Skandal in Israel
Israel: Militär stellt Strafverfolgung gegen Reservisten nach mutmaßlicher Vergewaltigung eines palästinensischen Häftlings ein

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Tel Aviv – Inmitten der massiven medialen und gesellschaftlichen Konzentration auf den eskalierenden Krieg mit dem Iran hat das israelische Militär die Strafverfolgung gegen fünf Reservisten offiziell beendet, denen die Vergewaltigung eines palästinensischen Gefangenen vorgeworfen wurde, berichtet ABC News.

Die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens wurde letzte Woche bekannt gegeben – ein Zeitpunkt, an dem die israelische Öffentlichkeit fast ausschließlich durch die militärischen Spannungen abgelenkt ist. Der Vorfall, der sich im berüchtigten Militärstützpunkt Sde Teiman ereignete, hatte zuvor weltweit für Schlagzeilen gesorgt und die israelische Militärjustiz in eine tiefe Krise gestürzt.

Grausame Details des Vorfalls im Lager Sde Teiman

Die schwerwiegenden Anschuldigungen beziehen sich auf einen Vorfall am 5. Juli 2024 innerhalb des Haftzentrums Sde Teiman im Süden Israels. Die Einrichtung dient primär der Internierung von Gefangenen aus dem Gazastreifen und steht bereits seit langem wegen systematischer Misshandlungen in der Kritik.

Der gesamte Vorfall wurde durch eine Überwachungskamera (CCTV) aufgezeichnet. Die Aufnahmen zeigen eine Gruppe von Reservisten der Sondereinheit „Force 100“, die speziell für die Bewachung von Hochrisiko-Gefangenen zuständig ist.

Die Soldaten zerrten den männlichen Häftling in einen Bereich eines großen Raumes. Um die Tat vor den Kameras und möglichen Zeugen zu verbergen, nutzten die Reservisten aktiv Schutzschilde, um das Geschehen abzuschirmen. Die Anklageschrift und ergänzende Berichte von CNN verdeutlichen die Grausamkeit des Übergriffs: Das Opfer war während der Tat an Händen und Füßen gefesselt und trug eine Augenbinde, was jede Gegenwehr unmöglich machte. Den Berichten zufolge wurde der Mann nicht nur geschlagen, sondern die Soldaten setzten zudem einen Taser gegen den wehrlosen Häftling ein, während dieser am Boden fixiert war.

Trotz der Versuche der aktiven Verschleierung durch die Schutzschilde lieferten medizinische Untersuchungen ein erschreckendes Bild der Gewalt. Berichte der behandelnden Ärzte dokumentierten neben einem massiven Darmdurchbruch (rektaler Schaden), der durch das gewaltsame Einführen eines scharfen Gegenstandes in das Rektum verursacht wurde, auch gebrochene Rippen und eine punktierte Lunge.

Der Mann musste sich einer sofortigen Notoperation unterziehen, um sein Leben zu retten. Das Opfer wurde nach der Behandlung zurück in den Gazastreifen überstellt, noch bevor der eigentliche Prozess gegen die beschuldigten Reservisten beginnen konnte – ein Umstand, den die Justiz später als entscheidendes rechtliches Hindernis für die Beweisaufnahme anführte.

Screenshot aus einem Video aus dem Gefängnis Sde Teiman, das die Vergewaltigung eines palästinensischen Häftling dokumentiert.

Die politische Intervention von Verteidigungsminister Israel Katz

Verteidigungsminister Israel Katz reagierte mit demonstrativer Erleichterung auf die Entscheidung der obersten Militärstaatsanwaltschaft. Er erklärte öffentlich, dass mit der Einstellung des Verfahrens „der Gerechtigkeit Genüge getan“ worden sei. Katz sparte dabei nicht mit scharfer Kritik an der vorangegangenen Justizführung unter der Leitung von Yifat Tomer-Yerushalmi.

Er bezeichnete das gesamte Gerichtsverfahren als „in Sünde geboren“ und warf der ehemaligen Chef-Militärstaatsanwältin vor, eine „Blutanklage“ gegen die Kämpfer der „Force 100“ inszeniert zu haben, um das Ansehen der Armee zu beschädigen.

In seiner offiziellen Stellungnahme betonte Katz zudem, dass für die Einleitung des Verfahrens „kriminelle Verhörmethoden“ verwendet worden seien, um Aussagen gegen die Soldaten zu erzwingen. Er vertrat die Ansicht, dass die zentrale Rolle des israelischen Militärjustizsystems darin bestehe, die Soldaten der IDF zu schützen und abzusichern, während diese „heldenhaft im Krieg gegen grausamste Monster“ kämpfen.

Die Rechte von sogenannten „Nukhba-Terroristen“ dürften in einem solchen System nicht im Vordergrund stehen. Beobachter merken an, dass Katz den neuen Generalmilitäranwalt Itay Ofir, der zuvor als Rechtsberater im Verteidigungsministerium tätig war, explizit für diesen Posten befördert hatte, um eine radikale Kehrtwende in diesem politisch aufgeladenen Fall herbeizuführen.

Der israelische Verteidigungsminister Yoav Katz traf sich mit den Soldaten (die Masken trugen), die einen palästinensischen Häftling sexuell missbraucht hatten, entschuldigte sich bei ihnen für das, was er als „psychischen Schaden“ durch das Militärsystem bezeichnete, und ordnete ihre Rückkehr in die Armee an.

Rücktritt, Flucht und Verhaftung von Yifat Tomer-Yerushalmi

Der Fall ist untrennbar mit dem Schicksal von Yifat Tomer-Yerushalmi verbunden, der ehemaligen Leiterin der Militärjustizabteilung. Sie trat im Oktober letzten Jahres von ihrem Amt zurück, nachdem die Angriffe aus dem rechten politischen Lager und direkte Drohungen gegen sie und ihren Stab ein unerträgliches Ausmaß erreicht hatten.

Tomer-Yerushalmi gab später zu, das Videomaterial der Überwachungskameras selbst an die Medien weitergegeben zu haben. Dies sei eine verzweifelte Reaktion auf die massiven Anfeindungen gewesen, in denen ihr vorgeworfen wurde, Terroristen auf Kosten der eigenen Dienstpflichtigen zu schützen.

Nach ihrem Rücktritt kam es zu dramatischen Szenen, die die israelische Öffentlichkeit erschütterten: Tomer-Yerushalmi verschwand zeitweise spurlos, was eine großangelegte Such- und Rettungsmission der Polizei in Tel Aviv und den umliegenden Gebieten auslöste.

