu den über 140 Unterzeichnern aus Europa, Nordamerika und Australien gehören Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters, der belgische Sänger Helmut Lotti, die schwedischen Musiker Karin und Olof Dreijer, der norwegische Musikproduzent Nils Petter Molvaer sowie der finnische Regisseur Aki Kaurismäki und die britischen Filmemacher Ken Loach und Mike Leigh. „Wir, die unterzeichnenden Künstler aus Europa und darüber hinaus, unterstützen den Appell palästinensischer Künstler, den von Israel veranstalteten Eurovision Song Contest 2019 zu boykottieren“, so die Kulturschaffenden in dem am Wochenende in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ veröffentlichten Brief. „Bevor die Palästinenser nicht in den Genuss von Grundrechten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung kommen, sollte es keine Normalität mit einem Staat geben, der ihnen diese Grundrechte verwehrt“, so der Aufruf weiter. Die EBU (Europäische Rundfunkunion) solle den Event an ein anderes Land vergeben. Der ESC findet jährlich in dem Land statt, aus dem der Vorjahressieger kommt. Die israelische Sängerin Netta hatte den Wettbewerb in diesem Jahr in Portugal mit ihrem Song „Toy“ gewonnen.

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– USA – New Orleans stimmt Boykott-Aktion gegen Israel zu

Der Stadtrat von New Orleans, der größten Stadt des US-Bundesstaats Louisiana, hat nach einem Jahr der Proteste und des Drucks der Gemeinde am gestrigen Donnerstag einstimmig beschlossen, die internationalen Menschenrechte zu verankern.

New Orleans stimmt Boykott-Aktion gegen Israel zu
         

Wirtschaft
Deutschland: Umsatz im Dienstleistungsbereich um 4,7 Prozent gewachsen

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Wiesbaden (ots) – Die Umsätze in ausgewählten Dienstleistungsbereichen lagen im zweiten Quartal 2018 kalender- und saisonbereinigt um 4,7 % höher als im zweiten Quartal 2017. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach ersten Berechnungen weiter mitteilt, wuchs der Index im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 %. Etwa jeder fünfte in Deutschland Beschäftigte ist in den ausgewählten Dienstleistungsbereichen der Konjunkturstatistik tätig. Die dazu gehörenden Branchen erbringen zusammen etwa 35 % der Bruttowertschöpfung im unternehmerischen – das heißt nichtstaatlichen – Dienstleistungssektor in Deutschland. Die einzelnen Teilbereiche entwickelten sich unterschiedlich. Der Umsatz bei den Informationsdienstleistungen (darunter Datenverarbeitung, Hosting, Webportale) legte gegenüber dem Vorjahresquartal mit 11,6 % besonders stark zu. Dieser Teilbereich zählt zu den Dienstleistungen der Information und Kommunikation, deren bereinigter Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,6 % gestiegen ist. Die saisonbereinigte Zahl der Beschäftigten stieg in diesem Bereich um 4,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die saisonbereinigte Zahl der Beschäftigten in allen ausgewählten Dienstleistungsbereichen nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,7 % zu und stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,7 %.

Die ausgewählten Dienstleistungsbereiche umfassen:

Verkehr und Lagerei (zum Beispiel Landverkehr auf Straße und Schiene (einschließlich Transport in Rohrfernleitungen), Schifffahrt, Luftfahrt, Lagerei sowie sonstige Dienstleistungen für den Verkehr (unter anderem Betrieb von Verkehrswegen, Bahnhöfen, Flughäfen sowie Post-, Kurier- und Expressdienste))

Information und Kommunikation (zum Beispiel Verlagswesen, Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Musik, Kinos, Rundfunkveranstalter, Telekommunikation sowie Informationsdienstleistungen)

Freiberufliche und technische Dienstleistungen (zum Beispiel Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Architektur- und Ingenieurbüros, technische, physikalische und chemische Untersuchung, Unternehmensberatung, Werbung und Marktforschung, Design, Fotografie sowie Dolmetschen)

Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (zum Beispiel Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros und Reiseveranstalter, private Wach- und Sicherheitsdienste, Gebäudereinigung, Detekteien, Call-Center sowie Messe- und Kongressveranstalter).

Erdogan-Besuch
Köln: Erdogan möchte Ditib-Moschee besuchen

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Düsseldorf (rp/ots) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan möchte im Rahmen seines Staatsbesuchs in Deutschland vom 27. bis 29. September auch die Ditib-Moschee in Köln besuchen. Nach Informationen der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ hat die türkische Staatsführung diesen Wunsch bei den deutschen Gastgebern angemeldet. Das Treffen mit Landsleuten könnte am dritten Tag des Besuchs Erdogans, am Samstag, 29. September, stattfinden. Die ursprüngliche Idee, eine Großveranstaltung mit Tausenden Deutschtürken in einer Halle, stößt auf Skepsis in der Bundesregierung. Im Gespräch waren das Berliner Tempodrom und  die Dortmunder Westfalenhalle. Ein Berater der türkischen Regierung bestätigte am Dienstag der „Rheinischen Post“, dass Erdogan nun die Moschee besuchen möchte. Er betonte zugleich: „Wir wollen dies aber nur im Einvernehmen mit der deutschen Politik machen.“ Die deutsche Seite hielt sich bedeckt. „Derzeit laufen die Planungen für den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan. Zu einzelnen Programmpunkten informieren wir zu gegebener Zeit“, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten. Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte, für einen Besuch Erdogans liege keine Anfrage vor.

