Trauer um Yeşilçam-Star
Film-Ikone Kartal Tibet gestorben

Schauspielerei von der Pike auf gelernt Die türkische Filmindustrie trauert um einen der ganz Großen in ihren Reihen: Kartal Tibet. Die Nachricht vom Tod des am 27. März 1938 in Ankara geborenen Tibet teilte der Schauspieler Civan Canova mit den Worten „Auf Wiedersehen mein großer Bruder Kartal. Ich werde dich sehr vermissen“ auf Instagram mit. Tibet, Absolvent des Fachbereichs Theater am Staatskonservatorium Ankara, trat zunächst über viele Jahre als Schauspieler im Theater auf. Mit der von Suat Yalaz geschaffenen Zeichentrickfigur Karaoğlan sollte Tibet der erste Durchbruch gelingen, der in dem Film „Altay´dan gelen Yiğit“ („Der Held, der aus dem Altay kam“) in der Hauptrolle von Kartal Tibet kongenial verkörpert wurde. Damals waren die von Cüneyt Arkın filmisch in Szene gesetzten Zeichentrickfiguren Malkoçoğlu oder Kara Murat Publikumsmagneten par excellence. Es folgten weitere erfolgreiche Filmproduktionen wie Karaoğlan Geliyor („Karaoğlan kommt“), Camoka´nın İntikamı („Die Rache von Camoka“) oder die Filmreihe Tarkan. Ab 1976 entschloss sich Tausendsassa Tibet, die Schauspielerei zu beenden und hinter der Kamera zu arbeiten. Also Regisseur und Drehbuchautor gelangen Tibet große Erfolge mit Filmen wie Ölmeyen Aşk („Die unsterbliche Liebe“), Dağlar Kızı Reyhan („Reyhan, das Mädchen von den Bergen“) oder Senede Bir Gün („Einmal im Jahr“). Von 1993-1997 war er in der Fernsehserie Süper Baba („Der Super-Papa“) bis zur 13. Folge der Regisseur und 2007 bei der Serie Zoraki Koca („Wider Willen Ehemann“) auf Show-TV. Das in der Nacht im Alter von 83 Jahren verstorbene Film-Idol wirkte in mehr als 200 Filmen als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor mit.
(Screenshot/Twitter)
Der Schauspieler Orhan Aydın schrieb zum Tod der Schauspiel-Legende Kartal Tibet auf Twitter „Das Licht ist aus. Von der Bühne zum Filmset. Ein Leben voller Beifall. Mögen die Blumen und die Erde gut riechen.“ Kemal Bölge/Istanbul

Türkei
Syrischer Flüchtling Dlyar Safo mit landesweit bestem Prüfungsergebnis

Siirt – Der syrische Schüler Dlyar Safo hat bei der Aufnahmeprüfung zum weiterführenden Gymnasium landesweit das beste Ergebnis erzielt, teilte seine Schule am Mittwoch mit. Safo musste 2016 mit seiner Familie vor dem blutigen Bürgerkrieg in Syrien flüchten und fand in der Südosttürkei eine neue Heimat. „Der syrische Flüchtlingsschüler Dlyar Safo hat bei der LGS 2021 alle Fragen richtig beantwortet“, teilte seine Schule, die Kurtalan Selahaddin Eyyubi Imam Hatip Sekundarschule, auf Twitter mit. In einer Zeremonie gratulierte Bürgermeister und Gouverneur Osman Hacıbektaşoğlu Safo und seiner Familie und überreichte ihm als Anerkennung seiner besonderen Leistungen einen Computer und ein Tablet.
(Screenshot/Twitter)
Syrien befindet sich seit Anfang 2011 in einem grausamen Bürgerkrieg, als das Regime von Bashar al-Assad mit unerwarteter Härte gegen pro-demokratische Demonstranten vorging. Seitdem wurden nach Angaben der Vereinten Nationen Hunderttausende von Menschen getötet und mehr als 10 Millionen vertrieben. Die Türkei beherbergt etwa vier Millionen syrische Flüchtlinge, mehr als jedes andere Land der Welt, und ihre Politik, die Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen, wurde weltweit als vorbildlich gelobt. Die Oppositionsparteien verurteilen die Aufnahme der Flüchtlinge jedoch regelmäßig und fordern eine Rückführung der syrischen Vertriebenen in das noch immer vom Bürgerkrieg geplagte Land. „Suriyeliler disari!“ (Syrer raus) skandieren Anhänger oppositioneller Parteien bei Kundgebungen immer wieder. Im Schuljahr 2019-2020 besuchten nach offiziellen Angaben mehr als 684.000 syrische Kinder im schulpflichtigen Alter Schulen in der Türkei.

