Krise in der Opposition
Türkei: Oppositionspartei CHP steckt in der Krise

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

In der Türkei macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit, wenn es darum geht zu erklären, was gerade in der heimischen Parteilandschaft passiert: Die größte Oppositionspartei des Landes, die CHP, steckt nach dem fulminanten Sieg bei der Kommunalwahl Ende März 2024 in der Krise.

Spulen wir zurück: Im Herbst 2023 konnte sich das Trio Özgür Özel, Ekrem İmamoğlu und Mansur Yavaş bei der CHP-Parteiwahl gegen den damals amtierenden Parteivorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu durchsetzen. Özgür Özel wurde zum Parteivorsitzenden gewählt. Kılıçdaroğlu sprach nur wenige Stunden nach der Abwahl von einem Dolchstoß seitens seiner Parteijünger Özel, İmamoğlu und Yavaş gegen ihn und stieß damit ein Stein ins Rollen.

Kennen Sie den Vers aus Eduard Mörikes berühmtem Gedicht „Die traurige Krönung“? Das beschreibt exakt die gegenwärtige Lage.

Nachdem Kemal Kılıçdaroğlu, der aus Tunceli stammt und Alevite ist, die Dolchstoßlegende in die Welt gesetzt hatte, setzten sich immer mehr Mitglieder der CHP, darunter auch namhafte Führungspersönlichkeiten von der neuen Parteiführung ab und fichten die Rechtmäßigkeit des 38. Ordentlichen CHP-Parteitags (bei dem Kılıçdaroğlu im November 2023 gegen Özgür Özel verlor) gerichtlich an. Sie forderten eine absolute Nichtigkeit (Mutlak-Butlan) dieses Parteitags, um die Führung der Partei parteirechtlich neu zu ordnen.

Während Özgür Özel, Ekrem İmamoğlu und Mansur Yavaş den Vorstoß Kılıçdaroğlus als fingierten „Palastputsch“ bezeichneten und damit den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als Urheber vorhielten, geriet der Istanbuler OB Ekrem İmamoğlu in Zusammenhang mit bandenmäßiger Korruption sowie illegalen Ausschreibungen ins Visier der Justiz, nachdem die ersten Anzeigen und Belastungsmaterialien gegen Ekrem Imamoğlu aus den Reihen seiner eigenen Partei, der CHP, in die Hände der Generalstaatsanwaltschaft gegeben wurden.

Das heißt, die Krise in der Türkei in Zusammenhang mit der CHP, wurde von Mitgliedern der CHP selbst angestoßen, die Ursache aber von der neuen Führung der CHP bei Erdoğan verortet.

Der Punkt ist: Die Erzählgeschichte von Özgür Özel, Ekrem İmamoğlu und Mansur Yavaş über die Rolle der Regierung konnte so nicht stimmig sein. Laut Anzeigenerstattern verlief bereits die Parteiwahl Özels alles andere als demokratisch. Delegierte wurden geschmiert, mit sündhaft teuren Bar-Aufenthalten und Geschenken umgestimmt, damit Özgür Özel an die Parteispitze kommt.

Die Gelder wurden laut belastendem Material von Ekrem İmamoğlu bereitgestellt und auch entsprechend verteilt, um die Delegierten umzustimmen. Es brauchte eine ganze Weile, bis das zu juristischen sowie politischen Konsequenzen führen sollte. Während dieser Zeit ließ sich Özel immer wieder im Amt per Sonderparteitagen bestätigen, um einem Mutlak-Butlan-Urteil vorweg zu greifen.

Es wurde jedoch immer deutlicher, dass die Schockwellen, die die CHP-Führung trafen, den eigenen Entscheidungen der Vergangenheit geschuldet sind. Die Erzählgeschichte war wie für Sozialdemokraten geschrieben, in der sich das Trio nach wie vor sieht: Erdoğan will mit aller Macht den Spitzenkandidaten der CHP, Ekrem İmamoğlu, zu Fall bringen.

Das Problem ist: Die CHP und ihre Wähler wollen es nicht einmal hören, was die Justiz und vor allem das oppositionelle Lager innerhalb der CHP selbst, das sieht. Wie nahezu alle anderen oppositionellen Parteien ist die CHP gefangen in den starren Denkweisen, die erst zu dieser Krise geführt haben.

Namhafte CHP-Mitglieder warnten beizeiten davor, Mitglieder, die wegen Korruption oder Bestechung ins Visier der Justiz geraten, weiterhin in der Partei zu behalten. Nur wenige Wochen nach der Inhaftierung Ekrem İmamoğlus, nahm die Verhaftungswelle ungeahnte Ausmaße an.

Landesweit durchsuchten Ermittler Parteibüros und städtische Betriebe, um belastendes Material zu finden, die die Vorwürfe erhärten. Mitglieder der CHP, gegen die die Vorwürfe erhoben wurden, machten von der Kronzeugenregelung gebrauch, um das mögliche Strafmaß zu mildern, was zu neuerlichen Razzias der Polizei führten.

In der CHP-Führung hielt man entgegen der Ratschläge an den eigenen Mitgliedern fest, die mit Korruptions- und Bestechungsvorwürfen in Untersuchungshaft kamen. Stattdessen unterstrich man die Erzählgeschichte, wonach alles Erdoğan zu verantworten habe, um seine Kontrahenten aus dem Weg zu räumen.

In diesen wirren Zeiten wurden reihenweise CHP-Mitglieder mit Parteiausschlussverfahren überzogen, die sich angeschickt hatten, Kritik an der Führung zu üben oder belastendes Material veröffentlicht zu haben.

Auf der anderen Seite hielt man daran fest, Mitglieder in Schutz zu nehmen, die mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen hatten. Die treuen Wählerschichten ertragen bis heute diese Erzählgeschichte, die weit über die Grenzen hinaus getragen werden und daran glauben, dass die Verräter (Hain) in den eigenen Reihen sitzen und Erdoğan zuarbeiten.