Türkei
Trotz Währungskrise: Türkische Wirtschaft wächst um über fünf Prozent

Ankara (nex) – Die türkische Wirtschaft überrascht Beobachter mit einem kräftigen Wachstum. Trotz Währungskrise legte das Bruttoinlandsprodukt auch im zweiten Quartal diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent zu. Somit zog die Türkei an den OECD-Ländern vorbei und belegte unter den EU-Ländern den zweiten Platz. „Hohe Einnahmen aus dem Tourismus und Export“ hätten zu dem Wachstum positiv beigetragen, so der türkische Finanzminister Berat Albayrak gegenüber den Medien. „Diese Zahlen sind ein Beleg dafür, dass wir das Hauptziel unserer Wirtschaftspolitik, nämlich das Gleichgewicht in der Ökonomie, geschafft haben“, so Albayrak. Die Türkei steckt seit Monaten in einer Währungskrise, besonders im August stürzte die Lira stark ab. Russland, die Türkei und der Iran einigen sich auf Handel in landeseigenen Währungen Nach einem Dreiergipfel in Teheran haben sich Russland, der Iran und die Türkei vergangene Woche auf einen Handel mit den landeseigenen Währungen geeinigt. Die Führungskräfte der Zentralbanken würden sehr bald zusammenkommen und über eine schnelle Umsetzung der Punkte, auf die sie sich verständigt haben, beraten, so der erst im Juli zum Zentralbankchef Irans ernannte Abdul Nasser Hemmati gegenüber Pressevertretern. Der Gipfel in Teheran, an dem der Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin teilnahmen, sei sehr produktiv gewesen, so Hemmati weiter. Beim Handel von Öl, Gas und anderen grundlegenden Produkten sowie im Bankwesen sei eine Übereinkunft erzielt worden. Alle drei Länder wollen beim gemeinsamen Handel den Dollar nicht länger verwenden und künftig diesen über die eigene Landeswährung und in diesem Zusammenhang über einen festgelegten Währungskurs abwickeln.

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– Weltwährung – Kommentar: Zeit des Petro-Dollars geht unerbittlich ihrem Ende entgegen

Die sich überstürzenden Ereignisse in Saudi-Arabien und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten haben das Potenzial, das globale Finanzsystem in seinen Grundfesten zu erschüttern, möglicherweise sogar zum Einsturz zu bringen. Ein Kommentar.

Kommentar: Zeit des Petro-Dollars geht unerbittlich ihrem Ende entgegen

Geldpolitik
Zentralbanken: Retter oder Totengräber des globalen Finanzsystems?

Von Ernst Wolff Zehn Jahre nach dem Höhepunkt der Krise von 2007/08 gibt es im Großen und Ganzen drei unterschiedliche Bewertungen der aktuellen Situation im Finanzsystem: Zum einen wird behauptet, das System habe sich erholt, die Probleme seien überwunden und sämtliche Crash-Propheten damit widerlegt. Zum anderen heißt es, keines der Probleme sei gelöst und wir stünden vor einer neuen, weitaus schlimmeren Krise als vor zehn Jahren. Einer dritten Meinung zufolge zufolge sind die Probleme zwar nicht gelöst, die Verantwortlichen aber in der Lage, das System durch gezielte Maßnahmen unbegrenzt am Leben zu erhalten. Dass sich drei so unvereinbare Standpunkte herausbilden konnten, liegt am Finanzsystem selbst: Es befindet sich derzeit auf absolutem Neuland, da es seit dem Beinahe-Crash von 2008 fast ausschließlich von einem einzigen Phänomen beherrscht wird: der allumfassenden Manipulation durch die Zentralbanken. Der Preis für die Rettung des Systems: Mehr Schulden, höhere Risiken Nachdem die von der Krise betroffenen Staaten 2008 zahlreiche Banken und Großkonzerne vor dem Untergang gerettet und ihre finanziellen Möglichkeiten erschöpft hatten, griffen die Zentralbanken ein, schöpften immer größere Summen Geld und vergaben sie zu immer niedrigeren Zinssätzen. Damit retteten sie das System in der Tat vor dem Zusammenbruch, lösten aber keines der Probleme, die in die Krise geführt hatten. Im Gegenteil: Das neu geschöpfte Geld wanderte zum überwiegenden Teil erneut in die Spekulation, erzeugte riesige Blasen an den Finanzmärkten und führte zu einer nie dagewesenen Verschuldung. Das Ergebnis: Die Risiken im System sind heute nicht nur höher als damals, es sind auch neue hinzugekommen. Hier zwei Beispiele für neu entstandene Risiken: Zum einen sind Rentenkassen und Pensionsfonds, die ihre Gelder jahrzehntelang sicherheitsbetont verwaltet haben, durch Niedrig- und Nullzinsen gezwungen worden, sich immer stärker am internationalen Finanzcasino zu beteiligen. Sollte es zu einer größeren Korrektur oder gar einem Einbruch an den Märkten kommen, würde das für sie riesige Ausfälle bedeuten – mit unabsehbaren Konsequenzen für die betroffenen Senioren. Zum anderen haben die niedrigen Zinsen so viele Investoren wie nie zuvor dazu verleitet, mit geliehenem Geld zu spekulieren. Sollten die Märkte plötzlich einbrechen und die Gläubiger ihr Geld zurückfordern, hätte das angesichts des rekordhohen Schuldenberges wesentlich schlimmere Auswirkungen als vor zehn Jahren und könnte das gesamte System sogar zum Einsturz bringen. Sind die Zentralbanker inzwischen allmächtig? Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Zentralbanken in großem Stil Staats- und Unternehmensanleihen sowie Aktien gekauft haben. Zwar haben sie auf diese Weise mehrmals die Märkte stabilisiert, dafür aber auch notwendige Korrekturen verhindert, so dass wir es seit über elf Jahren, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, mit steigenden Kursen zu tun haben. Diese wiederum haben zur Folge, dass Investoren selbst auf Höchstständen in die Märkte einsteigen und die Rallye weiter vorantreiben. Diese durch die Zentralbanken künstlich angetriebene Entwicklung hat die Instabilität im globalen Finanzsystem also gefördert und die Risiken erheblich erhöht. Doch droht tatsächlich ein Crash? Oder ist es möglich, dass die verantwortlichen Zentralbanker das System inzwischen so gut beherrschen, dass sie seinen Zusammenbruch auf Dauer verhindern können? Werfen wir hierzu einen Blick auf ihre derzeitige Geldpolitik: Die Zentralbanker versuchen seit einiger Zeit, die Politik des „billigen Geldes“ zu beenden und zu einer Normalität im Finanzsystem zurückzukehren. Grund für diese Umkehr ist das Wissen um die Gefahren einer massiven Korrektur, eines Crashs oder auch einer auf Grund der Geldschwemme drohenden Hyperinflation – drei Phänomene, die mit der bisherigen Strategie schwer oder nicht mehr zu beherrschen wären. Diese „Straffung“ der Geldpolitik hat allerdings Folgen, die das System noch tiefer in die Krise führen: Sie erschwert nämlich die Bedienung von Schulden, verhindert die Aufnahme neuer Kredite, bremst damit die Wirtschaft und die Aktivitäten an den Finanzmärkten aus, führt zur Flucht aus schwächeren Währungen, treibt den Kurs der Fluchtwährungen in die Höhe und schadet der Exportwirtschaft. Eine „Umkehr“ führt also direkt in die nächste Krise, aus der es wiederum nur einen Ausweg geben kann: Die Rückkehr zur lockeren Geldpolitik. Dann aber wird es richtig schwierig, denn zum Auffangen des Systems müssten die Zinsen kräftig gesenkt werden. Die aber sind bereits so niedrig, dass eine Zinssenkung kaum Wirkung zeigen würde. Also bliebe den Verantwortlichen nur noch ein allerletztes Mittel: Es müssten noch größere Summen als bisher ins System gepumpt und damit alle Schleusen für eine zukünftige Hyperinflation geöffnet werden. Die Analyse zeigt also: Die Zentralbanken haben das System zwar gerettet, aber ihre Maßnahmen haben es gleichzeitig weiter untergraben und ausgehöhlt. Egal, ob lockere oder straffe Geldpolitik: Der endgültige Zusammenbruch des Systems kann nicht mehr verhindert, sondern nur noch aufgeschoben werden – wobei der finale Crash umso heftiger ausfallen wird, je länger die Mega-Manipulation der Märkte durch die Zentralbanken noch andauert.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Chinas Endlösung der Uighurenfrage –