Schließlich wurde sie aufgefunden und aufgrund des Leaks der geheimen Videoaufnahmen verhaftet. Ihr Nachfolger im Amt, Generalmajor Itay Ofir, war es schließlich, der die Einstellung des Verfahrens gegen die fünf Reservisten am vergangenen Donnerstag offiziell verkündete und damit die Linie des Verteidigungsministers bestätigte.

Die detaillierte Begründung von Generalmajor Itai Ofir

In einem ausführlichen Brief an seine Kollegen in der Militärstaatsanwaltschaft gab Generalmajor Itai Ofir Einblick in seine komplexe Entscheidungsfindung. Er schrieb, dass sein Schlaf oft durch die Gedanken an diesen Fall und dessen verschiedene moralische und juristische Aspekte gestört worden sei. Dennoch betonte er, dass er am Ende mit der Entscheidung, die Anklageschrift aufzuheben, im Reinen sei und diese unter den gegebenen Umständen für rechtlich korrekt halte.

Zusätzlich zu der massiven öffentlichen Aufladung des Falls nannte Ofir spezifische „prozedurale Schwierigkeiten“ beim Datenaustausch zwischen der israelischen Polizei und der Militärjustiz als tragenden Grund. Dieser mangelhafte Informationsfluss habe das Recht der Soldaten auf ein faires Verfahren substanziell untergraben.

Er argumentierte zudem, dass das vorliegende Videomaterial die Taten nicht mit der „eindeutigen und unwiderlegbaren Intensität“ zeige, die für eine strafrechtliche Verurteilung zwingend erforderlich wäre. Da das Opfer zudem bereits in den Gazastreifen entlassen worden sei, fehle der Justiz die notwendige Gewissheit, dass er für eine entscheidende Zeugenaussage im Prozess zur Verfügung stünde.

Internationale Empörung und die Kritik der Menschenrechtsgruppen

Das „Palestinian Prisoners‘ Advocacy Center“ sowie internationale Organisationen wie Amnesty International reagierten mit Entsetzen auf die Nachricht. In einer offiziellen Erklärung hieß es, dass die Entscheidung, die Ermittlungen einzustellen, einen „klaren Versuch darstellt, Akte der Folter und sexuellen Übergriffe in den Haftzentren zu vertuschen“.

Die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din erklärte, die Einstellung beweise endgültig, dass Israel „unwillig und unfähig“ sei, die eigenen Soldaten wegen schwerer Verstöße gegen internationales Recht und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

Sari Bashi, eine führende Stimme des „Public Committee Against Torture in Israel“ (PCATI), fand noch deutlichere Worte für das Vorgehen der Justiz: Mit dieser Entscheidung habe der Militärstaatsanwalt den Soldaten faktisch eine „Lizenz zur Vergewaltigung“ erteilt, solange die Opfer Palästinenser seien.

Die Aktivisten betonten, dass das Schließen einer Untersuchung trotz der Existenz von eindeutigen, dokumentierten visuellen Beweisen und schwersten medizinischen Befunden wie einer punktierten Lunge und gebrochenen Rippen einen gefährlichen Präzedenzfall für die systematische Straflosigkeit schaffe.

Der politische Schulterschluss: Smotrich und Netanjahu

Auf der politischen Ebene erhielt die Entscheidung volle Rückendeckung durch die Spitze der Regierung. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich lobte Generalmajor Itai Ofir via Social Media und bezeichnete ihn als den „richtigen Mann für diesen Job“.

Er wiederholte seine tiefe Überzeugung, dass die IDF-Kämpfer die „tapfersten und moralischsten Krieger der Welt“ seien. Smotrich forderte zudem mit Nachdruck, dass nun die verhaftete ehemalige Generalmilitäranwältin ihrerseits für ihre Handlungen vor Gericht gestellt werden müsse.

Premierminister Benjamin Netanjahu schloss sich dieser haltung an und erklärte in einem offiziellen Statement, dass die Strafverfolgung schon viel früher hätte beendet werden müssen. Er nannte es inakzeptabel, dass es so lange gedauert habe, ein laut seiner Aussage „kriminell geführtes Verfahren“ gegen Soldaten abzuschließen, die jeden Tag dem „schlimmsten aller Feinde“ gegenüberstehen. Der Staat Israel müsse seine Feinde mit aller Härte verfolgen und nicht seine „heroischen Kämpfer“ durch interne Ermittlungen schwächen.

Strategische Geschlossenheit im Schatten des Krieges

Politische Beobachter weisen darauf hin, dass die Einstellung des Verfahrens sowie die zeitgleiche Verschiebung der Wehrpflichtbefreiung für die ultraorthodoxe Gemeinschaft strategische Schritte sind, um die rechte Koalitionsregierung während des Krieges mit dem Iran stabil zu halten.

Bereits im Jahr 2024 hatten gewalttätige, ultra-rechte Demonstranten das Gefängnis Sde Teiman gestürmt, um die Freilassung der nun entlasteten Soldaten der „Force 100“ zu fordern. Experten sehen in der aktuellen Entscheidung ein direktes Einknicken der Regierung und der Militärjustiz vor diesem massiven internen Druck, um die nationale Geschlossenheit nicht zu gefährden.

Industrie
Digitale Ordnungssysteme als unterschätzter Produktivitätsfaktor

Unsere moderne digitale Arbeitswelt ist von einer hohen Geschwindigkeit, einer guten Vernetzung und einer stets wachsenden Menge an Informationen geprägt. Damit steigt auch der organisatorische Aufwand, um Daten, Zugänge und Prozesse weiterhin übersichtlich zu halten. Im Alltag bleibt es oft lange unbemerkt, wenn Struktur fehlt. Allerdings wirkt sich das spürbar auf die Effizienz, die Sicherheit und die Qualität von Entscheidungen aus. Digitale Ordnungssysteme sollten daher nicht als reines IT-Thema betrachtet werden, sondern sind vielmehr ein zentraler Faktor für produktives Arbeiten. Ihr Nutzen wird im Unternehmensalltag weiterhin häufig unterschätzt.

Ordnung bei Zugängen und Berechtigungen

In vielen Unternehmen nutzen die Mitarbeiter unterschiedliche Systeme, Dienste und Plattformen. Oft werden Zugangsdaten dabei für mehrere Plattformen verwendet, oder mit anderen Usern geteilt. Dies kann jedoch Sicherheitsrisiken mit sich bringen. Eine strukturierte Passwortverwaltung für Unternehmen ermöglicht es, Zugänge zentral zu organisieren und unkompliziert klare Strukturen zu schaffen. Wenn die Zugänge klar dokumentiert, zentral verwaltet und rollenbasiert vergeben sind, sinkt dadurch der Zeitaufwand für Rückfragen, Zurücksetzungen und Notlösungen deutlich. Gleichzeitig wird verhindert, dass ehemalige Mitarbeiter oder externe Dienstleister weiterhin Zugriff auf sensible Systeme haben.

