Büromanagement
Digitale Ordnung schaffen So bewältigt man den Datenberg im Büroalltag

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Im digitalen Büroalltag wächst die Datenmenge stetig an. Dokumente, Bilder und Dateien häufen sich auf Festplatten und in Cloud-Speichern, während die Übersicht schwindet. Besonders Bilddateien wie JPGs nehmen oft viel Platz ein und lassen sich schwer in einheitliche Dokumentstrukturen einbinden. Die Organisation digitaler Daten stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Die Suche nach Informationen kann viel Zeit in Anspruch nehmen und führt häufig zu Produktivitätsverlusten sowie Frustration im Team. Effiziente Dateikonvertierung und -organisation sind daher essenziell für moderne Arbeitsabläufe. Der Umgang mit verschiedenen Dateiformaten und deren Umwandlung in standardisierte Formate wie PDF gehört mittlerweile zu den Grundkompetenzen im Büro. Besonders die strukturierte Verwaltung von Bilddateien kann den Arbeitsalltag erheblich vereinfachen und die digitale Ordnung langfristig voranbringen.

Die Herausforderung digitaler Überflutung im modernen Büro

Im Büroalltag wächst die Datenmenge rasant. Die Verwaltung der ständig wachsenden Anzahl an Dateien wird zunehmend komplexer. Diese Flut an digitalen Informationen führt zu typischen Problemen: Dokumente landen mehrfach auf Speichern, Dateien werden uneinheitlich benannt und an verschiedenen Orten abgelegt. Die Suche nach Informationen nimmt einen erheblichen Teil der Arbeitszeit ein.

Datenwachstum und typische Probleme

Der Markt für Dokumentenmanagementsysteme wächst jährlich deutlich. Unternehmen investieren verstärkt in digitale Lösungen, um den Überblick zu behalten und Suchzeiten zu verkürzen. Unübersichtliche Datenbestände verursachen nicht nur Zeitverlust, sondern können auch den Stress im Team erhöhen und zu Fehlentscheidungen führen, wenn Informationen unvollständig sind. Bilddateien wie JPGs bereiten besondere Schwierigkeiten. Sie werden häufig als E-Mail-Anhänge oder über Messaging-Dienste geteilt. Oft passen sie nicht in gängige Dokumentenstrukturen und erschweren das Wiederfinden von Inhalten. Ein praktisches Vorgehen ist das JPG in PDF umwandeln, wodurch Bilder in durchsuchbare Dokumente integriert werden können. Viele Unternehmen berichten von Herausforderungen bei der Verwaltung von Bilddateien.

Effiziente Methoden gegen Datenchaos

Die digitale Datenflut verlangt nach klaren Methoden zur Verwaltung. Ohne sinnvolle Strategien entstehen Informationsverlust, Doppelarbeit und sinkende Produktivität. Unternehmen müssen strukturierte Ansätze verfolgen, um den wachsenden Datenberg zu steuern. Der gezielte Einsatz digitaler Tools kann die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb von Unternehmen deutlich verbessern.

Effektive Dateibenennung und Ordnerstrukturen entwickeln

Eine eindeutige Dateibenennung ist die Grundlage für digitale Ordnung. Ein erprobtes Schema wie Datum-Projekt-Version-Format, zum Beispiel „2023-05-15_Marketingkonzept_V2.pdf“, lässt jede Datei rasch erkennen. So verringern sich Suchzeiten, und Verwechslungen werden vermieden. Konsistente Benennungskonventionen helfen allen Teammitgliedern, Dateien schnell zu identifizieren und richtig einzuordnen. Bei der Entwicklung von Ordnerstrukturen stehen Unternehmen vor der Wahl zwischen hierarchischen und flachen Systemen. Hierarchische Strukturen mit mehreren Ebenen bringen Übersicht, fordern aber konsequente Pflege. Flache Ablagen sind schneller zugänglich, benötigen aber präzisere Dateinamen. Praktisch sind Hauptordner nach Abteilungen wie Marketing oder Buchhaltung, darunter Unterordner nach Projekten, Kampagnen oder Jahren. Metadaten spielen eine große Rolle für die bessere Auffindbarkeit. Viele Unternehmen setzen zusätzlich Schlagworte ein, um Dokumente noch schneller zu lokalisieren. Jede Abteilung kann eigene Kernordner und eine Farblogik festlegen. Das vereinfacht die Suche und reduziert Abstimmungsbedarf im Alltag. Besonders bei Bilddateien ist die Umwandlung in durchsuchbare Formate wie PDF hilfreich für die Integration in bestehende Dokumentenstrukturen.

Automatisierte Sortierung durch Dateiregeln

Automatisierte Sortierregeln sparen Zeit und minimieren Fehler. E-Mail-Programme und Dateisysteme verschieben eingehende Dateien automatisch in vorgesehene Ordner, zum Beispiel anhand von Absender oder Dateityp. So finden digitale Rechnungen direkt den Weg in den richtigen Ablagebereich, ohne manuellen Aufwand. Skripte und Makros übernehmen routinemäßige Aufgaben wie Umbenennen, Konvertieren und Ablegen neuer Dateien. Die automatische Umwandlung von Bilddateien in PDF wird oft aktiviert, sobald ein bestimmter Ordner erkannt wird. Das mindert den manuellen Aufwand deutlich und sorgt für einheitliche Dokumentenformate. Leistungsfähige Dokumentenmanagementsysteme erkennen Dateitypen, extrahieren Metadaten und ordnen alles nach festgelegten Regeln zu. Das kann Fehlzuweisungen verringern und Mitarbeitenden mehr Zeit für inhaltliche Aufgaben geben.

Digitale Aufräumroutinen etablieren

Ein fester Aufräumplan hält das Dateisystem schlank und funktional. Temporäre Dateien sollten regelmäßig entfernt werden. Ein monatlicher Blick auf laufende oder abgeschlossene Projekte vereinfacht das gezielte Archivieren. Quartalsweise ist es sinnvoll, den Cloud-Speicher zu prüfen und Zugriffsrechte zu kontrollieren. Regelmäßige Aufräumaktionen helfen dabei, das unkontrollierte Anwachsen des Datenbergs zu vermeiden. Die Priorisierung von Dokumenten nach Wichtigkeit, Aktualität und Projektstatus hilft bei der Entscheidung, welche Dateien aktiv gehalten und welche archiviert werden sollten. Eine systematische Checkliste für digitales Aufräumen umfasst das Löschen von Dubletten, das Umbenennen verbleibender Dateien nach Konvention und die Überprüfung der Ordnerstruktur. Danach lassen sich Ordner anpassen und Metadaten ergänzen. Für abgeschlossene Vorgänge eignen sich stabile Formate wie PDF. Unterlagen bekommen passende Metadaten, was spätere Suchen einfacher macht. Unternehmen müssen gesetzliche Aufbewahrungsfristen berücksichtigen. Buchhaltungsbelege sind in der Regel zehn Jahre zu archivieren, Personalakten können bis zu 30 Jahre aufbewahrt werden. Ein dokumentierter Löschprozess schützt das Unternehmen vor versehentlichem Datenverlust und juristischen Risiken.

Digitale Werkzeuge zur Bewältigung des Datenbergs

Digitale Werkzeuge sind heute unverzichtbar für die Verwaltung großer Datenmengen. Dokumentenmanagementsysteme bieten Funktionen wie Versionierung, Zugriffssteuerung und Automatisierung. So kann die Software mit den Anforderungen wachsen und unterstützt kleine wie große Firmen. Zentrale Organisation gewährleistet Übersicht und unterstützt die Zusammenarbeit. Cloud-basierte Kollaborationsplattformen ermöglichen paralleles Arbeiten unabhängig vom Standort. Dokumente können in Echtzeit bearbeitet und geteilt werden. Klare Rechtevergaben sorgen für nachvollziehbare Zugriffe und erhalten die Kontrolle im Arbeitsprozess. Formatkonvertierungstools schaffen einheitliche Standards, etwa durch die zentrale Umwandlung verschiedener Formate in PDF. Gerade für Bilddateien ist diese Funktion besonders wichtig im Arbeitsalltag. Schnelle Suchfunktionen und Indexierung sparen Zeit bei der Informationssuche. Im Unternehmensalltag können aktuelle Daten so ohne Umwege gefunden und genutzt werden, da nicht nur Dateinamen, sondern auch Metadaten und Inhalte durchsuchbar sind. Die Datensicherung und Wiederherstellungsoptionen gehören ebenfalls dazu und sind Bestandteil einer ausgearbeiteten Organisationsstrategie.

