Vatikan
Papst Franziskus: Islam nicht mit Gewalt gleichsetzen
Dortmund (nex) – Papst Franziskus sagte am vergangenen Sonntag, dass es falsch sei, den Islam mit Gewalt gleichzusetzen und dass soziale Ungerechtigkeit sowie die Anbetung des Geldes zu den Hauptursachen für Terrorismus gehörten.
„Ich finde es nicht richtig, den Islam mit Gewalt gleichzusetzen“, erklärte er während seines Rückflugs von seinem fünftägigen Aufenthalt in Polen nach Rom vor Journalisten.
Franziskus, der Fragen zu der brutalen Ermordung des 85-jährigen katholischen Priesters Jacques Hamel durch zwei Attentäter im westfranzösischen Rouen beantwortete, sagte: „Ich denke, dass es in fast allen Religionen eine kleine fundamentalistische Gruppierung gibt. Auch wir Katholiken haben welche.“ Zu der Bluttat in Rouen hatte sich der IS bekannt.
„Ich mag es nicht, über islamische Gewalt zu sprechen, weil ich jeden Tag, wenn ich in die Zeitung schaue, über Gewalt hier in Italien lese – der eine hat seine Freundin getötet, der andere seine Schwiegermutter“, so der Papst weiter. „Und das sind getaufte Katholiken. Wenn ich also von islamischer Gewalt spreche, dann muss ich auch von katholischer Gewalt sprechen. Nicht alle Muslime sind gewalttätig.“
Franziskus wies darauf hin, dass es mehrere Ursachen für Terrorismus gebe.
„Ich weiß, dass es gefährlich ist, das zu sagen, aber Terror wird größer, wenn es keine anderen Optionen gibt, wenn Geld zum Gott erhoben und, anstatt der Menschen, das Geld in das Zentrum der Weltwirtschaft gestellt wird“, so Franziskus weiter.
„Dies ist die erste Form des Terrorismus. Dies ist sozusagen der ‚Hauptterrorismus‘ gegen die gesamte Menschheit. Lassen Sie uns doch mal darüber reden.“
Auf seinem Hinflug nach Polen hatte Franziskus betont, dass die Ermordung des Priesters und eine Reihe weiterer Anschläge der Beweis dafür seien, dass die Welt sich im Krieg befinde, dessen Ursache aber nicht die Religion sei. Er wies darauf hin, dass der Terrorismus auch am Fehlen wirtschaftlicher Möglichkeiten für junge Menschen in Europa schuld sei:
„Ich frage mich selbst, wie viele junge Menschen wir Europäer ohne Ideale zurückgelassen haben, wir haben keine Arbeit für sie. So wenden sie sich Drogen und Alkohol zu oder schließen sich dem IS an.“
Bestechungsskandal bei Telekom
ZTE zahlte Telekom-Manager mehr als 150.000 Euro für geheime Infos
Düsseldorf (ots) – Die Staatsanwaltschaft Bonn beschuldigt zwei Manager des chinesischen Konzerns ZTE, einen Manager der Deutschen Telekom für die Beschaffung geheimer Informationen bestochen zu haben. Dies berichtet die „Rheinische Post“ unter Verweis auf Quellen im Unternehmen, der Justiz sowie Bestätigungen bei Telekom und Staatsanwaltschaft Bonn.
Konkret ging es um Informationen aus dem Unternehmen BuyIn, das für die Telekom und den französischen Konzern Orange (früher France Telecom) den weltweiten Einkauf mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro koordiniert.
Sebastian Buß, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, sagte der „Rheinischen Post: „Es wird gegen einen früheren Mitarbeiter der Deutschen Telekom und zwei Manager von ZTE unter anderem wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr ermittelt. In diesem Zusammenhang sind die Büroräumlichkeiten von ZTE in Bonn durchsucht worden.“
Die Telekom bestätigte gegenüber der „Rheinischen Post“, Strafanzeige gegen zwei namentlich genannte ZTE-Manager wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung sowie wegen Geheimnisverrats gestellt zu haben. Nach Informationen der „Rheinischen Post“ erhielt der beschuldigte Telekom-Manager mehr als 150.000 Euro Bestechungsgeld.