Die ohnehin angespannten innerparteilichen Konflikte eskalierten diese Woche weiter, nachdem ein Gericht die Wahl des Parteivorsitzenden Özgür Özel im Herbst 2023 für ungültig erklärte und Kemal Kılıçdaroğlu vorläufig wieder einsetzte. Kılıçdaroğlu prüft derzeit Berichten zufolge, die Parteimitgliedschaft des inhaftierten Ekrem Imamoğlu und anderer angeklagter Mitglieder vorerst auszusetzen.

Dies befeuert die Debatte um den parteiinternen Verrat erneut massiv, wird Kemal Kılıçdaroğlu als „Hain“ bezeichnet. Das konnte man eindrucksvoll nach der Urteilsverkündung verfolgen, als in der CHP-Parteizentrale in Istanbul oder Ankara aus der „Ahnenreihe der CHP“ die Bilderrahmen mit dem Konterfei Kılıçdaroğlus von der Wand gerissen wurden.

Zusammenfassend handelt es sich um eine existenzielle Zerreißprobe für die türkische Oppositionspartei CHP, bei der das Lager um Özel, İmamoğlu und Yavaş versucht, die Errungenschaften der Kommunalwahl und die Präsidentschaftsambitionen gegen den juristisch-politischen Revanche-Versuch Kılıçdaroğlus zu verteidigen. Erdoğan hat sich inzwischen mit der Rolle des lüsternen Machthabers abgefunden, mit der die Opposition die Krise erklärt haben will.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Kommentar: Imamoglu und das Chaos namens CHP

Flotilla-Skandal
Mattner über Ben Gvir: Wie ein beleidigter Türsteher vor einer Dorfdisco

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ hat wieder einen großen Auftritt hingelegt. Diesmal: Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.

Der Mann, der offenbar dachte: „Wie reagiert man staatsmännisch auf internationale Aktivisten, die auf eine humanitäre Katastrophe aufmerksam machen wollen?“ Vielleicht mit Diplomatie? Mit rechtsstaatlicher Souveränität? Mit irgendeiner Form von Würde?

Nein. Natürlich nicht.

Stattdessen filmt man sich lieber dabei, wie man gefesselte Aktivisten verhöhnt, triumphierend israelische Fahnen schwenkt und sinngemäß erklärt: „Wir sind hier die Hausherren.“ Ein Auftritt irgendwo zwischen Schulhof-Schläger, Fußball-Hooligan und autoritärem Provinzfürsten mit TikTok-Sucht.

Man muss sich das wirklich vorstellen: Menschen sitzen fest, Gaza verhungert, die Welt diskutiert über humanitäre Hilfe — und ein Minister einer angeblichen Vorzeige-Demokratie produziert ein Video, das wirkt, als hätte jemand die Kommentarspalte eines rechtsextremen Telegram-Kanals verfilmt. Aber keine Sorge: Das nennt man vermutlich „westliche Werte“.

Und genau das ist die eigentliche Farce: Wäre ein Minister eines anderen Landes grinsend durch die Gegend gelaufen, während Aktivisten gedemütigt werden, hätten dieselben Medien längst Sondersendungen über autoritäre Entgleisungen produziert. Aber hier? Da heißt es dann: „komplizierte Sicherheitslage.“ Das politische Äquivalent von: „Ja, der Mann hat das Haus angezündet, aber man muss auch seine Perspektive sehen.“

Besonders grotesk ist diese Mischung aus Daueropferrolle und Machtdemonstration. Ein Staat mit einer der stärksten Armeen der Welt benimmt sich gegenüber unbewaffneten Aktivisten wie ein beleidigter Türsteher vor einer Dorfdisco.

Und Ben-Gvir? Der wirkt dabei wie jemand, der Demokratie ausschließlich als die Freiheit versteht, andere öffentlich zu erniedrigen.

Das Beeindruckendste ist fast noch die völlige Abwesenheit jedes politischen Schamgefühls. Früher versuchten Regierungen wenigstens noch, autoritäres Verhalten zu verstecken. Heute wird es offenbar direkt als Social-Media-Content produziert. Mit Fahne. Mit Grinsen. Mit Likes. 

Aber klar: Das ist also die moralische Supermacht, die der Welt permanent erklärt, was Zivilisation bedeutet.

Eine Demokratie, die Aktivisten verspottet, humanitäre Kritik dämonisiert und jede Empathie sofort unter Terrorverdacht stellt — wie beruhigend, dass uns genau solche Leute ständig etwas über Werte erzählen wollen.


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Rechtsextremismus
Der rassistische Mord an Ufuk Şahin: „Ich bin ein Mensch wie Du“

Berlin –  Es war ein gewöhnlicher Frühlingsabend im Berliner Märkischen Viertel. Der 24-jährige Ufuk Şahin und sein Freund Murat P. tranken Tee, gingen spazieren — und begegneten dabei Andreas S. und seiner Verlobten. Andreas S. rief lautstark in ihre Richtung:

„Seitdem diese Ausländer hier sind, gibt es keine Sicherheit mehr. Sieh mal da, zwei Kanaken.“

Şahin und sein Freund gingen weiter, ohne zu antworten. Auf dem Rückweg liefen die beiden abermals in Andreas S. hinein. Dieser brüllte sie erneut an: „Ausländer raus!“, „Kanaken raus!“, „Deutschland den Deutschen!“ Şahin stellte sich vor ihn und fragte, warum er das sage. Andreas S. zog ein Messer und stach zu. Die Klinge traf eine Hauptschlagader. Ufuk Şahin verblutete noch am Tatort. Es war der 12. Mai 1989. Seine letzten Worte an seinen Mörder waren: „Ich bin ein Mensch wie Du.“ Rechts

Ein Leben, das gerade begonnen hatte

Ufuk Şahin war mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach West-Berlin gekommen. Er machte seinen Realschulabschluss, absolvierte eine Ausbildung zum Schlosser und arbeitete bei der Berliner Firma Waggon-Union. Nebenbei betrieb er einen kleinen Imbiss.

