Geschichte
Ereignisse von 1915: Zahllose muslimische Opfer

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Gräueltaten armenischer oder pontusgriechischer Freischärler und Freiwilligenverbände, die mit regionalen und sprachlichen Kenntnissen als Vorhut der zaristisch-russischen Armee während des Ersten Weltkriegs von Nordosten ins Osmanische Reich vorstießen, führten dazu, dass ab Anfang 1915 muslimische Zivilisten fluchtartig ihre Heimat verließen und unter elendigen Bedingungen sowie Verfolgung in die westlichen Regionen Anatoliens zogen. Partei İttihat ve Terakki Hatten die Parteivertreter des osmanischen Komitees für Einheit und Fortschritt (İttihat ve Terakki) diese Gräuel und Verbrechen Vorhergesehen, als sie im Juni 1915 am armenischen Kongress in Erzurum teilnahmen? Dazu muss man auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Griechen in Griechenland oder griechischen Inseln sowie der slawischen Bulgaren in Bulgarien betrachten, die mit Gräuel und Vertreibung der osmanisch-muslimischen Bevölkerung einhergingen und schlussendlich in der Unabhängigkeit der Länder endeten. Laut dem Militärhistoriker Edward J. Erickson muss sich bei den Vertretern der „İttihat ve Terakki“ Naci Bey und Bahaeddin Şakir der Eindruck in diesem Kontext betrachtet zwangsläufig gefestigt haben, dass die armenischen Notabeln eine Teilung oder Aufteilung des Reiches nicht nur erwogen, sondern mit dem russischen Zarenreich dazu konkrete Pläne zur Umsetzung erörtert hatten. Wie sonst erklärt man sich den Aufschrei von Şakir, der während des Kongress „das ist Verrat“ schreit? Schließlich hatte das osmanische Reich die letzten Jahre zuvor an die 83 Prozent der europäischen Besitzansprüche verloren, an die 69 Prozent der Gesamtbevölkerung des Osmanischen Reiches. Hinzukommen noch die Abermillionen Flüchtlinge aus dem Balkan und Kaukasus, die ein Trauma mit ins Reich tragen. Kurz vor dem armenischen Kongress in Erzurum hatte die russische Armee bei der Schlacht von Sarıkamış am 15. Januar 1915 den Sieg über die osmanische Armee errungen – dem letzten großen Bollwerk der osmanischen Streitkräfte vor der nordostanatolischen Kasernen-Stadt Erzurum. Mehr als die Hälfte der 120.000 Mann starken osmanischen 3. Armee war in Sarıkamış dabei aufgerieben worden. Nur 150 Kilometer weiter debattierten nun armenische Notabeln im Lichte einer verlorenen Schlacht über die Zukunft des „Reiches“. Wenige Monate nach der Schlacht von Sarıkamış war der „Verrat“ nun nicht nur greifbar, sondern traurige Gewissheit! Erzurum fällt Mitte Februar 1916 wird Erzurum nach langwierigen Kämpfen von zaristischen russischen Kräften besetzt. Wenige Tage später wird auch die Schwarzmeer-Küstenstadt Rize eingenommen. Bis zum 15. März 1916 kann die eingeschlossene Osmanische Armee die russische Armee zwar davon abhalten, die Stadt Of einzunehmen, zieht sich aber aufgrund von Mangel an Mensch und Material ungeordnet zurück und die Stadt fällt. Von der Stadt Of aus intensiviert die russische Armee ihre Strategie, über Sürmene die nächstgrößere Küstenstadt Trabzon als Brückenkopf einzunehmen. Am 18. April 1916 fällt die Stadt Trabzon jedoch, nach dem die russische Schwarzmeer-Flotte die Stadt sturmreif schießt, den Nachschubweg der osmanischen Armee blockiert. Geistliche der christlichen Minderheiten bitten daraufhin die russische Armee, die Stadt zu besetzen. Es kommt zu Plünderungen, Unterdrückung und Massaker an muslimischen Einwohnern, die noch in der Stadt verblieben sind. Freiwillige Verbände von Armeniern und Pontusgriechen, die sich der russischen Armee angeschlossen hatten, ziehen mordend durch den Küstenabschnitt und dringen bis weit in das Landesinnere hinein – die Geburtsstunde der osmanischen Freischärler, die zunächst unabhängig der osmanischen Armee auf Rache gesinnt durch die besetzten Regionen streifen. Unbekannte Größe: muslimische Flüchtlinge und Todesopfer Bis heute ist nicht abschließend bekannt, wie viele Zivilisten bei der Einnahme der Stadt Trabzon vertrieben oder getötet wurden. Es gab zwar Bemühungen des Osmanischen Reichsapparats, Binnen- und Auslandsflüchtlinge während ihrer Flucht in die ihnen zugewiesenen sicheren Ziele im Landesinneren oder im Westen mit Lebensmittelkarten und ausreichender medizinischer Versorgung zu unterstützen und bei Ankunft in den Schutzzonen einzuquartieren, doch nicht alle Flüchtlinge registrierten sich während ihrer Flucht vor den feindlichen Kräften bei den Behörden oder Hilfsorganisationen und zogen fernab bekannter Routen durch das Land. Schätzungen nach wurden allein in der Stadt Trabzon und im Umland bis zu 8.000 Zivilisten ermordet, bis zu 80.000 Zivilisten verließen während des Vormarschs der russischen Armee fluchtartig die Provinz Trabzon. Laut den Dokumenten aus den osmanischen Archiven schätzte die osmanische Reichsführung die Flüchtlinge, die in „Elend“ und unter „unwürdigen Bedingungen“ die Provinzen Erzurum, Trabzon, Bitlis, Van sowie Erzincan bis Ende 1916 unregistriert ins Landesinnere verlassen hatten, auf über 1 Millionen. In diesen fünf Provinzen lebten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 2,3 Millionen Muslime. Wie groß die Furcht vor den armenischen-, pontosgriechischen Freiwilligenverbänden als Vorhut der russischen Armee war, kann man an den Flüchtlingszahlen erkennen. Wie groß das Elend war, die aufgrund der Ernteausfälle und des harten Wintereinbruchs 1915/1916 unerträglich wurde, steht auf einem anderen Blatt. Bis Oktober 1916 schafften es laut osmanischen Dokumenten 79.100 Einwohner aus Trabzon in das 320 Kilometer entfernte Samsun. In Sivas kamen über 300.000 Flüchtlinge aus der östlichen und südlichen Provinzregion Erzurum an. Aus der Provinz Van flüchteten bis zu 80.000 Zivilisten nach Elâzığ und weitere 200.000 aus Van und Bitlis nach Diyarbakir. Augenzeugenberichte von osmanischen Offizieren Wie die osmanischen Flüchtlinge diese gefährliche Flucht bewältigten oder nicht überlebten, kann man anhand von Augenzeugenberichten erfahren. Hier sollte ein Buch erwähnt werden: „Zehn Jahre Krieg“, so heißt das Buch des Generalleutnant Izzettin Çalışlar, der