Er räumte das Vergehen bei einer internen Vernehmung bereits im Februar ein. Er gab dabei an, von welchen zwei ZTE-Managern er bestochen worden war. Danach stellte die Telekom Strafanzeige. Bei der Durchsuchung der Bonner Büros von ZTE wurden die beschuldigten Personen aber nicht mehr aufgefunden. Staatsanwaltschafts-Sprecher Buß:
„Der Aufenthaltsort der zwei ZTE-Mitarbeiter ist uns aktuell nicht bekannt.“ Die Telekom forderte ZTE auf, die Affäre mit Hilfe einer internationalen Rechtsanwaltskanzlei aufzuklären und mit den Behörden zu kooperieren. Intern soll Vorstandschef Tim Höttges den Vorgang als „unerträglich“ bezeichnet haben, berichtet die „Rheinische Post“. Aufmerksam auf die Bestechung wurde die Telekom durch einen anonymen Hinweis.
Die Deutschland-Zentrale von ZTE hat sich trotz mehrfacher Nachfrage der Redaktion bislang nicht zu der Affäre geäußert.
Türkei
Krimtatarenführer Dschemiljew: Putschversuch hat die Türkei vereint
Krimtatarenführer: Putsch passt nicht zur Türkei
Izmir (nex) – „Das türkische Volk hat der Welt gezeigt, dass es an der Seite der Demokratie steht“, stellt der ehemalige Präsident des Medschlis, der Versammlung der Krimtataren, fest.
Die Türkei habe es nicht verdient, Militärputschen ausgesetzt zu sein, erklärte ein hochrangiger ukrainisch-tatarischer Politiker am vergangegen Samstag und verurteilte den Putschversuch vom 15. Juli aufs Schärfste.
„Wir verfolgten die Ereignisse des 15. Juli in der Türkei mit großer Sorge. Ein Militärputsch passt nicht zur Türkei, die ein demokratisches Land ist“, betonte Mustafa Abduldschemil Dschemiljew, der ehemalige Präsident des Medschlis, während des Weltkongresses der Krimtataren in der zentraltürkischen Provinz Eskisehir.
Kirimoglu merkte an, dass der Putschversuch ironischerweise positive Konsequenzen gehabt habe – alle politischen Parteien seien dadurch vereint worden:
„Die Kämpfe wurden beendet. Alle Menschen strömten auf die Straße. Das türkische Volk zeigte der Welt, dass es an der Seite der Demokratie steht.“
Er drückte seine Glückwünsche an das türkische Volk für die Vereitelung des Putschversuchs aus und nannte die Türken seine Verwandten.
„Wenn die Einheit und Solidarität in diesem Land fortgesetzt wird, steht der Türkei eine glänzende Zukunft bevor – die Türkei ist sehr wichtig für uns“, fuhr der Politiker fort.
Die Menschen beanspruchten in der Nacht des 15. Juli die Straßen für sich und vereitelten den Putschversuch, nachdem der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sie dazu aufgerufen hatte.
Die Türkei hat zum wiederholten Male erklärt, dass der blutige Putschversuch, bei dem mindestens 246 Menschen ums Leben kamen und über 2.200 verletzt wurden, von Anhängern des in den USA lebenden Predigers und Anführers der sogenannten FETÖ/PDY Fethullah Gülen organisiert worden sei.
Gülen wird auch beschuldigt, seit Jahren mit der Gründung eines Parallelstaats einen Kampf zur Übernahme der Regierung zu führen, indem seine Unterstützer Institutionen des türkischen Staates, insbesonder Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten.
