Interview
Interview: Unternehmer Remzi Aru über die PKK in Deutschland

Die PKK-Versteher sind die Pegida der Mitte
Unternehmer Remzi Aru äußert sich im NEX24-Interview unter anderem über Wahlen in der Türkei und die Seelenverwandtschaft zwischen Pegida und PKK-Verstehern.
Die AKP hat die letzten Wahlen in der Türkei nicht zuletzt auch des starken Zuspruchs innerhalb der türkischen Diaspora in Deutschland überlegen gewonnen, während die HDP Wahlanalysen zufolge unter anderem auf Grund ihrer unklaren Haltung zur PKK wegen drastisch verloren hat – insbesondere auch innerhalb der kurdischen Volksgruppe. Einsicht ist – anders als beim inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan, der das Agieren der Terrorgruppe und der HDP scharf kritisiert hat – in der deutschen Öffentlichkeit allerdings nicht zu verzeichnen, meint der in Berlin lebende türkische Unternehmer Remzi Aru.
NEX24 sprach mit ihm über aktuelle Entwicklungen.
NEX24: Herr Aru, macht Ihnen als bekanntem Exponenten der türkischen Einwanderercommunity die Pegida-Bewegung Angst?
Aru: Nein, schon als Kind gab es zwei Dinge, die wir nicht hatten: Geld und Angst. Wir konnten uns Letztere einfach nicht leisten. Wer nichts wagt und wer nicht aneckt, der erreicht auch nichts. Und Pegida ist eine Bewegung von Menschen, die sich ihr Leben lang hinter ihrer German Angst verkrochen haben, die auf diese Weise auch nie Probleme mit dem Staat bekommen hatten, weil sie einfach auch nie aufgemuckt haben, aber die eben dadurch auch nichts erreicht haben.
Sie wollen jetzt ihre Form der „Friedensdividende“, ihren Lohn fürs Angepasst sein. Und sehen mit Neid auf Einwanderer, die etwas erreicht haben, weil sie für ihre eigenen Ideale einstanden, ihr eigenes Leben gelebt haben und nicht das, das einem andere zugedacht haben. Es sind sicher nicht alles dumme, bösartige Menschen, die dort marschieren, aber ich kann ihnen nur sagen: Leute, es mag sein, dass Ihr von Eurem Leben bislang weniger bekommen habt, als Ihr meint, dass Euch zusteht. Aber das liegt nicht an uns, das liegt nicht an den Einwanderern.
Steckt Eure Energien in etwas Sinnvolles, Konstruktives, und schafft Euch selbst ein Leben! Statt andere Kulturen herabzuwürdigen, definiert lieber Eure eigene und pflegt sie. Von mir aus muss kein „Weihnachtsmarkt“ in „Wintermarkt“ umbenannt werden, ich halte diesen Kulturkannibalismus vielmehr für einen Irrsinn. Problematischer als das deutsche Randphänomen Pegida ist aber der importierte „Links“-Terrorismus in Deutschland, der sich vor allem in Gestalt der PKK und ihrer Versteher zeigt.
Die Gesinnung ist die gleiche wie die von Pegida, es sind wildgewordene Kleingeister, deren ideologischer Fanatismus sich mit deutschem Maßregelungsdrang paart und die Unterstützer bis in die Mitte der Gesellschaft und in die Parlamente hinein finden. Leute, die ihre Gewalt verleugnen, verharmlosen oder rechtfertigen, aus Geltungsdrang, Türkenhass, Islamfeindlichkeit oder einfach auch nur aus Neid auf Türken, die mit ihrer Herkunft und ihrer Religion im Reinen sind.
NEX24: Woran macht sich das fest?
Aru: Die PKK hat in Europa gemerkt, dass es ihr nicht viel bringt, hier türkische Reisebüros in die Luft zu sprengen. Es ist ihr klar geworden, dass sie mehr davon hat, hier ein ruhiges Hinterland zu genießen, Strukturen aufzubauen, Unterstützer anzuwerben und die Gewalt in den vorpolitischen Raum zu verlagern, also in die Schutzgelderpressung („Revolutionssteuer“) und in den Drogenhandel. Sie wollen die rassistische und religionsfeindliche Grundstimmung in Europa und unter seinen Eliten nutzen, um Rückendeckung für ihren marxistisch-leninistischen Kurs zu finden.
Es gibt nicht nur der PKK untergeordnete, sondern auch ihr ideologisch nahestehende Organisationen, die, sobald der türkische Präsident Erdogan nach Deutschland kommt, zehntausende Leute auf die Straße bringen, sie finden deutsche Journalisten und Politiker, die bereitwillig ihre Propaganda reproduzieren, religiöse türkische Sunniten und nicht assimilierte Muslime zum Feindbild aufbauen und Hetz- oder Einschüchterungskampagnen durchführen. Und es gibt auch Terrortrupps, die schon einmal Moscheen überfallen und Anschläge verüben.
Angriff auf Atib-Moschee (Foto: Privat)
Angriff auf Atib-Moschee (Foto: Privat)
NEX24: Ist das jetzt nicht dramatisiert?
Aru: Nein, alleine seit Beginn der Antiterroroperation der türkischen Streitkräfte gegen die PKK vor einigen Jahren hat es mehrere Anschläge auf türkische Moscheen gegeben. Funktionäre selbst CDU-naher Vereinigungen wie Madlen Vartian hetzen in PI-Manier gegen Muslime und können dabei auf die Rückendeckung vonseiten etablierter Medien und Politiker setzen.
(Foto: screenshot/facebook)
(Foto: screenshot/facebook)
Und dann gibt es noch die Biedermänner wie Ali Ertan Toprak, Multifunktionär und Multipropagandist, der zwischen jesidischen, kurdischen und alevitischen Verbänden switcht wie andere zwischen den 63 Gendern auf Facebook und dem die Grünen trotz Claudia Roth und Cem Özdemir nicht angepasst genug waren, weshalb der in die CDU gegangen ist, weil er sich mit seinem Hass auf den Islam dort am wohlsten fühlte. Das sind die Leute, die, wenn es dem Anbiederungszweck dient, erklären, Aleviten wären keine Muslime, aber sich trotzdem in die Islamkonferenz setzt, weil er sich davon verspricht, die muslimischen Verbände ausbooten zu können.
Sobald Erdoğan Deutschland besucht, marschieren tausende Leute aus diesem Dunstkreis auf und am Rande solcher Demonstrationen kann es auch gerne schon einmal zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Andersdenkende oder Polizeibeamte kommen.
NEX24: Gibt es ein PI der PKK?
Aru: Nicht 1:1, aber es gibt Blogs, die sich selbst und die PKK/PYD gerne als Opfer inszenieren und Politiker von Sevim Dağdelen bis Tobias Huch, die permanent mit Lügen und Hetze gegen die türkische Regierung, Präsident Erdoğan und die übergroße Mehrheit jener türkischen Einwanderer auf den Plan treten, nach dem Motto: „Irgendwas wird schon hängen bleiben.“ Dabei appellieren sie bewusst und gezielt an rassistische Ressentiments innerhalb der Mehrheitsgesellschaft und reden so genannten „islamkritischen“ Kräften von Buschkowsky bis hin zur NPD nach dem Mund, deren Ziel es ist, sunnitische Muslime zu Menschen zweiter Klasse zu stempeln.
NEX24: Aber Huch oder Dagdelen sind doch wohl nicht Meinungsführer im PKK-Umfeld?
Aru: Zweifellos nicht, ich glaube nicht, dass diese Leute von jenen, die sie hofieren, überhaupt für voll genommen werden. Aber sie legen einen Eifer und ein Sendungsbewusstsein an den Tag, das sie dazu treibt, jeden Tag neue unwahre und verdrehte Behauptungen in die Welt zu setzen, um Präsident Erdogan, aber auch die Mehrheit der sunnitischen Muslime in der türkischen Einwanderercommunity, zu dämonisieren.
Sobald die türkischen Sicherheitskräfte gegen kriminelle Elemente, Terroristen oder Parallelstrukturen im Staatsapparat vorgehen, verbreiten sie ihre Märchen von wegen „Anschlag auf die Pressefreiheit“, „Islamisierung“ oder „Verhinderung des Kampfes gegen den IS“ und finden deutsche Journalisten, von Hasnain Kazim über Deniz Yücel bis hin Till Reimer Stoldt, die diese auch noch in deutschen Massenmedien aufbereiten und dem, was diese Leute sich zusammenreimen, auch noch ihren Mainstream-Segen verleihen.