Zum Thema

– Türkei – BILD-Reporterin: Flüchtlingslager der Türkei wie „5-Sterne-Hotels“

Im Vergleich zu der Situation in Griechenland, gleichen laut der griechischen Journalistin Liana Spyropoulou, die Flüchtlingslager in der Türkei 5-Sterne-Hotels.

BILD-Reporterin: Flüchtlingslager der Türkei wie „5-Sterne-Hotels“
     

Attentat von Würzburg
BILD Zeitung entschuldigt sich auf hinteren Seiten für falsches Täterfoto

Berlin – Die Bild am Sonntag (BamS) hat nach dem Messerangriff in Würzburg einen völlig Unbeteiligten gezeigt. „Der Messerkiller jagte gezielt Frauen“, titelte die BamS am vergangenen Wochenende über den brutalen Angriff eines Mannes auf mehrere Menschen in Würzburg. Bei dem Bild des vermeintlichen Täters handelte sich jedoch um einen ganz anderen Mann. In einer kaum sichtbaren Stellungnahme hat sich die BAMS für die Veröffentlichung nun entschuldigt. „In eigener Sache: Wir bitten um Entschuldigung« veröffentlicht: Wir hatten nach gründlichster Recherche keine vernünftigen Zweifel daran, dass die abgebildete Person auf der Titelseite der ›BamS‹ den Beschuldigten zeigt“, heißt es in dem Text. „Das Foto auf der Titelseite zeigt NICHT den dringend Tatverdächtigen, der inzwischen in U-Haft genommen wurde, sondern einen Landsmann des Beschuldigten, der in keinem Zusammenhang mit dem Verbrechen steht.“ Wie ein Sprecher dem SPIEGEL mitteilte, soll am Sonntag nun an gleicher Stelle eine Korrektur gedruckt werden. Dass Falschmeldungen an dem Ort berichtigt werden, an dem sie stattfanden, sieht das Pressegesetz vor, berichtet der SPIEGEL weiter. „Abgesehen davon, dass die Verwechslung ein fataler journalistischer Fehler ist, stellt sich eine andere Frage: Warum hat die BamS den vermeintlichen Täter überhaupt unverpixelt gezeigt? Man darf vermuten: Bei der Abwägung zwischen möglichen Verkaufszahlen und der Achtung von Persönlichkeitsrechten verlieren bei Bild eben oft die letzteren“, resümiert Carolin Gasteiger in der Süddeutschen Zeitung. Die inzwischen gelöschten Fotos kursierten womöglich noch immer „in den Tiefen des Internets“.    

Tierschutz
EU-Kommission kündigt Verbot von Käfighaltung bei „Nutztieren“ an

Berlin  – Die EU-Kommission hat am gestrigen Mittwoch Geschichte geschrieben: Sie kündigte an, ein EU-weites Verbot für Käfige in der landwirtschaftlichen Tierhaltung auf den Weg zu bringen. Die Kommission plant, Käfige für über 300 Millionen Hühner, Sauen, Kälber, Kaninchen, Enten, Gänse und andere sogenannte Nutztiere bis 2027 abzuschaffen. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides und Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourová gaben dies auf einer Pressekonferenz als Antwort der Kommission auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „End the Cage Age“ bekannt. Die EBI wurde von einer überwältigenden Anzahl von 1,4 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürgern unterzeichnet und ist damit die erste erfolgreiche Initiative für landwirtschaftlich genutzte Tiere. Die Kommission beabsichtigt, „bis Ende 2023 einen Legislativvorschlag vorzulegen, um die Verwendung von Käfigsystemen für alle in der Initiative genannten Tiere schrittweise zu beenden und schließlich zu verbieten.“ Sie wird Landwirt:innen bei der Umstellung unterstützen und auch die Vorgaben für importierte Produkte aus Nicht-EU-Ländern prüfen. Bis Ende des nächsten Jahres wird die Kommission die Details des Gesetzesvorschlags klären. Ein konkreter Entwurf soll im Jahr 2023 vorgelegt werden und benötigt dann die Zustimmung des EU-Parlaments und des EU-Rats. Der Gesetzesvorschlag wird Teil der laufenden Überprüfung der Tierschutzvorschriften im Rahmen der „Farm to Fork“-Strategie sein. Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und Mitinitiator der EBI, freut sich: „Heute ist ein historischer Tag! Die Menschen in Europa nehmen Tierleid nicht mehr einfach hin. Sie haben ihre Forderung nach einem Wandel in der Tierhaltung laut und deutlich formuliert und die EU-Kommission hat das als Handlungsauftrag angenommen. Europa hat jetzt DIE Chance, mehr als 300 Millionen Sauen, Kälber, Hennen, Kaninchen und andere Tiere aus dieser grausamsten aller Haltungsformen zu befreien und das Käfigzeitalter endlich zu beenden! Wir NGOs werden genau beobachten, was nun passiert, damit die Agrarlobby das Vorhaben nicht kippt.“ Über „End the Cage Age“ Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „End the Cage Age“ startete am 11. September 2018. Sie wird von 170 NGOs aus ganz Europa getragen und sammelte innerhalb von zwölf Monaten 1,4 Millionen validierte Unterschriften aus 18 EU-Mitgliedsstaaten. Um eine Antwort von der Kommission zu erhalten, benötigt eine EBI eine Million Unterschriften aus sieben Mitgliedsstaaten. „End the Cage Age“ ist die sechste EBI, die unter 75 registrierten Initiativen in den letzten zehn Jahren erfolgreich war, die EBI mit der dritthöchsten Unterschriftenzahl und die erste erfolgreiche EBI für landwirtschaftlich genutzte Tiere. Links

