Der Angriff auf den Journalisten der Nachrichtenagentur Ihlas Haber Ajans (IHA) Mustafa Uslu in Dilova/Kocaeli stößt auf scharfe Kritik der türkischen Regierung und der im Parlament vertretenden Parteien.
Der Reporter war am Dienstag bei Recherchen zu den Abrissarbeiten auf dem illegal errichteten Gutshof des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der IYI Partei, Lütfü Türkkan, von vier Personen körperlich angegriffen und verprügelt worden. Nach dem tätlichen Angriff wurde Uslu in ein Krankenhaus eingeliefert.
Die Nachrichtenagentur IHA erklärte nach dem Vorfall, bei den vier Angreifern handle es sich um Mitarbeiter des Politikers, bei dem einer sein Fahrer sei. Vier Verdächtige wurden nach Eintreffen der Gendarmerie festgenommen. Bei drei der vier Beschuldigten wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt und unter Auflagen freigelassen. Gegen den vierten Verdächtigen erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl.
Der Journalist erklärte nach dem Angriff: „Sie sagten zu mir Dinge wie ‘Wir schlagen dich und deine Drohne kaputt’. Da hatten sie bereits angefangen, auf mich einzuschlagen. Obwohl ich auf dem Boden lag, traten sie weiter auf mich ein.“
Kommunikationsdirektor Altun: Angriff ist Barbarei
Der Kommunikationsdirektor des Präsidialamts, Fahrettin Altun, verurteilte die Prügelattacke auf den Journalisten in deutlicher Form. „Ich wünsche dem IHA-Reporter Mustafa Uslu baldige Genesung, der während seiner Arbeit angegriffen und schwer verprügelt worden ist. Wir verurteilen diese Barbarei.“
Türkischer Journalistenverband fordert gerechte Bestrafung der Täter
Deutliche Kritik kam auch vom Vorstand des Türkischen Journalistenverbands (TGC), der die Prügelattacke auf den Medienvertreter ebenfalls verurteilte.
„Gerade jetzt macht die Türkei eine schwierige Zeit durch und es wird mit unterschiedlichen Mitteln versucht, die Journalisten an der Ausübung ihres Berufes zu hindern. Das jüngste Beispiel ereignete sich in der Ortschaft Dilova/Kocaeli. Wir wünschen dem beim Angriff verletzten Mustafa Uslu, dem auch seine Kamera und Ausrüstung zerstört wurde, baldige Genesung.“
Der Journalistenverband forderte eine gerechte Bestrafung der Täter.
Kemal Bölge/Kocaeli
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Türkisch und Griechisch an Schulen: Grüne und Union lehnen SPD-Forderung ab
Die schwarz-grüne Mehrheit in Hessen hatte in der vergangenen Woche einen Antrag der SPD, Türkisch und Griechisch als Fremdsprachen zu unterrichten, abgelehnt. Polnisch, Chinesisch, Portugiesisch und Arabisch sollen jedoch unterrichtet werden. Das sorgt für Unmut in der türkeistämmigen Community.
Ein führender PKK-Terrorist, Ulaş Doğan, ist bei einem Luftangriff am 13. Juni im Nordirak getötet worden. Berichten zufolge galt er als einer der meistgesuchten PKK-Terroristen, der auf der Fahndungsliste von Interpol und des türkischen Innenministeriums (Kategorie Rot) aufgeführt war.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen soll er verantwortlich sein für blutige Anschläge auf Zivilisten und türkische Sicherheitskräfte, bei dem Dutzende Menschen ihr Leben verloren hätten.
Der PKK-Anführer habe Terroranschläge auf türkische Einrichtungen im Nordirak angeordnet. Wie die türkische Zeitung Sözcüberichtet, wurde der Extremist am 13. Juni in der nordirakischen Ortschaft Kaladize/Suleimaniya durch einen gezielten Luftangriff außer Gefecht gesetzt. Ein veröffentlichtes Foto zeigt einen ausgebrannten Pick-up, was auf einen Luftangriff mit einer Angriffsdrohne schließen lässt.