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.
Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern
 
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Menschenrechtsverletzungen in China
Offener Brief zum Weltkongress der Philosophie in Peking

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Vom 13.8.-20.8. findet in der chinesischen Hauptstadt Peking der Weltkongress der Philosophie statt. Wie man sieht, kauft sich China immer mehr nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die Kultur der Welt ein. Wie dem auch sei, er trägt den Titel ,Learning to be human‘. Sicherlich ist das ein geeignetes Thema für das heutige China, das eines besonders langen und intensiven Lernprozesses hierfür bedarf. Nun hatte ich meinem Freund Riccardo Pozzo, dem Chairman der Programmkommission, im Vorfeld eine Mail auf Deutsch geschrieben, die er auch sofort freundlich und mit Sympathie für mein Anliegen beantwortete. Ebenso schrieb ich auf Englisch eine etwa gleichlautende an Prof. TU Weiming, einen hochverdienten Wissenschaftler und gewiss das gewichtigste chinesische Mitglied der Programmkommission (die mutmaßlichen chinesischen Parteifunktionärsphilosophen schienen mir das kaum zu verdienen). Da Prof. TU mich keiner Antwort für wert befunden hat, veröffentliche ich hier meine heutige Mail an ihn samt der ersten als offenen Brief. Ich darf noch hinzufügen, dass ich meine Mail an zahlreiche Kollegen weitergeleitet hatte und von manchen, die auf diesem Kongress gar nicht sprechen, eine mich entschieden bekräftigende Antwort erhielt – außer von Riccardo Pozzo und meinem Freund Ram Mall jedoch von keinem der am Kongress Beteiligten. Dear Prof. TU, despite the fact that you did not find my mail from 20 July worthy of response please accept my warmest wishes for the long journey ahead of you in learning to be human. May this congress be a successful start for its participants in this important enterprise. This Mail together with my first one will be published as an open letter today in an internet journal. You will get a copy in due course, as will many of our colleagues. Best HCGünther Meine Mail vom 20.7.2018:  Dear Prof. TU, maybe you remember me from my visit in Beijing. I am sending you here a translation of the letter I wrote to my friend Riccardo Pozzo as chair of the world congress for philosophy. I suppose you know about what is written in the following link: http://www.chinoiresie.info/china-studies-between-censorship-and-self-censorship/ If your congress is aiming at what Riccardo presented in a conference where he was invited by me it’s impossible you are silent about these matters. If you do it and whoever does it will loose any credibility. In particular, everyone who works in China as a scholar or philosopher indebted to intercultural dialogue or who comes there from abroad has an absolute duty not to be silent. Everyone can know what is going on. Whoever is silent and allows himself to be bought, lied to or blackmailed by the Chinese government has lost every credibility, basic cleanness and spine as a scholar and as a human being. That I want to bring to your attention most emphatically. I will never touch Chinese soil ever in my life again. I have cut in rude manner contact with every Chinese colleague who tries to belittle or defend China’s policy. These are not all: I still have good colleagues and friends in the ordinary Chinese population who know what is going on and who are shocked. But most are too coward and too corrupt. I think I have to say this to you. What’s happening to Muslims in China is not just a matter of free speech or an issue that can be discussed controversially, this is a gigantic murder, genocide accompanied by rampant chauvinism and racism. It’s the greatest crime since WWII. China has descended to the level of her Japanese tortures in WWII. There is no way to see it otherwise for any person with a minimum of human decency. Best HCGünther Bei dieser Moschee in Urumchi etwa wurde die „Schahada“ (Glaubensbekenntnis) entfernt. Ein kleines Indiz für Chinas „Respekt“ für andere Kulturen
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Chinas Endlösung der Uighurenfrage –

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern
 
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

#metoo
Kommentar: Integriere dich, Türke!