– Weitere Informationen zu „End the Cage Age“: https://www.endthecageage.eu/

ZDFinfo-Doku
TV-Tipp: Halal – Das große Geschäft mit muslimischen Kunden

Mainz – Der Begriff „halal“ wird in Deutschland vor allem mit islamkonformen Lebensmitteln in Verbindung gebracht. Dabei bezieht sich das halal-Konzept auf die gesamte Lebenswelt der Muslime: von der Ernährung bis hin zur Kleidung, Arbeit, Freizeit und sogar der Partnerwahl. Die ZDFinfo-Dokumentation „Halal – Das große Geschäft mit muslimischen Kunden“ wirft am Montag, 5. Juli 2021, 20.15 Uhr, einen Blick auf den hart umkämpften Markt um Produkte, die als „halal“ gekennzeichnet werden, und zeigt zugleich, welche Betrügereien mit der Bezeichnung getrieben werden. Der Film von Dunja Keuper und Candan Six-Sasmas ist bereits in der ZDFmediathek zu sehen. Der Begriff „halal“ bedeutet übersetzt so viel wie „erlaubt“ und bezieht sich auf Taten und Dinge, die im Einklang mit dem Islam stehen. Da es mehrere Rechtsschulen im Islam gibt, kann auch die Auslegung unterschiedlich sein. Weltweit leben fast zwei Milliarden Muslime. Sie gehören zu den am schnellsten wachsenden Gesellschaftsgruppen. Daraus ergibt sich ein großes Marktpotenzial, das in Ländern wie Frankreich oder England bereits nahezu ausgeschöpft wird. Auch in Deutschland gewinnen „halal“-Produkte immer mehr an Bedeutung. Die Kehrseite des Wachstums ist allerdings ein hart umkämpfter Zertifizierungsmarkt. Zudem wird der Begriff oftmals als bloßes Marketinginstrument genutzt. ZDFinfo zeigt die Dokumentation erneut am Mittwoch, 14. Juli 2021, 6.15 Uhr.

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– Tourismus – 226 Milliarden-Dollar-Markt: Türkei im Halal-Tourismus immer erfolgreicher

Die Türkei ist nach Malaysia, Dubai und Indonesien das viertgrößte Reiseziel für Touristen, die Halal-Angebote suchen und strebt an, ihren Anteil in den kommenden Jahren von zwei Prozent auf zehn Prozent zu erhöhen, um einer der meistbesuchten Standorte zu werden.