Die Türkei rief infolge des vereitelten Putschversuchs den Ausnahmezustand aus.Etwa 13.000 Angehörige des Militärs, der Polizei und Justiz sowie Beamte wurden seit dem vereitelten Putschversuch festgenommen und weitere Zehntausende des Dienstes enthoben.
Im März 2014 hatte Putin den Vertrag zur Krim-Annexion unterzeichnet, mit dem nach einem stark kritisierten Referendum auf der Schwarzmeerhalbinsel die Annexion der Autonomen Republik Krim besiegelt wurde.
Nach Angaben der UNO haben seit April 2014 während Konflikts zwischen der ukrainischen Regierung und pro-russischen Rebellen über 9.000 Menschen ihr Leben verloren.
Die UNO-Vollversammlung hat fast einstimmig die Annektierung der Krim als illegal bezeichnet. Neben zahlreichen UNO-Staaten wie die USA und die EU-Mitgliedsstaaten erkennt auch die Türkei die Krim nicht als russisches Territorium an.
Ermittlungen gegen "FETÖ"
Türkischer Fußballverband: Alle Mitglieder der Ausschüsse zurückgetreten
Izmir (nex) – Sämtliche Ausschüsse des Türkischen Fußballverbands (TFF) sind im Rahmen der Ermittlungen gegen die Organisation (FETÖ) des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen zurückgetreten.
Der Türkische Fußballverband (TFF) teilte am heutigen Sonntag mit, dass alle Mitglieder seiner Ausschüsse im Rahmen der gegen die FETÖ eingeleiteten Ermittlungen infolge des blutigen Putschversuchs vom 15. Juli zurückgetreten seien.
In dem vom TFF veröffentlichten Statement heißt es, dass alle elf Ausschüsse zurückgetreten seien, um die von den Sicherheitsbehörden veranlasste Sicherheitsüberprüfung zu erleichtern.
Weiter heißt es in dem Statement, dass alle Informationen über die Ausschussmitglieder und das bei dem Verband angestellten Personal mit den zuständigen staatlichen Institutionen geteilt worden seien.
Staatsanwälte mit Verbindungen zur FETÖ waren auch für ihre Verwicklungen in die Spielmanipulationen im Jahr 2011 bekannt, deren Zielscheibe die Istanbuler Fußballclubs Fenerbahce und Besiktas waren.
Viele hochrangige Sportler, darunter auch Fußballnationalspieler, sind für ihre Unterstützung der undurchsichtigen Gülen-Bewegung bekannt.
"Demokratisierung des Militärs"
Türkei: Staatspräsident soll Geheimdienst und Generalstab kontrollieren
Izmir (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte am gestrigen Samstag eine Reihe von Änderungen in der Organisationsstruktur der Streitkräfte der Türkei an. Diese sollen dem Militär einen zivilen Charakter verleihen und die Demokratie stärken.
Mit den Änderungen infolge des vereitelten Putschversuchs vom 15. Juli würden Boden-, Luft- und Seestreitkräfte direkt an den Verteidigungsminister berichten, erklärte Erdogan in einem live übertragenen Interview mit den TV-Sendern A Haber und ATV.
Des Weiteren regte er an, den Generalstab und den Nationalen Nachrichtendienst direkt unter die Kontrolle des Staatspräsidenten zu stellen, wies jedoch darauf hin, dass dies mit den Oppositionsführern noch erörtert werden müsse.
Außerdem sollen die Militärschulen geschlossen und durch Universitäten für Nationale Verteidigung mit Akademien für Armee, Luftwaffe und Marine ersetzt werden. Auch eine Gendarmerieakademie soll eingerichtet werden, so Erdogan weiter.
Die Verantwortung für Militärkrankenhäuser würde an das Gesundheitsministerium übertragen, fügte Erdogan hinzu. Es habe sich herausgestellt, dass gülenistische Agenten in Militärkrankenhäusern viele diensttaugliche Schüler von der Wehrpflicht befreit und Arztberichte gefälscht hätten, um sicherzustellen, dass bestimmte Schüler von den Militärschulen angenommem wurden und andere nicht.