über den Balkankrieg, Ersten Weltkrieg und den Befreiungskrieg handelt. Das Buch „On Yıllık Savaş“ handelt vom Offizier, der in allen drei großen Kriegen des Osmanischen Reiches gedient hatte; im Balkankrieg, im Ersten Weltkrieg sowie im türkischen Befreiungskrieg. Es sind die Aufzeichnungen von Generalleutnant Izzetttin Çalışlar, der in allen Kriegen sein Tagebuch mit dabei hatte und auch über Atatürk wichtige Notizen hielt. Es sind vor allem die Notizen über die anatolischen Zustände während des Ersten Weltkriegs, in der das Drama über Hunger, Tod und Flucht sich widerspiegeln. Hier einige Notizen aus dem Buch, insbesondere über die Frontabschnitte in Bitlis: „Menschen und Tiere sterben vor Hunger“ 7. November 1916 Bin von Silvan nach Bitlis aufgebrochen… Nach der Überquerung der Batman-Brücke, liegt wie ein Toter ein Mann auf der Straße, vor Hunger. Zwischen Brücke und Zielort erneut zwei Männer in ähnlichem Zustand. Es sind Muhacir (Flüchtlinge). Zwischen der Batman-Brücke und Silvan sowie nach der Brücke zwei Pferde, erst vor kurzem verendet, Menschen und Tiere sterben vor Hunger. 9. November 1916 Vor 8 Uhr Aufbruch aus Veyselkarani. Unser Gepäck bereits vor 7 Uhr aufgebrochen. Vor Aufbruch 150 Scheich-Hazret Freiwillige inspiziert. Unterwegs viele Muhacir gesehen. Sind in Richtung Bitlis. Alle hungrig, erbärmlicher Zustand, ein zum Tode gezeichnetes 4-5 jähriges Kind auf der langen Strecke allein, hinter einem Ehepaar. Verfolgt die zwei in etwa 100m. Entfernung weinend. Ich rüge sie wegen dem Kind. „Es ist nicht unseres“ sagen sie. In der Nähe von Destumi zwei Stunden Rast. Ich lasse die Sanitätsstation von Sükrü Efendi begutachten. Die Gebäude sind verwahrlost, kein Nachschub… 10. November 1916 Wegen Husten und des schlecht aufgestellten Zeltes sowie dem Wind nicht ruhig schlafen können. Nach 1 Uhr aufgewacht. Gegen den Husten Tee getrunken. Erneut schlafen gelegt. Nach 5 aufgewacht. Armee sendet persönlich chiffrierte Nachricht in der mitgeteilt wird, das sich eine feindliche Stellung in Richtung Bitlis bewegt und 30 Bataillone angefordert werden. Vor 7 Uhr von Duhan Militärposten aufgebrochen. 12.30 Uhr in Bitlis. Rafet Pascha und Gefolge erscheinen eine Stunde danach. Auf dem Weg wollten einfache Soldaten (Freiwillige) Trauben und Äpfel verkaufen. Als man sie mit Banknoten bezahlen wollte, weinten sie und beschwerten sich. Wir gaben ihnen recht. Auf dem Weg Menschenleichen und Skelette… „Rafet Pascha ist nicht gekommen, weiß er nicht“ 12. November 1916 Rafet Pascha hat wegen Unwohlsein um Rückkehr gebeten. 12 Uhr, Aufbruch zum 14. Regiment. Auf dem Weg begegnet uns Regimentskommandeur Ali Bey und grüßt uns. 2 Stunden später Ankunft. Bis zum späten Abend Regiment inspiziert, für gut befunden. Rafet Pascha hat hierfür 4 Stunden veranschlagt, er war nie da, weiß es nicht. Am Abend Raki-Büfett serviert. Den anderen auch. Die Nähe zwischen Soldat und Vorgesetzten nicht sonderlich gut befunden. Mit neuen Kommandeur Ali Fuat Bey dies besprochen. In der Nacht schlecht geschlafen, Husten. 13. November 1916 Um 8 Uhr Aufbruch zum linken Frontflügel des 14. Regiments. Bis zum Keltepe eine Stunde gebraucht. Es liegt in diesem Bereich Schnee. Hier Kommandeur der Abteilung und die Post gesehen. Mit allen Vorgesetzten Schützengräben und Ausrüstung besprochen. Mit Abteilungskommandeuren die feindlichen Bewegungen und Vorstoßversuche erörtert, ein zwei Pläne nahe gelegt. Badehu-Abteilung zurück gekehrt. Es ist vor 11 Uhr. Gegessen und um 00.15 Uhr Aufbruch nach Bitlis. Ali Bey begleitet uns den halben Weg. Auf dem Weg etwa 300 Milizen begegnet und befragt. Sie sind der linken Front zugeteilt worden. Sie sagten, sie seien hungrig. Habe sie nach Bitlis befehligt und Befehl gegeben sie zu verköstigen. Habe meine Haare gewaschen. Ruhe mich jetzt aus. Es ist 4.20 Uhr. „10 – 15 muslimische Frauenköpfe gefunden“ 16. November 1916 Badehu-Bitlis Krankenstationen inspiziert. Sauber befunden. Scheich Hazret, ein Arm amputiert, habe mich mit ihm getroffen. Auf eingegangenen Berichten reagiert und mehrere Haushalte durchsuchen lassen. 10 – 15 muslimische Frauenköpfe gefunden. Von dort zurück. Die Serefiye genannte Moschee besucht, Tierkadaver überall. Ist verwüstet. Unterwegs verwaisten 12-jährigen Ömer getroffen. Hab ihn zu mir genommen. Als sie ihn sehen, werden weitere drei ohne Väter und Mütter gebracht, denen ich nur mit Geld dienen konnte.
Dieser Gastbeitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– NEX24 Interview – Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“ Bénard: An einem Winterabend saß ich mit türkischen Freunden in einer Kneipe, wo wir uns gewöhnlich einmal die Woche treffen, um Karten zu spielen. Die Nachrichten liefen im Fernseher. Als erste Schlagzeile verkündete der Journalist, dass Präsident Chirac und sein erster Minister Lionel Jospin am 29.1.2001 ein Dekret verabschiedet haben, in dem stand, dass Frankreich den Völkermord an den Armeniern anerkannte. Die Ankündigung ließ meine Freunde verstummen. Nach einer langen Zeit des Schweigens fingen sie an zu erzählen. Ich hörte zu, ohne mich an den Gesprächen zu beteiligen. Sie kamen aus einer kleinen Stadt namens Bayburt, in der Osttürkei. 1915 nahmen Armenier die jungen und alten türkischen Bewohner der Stadt gefangen und sperrten sie in drei Scheunen auf dem Stadthügel unterhalb der Festung ein. Sie stecken die erste, dann die zweite an. Zum Glück für die dritte Scheune kam die türkische Armee rechtzeitig und vertrieb die Mörder. Die türkischen Soldaten befreiten die Gefangenen. Aber leider wurden Hunderte bei lebendigem Leib verbrannt. Wie alle Franzosen war ich überzeugt, dass gegen die Armenier ein Völkermord begangen worden war, und dass sie in diesem Konflikt nur Opfer gewesen waren und auf gar keinen Fall Täter. Ich kannte meine Freunde seit langem und konnte nicht an deren Worten zweifeln. So fasste ich meinen Entschluss und begann über die türkisch-armenischen Ereignisse von 1915 zu recherchieren.
Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Digital
Grüne: Kaum Bahnhöfe in Niedersachsen bieten kostenloses W-Lan