226 Milliarden-Dollar-Markt: Türkei im Halal-Tourismus immer erfolgreicher

Kaukasus
Alijew: „Armenien sollte verstehen, dass Aserbaidschan weiter erstarken wird“

Baku – Bei einem Treffen mit einer Gruppe von Vertretern und Militärangehörigen der aserbaidschanischen Armee anlässlich des nationalen Streitkräfte-Tages Aserbaidschans, erklärte Präsident Ilham Alijew, dass die aserbaidschanische Armee weiter wachsen wird und der „Prozess der Anschaffung moderner Ausrüstung“ begonnen habe. „Armenien sollte verstehen, dass Aserbaidschan weiter erstarken wird, daran gibt es keinen Zweifel. Darüber hinaus wird unsere militärische Macht zunehmen. Nach dem Krieg wurden entsprechende Anweisungen gegeben, neue Abkommen unterzeichnet, der Prozess der Anschaffung neuer Waffen und Ausrüstung auf der Grundlage moderner Strukturreformen unserer Streitkräfte wurde genehmigt. Ich kann sagen, dass die Zahl unserer Streitkräfte und der Armee im Allgemeinen zunehmen wird“, wird Alijew von der Nachrichtenagentur Sputnik zitiert. Baku werde seine militärische Stärke ausbauen, indem es die Ergebnisse und den Verlauf des Zweiten Karabach-Krieges richtig analysiert. „Aber andererseits, wenn Armenien seine feindliche Politik uns gegenüber nicht aufgibt, wird es nicht nur seine kaputte Armee, sondern auch seine wirtschaftliche Tätigkeit nicht erneuern können“, fügte der aserbaidschanische Präsident hinzu. Es sei notwendig, eine Arbeitsgruppe für die Grenzziehung mit Armenien zu bilden und die Vorbereitungen für das Friedensabkommen zu beginnen. „Armenien hat nur einen Weg, sich zu entwickeln – normale Beziehungen mit seinen Nachbarn zu etablieren und territoriale Ansprüche aufzugeben und das Wort ‚Berg-Karabach‘ überhaupt nicht zu verwenden. Da es keine territoriale Einheit namens „Berg-Karabach“ existiert, gibt es auch keinen Begriff „Berg-Karabach-Konflikt“. Ich habe schon oft darüber gesprochen und ich möchte noch einmal sagen, dass der Berg-Karabach-Konflikt gelöst ist und Armenien das akzeptieren und mit uns zusammenarbeiten sollte, um die Grenzen zu bestimmen“, sagte Alijew. Ankara und Baku unterzeichneten in der aserbaidschanischen Stadt Schuscha am 15. Juni 2021 eine Vereinbarung um die Zusammenarbeit im militärischen Bereich zu erhöhen. Alijew sagte bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, die Erklärung betreffe die Zusammenarbeit in politischen, wirtschaftlichen, Handels- und Energiefragen. „Aber am wichtigsten ist die Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und der Türkei im Bereich der Verteidigungsindustrie und der gegenseitigen militärischen Unterstützung“, sagte Alijew bei einer Pressekonferenz mit Erdoğan. Eine türkische Militärbasis in Aserbaidschan könne er nicht ausschließen, so Erdogan. Der Südkaukasus, Teil der ehemaligen Sowjetunion, ist von besonderem Interesse für Russland, das ihn traditionell als seine eigene Einflusssphäre betrachtet. Russische Truppen sind seit dem Ende des Konflikts im letzten Jahr in Berg-Karabach stationiert und Moskau hat auch eine Militärbasis im benachbarten Armenien. Der 30-jährige Konflikt um Bergkarabach war am 27. September vergangenen Jahres erneut eskaliert. Seitdem waren schwere Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgebrochen. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Zusammenstöße. Baku erklärte, die Armee habe eine „Gegenoffensive“ gestartet, „um Armeniens militärische Aktivitäten zu stoppen und die Sicherheit der Bevölkerung zu schützen“. Es handelte sich um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten. Die Parteien versuchten mehrmals einen Waffenstillstand zu schließen, aber letztendlich war die in der Nacht zum 10. November erzielte dreiseitige Vereinbarung erfolgreich. Unter Vermittlung Moskaus einigten sich Aserbaidschan und Armenien auf eine vollständige Feuerpause. Außerdem übergab Jerewan die Bezirke Kalbajar, Lachin und Agdam an Baku. Darüber hinaus sind russische und türkische Friedenstruppen in der Region stationiert.

In Bergkarabach leben überwiegend Armenier, die Region gehört jedoch völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Seit einem blutigen Krieg in den frühen 1990er Jahren, bei dem Zehntausende Aserbaidschaner von armenischen Milizen vertrieben wurden, wurde Bergkarabach von Armenien kontrolliert. Dabei kam es zu Massakern an der aserbaidschanischen Zivilbevölkerung, wie zum Beispiel in Chodschali am 25. Februar 1992, bei dem Hunderte Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, getötet wurden.