Auf diese Weise stärken sie nicht nur Rechtsextremen den Rücken, sondern vergiften auch das deutsch-türkische Verhältnis. Es ist kein Wunder, dass die Nazis, etwa PI oder „Pax Europa“, einen Ali Ertan Toprak abfeiern und ihn freudig als Ikone für ihre Hetze gegen Muslime bewundern. Toprak, der am laufenden Band Lügen und Hetze gegen sunnitische Muslime verbreitet, macht sich dabei aus rein opportunistischen Beweggründen zum Faktotum rechtsradikaler Kreise und verspricht sich wohl von seinem Auftreten als Einwanderer mit Onkel-Tom-Syndrom – immer nach dem Motto „Wir sind die guten Moslems, die Sunniten die Bösen“ – Impulse für seine Karriere.
NEX24: Reicht die Steuerungsgewalt des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan tatsächlich bis in deutsche Redaktionen und Parlamente?
Aru: Offenbar hat die nächste Generation der PKK-Terroristen ihrem inhaftierten Führer längst die Butter vom Brot genommen. Jüngst hat „Apo“ ja der gesamten Organisation und der HDP die Leviten gelesen und ausrichten lassen, dass sie selbst daran schuld wären, dass die Unterstützung in der Bevölkerung flöten geht, weil sie nicht auf ihn gehört hätten. Das Zusammenspiel zwischen deutschem linksliberalem Mainstream und kommunistischer PKK erinnert an jenes zwischen den Sowjets und den 68er-Hippies im Westen. Die einen suchen sich eine Projektionsfläche für ihre Ideologie der „Befreiung von Zwängen“, die es aus europäischer Mainstreamsicht nur dort gibt, wo Menschen ihr Leben nach religiös begründeten Moralvorstellungen organisieren, die anderen wollen eine Gesellschaft, einen Staat gezielt unterminieren, um dort Macht zu erobern.
In der Türkei ist das die PKK, die immer noch davon träumt, auf türkischem Boden eine eigene, kommunistische Diktatur zu errichten, in Deutschland sind es links- und rechtstotalitäre Kräfte, deren gemeinsame Nenner die „Islamkritik“ und die Gegnerschaft zu Religion, Freihandel und der türkischen Regierung sind. Und am Ende werden die treudoofen Hippies von den zynischen Machtstrategen ausgenutzt und würden diese tatsächlich die Macht übernehmen, wären Erstere die Ersten, die in den Gulag wandern. Das Neue daran ist, dass dieses Zusammenspiel grenzüberschreitend stattfindet und es eine Querfront gegen den Islam gibt, die von der PKK und traditionellen Linksextremisten über Grüne, Feministinnen, selbsternannte Gesellschaftsarchitekten in der SPD, Hardcore-Etatisten und einige Libertäre, Kampfatheisten und christliche Fundamentalisten über Unionskreise bis hin zu PI und NPD reicht.
Beerdigung Kevin Jochim (Foto: screenshot RT)
Beerdigung Kevin Jochim (Foto: screenshot RT)
Und da solche Leute – und Ali Ertan Toprak ist da ein brillantes Beispiel dafür – alle ein Problem mit religiöser Freiheit und religiösen Rechten als solchen haben, klopfen sie sich eben gegenseitig auf die Schulter und ziehen die „Wir gegen die“-Nummer ab, während sie den von ihnen Diffamierten vorwerfen, sie würden „Feindbilder aufbauen“, sobald sie es wagen, sich zu wehren.
NEX24: Aber gibt es nicht auch ein Problem mit radikalen Türken, etwa Demonstranten, die in Berlin auf einer Ditib-Demo antisemitische Parolen wie „Juden ins Gas“ oder „Nieder mit Israel“ riefen?
Aru: Zweifellos gibt es so etwas, auch wenn ich nicht weiß, ob das Türken waren und ich ausschließen kann, dass die Ditib solche Hassparolen billigt. In einer aufgeheizten Stimmung – wie damals auf Grund des Krieges in Gaza – kann man nie ausschließen, dass sich einzelne Personen emotional nicht unter Kontrolle haben und sich in einer Weise äußern, die abstoßend und kontraproduktiv ist.
Ich würde es allerdings auch nicht allen Menschen, die sich mit Israel solidarisch erklären, pauschal anlasten, wenn jüdische Extremisten zur gleichen Zeit in Jerusalem mit Parolen wie „Morgen bleibt die Schule leer – es gibt in Gaza keine Kinder mehr“ durch die Straßen ziehen und Kabinettsmitglieder die Tötung palästinensischer Mütter fordern. Wenn jeder damit beginnen würde, vor der eigenen Türe zu kehren, wäre bald die gesamte Nachbarschaft sauberer.
Die PKK-Extremisten und ihre linksnaiven und islamfeindlichen Kumpane haben den Rückenwind der mit Blick auf die Türkei weitgehend gleichgeschalteten Medien. Die meisten deutschen Fernsehsender und Journalistendarsteller wie Deniz Yücel oder Till Reimer Stoldt reproduzieren die Feindbildrhetorik dieser Leute – gegen Erdogan, gegen den türkischen Staat, gegen die türkische Einwanderercommunity, gegen den Islam. Ihre permanenten Diffamierungen als „Islamisten“, „türkische Nationalisten“, den „Diktator“ Erdoğan sind hierzulande omnipräsent.
NEX24: Auf die türkischen Einwanderer scheint dies aber keine Wirkung zu haben, wenn man die Wahlergebnisse ansieht…
Aru: Das türkische Volk ist nicht nur stolz und mit seinen traditionellen Werten verbunden, sondern politisch auch sehr wach und lässt sich deshalb nichts vormachen. Eine gleichgeschaltete Medienlandschaft gab es vor 2002 auch in der Türkei, und auch dort war das Feindbild Islam auf seine Weise omnipräsent. Auch die Arroganz der Eliten gegenüber dem kleinen türkischen Arbeiter ist in Deutschland heute ähnlich wie in der alten Türkei.
Wenn man nun auch General Kujat erlebt, wie er die Bundeskanzlerin ihrer Türkeipolitik wegen maßregelt, ist das für die Türken auch etwas Vertrautes – nur, dass damals in der Türkei politische Statements der Armee stets unmittelbar bevorstehendes Ungemach bedeuteten und Kujat eher das ist, was man in Österreich als eine „leere Wursthaut“ bezeichnen würde.
Die Türken sind treue Menschen, gegenüber ihrer Religion, ihrer Familie, ihrem Vaterland und sie nehmen ihren Schwur ernst, den sie seit Atatürk geleistet haben. Sie lassen sich nicht unterbuttern, nicht leicht in die Irre führen und schon gar nicht einschüchtern. Das klare Resultat der Wahlen, vor allem auch aufseiten der Türken in Deutschland, ist nicht nur eine Bestätigung für die Politik der AKP, sondern auch eine klare Botschaft an die türkei- und islamfeindlichen europäischen Eliten, an die Terroristen, an Anhänger des Parallelstaates und an die PKK-Versteher: „Eure Wühlarbeit trägt keine Früchte!“
NEX24: Was erhoffen Sie sich von der deutschen Politik?
Aru: Ich erwarte mir von jedem deutschen Politiker und Medienschaffenden, dass er oder sie den souveränen, demokratischen Willen des türkischen Volkes akzeptiert und aufhört, die türkischen Einwanderer für dumm verkaufen zu wollen. Rassismus und eine kolonialistische Attitüde sind nicht nur dann zu verurteilen, wenn sie von Pegida in Dresden artikuliert werden. Sie kommen vielmehr aus der Mitte der Gesellschaft, sie sind so genuin europäisch wie der Börek türkisch ist.
Die Türken lassen sich dies aber nicht mehr gefallen. Es wird Zeit für die deutsche Politik, für deutsche Medien, vor der eigenen Türe zu kehren. Die Skandale rund um den NSU, der gestrige rassistische Übergriff auf eine schwangere Asylbewerberin in Brandenburg: Das sind Dinge, die Euch den Schlaf rauben sollten. Nicht die Tatsache, dass die Türken eine Partei wählen, die Euch nicht gefällt…
NEX24: Herr Aru, wir bedanken uns für das Gespräch.
 

