Vereitelter Putschversuch
ESC-Siegerin Jamala: „Ich liebe dich, Türkei! Warte auf mich!“

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Jamala kündigt als Zeichen ihrer Solidarität mit dem türkischen Volk ein Konzert in Istanbul für den 17. August an. Jamala, die Siegerin des Eurovision Song Contest 2016, erklärte am gestrigen Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite, es habe sie als türkischstämmige Krimtatarin mit Stolz erfüllt, dass die Menschen in der Türkei den Putschversuch in der Nacht des 15. Juli vereitelt hätten. Die Sängerin, die ihre Statusmeldung auf Türkisch veröffentlichte, schrieb: „Der Putschversuch vom 15. Juli hat mich zutiefst erschüttert. Ich habe die Ereignisse in Istanbul und Ankara bis in die Morgenstunden verfolgt und sie dennoch nicht wahrhaben wollen. Während ich die Nachrichten sah, betete ich, dass die Menschen nicht zu noch mehr Schaden kämen. Als türkischstämmige Krimtatarin erfüllte es mich mit Stolz, dass das türkische Volk, Jung und Alt, in der Nacht des Putschversuchs am 15. Juli mit nur einem Ziel vor Augen auf die Straße ging. Den Märtyrern, die dem Putschversuch mit heldenhaftem Mut entgegentraten und dafür ihr Leben ließen, wünsche ich, dass Gott sich ihrer Seelen erbarmt; denjenigen, die auf diesem Weg verletzt wurden, wünsche ich baldige Genesung. Auch ich möchte gerne mein Möglichstes tun und mit meiner Stimme, meiner Musik, meiner Kunst meinen Geschwistern, dem türkischen Volk, meine Solidarität zeigen. Deshalb werde ich in naher Zukunft für ein Konzert nach Istanbul kommen. Ich möchte euch so meine Gefühle und Herzlichkeit beweisen. Ich hoffe, dass in der Türkei alles so schnell wie möglich wieder in Ordnung kommt. Ich liebe dich, Türkei! Warte auf mich!“ In Jamalas Song „1944“ beim 61. Eurovision Song Contest geht es um das Schicksal ihrer Urgroßmutter, die die Vertreibung zu Zeiten der Sowjetunion miterlebt hatte.

„Kundgebung für Demokratie und Märtyrer“
MHP-Chef Bahceli nimmt Erdogans Einladung zur großen Demokratiekundgebung an

Istanbul (nex) – Der Vorsitzende der oppositionellen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), Devlet Bahceli, wird am kommenden Sonntag an der großen Demokratiekundgebung auf dem Yenikapi-Platz in Istanbul teilnehmen, mit der die seit dem Putschversuch am 15. Juli abgehaltenen Anti-Putsch-Demonstrationen zum Abschluss gebracht werden sollen. Bahcelis Zusage wurde kurz nach seinem Telefongespräch mit dem Ministerpräsidenten Binali Yildirim, der ihn zu der Kundgebung einlud, bekannt. Er gab seine Teilnahme an der „Kundgebung für Demokratie und Märtyrer am 7. August zur Krönung der Entschlossenheit des Volkes, die sich seit dem 15. Juli manifestiert“, per Twitter bekannt. Bahceli twitterte weiter, dass der Wille des Volkes die Mahnwachen für Demokratie vollenden werde. Die Tweets des MHP-Chefs wurden vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf Twitter geteilt. Er hatte Bahceli und den Vorsitzenden der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu, zu der Kundgebung eingeladen, die, so Erdogan, die größte ihrer Art in der Geschichte der Türkei sein werde. Die Kundgebung auf dem Istanbuler Yenikapi-Platz wird eine Großveranstaltung sein, auf der Präsident Erdogan und Ministerpräsident Yildirim zu einer großen Menschenmenge sprechen sollen. Die „Mahnwachen für Demokratie“ genannten Kundgebungen entstanden aus dem Aufruf von Präsident Erdogan und Ministerpräsident Yildirim an das Volk, „die Straßen und Plätze für sich zu beanspruchen“, als am 15. Juli eine kleine Gruppe von Gülen-Anhängern innerhalb des Militärs versucht hatte, die Regierung zu stürzen.