Erst mal lernst du die Sprache. Dass du dich verständigen kannst, auch wenn es akzentfrei ist, reicht nicht. Ist mir doch egal, ob du aufs Gymnasium gehst oder studierst oder ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern leitest. Du schluderst mit den Präpositionen und lässt die Konjunktive schleifen. Also reiß dich zusammen, das hier ist Deutschland und nicht das Pimmelland deiner Eltern. Und? Kennst du das Grundgesetz? Schon mal in der Hand gehabt? Schon mal drin geblättert? Oder vielleicht sogar gelesen? Du musst es inhalieren, es schmecken, es fressen. Du musst eins sein mit dem Grundgesetz. Dass in einigen Bundesländern Deutsche bis zu 30% eine Partei wählen, die das Grundgesetz ablehnt, tut nichts zur Sache. Hier geht es um deine Integration. Du darfst hier keine eigene Meinung haben, die vielleicht einfach nur scheiße ist. Die Deutschen dürfen das, sie sind einzeln als Individuen zu betrachten, du Türke aber nicht. Iss Schwein! Mehr Schwein! Du musst dich mit Schwein vollstopfen. Gebraten, geschmort, gegart, gegrillt, gekocht, gedünstet, gepökelt. Schwein! Noch mehr Schwein! Nein, nix Gemüse dazu. Schwein! Nur Schwein! Jetzt sag mindestens drei Gedichte von Goethe auf und stimme zwei Vokalkompositionen weltlicher Kantate von Bach an. Du sollst singen, du Sau! Ach, schaffst du nicht? Wo ist dein Erdogan jetzt, wenn du ihn mal brauchst? Hast du alles? Wenn ja, dann lass ich mir noch paar Kunststückchen einfallen, die du vollführen musst, um als integriert zu gelten. So hören sich die Integrationsdebatten immer für mich an Zur Sache: Ich bin etwas länger hier in Deutschland und gehöre zur 2. Generation. Meine Eltern waren Arbeiter und wir Kinder haben irgendwie die Schule hinter uns gebracht und uns dann um einen Ausbildungsplatz bemüht. Dass ein Türke aufs Gymnasium ging und studiert hat, war zu der Zeit selten. Und wenn, dann haben wir sie bewundert. In der Öffentlichkeit kamen Türken auch nur vereinzelt vor. Vielleicht mal eine Renan Demirkan, ein Öger oder ein Akif Pirinçci, der einen Weltbestseller schrieb, und das sogar auf Deutsch! Irgendwo war man auch ein wenig stolz. (Deswegen macht mich Pirinçcis späterer Werdegang umso trauriger). Oder wenn ein Bekannter ein kleines Unternehmen gründete. Das waren für uns Ausnahmen. Türken, die es in Deutschland geschafft haben. Wenn ich mich heute umschaue. Allein bei Facebook habe ich mindestens zehn türkischstämmige Freunde, die Schauspieler, Comedians oder Buchautoren sind und mit denen ich im ständigen Kontakt bin. Meine Neffen und Nichten studieren fast alle und bei den Kindern in meinem Bekanntenkreis sieht es ähnlich aus. Es gibt zehntausende türkischstämmige Unternehmer. In meiner Umgebung sind es fast nur Türken, die sich unternehmerisch etwas trauen. Während Deutschland sich regelmäßig mit Schaum vor dem Mund bei Integrationsdebatten verausgabt, irgendwo stehengeblieben zwischen einem Bild wie vor fünfzig Jahren, das sie von Türken haben und einem Kaya Yanar Sketch, gehen Türken ihren ganz normalen Weg. Aus den Kindern der Gastarbeiter, die an Hochöfen oder bei der Müllabfuhr geschuftet haben, sind erfolgreiche Regisseure geworden, Unternehmer, Sportler, Vorstände bei Konzernen, Ärzte, Anwälte, Künstler, Ingenieure. Was früher selten war, ist heute ganz normal. Und ich bin immer noch auf jeden einzelnen stolz. Dass die Türken diese ständigen Kampagnen gegen sich still ertragen und nicht auf die Barrikaden gehen, zeigt doch, wie integriert sie sind. Deswegen finde ich die inzwischen tausendste Debatte darüber lächerlich. Dumme Kampagnen von Leuten, damit sie ihre Arbeit nicht machen müssen. Rechtsruck in Europa, Altersarmut, Klimawandel, in den Weltmeeren ist inzwischen mehr Plastikmüll als Fische? Scheiß drauf, der Türke hat sich immer noch nicht integriert, weil Özil macht Foto mit Erdogan. Damit ist Deutschland für einige Wochen beschäftigt und stellt solange keine blöden Fragen. Sahin Karanlik
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Journalist Klaus Jurgens  „Ach so, deshalb magst Du ja die Türken“ – Ein Kommentar

„An Tagen, wenn ich in guter Laune bin (fast immer), versuche ich eine Konversation. Ernsthaft, ich gebe einfach nicht auf, falsche Informationen über Land und Leute geradezurücken. Es klappt manches Mal, aber zur Zeit eher selten.“ Ein Kommentar.