Osnabrück – In Niedersachsen sind nach Zahlen der Bundesregierung bislang nur 21 von insgesamt 357 Bahnhöfen und Haltestellen mit W-Lan ausgestattet. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage der Grünen. Demnach verfügten vorrangig die großen Bahnhöfe wie Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Osnabrück über ein entsprechendes kostenloses Angebot. An kleineren Halten im Land gibt es indes oftmals kein W-Lan. Die Deutsche Bahn plane aber einen Ausbau, versicherte das Ministerium. Grünen-Bundestagsabgeordneter Sven-Christian Kindler bezeichnete die fehlenden W-Lan-Angebote als „Armutszeugnis für die Bahn“ und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Es kann doch im Jahr 2021 nicht sein, dass jede Dönerbude kostenfreies W-Lan bietet, aber Bahnkunden beim Internet noch immer im Regen stehen gelassen werden.“ Kindler forderte ein „Modernisierungs- und Innovationsprogramm für die Bahnhöfe“. Dazu gehörten neben W-Lan auch Lademöglichkeiten für E-Bikes.

Panorama
Recherche: Amazon verbietet Mitarbeitenden FFP2-Masken

Amazon verwehrt seinen Mitarbeitenden am niedersächsischen Standort Winsen (Luhe), sich am Arbeitsplatz mit FFP2-Masken zu schützen. Dem ARD- Magazin „Panorama“ (NDR) liegen entsprechende Dokumente vor. Im Februar teilte Amazon den Beschäftigten per Aushang mit, dass ausschließlich medizinische Einwegmasken (auch OP-Masken genannt) in Winsen getragen werden dürfen. Unter dem Text war eine durchgestrichene FFP2-Maske abgebildet. Nach „Panorama“-Recherchen hat sich an dieser Praxis nichts geändert, ein ähnlich lautender Aushang aus dem April liegt vor. Mehrere Amazon-Beschäftigte bestätigen diese Regelung ebenfalls. Rechtlich gesehen reichen momentan medizinische Einwegmasken zur Erfüllung der Maskenpflicht. FFP2-Masken gelten aber als sicherer. Sie dienen nicht nur dem Schutz Dritter, sondern schützen – richtig getragen – auch den Träger der Maske, indem sie Partikel, Tröpfchen und Aeresole abhalten. Amazon will sich zu dem Verbot konkret nicht äußern. Auf „Panorama“-Anfrage räumt der Konzern aber ein, ausschließlich medizinische Masken zur Verfügung zu stellen. Man lasse Ausnahmen zu, wenn Mitarbeitende dies beantragten. Amazon teilt schriftlich mit: „Unsere Maßnahmen gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und sind wirksam gegen die Übertragung des Virus. Dies wurde von Gesundheitsbehörden und Berufsgenossenschaften bestätigt.“ Hintergrund des Verbots sind offenbar zusätzlich anfallende Erholungszeiten. Das legen etwa Aussagen einer Amazon-Mitarbeiterin nahe. Sie habe ihren Vorgesetzten auf FFP2-Masken angesprochen. Dieser habe gesagt, FFP2-Masken seien verboten, damit den Beschäftigten keine zusätzliche Pause gewährt werden müsse. Tatsächlich sollen nach einer Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung FFP2-Masken je nach körperlicher Schwere der Arbeit maximal 75 Minuten bis zwei Stunden am Stück getragen und anschließend eine halbe Stunde maskenfreie Zeit eingelegt werden. Bei leichter körperlicher Arbeit ist auch eine Verlängerung auf drei Stunden Tragedauer möglich. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verurteilt diese Praxis von Amazon als „unvertretbar“ und „unethisch“. Aus seiner Sicht sei das eine „Gefährdung der Arbeitnehmer“. Lauterbach fordert im Interview mit „Panorama“ immer dann eine FFP2-Pflicht in Unternehmen, wenn eine Aerosol-Übertragung wahrscheinlich sei. Auch für die Betriebe sei diese Regelung die bessere Alternative. Denn: „Wenn die Arbeitgeber dafür kein Verständnis haben, werden wir vielleicht irgendwann an den Punkt kommen, wo wir die Betriebe dann doch eine Zeitlang schließen müssen.“ In einem anderen Logistikzentrum, in Leipzig, gestattet Amazon immerhin den Beschäftigten, privat mitgebrachte FFP2-Masken zu tragen – und gestattet den Mitarbeitenden – egal welche Maske sie tragen – nach zwei Stunden eine halbstündige maskenfreie Pause zu machen. Allerdings geht diese Regelung vollständig zulasten der Beschäftigten, wie Thomas Rigol, Betriebsratsvorsitzender am Leipziger Amazon-Standort, in „Panorama“ berichtet. „Die Stunden werden vom Überstunden-Konto abgezogen“. Weil das auf Dauer zu erheblichen Minusstunden führe, würden die Mitarbeitenden diese freiwillige Pause kaum nutzen. Rigol befürchtet, dass die Ansteckungsgefahr steigt, wenn Beschäftigte zwischendurch heimlich die Masken abnehmen, um durchzuschnaufen. Amazon verweist darauf, dass für die medizinischen Einwegmasken, die sie den Mitarbeitenden anbieten, keine zusätzlichen Pausen notwendig seien. Amazon wird seit Beginn der Pandemie mangelnder Infektionsschutz vorgeworfen. An mehreren Standorten kam es bereits zu Corona-Ausbrüchen. Während der ersten Welle der Pandemie wurden mehr als 50 Beschäftigte des Logistikzentrums in Winsen (Luhe) positiv auf das Corona-Virus getestet, wie das NDR Format „STRG_F“ im Mai 2020 berichtete (https://www.youtube.com/watch?v=FOUFWMF2tus&t=20s). Wie viele Amazon-Beschäftigte in den jeweiligen Logistik- und Verteilzentren positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, ist unklar. Amazon gibt zu den Zahlen keine Auskunft. Die wirtschaftliche Lage bei Amazon hat sich während der Corona-Pandemie hervorragend entwickelt. Seit Ausbruch des Virus hat sich der Wert der Aktie fast verdoppelt. Professor Klaus Dörre bezeichnet Amazons Umgang mit dem Gesundheitsschutz als skandalös. Der Arbeits- und Industriesoziologe von der Universität Jena hat sich intensiv mit Amazon und dessen Beschäftigungsmodell befasst. Dörre hält Amazon aber nur für die Spitze des Eisbergs. „Wir haben insgesamt eine große Sorglosigkeit in den Unternehmen.“ Faktisch sei nach der ersten Welle in produzierenden Unternehmen das Geschäft einfach weitergelaufen. Das habe zu einer Zweiklassengesellschaft unter den Beschäftigten geführt, so Dörre. „Die einen sitzen im Homeoffice und die anderen stehen unter dem Zwang, täglich präsent zu sein. Und da würde man erwarten, dass zumindest die den bestmöglichen Schutz genießen.“ Sei dies nicht der Fall, führe das zu Unzufriedenheit und sorge für zusätzliche Verbitterung.