Trier
Integration: Syrerin wird zur Weinkönigin gekürt

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Trier (nex) – Buntes Trier, es ist hier: Mit der Verleihung der Krone der Trier-Olewiger Winzer an die aus Syrien geflohene Ninorta Banho am Mittwochabend hat die Stadt in der Rheinpfalz ein Zeichen gesetzt. Erstmals in der Geschichte ist eine Geflüchtete zur Weinkönigin gekürt worden. Im kommenden Jahr wird sie deshalb auf bis zu 60 Veranstaltungen in der Stadt sowie regionalen Weinfesten in der Region sowie im benachbarten Luxemburg die Winzervereinigung repräsentieren. Dies berichtet die dpa. Die aramäische Christin selbst erklärte dazu, sie wolle „eine Botschafterin für die Integration“ sein. Auf Fragen, warum denn keine Triererin zur Weinkönigin gemacht worden wäre, erklärte der Vorsitzende des Winzervereins, Peter Terges, dass das für ihn eine ähnliche Situation gewesen wäre wie einige Jahre zuvor, in denen man eine Frau aus Düsseldorf gewählt hätte. Die Auszubildende zur Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen aus dem nordsyrischen Kamischli sei ihm bei einem Termin mit neu angekommenen Flüchtlingen als Übersetzerin aufgefallen. Die junge Frau hatte bereits vor ihrer Flucht in ihrer Heimat Jura studiert. Ambitionen, bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin anzutreten, habe sie jedoch nicht. Für die dafür erforderliche umfangreiche Aneignung von Fachwissen über den Weinbau fehle die Zeit. Die aramäisch-christliche Gemeinde in Kamischli steht seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges von mehreren Seiten massiv unter Druck. Neben Terrormilizen wie dem IS ist es vor allem auch der syrische PKK-Ableger PYD, dem Menschenrechtsorganisationen bereits mehrfach vorgeworfen hatten, eine Politik der ethnischen Säuberung gegenüber den aramäischen Christen in der Stadt und ihrem Umland zu verfolgen.

Terre des hommes
Olympischen Spiele: Kinderhilfswerk kritisiert Vertreibungen und Gewaltakte in Brasilien

Terre des hommes: IOC muss Rechte der Kinder stärker schützen Osnabrück (ots) – Kinderhilfswerk kritisiert Vertreibungen und Gewaltakte in Brasilien – Schutz der Minderjährigen müsse vertraglich garantiert werden. Vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro fordert das Kinderhilfswerk terre des hommes das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu einem besseren Schutz der einheimischen Kinder auf. „Die Einhaltung von Kinderrechten muss vertraglich garantiert werden, ehe Organisationen wie der IOC oder der Fußball-Weltverband FIFA sportliche Großveranstaltungen vergeben“, sagte Jens Kunischewski, Lateinamerika-Referent von tdh, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Zudem solle die Einhaltung der Kinderrechte vor, während und direkt nach den Veranstaltungen überwacht werden. Kunischewski kritisierte, im Vorfeld der Olympischen Spiele würden die Rechte von Kindern in Brasilien mit Füßen getreten. Nach konservativen Schätzungen seien in Rio de Janeiro 4000 Familien zwangsumgesiedelt worden, um Bauvorhaben für Olympia zu realisieren, so Kunischewski. Weitere 2000 seien von einer Vertreibung bedroht. „Hinzu kommen teils brutale Gewaltakte der Sicherheitskräfte gegen Kinder und Jugendliche“, betonte der Experte von tdh weiter. Dieses Vorgehen sei von der Stadtverwaltung Rios und der brasilianischen Politik gebilligt. Um solche Entwicklungen künftig zu verhindern, müsse „die Beachtung der Menschen- und Kinderrechte ein offizielles Kriterium sowohl bei der Auswahl als auch in den Verträgen mit den Austragungsorten der sportlichen Großveranstaltungen“ werden, sagte Kunischewski weiter.