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Demonstrationen in Frankreich
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Frankfurt
Türke stirbt bei Rettungsversuch eines Obdachlosen

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Kommentar
Prof. Dr. Günther: Die westlichen Alliierten waren über die Vernichtung der Juden bestens informiert

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther In diesem Monat gab es zwei Daten, die Deutschland, Europa, ja die gesamte westliche Hemisphäre, unsere vielberufene Erinnerungskultur zu aktivieren veranlasst haben: Das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und die Reichskristallnacht 1938. In dieser Erinnerungskultur ist Deutschland bekanntlich Weltmeister. Freilich, der Erste Weltkrieg, auch die gescheiterte Revolution von 1918 in Deutschland, sind – verständlicherweise – keine Daten, die in der offiziellen deutschen Erinnerungskultur eine Rolle spielen. Besser jedenfalls, als wenn in Italien bis heute der von den westlichen Alliierten geschaffene Mythos des guten Faschisten herrscht; die Werke Mussolinis in den Wohnzimmern so mancher bürgerlichen Familie stehen, und konsequenterweise nicht nur faschistische Wutbürger, sondern, wie es mir scheint, zumindest halb Italien Leute anderer Hautfarbe heute am liebsten ins Meer werden würde. Auf Deutschland komme ich noch zurück! Nur eines vorweg: Obwohl die Aufarbeitung des Nationalsozialismus heute bis zur billigen Geschichtsfälschung verkommen ist, die niemand mehr korrigiert, weil die Generation, die ihn erlebt hat, am Aussterben ist, trotzdem: Dass Deutschland nach den Verbrechen der Nazis zur Reflexion auf seine Vergangenheit gezwungen wurde, hat durchaus seine positive Seite. Bis heute fällt es den Deutschen immer noch etwas schwer, sich offen zu rassistischen Thesen und Verhaltensweisen zu bekennen, als anderen europäischen Ländern – jedenfalls denen, die ich kenne, und das sind sehr viele. Das ist gut so. Leider fehlt aber diese Vergangenheitsbewältigung vor allem im angelsächsischen Bereich völlig. Die Verbrechen des British Empire, der wohl kriminellsten Organisation der Weltgeschichte, werden bis heute unter den Tisch gekehrt. Kriegsverbrecher wie Churchill werden als Helden verehrt, die Ausrottung ganzer indigener Völker in den USA, Kanada, Australien wird ebenfalls vergessen: Jedenfalls wird nicht das geringste dafür getan, die hoffnungslose Situation der wenigen Überlebenden zu verbessern. Im neuen rassistischen Australien dürfen sie sich auch nicht selbst vertreten, sondern werden ausgerechnet von einem Mann vertreten, der meint, vor der weißen Einwanderung habe es dort nur „den Busch“ gegeben. Nichts täte der angelsächsischen Welt so gut, ebenso wie das nationalsozialistische Deutschland für seine Verbrechen bis zum Boden erniedrigt und zerstört zu werden. Das wäre der einzige – selbstverständlich völlig illusorische – Weg, zu verhindern, diese Verbrechen bis heute wie selbstverständlich fortzusetzen – so wie dies alle amerikanischen Präsidenten und fast alle britischen Premierminister von Truman und Attlee bis May und Trump getan haben und tun. Und so will ich einmal mit einem besonders bezeichnenden neueren Beispiel für Vergangenheitsbewältigung in einem Land beginnen, das nicht im Zentrum der Erinnerungskulturindustrie steht. Neulich hat der kanadische Premierminister Justin Trudeau – einer der strahlenden, jugendlichen, liberalen Hoffnungsträger des Westens – in einer Rede eine in der Tat, wie er selbst betonte, längst überfällige Entschuldigung Kanadas für seinen Antisemitismus während der Nazikatastrophe ausgesprochen: Es hieß damals: „Null Juden sind bereits zu viele“, und so hat Kanada bekanntlich ein Flüchtlingsschiff zurückgeschickt und damit die Ermordung von Hunderten von Juden begünstigt. Eine analoge Entschuldigung wäre im Übrigen für die USA und fast ganz Europa angebracht: Kaum irgendwo wollte man die aus Deutschland vertriebenen Juden bedingungslos aufnehmen, kaum irgendwo hat man – außer auf privater Ebene – Juden zu retten versucht. Die westlichen Alliierten waren über die Vernichtung der Juden bestens informiert. Sie haben Sie bewusst verschwiegen und mit voller Absicht nichts dagegen getan. So angebracht und verdienstlich Trudeaus Entschuldigung ist, so perfide ist die politische Instrumentalisierung, die er nachgeschoben hat: Er hat die Verurteilung des kanadischen Antisemitismus der Vergangenheit mit einer Verurteilung der BDS-Bewegung verbunden, seine Verbundenheit mit Israel zum Ausdruck gebracht und so getan, als sei die BDS-Bewegung die heutige Form des Antisemitismus – bis zu der abstrusen Behauptung, jüdische Studenten fühlten sich an kanadischen Universitäten unwohl, weil sie von BDS-Anhängern angefeindet würden. Wer heute die wahren Antisemiten sind, das zeigt der Pittsburgh-Anschlag zur Genüge. Diese perverse Instrumentalisierung diskreditiert Trudeau und zeigt die Hypokrisie und Verlogenheit seiner Entschuldigung mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. Auf derartige Entschuldigungen können die Opfer des Holocaust verzichten. Sie sind eine Beleidigung. Zudem ist präzise die hier zum Ausdruck kommende Gleichsetzung von jüdisch und zionistisch ein wichtiger Grund, warum Antisemitismus immer noch verbreiteter ist, als es sonst der Fall wäre. Die Zionisten okkupieren jüdische Identität. Die nicht zionistisch gesonnenen Juden werden systematisch aus der Öffentlichkeit verdrängt und diffamiert. Deshalb sprechen viele heute fälschlicherweise von einer jüdischen Lobby, die angeblich die Medien oder die westliche