Bundeskanzlerwahl
CDU-Politiker Friedrich Merz kritisiert grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock – „Habe erhebliche Zweifel“

Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat die frisch gekürte grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock scharf attackiert. „Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass Baerbock Kanzlerin kann. Die Grünen sind ganz überwiegend eine Ein-Themen-Partei. Annalena Baerbock fehlt bis auf die Tatsache, dass sie Völkerrecht studiert hat, auch jede internationale Erfahrung“, sagt er im Podcast „Die Wochentester“ von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND)“. Merz fügte hinzu: „Bei Frau Baerbock – mit Verlaub – geht bei einigen Medien die Distanz verloren. Dass dies dem Zeitgeist entspricht, mag sein. Ich möchte dem Zeitgeist nicht folgen, ich möchte den Zeitgeist mitbestimmen.“ Der Politiker äußerte im Gespräch mit den beiden Moderatoren Wolfgang Bosbach und Christian Rach aber grundlegende Kritik an der grünen Partei: „Ich bin mir sicher, dass es gelingen kann, Ökonomie und Ökologie so miteinander zu verbinden und auch zu versöhnen, dass wir eine Industriegesellschaft, ein Industrieland bleiben können und gleichzeitig auch die Klimaschutzziel erreichen. Da habe ich bei den Grünen große Zweifel, dass sie das wollen.“ Die Aussagen von Friedrich Merz hören Sie im Podcast „Bosbach & Rach – Die Wochentester“ ab Freitag, 7 Uhr auf ksta.de/wochentester und rnd.de. Der Podcast mit Wolfgang Bosbach und Christian Rach ist außerdem abrufbar über Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music, Audio Now, Deezer und Podimo.

Zum Thema

– Kanzlerkandidatur – Söder: „Die Würfel sind gefallen, Armin Laschet wird Kanzlerkandidat“

Ein zehntägiger Machtkampf in der Union hat vorerst ein Ende gefunden. Markus Söder hat das CDU-Vorstandsvotum für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten akzeptiert.

Söder: „Die Würfel sind gefallen, Armin Laschet wird Kanzlerkandidat“

Rüstung
Türkei beginnt Gespräche mit Russland über neue Charge von S-400-Raketen

Ankara – Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu gab bekannt, dass sein Land Gespräche über den Kauf einer neuen Charge von S-400-Raketenabwehrsystemen aus russischer Produktion aufgenommen hat. Die türkischen Behörden, einschließlich des Verteidigungsministeriums, erörterten derzeit den Kauf. Gleichzeitig kritisierte Cavusoglu die Position der USA zu dem Geschäft und wies darauf hin, dass Ankara das Raketensystem brauche. „Wenn die Vereinigten Staaten wollen, dass die Türkei Waffen von ihnen kauft, sollten sie diese zu vernünftigen Preisen und mit besseren Bedingungen anbieten“, so Cavusoglu. Bereits im vergangenen Monat habe er dem US-Außenminister Antony Blinken erklärt, dass der Kauf des russischen Raketenabwehrsystems durch Ankara „eine beschlossene Sache“ sei. „Sie (die Amerikaner) sind in jeder Hinsicht gegen Lieferungen des russischen Raketensystems S-400 in jedes Land. Insbesondere haben sie Probleme mit der Türkei. Das wissen wir alle. Gott sei Dank, unsere türkischen Partner bleiben standfest und verstehen, dass dies eine Frage ihrer nationalen Sicherheit ist. Ich glaube, wir werden weitermachen“, sagte Dmitry Shugaev, Leiter des russischen Staatsdienstes für militärisch-technische Zusammenarbeit im März. Washington lehnt Kauf der S-400 ab

Washington lehnte die Übernahme des russischen Fliegerabwehrsystems durch die Türkei entschieden ab und suspendierte die Türkei von ihrem Hi-Tech-Kampfjetprogramm F-35, da die S-400 eine Bedrohung für die Stealth-Kampfjets darstelle. Die US-Regierung hatte Ankara auch davor gewarnt, dass es US-Sanktionen nach dem Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act riskiert, wenn das S-400-System aktiviert wird.

Die Türkei besteht darauf, dass sie gezwungen wurde, das russische System zu kaufen, nachdem Washington sich geweigert hatte, ihm das US-Patriot-System zu verkaufen. Ausschluss aus dem F-35-Programm

Nachdem die Bundesregierung im August 2015 den Abzug der deutschen Patriot-Abwehrraketen aus der Türkei angekündigt hatte, gab Ankara 2017 den Kauf des russischen System S-400 bekannt. Die USA haben dieses Vorhaben Ankaras scharf verurteilt und ihren NATO-Partner im Juli aus dem gemeinsamen F-35-Entwicklungsprogramm ausgeschlossen.