„Ach so, deshalb magst Du ja die Türken“ – Ein Kommentar

Chinas Endlösung der Uighurenfrage
Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Die VR China definiert sich in ihrer Verfassung als eine Völkerfamilie. In ihrer Behandlung von Minderheiten hatte sie lange Zeit insgesamt eine durchaus eher positive Geschichte. Sie ist zwar schon seit langem auf einem schlechten Weg, doch inzwischen ist sie mit dem Staatsstreich Xi Jinpings zum totalitären Verbrecherstaat entartet. Die Behandlung der Muslime und der Uighuren insbesondere seit etwa Herbst 2016 stellt den größten Völkermord und das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem zweiten Weltkrieg dar. Ich werde in Folgebeiträgen zur Geschichte und zum Kontext dieser Politik zurückkommen. Angesichts des sehr beschränkten Medienechos der Verbrechen an den Uighuren, gerade in der muslimischen Welt, will ich hier einfach mit einem kurzen Faktenbericht des gegenwärtigen Zustandes beginnen und Vorstufen und Kontext außer acht lassen. Ich möchte jedoch zunächst Folgendes betonen. Was ich hier darlege beruht auf dem, was ich in der VR China und Xinjiang von 2013 bis 2017 persönlich erlebt habe. Der Rest zumeist auf Berichten, z.T. aus täglichen Chats mit Betroffenen und Augenzeugen. Zitieren möchte ich hier nur den brandneuen CERD – Bericht von Human Rights Watch Submission to the CERD review of China. Er wurde inzwischen in einer Sitzung des Menschenrechtsrates bestätigt: UN committee accuses China of turning Uyghur-dominated region into ‘no-rights zone’ Kürzer auf Deutsch: UNO: China hat mehr als eine Million Uiguren interniert Natürlich bestreitet die VR alle Fakten; zunächst hatte die chinesische Delegation nichts gesagt, am Montag kam eine haarsträubende Leugnung. Keine Regierung kann so etwas Ungeheuerliches offen zugeben. Wer freilich trotz meiner Kenntnis aus erster Hand auf Chinas Lügen hereinfällt, hat keine Entschuldigung. Die gegenwärtige Lage Hier, nun eine ganz nüchterne Beschreibung des gegenwärtigen Zustands: Ganz Xinjiang ist ein gigantisches Freiluft-KZ für Uighuren und andere muslimische Minderheiten (besonders Kazakhen). Ein dichtes System von Sicherheitskameras mit Gesichtserkennung und ein unvorstellbar enges Netz von Personenkontrollen kontrolliert jede Bewegung in der Provinz. Ich habe Fälle erlebt, dass Reisen selbst innerhalb Xinjiangs einer Sondergenehmigung bedurften, um in einem Hotel übernachten zu können, oder dass das Lösen eines Fahrscheins über das Mobiltelefon (die übliche Art in China) ohne erkennbaren Grund nicht möglich war. Die Provinz zu verlassen, ist unmöglich, besonders ist es unmöglich, ins Ausland zu gelangen. Pässe werden rigoros verweigert, selbst im Falle der Heirat mit einem Ausländer oder der Zusage eines Studienplatzes im Ausland. Früher ausgestellte Pässe wurden eingezogen. Uighuren, die sich bereits im Ausland befinden, werden zurückgerufen. Andernfalls wird ihre Familie zumindest teilweise inhaftiert. Wer aus Angst, selbst inhaftiert zu werden, bleibt, verliert den Kontakt zur Familie. Er weiß allenfalls von der Verbringung von Familienmitgliedern ins KZ. Ich kenne solche Personen persönlich. Selbst mit Ausländern verheiratete Frauen werden unter Drohungen gegen ihre Familie zurückgerufen und zur Scheidung gezwungen. Ausländische Mobiltelefone, etwa das iPhone, sind für Uighuren verboten. Nur chinesische mit installierter Spyware, die den gesamten Datenverkehr aufzeichnet, sind erlaubt. Das wird durch Straßenkontrollen und Hausdurchsuchungen durchgesetzt. Ich kann bzw. konnte mit Uighuren nur chatten, die in einer sonst nur von Hanchinesen bewohnten Gegend wohnten und es wagten, ein iPhone zu Hause zu verstecken. Ein derartiger Kontakt ist seit Februar diesen Jahres verschwunden. Schon seit langem war es so, dass alleine das Posten eines Quranverses oder einer Gebetsformel den meisten zu gefährlich war, da es, falls aufgedeckt, zu Umerziehungsmaßnahmen führte. Inzwischen ist es verboten, religiöse Gegenstände, besonders den Quran oder eine Gebetsmatte zu besitzen. Das Kopftuch war an Schulen und Universitäten in Xinjiang verboten, seit ich die Provinz kenne; jetzt ist es, sowie gegebenenfalls auch lange Kleidung für Frauen ganz verboten. Längere Bärte sind für Männer ebenfalls verboten. Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Wären die Konsequenzen nicht so grauenhaft, würde man sich wundern, wie ein Mann wie Xi Jinping und die chinesische Führung sich nicht unendlich lächerlich in ihrer Propaganda vorkommen. Gebet und Fasten waren, seit ich Xinjiang kenne, in Schule und Universität ebenfalls verboten. Jetzt ist Fasten auch für Eltern verboten: sie sollen ihren Kindern kein schlechtes Beispiel geben. Die uighurische Sprache wird an Schulen nicht mehr unterrichtet (ein schamloser Verfassungsbruch). Manche der bisher genannten Maßnahmen sind selbstverständlich in einer so großen Region nicht durch unmittelbare Kontrolle durchsetzbar. Deshalb hat man ein System systematischen Terrors eingerichtet, durch das jeder fürchtet, jederzeit inhaftiert zu werden. In der Region herrscht das Schweigen eines Totenhauses. Jeder kann jederzeit ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen ohne zeitliche Grenze, ohne jeden Beistand vor Gericht, auch ohne jedes Verfahren. Die Familie bleibt im Dunkeln über die Gründe der Verhaftung. Falls es sich um Gefängnis handelt, wird die Familie nach einer langen Untersuchungshaft von Strafmaßen wie fünf oder sieben Jahren