Politik beherrscht. Es gibt keine jüdische Lobby; es gibt keine Organisation, die heute die Juden vertritt. Juden sind nicht Zionisten. Ich bezweifle, dass die Mehrheit der Juden außerhalb Israels Zionisten sind, gewiss befürworten sie nicht die Gewaltpolitik Israels. Meine jüdischen Freunde lehnen sie ab. Juden, die aus dem Holocaust gelernt haben, gerade auch Überlebende der Todeslager, verurteilen offen, dass Israelis heute wie ein Spiegelbild der Nazis agieren. Ebenso tun es echte religiöse Juden. Der Zionismus ist eine ursprünglich areligiöse Bewegung. Erst heute hat er auch eine Anhängerschaft, die die jüdische Religion in erschreckender Weise pervertiert. Religiöse Juden haben in ihrer langen Geschichte der Verfolgung nie Gewalt angewendet. Religiöse Juden verabscheuen Verbrechen gegen andere Menschen auch heute und gehen gegen Israel auf die Straße. Nochmals: Es gibt keine jüdische Lobby. Es gibt nur eine zionistische Lobby, eine Israellobby, die die jüdische Identität in illegitimer Weise beschlagnahmt. Die beherrscht zwar nicht die Welt, aber sie ist einflussreich. Sie kauft rückgratlose Politiker wie Trudeau, die es sich bequem machen und ihr Fähnchen nach dem Wind drehen. Das ist nichts als verächtlich. Im Grunde genommen kann man die Gesinnung, die aus Trudeaus Rede spricht auch daran sehen, dass er die notorische britische Poppy am Revers trägt. Sie ist eine Erinnerung an die Gefallenen der britischen Armee. Der Armee des British Empires, insgesamt einer Verbrecherarmee, verantwortlich für Massenmord und die Verbrechen des Kolonialismus, in und auch noch nach den Weltkriegen, verantwortlich für die Verbrechen an Irland und vielen Ländern der Dritten Welt, einer Verbrecherarmee, die bis heute für Massenmord im Irak, in Afghanistan, Libyen, im Jemen etc. verantwortlich ist. In beiden Weltkriegen hat die britische (wie die französische, im Ersten Weltkrieg auch die deutsche) Armee grauenhafte rassistische Verbrechen in Afrika und Asien begangen. Die Verbrechen an den Kolonien schon im Ersten Weltkrieg waren der erste Stein, der zum Ende des Kolonialismus führte. Dazu haben Engländer und Franzosen schamlos Soldaten aus ihren Kolonien rekrutiert, sie für die Interessen ihrer Kolonialherren sterben lassen – um sie danach wieder als die Untermenschen von zuvor zu behandeln. Davon spricht bei diesen Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs niemand. Nein, in England gibt es Muslime, selbst Imame, die pervers genug sind, sich dazu überreden zu lassen, sich stolz an das „Opfer“ ihrer Vorfahren für Großbritannien in den Weltkriegen zu erinnern und eine „Poppy“ zu tragen. Aber vielleicht glauben sie, so würden weniger Briten zum Dank Moscheen beschmieren, muslimische Frauen angreifen oder in die Menge von Moscheebesuchern fahren. Nun, statt an Frankreichs Verbrechen in seinen Kolonien im Ersten Weltkrieg und noch bis in die jüngere Vergangenheit zu erinnern, hat der französische Präsident Macron bei seiner Feier zum Kriegsende des Ersten Weltkriegs den wieder aufflammenden Nationalismus gegeißelt. Die angeblich 73 Jahre Frieden in Europa verdankt man ja bekanntlich dem Verschwinden des Nationalismus zugunsten der europäischen Einheit, die in der EU ihren krönenden Abschluss fand. Als ihren Verteidiger gegen den Zerfall, den man seit einiger Zeit beobachten muss, sieht sich der selbstbewusste französische Jüngling – und hier weiß er sich auch der „Grand Dame“ bzw. Grande Mère‘ Europas Angela Merkel verbunden. Und wenn Kohl und Mitterand es beim Händchenhalten belassen haben, dann kann sich ein echter französischer Mann jetzt besonders symbolträchtig geradezu an Angela kuscheln. Vergessen hat Herr Macron freilich, dass wohl in Europa von 1945 bis 1989 kein regelrechter Krieg stattfand – nicht wegen der Eindämmung des Nationalismus, sondern weil er aufgrund des atomaren Gleichgewichts USA – Sowjetunion unmöglich war -, dass Frankreich aber nicht nur in Indochina, sondern auch in Algerien, das man geradezu als Teil Frankreichs betrachtete, in einen Krieg verwickelt war, wie er schmutziger nicht hätte sein können. Vergessen hat er auch, dass der große Architekt der deutsch-französischen Freundschaft Charles de Gaulle, den er gegenüber unzufriedenen Rentnern gerne zitiert, von der „grande nation“ und einem Europa der Vaterländer gesprochen hatte. Herr Macron unterscheidet zwar Patriotismus von Nationalismus; nur, er hat für Nationalismus keine andere Definition parat als die: Nationalisten sind diejenigen, die Macrons, „Vision“ von Europa nicht zustimmen. Und 73 Jahre Frieden auch nur in Europa? Nun, kaum war die Sowjetunion gefallen, fing in Jugoslawien ein schmutziger, höchst blutiger Krieg an, wo die EU fanatischen Nationalismus, der das Land zerschlug, kräftig unterstützte und selbst mit mörderischer, völkerrechtswidriger Gewalt eingegriffen hat. Vor allem aber tut Herr Macron so, als bedrohe heute neu erwachender Nationalismus das vereinte Europa einfach so, ohne jeden Anlass. Europa ist gescheitert, weil das richtige und notwendige Projekt Europa von unfähigen Politikern verspielt wurde. Europa startete auf dem falschen Fuß. Die Gründung der Europäischen Währungsunion fiel in eine Zeit, als gerade Deutschland den Sozialstaat begonnen hatte zu zerstören. Die völlige Zerstörung ließ nicht lange auf sich warten, und so wurde das vereinte Europa nicht ein Europa sozialer Harmonie, sondern ein Europa des Finanzkapitals. Anstatt die politisch – wirtschaftliche Integration der Kernstaaten voranzutreiben, hat man die EU auf Griechenland und Osteuropa erweitert, somit Staaten