Kleine Anfrage
Bundesregierung: Islamfeindliche Straftaten leicht rückläufig

Düsseldorf (ots) – Die Zahl islamfeindlicher Gewalttaten ist im ersten Halbjahr 2016 gegenüber den sechs Monaten davor bundesweit leicht zurückgegangen. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der „Rheinischen Post“ vorliegt. Demnach zählten Polizei und Verfassungsschutz im ersten Halbjahr 2016 bislang insgesamt 29 Anschläge auf Moscheen oder tätliche Übergriffe auf Muslime. Im zweiten Halbjahr 2015 waren es noch 44, wie es in dem Papier heißt. Unverändert hoch ist demnach jedoch die Anzahl islamfeindlicher Proteste, die von der NPD, Pro-NRW oder Pegida-Bewegungen organisiert wurden. Der Regierungsantwort zufolge zählten die Behörden insgesamt 129 solcher Kundgebungen und Aufmärsche im ersten Halbjahr 2016. Im zweiten Halbjahr 2015 organisierten Pegida, NPD und andere insgesamt 113 islamfeindliche Proteste und damit nur unwesentlich weniger. Die meisten islamfeindlichen Kundgebungen und Angriffe mit islamfeindlichem Hintergrund gab es den Zahlen zufolge bisher im vierten Quartal 2015 – unmittelbar nachdem die Flüchtlingszahlen nochmals deutlich zugenommen hatten. „Rechtsextreme versuchen, in der Bevölkerung vorhandene Ängste zu mobilisieren und pauschal sämtliche Muslime als Feinde darzustellen“, warnte Linken-Politikerin Ulla Jelpke. Unverändert hoch sind im laufenden Jahr mit bundesweit 665 Straftaten auch die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, wie das Bundeskriminalamt bereits am Dienstag mitgeteilt hatte.

EU-Türkei
Europarat-Generalsekretär bekundet Solidarität mit Türkei

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Ankara (nex) – Seit dem Putschversuch vom 15. Juli hatten die EU und ihre Institutionen es bislang versäumt, Solidarität mit der Türkei zu demonstrieren – im Gegensatz zu jener Zeit, als el-Sisi den Militärputsch in Ägypten durchführte: Zwei Wochen später machte der damalige Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Catherine Ashton, el-Sisi seine Aufwartung. Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, ist nun – 19 Tage nach dem Putschversuch – am gestrigen Mittwoch nach Ankara gekommen, um „Solidarität zu bekunden“. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu übte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Jagland scharfe Kritik an der Haltung Europas gegenüber dem Putschversuch: „Die EU, die europäischen Staaten sowie die europäischen Medien müssen ihre falsche Haltung aufgeben. Wir bitten Sie nicht, auf unserer Seite zu sein, sondern fordern Sie eindringlich auf, objektiv, ausgewogen und ehrlich zu sein.“ Hatten die Menschen in der Türkei bereits ihr Vertrauen in die EU wegen der Beitrittsverhandlungen und des visumfreien Reisens zu verlieren begonnen, nehmen sie die EU und ihre Einrichtungen mit ihrer Haltung gegenüber dem Putschversuch vom 15. Juli nunmehr als eine Riesenorganisation von Heuchlern wahr. Den Menschen kommt es so vor, als würde der Western lieber das Militär an der Macht sehen als die Demokratie. „Die Haltung der EU und vieler anderer europäischer Länder war extrem negativ. Das ist nicht nur die Meinung unserer Bürger, sondern unser aller Meinung. Die EU, die europäischen Staaten und die Medien müssen ihre falsche Haltung, auf der sie bis heute beharren, beenden“, so Cavusoglu weiter. Der Außenminister teilte mit, dass die Türkei den Europarat über die Schritte, die im Rahmen des Reformprozesses unternommen würden, weiterhin informieren werde und fügte hinzu: „Die Türkei hat, was Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie betrifft, nie Zugeständnisse um des Friedens willen gemacht und wird dies auch nie tun. Die Türkei wird ihren Reformprozess engagiert fortsetzen.“ Jagland drückte die Unterstützung für die Haltung der Türkei und ihres Volkes während des Putschversuchs aus und erklärte, es habe in Europa hinsichtlich der Herausforderungen, denen die Türkei gegenüberstand, bislang zu wenig Verständnis gegeben. „Ich gestehe ein, dass es natürlich notwendig ist, gegen die Drahtzieher dieses Putschversuchs und auch dieses geheime Netzwerk [FETÖ] vorzugehen,“ so Jagland. „Ich möchte sagen, dass es vonseiten Europas zu wenig Verständnis für die Konsequenzen gab, die diese Herausforderung für die Demokratie und die staatlichen Institutionen in der Türkei darstellte. Wir wurden darüber schon vor sehr langer Zeit informiert. Deshalb erachten wir diese Säuberung als notwendig.“ Jagland wies darauf hin, dass die Mitgliedschaft der Türkei im Europarat im Falle eines erfolgreichen Putsches beendet worden wäre.