Informationsflut und Suchzeiten als versteckte Kosten

Durch unstrukturierte Dateiablagen und uneinheitliche Namenskonventionen kommt es oft dazu, dass Mitarbeiter unnötig viel Zeit mit Suchen verbringen. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird dann damit verschwendet, verlorene Informationen zu suchen. Indem digitale Ordnungssysteme klare Arbeitsstrukturen, einheitliche Metadaten und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten definieren, lässt sich Doppelarbeit vermeiden. Insbesondere in wissensintensiven Branchen kann sich eine Verbesserung der Informationsarchitektur beeindruckend stark auf die Produktivität auswirken, denn Entscheidungen können durch eine sinnvolle Struktur auf verlässlichen und schnell verfügbaren Grundlagen getroffen werden.

Prozessklarheit statt Tool-Vielfalt

Anstatt in neue Software zu investieren, sollten zunächst bestehende Prozesse ausreichend geordnet werden. Erst danach wird überhaupt deutlich, welche digitalen Werkzeuge benötigt werden, und die passenden Tools können ausgewählt werden. Bei einer sinnvollen Strukturierung der digitalen Prozesse in Unternehmen sind unter anderem die folgenden Aspekte zu beachten:
  • klare Definition von Kernprozessen
  • Zuordnung von Systemen zu konkreten Aufgaben
  • Vermeidung redundanter Softwarelösungen
  • transparente Schnittstellen zwischen Abteilungen

Produktivität durch klare Verantwortlichkeiten

Auch auf der organisatorischen Ebene haben digitale Ordnungssysteme eine beeindruckende Wirkung. Sind die Zuständigkeiten für Datenpflege, Zugriffsrechte und Systempflege eindeutig geregelt, gibt es deutlich weniger Grauzonen. Dies führt dazu, dass die Mitarbeiter genau wissen, an wen sie sich wenden können und Entscheidungen werden schneller getroffen. Insbesondere in wachsenden Organisationen kann diese Klarheit verhindern, dass ein Prozess an einer einzelnen Person hängen bleibt. Durch entsprechend reduzierte Abhängigkeiten wiederum steigt die Produktivität. Ordnung ist hier längst nicht nur durch zugehörige Technik definiert, sondern vor allem durch klare Rollen und verbindliche Regeln.

Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit

Wenn es um digitale Ordnung geht, wird häufig ihre Bedeutung für das Wachstum von Unternehmen übersehen. Ist ein System zu unstrukturiert, funktioniert es vielleicht kurzfristig, stößt allerdings schnell an seine Grenzen. Neue Mitarbeiter, neue Standorte oder neue Geschäftsmodelle können dann schnell dazu führen, dass der Informationsfluss unübersichtlich wird und dass für Abstimmungen wesentlich mehr Zeit erforderlich ist. Saubere Ordnungssysteme dagegen lassen sich leichter skalieren, denn sie basieren auf klaren Prozessen. Neue Nutzer können hier schneller integriert werden und die Prozesse bleiben stabil. Sind Anpassungen erforderlich, können diese kontrolliert und relativ unkompliziert vorgenommen werden. Damit sichert eine gute digitale Ordnung langfristig einen Wettbewerbsvorteil.

Kommentar
İlber Ortaylı – Ein Nachruf auf eine Ära

Von Özgür Çelik Es gibt Menschen, mit deren Fortgang nicht nur ein Individuum, sondern der Stil einer ganzen Epoche von uns scheidet. Eine Bibliothek verstummt, eine Stadt wird ein Stück stiller, und im Gedächtnis einer Nation entsteht eine Lücke, die kaum zu beschreiben ist. Das Ableben von İlber Ortaylı, einer der gewaltigsten Stimmen der türkischen Geschichtsschreibung, hinterlässt genau solch eine Stille. Er war kein Akademiker, der sich in den verstaubten Seiten der Geschichte verlor. Er war eine Brücke, die die Vergangenheit in die Gegenwart trug und die Gegenwart mit der Vergangenheit konfrontierte. Während er mit seiner scharfen und geistreichen Zunge der Ignoranz den Kampf ansagte, war er zugleich ein Kulturführer, der der Jugend lehrte, wie man ein Leben wahrhaftig lebt.

Vom Flüchtlingslager in die Welt der Akademie

Die Geschichte von İlber Ortaylı ist wie eine kleine Zusammenfassung der turbulenten türkischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1947 in der österreichischen Stadt Bregenz in einem Flüchtlingslager geboren – als Kind einer krimtatarischen Familie, die vor der Unterdrückung Stalins geflohen war. Als er im Alter von zwei Jahren in die Türkei kam, ahnte noch niemand, dass sein Schicksal ihn weit über ein gewöhnliches Leben hinausführen würde. Das kulturelle Erbe seiner Mutter, Şefika Hanım, und die disziplinierte Welt seines Vaters, Kemal Bey, formten seinen Geist bereits in jungen Jahren. Sein Bildungsweg, der in Ankara begann, erstreckte sich binnen kurzer Zeit bis in die Zentren der weltweiten Wissenschaft. In Chicago wurde er von einem Titanen der Geschichtswissenschaft, Halil İnalcık, geprägt. Er lehrte und forschte in einer weiten akademischen Geografie – von Wien nach Paris, von Moskau bis nach Oxford. Sein Verstand, der neun Sprachen beherrschte, war erfüllt von einer Neugier, die nicht nur Wörter, sondern die Seelen ganzer Völker verstehen wollte. Er war ein wahrer Weltintellektueller, der es ablehnte, provinziell zu bleiben, ohne jemals seine Wurzeln zu verleugnen.

Eine strenge, aber aufrichtige Stimme, die Wissen populär machte

Was İlber Ortaylı von einem gewöhnlichen Akademiker unterschied, war die Art und Weise, wie er sein Wissen mit der Gesellschaft teilte. Wenn er seinem Gegenüber im Fernsehen entgegnete: „Was ist das für eine Frage?“ oder „Das ist reine Ignoranz“, ging es ihm weniger darum, eine Person herabzusetzen, als vielmehr daran zu erinnern, dass Wissen Respekt verdient. Hinter seinem streng wirkenden Stil verbarg sich stets eine Mahnung: Lest. Reist. Lernt. Einer seiner bekanntesten Ratschläge an die Jugend lautete:
„Investiert euer Geld nach der Heirat nicht in Möbelgarnituren, sondern bereist die Welt.“
Dieser Satz war die Essenz seines Geschichtsverständnisses. Denn für Ortaylı lebte Kultur nicht nur in Büchern, sondern in Städten, auf Straßen, in Museen und im Gedächtnis der Menschen.