mit anderen Voraussetzungen und Interessen aufgenommen und zugleich das Angebot Russlands zur Zusammenarbeit ausgeschlagen. Warum, muss ich wohl nicht sagen. Durch die NATO-Osterweiterung wurde Europa schließlich zur Appendix der amerikanischen Hegemonialpolitik. Heute bedient Europa die nationalistische Politik aus Ressentiments von Ländern wie Polen, Litauen, Lettland und stachelt selbst in der Ukraine einen perversen russlandfeindlichen Nationalismus an. Der Ex-Bankier Herr Macron ist der letzte Politiker, der für dieses sozial und politisch gescheiterte Europa ein Konzept hat. Er hat nicht einmal eines für Frankreich, kaum mehr als 20% der Franzosen wollen ihn noch. Deshalb muss er sich seine Argumente durch Geschichtsklitterung auf Erinnerungsfeiern zusammenklauben. Das ist auch Erinnerungskultur – auf unterstem Niveau. Das alles ist so verheerend, weil es uns in Europa tatsächlich guttäte, uns an unsere Geschichte zu erinnern. Deutschland wurde zur Reflexion auf seine beschämende Nazivergangenheit gezwungen. Im Gegensatz zu den ignoranten Behauptungen vieler heute, die den Nationalsozialismus – ich möchte fast sagen: aufgrund des Fluchs der späten Geburt – nicht erlebt haben (oder als Bürger der DDR tatsächlich nichts aufgearbeitet haben, wie einer unserer prominentesten selbstberufenen Vergangenheitsbewältiger neueren Datums), hat nach dem Krieg eine Verarbeitung der Vergangenheit stattgefunden: Ich habe in meiner großen Familie und ihrem enormen Freundeskreis erlebt, dass niemand versucht hat, sich mit billigen Sprüchen herauszureden. Keiner sich wohlgefühlt hat, dabei gewesen zu sein. Jeder sich gefragt hat, hätte ich mehr wissen, anders handeln können, sollen. Damals war es noch selbstverständlich, zu glauben, dass Deutschland nie wieder Krieg führen dürfe. Die Wiederbewaffnung wurde immer wieder infrage gestellt. Und wenn sie überhaupt bejaht wurde, dann war es selbstverständlich, dass sie nur zur Landesverteidigung im engsten Sinne erlaubt war. Wer heute deutsche Auslandseinsätze infrage stellt, ist ein naiver Gutmensch! Allerdings war diese Aufarbeitung doch in einem Punkte faul, weil politisch instrumentalisiert. Die Lehre aus dem rassistischen Massenmord an Juden kann nicht sein: Sei nett zu Juden, kritisiere nur keine Juden, Juden dürfen alles, auch morden, weil sie ja so gelitten haben. Das Gedenken an den Holocaust wurde von Anfang an von den Zionisten für Israels Verbrechen instrumentalisiert. Hitlers rassistischer Massenmord war aber im Grunde nur die perverse Spitze des rassistischen Massenmords Europas und seiner Appendix Amerika an anderen Rassen über Jahrhunderte. Das besondere des nationalsozialistischen Massenmordes an den Juden war, dass hier das, was seit eh und je fern von Europa an Menschen verübt wurde, die man aufgrund ihres offenkundig so anderen Aussehens leicht für Untermenschen oder Tiere ansehen konnte, nun mitten in Europa an Menschen verübt wurde, die Teil der europäischen Gesellschaft und Kultur waren und denen niemand an der Nase ansah, dass sie anders waren als wir. Das hat zu Recht die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg so zutiefst schockiert – nicht freilich, wie gesagt, die Politik, die es längst vorher wusste und der es völlig gleichgültig war. Was die Vernichtung der Juden somit Europa hätte lehren sollen, ist, dass Rassismus ein für alle mal geächtet werden muss, dass mithin Kolonialismus ein Verbrechen ist. Stattdessen wurde sie missbraucht, den postkolonialen Staat Israel zu rechtfertigen und so seinen unvermeidlicherweise damit einhergehenden Rassismus. Charles de Gaulle hat das von Anfang an gesehen. An den katastrophalen Folgen dieser Politik leidet die Welt noch heute. Sie steht im Kontext der niemals vollzogenen Verarbeitung des europäischen Kolonialismus durch England, Frankreich und andere, des nie bewältigten Völkermords an den Wurzeln der USA, Kanadas und Australiens. Das rassistisch-koloniale Erbe wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nahtlos fortgesetzt, und so lebt es fort bis heute. Ja, Europa und die USA haben noch nicht einmal ihrem Antisemitismus verarbeitet. Er lebt nur als dumpfes unreflektiertes Gefühl der Scham, das sich die Zionisten zunutze machen. Mit dem Zionismus hat eine Gruppe von Juden jüdische Identität okkupiert und sich die Mentalität der Nazis angeeignet. So sind an die Stelle der Juden als Opfer die Muslime getreten, denn sie sollen die Zeche des europäischen Antisemitismus und des Holocaust bezahlen. Diese Schieflage reflektiert in der europäischen Erinnerungskultur niemand und wird auch nie jemand reflektieren, und so zeigt unsere viel gepriesene Erinnerungskultur wieder einmal nur eines: Das Einzige, was man aus der Geschichte lernen kann, ist, dass der Mensch nie aus ihr lernt. Angesichts des scham- und maßlosen Massenmordes unserer Zeit wird das immer unerträglicher. Was wir seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erleben, vor allem was wir heute erleben, ist eine Explosion von Barbarei und Gewalt, die alles übertrifft, was die Welt je gesehen hat. Der Teil der Welt, der dem Massenmord des Westens und manch anderen Staates, jetzt besonders auch Chinas zum Opfer fällt, weiß es allein, der Westen ignoriert ihn und begräbt ihn unter hohlen Phrasen. Ich glaube, das heutige China hat einen Grad von Verrohung und Bestialität erreicht, dass es ihn noch nicht einmal zu ignorieren braucht: Massenmord und Ausrottung nicht nur von Menschen, sondern DES Menschen sind heute eine Selbstverständlichkeit geworden.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