Zwei Jahre vor seinem Tod hatte er geheiratet — die junge Familie lebte im Märkischen Viertel, ihr Sohn war zwei Jahre alt. Nachbarn beschrieben Şahin als höflich, vernünftig, jemanden der beruhigend auf jüngere Viertelsbewohner einwirkte wenn es nötig war. Er wurde 24 Jahre alt.

Kein rassistisches Motiv — laut Polizei

Die ermittelnde Mordkommission sah keine Anhaltspunkte für ein fremdenfeindliches Motiv des Täters. Das, obwohl Andreas S. wegen Körperverletzung vorbestraft war, Nachbarn und Zeugen ihn übereinstimmend als Ausländerhasser beschrieben, der mit einem Luftdruckgewehr auf Migrantenkinder gezielt hatte, militärisch salutierte und im Wald Wehrsportübungen durchführte.

Im Oktober 1989 verurteilte ihn ein Berliner Gericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge — zu fünf Jahren Haft. Weder Gericht noch Staatsanwaltschaft wollten ein rassistisches Motiv erkennen, obwohl der Täter selbst „Ärger über all die Kanaken“ geäußert hatte.

Bei Gedenkveranstaltungen nach dem Mord griffen Neonazis die Trauernden an. In Schöneberg zeigten Rechtsextremisten den Hitlergruß, beleidigten die Trauernden rassistisch und bewarfen sie mit Eiern.

Institutioneller Rassismus — kein Einzelfall

Der Fall Ufuk Şahin steht nicht allein. Er steht für ein Muster, das sich durch die deutsche Nachkriegsgeschichte zieht und das beim NSU-Komplex besonders deutlich wurde. Jahrelang mordeten die Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds ungehindert — neun türkische Kleinunternehmer, ein griechischer Gewerbetreibender, eine Polizistin.

Statt in Richtung Rechtsterrorismus zu ermitteln, beschuldigten die Behörden jahrelang die Familien der Opfer. Der bayerische Kriminalbeamte und Profiler Alexander Horn hatte bereits 2006 in einer Fallanalyse einen rechtsextremistischen Hintergrund identifiziert — niemand nahm seine Analyse ernst.

Beim NSU-Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004 wurden 22 Menschen verletzt, vier davon schwer. Anwohner und Betroffene wiesen unabhängig voneinander auf ein rassistisches Motiv hin. Die Ermittler verfolgten diese Hinweise nicht.

221 Tote — der Staat zählt nur 117

Seit der Wiedervereinigung dokumentiert die Amadeu-Antonio-Stiftung derzeit 221 Todesopfer rechter und rassistischer Gewalt in Deutschland — staatliche Behörden erkennen lediglich 117 davon offiziell an.

Die Lücke von über 100 anerkannten Toten ist kein Zufall. Für viele Fälle aus den 1990er Jahren wurden keine Ermittlungen in Richtung eines politischen Motivs eingeleitet, Akten wurden vernichtet, Hinweise ignoriert. Die Familien der Opfer wurden häufig kriminalisiert statt unterstützt — staatliches Versagen, das ihre Wunden zusätzlich vertiefte. 

Hanau, 19. Februar 2020: Ein rechtsextremistischer Attentäter erschoss neun Menschen mit Migrationshintergrund in zwei Shisha-Bars. Der Täter hatte zuvor ein rassistisches Manifest veröffentlicht. Hanau wurde zum Symbol — und zur Mahnung, dass rechter Terror in Deutschland keine Geschichte der Vergangenheit ist.

Der 12. Mai 1989 jährt sich. Ufuk Şahin hinterließ eine Frau und einen zweijährigen Sohn. Sein Name steht für Hunderte, die vor ihm und nach ihm starben — und für ein Deutschland, das sich mit der Anerkennung dieser Taten bis heute schwer tut.

 


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Brandmauer-Debatte
Kretschmer: „AfD in Wahrheit nur heiße Luft“

Berlin – Der sächsische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Vorsitzende Michael Kretschmer hat die Brandmauer-Debatte in seiner Partei erneut scharf kritisiert.

„Der Begriff der Brandmauer nutzt den Rechtsextremen enorm. Sie können die Märtyrer geben. Sie stellen sich als politische Kraft dar, die vermeintlich viele Lösungen hat, aber nicht gehört wird“, sagte Kretschmer im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz).

„Das hat der AfD erst ermöglicht, zur verheißungsvollen Projektionsfläche zu werden, die in Wahrheit nur heiße Luft ist. Denn was aus der Partei alles an Vorschlägen kommt, passt vorne und hinten nicht zusammen und würde nichts besser machen.“

Auf die Frage, ob die Brandmauer eingerissen gehört und die CDU mit der AfD gemeinsam regieren solle, sagte Kretschmer: „Das heißt nicht, dass man nicht sehr genau hinschauen muss. Die Partei hat einen sehr harten rechtsextremen Kern. Wenn Menschen wie Björn Höcke eine führende Rolle spielen und immer mehr an Einfluss gewinnen, kann man nicht so tun, als wäre das eine Partei wie jede andere.“

Das Einzige, was den Aufstieg der Rechtspopulisten wirklich stoppen könne, sei es, die Probleme zu lösen und sich nicht hinter Floskeln zu verstecken wie der, man müsse alles nur besser erklären, sagte Kretschmer zu „noz“.

