Fußball-WM 2006
Dagmar Freitag warnt vor voreiligen Schlüssen bei angeblichem WM-Skandal
Berlin (dts) – Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), hat vor voreiligen Schlüssen im Zusammenhang mit den Vorwürfen bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland gewarnt. „Für eine endgültige Bewertung ist es noch zu früh“, sagte sie der „Saarbrücker Zeitung“. „Auf der einen Seite denke ich, dass ein Magazin wie der `Spiegel` nicht an die Öffentlichkeit gehen würde, wenn es sich der Sache nicht sicher wäre.“
Auf der anderen Seite habe außer dem „Spiegel“ noch keiner die Belege gesehen, auf die sich die Vorhaltungen stützten, erläuterte Freitag. Umgekehrt gelte das allerdings auch für den DFB. „Der DFB und auch sein Präsident weisen jegliche Vorwürfe zurück. Das ist ihr gutes Recht. Doch was bislang fehlt, sind Belege, dass es tatsächlich anders war“, so Freitag. Politisch sieht die Sozialdemokratin derzeit keinen Handlungsbedarf. „Wir haben ja keine Ermittlungsbefugnisse. Wenn es sich um strafrechtlich relevante Vorgänge handeln sollte, dann ist das Sache der Ermittlungsbehörden“, erklärte Freitag.
Pegida-Bewegung
Bouffier: Pegida-Anhänger nicht aufgeben
Berlin (dts) – Der amtierende Bundesratspräsident, der hessische Regierungschef Volker Bouffier (CDU), hat die Politik davor gewarnt, die Anhänger der Pegida-Bewegung aufzugeben. „Pegida ist ein Ausdruck der Unzufriedenheit, den man nicht ignorieren kann“, sagte Bouffier in einem Interview mit der Zeitung „Welt“. Er betonte, man dürfe sich nicht damit zufrieden geben, „dass bestimmte Gruppen einfach verloren sind“.
Dennoch dürfe man ihnen nicht erzählen, was sie gerne hören möchten. „Wir müssen für unsere Überzeugung streiten“, so der Ministerpräsident. Bouffier kritisierte, dass Pegida den Protest in einer Weise äußere, der niemandem nütze. „Wer nur den Hass aufstachelt, hat ja noch keine Lösung. Die Straße in Schwung zu bringen, ist leicht“, erklärte der CDU-Vize.
Merkel zu Besuch in Istanbul
Merkel will sich für Visa-Erleichterungen für Türken einsetzen
Istanbul (dts/nex) – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Besuch in der Türkei angeboten, den beschleunigten Visaprozess für türkische Bürger zu unterstützen. „Im Gegenzug erwarten wir die schnellere Einführung des Rückübernahmeabkommens“, sagte Merkel am Sonntag nach einem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu in Istanbul.
Damit würde sich die Türkei verpflichten, Menschen, die illegal in die EU eingereist sind, wieder aufzunehmen. Merkel kündigte zudem eine stärkere finanzielle Unterstützung für die Türkei an. Das Land habe bisher für die große Leistung der Betreuung von über 2 Millionen Flüchtlingen wenig internationale Hilfe bekommen, so Merkel.
Nach einem Treffen der Bundeskanzlerin mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mitgeteilt, es seien neben der Lastenteilung bei der Flüchtlingsfrage die Arbeiten zu den Türkei-EU-Kapiteln erörtert worden. Die Kanzlerin sprach sich für die Eröffnung weiterer Kapitel im EU-Beitrittsprozess der Türkei aus und nannte die Bereiche Wirtschaft und Justiz.
Weiter sagte Merkel, sie habe mit dem türkischen Staatspräsidenten die Terrorbekämpfung und die Notwendigkeit einer politischen Lösung in Syrien besprochen. Dies seien wichtige Themen, die beide Länder betreffen, und man habe sich geeinigt, dass diese beiden Themen in Zukunft auf bilateraler Ebene erörtert werden müssen.