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– The Lost Requiem – Geschichte: Polnische Flüchtlinge im muslimischen Iran

Während sich heutzutage in kürzester Zeit Tausende Polen mobilisieren lassen, um gegen Flüchtlinge zu demonstrieren, und dieses von AfD-Wählern in Deutschland gefeiert wird, waren im zweiten Weltkrieg Hunderttausende polnische Flüchtlinge im muslimischen Iran herzlich willkommen geheißen worden.


Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen. Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG. Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen. Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

Gesundheit
Voll gestillte Babys brauchen keinen Tee

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Baierbrunn – In den ersten Lebensmonaten brauchen Eltern auch einem kranken Baby noch keinen Tee anzubieten. „Rhein theoretisch können Babys tatsächlich von Anfang an auch Tee trinken. Notwendig ist das aber nicht“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn im Apothekenmagazin „Baby und Familie“. „Voll gestillte Säuglinge brauchen, selbst wenn sie krank sind, meist nur Muttermilch.“ Generell benötigt ein gestilltes Baby erst zusätzliche Flüssigkeit, wenn der dritte Brei eingeführt ist – etwa aber dem siebten Lebensmonat. Dann kann man ab und zu Tee geben. Je nach Sorte lindert er auch manche Beschwerden. Babys Favorit ist mit seinem leicht süßlichen Geschmack Fencheltee. „Er wirkt bei Blähungen und Bauchweh beruhigend“, sagt Babara Absolon, Apothekerin aus Deggendorf. Fenchelsamen enthalten ätherische Öle, die die Luftbläschen im Magen-Darm-Bereich auflösen. „Allerdings entfalten sie ihre Wirkung nur, wenn man die Samen vor dem Aufguss leicht andrückt, damit sich die Ölkammern öffnen.“ Auch Kamillen- oder Anistee kommen in Frage. Die Wirkstoffe der Kamille sind entzündungshemmend und beruhigen den Magen-Darm-Trakt. Anis löst festsitzenden Hustenschleim, lindert Blähungen und Krämpfe bei Bauchschmerzen. Dagegen sind Schwarz- und Grüntee sowie Tee mit Aromastoffen nichts für Babys.