„Die Demokratie zu stärken gelingt nur, wenn wir den Bürgern wieder mehr Freiheit geben und einen Wirtschaftsaufschwung in Gang setzen. Die Strangulierung aus Berlin und Brüssel zu lösen, das ist der Regierung in ihrem ersten Jahr noch nicht gelungen. Und nennenswerte Beiträge zur Beendigung des Ukraine-Krieges oder der Iran-Krise hat sie auch nicht geleistet. Und das enttäuscht die Leute natürlich.“

Weiter sagte der sächsische Regierungschef:

„Wir haben fast 15 Jahre Erfahrung mit der AfD. Aber noch nicht überall scheint man daraus gelernt zu haben. Alle Ausgrenzungen und Warnungen schwächen die AfD nicht, sondern stärken sie.“

Sein Appell: „Lasst uns doch bitte aufhören, über den Umgang mit den Rechtspopulisten zu reden, und endlich die Gründe für ihre Popularität beseitigen! Lasst uns die Gesellschaft zusammenführen, Mut machen zum Anpacken, ernsthaft nachdenken, wie es besser werden kann. Das ist doch eigentlich typisch deutsch, und nicht die billige populistische Verteufelung.“

Mit Blick auf den häufigen Streit in der Berliner Koalition forderte Kretschmer: „Es steht extrem viel auf dem Spiel. Die Regierung muss beweisen, dass Konsens-Demokratie und Rechtsstaatlichkeit das überlegene Konzept sind, um die Herausforderungen der Zeit zu meistern und Probleme erfolgreich zu lösen. Die Ohnmachtserfahrungen müssen für die Bürger enden, die Belehrungen aus Berlin müssen aufhören. Und ja, das sollte einer Bundesregierung in Berlin möglich sein.“

 


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Sozialstaat
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Osnabrück – Achim Truger fordert stärkere Einbindung von Beamten in den Sozialstaat – Wirtschaftsweiser warnt vor „Klassensystem“

Der Wirtschaftsweise Achim Truger hat die hohe Zahl an Beamten in Deutschland hinterfragt und eine Einbeziehung aller Staatsdiener in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gefordert.

„Man sollte sich fragen, ob es überhaupt so viele Beamte braucht. Lehrer und Universitätsprofessoren wie ich müssten beispielsweise nicht zwingend verbeamtet werden“, sagte Truger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz).

Langfristig sei dies ein guter Weg, Staatsdiener stärker in die Solidargemeinschaft einzubinden, um die Entstehung eines Klassensystems zu verhindern. „Dass Beamte aus der gesetzlichen Krankenversicherung rausgehalten werden, halte ich für völlig falsch“, so Truger zu noz. Durch die guten Gehälter der Beamten könne die Kassenlage der GKV gestärkt werden.

Zudem kritisiert Truger eine unfaire Verteilung der Kosten im Gesundheitssystem zulasten der Beitragszahler

. „Dass es den Beamten zum Teil so gut geht, hängt auch damit zusammen, dass man das Leben der anderen über die Jahre verschlechtert hat. Etwa indem der Beitragszahler für den Großteil der Kosten der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern aufkommen muss. Da macht sich der Bund einen schlanken Fuß.“

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– Steuerrecht –
Abfindung: Steuervorteil erstmalig nur über Steuererklärung

Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes geht oft eine Abfindungszahlung einher. Bisher wurde deren Besteuerung in der Regel direkt gemildert. Möglich machte das die Fünftelregelung, die Arbeitgeber bei der Lohnabrechnung berücksichtigten.

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Nordzypern
Lefkoşa: Israeli mit menschlichen Embryonen im Koffer

Lefkoşa/Nordzypern – Was Sicherheitsbehörden am Flughafen Ercan im türkisch kontrollierten Nordzypern am 19. Mai entdeckten, sorgte für Aufsehen:

In dem Gepäck eines 24-jährigen israelischen Staatsangehörigen befanden sich vier menschliche Embryonen — aufbewahrt in Reagenzgläsern in einem speziellen Kryobehälter mit der Aufschrift „Life Parcel“.

Der Mann stand kurz davor, einen Flug nach Mexiko via Istanbul zu besteigen. Er wurde noch am Flugsteig festgenommen.

Gleichzeitig rückten Ermittler eine IVF-Klinik in Lefkoşa, der de-facto-Hauptstadt Nordzypers, aus. Der Klinikdirektor und ein dort tätiger Arzt, beide türkische Staatsangehörige, wurden ebenfalls verhaftet.

Die Klinik soll nach Angaben der Behörden ohne die erforderliche Zulassung betrieben worden sein. Auch für die Entnahme und den internationalen Transfer der Embryonen habe es keine Genehmigung der zuständigen zyprischen Gesundheitsbehörden gegeben, hieß es. Medienberichten zufolge soll die Klinik mit dem Unternehmen Vita Altera in Verbindung stehen, das von dem in Israel tätigen Embryologen Aharon Peretz gegründet wurde.

Drei Verdächtige vor Gericht

Alle drei Festgenommenen wurden einem Gericht vorgeführt, das ihre Untersuchungshaft um zunächst zwei Tage verlängerte, um den Ermittlern Zeit zu geben, Zeugenaussagen aufzunehmen und Sicherheitskameraaufnahmen auszuwerten.

Sie werden beschuldigt, menschliche Embryonen ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen aus Nordzypern entfernt zu haben — ein Verstoß gegen Gesetze zur Übertragung menschlicher Zellen, Gewebe und Organe.

Ziel Mexiko — Hintergründe noch unklar

Warum die Embryonen nach Mexiko gebracht werden sollten und wem sie gehören, ist bislang unklar. Ermittler prüfen laut Ynet auch die mutmaßliche Schmuggelroute: Der Flughafen Ercan im türkisch kontrollierten Teil Zyperns wird von den meisten Ländern nicht offiziell anerkannt.

Flüge von dort führen in der Regel zunächst nach Istanbul — von wo aus dann Verbindungen in alle Welt bestehen. Ob hinter dem Vorfall Leihmutterschaft, Organhandel oder andere Motive stehen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Angaben dazu machten die Behörden bislang nicht.

Der Fall wirft laut Rechtsexperten ein Schlaglicht auf eine wachsende rechtliche Grauzone: Internationale IVF-Verfahren und grenzüberschreitende Embryonentransfers nehmen weltweit zu — die gesetzlichen Regelungen dazu unterscheiden sich jedoch von Land zu Land erheblich.

Medicus-Skandal

Der Fall erinnert an den Medicus-Skandal von 2008: Damals wurden in einer Klinik im Kosovo illegale Nierentransplantationen durchgeführt. Der israelische Staatsbürger Moshe Harel, der als Kopf des Organhandelsrings gilt, wurde 2018 in Zypern verhaftet — kosovarische Behörden beantragten seine Auslieferung. Empfänger der illegal verpflanzten Nieren waren hauptsächlich israelische Staatsbürger, die mehr als 70.000 Euro pro Organ bezahlt haben sollen.