EU-Flüchtlingsabkommen
Türkei droht EU mit Aufkündigung des Flüchtlingspakts
Izmir (nex) – Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte am vergangenen Sonntag, dass die Türkei das EU-Flüchtlingsabkommen nicht mehr anwenden werde, wenn es der EU nicht gelänge, das im genannten Abkommen türkischen Staatsangehörigen zugesicherte visafreie Reisen zu ermöglichen.
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er, dass die Türkei mit dem Zurückhalten der Flüchtlingsströme aus Syrien aufhören werde, wenn die EU nicht in der Lage sein sollte, ihr Versprechen des visafreien Reisens nach dem Abkommen vom 18. März zu erfüllen
„Wir werden von dem Rücknahmeabkommen und dem Deal vom 18. März Abstand nehmen müssen, wenn türkischen Staatsangehörigen das visafreie Reisen nicht gewährt werden sollte“, betonte Cavusoglu.
Die Türkei erwarte ein konkretes Datum von der EU, die dies jedoch nicht als Drohung auffassen solle.
Das Rücknahmeabkommen wurde 2013 unterzeichnet und trat 2014 in Kraft
Nach einem weiteren Abkommen vom vergangenen November sollten türkische Staatsangehörige den Schengen-Raum visafrei betreten können. Der Schengen-Raum umfasst 26 Staaten in Europa, in denen man sich ohne Reisepass bewegen kann.
Das Rücknahmeabkommen ermöglicht der EU, illegale Einwanderer, die über die Türkei in die EU einreisen, wieder in die Türkei zurückzuschicken, denen hier ein Anspruch auf Asylverfahren zusteht, bevor sie in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden können. Iraker und Syrer, die den Großteil der illegalen Migranten ausmachen, sind von dieser Regelung ausgeschlossen.
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat „das Ultimatum“ des türkischen Außenministers scharf zurückgewiesen. „In keinem Fall darf sich Deutschland oder Europa erpressen lassen“, erklärte er in Rostock und fügte hinzu: „Ein Land, das sich auf den Weg macht, die Todesstrafe wiedereinzuführen, entfernt sich so drastisch von Europa, dass natürlich damit auch alle Beitrittsverhandlungen letztlich überflüssig werden.“
Ausland
Ägyptischer Gerichtshof verurteilt 13 Regimegegner zum Tode
Kairo (nex) – Ein ägyptisches Gericht hat am gestrigen Samstag 13 Regimegegner zum Tode verurteilt, nachdem das Verfahren wegen der angeblichen Ermordung eines Polizisten im Jahr 2013 wiederaufgenommen worden war.
Aus juristischen Kreisen wurde bekannt, dass das Gericht die 13 Fälle an den Großmufti, die höchste religiöse Autorität Ägyptens, verwiesen habe. Dessen Stellungnahme wird benötigt, bevor in Ägypten eine Todesstrafe rechtskräftig wird.
Das Gericht wird das Urteil am 24. September bestätigen
Die 13 Angeklagten gehören zu den insgesamt 23 Personen, die der Ermordung eines hochrangigen Polizeibeamten in dem Dorf Kerdasa bei Giza, der drittgrößten Stadt Ägyptens, im Jahr 2013 beschuldigt werden. Der Fall ereignete sich nur wenige Wochen nachdem das Militär den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi mit einem Putsch gestürzt hatte.
2014 verhing ein ägyptisches Gericht über zwölf Angeklagte die Todesstrafe, aber die nächsthöhere Instanz ordnete ein Wiederaufnahmeverfahren für den April dieses Jahres an, nachdem die Angeklagten in Berufung gegangen waren.