Reker holt absolute Mehrheit
Köln: Anschlagsopfer Reker gewinnt OB-Wahl
Köln (dts) – Bei der OB-Wahl in Köln ist die am Samstag bei einem Attentat schwer verletzte Henriette Reker zur Oberbürgermeisterin gewählt worden. Die parteilose Kandidatin erhielt mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen. SPD-Kandidat Jochen Ott kam auf rund 32 Prozent der Stimmen und gestand seine Niederlage ein: „Wir werden Frau Reker die Hand reichen. Wir wissen, diese Stadt hat viele Herausforderungen zu bestehen. Deshalb ist es wichtig, dass sie schnell wieder gesund wird. Frau Reker, an dieser Stelle alles Gute“, sagte Ott am Abend.
Reker war durch einen Messerangriff an einem Wahlstand schwer verletzt worden, gegen den 44-jährigen Täter wurde unterdessen Haftbefehl erlassen.
Die Wahlbeteiligung lag bei rund 40 Prozent.
SPD-Generalsekretärin
Messerangriff in Köln: Fahimi sieht Mitverantwortung von Pegida
Berlin (dts) – Nach dem Angriff auf die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker erhebt SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi schwere Vorwürfe gegen die Pegida-Bewegung. „Unsere politische Kultur wird durch Extremisten und Demagogen vergiftet“, sagte Fahimi der „Frankfurter Rundschau“ (Montagsausgabe). Zwar gehe sie davon aus, dass das Kölner Attentat ein Einzelfall sei. Dennoch würden „Pegida und Co. eine aggressive Stimmung in unserem Land schüren“, kritisierte Fahimi.
„Staatsanwälte bekommen Morddrohungen, Galgenattrappen mit den Namen von Kanzlerin und Vizekanzler finden sich auf Protestzügen wieder. Wer solche Ausfälle duldet und diesen hinterher marschiert, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob dadurch Selbstjustiz verherrlicht wird.“, so Fahimi. Die SPD-Generalsekretärin erklärte, es sei „Aufgabe aller Anständigen“, die Feinde der Demokratie „mit allen Mitteln des Rechtsstaats zu bekämpfen“.
Flüchtlingspolitik
Strobl begrüßt Merkels Türkei-Reise als „absolut richtig“
Berlin (dts) – Unionsfraktionsvize Thomas Strobl hat die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Türkei begrüßt und als „absolut richtig“ bezeichnet. „In der Türkei liegt ein wesentlicher Schlüssel, um den Flüchtlingsstrom zu verlangsamen, und sie ist ein wichtiger NATO-Partner“, sagte Strobl der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe).
„Deshalb ist es – bei allen Differenzen, die es auch gibt – absolut richtig, dass die Kanzlerin diese Gespräche führt“, sagte Strobl. „Die Wahrheit ist: Im günstigsten Fall kostet es sehr viel Geld. Doch die Alternative, ein völlig ungebremster Flüchtlingsstrom, hätte noch erheblich höhere Kosten“, sagte der CDU-Politiker. „Visa-Erleichterungen für Geschäftsleute fände ich in Ordnung“, sagte Strobl.
TTIP-Verhandlungen
BDI-Präsident Grillo begrüßt Pläne der EU-Kommission zu Zollabbau
Berlin (dts) – Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hat vor der elften TTIP-Verhandlungsrunde die Vorschläge der EU-Kommission für einen umfassenden Zollabbau begrüßt. „Die Zölle im Handel zwischen den USA und der EU wirken wie eine zusätzliche Steuer“, sagte Grillo am Sonntag. „Sie kosten Unternehmen und Verbraucher knapp zehn Milliarden Euro jährlich. Wenn diese Zölle wegfallen, profitieren Verbraucher wie Unternehmen und Belegschaften.“
Grillo forderte einen raschen Abschluss der Verhandlungen. „TTIP ist eine Chance, die Globalisierung nach unseren Maßstäben zu gestalten.“ Vor allem der Mittelstand würde von weniger Bürokratie im Handel profitieren. Es sei daher klug, dass die EU-Kommission das Abkommen mittelstandsfreundlich ausgestalten wolle, so der BDI-Präsident.
Stahlbranche
Weltstahlverbands-Chef: Europa verliert 60 Prozent der Stahlproduktion
Wien (dts) – Wolfgang Eder, Vorstandschef der österreichischen Voestalpine und Präsident des Weltstahlverbandes, befürchtet, dass ein Großteil der Produktion aus Europa verschwinden wird: „Ich schätze, etwa 60 Prozent der Stahlerzeugung in Europa werden wir aus Kostengründen langfristig verlieren. Hier wird es nur noch industrielles High-Tech geben können“, sagte Eder dem „Tagesspiegel“ (Montagsausgabe).