(Screenshot/Twitter)Verteidigungspolitikexperte Oğuz: Die Art und Weise der Operation deutet auf Angriffsdrohnen hin
Der Experte für Verteidigungspolitik, Turan Oğuz, hält es nach Auswertung der veröffentlichten Bilder für sehr wahrscheinlich, dass der Terroristen-Anführer durch einen gezielten Drohnenangriff des türkischen Geheimdienstes getötet wurde.
Zur Ausschaltung betonte Oğuz:
„Man sollte diesen Sachverhalt im Zusammenhang mit den anderen durchgeführten Fällen sehen. Diese Operation ist im Rahmen der Möglichkeiten des MIT erfolgt. Die Schlussfolgerung besteht darin, dass die Aktion durch bewaffnete Drohnen durchgeführt wurde. Sowohl das Einschlagsfeld als auch die begrenzte Wirkung im Umkreis deuten darauf hin. Ich persönlich glaube an den Einsatz von Angriffsdrohnen. Anders ausgedrückt, bei dieser Operation sind Aufklärungs- und Angriffsdrohnen des MIT zum Einsatz gekommen“, so der Experte für Verteidigungspolitik.
Sicherheitsbehörden erhielten Hinweise auf bevorstehende Terroranschläge
Die türkischen Sicherheitsbehörden hatten nach dem Zeitungsbericht Hinweise, dass die PKK als Reaktion auf die Liquidierung ihrer Anführer in Syrien und im Irak Doğan damit beauftragt haben soll, Informationen über türkische Staatsbürger im Nordirak zu sammeln und dieser in Vorbereitung von Anschlägen gewesen sei. Die Ortschaft Kaladize im Nordirak ist etwa 115 km von der türkischen Grenze entfernt. Die separatistische PKK, die neben der Türkei auch in den USA und der EU als terroristische Organisation geführt wird, ist für den Tod von etwa 40.000 Menschen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, verantwortlich.
Kemal Bölge/Ankara
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Der Weddinger Umzugshelfer Mehmet A. (24) steht wegen Beteiligung an einem Brandanschlag auf einen Türkischen Bildungsverein vor Gericht. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Haft.
Wiesbaden – Die schwarz-grüne Mehrheit in Hessen hatte in der vergangenen Woche einen Antrag der SPD, Türkisch und Griechisch als Fremdsprachen zu unterrichten, abgelehnt. Polnisch, Chinesisch, Portugiesisch und Arabisch sollen jedoch unterrichtet werden. Das sorgt für Unmut in der türkeistämmigen Community.
Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser hält das für „nicht hinnehmbar“, wie sie am Dienstag sagte. Die SPD-Politikerin bezeichnete es als absurd, wenn die im Alltag meistgesprochene Fremdsprache Türkisch auf der Strecke bleibe. Sie kündigte an, den abgelehnten Antrag immer wieder einzubringen. Es wäre wichtig gewesen Türkisch einzuführen und somit den Menschen zu sagen, dass sie dazugehören und ein Teil der Gesellschaft sind, so Faeser.
Den Antrag der SPD, dass neben Arabisch auch andere häufig gesprochene Herkunftssprachen wie Türkisch und Griechisch dauerhaft als zweite oder dritte Fremdsprache und versetzungsrelevantes Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden Schulen im Regelunterricht angeboten werden, lehnten Grüne, AfD und CDU ab. Die SPD, die Linke und die FDP stimmten dafür.
SPD-Integrationspolitiker Turgut Yüksel in einer Stellungnahme:
Ich bedauere sehr, dass Schwarzgrün diesbezüglich zu zaghaft ist und die Nachfrage der Schülerinnen und Schüler ignoriert, indem scheinbar willkürlich bestimmte Sprachen gefördert werden. Den Bemühungen beim Ausbau von Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch und Polnisch steht leider entgegen, dass die Förderung von klassischen Gastarbeiter-Sprachen wie Türkisch und Griechisch völlig ausgeblendet wird.