Dokumentenstandards für bessere Zusammenarbeit

Einheitliche Dateiformate im Team bieten große Vorteile. Wer mit denselben Standards arbeitet, senkt Fehlerquellen und spart Konvertierungsaufwand. Besonders bei projektbasierten Abläufen entstehen klare Kommunikationswege und Effizienz. Die Einführung standardisierter Dokumentenformate kann Prozesse beschleunigen und die Zufriedenheit bei der Informationsbeschaffung erhöhen. Das PDF-Format ist beim Dokumentenaustausch etabliert. Unabhängig vom System oder von genutzter Software bleiben Layout und Inhalte erhalten. PDFs können durch Passwörter und digitale Signaturen geschützt werden, was sie für sensible und offizielle Unterlagen besonders geeignet macht. Die Umwandlung von Bilddateien in PDF liefert durchsuchbare Arbeitsdokumente. Texterkennung macht gescannte Belege, Notizen oder Fotos digital auffindbar. Zahlreiche Online-Tools zur Formatkonvertierung stehen ohne Installation bereit und decken viele Anwendungsfälle ab. Lösungen wie PDF24 oder iLovePDF ermöglichen die einfache Umwandlung gängiger Formate. So gelingen gelegentliche Konvertierungen schnell und ohne Schwierigkeiten. Sie ergänzen Bürosoftware und unterstützen flexible Workflows im Unternehmen.
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Orthodoxer Friedhof
Grabschändung in Kosovo: Sechs Tatverdächtige festgenommen

Pristina – Die Polizei im Kosovo hat sechs Personen, darunter fünf Minderjährige, wegen des Verdachts der Beschädigung von Grabsteinen auf einem orthodoxen Friedhof im Dorf Plemetina in der Nähe von Obilic festgenommen, wie die Behörden am Dienstag bestätigten. Der Vandalismus ereignete sich am 13. Dezember auf dem Friedhof in Plemetina, einem Dorf mit überwiegend serbischer Bevölkerung. Berichten zufolge wurden zwei Grabsteine von Mitgliedern der Familie Jakovljević umgestürzt und schwer beschädigt. Angehörige der Verstorbenen entdeckten die Beschädigungen bei einem Besuch auf dem Friedhof und meldeten sie umgehend der Polizei, woraufhin eine Untersuchung eingeleitet wurde. In einer Erklärung gab die Polizei des Kosovo bekannt, dass die Ermittler sechs Verdächtige identifiziert und festgenommen haben, von denen fünf minderjährig sind. „Die Arbeit der Ermittler führte zur Identifizierung und Festnahme von sechs Verdächtigen (fünf davon minderjährig), gegen die der begründete Verdacht besteht, dass sie an dem Vorfall beteiligt waren, der sich am 13. Dezember in Plemetina bei Obilic ereignet hat“, erklärte die Polizei. Die Verdächtigen wurden in Gewahrsam genommen und müssen sich wegen der Straftat der Schändung von Gräbern oder Grabsteinen verantworten. Berichte von Medien aus dem Kosovo, darunter KoSSev – ein Nachrichtenportal, das sich auf serbische Gemeinschaften im Kosovo konzentriert – hoben die Auswirkungen des Vorfalls auf die Anwohner hervor und beschrieben ihn als beunruhigende Tat angesichts der anhaltenden Sensibilität in Bezug auf religiöse und kulturelle Stätten in der Region. Andere kosovarische Quellen wie Telegrafi und Koha bestätigten die Festnahmen in der Gemeinde Obilic wegen Beschädigung von Friedhöfen, gaben jedoch in ihrer ersten Berichterstattung keine Angaben zur Religionszugehörigkeit der Stätte. Vorfälle von Vandalismus auf orthodoxen Friedhöfen werden im Kosovo regelmäßig gemeldet und stoßen oft auf Kritik von lokalen und internationalen Beobachtern, die sich um die interethnischen Beziehungen sorgen. Die Ermittlungen dauern an, weitere Details zu möglichen Motiven wurden nicht bekannt gegeben.
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Uigurische Literatur
Ziya Sämädis prophetischer Blick auf die Uigurenverfolgung