UNESCO-Weltkulturerbe
Ani Ruinen: Zahl türkischer Kulturstätten auf UNESCO-Liste steigt auf 16

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Istanbul (nex) – Das UNESCO-Welterbekomitee hat die historische Stadt Ani in der Osttürkei in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Ruinen befinden sich in der nordostanatolischen Provinz Kars. Es ist nicht bekannt, wann Ani gegründet wurde, sie wurde jedoch im 10. Jahrhundert zur Hauptstadt des armenischen Königreiches. Auf der Webseite der UNESCO heißt es: „Vom 10. bis zum 14. Jahrhundert war Ani eine wichtige Handelsstadt an der Seidenstraße von China nach Europa. Die noch erhaltenen Bauwerke aus dieser Zeit zeugen von einer spektakulären architektonischen Entwicklung, die von der Mischung östlicher und westlicher Traditionen hervorgeht. Die Geisterstadt ist für das Verständnis von Handel und Siedlung in einer multiethnischen und multikulturellen Umgebung des Mittelalters von entscheidender Bedeutung.“ Die 40. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees fand vom 10. bis 20. Juli 2016 in Istanbul statt. Mit der Aufnahme der historischen Stadt Ani in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes ist die Zahl der türkischen Kulturstätten auf 16 gestiegen. Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Nabi Avci, erklärte während seines Aufenthalts in der Provinz Sakarya: „Es ist erfreulich für die Türkei, erneut in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden zu sein.“

Anti-Terror-Koalition
Luftschläge der US-geführten Koalition töten 27 Menschen im Westirak

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US-Kampfflugzeuge trafen ein Wohngebiet in al-Qaim Anbar (nex) – Wie ein lokaler Stammesführer mitteilte, wurden bei Luftschlägen der US-geführten Koalition in der westirakischen Stadt al-Qaim in der Nähe der syrischen Grenze mindestens 27 Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Sheikh Walid al-Karabolli erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, dass US-Kampfflugzeuge vier Luftangriffe gegen IS (Daesh)-Gebiete in der Stadt durchgeführt hätten. Ein Luftschlag habe eine Gruppe von IS (Daesh)-Bombenlegern in al-Qaim getroffen; zehn Männer seien dabei gestorben, so Karabolli weiter. Nach Angaben des Stammesführers hätten Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition mehrere IS (Daesh)-Büros und eine Sprengstoffproduktionsstätte getroffen. „27 Zivilisten wurden getötet und 15 verletzt, als ein Luftschlag ein Wohngebiet in al-Sanjak traf“, fuhr Karabolli fort. Ein Mitglied des örtlichen Rates, Farhan Mohamed, hatte zuvor gegenüber Anadolu erklärt, dass Kampfflugzeuge, die vermutlich der US-geführten Koalition zuzuordnen seien, mehrere Häuser in al-Qaim getroffen hätten. Al-Qaim war 2014 in die Hände der IS (Daesh)-Milizen gefallen, der auch weite Teile im Nord- und Westirak erobert hat. Die irakischen Regierungskräfte haben seitdem mit der Unterstützung der USA einen Großteil der Gebiete wieder zurückerobert.

EU-Türkei
Schwedischer Ex-Ministerpräsident kritisiert EU-Reaktion auf Putschversuch in der Türkei