Wie die Tageszeitung Gießener Allgemeine(GA) berichtet, fordern viele Verbände, darunter die Türkische Gemeinde Hessen, die Einführung des Türkischunterrichts als zweite und dritte Fremdsprache. Eine Petition, die Arif Arslaner, Geschäftsführer des Frankfurter Bildungsträgers Kubi (Gesellschaft für Kultur und Bildung) und andere vor drei Jahren betrieben, sammelte demnach mehr als 20 000 Unterschriften ein. Verwirklicht wurde sie nicht. „Seit Jahren werden wir vertröstet“, zitiert GA Arslaner. Die Entscheidung, nun andere Sprachen anzubieten, löse bei vielen türkeistämmigen Menschen Empörung aus. „Sie verstehen das so, dass sie hier nicht willkommen sind.“
Ankara – Im November vergangenen Jahres teilte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Entwicklung eines eigenen Impfstoff mit. Am heutigen Dienstag kündigte Erdogan nun an, dass in einem Krankenhaus in Ankara die dritte Phase der Tests begonnen habe und der Impfstoff „Turkovac“ heißen werde. Der türkische Staatschef habe die ersten Tests per Videokonferenz mitverfolgt, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.
Erdogan erklärte, dass die Türkei ihre Bemühungen zur Massenimpfung zwar mit aus Deutschland und China importierten Impfstoffen verstärkt habe, ein einheimischer Impfstoff jedoch helfen würde, die Infektion in Zukunft besser zu kontrollieren.
„Es ist entscheidend, dass wir unseren eigenen Impfstoff haben, um unser Land so schnell wie möglich aus dem Griff der Pandemie zu retten und die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Nation zu sichern. Mit dieser Entwicklung haben wir nun den endgültigen Wendepunkt erreicht, um unseren eigenen Impfstoff zu haben“, sagte Erdogan.
(Screenshot/Twitter)
Gesundheitsminister Fahrettin Koca und die Entwickler des Impfstoffs, Aykut Özdarendeli von der Erciyes-Universität der Provinz Kayseri sowie Dr. Serhat Ünal, waren persönlich vor Ort, als die ersten Freiwilligen geimpft wurden.
Die Türkei hat das Tempo der im Januar mit den Impfstoffen von BioNTech und Sinovac begonnene Impfkampagne zuletzt stark erhöht. In dem Land mit rund 84 Millionen Einwohnern haben nach offiziellen Angaben rund 34 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten.
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Ankara – Angesichts eines landesweiten Rückgangs der COVID-19-Fälle wird die Türkei ab dem kommenden Donnerstag, dem 1. Juli, die Ausgangssperren für die Pandemie aufheben, kündigte Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Montag an.
Wie die NachrichtenagenturAnadolu berichtet, werden am selben Tag auch die innerstädtischen Reisebeschränkungen und die Beschränkungen für den öffentlichen Nahverkehr aufgehoben, erklärte Erdogan nach einer dreistündigen Kabinettssitzung im Präsidialkomplex in der Hauptstadt Ankara.
Dank des Rückgangs der Infektionszahlen wird in der Türkei ab dem 1. Juli wieder ein normaler Arbeitsablauf in öffentlichen Einrichtungen und Organisationen möglich sein, sagte er gegenüber Reportern.
Das Land meldete am Montag 5.294 neue Coronavirus-Fälle, darunter 429 symptomatische Patienten, sowie 51 neue Todesfälle und 5.093 Genesungen in den letzten 24 Stunden. Am 1. Juni hatte die Türkei einige Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus gelockert, als die Zahl der Virusfälle im Land nach einem 17-tägigen Lockdown zurückging.
Erdogan betonte auch, wie wichtig es für jeden ist, sich im Rahmen der Impfkampagne des Landes impfen zu lassen, wenn er an der Reihe ist.
Er forderte die Öffentlichkeit auf, keine Rücksicht auf „Manipulationen“ zu nehmen und stattdessen auf Wissenschaftler und Ärzte zu hören, wenn es um die Notwendigkeit von Impfungen geht, berichtet Anadolu weiter.
Harter Lockdown
Nachdem die Türkei wochenlang alarmierende Corona-Zahlen vermeldete, sah sich die Regierung gezwungen eine Notbremse zu ziehen. Ende trat daraufhin ein Lockdown in Kraft. Alle öffentlichen Gebäude und Schule blieben geschlossen. Reisen zwischen Städten waren in dieser Zeit nur noch mit Sondergenehmigung möglich.