Von Dr. Michael Reinhard Heß Ziya Sämädi (1914-2000) gilt als einer der bedeutendsten uigurischen Dramatiker und Schriftsteller. Sein Roman Mayimxan (1965) ist vermutlich der erste uigurische Roman, dessen gedruckte Originalversion bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben ist. Seinen unbestreitbaren Rang im Pantheon der uigurischen Literatur festigte Sämädi auch vermittels weiterer „historische Romane“, durch die er dieses Genre entscheidend mitprägte, und zwar lange, bevor es auch in der historischen Heimat der Uiguren in der Volksrepublik China ab dem Ende der 1979 Jahre zu Fuß fassen begann. Geboren in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Zharkent (Ostkasachstan), kam Sämädi als junger Mann nach Zharkent und Ghulja. Obwohl er früh seinen Vater verlor und sich und seine Familie daher als Händler durchbringen musste, stieg er in den 1930er Jahren rasch zu einer zentralen Figur im uigurischen Unterrichtswesen, Theater und in der Literatur auf. Diese glänzende und vielversprechende Laufbahn wurde jedoch jäh unterbrochen, als Sämädi im Zuge einer großangelegten Säuberungswelle des nominell für die KMT-Regierung als Militärgouverneur (chinesisch 督办Dūbàn) beziehungsweise „Kommandeur der Grenzverteidigungskommission“ agierenden kapriziösen Warlords Sheng Shicai (1897-1970) im Jahr 1937 verhaftet wurde. Erst nach sieben langen und elenden Jahren durfte Sämädi im Jahr 1944 wieder die Luft der Freiheit atmen. Nach dem jähen Ende der aus der sogenannten „Dreiprovinzenrevolution“ (ab Herbst 1944) hervorgegangenen „Republik Ostturkestan“ (1944-1949) arrangierte sich Sämädi wie viele andere uigurische Intellektuelle mit der Herrschaft der Kommunisten und sah in ihr möglicherweise sogar ein gangbares Modell für die Zukunft. Doch auch diese Phase der Einbettung in staatstragende und öffentliche Strukturen nahm ein brutale Ende. Denn nach der von Mao befohlenen „Hundertblumenkampagne“ wurde Sämädi als „Rechter“ und „Nationalist“ beschuldigt. Die Folge war die Einweisung in ein Internierungslager am Rande der Taklamakan-Wüste, in dem Sämädi von Ende April 1958 bis Oktober 1960 schmachtete, bis er aufgrund seines lebensbedrohlich verschlechterten Gesundheitszustandes freigelassen wurde. Im November 1961 gelang Sämädi die Flucht ins angrenzende Kasachstan, wo er bis zu seinem Lebensende als gefeierter Schriftsteller und vor wie nach der Unabhängigkeit hochangesehener Intellektueller, Berater und Figur des öffentlichen Lebens wirkte. In der gegenwärtigen Wahrnehmung der Situation der Uiguren in der VR China unter Xi Jinping scheint die Ansicht zu dominieren, dass es Ende 2016 beziehungsweise Anfang 2017 einen jähen Bruch in der Politik der KP Chinas gegenüber den Uiguren gegeben habe. Diese Radikalisierung sei die Ursache für die seither geschehenen und gut dokumentierten systematischen Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren und andere muslimisch-turksprachige Minderheiten der VR China, denen geschätzt gut eine Million Menschen zum Opfer gefallen sind. Da diese Verfolgungswelle mit dem erkennbaren Versuch der VR-chinesischen Führung verbunden ist, die Kultur und Sprache der (als Minderheit in dem Land nichtsdestoweniger immer schon anerkannten) Uiguren zu eliminieren, hat man in diesem Kontext auch von „kulturellem Genozid“ gesprochen (zum Beispiel Sawa 2023 [2021]). Andere sparen sich die Einschränkung „kulturell“ und sprechen direkt von Völkermord. Unter anderem haben (Stand: Februar 2022) die USA, Frankreich, Kanada und die Niederlande das Vorgehen Beijings gegen die Uiguren und andere muslimische Minderheiten in Xinjiang offiziell als „Genozid“ anerkannt (Lenz 2022; Sterling/ Meijer 2022 [2021]; vgl. Pearson 2022; Defranoux 2023; Defranoux 2023 [2021]a; Friedländer 2023; Hoshur/ Lipes 2023 [2021]). Der Periodisierungsansatz, der die unbestreitbare Intensivierung der gegen Uiguren und andere autochthone turksprachig-muslimische Gruppen innerhalb der VR China gerichteten Maßnahmen ab 2016/2017 verbal eskalierend als „Genozid“ beziehungsweise „kulturellen Genozid“ etikettiert, mag als phänomenologische Diagnose und in juristischer Hinsicht zwar zutreffend sein, ist jedoch insofern problematisch, als er Tendenz haben könnte, zu suggerieren, dass die gegen dieselben Minderheiten gerichtete Praxis der VR China vor dem Beginn der Verfolgungsradikalisierung 2016/2017 etwas anderes gewesen sein könnte als kultureller Genozid. Die resultierende Wahrnehmung wäre demzufolge, dass der VR-chinesische Staatapparat vor 2016 ,netterʻ zu seinen uigurischen und sonstig turksprachigen muslimischen Staatsangehörigen gewesen sei. Demgegenüber lässt sich argumentieren, dass sich ab Ende 2016 zwar die manifesten Erscheinungsformen des Vorgehens der VR China gegen die Uiguren und andere turksprachig-muslimische Minderheiten änderte, die zugrundelegenden Prinzipien aber schon lange Zeit vorher festgezurrt waren. Genau an dieser Stelle wird die Position Ziya Sämädis interessant. Seine eingangs skizzenhaft umrissene Lebensleidgeschichte dürfte verdeutlichen, dass er in Bezug auf die Stellung der Uiguren innerhalb Chinas und insbesondere deren in verschiedenen Perioden erlittene Verfolgung über eine unbestreitbare zeugenschaftliche Kompetenz verfügt. Denn er hat nicht nur die negativen Folgen dieser diskriminierenden Politik schmerzlich erfahren, sondern bis 1937 auch die (damals noch nationalistisch-)chinesische Provinz-Kulturverwaltung Chinas, in der Zeit der „Republik Ostturkestan“ verschiedene Aspekte der Politik des Landes und von 1950 bis 1958 den Kulturbetrieb der VR China in hohen Positionen intensiv kennengelernt. Sein Wort hat nicht nur als Schriftsteller Gewicht. Die folgende Äußerung Sämädis dürfte aus dem Jahr 1989 oder kurz danach stammen. Der Schriftsteller begründet darin, warum er sein 1989 begonnenes Memoirenprojekt vorerst beiseitelegte und stattdessen den Roman „Herr Äxmät“ (Äxmät Äpändi) über Äxmätjan Qasimiy (1914-1949), den wichtigsten uigurischen Politiker während der „Dreiprovinzenrevolution“ und der Republik Ostturkestan, schrieb. Konkret nennt er als sein Hauptmotiv den Versuch der chinesischen Kommunisten, die historische Rolle Qasimiys und anderer uigurischer Figuren zu verfälschen. Terminus ante quem für das nachstehende Zitat ist in jedem Fall das Ersterscheinungsdatum von Äxmät Äpändi, 1995. Sämädi sagte zu seinem Sohn Riza um 1989 Folgendes: „Mein Sohn, als ob es nicht schon genug wäre, dass sie [sc. die Chinesen, Xitaylar – M. R. H.] sich mit Gewalt zu Herren über den heiligen uigurischen Boden und dessen unter- und oberirdische Bodenschätze aufgeworfen haben, unsere viele Jahrhunderte zurückreichende Geschichte nach ihrem Belieben verfälschen, die tapferen Söhne unseres Volks, die ihrem Vaterland und ihrer Nation in unendlicher Treue verbunden sind, umbringen oder in Gefängnisse oder Kerker sperren, die menschliche Freiheit und die Menschenrechte unserer Nation mit Füßen treten und sogar die Art, wie wir gehen und stehen, wie wir handeln und uns bewegen und unsere Worte und Reden unter strenger Kontrolle halten, kommt nun doch auch noch als Gipfel der Gemeinheit hinzu, dass sie unsere nationale Dreiprovinzenrevolution, die sie ja selber anerkannt haben, und deren Anführer und Helden aus dem Gedächtnis unseres Volkes auszuradieren versuchen.“ Interessant scheint aus heutiger Sicht insbesondere die Formulierung, dass die kommunistischen Herrscher in China „sogar die Art, wie wir gehen und stehen, wie wir handeln und uns bewegen und unsere Worte und Reden unter strenger Kontrolle halten“ (hätta žürüš-turuš, iš-härikät, gäp-sözlirini qattiq nazarät astida tutuvatqanliġi), zu sein. Fast drei Jahrzehnte vor dem Beginn der aktuellen Verfolgungswelle benennt Sämädi genau die allumfassende Kontrollwut und Herrschsucht, die hinter den aktuellen gründlichen Kontroll- und Überwachungsanprüchen des Staates steckt, und dies, obwohl damals noch niemand auch nur im Entferntesten hätte ahnen können, welche Macht zur tatsächlichen Umsetzung dieser Ansprüche dem VR-chinesischen Staat als Folge der digitalen Revolution heute an die Hand gegeben ist. In der Summe scheint es so, als ob der leidgeprüfte Sämädi das Wesen der VR-chinesischen Politik gegenüber den Uiguren wesentlich klarer zu erkennen und benennen imstande war als selbst viele Uiguren aus der VR vor 2016. Es stellt sich die Frage, ob man bis zu diesem Jahr, ab dem der radikal intensivierte Verfolgungs- und Unterdrückungscharakter dieser Politik vor den Augen der ganzen Welt unleugbar wurde, sowohl innerhalb der uigurischen Community in der VR China (und teilweise in der Diaspora) als auch in der weltweiten Öffentlichkeit nicht viel oberflächlicher und naiver war, als man es hätte sein können, wenn man auf die Warnungen erfahrener Dissidenten wie Sämädi gehört hatte. Stattdessen arrangierten sich viele Uiguren mit dem VR-chinesischen Staat, und etliche kooperieren und profitieren bis heute gerne von diesem Arrangement, während ihre Volksgenossen ihrer elementarsten Menschenrechte beraubt werden. Der sogenannten Weltöffentlichkeit einschließlich der universitären und sonstigen Bildungsinstitutionen kann man vorwerfen, wie so oft ein Problem – in diesem Fall eine menschenverachtende Ideologie und deren logische Folgen – nicht in seiner Realität als solches erfasst, sondern im Interesse des Geldes und politischer Konzessionen seitens der zur Weltmacht aufgestiegenen Volksrepublik das Beschweigen vorgezogen zu haben, bis es sich infolge der Xinjiang Police Papers nicht mehr aufrechterhalten ließ. Auch in diesem Fall hatte man nicht die historische Lektion gelernt, dass der Versuch, einen Tiger zu besänftigen, indem man ihm Fleisch hinwirft, in der Regel nicht zum Sinken des Appetits der Raubkatze führt. Die Photographie zu diesem Post stammt aus Ziya Sämädis unter dem Titel „Wille und Schicksal” (Istäk vä qismät) in Almaty erschienenen Lebenserinnerungen. Laut der Unterschrift zeigt es den Schriftsteller im Mai 1960, während einer vorübergehenden Entlassung aus der chinesischen Lagerhaft (Sämädi 2008, zwischen Seite 408 und 409).
ZUM AUTOR
PD Dr. Michael Reinhard Heß, geboren in Offenbach am Main, ist ein renommierter Turkologe, der an der Universität Frankfurt am Main Geschichte, Turkologie, Islamkunde und Griechische Philologie studierte. Nach seiner Promotion und Habilitation wirkt er seit 2005 als Privatdozent für Turkologie an der Freien Universität Berlin und hat über 130 wissenschaftliche Arbeiten verfasst, darunter Beiträge zur türkischen Literatur und Kulturgeschichte. Als Übersetzer und Gründer des Verlags Gulandot widmet er sich der Förderung türkischer Literatur in deutscher Sprache, etwa durch Werke zu Imadeddin Nasimi oder der kulturellen Bedeutung von Schuscha.
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Türkei
Türkische Kampfflugzeuge schießen Drohne über dem Schwarzen Meer ab