Die Türkei ist Mitentwickler und Lieferant von  etwa 900 Bauteilen. Schon sehr bald müssten türkische Soldaten, die an dem Projekt mitarbeiten, die USA verlassen. Spätestens im März 2020 soll der Ausschluss der Türkei abgeschlossen sein. Das Boden-Luft-Raketenabwehrsystem S-400 ist eines der weltweit modernsten Verteidigungssysteme. Es kann 72 Raketen gleichzeitig abfeuern und taktische und ballistische Ziele aus einer Entfernung von 5 bis 60 Kilometern und einer Höhe von 2 bis 27 Kilometern zerstören.

Auch interessant

– TB2-Bayraktar – Ukraine und Serbien kündigen Kauf türkischer Kampdrohnen an

Nachdem sich die Kampfdrohen der Türkei bei Einsätzen in Konflikten in Syrien, Libyen und Berg-Karabach als wirksam erwiesen haben, zeigen immer mehr Staaten Interesse an den unbemannten Luftfahrzeugen (unmanned aerial vehicle, UAV) aus türkischer Rüstungsschmiede.

Ukraine und Serbien kündigen Kauf türkischer Kampdrohnen an

Gastbeitrag
Wenn armenische Geschichte zur Ramschware wird

Ein Gastbeitrag von Ferhat Avşar – mailto.ferhat@gmail.com Alljährlich zum 24. April, richtet die türkische und armenische Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf das Weiße Haus. Dabei geht es um die zentrale Frage, welche Formulierung der Präsident der Vereinigten Staaten für die Ereignisse des Jahres 1915 wählen wird. Monate zuvor unternimmt die mächtige armenische Lobby in den USA große Mühen und Anstrengungen, um in der Erklärung des amerikanischen Staatsoberhauptes den Begriff „Völkermord“ zu platzieren. Sie tätigt große Ausgaben, lässt ihre Beziehungen zu Abgeordneten und Medien spielen und arbeitet emsig und verbissen darauf zu, ihr Bild und ihre Deutung der Geschichte in diese Erklärung einfließen zu lassen. Die partnerschaftliche Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei, die strategische Bedeutung des treuen NATO verbündeten im Nahen Osten, auf dem Balkan und im Kaukasus, kommen in eine Waagschale, die finanzstarke und einflussreiche armenische Lobby und mehrere Millionen potentieller Wählerstimmen von US-Bürgern armenischer Herkunft, kommen in die andere. Das Zünglein an der Waage schlug bislang immer zu Ungunsten der armenischen Geschichtsinterpretation aus, denn zu wichtig war die Türkei an der südöstlichsten Flanke der NATO. Die amerikanischen Präsidenten begnügten sich damit, die Zwangsumsiedlung und die menschlichen Verluste als „Tragödie“ oder als „tragisches Ereignis“ zu beschreiben, um so den Drahtseilakt doch noch in eine gelungene Vorführung zu verwandeln. Mit dieser Formulierung gab sich Ankara zufrieden, während die armenische Diaspora lautstark protestierte und erneut Anlauf nahm, um für die Erklärung im nächsten Jahr alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren. Wenn Geschichte zur Verhandlungsmasse zwischen Staaten verkommt Noch ist es offen, für welche Wortwahl der neue amerikanische Präsident sich diesmal entscheiden wird. Dass seine Entscheidung sehr stark unter dem Einfluss des Kongresses stehen wird, gilt als sicher. Mitte Dezember des Jahres 2019 schloss sich der Senat der Entscheidung des US-Repräsentantenhauses an und bezeichnete die armenischen Verluste während des Ersten Weltkriegs als „Völkermord“. Dieser Etappensieg spornte die armenische Diaspora weiter an, um nach dem Kongress, auch die letzte und höchste politische Bastion des Landes einzunehmen und dem Land die eigene Deutung der Geschichte aufzuoktroyieren. Donald Trump widersetzte sich den Forderungen der armenischen Lobby und schloss sich nicht der Formulierung des Kongresses an, doch dies könnte sich unter der Biden Administration grundlegend ändern. Seit Januar dieses Jahres ist bekannt, dass armenische Kirchenoberhäupter und Verbands- und Lobbyfunktionäre das Weiße Haus mit Bittbriefen überhäufen und Druck ausüben. Doch zu dem ohnehin sehr großen politischen Druck, der bisweilen durch armenische NGO’s aufgebaut wurde, kommen die derzeit angespannten Beziehungen zwischen Washington und Ankara hinzu. Sei es in Syrien, in Libyen, im östlichen Mittelmeer, in der Verteidigungspolitik oder der Terrorbekämpfung: Nirgends scheinen die einst eng miteinander verbündeten Staaten auf der gleichen Linie zu stehen. Auf den ersten Blick, scheint das Ringen um eine Begrifflichkeit rein symbolischer Art zu sein. Hinter dem Versuch der Armenier die eigene Deutungshoheit zu promoten steckt jedoch wesentlich mehr. Armenische Gelehrte fassen die Ambitionen kurz mit der „RRR“-Formel zusammen. Die Buchstaben stehen für Recognition, Reparation und Revisionism – ins Deutsche übersetzt als Anerkennung, Entschädigung und territoriale Zugeständnisse. In sogenannten Claims-Konferenzen in Übersee rechnen sich Hinterbliebene Entschädigungsansprüche jenseits der 300 Mrd. Dollar oder sehen Gebietsabtretungen der Türkei, die das jetzige armenische Staatsgebiet mehr als verdoppeln würden. Geschichte gehört nicht ins parlamentarische Plenum, sondern in die Hörsäle Das politische Tauziehen um eine Begrifflichkeit lässt viele Historiker die Stirnfalten runzeln, denn objektiv betrachtet, handelt es sich bei den Vorgängen von 1915 um ein rein historisches Ereignis mit einer hohen moralischen Tiefe. Sie sollte nicht von Geistlichen, Verbandsfunktionären, und erst recht nicht von Lobbyisten und Politikern angefasst werden. Die Ereignisse von 1915 sollten nicht im Lichte politischer Machtgefüge oder ökonomischer Interessen bewertet werden, nicht Bittbriefe sollten das Thema voranbringen oder schmierige Lobbyisten und Politiker hinter verschlossenen Hotelzimmertüren per Handschlag Absprachen hierzu tätigen. Ja, die Ereignisse von 1915 waren tragisch und sie markieren eine Zäsur in der Geschichte der Armenier. Es ist auch das Recht der Nachkommen, dem Tod Ihrer Ahnen zu gedenken – wer will und kann dies Ihnen verwehren? Doch der Sache an sich wird ein Bärendienst erwiesen, wenn das Thema politisiert wird und quasi auf dem Silbertablett anderen Staaten zur parlamentarischen Abstimmung dargeboten wird, um der Türkei eins politisch auszuwischen. In rund 28 Staaten wurde auf Betreiben der armenischen Lobby die Zwangsumsiedlung der Armenier und die daraus resultierenden hohen Opferzahlen als Genozid betitelt. Viele dieser Staaten hegten jedoch historische Ressentiments gegenüber der Türkei oder hatten ein „Hühnchen mit ihr zu rupfen“, wie dies jüngst das Beispiel von Ägypten gezeigt hat. Im Konkurrenzkampf um die Bodenschätze des östlichen Mittelmeeres und um Libyen schloss sich Kairo kurzerhand der armenischen Geschichtsauslegung qua Parlamentsbeschluss an. Doch was würde geschehen, wenn sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten verbessern würden und letzteres Land plötzlich seine Entscheidung revidieren würde? Geschichte politisiert und instrumentalisiert Geschichte kann kein Objekt im politischen Geben und Nehmen zwischen Staaten sein, denn sonst droht sie, wie im Falle der Armenier, zur Ramschware zu verkommen. Das eherne Bestreben der Armenier nach Andacht für Ihre Vorfahren degeneriert so zur politischen Posse und verwirkt jeglichen Schein der Ehrlichkeit. Unter der vorgegebenen Absicht, den verstorbenen Vorfahren eine letzte Ehre erweisen zu wollen, sollte sich nicht die Gier nach Geld und Profit verbergen. Dieser Weg ist eine Einbahnstraße und zwar mit einer gehörigen Neigung Richtung Abgrund. Mit jedem Parlament, das sich dem Druck der armenischen Lobby beugt, wird das Thema politisiert und mit jeder Politisierung weiterhin zugleich instrumentalisiert. Sollte Joe Biden diesmal seine Wortwahl aus dem Vokabular der armenischen Lobby ziehen, wird die Selbstzerfleischung der armenischen Erinnerungskultur weiter voranschreiten, die Türkei jedoch wird ihre Haltung kein Fußbreit ändern. Die Lösung liegt in der gegenseitigen Aufarbeitung der gemeinsamen Leidensgeschichte Mit Geld im Überfluss gepaart mit einem weit verzweigten Netzwerk, ist der Gang über Parlamente der wohl einfachste Weg, sozusagen der Weg des geringsten Widerstands. Allerdings ist der Dunstkreis zwischen Politik und Lobbyismus nicht der richtige Raum, um über die Faktizität von Geschichte zu entscheiden. Die Zwangsumsiedlung der Armenier gehört nicht ins parlamentarische Plenum, sondern in die Hörsäle und in sonstige akademische Zirkel. Die Ereignisse des Jahres 1915 müssen wieder zurück in den wissenschaftlichen Diskurs und müssen kritisch beleuchtet werden – und zwar Kontext bezogen und allumfänglich. Die Zauberformel lautet kurz und knapp: Gegenseitige Aufarbeitung der gemeinsamen Leidensgeschichte. Hierzu gehört auch die Berücksichtigung des Massenmordes an hunderttausenden Türken und Kurden durch armenische Milizen vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg. Die armenische Tragödie ist nur die eine Seite der Medaille, denn sie ist zugleich eine anatolische Tragödie in der ebenfalls abertausende osmanischer Muslime einem wahnwitzigen Projekt armenischer Nationalisten zum Opfer gefallen sind. Die Idee eines armenischen Großreichs, so wie ihn der amerikanische Präsident Woodrow Wilson aufgeworfen hatte, nämlich von Kilikien bis zum Schwarzen Meer und von dort bis zum Kaspischen Meer, scheiterte an der Frage der Praktikabilität. Die armenische Minderheit im Osmanischen Reich Ende des 19. Jahrhunderts betrug mancherorts höchstens gerade einmal ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Um einen überlebensfähigen armenischen Staat zu gründen, strengten armenische Milizen eine beispiellose ethnische Säuberung in Ost-Anatolien an, während der, nach jüngsten Schätzungen, knapp 600.000 osmanischer Muslime zum Opfer fielen. Mit den Opfern im Norden Irans und in West-Aserbaidschan dürfte die Zahl der ermordeten Türken annähernd 2 Mio. betragen haben. Dieser Massenmord an Türken ist bis heute unter dem Begriff „Mezalim“ in der kollektiven Erinnerung der Türken lebendig geblieben. Geschichte ist nun mal keine Wissenschaft, in der es „das Gute“ und „das Böse“ gibt. Die Grenzen zwischen Opfern und Tätern sind verschwommen und Historiker sind gerade bei der Aufarbeitung der gewaltbelasteten und durch Fehden und Blutrache geradezu gekennzeichneten Geschichte Ostanatoliens dazu gehalten, vorurteilsfrei zu arbeiten und vor allem detektivisch Verbrechen aufzudecken. Es ist gut zu wissen, dass in letzter Zeit mutige Wissenschaftler, wie Prof. Dr. Brendon J. Cannon, Dr. Pat Walsh, Dr. Maxime Gauin uvm. das Schweigekartell bezüglich der armenischen Kriegsverbrechen durchbrochen haben und mit bahnbrechenden Arbeiten den wissenschaftlichen Diskurs voranbringen.  
Dieser Gastbeitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– NEX24 Interview – Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Zu Yves Bénard: “Um der Gerechtigkeit willen” lautet das Credo des franzöischen Historikers, der sich durch seinen kritischen Geist und mit einer gehörigen Portion Neugier ausgestattet in die historischen Archive verschiedener Staaten begab. Herausgekommen ist ein hoch interessantes Buch, das exemplarisch ist für eine sachliche Darstellung der Ereignisse.

Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Frankreich
Morddrohungen: Französischer Komiker Dieudonné M’bala möchte in der Türkei Asyl beantragen

Paris – Der umstrittene französische Komiker Dieudonné M’bala teilte in einem Interview mit, dass er wegen des Rassismus, den er in seinem Heimatland erlebt, in der Türkei Asyl beantragen möchte. Er erhalte in Frankreich Morddrohungen und seine Auftritte würden nicht erlaubt. Der Aktivist und Performer sagt, er wolle Frankreich dauerhaft verlassen, weil seine Arbeitsmöglichkeiten behindert werden. „Für Leute wie mich gibt es hier [in Frankreich] keine Meinungsfreiheit mehr“, sagte er der Nachrichtenagentur Anadolu. „Der französische Premierminister hat alles getan, damit ich in diesem Land keine Shows veranstalten kann“, so M’bala weiter, M’Bala wurde 1966 als Sohn eines kamerunischen Vaters und einer französischen Mutter in Frankreich geboren und ist bekannt für seine Comedy-Shows, die auf Gesellschaftskritik beruhen, insbesondere der Probleme afrikanischer Einwanderer. M’Bala, der wegen „Beleidigung und Rassismus“ angeklagt wurde, weil die Worte, die er in seinen Sketchen verwendete, nicht in den Bereich der Meinungsfreiheit fielen, bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als heuchlerisch.