Ein Museumsdirektor, ein Hüter der Kultur

Während seiner Zeit als Direktor des Topkapı-Palast-Museums repräsentierte Ortaylı ein Verständnis, das historische Bauten nicht nur als Steinhaufen betrachtete. Für ihn waren Museen keine Orte, an denen die Vergangenheit bloß ausgestellt wurde, sondern das lebendige Gedächtnis einer Zivilisation. Wenn er durch die Korridore von Topkapı schritt, glich er einem Führer, der wahrhaftig mit der Geschichte sprach. Sein Wissen reichte von den osmanischen Archiven bis zur europäischen Diplomatiegeschichte. Doch er hielt dieses Wissen nicht in akademischen Zirkeln gefangen; es gelang ihm, die breite Masse der Gesellschaft zu erreichen.

Ein Nationalismus jenseits von Slogans

Obwohl seine Gedankenwelt oft missverstanden wurde, wurzelte sein Verständnis von Nationalismus tiefer als stumpfe Slogans. Er vertrat einen Kulturnationalismus, der das Erbe von Persönlichkeiten wie Yusuf Akçura, Zeki Velidi Togan und Halil İnalcık weitertrug. Er war der Idee des Staates treu ergeben, verteidigte diese jedoch nicht mit Pathos, sondern mit historischem Bewusstsein. Seine scharfen Positionen zu aktuellen Themen der Türkei entsprangen meist dieser historischen Perspektive. Einer seiner prägendsten Sätze lautete:
„Ich kann nicht leben, ohne die türkische Sprache um mich herum zu hören.“

Das Kind im Akademiker

Jene, die İlber Ortaylı näher kannten, berichten von einer anderen Seite an ihm. Hinter dem gewaltigen Wissensschatz verbarg sich ein rastloser, schelmischer und lebensfroher Mensch. Die Geschichten an den Tafeln mit Freunden, das Lachen und seine unendliche Neugier waren untrennbare Teile seines Charakters. Seine Freude, als er auf Lesbos den „Harmandalı“ tanzte, war ein Symbol für seine Liebe zum Leben.

Der Stil einer Ära

Mit İlber Ortaylı bleiben uns nicht nur über fünfzig Bücher und tausende Schüler. Mit ihm verschwindet auch ein ganz eigener Stil aus der türkischen Geisteswelt: Ein Stil, der Wissen mit Ernsthaftigkeit verteidigte, die Ignoranz beim Namen nannte und gleichzeitig die Schönheit des Lebens pries. Er beantwortete mit seinem Leben die Frage: „Wie lebt man ein Leben?“ Unsere Aufgabe ist es nun, den Kampf fortzuführen, an den er uns so oft erinnerte: Gegen die Ignoranz zu kämpfen und Geschichte nicht als romantisches Märchen, sondern als Verantwortung zu begreifen. Denn der Tod eines Gelehrten ist in der Tat ein großer Verlust für die Welt. Aber es gibt Menschen, deren Ideen weiterleben, auch wenn sie selbst von uns gegangen sind. İlber Ortaylı ist einer von ihnen.
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Iran-Krieg
Kommentar: Die Gefahr von False-Flag-Anschlägen wächst

Ein Gastkommentar von Mehmet Tuntas Liebe Menschen: Die Gefahr von False-Flag-Anschlägen war selten höher. Seit Wochen bombardieren die USA und Israel in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg den Iran, doch der gewünschte Regimewechsel bleibt aus. Stattdessen zeigt sich der Iran stabiler und geeinter als erwartet, sperrt wie angekündigt die Seefahrtswege und verteidigt sich weiter, indem er erfolgreich US-Militärinfrastruktur zerstört und die Menschen in Tel Aviv in Angst und Schrecken leben lässt. Nun stehen westliche Regierungen unter Druck. Den Krieg aufgeben und als Verlierer hervorgehen scheint keine Option zu sein. Ein Einsatz von Bodentruppen im Iran ist nicht nur militärisch riskant, sondern ist der heimischen Bevölkerung politisch kaum vermittelbar. Mehrheitlich lehnen die Bevölkerungen im Westen den illegalen Angriffskrieg ohnehin ab, Bodentruppen erst recht. Doch die Geschichte lehrt uns, dass in solchen Momenten die Gefahr von Täuschung wächst. Der Gleiwitz-Zwischenfall 1939, der Mukden-Vorfall 1931 oder die Lavon-Affäre 1954 zeigen faktenbasiert und bewiesen: Staaten haben in Krisenzeiten schon Anschläge oder Vorwände inszeniert, um Kriege zu rechtfertigen. Die USA haben mit Operation Northwoods sogar einmal Pläne geprüft, Vorfälle zu fälschen. Die Ereignisse von 9/11 stehen bis heute im dringenden Verdacht eines der größten False-Flag-Anschläge der Geschichte gewesen zu sein, um anschließend in Afghanistan einzumarschieren zu können. Zwar wird die Theorie des False-Flags als Verschwörungstheorie abgetan, weil sie als unbewiesen gilt. Unbewiesen, weil es an Aufklärungswillen in den USA mangelt. Bewiesen ist es aber, wie es einst ein deutscher Bundespräsident sagte, dass wirtschaftliche Interessen am Hindukush zu „verteidigen“ sind. Im Iran geht es den USA letztlich auch um wirtschaftliche Interessen. Diese sind jetzt so akut gefährdet wie noch nie und deswegen steht jetzt die Entscheidung an: Bodentruppen müssen raus, aber wie die Zustimmung der Bevölkerung dazu erhalten…aus diesem Grunde ist die False-Flag-Anschlagsgefahr in den westlichen Ländern aktuell so hoch wie nie. Angst war schon oft das Mittel, um Zustimmung für militärische Schritte zu erzeugen. Deshalb muss die Öffentlichkeit jetzt wachsam sein. Wer plötzlich mit Angstbildern eine Bodeninvasion im Iran fordert, muss besonders kritisch hinterfragt werden. Die Gefahr ist real: Nicht nur die Gefahr des Krieges, sondern die Gefahr der Täuschung. Die Täuschungsgefahr ist real, doch unsere Antwort darauf sollte klar sein: Angst darf uns nicht spalten. Halten wir zusammen, bewahren wir einen kühlen Kopf und fordern wir Transparenz. Nur gemeinsam und kritisch bleiben wir handlungsfähig – für den Frieden.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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Petro-Dollar
Handel in Yuan: Irans Angriff auf die Architektur der US-Finanzmacht

Teheran – Inmitten des seit dem 28. Februar 2026 andauernden Krieges, der mit US-israelischen Schlägen gegen den Iran und der Tötung des obersten Führers Ali Khamenei begann, hat der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärt, dass die Straße von Hormus grundsätzlich offen sei. Er stellte jedoch klar, dass diese strategische Route für Schiffe der USA und Israels sowie deren westliche Verbündete gesperrt bleibe. Während die Märkte auf den Anstieg von Brent-Rohöl auf über 110 Dollar pro Barrel blicken, zeichnet sich eine weitreichende Verschiebung der globalen Finanzarchitektur ab, die weit über militärische Schläge hinausgeht. Doch hinter dieser militärischen Absperrung zeichnet sich eine weitaus folgenreichere Entscheidung ab: Teheran erwägt, den Zugang zu dieser lebenswichtigen Handelsroute an eine finanzielle Bedingung zu knüpfen, die das Herzstück der globalen US-Macht angreift.