Ankara – Türkische F-16-Kampfflugzeuge haben ein unbemanntes Luftfahrzeug (UAV) abgefangen und zerstört, das die Kontrolle verloren hatte und sich aus Richtung Schwarzes Meer dem türkischen Luftraum näherte, wie das türkische Verteidigungsministerium am Montag mitteilte. Die Drohne wurde im Rahmen routinemäßiger Überwachungsmaßnahmen entdeckt und als „außer Kontrolle geratenes Luftziel“ identifiziert. Um mögliche Risiken für bevölkerte Gebiete oder Infrastruktur zu vermeiden, wurden NATO-zugeordnete und national kontrollierte F-16-Kampfflugzeuge zu einer Alarmmission entsandt. Die Drohne wurde laut Angaben des Ministeriums an einem sicheren Ort außerhalb von Zivilgebieten neutralisiert. Es wurden keine Details über die Herkunft, den Typ oder den genauen Ort der Abfangaktion bekannt gegeben. Der Vorfall ereignete sich inmitten eskalierender Spannungen in der Schwarzmeerregion, wo der anhaltende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu wiederholten Angriffen auf die Handelsschifffahrt geführt hat. Nur wenige Tage zuvor, am 13. Dezember, hatte eine russische Drohne das unter türkischer Flagge fahrende Frachtschiff Viva auf offener See innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone der Ukraine angegriffen. Das Schiff, das Sonnenblumenöl transportierte und mit 11 türkischen Staatsbürgern besetzt war, wurde beschädigt, setzte jedoch seine Reise nach Ägypten fort, ohne dass Opfer zu beklagen waren. Die ukrainische Marine warf Russland vor, das zivile Schiff absichtlich angegriffen zu haben, während russische Streitkräfte in den letzten Wochen Angriffe auf ukrainische Häfen durchgeführt hatten, bei denen andere türkische Schiffe beschädigt wurden. Türkische Regierungsvertreter haben wiederholt vor einer Ausweitung des Krieges auf das Schwarze Meer gewarnt und betont, dass die Sicherheit der Schifffahrt und der Handelswege geschützt werden müsse. Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete solche Vorfälle als „besorgniserregende Eskalation“ und forderte alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um zu verhindern, dass das Meer zu einem Schauplatz der Konfrontation wird. Das Verteidigungsministerium bekräftigte die Entschlossenheit der Türkei, ihren Luftraum und ihre maritimen Interessen zu schützen, und erklärte, dass die Streitkräfte weiterhin in höchster Alarmbereitschaft seien. Nach dem Abschuss der Drohne wurden keine weiteren Zwischenfälle gemeldet, und die Untersuchungen zur Herkunft des UAV dauern an. Dieses Ereignis unterstreicht die wachsenden Risiken für die regionale Stabilität, wobei die Türkei – mit der längsten Schwarzmeerküste – eine Schlüsselrolle bei den Forderungen nach Deeskalation und geschützten Schifffahrtskorridoren spielt.

Bondi Beach-Attentat
Anschlag in Australien: Muslimischer Held stoppt Angreifer

Sydney – In einem erschütternden Terrorakt, der die festliche Stimmung der Chanukka-Feierlichkeiten am berühmten Bondi Beach in Sydney zerstörte, eröffneten zwei bewaffnete Männer das Feuer auf unschuldige Strandbesucher und töteten mindestens 12 Menschen und verletzten Dutzende weitere. Doch inmitten des Chaos wendete die außergewöhnliche Tapferkeit eines Mannes das Blatt: Ahmed al Ahmed, ein 43-jähriger muslimischer Vater von zwei Kindern und Besitzer eines Obstladens, entwaffnete einen der Angreifer heldenhaft mit bloßen Händen und rettete damit wahrscheinlich unzählige Leben. Der Angriff ereignete sich am Sonntagmittag, als sich Familien und Freunde auf dem sonnenverwöhnten Sandstrand von Bondi Beach zu einer Gemeinschaftsveranstaltung anlässlich des jüdischen Chanukka-Festes versammelt hatten. Augenzeugen berichteten von einer Szene plötzlicher Hektik – Schreie durchdrangen die Luft, als zwei Angreifer, die offenbar die jüdische Versammlung ins Visier genommen hatten, Schüsse abfeuerten. „Es war wie in einem Albtraum“, sagte ein Überlebender, der anonym bleiben wollte. „Die Menschen rannten überall herum und versteckten sich hinter Sonnenschirmen und Kühlboxen.“ Die australischen Behörden stufen den Vorfall als Terroranschlag ein. Erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Schützen möglicherweise aus antisemitischem Hass gehandelt haben. Einer der Täter wurde identifiziert, Details werden jedoch bis zur offiziellen Anklageerhebung unter Verschluss gehalten. Der zweite Schütze wurde von der Polizei überwältigt, doch zuvor hatte der Angriff bereits einen hohen Blutzoll gefordert. Da kam Ahmed al Ahmed ins Spiel, ein Einwohner von Sutherland Shire libanesischer Abstammung, der gerade in der Nähe spazieren ging, als die Schießerei ausbrach. Ohne zu zögern schlich sich der unbewaffnete Vater – von seinen Angehörigen als „ruhiger Familienvater ohne militärischen Hintergrund” beschrieben – hinter einen der Schützen und rang ihn zu Boden. In einem heftigen Kampf, der teilweise auf einem Video von Umstehenden festgehalten wurde, entriss Ahmed dem Angreifer die Waffe und hielt ihn so lange fest, bis andere eingreifen konnten. Doch sein Heldentum hatte einen hohen Preis. Während Ahmed kämpfte, schoss der zweite Schütze aus einer nahe gelegenen Position und traf ihn zweimal – einmal in die Hand und einmal in die Schulter. Ahmed wurde mit starken Blutungen in ein örtliches Krankenhaus gebracht, wo er am späten Sonntagabend notoperiert wurde. Sein Cousin Mustafa sprach vor dem Krankenhaus mit Reportern, seine Stimme war vor Emotionen gebrochen. „Er kam gerade vorbei und traf eine spontane Entscheidung“, sagte Mustafa. „Er ist jetzt dort drinnen, und wir wissen nicht genau, was vor sich geht, aber wir hoffen, dass es ihm gut geht. Er ist zu 100 Prozent ein Held.“ Ahmed, ein hingebungsvoller Vater von zwei kleinen Kindern und eine feste Größe auf dem Obstmarkt seiner Gemeinde, verkörpert den unerschütterlichen Geist der einfachen Australier. „Ahmeds Handeln hat dieses Monster davon abgehalten, weitere Schüsse in die Menge abzufeuern“, fügte Mustafa hinzu. „Er hat Juden, Muslime, alle dort Anwesenden gerettet – ohne zu zögern.“ Der Vorfall wurde von Politikern und Religionsführern aller Couleur scharf verurteilt. Der australische Premierminister Anthony Albanese bezeichnete ihn als „verabscheuungswürdigen Angriff auf unser multikulturelles Gefüge“ und versprach eine umfassende Untersuchung sowie verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für religiöse Veranstaltungen. Führende Vertreter der jüdischen Gemeinde lobten Ahmeds Tapferkeit, und ein Rabbiner bemerkte: „Angesichts des Hasses hat uns dieser muslimische Bruder gezeigt, wie wahre Menschlichkeit aussieht.“ In den sozialen Medien gab es eine Welle der Unterstützung, mit Hashtags wie #AhmedTheHero, die weltweit zum Trend wurden, mit Videos von seiner mutigen Intervention und Forderungen, ihm die höchste zivile Auszeichnung des Landes zu verleihen. Während Bondi Beach unter starker Polizeipräsenz verstummt, dient die Geschichte von Ahmed al Ahmed als Leuchtfeuer der Hoffnung inmitten tiefer Trauer. In einer Nation, die oft durch Spannungen gespalten ist, erinnert uns seine selbstlose Tat daran, dass Mut keine Glaubensrichtung kennt – nur den unerschütterlichen Willen, einander zu schützen. Mit Anbruch des Morgens in Sydney werden weitere Informationen zu den Opfern und den Ermittlungen erwartet.