Ankara (nex) – Der ehemalige schwedische Minisiterpräsident Carl Bildt hat am gestrigen Dienstag die Reaktion der EU auf den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei scharf verurteilt. Er frage sich, ob Brüssel „geschlafen hat oder einfach nur ignorant ist“. Bildt, der in den 1990-er Jahren der EU-Vermittler in Ex-Jugoslawien war, erklärte, die EU-Staats- und Regierungschefs hätten auf den Putschversuch „zögerlich“ reagiert. In einem Artikel mit der Überschrift „Europa, setze dich ein für Erdogan“, der auf der Webseite von Politico News erschienen ist, kritisierte er, wie lange die EU-Politiker gebraucht hätten, um den Putsch zu verurteilen, für den die Türkei die Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen verantwortlich mache. „Die hochrangigen EU-Vertreter machten keinerlei Anstalten, in die Türkei zu fliegen und einem EU-Beitrittsland, das die größte Bedrohung seiner verfassungsrechtlichen Ordnung erlebt hat, ihre Unterstützung zu demonstrieren“, bemerkte er und fuhr fort: „Stattdessen fingen die europäischen Politiker an, die von den türkischen Behörden ergriffenen Maßnahmen zur Säuberung staatlicher Einrichtungen von allen Elementen, die verdächtigt werden, Verbindungen zur Gülen-Bewegung zu haben, in Frage zu stellen. Als die Türkei um eine Ausnahmeregelung von der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte bat, reagierten die EU-Politiker mit Missbilligung darauf und vergaßen dabei, dass Frankreich nach den Terroranschlägen vom November in Paris das gleiche getan hatte. Es steht außer Frage, dass die Türkei das Recht und, ja, die Pflicht hat, Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst gegen Kräfte zu schützen, die ihre verfassungsrechtliche Ordnung bedroht.“ Bildt, der von 1991 bis 1994 Ministerpräsident und von 2006 bis 2014 Außenminister von Schweden war, wies darauf hin, dass ein erfolgreicher Putsch zu großem Blutvergießen auf den Straßen von Ankara und Istanbul geführt hätte, weil die Putschisten versucht hätten, Anti-Putsch-Demonstrationen niederzuschlagen, und in einem Bürgerkrieg geendet hätte. Millionen türkischer Staatsangehöriger, die vor Gewalt, Chaos und Tod geflohen wären, hätten sich den mehr als zwei Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei angeschlossen und sich über dem Meer auf den Weg nach Europa gemacht. Die EU wäre mit einer Flüchtlingskatastrophe noch größeren Ausmaßes konfrontiert gewesen als im vergangenen Jahr. Der Co-Vorsitzende der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) warnte davor, dass Europa riskiere, „seine moralische Autorität zu verlieren, wenn es sich nicht vor allen Dingen mit dem Putsch selbst auseinandersetzt“, und fuhr fort: „Die EU befände sich heute in einer besseren Position, wenn die EU-Politiker unverzüglich in die Türkei gegangen und ihr Entsetzen wegen des Putschversuchs zum Ausdruck gebracht, dem türkischen Volk zur Vereitelung des Putsches gratuliert hätten und mit dem Präsidenten, der Regierung, den Repräsentanten der Großen Nationalversammlung und anderen zusammengekommen wären, um zu erörtern, wie man der Türkei gemeinsam einen demokratischen und europäischen Weg bereiten kann.“

Erdogans steigende Popularität
Deutsch-Türken: „Deutsche Medien Grund für Erdoğans Popularität“