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Madrid – Der spanische Modekonzern Zara hat die Äußerungen der leitenden Mitarbeiterin Vanessa Perilman im Online-Streit mit dem palästinensischen Model Qaher Harhash scharf verurteilt.
Perilman habe im Streit mit dem aus Ost-Jerusalem stammenden Model auf Instagram unter anderem geschrieben, dass „sein Volk ungebildet sei und Krankenhäuser in die Luft“ sprenge. Harhash seinerseits bezeichnete Israel zuvor als bösartig. Israel gewähre den Arabern in Ost-Jerusalem kein Trinkwasser, während es „den Juden bereitwillig zur Verfügung gestellt“ werde, so Harhash.
In einer privaten Nachricht, die Harhash später veröffentlichte, schrieb Perilman:
„Vielleicht, wenn Ihre Leute gebildet wären, dann würden sie nicht die Krankenhäuser und Schulen in die Luft jagen, die Israel in Gaza mitfinanziert hat. Die Leute in meiner Branche kennen die Wahrheit über Israel und Palästina und ich werde NIEMALS aufhören, Israel zu verteidigen und Leute wie Sie kommen und gehen am Ende“, schrieb Perilman. „Israelis lehren Kinder nicht zu hassen oder Steine auf Soldaten zu werfen, wie es Ihre Leute tun.“
Die Designerin schloss ihre antipalästinensische Tirade mit einer islamfeindlichen Bemerkung ab. „Ich finde es auch lustig, dass Sie ein Model sind, denn in Wirklichkeit ist das gegen den muslimischen Glauben und wenn Sie sich in einem muslimischen Land outen würden, würden Sie gesteinigt werden“, so Perilman.
In einer Erklärung sagte Inditex, das Unternehmen dem die Marke Zara gehört, dass es „keinen Mangel an Respekt gegenüber einer Kultur, Religion, einem Land, einer Rasse oder einem Glauben“ akzeptiere.
„Zara ist ein vielfältiges Unternehmen und wir werden niemals Diskriminierung jeglicher Art tolerieren“, so das Unternehmen weiter. „Wir verurteilen diese Kommentare, die nicht unsere Grundwerte des gegenseitigen Respekts widerspiegeln, und wir bedauern die Beleidigung, die sie verursacht haben.“
Perilman schien einen Rückzieher zu machen, nachdem ihre anfänglichen Kommentare viral gingen, und schrieb an Harhash, dass es ihr leid tat. „Nun, ich denke, es geht zurück zu dem alten Sprichwort, das meine Großmutter sagte, nämlich ‚Wut ist der Anfang eines schlechten Urteils'“, schrieb sie in einer privaten Nachricht, die Harhash auf Instagram teilte. „Es tut mir so unendlich leid. Ich hoffe wirklich, du kannst mir verzeihen. Perilman hat seitdem ihren Instagram-Account und andere Social-Media-Seiten gelöscht.
Harhash forderte die Modeindustrie auf, sich gegen antipalästinensische Stimmungen zu erheben.
„Normalerweise sehen wir Marken, die sich gegen Antisemitismus stellen, aber es ist auch an der Zeit, dass wir Marken sehen, die sich gegen Antipalästinismus stellen. Und das ist etwas, das angesprochen werden sollte.“
Zara könne diese Gelegenheit nutzen, um die Palästinenser und die größere muslimische Gemeinschaft zu erreichen.
„Wenn es um Zara geht, würde ich wirklich hoffen, dass sie eine Erklärung abgeben, die nicht nur an mich gerichtet ist, sondern auch an Muslime, die sie beleidigt haben, und an Palästinenser, die sie beleidigt haben“, sagte er am Mittwoch.
Qaher Harhash (Foto: Screenshot/Instagram)
„Ich denke, das ist etwas, das wirklich wichtig ist, denn sie könnten sich bei mir entschuldigen, und ich könnte das akzeptieren, aber dann gibt es noch viele Menschen – wie eine riesige Menge von Arabern und Muslimen – die durch das, was sie gesagt hatte, verletzt sind.“
Zara müsse auch „chinesischen Konzentrationslager in Xinjiang“ und Islamophobie verurteilen, fuhr Harhash fort. „Als bestimmte Modedesigner antisemitische Dinge sagten, wurden sie gefeuert“, fügte er hinzu.