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– Bergkarabach – „Moskau beobachtet Pläne für türkische Militärbasis in Aserbaidschan genau“

Moskau beobachte die Entwicklungen rund um eine potenzielle türkische Militärbasis in Aserbaidschan genau. Diese Pläne könnten erfordern, dass Russland selbst Schritte unternehmen müsse, um seine eigene Sicherheit und Interessen zu gewährleisten, sagte der Kreml am Freitag.

„Moskau beobachtet Pläne für türkische Militärbasis in Aserbaidschan genau“

Kinderarmut
Paritätischer kritisiert Ausgrenzung armer Kinder

Als beschämenden Ausdruck tiefer sozialer Ungleichheit bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute vorgestellten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen reiche Familien dreimal mehr für Lebensunterhalt und Teilhabe ihrer Kinder ausgeben als arme. Der Verband weist darauf hin, dass Kinder aus einkommensarmen Familien seit Jahren immer weiter abgehängt werden und von gleichwürdiger sozialer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen sind. Neben einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung fordert der Verband flächendeckende Lernmittelfreiheit, die auch notwendige IT-Ausstattung beinhaltet, sowie einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit. „Es kann nicht angehen, dass Kinderarmut als gegeben hingenommen wird. Das, was für die Mehrheit Gleichaltriger selbstverständlich ist, bleibt armen Kindern aufgrund der Einkommenssituation ihrer Eltern versagt. Was es braucht, ist endlich eine beherzte Armutsbeseitigungspolitik“, fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Arme Familien seien gezwungen, notgedrungen an allem zu sparen, was über das physisch Überlebensnotwendige hinausgeht. „Das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein und abseits stehen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland“, so Schneider. Corona habe die bestehende Kluft u.a. angesichts fehlender technischer Ausstattung zur digitalen Teilhabe noch einmal schmerzhaft deutlich gemacht und verschärft. „Es fehlt armen Familien schon im normalen Alltag vorne und hinten an Geld, um den Kindern eine unbeschwerte Kindheit und ein Mindestmaß an Teilhabe zu ermöglichen, in der Pandemie hat sich die Not verschärft“, so Schneider. Laut Statistischem Bundesamt sind die durchschnittlichen Konsumausgaben für ein Kind von 660 Euro (2013) auf 763 Euro (2018) pro Monat gestiegen. Die Ausgaben für Kinder bestehen unter anderem aus der materiellen Grundversorgung wie Ernährung, Bekleidung und Wohnen. Hierauf entfiel rund die Hälfte der Ausgaben für Kinder. Auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur entfielen rund 15 % der Ausgaben. Während die ärmsten zehn Prozent der Familien im Schnitt 424 Euro für ein Kind ausgeben, geben die reichsten zehn Prozent der Familien im Schnitt 1200 Euro pro Kind aus.

Griechenland
Wenn das Vereinsheim zum Gebetsraum für türkische Muslime in Thessaloniki wird