NEX24-Interview
Marina Bütün: Vom Osmanischen Reich ins Sudetenland

Marina Bütün wurde als Kind sudetendeutscher Eltern in Deutschland geboren und wuchs im Wittelsbacher Land in Altbayern auf. Seit mehr als 23 Jahren lebt sie mit ihrem türkischen Mann in der Türkei und schrieb bisher Bücher mit Schwerpunkt Türkei – ihre Wurzeln aber hat sie nie vergessen und jetzt wieder neu entdeckt – durch die Recherchen zu ihrem neuen Buch. Die Erlebnisse ihrer Großeltern und deren Vorfahren hat sie nun in einem fesselnden Familienroman festgehalten.
Verlorene Spuren im Egerland
Noch vor Weihnachten, am 13.12.2025 erschien ihr neues Buch “Verlorene Spuren im Egerland”, das sich einer historischen Epoche mit besonderer Aufmerksamkeit widmet. Es schildert nicht nur die historischen Entwicklungen ab etwa 1810 in dem als Sudetenland bekannten Böhmen und Mähren im heutigen Tschechien, sondern begleitet die Familiengeschichte bis in die Jahre 1945/46 und rückt dabei die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen in den Mittelpunkt – Menschen, die oft nur mit einem Koffer, einigen Dokumenten und großer Ungewissheit ihre Heimat verlassen mussten. NEX24: Wie kommt der Sprung vom Osmanischen Reich ins Sudetenland zustande? Ihr letzter Zweiteiler Die Braut aus dem Osmanischen Reich war sehr erfolgreich. Warum nun der Ausflug in eine völlig andere Welt? Bütün: Das lässt sich ganz einfach erklären: Die beiden Bände (Band 1 Osmanisches Reich, Band 2 Republik Türkei) erzählen die Lebensgeschichte der Großmutter väterlicherseits meines türkischen Mannes ab ihrer Geburt 1908 mit allen historischen Ereignissen. Das Leben unter dem Sultan, das Leben in der neuen Republik. Durch eine einzige Begegnung mit dem späteren Staatsgründer Atatürk vor ihrer Hochzeit, die aber ihren weiteren Weg bestimmen sollte, der durch den Bevölkerungsaustausch von Griechen und Türken außergewöhnlich tragisch war, ist der Schritt von dort in das ehemalige Nachbarreich Kaiser Franz Josephs gar nicht so groß. Beide Reiche besaßen zeitweise sogar eine gemeinsame Grenze. Beide wurden nach einem Weltkrieg zerrissen und Menschen vertrieben, enteignet und aus dem Land verwiesen und standen nur mit dem da, was sie tragen konnten. Obwohl ich die Mutter meines Schwiegervaters am Ende ihres Lebens persönlich kennenlernen durfte, hat mich die Auseinandersetzung mit der Geschichte meiner eigenen Familie beim Schreiben emotional deutlich stärker gefordert. Während ich bei der Osmanischen Braut am liebsten gar nicht aufgehört hätte zu schreiben, habe ich bei diesem Buch zum ersten Mal während der Arbeit Tränen vergossen. Es ging mir sehr nahe. Dabei ist mir auch bewusst geworden, warum ich die historische Beschäftigung mit dem Dritten Reich schon in der Schulzeit instinktiv abgelehnt habe – ohne dass in meiner Familie viel darüber gesprochen worden wäre. Interessant ist zudem, dass beide Reiche, trotz völlig unterschiedlicher Religionen, zahlreiche Parallelen aufweisen: Sie beherbergten verschiedene Ethnien und religiöse Minderheiten und standen zeitversetzt vor erstaunlich ähnlichen Herausforderungen. Beide Geschichten sind auf ihre Weise faszinierend.“ NEX24: Gab es denn einen bestimmten Anlass, dieses Buch gerade jetzt zu schreiben? Bütün: Ja, den gab es. Es war ein trauriger Anlass: der Tod meiner Mutter in diesem Jahr. Sie hatte eine schwere Kindheit durch Krieg und Vertreibung erlebt, später aber auch eine unbeschwertere Zeit. Kurz vor Weihnachten im Jahr 2024 erzählte sie mir noch einmal Dinge, die mich nicht mehr losließen. Die Erzählungen meiner Großeltern hatte ich ohnehin im Kopf, aber sie ergaben nie ein vollständiges Bild. Als wir nach ihrem Tod eine alte Schuhschachtel mit Fotos fanden, die sie gut versteckt hatte, war ich richtig aufgeregt. Ich dachte, ich kenne alle Bilder – doch es war nicht so. Einige waren über 100 Jahre alt. Gemeinsam mit meiner Tochter begann ich, in alten österreichischen und tschechischen Kirchenbüchern zu forschen. Nach der Beerdigung sagte ich beiläufig, man könne aus all dem vielleicht ein Buch machen. Eine meiner Tanten meinte, wir wüssten viel zu wenig darüber. Das war für mich erstrecht der Ansporn, es trotzdem zu versuchen – und es wurden über 300 Seiten.“ NEX24: 2025 jährte sich die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland zum 80. Mal. War auch dies ein Anstoß zur Veröffentlichung? Bütün: „Ehrlich gesagt: Nein. Als ich zu schreiben begann, dachte ich nicht daran. Für mich war es eine Form, meine Trauer zu verarbeiten. Erst während der Recherche stieß ich zufällig auf mehrere Artikel, nachdem ich mich in einer Ahnenforschungsgruppe auf Facebook angemeldet hatte. Deshalb beschloss ich, zusätzlich eine Seite zu erstellen, die sich mit dem Thema Vertreibung historisch befasst – ähnlich aufgebaut wie das Buch. Sie beginnt bei der Einwanderung deutscher Siedler im 12. und 13. Jahrhundert nach Böhmen und Mähren. Die kleinen historischen Beiträge dort sind unabhängig vom Buch und sollen allen dienen, die sich mit dem Thema befassen möchten. Viele wissen heute kaum noch, wo das Sudetenland lag und dass der Begriff ursprünglich aus politischen Gründen geprägt wurde.“ Als Sie geboren wurden, war der Krieg schon 15 Jahre vorbei. Spielte das Thema dennoch eine Rolle? Bütün: „Ja – ich hatte noch immer den Stempel Flüchtlingskind, obwohl ich erst Jahre später verstehen konnte, warum. Ich wuchs in einer Kleinstadt im Dreieck Ingolstadt–München–Augsburg auf. Dort lebten sehr viele Vertriebene. Bereits 1949 wurde der Ortsverein der Sudetendeutschen Landsmannschaft gegründet. Bis zum 2. Dezember 1945 waren etwa 7.000 Vertriebene und Flüchtlinge im Landkreis einquartiert, davon 700 in der Stadt. Bis Ende 1946 kamen weitere 8.706 hinzu – darunter 2.048 in der Stadt. Insgesamt also rund 15.700 Menschen allein in den Jahren 1945/46. Meine Großeltern und deren Freunde unterschieden noch lange zwischen „Bayern“ und „Flüchtlingen“ – sie bezeichneten sich selbst so. Und so war auch ich automatisch ein Flüchtlingskind. Im Kindergarten bekam ich das noch deutlich zu spüren. Einmal musste ich grundlos Ohrfeigen einer Klosterschwester einstecken, die alles abstritt und mir im Beisein meiner Großmutter ein Bonbon gab. Bei der Hochzeit einer Kindergärtnerin durfte ich trotz guter Singstimme nicht nach vorne – dort standen die Kinder der örtlichen Geschäftsleute. Auch in der zweiten Klasse behandelte mich eine ältere Lehrerin anders, als sie sollte. Es war eine schwierige Zeit, aber nicht zu vergleichen mit dem Leid meiner Mutter oder ihrer Geschwister.“ NEX24: Wie sah Ihr Freundeskreis der Kindheit dann damals aus? Bütün: „In unserer Straße lebten viele Flüchtlingsfamilien mit Kindern in meinem Alter. An diese Zeit erinnere ich mich gern. Eine damalige Freundin ist heute die Frau des Bürgermeisters der Stadt. Ihren schönen Puppenwagen durfte ich manchmal fahren – das habe ich nie vergessen. Dass sie später jenen Jungen heiraten würde, der damals im gleichen Haus wohnte und den auch ich vom Sehen kannte, erfuhr ich erst viele Jahre später aus der Zeitung – da lebte ich schon in der Türkei. Beide stammen ebenfalls aus Vertriebenenfamilien. Leider verloren wir nach der Kindheit den Kontakt. NEX24: Änderte sich der Umgang im Laufe der Zeit? Bütün: „Ja, vermutlich durch unseren Umzug. Ende der 1960er Jahre baute mein Opa kurz vor seiner Rente ein Haus im nächsten Dorf. Dort waren die Menschen sehr freundlich. In dem neuen Baugebiet fanden wir schnell Anschluss, und im Dorf spielte die Bezeichnung ‚Flüchtling‘ keine Rolle mehr. Nur im Wortschatz meiner Großeltern blieb das Wort noch lange bestehen. NEX24: Wie wirkten die Folgen der Vertreibung in Ihrer eigenen Familie nach?“ Bütün: Das ist ein schwieriges Kapitel. Wie in vielen Familien wurden die schönen Zeiten erzählt, die dramatischen Erlebnisse des Krieges und der Vertreibung hingegen oft verschwiegen. Kinder wie meine Mutter, die damals noch keine zwölf Jahre alt waren und alles bewusst erlebten, trugen ein Leben lang ein Trauma mit sich. Sie sprachen wenig darüber – oder erst sehr spät. Manches war verdrängt, anderes überdeutlich präsent. Die älteren Generationen, wie meine Großeltern, schwiegen bewusst. Über Hitler wurde in der großen Familie kaum oder nur abwertend gesprochen. Auch das beschreibe ich im Buch ausführlich. Beim Sichten der Fotos wurde sichtbar, dass es Menschen gab, von denen nur ich wusste – weil ich von Geburt an von meinen Großeltern betreut wurde und meine Großmutter mir vieles erklärt hatte. Etwa Brüder meiner Großeltern, die nicht aus dem Krieg zurückkamen, oder ein Bruder meines Großvaters, der aufgrund eines Familienstreits nie erwähnt wurde. Einige ältere Familienmitglieder, die die Vertreibung selbst erlebt hatten, kannten sie gar nicht mehr. Das war ein weiterer Grund, dieses Buch zu schreiben. Ich bin wohl eine der Letzten unserer Familie, die all das noch weiß.“ NEX24: Was möchten Sie den Lesern zu ihrem Buch abschließend noch sagen? Bütün: Ich habe das Buch zwar für die Nachkommen unserer Familie geschrieben, insbesondere für alle Enkelkinder die eines Tages fragen werden, aber keiner mehr da sein wird, der es ihnen so erzählen kann. Aber – für mich ist generell etwas überaus wichtig – in einer Zeit, in der historische Gewissheiten zunehmend verblassen, leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag zur Bewahrung gemeinsamer Erinnerung, auch gerade für diejenigen, die von ihren Vorfahren überhaupt nichts erfahren konnten. Es soll auch Mut machen, vielleicht ein wenig nachzuforschen. Als ich anfing mit dem Buch, hatte ich ausser dem Namen und dem Geburtsdatum eines einzigen Urahnen, dem Opa meiner Mutter gar nichts. Als ich fertig war, hatte ich, gezählt ab meinem Enkel, die siebte Generation von beiden Elternteilen meiner Mutter um das Jahr 1790 entdeckt. Mein Buch „Verlorene Spuren im Egerland“ macht sichtbar, wie sehr Geschichte im Privaten weiterlebt – und wie wichtig es ist, die Stimmen der Vergangenheit zu hören, bevor sie für immer verstummen. Was mir noch sehr wichtig ist, mein Buch ist keine versteckte Anklage – denn es ist unablässlich, dass eine Versöhnung der beteiligten Staaten standfindet und das scheint – trotz der schlimmen Ereignisse von damals – geglückt zu sein. In einem Beitrag eine deutschsprachigen tschechischen Zeitung wurde kürzlich darauf hingewiesen, welch historischen Charakter der kommende Sudetendeutsche Tag besitzt: Er soll erstmals nicht in Deutschland, sondern in der Tschechischen Republik stattfinden – und zwar in Brünn. Die Zeitung betont, dass dieser Schritt noch vor wenigen Jahrzehnten kaum denkbar gewesen wäre. Dass ausgerechnet Brünn, eine Stadt, die selbst stark von den Ereignissen der Zeit geprägt wurde, nun Gastgeber ist, werte man dort als ein wichtiges Zeichen der Annäherung und des offenen Dialogs. Der geplante Begegnungsrahmen sei, so die Prager Zeitung, weniger Ausdruck politischer Symbolik als vielmehr ein Angebot, sich der gemeinsamen Geschichte respektvoll zu nähern und neue Formen des Miteinanders zu finden.  
Ein Beitrag zur Erinnerungskultur
Das Buch zeigt eindrücklich, wie eng private Lebensgeschichten und große Politik miteinander verflochten sind. Es rekonstruiert Fluchtwege, beleuchtet regionale Besonderheiten und macht durch Zeitzeugenberichte und Familienüberlieferungen sichtbar, wie tief der Verlust von Heimat in den folgenden Generationen verankert blieb. Zugleich zeigt es, wie viel Mut, Anpassungsfähigkeit und Kraft die Vertriebenen beim Aufbau eines neuen Lebens brauchten. Auch 80 Jahre nach den Ereignissen bleibt die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit wichtig. Das Buch versteht sich deshalb als Beitrag zur historischen Erinnerungskultur – und als Einladung, die Geschichten der eigenen Familie nicht verstummen zu lassen. Bücher der Autorin (Auswahl):
  • Verlorene Spuren im Egerland: Ein sudetendeutscher Familienroman über Heimat, Verlust und Vertreibung (1810 – 1946) (Link)
  • Ratgeber Auswandern Türkei: Wegweiser für Auswanderer und Rückkehrer (Link)
  • Weißwurst mit türkischem Tee: Auswandern in die Türkei für Anfänger (Link)
  • Die Braut aus dem Osmanischen Reich: Unter der Obhut des Sultans (1908 -1922) (Link)
 