von Polat Karaburan Nicht wenige Beobachter politischer Entwicklungen in Deutschland und der Türkei diagnostizieren bereits seit Längerem, eine allgegenwärtige Dämonisierung Erdoğans und einseitiger Kampagnenjournalismus bewirkten eine Solidarisierung der Türken mit ihrem Präsidenten weit über die Anhängerschaft der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hinaus. In der Tat ist über die politischen Lagergrenzen der Türkei hinweg im Laufe der letzten Jahre das Misstrauen gegenüber den politischen und medialen Meinungsführern der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland gestiegen. Insbesondere die etablierten politischen Parteien in Deutschland und die Leitmedien werden von vielen Türken als Instrumente einer „gelenkten Demokratie“ wahrgenommen, die bewusst darauf angelegt sei, bestimmte Einwanderergruppen zu stigmatisieren. Den Schaden nehme am Ende die Demokratie selbst, die durch die selbsternannten deutschen Monopol-„Demokraten“ diskreditiert und unglaubwürdig gemacht werde. „Es gibt eine Verfassungswirklichkeit in Deutschland, die mit der Verfassung selbst nicht mehr viel zu tun hat“, erklärt beispielsweise der bayerische Landessprecher der neu gegründeten „Allianz Deutscher Demokraten“, Halil Ertem. „Wenn Menschen gleichsam zum Staatsfeind gestempelt werden, nur weil sie sich mit einem demokratisch gewählten Präsidenten solidarisieren und gegen einen Putsch aussprechen, der im Fall des Gelingens einen Flächenbrand bis nach Europa ausgelöst hätte, dann ist hier eine geistige Atmosphäre eingekehrt, die an die Endphase der DDR erinnert. Deutsche Medien sind ein Grund für Erdoğans Popularität unter Deutsch-Türken.“ In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang von einem Reaktanz- bzw. Bumerangeffekt. Dieser zeigt sich zum einen häufig dann, wenn die Freiheitserwartung von Menschen dadurch eingeschränkt wird, dass ihnen eine Option, von der sie davon ausgingen, dass sie ihnen offen stehe, genommen wird oder diese Option als bedroht angesehen wird. Dies trifft vor allem dort auf die türkische Einwanderercommunity zu, wo politischer und medialer Druck auf Menschen entfaltet wird, die davon ausgehen, dass die verfassungsmäßig garantierte Meinungsfreiheit auch die Option umfasst, die Entwicklung der Türkei unter der Administration Erdoğan als ganz oder überwiegend positiv zu bewerten. Tatsächlich jedoch ist es gleichbedeutend mit dem Verlust von Funktionen oder gar Ausschlussmaßnahmen, wenn beispielsweise ein deutschtürkisches Mitglied einer etablierten deutschen politischen Partei sich in dieser Weise äußert. Dies wird nicht nur als Wortbruch hinsichtlich des von der Politik gegebenen Versprechens von Meinungsvielfalt, sondern auch als unzulässige Freiheitseinschränkung wahrgenommen. Nicht wenige Türken meinen, in der allgegenwärtigen Kritik an Erdoğan und der Türkei in den Medien sogar den Ausdruck einer Strategie zu erkennen, um nicht vollständig assimilierte Türken aus dem Land zu mobben. Zum anderen kann sich ein Reaktanz- oder Bumerangeffekt einstellen, wenn der Empfänger einer Botschaft den Eindruck gewinnt, vonseiten des Senders eindeutigen Beeinflussungsversuchen bezüglich der eigenen Meinungsbildung ausgesetzt zu sein. Besonders bei emotionalen Erscheinungsformen der Beeinflussung, verbunden mit Furchtappellen oder Schuldzuweisungen, ist dabei die Hervorrufung von Reaktanz sehr wahrscheinlich. Nicht nur in der türkischen Einwanderercommunity ist die Meinung weit verbreitet, dass deutschsprachige Medien in besonders hohem Maße auf solche Beeinflussungsstrategien zurückgreifen. Dies zeigte sich nicht nur am Tenor der Berichterstattung zum Ukrainekonflikt, der von „Lügenpresse“-Vorwürfen und einem massiven Vertrauensverlust in die Medien begleitet wurde. Auch der Blick auf die Türkei in deutschen Medien wird bereits seit längerer Zeit in der türkischen Community in Deutschland als einseitig, propagandistisch, unausgewogen und parteiisch wahrgenommen. Die wahrgenommene Einhelligkeit deutscher Medien in der kritischen Berichterstattung und Kommentierung von Ereignissen in der Türkei, wobei beide selten voneinander getrennt werden, ruft regelmäßig eine diametrale Abwehrreaktion innerhalb der türkischen Community hervor. Dass, wie Studien etwa der Bundeszentrale für politische Bildung zeigen, gleichzeitig auch eine weit überwiegend kritische Berichterstattung hinsichtlich des Islam als der Religion vorherrscht, die von den meisten türkischen Einwanderern praktiziert wird, dürfte die Neigung zur Reaktanz weiter verstärken. Selbst vom Horizont des Erdoğan-Kritikers kann die Art und Weise, wie die Situation in der Türkei dargestellt wird, indessen nicht als rational erscheinen. Immerhin kann