Der Angriff auf die Architektur der US-Finanzmacht

Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte gegenüber CNN, dass Teheran die Durchfahrt einer begrenzten Anzahl von Öltankern nur dann erlauben wolle, wenn die Ladung in chinesischen Yuan und nicht in US-Dollar gehandelt wird. Um die Tragweite der aktuellen iranischen Überlegungen zu verstehen, muss man die Architektur des Petrodollar-Systems betrachten. Dieses System entsprang dem Nixon-Schock von 1971 und wurde 1974 formalisiert. In dieser Vereinbarung stimmten Saudi-Arabien und die Golfstaaten zu, alle Ölverkäufe in US-Dollar zu denominieren. Dies schuf einen selbsterhaltenden Kreislauf, der die Weltfinanzen seither beherrscht: Da Öl das meistgehandelte Gut der Welt ist, muss jede Nation, die Energie importiert, zuerst Dollar erwerben. Jede Zentralbank weltweit hält Dollar-Reserven genau aus diesem Grund. Der Status des Dollars als primäre Reservewährung ist somit kein abstrakter Erfolg, sondern fließt direkt und mechanisch aus dem Ölhandel. Bisher wurde weltweit Öl überwiegend in Dollar gehandelt, mit Ausnahme von sanktioniertem russischem Öl, das in Rubel oder Yuan bepreist wird. Ein hochrangiger iranischer Beamter teilte CNN jedoch mit, dass Teheran nun erwäge, den Zugang zum weltweit kritischsten maritimen Nadelöhr dauerhaft an eine neue Bedingung zu knüpfen: Die Durchfahrt einer begrenzten Anzahl von Öltankern soll nur gestattet werden, wenn die Ladung in chinesischen Yuan und nicht in US-Dollar gehandelt wird.

Ein neuer Mechanismus statt bloßer Rhetorik

Was den iranischen Vorschlag strukturell so bedeutend macht, ist nicht allein die bloße Herausforderung des Dollars – eine Rhetorik der De-Dollarisierung kursiert bereits seit Jahren, ohne dass sie bisher zu wesentlichen materiellen Veränderungen geführt hat. Das Entscheidende hier ist jedoch der Mechanismus. Teheran schlägt nicht einfach nur vor, dass ein Teil des bilateralen Handels in Yuan abgewickelt wird. Es wird vorgeschlagen, dass der physische Zugang zum wichtigsten Energie-Engpass der Welt direkt an die Währungsbezeichnung gekoppelt wird. Die praktische Konsequenz wäre ein bifurkierter (zweigeteilter) globaler Ölmarkt:
  • Yuan-denominierte Fässer fließen für jene, die bereit sind, in Chinas Währung zu zahlen, ungehindert durch Hormus.
  • Dollar-denominierte Schiffe müssten unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand umgeleitet werden.
  • Die Kriegsaufschläge, die westliche Energieimporteure bereits jetzt absorbieren müssen, würden damit von einer vorübergehenden Erscheinung zu einer dauerhaften, strukturellen Belastung werden.

Die Straße von Hormus als Finanzwaffe

Seit dem 4. März haben iranische Kräfte die Meerenge für „geschlossen“ erklärt. Der Konflikt hat etwa 20 % der weltweiten Ölvorräte unterbrochen. Laut der britischen Schifffahrtsbehörde wurden bereits mindestens 16 Schiffe in der Region angegriffen, und die Kriegsrisiko-Versicherungen sind faktisch unbezahlbar geworden. Donald Trump reagierte mit der Drohung, die gesamte Ölinfrastruktur der Insel Kharg anzugreifen, nachdem bereits alle militärischen Ziele dort bombardiert wurden. Doch Irans Antwort war kein weiterer Raketenschlag, sondern die Yuan-Bedingung. Diese Architektur für einen parallelen Energiekorridor existiert bereits: Seit dem 28. Februar sind unter Schutz der IRGC zwischen 11,7 und 16,5 Millionen Barrel Rohöl per Schattenflotte nach China geflossen – bezahlt in Yuan. Während andere blockiert sind, bewegen sich Chinas Tanker frei. Diese selektive Passage zeigte sich auch am 13. März, als die Türkei die Genehmigung für ein Schiff erhielt und auch indische sowie saudische Tanker passieren durften. Die Yuan-Bedingung würde diese Kriterien nun formalisieren.

Washingtons Dilemma

Die USA stehen vor einer schwierigen Wahl. Eine militärische Öffnung der Straße, wie von Trump signalisiert, würde langwierige Operationen gegen Minen, Raketen und Drohnenschwärme erfordern. Der Congressional Research Service merkte am 11. März an, dass die Wiederherstellung des Schiffsverkehrs durch das US-Militär Tage, Wochen oder sogar Monate dauern könnte. Teherans Vorstoß zielt damit auf die finanzielle Basis der amerikanischen Weltmacht ab, statt lediglich auf deren militärische Mittel.

Economy
Turkey: Shopping Malls Reach Record Revenue of $59 Billion

Ankara – The retail sector in Turkey remains one of the most vital pillars of the national economy and a driver for urban development and employment. In a challenging economic environment, shopping centers (AVMs) function not only as commercial hubs but as social centers that contribute significantly to the gross domestic product. The shopping center sector in Turkey concluded the year 2025 with record-breaking figures, reports Bloomberg. According to the latest annual report from the Shopping Centers and Investors Association (AYD), the 445 shopping centers (AVMs) nationwide generated a total revenue of $59 billion. While four new centers were opened in 2025, the opening of five additional locations is planned for 2026.

Efficiency Gains and Economic Context

A central feature of current developments is the drastic increase in floor productivity. The average turnover per square meter in Türkiye rose by 30% to ₺191,803 ($4,849.63). Industry representatives, including AYD President Nuri Şapkacı, pointed out that turnover efficiency has increased approximately 17-fold since 2020. The strongest growth was recorded in the apparel category with a 35% increase, followed by the technology sector at 31%. To put these massive revenue jumps into context, the specific economic situation in Turkey must be considered. Ongoing inflation and the volatility of the Turkish Lira against the US Dollar have led to a sharp rise in nominal prices for consumer goods. This is directly reflected in the index values. Nevertheless, the $59 billion revenue on a dollar basis demonstrates that the sector concentrates considerable real purchasing power despite currency developments and proves its resilience.