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– Ausstellung in Frankfurt – Traditionelle Kunstform: Die türkische Keramikmalerei

NEX24-Interview mit der Kunstpädagogin Ayşe Kurt. Am 1. Juni findet im Türkischen Kulturzentrum in Frankfurt am Main eine Keramikmalerei-Ausstellung statt.

Traditionelle Kunstform: Die türkische Keramikmalerei

Osmanischer Friedhof
Friedhofschändung in Griechenland: Urteile sorgen für Kritik

Xanthi/İskeçe – Im Prozess um die 2022 durch Baufahrzeuge der Stadtverwaltung von Balustra (Avdira) verursachte Zerstörung des historischen türkisch-muslimischen Friedhofs im Dorf Horozlu in Nordostgriechenland wurde am Freitag (12. Dezember) nur einer von vier Angeklagten verurteilt. Der für die Reinigungsdienste zuständige stellvertretende Bürgermeister erhielt wegen seiner Verantwortung eine auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von neun Monaten. Die drei weiteren Beschuldigten wurden freigesprochen. Der Fall wurde von den damaligen Abgeordneten Hüseyin Zeybek und Burhan Baran angezeigt, die auf die Vernichtung eines bedeutenden kulturellen Erbes der türkischen Minderheit in Westthrakien hingewiesen hatten. Zeybek kritisierte nach der Urteilsverkündung, die Entscheidung befriedige das Gerechtigkeitsempfinden nicht, da die Hauptverantwortlichen ohne Konsequenzen geblieben seien. Baran betonte, die Strafe könne den Verlust nicht ungeschehen machen, sehe jedoch in der gerichtlichen Feststellung einer „historischen Zerstörung“ einen wichtigen Schritt. Die Nachricht von der Zerstörung des historischen Friedhofs aus osmanischer Zeit sorgte bei Mitgliedern der türkischen Minderheit damals für heftige Proteste. Der griechische Historiker Georgios Mpatzakidis, der sich für den Schutz von historischen Denkmälern aus osmanischer Zeit einsetzt, erklärte nach der Zerstörung des Friedhofs 2022: „Das hier ist ein alter Friedhof, ein türkischer Friedhof. Wir sehen hier, dass zahlreiche Fälle von Vandalismus vorliegen. Mit welcher Genehmigung das gemacht wurde, wissen wir nicht. Vor 6,7,8 Monaten waren schon einmal Baufahrzeuge hier, um Ausbesserungen vorzunehmen. Darüber hatten wir eine Mitteilung erhalten und daher gelang es uns die Zerstörung zu verhindern. Was wir heute hier sehen, ist die Fortsetzung von damals. Es ist eine bedrückende Sache. Das ist nicht mit den Werten einer zivilisierten Gesellschaft vereinbar. Diese Angelegenheit ist mit dem Wert des Respekts vor der Kultur nicht vereinbar. Gleichzeitig passt es nicht in die multikulturelle Stadt von İskeçe/Xanthi.“ Kemal Bölge
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– Gaza-Krieg – Griechenland: Hafenarbeiter behindern Waffentransport nach Israel

Hafenarbeiter in Griechenland haben die Verschiffung eines für Israel bestimmten, mit Munition gefüllten Containers blockiert

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Energiepolitik
Die globale Energiewende: Das Comeback der Kernenergie

Von  Serge Nussbaumer

Die globale Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Jahrzehntelang galt die Kernenergie als Auslaufmodell: Sie war zu teuer, zu riskant und politisch unerwünscht.