die Gegenreaktion, die mittels der als einengend oder übergriffig empfundenen Beeinflussungsversuche hervorgerufen wird, im Verlauf einer Diskussion sogar dazu führen, dass ein objektiv sachgerechtes und vernünftiges Argument die gegenteilige Position des Gesprächspartners noch verfestigt. Dies ist der Fachwelt zufolge vor allem dann der Fall, wenn diese Position im Wertesystem dessen, der beeinflusst werden soll, von zentraler Bedeutung ist. Bei zahlreichen Türken in Deutschland ist das der Fall. Bei den letzten Wahlen stimmten mindestens 60 Prozent der in Deutschland lebenden türkischen Wahlberechtigten für Erdoğan und die regierende AKP, sodass man objektiv davon ausgehen kann, dass deren politische Ausrichtung mit jener des Mainstreams innerhalb der türkischen Community überwiegend konform geht. Die permanente Problematisierung dieser Ausrichtung, zusammen mit den Bestrebungen deutscher Politiker und Medien, die seit Jahrzehnten bestehenden türkischen Islamverbände in Deutschland zu Gunsten an der veröffentlichten Meinung in Deutschland ausgerichteter Vertreter eines „deutschen Islam“ auszubooten, lässt in vielen Türken den Eindruck entstehen, mächtige Akteure der deutschen Gesellschaft verfolgten das Ziel, sie „umerziehen“ und ihnen ihre Identität nehmen zu wollen. Die Folge ist eine demonstrative Betonung jener Wertvorstellungen, die vonseiten der öffentlichen Meinung kritisiert werden, etwa der religiösen und nationalistischen. Erdoğan zu verteidigen wird gleichbedeutend damit, seine eigene türkische Identität zu verteidigen – auch bei Türken, die dem Präsidenten politisch bisher nicht nahe standen. Objektiv gesehen müssten gerade jene Journalisten, die sich selbst als Bannerträger der „Aufklärung“ und „Wissensgesellschaft“ definieren, sich darüber im Klaren sein, dass sie mit erkennbarem Kampagnenjournalismus das genaue Gegenteil ihrer Intention bewirken. Da Türken deutsche Informationsquellen immer stärker als einseitig und bevormundend wahrnehmen, greifen immer mehr von ihnen weiterhin verstärkt auf türkische Informationsquellen oder auf deutschsprachige Alternativmedien zurück, die speziell die türkische Community als Zielpublikum ansprechen. Auch während der Veranstaltung in Köln bestätigten viele Teilnehmer den Eindruck, dass die politischen und medialen Eliten in Deutschland selbst die besten Sympathiewerber für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan darstellen. Einige Stimmen hat auch NEX24 im Laufe der letzten Tage am Rande der Kundgebung und in den Fußgängerzonen deutscher Städte eingefangen. „Nicht die Türken sind hier das Problem, Deutschland hat ein Problem mit sich selbst. Jeder hier ist dankbar dafür, dass Deutschland vielen die Chance gegeben hat, etwas aus sich zu machen. Aber wir lassen uns auch nicht vorschreiben, wie wir zu denken haben. Wir lassen uns nicht diktieren, dass wir vergessen sollen, wo wir herkommen und wo unsere Wurzeln sind. Wofür denn auch? Die „Werte“, von denen diese Leute reden, sind die reinste Lachnummer. Wäre der Putsch gelungen, hätten sie am nächsten Tag von einer ‚Chance zu einer demokratischen Zukunft‘ geschrieben. Ich wette, ein paar Journalisten hatten ihre Leitartikel schon fertig, in denen sie den Putsch begrüßten“, so Hasan Yanar aus Duisburg Murat Altinoluk aus Köln nimmt vor allem Anstoß an der Debatte rund um die Demonstration in der Domstadt, die am Sonntag stattfand: Dieses unwürdige Spektakel mit Videowandverbot und dem Versuch, die Kundgebung selbst verbieten zu lassen, hat auch dem letzten gutgläubigen Türken gezeigt, dass die politische Klasse in Deutschland uns nur als Stimmvieh haben will, das brav sein Kreuz macht alle vier Jahre und dann wieder den Mund hält. So läuft es aber nicht mehr. Keine deutsche Partei ist mehr wählbar, und als erwachsener Mensch lasse ich mich nicht länger von Haustürken wie Cem Özdemir oder Lale Akgün behandeln wie ein Kind, das erst erzogen werden muss. Die Deutschen mögen ihre Politiker als Volkserzieher akzeptieren, ich tue das nicht.“ „Ich bin Kemalist und habe Erdoğan nicht gewählt, aber das türkische Volk hat ihn gewählt und deshalb ist er auch mein Präsident. Oder können die deutschen angeblichen Demokraten keine demokratische Entscheidung akzeptieren?“, fragt wiederum Ali Yildirim aus Castrop-Rauxel. Tufan Sağlam, der extra aus Berlin angereist ist, betont: „Je mehr sie gegen Erdoğan hetzen, umso mehr unterstütze ich ihn. Selbst sind sie nicht in der Lage, ihre Einwanderer anständig zu behandeln, selbst halten sie sich an keine Zusagen, aber die Türkei und die Türken sollen springen, wenn sie rufen? Wäre hier ein Putsch, würde kein Mensch für diese Politiker auf die Straße gehen. In der Türkei haben die Menschen ihre Ordnung mit ihrem Leben verteidigt. Und hier? In Deutschland demonstriert man nur, wenn man weiß, dass man keinen Gegenwind bekommt. Zum Beispiel gegen 20 besoffene Nazis, gegen Atomkraft oder gegen das TTIP, wenn es die Medien vorher genehmigt haben, dass man dagegen sein darf. Die brauchen mir nichts zu erzählen von Demokratie. Und die brauchen auch nicht zu glauben, ich lass mich von diesen Maulhelden einschüchtern.