Decline in Visitors and Changing Consumer Behavior

Despite the massive revenue growth, the sector recorded a 3% decline in the visitor index. This points to a shift in consumer behavior: visitors are coming to shopping centers less frequently but are spending significantly more money per visit. Experts observe a trend toward „purpose shopping.“ Instead of visiting centers merely for browsing, consumers head to AVMs with a firm intent to purchase, which increases the conversion rate within stores despite lower foot traffic.

Regional Gap: Why Anatolia is Outpacing Istanbul

The data also reveals a clear regional gap in growth dynamics. While the turnover index in Istanbul grew by 25%, Anatolia recorded a significantly stronger market growth with an increase of 35.3%. Several factors explain this development. In Anatolian provinces, catch-up urbanization is currently taking place. While the market in the metropolis of Istanbul is largely saturated, Anatolian cities still offer considerable potential for new retail concepts. Furthermore, the decentralization of industry ensures that purchasing power in cities such as Ankara, Izmir, Bursa, or Gaziantep is rising disproportionately.

Outlook: Expansion in 2026

Despite the shift toward e-commerce, physical retail remains a growth market in Türkiye. The industry looks optimistically toward the current year. The five planned new openings for 2026 are strategically focused on emerging regions to meet local demand and exceed the milestone of 450 locations nationwide. These investments underscore investor confidence in the long-term stability of Turkish retail.

Wirtschaft
Türkei: Einkaufszentren erreichen Rekordumsatz von 59 Mrd. Dollar

Ankara – Der Einzelhandelssektor in der Türkei bleibt eine der wichtigsten Säulen der nationalen Wirtschaft und ein Motor für städtische Entwicklung sowie Beschäftigung. In einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld fungieren Einkaufszentren (AVMs) nicht nur als Handelsplätze, sondern als soziale Knotenpunkte, die maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Der Shopping-Center-Sektor in der Türkei hat das Jahr 2025 mit Rekordwerten abgeschlossen, berichtet Bloomberg. Laut dem aktuellen Jahresbericht der Shopping Centers and Investors Association (AYD) erwirtschafteten die landesweit 445 Einkaufszentren (AVMs) einen Gesamtumsatz von 59 Milliarden Dollar. Während im Jahr 2025 vier neue Zentren eröffnet wurden, ist für das Jahr 2026 die Eröffnung von fünf weiteren Standorten geplant.

Effizienzsteigerung und wirtschaftliche Einordnung

Ein zentrales Merkmal der aktuellen Entwicklung ist der drastische Anstieg der Flächenproduktivität. Der durchschnittliche Umsatz pro Quadratmeter stieg in der Türkei um 30 % auf 191.803 TL ($4.849,63). Branchenvertreter, darunter AYD-Präsident Nuri Şapkacı, wiesen darauf hin, dass sich die Umsatzeffizienz seit dem Jahr 2020 damit etwa um das 17-fache erhöht hat. Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei die Kategorie Bekleidung mit einem Plus von 35 %, gefolgt vom Technologiesektor mit 31 %. Um diese massiven Umsatzsprünge einzuordnen, muss die spezifische ökonomische Lage der Türkei berücksichtigt werden. Die anhaltende Inflation und die Volatilität der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar haben dazu geführt, dass die nominalen Preise für Konsumgüter stark gestiegen sind. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Indexwerten wider. Dennoch zeigt der Umsatz von 59 Milliarden Dollar auf Dollar-Basis, dass der Sektor trotz der Währungsentwicklung eine beachtliche reale Kaufkraft bündelt und seine Resilienz unter Beweis stellt.

Besucherrückgang und verändertes Konsumverhalten

Trotz des massiven Umsatzwachstums verzeichnete der Sektor einen Rückgang des Besucherindex um 3 %. Dies deutet auf ein verändertes Konsumentenverhalten hin: Besucher kommen zwar seltener in die Einkaufszentren, geben jedoch pro Besuch deutlich mehr Geld aus. Experten beobachten hierbei den Trend zum „gezielten Einkauf“ (Purpose Shopping). Anstatt die Zentren lediglich zum Bummeln aufzusuchen, steuern Konsumenten die AVMs mit einer festen Kaufabsicht an, was die Konversionsrate innerhalb der Geschäfte trotz geringerer Frequenz erhöht.

Regionales Gefälle: Warum Anatolien Istanbul überholt

Die Daten zeigen zudem ein deutliches regionales Gefälle bei der Wachstumsdynamik. Während der Umsatzindex in Istanbul um 25 % zulegte, verzeichnete Anatolien mit einem Zuwachs von 35,3 % ein deutlich stärkeres Marktwachstum. Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. In den anatolischen Provinzen findet derzeit eine nachholende Urbanisierung statt. Während der Markt in der Metropole Istanbul weitgehend gesättigt ist, bieten anatolische Städte noch erhebliches Potenzial für neue Einzelhandelskonzepte. Zudem sorgt die Dezentralisierung der Industrie dafür, dass die Kaufkraft in Städten wie Ankara, Izmir, Bursa oder Gaziantep überproportional ansteigt.

Ausblick: Expansion im Jahr 2026

Trotz der Verschiebung hin zum E-Commerce bleibt der physische Handel in der Türkei ein Wachstumsmarkt. Die Branche blickt optimistisch auf das laufende Jahr. Die geplanten fünf Neueröffnungen für 2026 konzentrieren sich strategisch auf aufstrebende Regionen, um die lokale Nachfrage zu bedienen und die Marke von 450 Standorten landesweit zu überschreiten. Diese Investitionen unterstreichen das Vertrauen der Investoren in die langfristige Stabilität des türkischen Einzelhandels.
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Abbas Araghchi: „Wir haben diesen Krieg nicht begonnen“

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Teheran – Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte in einem Interview, dass die jüngsten US-israelischen Luftangriffe auf die Inseln Kharg und Abu Musa vom Territorium der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus durchgeführt wurden. Laut Araghchi wurden für die Angriffe HIMARS-Raketensysteme mit geringer Reichweite eingesetzt.

Details zu den Abschussorten

Die Angriffe wurden laut iranischen Erkenntnissen von zwei Standorten in den VAE aus gestartet: aus Ras Al Khaimah sowie von einem Ort in unmittelbarer Nähe der Stadt Dubai. Araghchi bezeichnete es als „äußerst gefährlich“, dass dicht besiedelte Gebiete für den Abschuss von Raketen genutzt werden. Er kündigte Vergeltung an, betonte jedoch, dass der Iran vorsichtig agieren werde, um seinerseits keine bevölkerten Gebiete anzugreifen.