Von Kemal Bölge In der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki leben zirka 8.000 Türken muslimischen Glaubens aus Westthrakien. Ehrenamtliche Bürger der türkisch-muslimische Minderheit gründeten 2005 den „Verein der mazedonisch-thrakischen Muslime für Kultur und Bildung“, um in umgebauten Räumlichkeiten, die als Moschee diente, ihr tägliches Gebet zu verrichten. Weil ein Gericht 2017 die Moschee wegen „fehlender Genehmigung“ schließen ließ, mussten die Gläubigen zunächst in einem Park und später im Vereinsheim beten. Das ist sehr mühselig, weil für das Freitagsgebet alle Tische und Stühle rausgetragen werden müssen. Aus osmanischer Zeit sind die Hamza Bey, Hortacı Süleyman Efendi, die neue Moschee (Yeni Cami) und die Alaca-İmaret-Moschee in der Stadt erhalten geblieben, aber die griechischen Behörden erteilen für diese Gotteshäuser keine Genehmigung. Manche Moscheen werden aber auch als Museum genutzt. Darüber hinaus existiert in Thessaloniki kein muslimischer Friedhof, was zu Problemen führt und die Angehörigen von Verstorbenen gezwungen sind, die Beisetzung in Westthrakien durchzuführen. Mehrmalige Anfragen des Vereins zwecks Nutzung eines Moscheegebäudes oder die Eröffnung eines muslimischen Friedhofs wurden von den Behörden immer wieder abgelehnt. Vorbeter, die von den Imamen der türkisch-muslimischen Minderheit in Westthrakien beauftragt werden, fahren regelmäßig nach Thessaloniki, um mit der Gemeinde das Freitagsgebet zu halten und erteilen den Kindern vor Ort Religionsunterricht. Anträge werden von den Behörden regemäßig abgelehnt Der Präsident des mazedonisch-thrakischen Kulturvereins, Osman İsmailoğlu, verweist im Gespräch mit der Millet Gazestesi auf die in Thessaloniki lebenden 8.000 Türken aus Westthrakien, deren größtes Problem das Fehlen einer für Gebete offenen Moschee und eines muslimischen Friedhofs sei. Obwohl der Verein bei den Behörden schon viele Anträge für die Eröffnung einer Moschee und eines muslimischen Friedhofs gestellt habe, hätte man bisher keine positive Antwort erhalten. „Wir leben in diesem Land und sind Menschen dieses Landes. Ich denke, dass wir ein Recht auf einen Gottesdienst haben. Wir zahlen unsere Steuern, leisten unseren Wehrdienst und gehen wählen. Ich verstehe nicht, warum wir dermaßen diskriminiert werden“, so İsmailoğlu Praxis verstößt gegen Artikel 13 der griechischen Verfassung  Die Praxis der Behörden in Thessaloniki verstößt gegen Artikel 13 der griechischen Verfassung. Denn darin heißt es: „Alle bekannten Religionen sind frei und dürfen ihre Riten und Zeremonien ungehindert unter dem Schutz des Gesetzes ausüben.“ 2016 hatte die griechische Regierung ein Gesetz zur Regelung religiöser Angelegenheiten gebilligt und darin die griechisch-orthodoxe Kirche, die jüdische und muslimische Gemeinschaften als offizielle religiöse Einheiten anerkannt. Dieser längst überfällige Schritt stößt in der Praxis bei den Behörden offenbar auf taube Ohren, weil weder den Anträgen für eine Moschee noch für einen muslimischen Friedhof bisher stattgegeben wurde und die türkisch-muslimische Minderheit in Thessaloniki weiter gezwungen ist, im Vereinslokal oder in anderen privaten Räumlichkeiten ihr Gebet zu verrichten. Griechenland missachtet Lausanner Vertrag und Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Der Lausanner Vertrag von 1923 hatte der türkisch-muslimischen Minderheit an Schulen und ähnlichen Einrichtungen das Recht zur Selbstverwaltung zugesichert. Nach diesem Vertrag durften Imame, die von der türkisch-muslimischen Bevölkerung in Westthrakien demokratisch gewählt wurden, als Religionsgelehrte arbeiten. Griechische Regierungen haben sich über den Vertrag von Lausanne hinweggesetzt und ernennen die Imame selbst. Es geht bei dieser Problematik aber nicht nur um die Religionsfreiheit, sondern auch um die Definition als türkische Volksgruppe, die der griechische Staat nicht anerkennt und von griechischen Muslimen spricht. Die staatlichen Repressionen gegen die Türken aus Westthrakien gingen sogar so weit, dass Vereine, die in ihrer Satzung die Bezeichnung „Türkisch“ verwendeten, von den griechischen Behörden verboten wurden. In diesem Zusammenhang hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Griechenland in drei Verfahren wegen des Verstoßes gegen die Vereinsfreiheit nach Artikel 11 rechtskräftig verurteilt. Griechische Regierungen haben das Urteil des EGMR bis heute nicht umgesetzt und spielen auf Zeit, bis der Rechtsstreit verjährt ist.

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– Treffen in Athen – Türkei und Griechenland vereinbaren Verbesserung der Beziehungen

Die Türkei und Griechenland haben eine Vereinbarung über 25 Artikel erreicht, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu verbessern. Unter anderem werden beide Länder die COVID-19-Impfungen des jeweils anderen anerkennen, um den Tourismus zu fördern.