“ Auch Bülent Ö. aus Neubeckum ist nach Köln gekommen und begründet dies wie folgt: „Ich bin heute hier, weil ich endlich unter Menschen sein möchte, die sich mit mir freuen können darüber, dass unser Land in Sicherheit ist, unsere Verwandten, unsere Städte und Dörfer. Hier in Deutschland habe ich das Gefühl, man empfindet mit den Terroristen und mit der Sekte mehr Mitgefühl als mit den unbewaffneten Menschen, auf die sie geschossen haben. Die haben vor lauter Ideologie ihr Hirn ausgeschaltet.“ Hatice K. aus München machte wiederum deutlich: „Ich hatte für dieses Wochenende eigentlich schon etwas anderes vor. Aber jetzt, wo Politiker und Medien so schön gehetzt haben, musste ich einfach die passende Antwort darauf geben. Man muss ihnen fast dankbar dafür sein, dass sie unser türkisches Volk mit ihrem Gehetze so stark zusammenrücken lassen, das hätte es sicher nicht gegeben, wenn sie fair über die Türkei oder über Erdoğan berichten würden.“ Aber auch immer mehr Deutschen scheinen eine einseitige und agitatorische Berichterstattung bezüglich des türkischen Präsidenten wahrzunehmen: Hallo Deutschland! Habt ihr uns Deutsche in der Türkei schon wie Stiefkinder verstoßen, nur weil wir uns von der deutschen Mainstreampresse hier in der Türkei nicht foppen oder manipulieren lassen? Oder was treibt alle Deutschen, die nicht in der Türkei leben, dazu, UNS, die wir vor Ort leben, ständig auch nur die kleinste Ahnung von dem abzusprechen, wie die Türkei wirklich ist?“, schreibt Marina Bütün in einem Kommentar zum Thema. Ich lebe in der Türkei. Wenn ich deutschsprachige Berichte über die Türkei lese, habe ich das Gefühl, dass ich mich gar nicht in der Türkei aufhalte, sondern auf der Schattenseite des Mondes“, kommentiert Mahira Hahn auf Facebook. Gert Leubert fühlt sich teilweise ebenfalls wie im falschen Film: Ich denke immer, ich bin alt genug und habe genügend Lebenserfahrung, um mir eine eigene Meinung zu bilden und auch kompromisslos dahinter zu stehen. Man muss nur vorurteilslos und mit offenen Augen durch das Land reisen, um zu sehen, welche Leistungen erbracht wurden seit der Zeit der AK Parti. In Deutschland herrscht ein ungesundes Vereinnahmungsdenken. Ein bestimmtes Milieu gibt in den Medien eine bestimmte Meinung oder Haltung vor und geht davon aus, dass andere Menschen von vornherein keine andere Meinung haben könnten, und wenn, dass diese dann aus unlauteren Motiven geäußert werden würde. Nun, ich kenne die Türkei schon zu gut und zu lange, um auf Einschätzungen von Leuten zu vertrauen, die ganz offenbar ihre vorgefertigten Meinungen verkaufen wollen. Ich besuche sehr oft die Türkei, nicht als Reisebüro-Tourist, sondern ich fahre sehr viel privat mit dem PKW durch dieses wunderbare Land.“ Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland, die traditionell als kemalistisch und säkularistisch gilt und politisch der Republikanischen Volkspartei (CHP) in der Türkei nahe steht, hat den Umgang in Politik und Medien mit der Anti-Putsch-Demonstration am Sonntag in Köln als völlig kontraproduktiv kritisiert. Es sei ein „Armutszeugnis“, wie viel Aufmerksamkeit der Demonstration im Vorfeld vonseiten der Medien und der Politik geschenkt worden wäre, erklärte der Sprecher der Gemeinde, Gökay Sofuoğlu, gegenüber der „Passauer Neuen Presse“. Erdoğan habe „sehr vielen Türken hier ein Gefühl der Ehre, des Stolzes gegeben“, sagte auch Sofuoğlu. Für viele seien Ereignisse wie die Pro-Erdoğan-Kundgebungen auch Ventile für den Frust über Diskriminierungserfahrungen in Deutschland. Der Super-GAU in diesem Zusammenhang wäre die im Vorfeld der Kundgebung vom Wochenende geführte Diskussion übe ein mögliches Verbot der Veranstaltung gewesen. Diese Debatte liefere Erdoğan Anlass, über die Meinungsfreiheit in Deutschland zu lästern, ebenso wie die „populistische“ – und zudem schlichtweg verfassungswidrige – Forderung der CDU, Personen, die für Erdoğan und dessen AKP auf die Straße gehen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Stattdessen, so Sofuoğlu, sollte die deutsche Politik „mehr für die Integration und Partizipation tun, damit sich die Menschen mehr in den deutschen Parteien und Einrichtungen engagieren und nicht so stark nach Ankara blicken.“  

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