Brunnen für Afrika
Khabib Nurmagomedovs Kindheitstraum: Menschen in Afrika helfen

Lagos (nex) – „Ich bin sehr beeindruckt von Khabib Nurmagomedov, weil er es zu seiner obersten Priorität gemacht hat, nach Nigeria zu reisen und dort Wasserbrunnen zu bauen. Jeder kann sagen, dass er will, dass die Welt besser wird, aber es braucht einen besonderen Menschen, damit diese Veränderung bei ihm beginnt. Wenn wir die Dinge in dieser Welt verbessern wollen, ist die einzige Person, die wir verändern müssen, wir selbst.“, so der US-amerikanische MMA-Kämpfer Rashad Evans auf seinem Instagram-Account. Im Ring lehrt UFC-Leichtgewichtschampion Khabib Nurmagomedov seinen Gegnern das Fürchten und weist mit 27 zu 0 einen eindrucksvollen Kampfrekord auf. Im privaten Leben hat der 30-jährige gläubige Muslim jedoch ein großes Herz und befindet sich momentan im afrikanischen Nigeria, um die dort sehr benötigten Wasserbrunnen bauen zu lassen. Es sei schon immer sein Kindheitstraum gewesen, den Menschen in Afrika zu helfen und er habe stets darum gebetet, dass Gott ihm diese Möglichkeit gibt. „Elhamdulillah, er hat auf meine Gebete geantwortet“, schreibt der Kämpfer auf Instagram. Nurmagomedov hatte am 6. Oktober den mit Spannung erwarteten Kampf gegen den Iren Conor McGregor bei der UFC 229 deutlich gewonnen und bleibt weiter ungeschlagen. Der Russe aus der autonomen russischen Republik Daghestan dominierte den Kampf über vier Runden und siegte schließlich verdient. Im Anschluss kam es jedoch zu unschönen Szenen. Nurmagomedow sprang direkt nach Kampfende über den Zaun und griff das Team des Iren an. Der Russe entschuldigte sein Verhalten im Nachhinein und nannte Beleidigungen gegen ihn und seine Familie als Grund des Ausrasters. Treffen mit Erdogan Im Oktober traf der dagestanische Kämpfer bei der Eröffnung des neuen Flughafens in Istanbul den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat am gestrigen Samstag in einer Tweetreihe zur Teilnahme an der Hilfsaktion des Türkischen Roten Halbmondes für die von Dürre und Hunger bedrohten Menschen in Ostafrika aufgerufen.

Türkischer Präsident Erdogan ruft zur Hilfsaktion gegen Hungersnot in Afrika auf

TV-Tipp
„Saat des Terrors“: Die dunkle Seite der Geheimdienste

Pakistan, 2008. Jana Wagner ist für den BND in Islamabad im Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen DEA (Drug Enforcement Administration) ist Jana zuständig für den Kampf gegen die Drogengeschäfte, mit denen die islamistischen Terrorgruppen von Pakistan aus ihre Aktivitäten in Afghanistan und anderen Ländern finanzieren.

Als der gut vernetzte James Logan Davies, ein Informant Janas und ihres amerikanischen Kollegen Stephen Walker, von einem großen bevorstehenden Drogendeal in Lahore erzählt, kontaktieren sie gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Thomas Günther und den amerikanischen Kollegen Oberst Baqri vom ISI (Inter-Services-Intelligence, pakistanischer Militär-Geheimdienst), der offiziell im Kampf gegen Al Quaida und deren Geschäfte an der Seite des Westens steht.

Doch statt die Drogenkuriere festzunehmen und den westlichen Geheimdiensten zu überstellen, lässt der ISI sie exekutieren. Jana ist außer sich – und ihr Misstrauen Baqri gegenüber ist geweckt. Der sucht zwar ihre Nähe und verweist auf seine Ausbildung in Deutschland. Aber er macht auch deutlich, dass das Misstrauen gegenseitig ist. Solange die Pakistaner vom Westen in der Terrorabwehr gebraucht werden, sind sie willkommene Gesprächs- und Geschäftspartner. Sobald die akute Gefahr abgewendet ist oder die Politik andere Schwerpunkte hat, werden sie wieder fallengelassen.

Der Doppelagent

Jana ist beunruhigt und kann diese Unruhe nur mit dem Sicherheitsbeauftragten Nicholas Krüber teilen, dem sie uneingeschränkt vertraut. James Logan Davies‘ pakistanische Ehefrau Lamia vertraut ihr an, dass ihr Mann ein Doppelagent sei, der seine Arbeit für die westlichen Geheimdienste dazu nutzt, ungehindert im Auftrag der Terrororganisation Laschkar-e Taiba Anschlagsziele in Mumbai auszukundschaften. Jana glaubt Lamia Davies und will ihr helfen, in den Westen zu fliehen.

Aber im Gegensatz zu Nicholas und ihrem einheimischen Übersetzer Tariq Usmani will ihr Chef Thomas Günther nichts von dem Verdacht hören. Er hält das Ganze eher für eine Falle. Und als Jana herausfindet, dass Davies auch für den CIA arbeitet, untersagt Günther ihr strikt, weiterzuforschen. Was wiederum Jana zu denken gibt: Wer hält seine schützende Hand über James Logan Davies? Und warum? Alles was sie über seine Aktivitäten herausfindet bestärkt sie in dem Verdacht, dass Davies tatsächlich ein Doppelagent ist und dass Anschläge in Mumbai unmittelbar bevorstehen.

Zwischen den Fronten

Es ist offensichtlich, dass es Interessen gibt, über die niemand mit ihr reden will und die vermutlich vom CIA gesteuert werden. Inzwischen hält Jana es auch für möglich, dass drohende Anschläge wegen dieser Interessen nicht verhindert werden. Als die Systeme des BND für ihre Recherche über Davies gesperrt werden, kann sie nicht locker lassen.