unterrichtet. Ein ordentliches Gerichtsverfahren findet nicht statt. Xi Jinping grüßt arabische Staatschefs mit Salamaleikum. In Xinjing ist dieser Gruß inzwischen verboten; es heißt, ,Inshallah‘ soll durch ,so die Partei will‘ ersetzt werden. Die gesamte Provinz ist durchzogen von zahlreichen Konzentrationslagern, Umerziehungslager genannt; die überfüllten, unhygienischen Lebensbedingungen gleichen präzise den Vernichtungslagern der Nazis: ich kenne persönlich Augenzeugen oder Personen, die Augenzeugen kennen; Personen, die entweder dort arbeiten mussten oder inzwischen entlassen sind; Berichte derartiger Personen wurden auch in der Presse veröffentlicht) Selbst Personen mit kasakhischem Pass wurden in solchen Lagern festgehalten. Ich kenne persönlich Personen kasachischer Herkunft mit chinesischem Pass, die auf das Wohlwollen Russlands oder Kasachstans angewiesen sind, nicht zurückkehren zu müssen. Ihre Familie sitzt teilweise im Lager, ansonsten ist der Kontakt von der Familie selbst aus Angst vor Repressalien blockiert. Wie gesagt, ein enger Kontakt von mir aus Xinjiang ist inzwischen verschwunden. Meine Hoffnung, ihn wiederzufinden, ist gleich null. Inzwischen sind Fotos von KZs in sozialen Netzwerken aufgetaucht. Teilweise ist ihre Verteilung durch Satellitenbilder bekannt. Zudem werden immer noch neue Lager gebaut. Man wird eingewiesen, weil man kein Chinesisch kann, die Nationalhymne nicht singen kann, für religiös gehalten wird, oder überhaupt ohne jeden ersichtlichen Grund. Zunächst wurde vermutet, dass 1.000.000 der ca. 10.000.000 Uighuren dort einsitzen; mittlerweile sollen es nach einem neuen Artikel der ,Financial Times‘ 3.000.000 sein (auch in der UN spricht man inzwischen von 1.000.000 – insgesamt 3.000.000). Dörfer sind fast gänzlich leer, auch weite Teile Kashgars und Urumqis sollen Geisterstädten gleichen. Im Lager werden die Insassen gezwungen, Alkohol zu trinken, Schweinefleisch zu essen, sich selbst (d.h. en Islam) zu kritisieren, Xi Jinping und die Partei zu preisen; man muss zu Texten, die den Islam lächerlich machen und die Partei preisen, tanzen und singen. All dies wird durch Folter erzwungen, mit Methoden die denen von Guantanamo entsprechen. Manch einer begeht Selbstmord oder versucht es; Kontakte von mir haben den Wunsch geäußert zu sterben oder haben kurz vor einem Selbstmordversuch Halt gemacht. Kashgar war einst eine der wertvollsten zentralasiatischen Städte.   Längst hat China das meiste abgerissen und nur ein geschmacklos restauriertes Zentrum als Touristenattraktion belassen. Inzwischen sind auch 70% der Moscheen dieser Stadt niedergerissen. Ansonsten wurde der Halbmond abgenommen. Es gibt eine neue Verordnung, dass alle Orte religiöser Verehrung eine chinesische Flagge tragen müssen; für Xinjiang galt das schon seit einiger Zeit. Wandinschriften an Moscheen ,Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist der Prophet Allahs‘ werden durch ,Liebe die Partei, liebe China!‘ überschrieben. Schon seit langem werden Uighuren gezwungen, ihre Nachbarn, Freunde und Verwandte auszuspionieren (eine brillante Idee des neuen Parteisekretärs für Xinjiang, seit Sommer 2016: er hat dasselbe früher in Tibet ausprobiert). Man versucht, nicht mit Freunden und Verwandten zu sprechen, um sich und letztere nicht zu gefährden. Inzwischen werden auch Parteifunktionäre in uighurische Familien einquartiert zur Rundumüberwachung – zusätzlich zu den Sicherheitskameras nahe bei fast jeder Tür. Die Verzweiflung der hinterbliebenen Frauen und Kinder von Inhaftierten ist unbeschreiblich. Oft sind beide Ehepartner in KZs oder im Gefängnis. Ihre Kinder werden in überfüllten, kaum mit dem Nötigsten versehenen Waisenhäusern als Parteimarionetten erzogen. Oftmals ist fast die gesamte männliche Bevölkerung eines Dorfes in jüngerem Alter inhaftiert. Uighurische Mädchen werden zur Heirat mit atheistischen Hanchinesen gezwungen: eine Art staatlich organisierte Massenvergewaltigung.
(Foto: Screenshot/Twitter)
Zwangsheirat mit Han-Chinesen China hat einen eminenten Männerüberschuss. Man kann sich vorstellen, welche Hanchinesen solche Heiraten eingehen. Angesichts des unvorstellbaren Chauvinismus und Rassismus von Hanchinesen gegenüber uighurischen Untermenschen kann man sich lebhaft vorstellen, wie diese uighurischen Frauen behandelt werden. Uighurische Kultur und der Islam in Xinjiang werden bald nicht mehr existieren. Die anderen Muslime Chinas fühlen den Druck bereits immer stärker; sie werden folgen. Xi Jinping, der sich auf dem letzten Parteitag zum unumschränkten Herrscher Chinas auf Lebenszeit wählen ließ, ist entschlossen, den Islam in China auszurotten. Muslime in aller Welt müssen sich klar machen, dass heute China der größte Feind des Islam ist. Die muslimische Öffentlichkeit (im Grunde genommen jeder anständige Mensch) hat die Pflicht, lautstark zu verlangen, dass islamische Staaten (und andere Staaten) sich nicht länger von China kaufen lassen; und vor allem hat jeder die Pflicht, selbst alles zu tun, was er kann, seine gefolterten und ermordeten muslimischen Brüder und Schwestern in Xinjiang vor dem Vergessen zu schützen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Buchrezension – Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Prof. Klaus J. Bade hat die Migrationsforschung und den Migrationsdiskurs in Deutschland bestimmt wie kein anderer – pointiert, kritisch und mit Weitblick. In seinem neuen Buch nimmt er den Leser mit auf eine autobiografische Zeitreise.

Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Integration
Türkei-Wahlen: Was haben wir in Deutschland falsch gemacht?

Von Yasin Baş Die Enttäuschung über das Wahlergebnis in der Türkei ist nicht zu übersehen, zu überhören und zu überlesen. In Deutschland gab es wohl selten eine derartige öffentliche Enttäuschung und emotionale Anteilnahme am Wählerwillen. Oder können sie sich daran erinnern, dass wir während und nach den Wahlen in Ungarn, der Slowakei, Polen, Russland oder den USA tagelang über das Wählerverhalten der hier lebenden Wahlberechtigten aus diesen Ländern und der damit angeblich zusammenhängenden Zugehörigkeit zu Deutschland diskutiert haben? Anerkennung des Wählerwillens Die derzeitigen Diskussionen über türkische Staatsbürger, die irgendeinen Politiker aus ihrer Heimat gewählt haben, bestimmen erneut unsere Tagesordnung. Wir scheinen Unpässlichkeiten mit dem Wählerwillen, dem demokratische Recht der geheimen Wahl und dem Selbstbestimmungsrecht von Wahlbürgern zu haben. Wie gelähmt und unsouverän muss unsere Denkweise geworden sein, dass sich Menschen für ihren demokratischen Wählerwillen rechtfertigen müssen? Oder sollen diese Menschen dankbar dafür sein, dass sie überhaupt noch ein geheimes Wahlrecht besitzen? Was für ein Selbstverständnis haben wir von der Demokratie? Wir müssen lernen, Respekt vor dem politischen Willen und der selbstbestimmten Wahlentscheidung von Menschen zu haben. Was jemand wählt, ist seine private Angelegenheit. Wer mit Demokratie argumentiert, der sollte auch demokratisch handeln und dazu gehört die Anerkennung eines Wahlausgangs. Demokratische Legitimation durch sehr hohe Beteiligung Die Wahlbeteiligung in der Türkei lag bei 87,5 Prozent. Und ein Präsidentschaftskandidat hat zum wiederholten Male mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten. Das sind Werte, von denen viele Politiker im Westen träumen. Nur zum Vergleich: Die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen von 2009 lagen bei gerade mal 70,8 Prozent. 2013 nahmen 71,5 Prozent der Wahlberechtigten bei den Wahlen zum deutschen Parlament teil. 2017 stieg der Wert auf 76,2 Prozent. Bei den Wahlen zum Europaparlament lag die Beteiligung in den letzten 20 Jahren bei etwa 40-45 Prozent. Und noch eine Information: In der Geschichte der Bundesrepublik hat es eine Partei nur ein einziges Mal geschafft, auf mehr als 50 Prozent zu kommen. Das war 1957. Die Union, bestehend aus zwei(!) Parteien schaffte damals 50,2 Prozent. Danach kamen sie nie wieder über die 50-Prozent-Marke. Die Sozialdemokraten schafften noch nie seit 1949 diesen Wert. Ihr bestes Ergebnis lag 1972 bei 45,8 Prozent. Wir sollten also etwas zurückhaltender agieren, wenn wir über die Wahlergebnisse und die demokratische Legitimation von Wahlen in anderen Staaten diskutieren. Türkei ist keine Kolonie Unsere belehrende, teilweise auch arrogant daherkommende Art kann nämlich genau das Gegenteil unseres Interesses bewirken und mehr Menschen ausschließen. Möchten wir, dass diese Menschen sich abwenden oder wollen wir sie gewinnen? Wir müssen uns Gedanken über die ausgrenzenden Strategien von Teilen der Medien, Politik und der gesellschaftlichen Ränder, die immer mehr in die Mitte hineinragen, machen. Wir würden einen Fehler begehen, wenn wir meinten, die Türkei sei eine Kolonie eines anderen Landes. Die rechtspopulistischen sowie rechtsextremen Parteien in Deutschland haben auch deshalb so einen Zulauf, weil sich viele unserer Politiker oftmals um fremde Probleme kümmern als um die Baustellen in Deutschland. Eine Landwirtschaftsministerin sollte sich beispielsweise um die Milchquote, Agrarsubventionen, Lebensmittelsicherheit oder Tiergesundheit kümmern als um Kopftücher. Wir müssen uns um die eigenen Probleme kümmern Wenn wir meinen, dass Recep Tayyip Erdoğan die Rentenfrage in Deutschland lösen wird, liegen wir falsch. Wenn wir denken, dass Erdoğan einen Mindestlohn bei uns einführt oder Hartz IV abschafft, können wir noch lange warten. Wird Erdoğan das Bildungssystem in Deutschland reformieren? Oder wird Erdoğan, obwohl manche es ihm durchaus zutrauen würden, die Herausforderungen in der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik in Deutschland meistern? Wird Erdoğan die Probleme im deutschen Pflegesystem lösen? Wird Erdoğan die Armut und die Arbeitslosigkeit bei uns beenden? Wird er die soziale, gesellschaftliche und politische Spaltung in Deutschland aufheben? Wird er die Wohnungsnot in unseren Städten mildern oder gar beseitigen? Anstatt andere Menschen zu belehren, müssen wir uns mit unseren eigenen Nöten befassen. Welche Fehler haben wir