Drohungen gegen US-Unternehmen

Gegenüber der Nachrichtenagentur Tasnim präzisierte Araghchi die Art der Vergeltung: Sollten iranische Energieanlagen ins Visier genommen werden, werde der Iran Einrichtungen amerikanischer Unternehmen in der Region oder Unternehmen, an denen die USA Anteile halten, angreifen. Die Insel Kharg ist für den Iran von strategischer Bedeutung, da schätzungsweise 90 % der iranischen Ölexporte über diese Insel abgewickelt werden. Laut US-Angaben galten die Angriffe der Luftverteidigung, einem Marinestützpunkt, einem Flughafenturm und einem Hubschrauberhangar; die Ölinfrastruktur sei nicht beschädigt worden.

Lage in der Straße von Hormus und weitere Gefechte

Zur Situation in der Straße von Hormus erklärte Araghchi, dass diese lediglich für Tanker und Schiffe der „Feinde Irans“ und deren Verbündete gesperrt sei. Andere Schiffe könnten die Meerenge weiterhin frei passieren. Unterdessen halten die Kämpfe in mehreren iranischen Städten an: Isfahan: Berichten von Al Jazeera zufolge wurden bei Angriffen mindestens 15 Personen getötet. Teheran: Die Revolutionsgarden (IRGC) gaben an, eine Drohne über der Hauptstadt abgeschossen zu haben. Trotz US-Behauptungen betont das IRGC, dass die iranische Marine voll einsatzbereit bleibe.

Hintergrund und Reaktionen

Araghchi bezeichnete den am 28. Februar begonnenen Krieg als eine dem Iran aufgezwungene, unprovozierte und illegale Aggression. Seit Beginn der Offensive seien mehr als 1.400 Zivilisten getötet worden. „Wir haben diesen Krieg nicht angefangen“, sagte er gegenüber Medien. Militärexperten wie Seth Krummrich äußerten sich überrascht über die iranische Verteidigungsfähigkeit und die effektive Nutzung von Geheimdienstinformationen und Satellitenbildern gegen US-Stützpunkte.

Warnungen vor nuklearer Eskalation in den USA

Innerhalb der Trump-Administration mehren sich kritische Stimmen. David Sacks, Trumps Berater für KI und Krypto, forderte im All-In-Podcast einen schnellen Ausstieg („Off-Ramp“) aus dem Konflikt. Er warnte eindringlich vor den Konsequenzen weiterer Angriffe auf die Infrastruktur und nannte dabei explizit die Gefahr eines Atomkrieges. Sacks kritisierte zudem eine Fraktion innerhalb der Politik: „Man sieht eine Gruppe von Menschen, ich würde sagen größtenteils, aber nicht ausschließlich in der Republikanischen Partei, die den Krieg eskalieren wollen“, so Sacks. Er warnte, dass weitere Treffer an iranischer Energieinfrastruktur dazu führen könnten, dass der Iran seinerseits die Öl- und Gasinfrastruktur in den Golfstaaten angreift, was ein weitaus schlimmeres Ergebnis wäre.

Türkei
Staatsakt in Istanbul: Details zur Beisetzung von Prof. Dr. İlber Ortaylı veröffentlicht

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Istanbul – Nach der Nachricht über den Tod von Prof. Dr. İlber Ortaylı, der am Freitag im Alter von 78 Jahren in einem Istanbuler Krankenhaus verstarb, hat die Familie nun die Details zu den Abschiedszeremonien bekannt gegeben. Die Türkei bereitet sich darauf vor, einen ihrer größten Historiker mit einem Staatsakt zu ehren.

Trauerfeier in Istanbul

Der Tag beginnt um 11:00 Uhr mit einer Gedenkfeier an der Galatasaray-Universität. Das anschließende Totengebet wird nach dem Nachmittagsgebet in der Fatih-Moschee abgehalten. Die Wahl dieses geschichtsträchtigen Ortes unterstreicht Ortaylıs lebenslanges Engagement für die Erforschung und Vermittlung der osmanischen und Weltgeschichte. Er galt als Brückenbauer zwischen den Kulturen und als einer der profiliertesten Experten für Diplomatie- und Kulturgeschichte.

Letzte Ruhe neben seinem Mentor

Im Anschluss an das Gebet wird der Leichnam zum Friedhof der Fatih-Moschee (Fatih Camii Haziresi) überführt. Dort wird Ortaylı auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt – in unmittelbarer Nähe seines Lehrers und Mentors Halil İnalcık, dem „Sheikh der Historiker“. Es wird erwartet, dass neben der türkischen Staatsspitze auch zahlreiche internationale Delegationen, Historiker aus aller Welt sowie tausende seiner ehemaligen Studenten an der Zeremonie teilnehmen werden.

Ein Leben für die Wissenschaft

Prof. Dr. İlber Ortaylı wurde am 21. Mai 1947 in Bregenz, Österreich, geboren und kam im Alter von zwei Jahren in die Türkei. Er war ein Universalgelehrter, der nach seinem Studium in Ankara, Wien und Chicago weltweit lehrte – von Paris über Oxford bis Princeton. Neben seiner akademischen Laufbahn, die ihn unter anderem an die Spitze des Topkapı-Palast-Museums führte, erreichte er durch seine zahlreichen Bücher und Medienpräsenz Millionen von Menschen und prägte das Geschichtsverständnis ganzer Generationen nachhaltig. Sein Tod am 13. März 2026 markiert das Ende einer Ära. Wie seine Familie in einer ersten Stellungnahme betonte, blieb sein Wissensdurst und sein Wunsch, mit Menschen zusammen zu sein, trotz seiner schweren Krankheit bis zuletzt ungebrochen.  

Gastkommentar
Dr. Heß warnt vor Befürwortung gezielter Tötungen im Spiegel

Ein Gastkommentar von Dr. Michael Reinhard Heß Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit feiert den „gezielten Krieg“, durch den „einer wie Khamenei für seine ruchlose Politik bezahlen muss“, als „Fortschritt“. Denn es gehe den „Angreifenden“ „nicht mehr um viele Opfer“, „wie noch bei den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs, sondern um die richtigen“. Dank der modernen Technik hätten Bösewichte wie Khamenei keine sicheren Rückzugsorte mehr. Das klingt wunderbar. Der moderne Krieg, wie ihn Benjamin Netanjahu und sein Verbündeter Donald Trump vorführen, wird quasi zu einer chirurgisch präzisen Operation, leider noch, wie auch Kurbjuweit einräumt, mit ein paar Kollateralschäden unter „Unschuldigen“.