Türkei und Griechenland vereinbaren Verbesserung der Beziehungen

Humanitäre Hilfe
Afrika: Talentscouts bauen Schule in Sansibar

Von Yasin Baş Was macht eine Kölner Personalvermittlungsagentur mitten in einem abgelegenen Dorf in Sansibar? Die Kölner Agentur TALENTSCOUTS, welche sich seit 2017 auf Ingenieurdienstleistungen verschiedener Branchen spezialisiert hat, vermittelt nicht nur Spezialisten an namhafte Unternehmen, sondern ist jetzt auch ehrenamtlich aktiv. Eine Schule für 800 Kinder Angefangen hat alles im Jahr 2018 mit der Gründerin und Geschäftsführerin Tülin Akyürek, welche über die Organisation World Unite! als Volontärin nach Sansibar geflogen ist, um dort in einer Schule in dem Dorf Muungoni zu unterrichten. Dort lernte sie den Einheimischen Mohammed kennen, einen ehemaligen Lehrer aus dem Dorfrat. Der pensionierte Pädagoge zeigte Akyürek das kleine, abgeschiedene Dorf namens Charawe im Landesinneren. In dem Ort leben etwa 800 Kinder, die ungefähr 75 Prozent der gesamten Dorfbewohner ausmachen. Mohammed erklärte Tülin Akyürek, dass es aktuell im ganzen Dorf nur eine kleine Schule gab, die für 800 Kinder bei weitem nicht ausreichend sei. Woraufhin für Tülin Akyürek sofort feststand: „Wir müssen unbedingt eine zweite Schule bauen!“ Fehlende Wasserversorgung verzögert Schulbetrieb Ohne die Organisation World Unite! aber mit zwei weiteren Volontären begann somit das Schulprojekt in Charawe. Durch Sach- und Geldspenden konnte der Bau fast abgeschlossenen werden und die Schule war 2020 sogar für kurze Zeit in Betrieb. Aufgrund der anhaltenden Corona-Lage hätte diese aber wieder geschlossen werden müssen, so Tülin Akyürek. Dies liege hauptsächlich an der noch immer fehlenden Wasserversorgung des Gebäudes, sodass die sanitären Anlagen noch nicht in Betrieb genommen werden könnten. Die Regierung Tansanias hat bestimmte Schutz- und Hygienemaßnahmen aufgrund des Coronavirus vorgeschrieben, welche ohne fließendes Wasser nicht eingehalten werden können. Eine Herzensangelegenheit Nun geht es mit dem TALENTSCOUTS-Team wieder nach Sansibar um das Projekt endlich abzuschließen. Ab dem 10. Juli 2021 sind einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in Charawe, um die Umsetzung der fehlenden Maßnahmen zu begleiten.  „Es ist eine Herzensangelegenheit für mich, diese Schule wieder eröffnen zu können und den Kindern die Chance auf Bildung zu gewährleisten“, so Tülin Akyürek gegenüber NEX24. Hilfe vor Ort: „Jeder Cent zählt“ Das Schulprojekt ist auf finanzielle Hilfe durch Spenden angewiesen. Die Reisen werden durch TALENTSCOUTS finanziert. Die Spenden werden ausschließlich für das Projekt verwendet. „Jeder Cent zählt und kommt auch wirklich da an, wo er gebraucht wird“, sagt Akyürek. Wer helfen möchte, könne das unter dem eigens für das Projekt eröffnete Paypal-Konto tun.  Den Fortschritt des Hilfsprojekts kann jeder auf den Social Media Seiten von TALENTSCOUTS regelmäßig mitverfolgen. Das Ziel von TALENTSCOUTS ist es, zukünftig einen offiziellen Verein für dieses und viele folgende Hilfsprojekte und humanitäre Vorhaben auf Sansibar zu gründen. Akyürek möchte den Fokus dabei weiterhin auf die Kinder lenken. Denn fast immer sind sie es, die Beistand und Hilfe am meisten benötigen. Egal ob Bildung, Erziehung, Pflege, gesundheitliche Versorgung oder andere Formen der Unterstützung. „TALENTSCOUTS will sich hier einbringen und vor Ort helfen“. Für Ihre Spenden: Spenden für Schulprojekt Sansibar/Tansania  