Doch mit der zunehmenden Elektrifizierung und dem wachsenden Energiehunger durch Digitalisierung, Elektromobilität und Industrieproduktion wird deutlich: Wind und Sonne allein können keine stabile, CO₂-arme Stromversorgung garantieren. Die derzeitigen Speicherlösungen reichen nicht aus und fossile Energieträger verlieren klimapolitisch weiter an Legitimation.

In diesem Spannungsfeld erlebt die Kernenergie ein Comeback. Weltweit planen über 20 Staaten den Neubau oder die Reaktivierung von Reaktoren. Besonders gefragt sind Small Modular Reactors (SMRs): kompakte, standardisierte Anlagen, die sicherer sind und geringere Baukosten haben.

Länder wie Frankreich, Kanada, Polen und Südkorea setzen auf diesen Technologiesprung, während die USA milliardenschwere Förderprogramme für nukleare Innovationen auflegen. Auch in Europa formiert sich eine pragmatischere Haltung, und selbst in Deutschland werden die Stimmen lauter, die eine Neubewertung fordern.

Der technische Fortschritt und der geopolitische Druck hinsichtlich der Energieunabhängigkeit treiben zugleich den Uranmarkt. Die Preise für das Spaltmaterial haben sich seit 2020 mehr als verdoppelt.

Produzenten wie Cameco (Kanada) oder Kazatomprom (Kasachstan) profitieren davon, während Explorationsunternehmen in Australien, Namibia und Kanada neue Projekte anstoßen. Für Investoren trägt Uran wieder Züge eines strategischen Rohstoffs.

Ob Kernenergie tatsächlich das Rückgrat einer klimaneutralen Zukunft sein wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar, ohne sie wird die Energiewende schwieriger, teurer und riskanter. Die Frage, ob die nächste Phase der Transformation technisch geführt oder politisch blockiert wird, bewegt sich zwischen Ideologie und Realismus.


Serge Nussbaumer, Head of Public Solutions bei Maverix Securities    

ZUM THEMA

– Energiepolitik – Türkei plant Kauf von US-Atomreaktoren

Die türkische Regierung führt Gespräche mit den USA über den Kauf kleinerer Kernreaktoren, da das Land sich schrittweise von Kohle als Energielieferant abwenden will.

„Es besteht ein ernsthaftes Interesse an der Kernenergie als Ersatz für Kohlekraftwerke“, sagte Justin Friedman, leitender Berater für kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit in der Kernenergie im US-Außenministerium, am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg in Ankara. Friedman sagte, dass bis zu 35 kleine modulare Reaktoren (SMR) gekauft werden könnten, und verwies auf die türkischen Bestrebungen, bis 2050 eine Stromerzeugungskapazität von 20 Gigawatt aus Kernkraft zu erreichen.
Türkei plant Kauf von US-Atomreaktoren

Ms Rachel
Zionismus: Todesdrohungen gegen Youtuberin Rachel Griffin Accurso

New Yok – In einer erschreckenden Eskalation von Online-Belästigungen hat die beliebte Pädagogin und Youtuberin Rachel Griffin Accurso, weithin bekannt als Ms. Rachel, bekannt gegeben, dass sie sich gezwungen sah, private Sicherheitskräfte für ihre Familie anzuheuern, nachdem sie einer Flut von Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen durch eine pro-israelische Interessengruppe ausgesetzt war. Die 39-jährige Pädagogin, deren sanfte Lieder und interaktive Videos Millionen von kleinen Kindern weltweit begeistern, berichtete am Donnerstag in einer emotionalen Instagram-Erklärung von ihren Qualen und hob dabei die tiefgreifenden Auswirkungen auf ihr Privatleben und ihre beiden kleinen Söhne hervor. „Ich hätte nie gedacht, dass meine Stimme für die Kinder dieser Welt zu so etwas führen würde“, schrieb Accurso in ihrem Beitrag, begleitet von einem Foto, auf dem sie eines ihrer Kinder im Arm hält. „Wir haben Drohbriefe, Anrufe und Nachrichten erhalten, die uns um unsere Sicherheit fürchten lassen. Mein Sohn hat zufällig mitbekommen, wie wir darüber gesprochen haben, und hat die ganze Nacht geweint und meine Hand festgehalten, weil er Angst hatte, dass mir etwas zustoßen könnte.“ Auslöser für die Drohungen war Accursos lautstarke Fürsprache für palästinensische Kinder während der anhaltenden Militäroperationen Israels im Gazastreifen. In den letzten Monaten nutzte sie ihre Plattform – mit über 10 Millionen YouTube-Abonnenten und Milliarden von Aufrufen –, um auf die humanitäre Krise aufmerksam zu machen, unter anderem durch Gebete für die Kinder im Gazastreifen und Spendenaktionen für Hilfsorganisationen. In einem ergreifenden Video rezitierte sie unter Tränen ein Gebet: „Bitte hört auf, ihnen wehzutun“, in Anspielung auf den gemeldeten Tod Tausender palästinensischer Kinder. Diese Bekundungen von Mitgefühl, betont sie, entspringen ihrem Engagement, ihrem jungen Publikum Inklusivität und Anti-Hass-Prinzipien zu vermitteln, und nicht etwa politischen Motiven.
Wer ist Ms. Rachel?
Rachel Griffin Accurso eroberte während der COVID-19-Pandemie mit ihrem YouTube-Kanal „Songs for Littles“ die digitale Szene. Dort spielt sie die Rolle von Ms. Rachel – einer fröhlichen Lehrerin, die Gebärdensprache verwendet und Babys und Kleinkindern durch rhythmische Lieder, Puppenspiel und spielerisches Lernen dabei hilft, Sprachkenntnisse aufzubauen. Als ehemalige Vorschullehrerin mit einem Master-Abschluss in Musikpädagogik der Vanderbilt University legt Accurso in ihren Inhalten den Schwerpunkt auf Emotionsregulation, Vielfalt und Freundlichkeit, was bei erschöpften Eltern weltweit großen Anklang findet. Ihr Kanal ist zu einem globalen Phänomen geworden und hat ihr Auftritte in Shows wie Sesame Street und Partnerschaften mit großen Marken eingebracht. Accurso, die mit einem Musikerkollegen verheiratet ist und zwei Söhne hat (von denen einer sie zu ihrer Ausrichtung auf Kleinkinder inspirierte), positioniert sich seit langem als neutrale, kindzentrierte Persönlichkeit. „In meiner Arbeit geht es darum, jedem Kind eine Stimme zu geben, egal woher es kommt“, sagte sie 2023 in einem Interview mit dem Magazin Parents.
Die Gegenreaktion: Von Empathie zu Vorwürfen des  Antisemitismus
Accursos Probleme begannen letzten Monat, als die pro-israelische Überwachungsgruppe StopAntisemitism sie für ihre jährliche Auszeichnung „Antisemit des Jahres“ nominierte. In der Nominierung wurde ihr vorgeworfen, „Hamas-nahe Propaganda” zu verbreiten, indem sie die Notlage palästinensischer Familien hervorhob und Israels Bombardierung des Gazastreifens kritisierte, die laut den Gesundheitsbehörden in Gaza zu über 40.000 Todesfällen geführt hat, darunter eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Kindern. Die Direktorin von StopAntisemitism, Liora Rez, eskalierte die Kampagne, indem sie einen Brief an die US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi schrieb und eine Untersuchung durch die Bundesbehörden forderte, um zu klären, ob Accurso von der Hamas „bezahlt” wurde und damit gegen das Gesetz zur Registrierung ausländischer Agenten (FARA) verstieß. Kritiker der Gruppe, darunter auch Accurso, argumentieren, dass solche Etikettierungen Vorwürfe des Antisemitismus als Waffe einsetzen, um abweichende Meinungen zu Israels Politik zum Schweigen zu bringen – eine Taktik, die von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International als eine Form der „Verleumdungskampagne“ gegen pro-palästinensische Stimmen verurteilt wird. Accurso, die jüdische Familienmitglieder hat, betonte in ihrer Erklärung, dass ihre Unterstützung für Gaza nicht antijüdisch, sondern pro-menschlich sei:
„Ich habe so viel Mitgefühl für eine israelische Mutter, die darauf wartet, dass ihr Kind nach Hause kommt, und ich habe so viel Mitgefühl für die Menschen in Gaza, die ihre Familien verlieren.”
Die Bemühungen der Gruppe gingen über Nominierungen hinaus: Sie überschütteten die Medien mit unbegründeten Behauptungen und setzten Accursos Geschäftspartner unter Druck, ihre Beziehungen zu ihr abzubrechen. Medien wie die New York Post verstärkten diese Darstellung und veröffentlichten Artikel, in denen sie ihre Motive trotz fehlender Beweise in Frage stellten. Accurso beschrieb die Folgen als verheerend: „Sie haben versucht, unser Leben zu ruinieren, unsere Partner dazu zu bringen, uns fallen zu lassen, und uns ohne Beweise schwerer Verbrechen zu beschuldigen.“ Eine Welle der Unterstützung Accursos Enthüllung hat eine heftige Gegenreaktion gegen StopAntisemitism ausgelöst, wobei sich Social-Media-Nutzer, andere Kreative und Aktivisten zu ihrer Verteidigung zusammengeschlossen haben. Hashtags wie #StandWithMsRachel und #ProtectTheChildren waren auf X (ehemals Twitter) und Instagram im Trend und erzielten Millionen von Aufrufen. Prominente Stimmen, darunter die Schauspielerin Alyssa Milano und die Autorin Roxane Gay, verurteilten die Drohungen als „als Aktivismus getarntes Mobbing“. Eltern überschütteten die Kommentarbereiche mit Dankesbotschaften und erzählten, wie Rachels Videos ihnen in schwierigen Zeiten Trost gespendet hatten. „Sie lehrt unsere Kinder, in einer Welt, die alles andere als freundlich ist, freundlich zu sein”, schrieb eine Mutter. Die Spendenaktionen für Gaza, die Accurso aufgrund der Kritik vorübergehend ausgesetzt hatte, erlebten einen Aufschwung, da Fans in ihrem Namen spendeten. StopAntisemitism hat auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu den Sicherheitsbedrohungen nicht reagiert, aber in einer Erklärung auf seiner Website verteidigte die Gruppe ihre Mission als „Aufdeckung von Antisemitismus in all seinen Formen“. Accurso verspricht unterdessen, ihre Arbeit unbeirrt fortzusetzen. „Ich werde weiterhin für die stimmlosen Kinder sprechen, denn das ist die Aufgabe einer Lehrerin“, schloss sie ihren Beitrag. Da die Grenzen zwischen Online-Engagement und realen Gefahren zunehmend verschwimmen, erinnert Accursos Geschichte eindringlich an die Gefahren, denen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausgesetzt sind, die festgefahrene Narrative in Frage stellen. Vorerst bleibt die Familie unter Schutz und hofft, dass der Sturm vorüberzieht, damit Rachel wieder das tun kann, was sie am besten kann: einer Generation, die Hoffnung braucht, Schlaflieder singen.