Mit dem Militärputsch von 2013 haben ägyptische Behörden einen unerbittlichen Kampf gegen die Unterstützer Mohammed Mursis und der Muslimbruderschaft gestartet. Hunderte Menschen sind seitdem gestorben, und Tausende festgenommen worden.
Terror gegen Kurden
Kurdischer Nationalrat: PYD beschlagnahmt Medikamente für Opfer des Kamischli-Anschlag
Dortmund (nex) – Der Vorsitzende des Kurdischen Nationalrats (KNC) in Syrien hat die Partei der Demokratischen Union (PYD), den syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, beschuldigt, Medikamente beschlagnahmt zu haben, die die Regionalregierung der kurdischen Autonomiegebiete (KRG) für die Verletzten des Bombenanschlags vom vergangenen Mittwoch geschickt hatte.
Ibrahim Berro, der am Freitag mit der Nachrichtenagentur Anadolu sprach, sagte: „Die PYD-Struktur hat Medikamente, die die Regionalregion von Kurdistan für die Verletzten des Bombenanschlags in Kamischli geschickt hatte, beschlagnahmt“, und fügte hinzu, dass die PYD die Medikamente in der Nähe von Kamischli gelagert und sichergestellt habe, dass diese die Krankenhäuser nicht erreichen könnten, wo die verletzten Zivilisten behandelt würden. Einige unter ihnen befänden sich in einem kritischen Zustand.
Auf die Frage, warum die PYD die Medikamente an sich genommen habe, erwiderte Berro: „Diese Struktur [PYD] will keine Form der humanitären Hilfe außerhalb der politischen Dimension betrachtet wissen und möchte alles unter ihrer Kontrolle haben.“
Berro erklärte weiter, dass Vorschriften den Transport verletzter Personen in Krankenhäuser in Kurdengebieten des Iraks vorsähen. Der Präsident des KRG, Masud Barzani, habe jedoch die Krankenhäuser in der Region angewiesen, die Verletzten von Kamischli aufzunehmen.
Bei der starken Explosion eines mit Sprengsätzen beladenen Fahrzeugs wurden am vergangenen Mittwoch in Kamischli Dutzende Menschen getötet und verletzt. Die Stadt befindet sich in der Nähe der türkischen Grenze und der türkischen Stadt Nusaybin.
IS (Daesh)-nahe Webseiten haben ein Statement der Terrorgruppe veröffentlicht, in dem sie die Verantwortung für den Anschlag übernehmen und darauf hinweisen, dass er den Hauptquartieren der kurdischen Einheiten in der Stadt gegolten habe. Die PYD ist der syrische Ableger der Terrororganisation PKK. Das Militär, aber auch Zivilisten sind seit 1984 das Ziel ihrer Angriffe
Syrien befindet sich seit 2011 in einem Bürgerkrieg. Das Assad-Regime hatte damals Demonstrationen für Demokratie, die als Teil der Aufstände im „Arabischen Frühling“ entstanden war, mit unerwarteter Brutalität und unverhältnismäßiger Gewalt niedergeschlagen.
Seitdem wurden nach Angaben der UNO mehr als 250.000 Menschen getötet und über 10 Millionen im gesamten kriegszerrütteten Land vertrieben. Das Forschungszentrum Syrian Center for Policy Research (SCPR) setzt die Anzahl der Toten seit Beginn des mittlerweile sechsjährigen Konflikts auf über 470.000 an.
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Demo in Köln
Türkische Generalkonsulin Gürel: „Es demonstrieren nicht nur Erdogan-Anhänger“
Düsseldorf (ots) – Die türkische Generalkonsulin von Düsseldorf, Sule Gürel, hat versichert, dass die Organisatoren der Pro-Erdogan-Demonstration in Köln alles tun werden, um eine friedliche Veranstaltung zu garantieren.