DVPMG
AOK für Integration des E-Rezeptes in Kassen-Apps

Die AOK-Gemeinschaft begrüßt die Einführung des elektronischen Rezeptes für Arzneimittel, die ab dem 1. Juli zunächst im Rahmen eines eng begrenzten Pilotprojektes in der „Fokusregion“ Berlin/Brandenburg erfolgt. Zugleich spricht sich die AOK dafür aus, dass das E-Rezept künftig nicht nur in der E-Rezept-App der gematik, sondern auch in den Apps und Online-Plattformen der gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden kann. „Das E-Rezept ist ein wichtiger Baustein für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Der richtige Ort für die Einbindung und Übermittlung des E-Rezeptes an die Versicherten sind die bereits bestehenden Apps der Krankenkassen. Diese sollten für die Versicherten die zentrale Plattform sein, auf der sie alle Anwendungen für Verordnungen, Rezepte, Notfalldaten, Organspendeausweis oder Medikationsplan zusammengefasst finden“, so Litsch. Mit dem Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) hat der Gesetzgeber bereits die Grundlage dafür geschaffen, dass die Krankenkassen ihren Versicherten auch das E-Rezept per Smartphone anbieten können. Mit einer entsprechenden Rechtsverordnung sollte dies aus Sicht der AOK nun zeitnah auch in der Praxis ermöglicht werden. „Wichtig ist zudem, dass die Nutzung des E-Rezeptes künftig möglichst barrierefrei und ohne unnötige Hürden wie den obligatorischen Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte möglich wird“, so Litsch. Der derzeitige Prozess sei noch zu kompliziert. Zwar würden alle Versicherten, die eine neue Gesundheitskarte erhalten, schon länger mit den erforderlichen NFC-fähigen Gesundheitskarten ausgestattet. Allerdings hätten bisher nur knapp 2.000 AOK-Versicherte die ebenfalls zur Anmeldung erforderliche PIN angefordert. Das alternative Verfahren ohne Einsatz von NFC-fähiger elektronischer Gesundheitskarte und dazugehöriger PIN, das die Kassen laut DVPMG zum 1. Januar 2022 für das E-Rezept anbieten sollen, ist daher aus Sicht der AOK der richtige Ansatz. „Wir wollen unseren Versicherten zum 1. Januar 2022 dieses alternative Verfahren anbieten. Ob das gelingt, hängt jedoch von den Plänen der gematik zur konkreten Ausgestaltung ab, auf die wir aktuell gespannt warten“, so Litsch. „Ein vergleichbares Online-Verfahren bieten wir jetzt schon zur Anmeldung in der elektronischen Patientenakte der AOK an.“ Litsch: E-Rezept kann Prozesse für alle Beteiligten effizienter machen Auch wegen der derzeit hohen Hürden für den Zugang sind nach Einschätzung der AOK-Expertinnen und -Experten anfangs noch Probleme in der Kommunikation und der Umsetzung der Prozesse rund um das elektronische Rezept zu erwarten. Die kurzfristige Anpassung des Zeitplans und die Verschiebung der bundesweiten Einführung auf den Beginn des 4. Quartals zeigen, dass diese Probleme auch im Bundesgesundheitsministerium gesehen werden. „Die Implementierung einer Testphase in der Fokusregion Berlin/Brandenburg kann dazu beitragen, die Prozesse vor dem bundesweiten Roll-out zu überprüfen und Schnittstellenprobleme gemeinsam zu lösen“, so Martin Litsch. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Umsetzungsprobleme sei es gut, dass es in der Startphase des E-Rezeptes mit dem herkömmlichen Papierrezept und dem Ausdruck des sogenannten E-Rezept-Tokens durch den Arzt oder die Ärztin noch analoge Alternativen gebe. Abgesehen davon sei die Digitalisierung an dieser Stelle aber absolut sinnvoll, betont der AOK-Vorstand: „Die digitale Übermittlung von Rezepten kann die Prozesse für die Versicherten, aber auch für Apothekerinnen und Apotheker und Krankenkassen in Zukunft deutlich vereinfachen und effizienter machen.“ Elektronische Patientenakte: Anbindung der Praxen wird verpflichtend Auch für die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ist der 1. Juli 2021 ein wichtiger Stichtag: Die Vertragsärzte müssen bis zu diesem Datum gegenüber ihrer Kassenärztlichen Vereinigung nachweisen, dass sie über die technischen Komponenten zum Auslesen und Befüllen der ePA verfügen. „Die elektronische Patientenakte ist ein zukunftsweisendes Projekt. Sie wird die Vernetzung der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen unterstützen und einen echten Nutzen für unsere Versicherten haben, wenn sie flächendeckend eingesetzt und von den Ärztinnen und Ärzten befüllt wird“, betont AOK-Vorstand Litsch. Die AOK und die anderen gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Versicherten schon seit Januar 2021 den Zugang zu ihrer persönlichen ePA an. „Aber erst mit der verpflichtenden Anbindung der Arztpraxen wird sie wirklich interessant für die Patientinnen und Patienten“, so Litsch. Die AOK werde die Information und Aufklärung ihrer Versicherten über ihre ePA-App „AOK Mein Leben“ in den nächsten Monaten Schritt für Schritt intensivieren.