Kryptowährungen
Auf der Suche nach Anbietern, die Bitcoin akzeptieren: Das sind die Vorteile

Der Bitcoin hat sich längst von einem reinen Investment- und Spekulationsobjekt zu einer ernstzunehmenden Zahlungsmethode entwickelt. Das ist auch der Grund, warum sich immer mehr Unternehmen, angefangen von internationalen E-Commerce-Marken bis zu lokalen Dienstleistern, für Kryptowährungen geöffnet haben. Doch warum entscheiden sich Firmen überhaupt dafür, Bitcoin als Zahlungsmethode zu akzeptieren? Schließlich gibt es ja viele andere Wege, um Geld zu transferieren. Doch bei genauerer Betrachtung wird klar, dass der Bitcoin den einen oder anderen Vorteil mit sich bringt, der einzigartig ist.
Bitcoin als moderne Zahlungsmethode
Wer sich auf die Suche nach Unternehmen begibt, die den Bitcoin akzeptieren, der wird schnell ein Muster erkennen: Häufig sind es Anbieter, die technologisch aufgeschlossen sind und ihren Kunden bewusst moderne Alternativen anbieten möchten. Zahlungen in der Kryptowährung Bitcoin haben in den vergangenen Jahren nicht nur an Popularität gewonnen, sondern auch an Stabilität. Da klassische Online Zahlungsmethoden, dazu gehören etwa Kreditkarten, PayPal oder Überweisungen, teilweise hohe Gebühren verursachen, lange Abwicklungszeiten aufweisen oder starke regionale Einschränkungen haben, wird stets der Bitcoin als attraktive Ergänzung gewählt. Zugleich hat sich eine völlig neue Zielgruppe entwickelt, die bewusst nach Shops, Dienstleistern und Plattformen sucht, die Zahlungen mit Kryptowährungen akzeptieren. Für diese Nutzer zählt vor allem die unkomplizierte Abwicklung: Eine Zahlung mit Bitcoin ist innerhalb weniger Minuten bestätigt, unabhängig von Landesgrenzen oder Banköffnungszeiten. Für den Verbraucher entsteht ein Gefühl von Freiheit, vor allem auch, weil die Transaktion anonym bleibt. Das erklärt auch, wieso viele Online Casinos mit guter Coinpoker Erfahrungen und Bewertung Bitcoin und Co. als Zahlungsmethode akzeptieren. Denn die Online Glücksspielbranche hat verstanden, dass Anonymität und Sicherheit zwei wesentliche Punkte sind, wie man Leute gewinnen kann. Es gibt kaum noch neue Online Casinos, die auf Bitcoin oder andere Kryptowährungen verzichten.
Geringere Gebühren und schnellere Abwicklung
Einer der größten Vorteile für Unternehmen, die den Bitcoin akzeptieren, liegt im Bereich der Transaktionskosten. Während Kreditkartenanbieter oder Zahlungsdienstleister oftmals mehrere Prozent pro Zahlung verlangen, sind Gebühren bei Bitcoin im Normalfall wesentlich geringer. Auch Konsumenten profitieren von den niedrigeren Gebühren, denn niedrigere Kosten geben Unternehmen häufig als günstigere Preise oder bessere Angebote weiter. Hinzu kommt auch die Geschwindigkeit. Wer schon einmal größere Summen per internationaler Überweisung verschicken wollte, der weiß, dass das Geld mehrere Tage unterwegs sein kann. Die Transaktion mit der Kryptowährung Bitcoin ist hingegen meist innerhalb weniger Minuten vollständig abgewickelt. Das macht die Kryptowährung besonders in globalen Geschäftsbeziehungen attraktiv.
Hohe Sicherheit: Ein Vorteil für beide Seiten
Sowohl Kunden als auch Anbieter profitieren von der Sicherheitsarchitektur, die die Blockchain mit sich bringt. Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin sind kryptografisch abgesichert und können nicht rückgängig gemacht oder manipuliert werden. Das schützt Händler vor Betrugsversuchen, etwa dem klassischen „Chargeback“, bei dem eine Zahlung von Seiten des Kunden nachträglich storniert wird. Für den Konsumenten entsteht ebenfalls ein Plus an Sicherheit: Der Kunde bleibt anonym und da keine sensiblen Bankdaten hinterlegt werden müssen, sinkt das Risiko von Datendiebstählen, Hacks oder Phishing Angriffen. Der Kunde zahlt direkt aus seinem Wallet und behält damit die volle Kontrolle über seine Informationen.
Mehr Unabhängigkeit und internationale Reichweite
Der Bitcoin ist universell. Ganz egal, ob man in Europa, den USA oder Asien kauft: Die Zahlungsabwicklung funktioniert überall gleich. Das ist ein enormer Vorteil, der nicht nur von Reisenden genutzt wird, sondern auch von internationalen Käufern, die bei Anbietern aus anderen Ländern bestellen wollen, ohne sich mit Währungsumrechnungen herumschlagen zu müssen. Unternehmen wiederum öffnen sich damit einem globalen Markt. Denn sie können neue Kunden aus Regionen erreichen, in denen herkömmliche Zahlungsmethoden kaum verbreitet sind oder zu hohe Gebühren verursachen. Vor allem im digitalen Handel bedeutet das eine deutliche Erweiterung der wirtschaftlichen Reichweite.
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– Airlines News – Türkei: Pegasus kauft tschechische Fluggesellschaft Czech Airlines

Der Deal, der beide Fluggesellschaften sowie deren Verbindlichkeiten und Forderungen umfasst, ist ein wichtiger Schritt in der globalen Wachstumsstrategie von Pegasus

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