Osnabrück – Als „Mogelpackung“ kritisiert die Linkspartei das Programm der Union zur Bundestagswahl, aus dem am Wochenende erste Details durchgesickert sind.
„Das einzige deutliche Versprechen sind Steuersenkungen für Gutverdiener und das Versprechen, keine Vermögensteuer einzuführen. Damit sind Sozialabbau und Rentenraub in eine etwaige CDU-Kanzlerschaft bereits eingepreist“, sagte die Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Und statt eines Finanzkonzepts gebe es „einen klein gedruckten Finanzierungsvorbehalt“. Das Unionswahlprogramm soll an diesem Montag offiziell vorgestellt werden.
Die Linken-Chefin betonte in der „NOZ“, das Angebot von Armin Laschet sei „Armut als Programm. Die CDU lässt die Gesellschaft im Stich. Das geht so nicht, sondern ein soziales Fundament ist die beste Versicherung, damit unsere Gesellschaft die Zukunft solidarisch gestalten kann.“ Deutschland brauche nach 16 Jahren „endlich mal eine Bundesregierung ohne die CDU. SPD und Grüne sollten ehrlich sein und sich hier klar positionieren“, sagte Hennig-Wellsow.
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Berlin – Der Weddinger Umzugshelfer Mehmet A. (24) steht wegen Beteiligung an einem Brandanschlag auf einen Türkischen Bildungsverein vor Gericht. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Haft. Wie die Berliner Zeitung(BZ) weiter berichtet, entstand an den Erdgeschoss-Räumen in der Neuköllner Reuterstraße am 20. September 2018 mehrere Tausend Euro Sachschaden. Ein Nachbar konnte löschen, bevor Schlimmeres passierte. Ihn habe damals ein Knall geweckt.
„Ich sah aus dem Fenster, von unten kam eine Stichflamme hoch. Ich rannte mit einer Gießkanne runter und löschte. Der Bildungsverein ist voller Bücher. Wenn es dort brennt, steht das ganze Haus in Flammen“, so Politikwissenschaftler Johannes S. (39) gegenüber der BZ.
Vereinsvorsitzende Rüstü Kam im Gespräch mit der BZ:
„Wir wollen den Bildungsstand der Neuköllner erhöhen. Bis 17 Uhr kommen Erwachsene, dann Kinder zur Nachhilfe. Freitags ist Frauentag. Einmal die Woche eine Lesung. Wir haben 12.000 Bücher, geben eine zweisprachige Zeitschrift heraus. Auf dem Bürgersteig vor dem Haus war ein Slogan aufgesprüht, demnach war das von der PKK. Wir sind seit 2000 dort. Pflegen gute Kontakte zur Nachbarschaft und zur Kirche.“
Laut dem Anwalt des Angeklagten habe A. in der Tatnacht im Restaurant gearbeitet. Der Chef des Lokals könne das bezeugen.
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Die deutsche Justiz geht weiterhin mit voller Härte gegen die Terrororganisation PKK vor. Nach zahlreichen Festnahmen und Vereinsverboten in den letzten Jahren, wurde am Freitag ein weiteres Führungsmitglied zu einer Haftstrafe verurteilt.
Zum Jahresende 2020 lebten 83,2 Millionen Menschen in Deutschland. Damit ist die Einwohnerzahl Deutschlands im Vorjahresvergleich nahezu unverändert geblieben (-12 000 Einwohner/-innen), nachdem die Bevölkerung zwischen 2011 und 2019 kontinuierlich von 80,3 Millionen auf 83,2 Millionen gewachsen war.
Die Entwicklung im Pandemiejahr 2020 resultiert aus zwei Faktoren: zum einem einer verminderten Nettozuwanderung, die nach vorläufigen Ergebnissen von 294 000 im Jahr 2019 auf 209 000 im Jahr 2020 zurückgegangen ist. Zum anderen erhöhte sich der Überschuss der Sterbefälle über die Zahl der Geburten von 161 000 auf 212 000. Somit konnte die gesunkene Nettozuwanderung das Geburtendefizit nur noch annähernd ausgleichen. Für eine Bevölkerungszunahme reichte sie aber nicht mehr aus.