„In Frankreich gibt es eine Doppelmoral der Kritik. Ich habe das Gefühl, dass es hier keine Meinungsfreiheit gibt. Besonders für Leute wie mich. Es gibt viele Auftritte über Schwarze und Muslime. Zum Beispiel gibt es Cartoons über den Propheten des Islam. Sie erhalten staatliche Unterstützung. Wie Charlie Hebdo. Nicht nur, dass sie mich nicht unterstützen, sie verbieten sogar meine Auftritte“, erklärte der französische Künstler.

Er werde einen Antrag auf politisches Asyl in der Türkei stellen,  sobald er die rechtlichen Formalitäten erledigt hat. Er werde zudem einen offenen Brief an den Präsidenten des Landes, Recep Tayyip Erdoğan, schreiben. „Ich denke, ich werde mich in der Türkei besser und wohler fühlen als in Frankreich.“ Im vergangenen September hatte ein Gericht im französischen Chartres den Komiker wegen antisemitischer Beleidigungen zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt. Der YouTube-Account des französischen Komikers war einer von 25.000, die von der Video-Sharing-Website im vergangenen Jahr wegen Verstoßes gegen die Regeln für Hassreden entfernt wurden. Anschließend wurde er von Facebook und Instagram verbannt. Dieudonné, der bestreitet, antisemitisch zu sein, machte „israelischen Druck“ für die Entfernung verantwortlich.

Auch interessant

– Jazz-Krise – Als Afroamerikaner die türkische Botschaft durch den Hintereingang betreten sollten

Als die türkische Botschaft in Washington in den 1950er Jahren Afroamerikaner zu einem gesellschaftlichen Ereignis einlud, löste dies eine diplomatische Krise zwischen Ankara und Washington aus.

Als Afroamerikaner die türkische Botschaft durch den Hintereingang betreten sollten
     

Corona-Pandemie
Türkei: Ausgangssperren beginnen bereits am Donnerstag

Istanbul – Nach einem rasanten Anstieg der täglichen Neuinfektionen auf über 60.000 hatte die türkische Regierung in der vergangenen Woche eine drastische Verschärfung der Corona-Maßnahmen angeordnet. Die Ausgangssperren, die bisher am Freitagabend begannen und Montagmorgen endeten, sollen nun bereits ab Donnerstag um 19 Uhr beginnen und bis Montag um 5 Uhr morgens gelten. Die viertägige Ausgangssperre umfasst somit auch den Feiertag der „Nationalen Souveränität und des Kindes“. Große Versammlungen wie sonst üblich werde es in diesem Jahr keine geben, mit Ausnahme einer offiziellen Kranzniederlegung, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.  Angesichts der steigenden Zahl von Fällen und Todesopfern gelten seit letzter Woche für die ersten zwei Wochen des muslimischen heiligen Monats Ramadan besondere Maßnahmen im Land. Die werktägliche Ausgangssperre dauert nun von 19 Uhr (vorverlegt von 21 Uhr) bis 5 Uhr morgens, während der auch Fahrten zwischen den Städten verboten sind, außer in Notfällen. In Städten mit hohem Risiko gelten auch am in der Woche Ausgangssperren. Cafés und Restaurants bieten nur Liefer- und Mitnahmeservices an, während Hochzeitssäle, Sportzentren und Spielhallen bis zum Ende des Ramadan geschlossen bleiben. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen der Türkei erreichte am gestrigen Mittwoch 61967 und stieg somit auf den höchsten Stand seit März 2020, als die Pandemie das Land erstmals erfasste.

Auch interessant

– Corona-Pandemie – Türkischer Wissenschaftler entwickelt Medikament: Coronavirus in 48 Stunden zerstört

Nach dem deutsch-türkischen Power-Paar Uğur Şahin (55) und Özlem Türeci (53), die mit ihrem Unternehmen BioNTech den mRNA-Impfstoff BNT162b2 gegen das tödliche Virus Covid-19 entwickelten, könnte einem weiteren türkischstämmigen Forscher im Kampf gegen Corona ein Durchbruch gelingen.

Türkischer Wissenschaftler entwickelt Medikament: Coronavirus in 48 Stunden zerstört

Gastbeitrag
Kommentar: Die Türkei wurde vom Vorwurf des Völkermords freigesprochen