„Ein neuer Hochofen wird in Europa wohl nicht mehr gebaut werden, die sich schon sehr konkret abzeichnenden Rahmenbedingungen lassen das einfach nicht zu.“, so Eder.
Bundeswehr
Von der Leyen kündigt Einsatz in Mali an
Berlin (dts) – Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigt für das kommende Jahr einen robusten Bundeswehreinsatz im umkämpften Norden Malis an. Von der Leyen sagte „Bild am Sonntag“: „Dringend gebraucht werden in Mali Einsatzkräfte, die aufklären, wo sich in diesem riesengroßen Land Terrorgruppen und Milizen bewegen. Aktuell übernehmen die Niederlande diese Arbeit. Da kann die Bundeswehr mit ihren hohen Aufklärungsfähigkeiten ab Frühjahr 2016 entlasten.“
Die Vereinten Nationen schützten das Friedensabkommen in dem lange umkämpften Land mit der Minusma-Mission. Dazu wolle die Bundeswehr ihren Beitrag leisten. „Das Land ist eine Drehscheibe für die Flüchtlingsrouten. Deshalb ist es so wichtig, dass Mali dauerhaft befriedet wird und Schlepper nicht weiter ihre üblen Geschäfte machen“, so von der Leyen. Über die Einsatzstärke konnte die Ministerin noch keine Angaben machen, erst werde eine weitere Erkundungsmission entsendet und Gespräche mit den Niederlanden und der UN geführt.
Für von der Leyen steht aber fest, dass das Mandat auch den Waffengebrauch umfassen müsse: „Die Region um Gao ist gefährlich. Klar ist: Unsere Soldaten müssen sich schützen können und brauchen deshalb ein robustes Mandat.“ Im Norden Malis sind islamistische Terrorgruppen aktiv. Von der Leyen begründete den Einsatz auch mit den Flüchtlingsströmen: „Wir unterschätzen die fragile Situation im Norden Malis nicht. Terror ist aber einer der wichtigsten Gründe, warum Menschen fliehen. Deshalb müssen wir, wenn wir die Fluchtursachen bekämpfen wollen, bereit sein, dem Terror ins Auge zu sehen.“
Angesichts der sich verschärfenden Kämpfe in Syrien appellierte von der Leyen an alle Beteiligten, sich auf den Kampf gegen ISIS zu verständigen: „Das Bekämpfen der ISIS-Terroristen muss für alle Seiten oberste Priorität haben.“ Nach vier Jahren Bürgerkrieg sei klar, dass keiner allein den Krieg beenden könne. „Auch wenn es schwerfällt, weil es ganz viele widerstreitende Interessen gibt, müssen die USA, Europa, die Türkei, die Golfstaaten, der Iran und Russland an einen Tisch, um sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. Nur in der Gemeinschaft ist es möglich, diesen immer wieder von außen angefachteten Bürgerkrieg zu beenden und die ISIS zu bekämpfen“, sagte von der Leyen.
Flüchtlingskrise
Polizeigewerkschaft fordert Zaun an deutscher Grenze
Berlin (dts) – Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert den Bau eines Zauns an der deutschen Grenze, um Flüchtlinge aufzuhalten. Der Bundesvorsitzende Rainer Wendt sagte der „Welt am Sonntag“: „Wenn wir ernst gemeinte Grenzkontrollen durchführen wollen, müssen wir einen Zaun entlang der deutschen Grenze bauen. Ich bin dafür, dass wir das machen.“
Er erklärte seine Forderung damit, dass ein deutscher Zaun eine Kettenreaktion auslösen soll: „Wenn wir auf diese Weise unsere Grenzen schließen, wird auch Österreich die Grenze zu Slowenien schließen. Genau diesen Effekt brauchen wir.“ Die geplanten Transitzonen könne es ohne Zaun nicht geben. Man könne auch das Signal „Kommt alle her“ nicht mehr länger senden. Wendt warnte: „Unsere innere Ordnung ist in Gefahr. Wir stehen vor sozialen Unruhen. Jemand muss jetzt die Notbremse ziehen – das kann nur Angela Merkel sein.“