Das gefährliche Schweigen zum Völkerrecht

Die Menschheit ist vorangekommen. Wir leben einem neuen, glanzvollen Zeitalter der fast reibungs- und geräuschlosen Diktatorenbeseitigung. Man mag es zynisch finden, die nach einer Schätzung bereits am 4. März 2026 etwa 1000 durch die kombinierten Angriffe Israels und der USA getöteten iranischen Zivilisten als „nicht mehr viele“ zu klassifizieren, aber das ist nicht der fraglichste Aspekt von Kurbjuweits Zwischenruf. Ich habe Herrn Kurbjuweits Kommentar dreimal durchgelesen. Die Begriffe „Recht“ oder „Völkerrecht“ kommen darin nicht vor. Stattdessen untermauert er seine genussvolle Revue rezenter Völkerrechtsbrüche wie den Angriff auf Venezuela oder Iran mit historischen Aperçus zu Alexander dem Großen, den alten Römern, Gustav II. Adolf, Friedrich dem Großen (ein bisschen Glanz tut der Auflage gut), Napoleon, Wilhelm II. und, nationalité allemande oblige, Hitler. Alles aus Zeiten, zu denen es unser modernes Völkerrecht, die Genfer Konvention, die Erklärung der Menschenrechte und andere Errungenschaften noch nicht gab. Da besteht auch keine Gefahr, sich an den modernen Standards der Zivilisation messen lassen zu müssen.

Wenn Macht über Gerechtigkeit steht

Es geht mir nicht darum, Verbrecher wie Maduro oder Khamenei und ihre Komplizen zu verteidigen. Khamenei und seine Spießgesellen sind nichts anderes als erbärmliche und korrupte Mörder. Aber selbst für den Umgang mit Mördern gibt es – oder gab es bisher – Regeln, und zwar sowohl auf der nationalen wie auf der internationalen Ebene. Dass jemand ein psychopathischer, pädophiler Serienkiller, ein religiöser Soziopath, ein raffgieriger Raubmörder ist – ist dies allein soll schon Grund genug sein, ihn zu töten? Kurbjuweit weist im Zusammenhang mit Maduros Gefangennahme darauf hin, dass diese „zwar nicht in einem echten Krieg, aber in einer kriegerischen Situation“ erfolgt sei. Aha. Es fehlt dabei der Hinweis, dass diese „kriegerische Situation“ nicht von Maduro und den Seinen herbeigeführt wurde, sondern auf völkerrechtswidrige Weise von den USA. Kraft bricht Recht. Macht steht über Fragen. Gewalt enthebt der Verantwortung. Das ist die neue Weltkriegsordnung à la Kurbjuweit.

Die Erosion des Rechtssystems

Auch der Angriff auf Iran hat keine Grundlage im Völkerrecht, das zwar Krieg als Mittel zur Verteidigung, aber nicht zum Angriff vorsieht. Aber das spielt für Herrn Kurbjuweit auch keine Rolle, solange es um die Bekämpfung von Trägern „ruchloser Politik“ geht. Übertragen auf das deutsche Rechtssystem würde sich aus Kurbjuweits Denken eine sehr praktische und kostensparende Konsequenz für die Sicherheitsorgane ergeben. Statt Schwerstverbrecher zu verhaften, in langen Gerichtsverfahren zu verurteilen und dann lange und teuer zu inhaftieren, könnte man sie – die moderne Präzisionstechnik macht es möglich – doch kostensparend einfach „zum Ziel machen“ (das unfeine Wort „töten“ vermeidet Kurbjuweit auch in Bezug auf Khamenei).

Rückfall in die Barbarei

Das mächtige Medium Spiegel befeuert also kräftig den Abschied von der Kategorie des (internationalen) Rechts. Das ist ein populäres und populistisches Manöver, das sicher im Sinne vieler Zeitgenossen ist, vor allem auch vieler Iraner, die die elende Mullahkratie verständlicherweise einfach nur loswerden wollen, um jeden Preis. Aber dieser Populismus ist kurzsichtig und verderblich. Denn er setzt die Axt an das Einzige, was zivilisierte, freie und demokratische Gesellschaften von Autokratie und Barbarei trennt, nämlich das Recht. Wenn das Herbeiführen „kriegerischer Situationen“ und die Diagnose „ruchloser Politik“ schon ausreichen, um sich über Tötungsverbote und staatliche Souveränitätsgrenzen hinwegzusetzen, wo soll das enden? Zur Erinnerung: Donald J. Trump ist während seiner Amtszeit schon vor dem jetzigen Krieg zum Verantwortlichen zahlloser illegaler Tötungen geworden, indem er mutmaßliche Drogenhändler auf offener See einfach pulverisieren ließ. Was nun, wenn jemand auf den Gedanken käme, dies als Ausdruck „ruchloser Politik“ zu deuten, sodass man Trump der entsprechenden Behandlung zuführen könne, weil er ja zu den „richtigen“ gehörte? „Kriegerische Situationen“ hätte man ja auch schon.

Ein Plädoyer für die Rückkehr zum Recht

Da es in der Phantasiewelt von durch den „fortschrittlichen“ Krieg trunkenen Kommentatoren wie Herrn Kurbjuweit ja offensichtlich keine rechtlichen Hindernisse geben kann, was sollte denn noch daran hindern, den Chef des US-amerikanischen Regimes zum „Ziel“ „fortschrittlicher“ „Behandlung“ zu machen und ihn seinem „Schicksal“ zuzufügen? Der Weg, den Herr Kurbjuweit hier einschlägt, führt geradewegs ins Verderben, in die bellum omnia contra omnes-Höllen der voraufklärerischen Moderne oder zumindest in die Zeit, als die Welt noch nicht zum Ziehen von Konsequenzen aus dem deutschen Nationalsozialismus bereit war. Wir sollten diesen Weg auf keinen Fall weiter beschreiten, sondern, auch wenn es viel schwieriger ist, auf den Pfad des Rechts zurückkehren. Nicht um der Diktatoren willen, sondern unserer selbst willen, um der ganzen Menschheit willen.  
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
ZUM AUTOR
PD Dr. Michael Reinhard Heß, geboren in Offenbach am Main, ist ein renommierter Turkologe, der an der Universität Frankfurt am Main Geschichte, Turkologie, Islamkunde und Griechische Philologie studierte. Nach seiner Promotion und Habilitation wirkt er seit 2005 als Privatdozent für Turkologie an der Freien Universität Berlin und hat über 130 wissenschaftliche Arbeiten verfasst, darunter Beiträge zur türkischen Literatur und Kulturgeschichte. Als Übersetzer und Gründer des Verlags Gulandot widmet er sich der Förderung türkischer Literatur in deutscher Sprache, etwa durch Werke zu Imadeddin Nasimi oder der kulturellen Bedeutung von Schuscha.