Ein Gastbeitrag von M. Teyfik Oezcan Jedes Jahr wird am 24. April der Mythos vom „Armenischen Genozid“ in Form eines Gedenktages von den Armeniern weltweit und öffentlichkeitswirksam am Leben gehalten. Es ist ein wiederkehrender und hoffnungsloser Versuch den Stolz der Türken zu brechen sowie mit Unterstützung von ausländischen Politikern die türkische Republik zu erniedrigen. Es geht ihnen bei dieser Inszenierung nicht um die Wahrheit, sondern um die Überwindung ihrer Barbarei gegen die türkische Zivilbevölkerung und ihre juristischen Niederlagen für die Ereignisse im 1. Weltkrieg. In diesem Kontext will ich heute an die Vorgeschichte der Armenier mit den Gräueltaten an der türkischen/kurdischen Zivilbevölkerung erinnern, die mit der anschließenden Deportation der Armenier nach Syrien ihren traurigen Abschluss fand, bei der nach Recherchen von bekannten amerikanischen Historikern schätzungsweise 100.000 – 150.000 Armenier ums Leben gekommen sind. Die von der armenischen Diaspora kolportierten 1,5 Millionen Todesopfer entbehren jeglicher Grundlage und sind daher als politisch motiviert einzuordnen. Schon ein Jahr vor den Pogromen gegen die türkische/kurdische Bevölkerung durch die armenischen Nationalisten im Jahre 1915, hat das russische Zarenreich die militärischen Angriffe auf den Osten des Osmanischen Reiches mit der Zielsetzung beschlossen, einen Teil des Osmanischen Reiches mit Hilfe der Armenier zu okkupieren und die türkisch/kurdische Bevölkerung zu vertreiben. Nachdem die 33. Infanterie des Osmanischen Reiches nach Erzurum abkommandiert wurde, sahen die Armenier die große Chance gekommen, mit militärischer Unterstützung des Russischen Reiches die Großstadt Van im Frühjahr 1915 anzugreifen. Massenmord an den Türken/Kurden begann im Frühjahr des Jahres 1915 Am 14.05.1915 fordert der Gouverneur der Stadt Van Cevdet Bey die Bevölkerung auf, die Ortschaft in Richtung Bitlis schnellstmöglich zu verlassen, da es nicht genug Männer im wehrfähigen Alter gibt, die die Stadt hätten verteidigen können. Schon einen Tag später marschierten erste russische Einheiten mit Unterstützung der armenischen Nationalisten unter dem Jubel der armenischen Bevölkerung in Van ein und töten innerhalb von wenigen Wochen die in Van verbliebenen über 20.000 Muslime auf brutalste Art und Weise. Bereits auf ihrem Weg nach Van haben die Invasoren und ihre Verbündeten in den Dörfern eine schreckliche Blutspur hinterlassen, um ihren Jahrhunderte alten Traum von der Besetzung der heutigen Osttürkei zu verwirklichen. Es wurden unzählige, blutrünstige Gräueltaten in den Dörfern begangen. In den Dörfern Aksani und Hinis wurden insgesamt 700 Frauen und Kinder in den Moscheen eingesperrt und am lebendigen Leibe verbrannt. In dem Dorf Mirkos kam es zu Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen. In einigen Dörfern wurden die Mütter sogar gezwungen die Leichname ihrer Kinder zu verzehren. Samaram einem Stadtteil von Van wurden über 200 Frauen und Kinder in ein Haus zusammengepfercht und am lebendigen Leibe verbrannt. Allein rund um den Palast von Van wurden über 10.000 Muslime innerhalb kürzester Zeit mit Schwertern erstochen und in den Van-See geworfen. Der Van-See glich einem Bildnis des Horrors Erniedrigungen, Folter und Zerstückelungen von Körperteilen an der wehrlosen Zivilbevölkerung waren an der Tagesordnung. Schwangeren Frauen wurden die Bäuche aufgeschlitzt, um die Embryos auf sadistischer Art und Weise zu schlachten. Jungen wurden die Genitalteile stückweise abgeschnitten, um sich am grausamen Tod der Kinder zu erfreuen. Neben Van waren auch die Städte Bitlis, Mus, Erzincan, Kars, Erzurum, Bayburt, Trabzon, Igdir und Sivas Orte des Grauens, wo unschuldige Frauen sowie Mädchen brutal vergewaltigt und über 500.000 Muslime getötet wurden. Es gibt eine Vielzahl von türkischen und ausländischen Text- und Fotodokumentationen, die diese grausamen Ereignisse widerspiegeln und in den Archiven für die Nachwelt aufbewahrt werden. Ferner wurde dieser Genozid an den Türken/Kurden auch in den russischen Zeitungen als Siegesbekundungen öffentlichkeitswirksam publiziert. Die Wende im Krieg kam mit der Oktober Revolution von 1917 Mit der Machtergreifung der russischen Bolschewisten 1917 hat sich der Lauf der Geschichte verändert und das Schicksal der hinterhältigen und erbarmungslosen Armenier besiegelt. Die russische Armee zog sich zurück und hinterließ die Armenier ihrem Schicksal. Unter dem Kommando des türkischen Generals Kazim Karabekir wurden anschließend die Städte Erzincan am 13.02.1918, Bayburt, Trabzon und Gümüshane am 14.02.1918 sowie Van am 07.04.1918 von den türkischen Streitkräften zurückerobert. Aufgrund der Tötung von über 500.000 türkischen/kurdischen Zivilisten war danach ein Zusammenleben von Türken/Kurden mit den Armeniern in diesen Gebieten nicht mehr möglich. Um einen Rachefeldzug gegen die armenische Bevölkerung durch die Hinterbliebenen der Opfer zu verhindern, wurde der Befehl ausgegeben, die nicht geflohenen Armenier zu ihrem Schutz nach Syrien umzusiedeln. Bei diesem Marsch sind nach seriösen Schätzungen von amerikanischen Historikern zwischen 100.000 – 150.000 Armenier ums Leben gekommen. Die Türkei wurde vom Vorwurf des Völkermords freigesprochen Sowohl bei den umfangreichen Istanbuler Prozessen als auch bei den Prozessen auf Malta unter dem Vorsitz der Engländer wurde der türkische Staat von dem Vorwurf des Massenmords an den Armeniern freigesprochen. Eine umfangreiche, juristische Aufarbeitung dieser Tragödien besiegelte das Trauma der Armenier, das bis heute anhält. Eine abschließende historische Aufarbeitung der Geschichte wird aber vonseiten des armenischen Staates bis heute blockiert, um ihre Mär vom Völkermord an den Armeniern aufrechtzuerhalten.
Dieser Gastbeitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– NEX24 Interview – Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Zu Yves Bénard: “Um der Gerechtigkeit willen” lautet das Credo des franzöischen Historikers, der sich durch seinen kritischen Geist und mit einer gehörigen Portion Neugier ausgestattet in die historischen Archive verschiedener Staaten begab. Herausgekommen ist ein hoch interessantes Buch, das exemplarisch ist für eine sachliche Darstellung der Ereignisse.

Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Klima-Gipfel
Bundesumweltministerin Schulze fordert Klimaschutz-Zusagen von US-Präsident Biden

Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD, erwartet beim virtuellen Klima-Gipfel heute und morgen konkrete Klimaschutz-Zusagen von US-Präsident Joe Biden. Schulze sagte am Donnerstag im Inforadio vom rbb, Biden habe angekündigt, das Energiesystem in den USA bis 2035 CO2-frei zu machen. Das erwarte sie jetzt auch von ihm. Auch China müsse deutlich mehr für den Klimaschutz tun und in erneuerbare Energien investieren. „Es muss darum gehen, weltweit auf erneuerbare Energien zu setzen. Weltweit den Ausstieg aus CO2 zu schaffen. Da spielt China eine wichtige Rolle.“ Aber auch in Deutschland müsse mehr getan werden, sagte Schulze: „Wir müssen unser Tempo beim Klimaschutz natürlich auch erhöhen. (…) Das heißt mehr Sonnen- und Wind-kraftausbau. Das heißt, der Kohleausstieg wird etwas schneller kommen. Das heißt, wir müssen in den Regionen auch deutlich mehr tun und schneller in der Umsetzung werden.“ Das Geld stehe ja für die Regionen zur Verfügung, dort Perspektiven zu schaffen, so Schulze.

Auch interessant

– Umwelt – Bericht: Europas giftiger Müll wird in der Türkei entsorgt

Nachdem China seit Januar 2018 seine Grenzen für ausländische Abfälle geschlossen hat, wurde die Türkei zu Europas bevorzugtem Ziel für Plastikmüll.

Bericht: Europas giftiger Müll wird in der Türkei entsorgt