 


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Israel
Israel-Umfrage: Mehrheit fordert Netanjahu-Rücktritt

Jerusalem – Eine neue Umfrage des israelischen Maariv-Blattes, durchgeführt vom privaten Lazar-Institut zeigt ein klares Bild: 55 Prozent der Befragten wollen, dass Premierminister Benjamin Netanyahu aus der Politik ausscheidet und bei den kommenden Knesset-Wahlen nicht mehr antritt.

Nur 38 Prozent wünschen sich, dass er die Likud-Partei erneut anführt. Sieben Prozent waren unentschlossen.

Die Umfrage erscheint zu einem Zeitpunkt tiefer Erschöpfung in der israelischen Gesellschaft. Nach fast drei Jahren Krieg — gegen Hamas in Gaza, gegen die Hisbollah im Libanon und gegen Iran — hat sich die öffentliche Stimmung verdüstert.

„Keiner unserer Feinde wurde wirklich besiegt“, schreibt die israelische Zeitung Haaretz. Reservisten werden weiterhin einberufen, Soldaten sterben weiterhin — und Netanyahus Versprechen eines „totalen Sieges“, das er seit Anfang 2024 wiederholt, hat sich bislang nicht erfüllt.

Opposition vor historischer Mehrheit

Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Würde heute gewählt, könnte die Opposition die für eine Regierungsbildung notwendige Mehrheit von 61 der 120 Knesset-Sitze erreichen.

Der Regierungsblock um Netanyahu und den rechtsextremen

Nationalsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir fiel diese Woche auf 49 Sitze — ein Verlust von je einem Sitz für Likud und Otzma Yehudit. Der jüdische Oppositionsblock stieg auf 61 Sitze, arabische Abgeordnete kämen auf zehn.

Besonders stark zeigt sich Gadi Eisenkots Partei Yashar!, die auf 16 Sitze kam. Ein mögliches gemeinsames Listenbündnis der früheren Premierminister Naftali Bennett und Yair Lapid — unter Einbeziehung von Eisenkot — käme laut Umfrage auf 49 Sitze allein, was die Regierungsbildung deutlich erleichtern würde.

Wahlen bis Oktober — oder gar nicht?

Die Knesset-Amtszeit endet im Oktober 2026. Diskussionen laufen über mögliche vorgezogene Wahlen bereits im September. Die Koalition reichte diese Woche selbst einen Auflösungsantrag ein — offenbar um der Opposition zuvorzukommen, die bereits zwei ähnliche Anträge gestellt hatte.

Die Abstimmung über die Parlamentsauflösung und einen Wahltermin soll in der kommenden Woche beginnen.

Doch israelische Beobachter stellen zunehmend eine unbequeme Frage: Werden die Wahlen überhaupt stattfinden? Haaretz-Kolumnistin Ravit Hecht schrieb jüngst auf Hebräisch:

„Wenn Netanyahu verwundbar ist und in den Umfragen zurückliegt, ist er am gefährlichsten.“

Sie warnte, Netanyahu könnte versuchen, eine neue externe Front zu entfachen — vorzugsweise mit Iran — um einen Kriegsnotstand zu konstruieren, der Wahlen unmöglich erscheinen lässt. „Wenn es ihm nicht gelingt, Trump zu einer Wiederaufnahme des Krieges gegen Iran zu bewegen, wird er stattdessen die innenpolitische Front entzünden.“

Droht ein Verfassungskonflikt?

Netanyahus Koalitionspartner haben in den vergangenen Jahren systematisch die Legitimität des Obersten Gerichts untergraben — Richter werden als „illegitime Elite“ dargestellt, Gerichtsurteile als nicht bindend bezeichnet. Der amtierende Oberste Richter Yitzhak Amit wurde Ziel anhaltender Delegitimierungskampagnen.

Sollte die Regierung versuchen, Wahlen unter Berufung auf einen Kriegsnotstand zu verschieben oder auszusetzen, würde das Oberste Gericht mit hoher Wahrscheinlichkeit eingreifen. Israel besitzt keine formelle Verfassung, aber ein dichtes Netz sogenannter Grundgesetze und institutioneller Normen. Ein solcher Konflikt zwischen Exekutive und Judikative wäre ohne Präzedenzfall in der israelischen Geschichte.

Ein möglicher Ausweg: der Deal

Zunehmend wird in israelischen Politikkreisen ein Szenario diskutiert, das bis vor kurzem undenkbar schien: ein ausgehandelter Rückzug Netanyahus aus der Politik im Austausch gegen eine Begnadigung in seinem laufenden Korruptionsprozess.

Staatsanwaltschaft und Präsident Isaac Herzog könnten — unter der Bedingung eines Schuldeingeständnisses bei einem minderschweren Vergehen wie Vertrauensbruch statt der schwerwiegenderen Bestechungsvorwürfe — eine Begnadigung als Akt nationaler Aussöhnung framen.

Netanyahu selbst würde in einer solchen Erzählung als historischer Staatsmann dastehen, der nach existenziellen Kriegen freiwillig zurücktritt — nicht als geschlagener Politiker, den man aus dem Amt zerrt.

„Seine Anhänger würden die Erzählung akzeptieren. Seine Gegner würden das Ergebnis akzeptieren“, schreibt ein Analyst. „Die israelische Demokratie — beschädigt, aber nicht gebrochen — würde ohne einen vollständigen institutionellen Bruch überleben.“

Ob Netanyahu diesen Weg gehen würde, ist offen. Er gilt als jemand, dem die Vorstellung einer Niederlage unerträglicher ist als fast alles andere. Doch die Alternative — ein Wahlkampf, den er nach allem zu verlieren droht, gefolgt vom Ende jeder Möglichkeit, seinen Prozess weiter zu verzögern — könnte ihn in eine Ecke treiben, aus der selbst er keinen anderen Ausweg findet.