Sie nimmt offiziell Urlaub und folgt Davies heimlich nach Mumbai, beobachtet und fotografiert, wie er Plätze und Orte auskundschaftet. Aber ihr privater Einsatz bleibt nicht geheim. Nicht nur Davies bemerkt sie, auch der indische Geheimdienst nimmt Kontakt auf. Jana gibt nichts preis, verspricht aber zukünftige Informationen. Zurück in Pakistan greift der ISI sie auf. Jana ist zwischen alle Fronten geraten.

Ihrem Chef Thomas Günther ist ihr Ausflug ebenfalls nicht verborgen geblieben. Die pakistanische Regierung hat sich über Jana beschwert. Doch sie erhält eine Chance: Bei einer Lagebesprechung mit den Amerikanern kann sie ihre Bedenken offen darlegen. Der vorsitzende Geheimdienstler hat ihre These vom Doppelagenten und den drohenden Anschlägen gerade energisch niedergebügelt, als eine Bombe in dem Hotel hochgeht, die Nicholas Krüger das Leben kostet.

Ein Anschlag der Taliban, betont Oberst Baqri, die ihre Taktik zunehmend auf westliche Ziele verlegen. Jana sieht sich auf tragische Weise bestätigt und greift zu einem außergewöhnlichen Mittel: Mit Hilfe von Übersetzer Tariq als Mittelsmann informiert sie den indischen Geheimdienst. Vergeblich. Noch bevor ihr Kontaktmann etwas unternehmen kann, wird er getötet und Jana selbst der Spionage für die Taliban beschuldigt. Sie wird ausgewiesen. Sie ist gerade dabei das Land zu verlassen, als die Nachricht von einer schrecklichen Anschlagserie in Mumbai sich auf der ganzen Welt verbreitet.

Das Erste:“Saat des Terrors“ – Themenabend über die dunkle Seite der Geheimdienste am Mittwoch, 21. November, ab 20:15 Uhr

Die Rolle der Geheimdienste bei der Globalisierung des Terrors durch ihre Einflussnahme auf Terrorzellen ist so problematisch wie umstritten. Terror ist ein Geschäftsmodell und Hebel für politischen Einfluss und Relevanz und reicht vom Hindukusch bis in unsere Gesellschaft hinein. Daniel Harrichs aufwendig inszenierter und prominent besetzter investigativer Fernsehfilm „Saat des Terrors“ (SWR, ARD Degeto, BR, RBB, SR) thematisiert die Arbeitsweise der Geheimdienste und beleuchtet die komplexen Verkettungen des globalisierten Terrors zwischen Pakistan, Indien, Europa und den USA. „Saat des Terrors“ ist ein Politthriller über eine deutsche BND-Agentin, die in Pakistan herausfindet, dass Anschläge in Mumbai unmittelbar bevorstehen. Bei dem Versuch, diese Anschläge in letzter Sekunde zu vereiteln, muss sie erfahren, dass ihre Anstrengungen von unterschiedlichsten Nachrichtendiensten hintertrieben werden. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. In den Hauptrollen spielen Christiane Paul, Axel Milberg, Heiner Lauterbach, Navid Negahban. Im Anschluss an den Fernsehfilm „Saat des Terrors“ folgt die Dokumentation „Spur des Terrors“ (SWR, Redaktion: Thomas Reutter). Autor Daniel Harrich erzählt darin die Geschichte des US-Geheimagenten David Coleman Headley, der unter den Augen der westlichen Geheimdienste zum islamistischen Doppelagenten und Terror-Mastermind wurde. Dabei hinterfragt der investigative Filmemacher die Rolle der westlichen Geheimdienste, auch des BND: Welche Verantwortung tragen unsere Dienste am Aufbau der Terrorzellen in Pakistan, die später Anschläge in Europa verübten? Exklusive Interviews mit Augenzeugen und Geheimdienst-Mitarbeitern sowie Video- und Gerichtsdokumente belegen fatale Fehler der Nachrichtendienste. „Saat des Terrors“ ist eine Produktion der diwafilm im Auftrag von SWR, ARD Degeto, BR, RBB, SR für Das Erste. Regie: Daniel Harrich, Buch: Gert Heidenreich und Daniel Harrich. Die Redaktion liegt bei Manfred Hattendorf (SWR, federführend), Christine Strobl (ARD Degeto), Claudia Gladziejewski (BR), Verena Veihl (RBB) und Andrea Etspüler (SR).

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– Terrorismus – US-Wissenschaftler: „Ausländische Besatzung ist der Auslöser für Selbstmordterrorismus“

In seinem Buch, Cutting the Fuse: The Explosion of Global Suicide Terrorism and How to Stop It (University of Chicago Press, 2010), argumentiert der US-Politikwissenschaftler Robert A. Pape und sein Co-Autor James K. Feldman, dass die ausländische militärische Übernahme einen Anstieg der Selbstmordattentate im Irak geschürt habe und nicht religiöser Extremismus.

US-Wissenschaftler: „Ausländische Besatzung ist der Auslöser für Selbstmordterrorismus“
 

Israel
Aus Protest gegen Waffenruhe: Israelischer Verteidigungsminister Lieberman tritt zurück

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Tel Aviv (nex) – Aus Protest gegen die Waffenruhe im Gaza-Streifen ist der israelische Verteidigungsminister Lieberman zurückgetreten. Die Vereinbarung von Ministerpräsident Netanjahu mit den Palästinensern bezeichnete Lieberman als eine „Kapitulation vor dem Terror“. „Ich bin hier, um offiziell meinen Rücktritt als Verteidigungsminister bekannt zu geben“, kündigte er am Mittwoch an. „Was gestern geschah – die Vereinbarung mit der Hamas – ist eine Kapitulation vor dem Terror; es gibt keine andere Interpretation“, sagte Lieberman. „Was wir jetzt als Land tun, ist, kurzfristige Ruhe auf Kosten unserer langfristigen Sicherheit zu kaufen“, sagte er. Die israelische Armee hatte gestern die Bombardierung des Gazastreifen eingestellt. Die Waffenruhe war unter anderem von Ägypten vermittelt worden. Lieberman kritisierte die israelischen Regierung in der Palästinenserfrage scharf als zu „lasch“. Lieberman ist Vorsitzender der nationalistischen Partei Israel Beitenu. Israelischen Medienberichten zufolge könnte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorübergehend auch das Amt das Verteidigungsministeriums übernehmen.