Zahl der Hochbetagten ab 80 Jahren steigt binnen Jahresfrist um 4,5 %
Trotz der im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehenden erhöhten Sterblichkeit wuchs die Zahl der älteren Menschen im Jahr 2020 weiter: Am stärksten stieg die Zahl der Hochbetagten ab 80 Jahren mit einem Plus von 255 000 Personen oder 4,5 % auf 5,9 Millionen. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren zwischen 60 und 79 Jahren erhöhte sich um 96 000 auf 18,2 Millionen (+0,5 %).
Dagegen nahm die Bevölkerung in der Altersgruppe zwischen 20 und 59 Jahren um 367 000 Personen ab und umfasste Ende 2020 rund 43,7 Millionen Frauen und Männer (-0,4 %). Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren blieb mit 15,3 Millionen nahezu unverändert (+4 000). Das Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöhte sich wie im Vorjahr um 0,1 auf 44,6 Jahre.
Bevölkerungszuwachs im Westen deutlich geringer als 2019, Rückgang im Osten leicht verstärkt
In den Bundesländern zeigten sich 2020 folgende Entwicklungen: Berlin und Nordrhein-Westfalen verzeichneten im Vergleich zu 2019 einen Bevölkerungsverlust von 5 000 beziehungsweise 22 000 Personen, nachdem die Bevölkerung in den Vorjahren noch gewachsen war (2019: +25 000 bzw. +15 000). Neben der verminderten Zuwanderung aus dem Ausland war dabei für Berlin zusätzlich eine verstärkte Abwanderung in andere Bundesländer ursächlich. Umgekehrt ist die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns aufgrund einer gestiegenen Zuwanderung aus dem Inland um 3 000 Personen gewachsen, nachdem sie 2019 noch zurückgegangen war (-2 000).
Die größten absoluten Bevölkerungszunahmen im Jahr 2020 verzeichneten Bayern (+15 000) gefolgt von Niedersachsen (+10 000) und Brandenburg (+9 000). Neben Nordrhein-Westfalen und Berlin waren Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bremen von Bevölkerungsverlusten betroffen. Dabei haben sich die Bevölkerungsverluste in Thüringen und vor allem Sachsen gegenüber 2019 verstärkt.
Insgesamt verzeichneten die westdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) einen Bevölkerungszuwachs um 24 000 Personen auf 67,0 Millionen, der 2020 jedoch deutlich niedriger ausfiel als 2019 (+144 000). In Ostdeutschland (ohne Berlin) nahm die Bevölkerungszahl um 30 000 und damit im Vergleich zu 2019 (-21 000) noch weiter ab und betrug am Jahresende 12,5 Millionen.
Bevölkerungszahlen auf Kreisebene: 178 Kreise mit Zuwächsen, 192 mit Rückgängen
In der Corona-Pandemie kommen den Bevölkerungs- beziehungsweise Einwohnerzahlen auf Kreisebene eine besondere Bedeutung zu, da die Zahl der Corona-Neuinfektionen bei der Inzidenzberechnung ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl gesetzt wird. Im Jahr 2020 hat die Bevölkerung in 178 Kreisen zugenommen, in 192 Kreisen abgenommen und ist in 31 Kreisen nahezu konstant geblieben. Die Bevölkerungszahlen in den Landkreisen und kreisfreien Städten zum Jahresende 2020 sind in der Kreistabelle in der Datenbank GENESIS-Online verfügbar. Zahlen auf Kreisebene und nach Altersgruppen enthält auch die Kreiskarte im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes sowie im Statistikportal der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.
Methodische Hinweise:
Die Entwicklung der Bevölkerungszahlen in einem Jahr ergibt sich zum einen aus den Geburten und Sterbefällen, zum anderen aus den Zu- und Fortzügen, die die Standesämter beziehungsweise Meldebehörden den Statistischen Ämtern mitteilen. Zudem fließen Korrekturen in die Berechnung ein. Korrekturen entstehen, wenn Meldebehörden oder Standesämter zuvor mitgeteilte Datensätze vervollständigen oder berichtigen.