 


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– Kommentar –
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Bevor die ersten Raketen aus Gaza einschlugen, befand sich Israel bereits in der schwersten inneren Zerreißprobe seiner Geschichte. Benjamin Netanjahu trieb eine Justizreform voran, die das Land bis ins Mark spaltete und den sozialen Vertrag aufkündigte.

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„Celebrate Israel Parade"
Erster Bürgermeister in 61 Jahren: Mamdani meidet Israel-Tag

New York – Zohran Mamdani, seit Januar 2026 Bürgermeister von New York City und der erste Muslim in diesem Amt, wird am 31. Mai nicht an der jährlichen „Celebrate Israel Parade“ auf der Fifth Avenue teilnehmen.

Das bestätigte sein Büro diese Woche. Es ist das erste Mal seit 61 Jahren, dass ein amtierender New Yorker Bürgermeister die Parade auslässt — eine Veranstaltung, die vom Jewish Community Relations Council of New York und der UJA-Federation of New York organisiert wird und als eine der größten jährlichen Israel-Solidaritätsveranstaltungen weltweit gilt. 

Mamdani betonte, seine Abwesenheit solle nicht als Verweigerung städtischer Unterstützung für die Veranstaltung gewertet werden. „Mein Fehlen sollte nicht als Ablehnung der Bereitstellung von Sicherheit oder der notwendigen Genehmigungen missverstanden werden“, erklärte er. Das New York Police Department werde wie gewohnt für einen sicheren Ablauf der Parade sorgen.

Fox News und Giuliani wittern Antisemitismus

Die Reaktionen von konservativer Seite fielen scharf aus. Fox News titelte „Antisemitism Exposed“ — Antisemitismus entlarvt. Der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani erklärte gegenüber der New York Post: „Mamdanis Entscheidung, die Israel Day Parade zu meiden, zeigt seine tiefe Verachtung und seinen Hass auf die jüdische Gemeinschaft.“

Giuliani fügte hinzu, Mamdanis Fehlen sei Teil eines Musters — er habe auch die Amtseinführung des neuen katholischen Erzbischofs Ronald Hicks nicht besucht.

„Es entsteht das Bild eines Mannes, der die Grundlagen der westlichen Zivilisation zerstören will“, so Giuliani.

Kritiker werfen Mamdani einen Doppelstandard vor — er habe an der Pakistan Day Parade teilgenommen, auf die Israel-Parade aber verzichtet. Mamdani antwortete auf diese Frage nicht direkt, bekräftigte jedoch seine Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft New Yorks.

Nakba-Tag und ein neues Kapitel New Yorker Stadtpolitik

Die Parade-Entscheidung steht nicht allein. Anfang Mai wurde Mamdani zum ersten New Yorker Bürgermeister, der den Nakba-Tag — den palästinensischen Gedenktag für die Vertreibung von 1948 — öffentlich über ein Video auf seinen sozialen Medien markierte.

Kritiker bemängelten, der Post habe den israelischen Unabhängigkeitstag nicht erwähnt. Unterstützer werteten es als längst überfällige Anerkennung palästinensischer Geschichte.

Ein Bürgermeister mit breiter jüdischer Unterstützung

Was die Debatte besonders komplex macht: Mamdani wurde bei seiner Wahl von rund 33 Prozent der jüdischen Wähler New Yorks unterstützt — mit besonders hohem Rückhalt unter progressiven und jüngeren jüdischen Wählern in Stadtteilen wie Park Slope.

Zu seinen Unterstützern zählten jüdische Organisationen wie Jews for Racial and Economic Justice und Jewish Voice for Peace Action sowie prominente jüdisch-liberale Politiker darunter Repräsentant Jerrold Nadler und Comptroller Brad Lander.

Mamdani hatte während seiner Kampagne die Aktionen der israelischen Regierung in Gaza als Völkermord bezeichnet und sich gegen staatliche Subventionen für Organisationen ausgesprochen, die israelische Siedlungen im Westjordanland unterstützen.

Gleichzeitig betonte er stets: „Ich glaube an gleiche Rechte für alle Menschen, überall.“ Er kündigte an, künftig an zahlreichen Veranstaltungen des jüdischen Gemeindelebens in New York teilzunehmen. Dabei verwies er auf seine geplante Abteilung für Gemeindesicherheit, die unter anderem den Schutz von New Yorkern in Synagogen und im öffentlichen Nahverkehr gewährleisten soll.

Beobachter weisen darauf hin, dass die Debatte um Mamdani eine tiefere Frage aufwirft: Was bedeutet es, die jüdische Gemeinschaft zu unterstützen — und ist diese Unterstützung zwingend an eine unkritische Haltung gegenüber der israelischen Regierungspolitik gebunden? Für seine Kritiker lautet die Antwort eindeutig ja. Für die 33 Prozent jüdischer Wähler, die ihn ins Amt gebracht haben, offenbar nicht.

 

 


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Karriere
Sprache als Karrierefaktor: Warum Englisch im internationalen Berufsalltag immer wichtiger wird

Englisch prägt den beruflichen Alltag weit über internationale Konzerne hinaus. Wer sich sicher ausdrückt, kann Projekte besser erklären, Kontakte verlässlicher pflegen und berufliche Chancen gezielter nutzen. Gerade nach der Schule wird Wirtschaftsenglisch deshalb zu einem Bestandteil lebenslanger Weiterbildung.

Die schulische Laufbahn legt häufig nur die Grundlage für den späteren Sprachgebrauch. Im Berufsleben verändern sich jedoch die Anforderungen: E-Mails, Präsentationen, Fachbegriffe, Meetings und internationale Abstimmungen verlangen einen anderen Wortschatz als klassische Schultexte. Erwachsene profitieren deshalb davon, Englisch nicht als abgeschlossenes Schulfach zu betrachten, sondern als berufliche Kompetenz, die sich Schritt für Schritt weiterentwickeln lässt.