gemacht? Allein diese Diskussion verdeutlicht um ein weiteres Mal, dass die an der Debatte beteiligten Personen und Medien nichts aber auch gar nichts von früheren Kontroversen gelernt haben. Wir machen es uns zu einfach, in dem wir die Fehler bei den Erdoğan-Wählern suchen. Wir sollten uns eher die Frage stellen, was wir alles falsch gemacht haben. Wir sollten beispielsweise überlegen, ob Diskriminierung im Alltag, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt etwas mit dem Wahlverhalten zu tun haben könnte. Ebenfalls können wir uns fragen, ob alltäglicher Rassismus, Islamfeindlichkeit, Muslimhass und Xenophobie der in unserer „Mitte“ dazu beiträgt, dass so viele Menschen für die eine oder andere Partei stimmen. Selbstkritik tut not Seit Jahresbeginn gab es fast 50 Anschläge seitens PKK-naher Gruppierungen auf muslimische Einrichtungen und Gotteshäuser in Deutschland. Diese Übergriffe wurden bei weitem nicht ausreichend thematisiert. Im Gegenteil, sie wurden nicht selten bagatellisiert. Trotz Bekennerschreiben wurden bislang Schuldige kaum belangt. Nicht nur die distanzierte Berichterstattung, sondern auch die fehlende Anteilnahme wurde von der türkischstämmigen Gesellschaft in Deutschland registriert. Es gab zwar Beistand, jedoch von ganz anderer Seite. Jemand anderes hat die Sorgen der türkischstämmigen Menschen in Deutschland sehr wohl ernst genommen. Zumindest hat er diesen Menschen das Gefühl vermitteln können, dass er ihre Sorgen beachtet und sich um sie kümmert. Allein das genügte schon, die Herzen dieser Menschen zu gewinnen. Dann wundern wir uns, warum diese Menschen den einen oder anderen Politiker in ihrer ersten bzw. zweiten Heimat wählen? Dann wundern wir uns, weshalb wir diese Menschen nicht wie gewünscht erreichen? Dann wundern wir uns über unsere Integrationspolitik? Wo bleibt unsere Selbstkritik? Den Balken im eigenen Auge sehen Unsere Empathielosigkeit trägt schon seit Jahren dazu bei, dass wir immer mehr Menschen emotional verlieren. Dass die Meinungsführerschaft in der Debatte Leuten wie Özdemir, Dağdelen, Ateş, Kelek, Güler, Toprak usw. überlassen wird, die in der türkischstämmigen Gesellschaft überhaupt keine Reputation besitzen – ganz im Gegenteil, jedoch von unseren Medien hofiert werden, ist ein weiteres Dilemma. Und haben wir uns je gefragt, was für ein Licht es auf unsere Glaubwürdigkeit wirft, dass Özdemir und seine Kollegen ebenso wie die Dağdelen-Genossen während des türkischen Wahlkampfs offen für die HDP geworben haben, die nach fester Überzeugung der Mehrheit der Türkeistämmigen als verlängerter, demokratisch anmutender Arm der bewaffneten Terrororganisation PKK gilt? Es ist geradezu ironisch, dass eben jene diese, die in Deutschland die politische Vorfeldorganisation einer terroristischen Vereinigung sind, sich am lautesten über die Anhänger eines demokratisch Gewählten monieren. All denen möchte man laut zurufen: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7:3) Zusammenführen anstatt zu spalten – Deutschland ist unsere Heimat Es ist kein Schöheitsfehler, sondern ein störender Makel, dass wir uns nicht von unserem rechthaberischen und arroganten Blickwinkel lösen können. Wir vergessen immer wieder, dass wir auch die Herzen der Menschen gewinnen müssen. Ganz recht: Es geht um Emotionen und um Herzen. Menschen in Deutschland mit türkischem Pass und Doppelstaatler fühlen sich nicht ernst genommen, nicht angenommen, nicht willkommen. Obwohl sie genauso dazugehören, wie alle anderen Menschen in unserem Land. Obwohl sie genauso ihre Steuern zahlen, die Rechte und Pflichten beachten, die Gesetze einhalten. Die mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff angestoßene Willkommenskultur driftet uns langsam davon. Und das, nicht erst seit es AfD und Sarrazin gibt. Wir brauchen mehr Menschen, die konstruktiv zusammenführen wollen. Weniger Spalter und deren Sprachrohre. Deutschland ist unsere Heimat. Und das nicht erst seit es ein Heimatsministerium gibt.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– 24. Juni 2018: Türkei vor Richtungswahl – Journalist Klaus Jurgens: Der türkischen Bevölkerung geht es besser

Die türkische Bevölkerung scheint sich ihrer großen Herausforderung bewusst zu sein: Wird ihr stolzes Land am Morgen des 25. Juni in eine Periode der Unsicherheit zurückgeworfen? Oder kann es dem Weg, der vor rund 15 Jahren begann und der kurz gesagt daraus besteht, ihr Land in eine natürlich immer zu verbessernde Zukunft zu führen, fortsetzen?

Journalist Klaus Jurgens: Der türkischen Bevölkerung geht es besser
 
Yasin Baş
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.