Die Bevölkerungszahlen sind endgültig. Der angegebene Wanderungsüberschuss und das Geburtendefizit für 2020 stellen aber vorläufige Ergebnisse dar (Informationen zur vorläufigen Zahl der Geburten- und Sterbefallzahlen im Jahr 2020 enthält die Pressemitteilung Nr. 200 vom 16. April 2021). In den endgültigen Ergebnissen kann es noch zu leichten Verschiebungen kommen, die jedoch keinen Einfluss auf die Bevölkerungszahlen haben.
Die endgültige Wanderungsstatistik wird Ende Juni veröffentlicht, die Geburten- und Sterbefallstatistik Mitte Juli. Für die Darstellung der Entwicklungen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr werden die vorläufigen Ergebnisse der Wanderungsstatistik beziehungsweise der Geburten- und Sterbefallstatistik 2019 herangezogen, da sie methodisch eine bessere Vergleichbarkeit ermöglichen.
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Istanbul – Für den Mord an einem Teenager wurde ein türkischer Polizist zu fast 17 Jahren Gefängnis verurteilt. BerkinElvan wurde 2013 mit einer Tränengasgranate am Kopf getroffen.
Der Polizeibeamte Fatih Dalgali stand vor Gericht, weil er den Tod des 14-jährigen Berkin Elvan verursacht haben soll, der 2013 in Istanbul durch eine Tränengasgranate am Kopf verletzt wurde, als in der Nähe die „Gezi Park“-Proteste gegen die Regierung stattfanden. Elvan lag 269 Tage lang im Koma. Nach Elvans Tod im März 2014 im Alter von 15 Jahren protestierten in mehreren türkischen Großstädten Hunderttausende, nach einigen Schätzungen bis zu zwei Millionen Menschen, wobei mindestens zwei Personen ums Leben kamen. Elvans Familie erklärte damals, Erkin sei unterwegs gewesen, um Brot zu kaufen, nicht um zu protestieren.
Ein Gericht in Istanbul verurteilte Dalgali wegen „möglicher Mordabsicht“ zu 16 Jahren und 8 Monaten Gefängnis und verhängte eine Ausreisesperre, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet. Vor der letzten Anhörung des Falles am 18. Juni hielt die Familie von Elvan eine Presseerklärung vor dem Çağlayan-Gerichtsgebäude ab.
„Nach 20 Anhörungen stehen wir kurz vor dem Ende des Falles unseres Berkin, Wir erwarten, dass die Mörder Rechenschaft ablegen. Während wir auf den Straßen, Plätzen und Gerichtsgebäuden unsere Forderung nach Gerechtigkeit für Berkin kund taten, machte der Polizist, der Berkin erschoss, seinen Job weiter“, so die Familie.
Während der Anhörung bestritt der Polizeibeamte Dalgalı, dass er derjenige war, der Elvan erschossen hat, was die Opferanwälte mit Verweis auf das Gutachten zurückwiesen.
„Fatih Dalgalı ist der Mörder von Berkin Elvan. Das besagen die [Sicherheits-]Aufnahmen und Berichte. Wir wollen nicht, dass Fatih Dalgalı nur wegen Berkin verurteilt wird, wir wollen, dass ein Polizist 1.000 Mal nachdenkt, bevor er den Abzug drückt. Wir wollen, dass Fatih Dalgalı wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt wird und ins Gefängnis kommt“, sagte Rechtsanwalt Yalçın Deniz Özen. Der Anwalt erklärte, dass nicht nur Dalgalı vor Gericht stehen sollte, sondern auch andere Polizeibeamte, die den Angeklagten bei seiner Tat unterstützt haben.
„Fatih Dalgalı war nicht allein dort. Da war auch sein Vorgesetzter, der ihn instruierte. Und es gab einen weiteren Polizeibeamten, der Patronen zu ihnen trug“, sagte der Anwalt und forderte erneut, dass auch die anderen betroffenen Polizeibeamten in dem Fall vor Gericht gestellt werden.
Das Gericht lehnte die Forderung der Staatsanwaltschaft ab, Dalgalı wegen „bewusster fahrlässiger Tötung“ zu verurteilen – worauf bis zu neun Jahre Gefängnis stehen – und befand den Polizisten der „vorsätzlichen Tötung“ für schuldig.