Warum Wirtschaftsenglisch nach der Schule wichtiger wird

Nach dem Schulabschluss beginnt für viele Menschen erst der eigentliche Praxistest. Im Unterricht stehen häufig Grammatik, allgemeiner Wortschatz und Textverständnis im Mittelpunkt. Der Berufsalltag verlangt dagegen konkrete sprachliche Handlungen. Beschäftigte müssen Angebote verstehen, Lieferzeiten abstimmen, Kennzahlen erklären, Beschwerden beantworten oder technische Unterlagen lesen.

Solche Aufgaben entstehen nicht nur in Exportabteilungen oder im Management. Auch Einkauf, Vertrieb, IT, Logistik, Pflege, Tourismus, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten zunehmend mit englischen Begriffen oder internationalen Kontakten.

Eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis repräsentativer BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen zeigt, dass rund 68 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland Fremdsprachenkenntnisse benötigen. Englisch ist dabei die am häufigsten verwendete Fremdsprache. Die Daten beruhen auf Erhebungen aus den Jahren 2006, 2012 und 2018 mit jeweils rund 20.000 Erwerbstätigen.

Welche Methoden Erwachsene beim Lernen unterstützen

Um Englisch im Berufsleben erfolgreich einsetzen zu können, ist es grundsätzlich wichtig, einen Grundstock an Vokabeln zu beherrschen. Dabei können digitale Vokabeltrainer mit Schwerpunkt Business-Englisch unterstützen.

Er unterstützt dabei, beruflich relevante Begriffe regelmäßig zu wiederholen und langfristig abrufbar zu machen. Gerade Erwachsene profitieren von Methoden, die sich gut in den Alltag integrieren lassen und nicht auf lange Lerneinheiten angewiesen sind. Kurze, wiederkehrende Übungen helfen, neue Wörter zu festigen und Unsicherheiten schrittweise abzubauen.


Neben dem reinen Wortschatz sollten Lernende auch typische Satzmuster und Redewendungen trainieren, damit sie Begriffe nicht isoliert kennen, sondern aktiv einsetzen können.

Ergänzend unterstützen englischsprachige Fachartikel, Podcasts, kurze Schreibübungen oder Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Entscheidend ist weniger die einzelne Methode als die regelmäßige Anwendung.

Studien zeigen den Wert von Englisch im Beruf

Internationale Untersuchungen bestätigen, dass Englisch für Arbeitgeber eine messbare Rolle spielt. Cambridge English und QS werteten für den Bericht „English at Work“ Antworten von 5.373 Arbeitgebern aus 38 Ländern und Regionen sowie 20 Branchen aus.

In Ländern, in denen Englisch weder Mutter- noch Amtssprache ist, bezeichneten mehr als zwei Drittel der Arbeitgeber Englischkenntnisse als wichtig für ihr Unternehmen. Der Bericht zeigt außerdem, dass Arbeitgeber Englisch im Bewerbungsprozess aktiv prüfen, etwa durch Interviews, Zertifikate oder Sprachtests.

Gute Kenntnisse können sich auch auf Karrierewege auswirken: In Ländern ohne offiziellen Englischstatus bietet ungefähr die Hälfte der Arbeitgeber Bewerbern mit guten Englischkenntnissen bessere Einstiegspakete, schnellere Entwicklungsmöglichkeiten oder höhere Gehaltssteigerungen.

Eine Untersuchung der Europäischen Kommission zu kleinen und mittleren Unternehmen zeigt zusätzlich, dass Sprachbarrieren wirtschaftliche Folgen haben können. In der ELAN-Studie gaben 11 Prozent von fast 2.000 befragten Unternehmen an, bereits einen Vertrag wegen fehlender Sprachkenntnisse verloren zu haben.

 


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Antisemitismusbeauftragte: Schützen sie Juden oder Israel?

Ein Gastkommenta von Michael Thomas

Die sogenannten „Antisemitismusbeauftragten“  Deutschlands. Dieses Amt wurde dereinst zum „Schutz jüdischen Lebens“ gegründet und soll der Weltöffentlichkeit die Aufrichtigkeit Deutschlands in ihrem vorgeblichen Kampf gegen Judenhass eindrücklich belegen.

Aber leider reduziert sich die Realität auf einen reinen Etikettenschwindel, eine Mogelpackung.

Seit nunmehr vielen Jahren herrscht immer dann nahezu vollständige Funkstille aus diesem Bundesamt, das in jedem Bundesland eine Vertretung unterhält, wenn es um den altbekannten und deshalb wohl eher langweiligen Kampf gegen den Judenhass geht, der seit Jahrhunderten in ganz Europa grassiert.

Da vermeldet die Presse zwar eine geringe Anzahl beispielsweise von Gesprächen zwischen dem Bundes-„Antisemitismusbeauftragten“ Felix Klein und der AfD-Spitze, allerdings legt er sogar dabei den Fokus auf sein eigentliches Interesse: Israel. Man solle, so Klein an die Adresse der AfD-Spitze gerichtet, doch gefälligst die Aktion „BDS“ (Boykott, Divestment, Sanctions) öffentlich verurteilen, die sich gegen Israels Politik richtet und deshalb von der deutschen Regierung als angeblich „antisemitisch“ bezeichnet wird. (1.)

Diese Haltung ist besonders problematisch; international wird dieser Vorwurf breitflächig bestritten. Geflissentlich „übersieht“ die Bundesregierung auch einen Brief, gegengezeichnet von zahlreichen jüdischen Intellektuellen, die von der Sanktionierung von BDS dringlich abraten, da sie eben keinesfalls antisemitisch sei.

Gerade das starrsinnige Festhalten der Regierung an diesem Quasi-Verbot und die Leidenschaft, mit der es von Felix Klein vertreten wird, zeigt den politischen Willen, nicht „jüdisches Leben“, sondern die Handlungen Israels beschützen zu wollen.

Heftiges Aufstoßen, sogar in der deutschen Regierung selbst, verursachte Klein mit seiner Idee, dass die Vertreibung der Palästinenser aus Gaza vielleicht gar nicht falsch wäre. Das ging selbst der Regierung zu weit – und sie distanzierte sich davon (2.)

Mit geradezu erschreckender Entfernung von seiner Aufgabe als „Antisemitismusbeauftragter“ engagiert sich Klein immer wieder leidenschaftlich in der Verteidigung israelischer Politik. So hieß er die israelische Bombardierung von Krankenhäusern in Gaza gut. (3.)

Hier muss man kurz innehalten – und sich ganz grundsätzliche Fragen stellen:

Wir dürften darüber einig sein, dass angesichts des alten Judenhasses, der aus den Trümmern des letzten Weltkrieges erneut in die Gesellschaft kriechen konnte, die Einrichtung eines solchen Amtes sinnvoll war.

Allerdings ist die Idee, dessen Aufgabe könnte sich auf den Schutz israelischer Politik erstrecken bzw. erweitern, strikt abzulehnen.

Israel ist ein souveräner, moderner Staat, dessen Bevölkerung zu weit mehr als einem Fünftel gar nicht aus Juden besteht. Die Politik dieses Staates Israel braucht deutschen Schutz nicht und darf auch keinesfalls dazu führen, dass Völker- und Menschenrechtsbrüche nicht nur nicht geahndet, sondern sogar verteidigt werden.

Gerade das ebenso gebetsmühlenartige wie falsche Wiederholen der Floskel, Israel sei angeblich ein „jüdischer Staat“ in Verbindung mit der verbissenen Verteidigung dessen Politik durch „Antisemitismusbeauftragte“ ist dazu angetan, echten, neuen Judenhass zu erzeugen.

Die Aufgabe eines deutschen „Antisemitismusbeauftragten“ findet sich in Deutschland.

Und sonst nirgendwo.

Der Bundesbeauftragte Felix Klein hat auf Länderebene jedoch Kollegen, die in ihrer Bemühung, Israels Vorgehen insgesamt unkritisch zu verteidigen, noch sehr, sehr viel weiter gehen.

So gehört der Staatskanzlei Hessens mit Uwe Klein ein „Antisemitismusbeauftragter“ an, der sich gleich vollständig als Sprachrohr der israelischen Regierung geriert und keine andere Aufgabe zu kennen scheint, als Werbung für Israels Kriege, Vertreibung und Massaker zu machen.

Für Becker ist alles angeblich „antisemitisch“, was Kritik an der israelischen Regierung beinhalten oder theoretisch auslösen oder erzeugen könnte. So wollte er das Textil „Kufya“ verbieten lassen.

Einen Schal.

Das ging sogar der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu weit, die sonst eher als israelnah wahrgenommen wird. (4.)

Aber damit nicht genug.

Er wollte dann den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ verbieten lassen, wohl weil dieser tatsächlich die Stimmen von Juden wiedergibt, die sich gegen Israels gewaltsames Vorgehen richten.

Becker lässt kaum einen Tag vergehen, ohne auf Facebook beispielsweise glühende Solidaritätsadressen an Israel zu richten.

So posiert er, sichtlich voller Stolz und Freude, mit einem „Großisrael“-Pokal in der Hand, den er einem israelischen Armeeveteranen übergibt. Dieser Pokal zeigt die von Israel besetzten Gebiete als israelisches Staatsgebiet. (5.)

Unnötig zu erwähnen, dass solches Gebaren sowohl gegen das Völkerrecht, allerdings auch gegen das deutsche Grundgesetz steht, das an die UN-Völkerrechte gebunden ist.

Becker bezieht sich in einem seiner Facebookbeiträge auch explizit auf einen Artikel der „BILD“, der keinem Faktencheck standhält, weil er ein Interview mit dem Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Khan, bewusst verzerrt und verfälscht wiedergibt. Danach soll Khan angeblich gesagt haben, es gäbe keine Beweise für einen Völkermord, was nicht der Wahrheit entspricht. (6.)

Nicht zuletzt reist der deutsche Antisemitismusbeauftragte an die israelisch-libanesische Grenze und gibt auf seinem Facebook-Account genau und völlig unkritisch wieder, was ihm die israelische Armee zum Konflikt in die Feder diktiert. Nicht nur, dass sich in seinem Bericht kein Zweifel an den Behauptungen des Militärs wiederfindet, sondern auffällig ist hier ebenfalls die Frage:

Was hat er dort überhaupt zu suchen?

Die Vielzahl an Berichten über die Einmischung von „Antisemitismusbeauftragten“ in klar israelbezogenen Fragen ist auffällig.

Allerdings lassen sich kaum Informationen darüber finden, dass sich diese Beauftragten um die Eindämmung des urdeutschen Judenhasses bekümmern würden, der unbestreitbar existiert und tatsächlich durch die Arbeit der Bundesregierung und dieser Beauftragten selbst weiter anwächst.

Die Verbissenheit, mit der diese Beauftragten Israels Politik beschützen, sie vertreten und Kritik gegen sie unter Strafe stellen wollen, wirkt grotesk. Mit ihrem gebetsmühlenartigen Wiederholen der unwahren Behauptung, Israel sei das Judentum schlechthin und alle Juden seien mit Israel zu assoziieren, provoziert für viele die Frage: „Sind demzufolge alle Juden so? Wollen wirklich alle Juden immer nur foltern, töten und bomben?“ – was genau dem widerwärtigen Judenhass entspräche, der dereinst einmal Deutschland regiert hatte.

Meiner persönlichen Meinung nach müssen alle „Antisemitismusbeauftragten“ von ihren Aufgaben befreit und das gesamte Amt grundlegend reformiert werden.

  1. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2018/10/ba-klein-afd.html
  2. https://www.israelnetz.com/bundesregierung-distanziert-sich-von-aussage-ihres-beauftragten-klein/
  3. https://www1.wdr.de/nachrichten/deutschland-israel-staatsraeson-klein100.html
  4. https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/kufiya-verbot-uwe-becker-stellt-die-palaestina-bewegung-unter-generalverdacht-110704565.html
  5. https://www.trtdeutsch.com/video/18206830
  6. https://www.facebook.com/share/p/1EDRQH3HUm/

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 
 

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