„Es gibt keinen Grund, Gewalt zu befürchten“, sagte die türkische Diplomatin der „Rheinischen Post“. Sie habe mit der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, telefoniert, um ihr das zu versichern. Gürel: „Diese Demonstration ist eine Stimme der Demokratie gegen den Putsch.“
Frau Generalkonsulin, ist Präsident Erdogan ein lupenreiner Demokrat?
Gürel: Er ist ein echter Demokrat. Er hat die Qualität der Demokratie verbessert. Er hat Schritte unternommen, die Dominanz des Militärs im politischen Leben zu vermindern. Und vergessen wir nicht, dass die AKP-Regierung unter seiner Führung viele Reformen durchgeführt hat, um unsere demokratischen Standards zu verbessern. Das sollte den Weg in die EU ebnen. Und er fand viel Beifall im Westen.
Warum sind jetzt so viele Menschen hinter Gittern gelandet?
Gürel: Alle, die verhaftet wurden, haben Verbindungen zu Terror-Organisationen. Wir müssen uns gegen den Terror von PKK, IS und Fethullah Gülen (FETO) verteidigen. Die FETO organisierte den Putsch vom 15. Juli.
Die Gülen-Bewegung eine Terror-Organisation? Das müssen Sie uns erklären.
Gürel: Sie haben offene und verdeckte Ziele. Sie präsentieren sich als Vorkämpfer für Frieden, Toleranz und Dialog des Glaubens. Aber ihr verdecktes Ziel ist es, den Staat mit ihren Anhängern zu unterwandern und die säkulare Verfassungsordnung zu zerstören. Die Mitglieder des geheimen Netzwerks wurden jahrelang in Armee, Polizei, Rechtswesen und die zivile Verwaltung eingeschleust. Sie haben viele illegale Aktionen unternommen wie das Abhören des Büros des Präsidenten und anderer Politiker, wie die Überwachung von Staatsbediensteten, wie Erpressung und den Diebstahl von Prüfungsunterlagen öffentlicher Institutionen, um ihre Mitglieder in Staatsorganen unterzubringen. Hinzukommt, dass sie Scheinverhandlungen gegen Hunderte von hohen Militärs organisierten, um diese mit gefälschten Beweisen zu verhaften. Ihr Ziel war es, so die Kontrolle der Armee zu übernehmen.
Das ist illegal, sollte es bewiesen werden. Aber das ist noch kein Terrorismus.
Gürel: Der ultimative Terror-Akt ist der blutige Putsch vom 15. Juli. Ich finde, dass die Bombardierung unseres Parlaments und anderer staatlicher Gebäude, der Versuch, unseren Präsidenten und Mitglieder der Regierung zu ermorden sowie auf Zivilpersonen zu schießen, Terror-Akte sind.
Haben Sie Beweise für diese Behauptung?
Gürel: Geständnisse der Verschwörer zeigen klar, dass Fethullah Gülen hinter dem Putsch steht. Die Untersuchungen und Zeugenaussagen der Verdächtigen zeigen klare Bezüge zum Putsch. Einer der Verschwörer schlug dem gefangen gesetzten Chef des Generalstabs vor, zu Gülen zu sprechen. Und Gülen selbst hat in seiner Video-Botschaft das beinahe zugegeben. Es wird bald neue Erkenntnisse geben, wenn die Untersuchungen fortschreiten. Wir werden zusätzliche Beweise liefern, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind. Warten Sie es ab. Und bitte beachten Sie, dass diese Untersuchungen schon vor dem Putsch begonnen und Anklagen durch die Staatsanwälte vorbereitet wurden.
Sie haben die Haftdauer ohne richterlichen Beschluss von 48 Stunden auf 30 Tage verlängert. Ist das rechtsstaatlich?
Gürel: Die Regierung hat den Ausnahmezustand im Einklang mit der Verfassung ausgerufen. So hat es auch Frankreich getan. Unsere Staatsanwälte und unsere Polizei braucht Zeit, um Zeugenaussagen auszuweiten und die Untersuchungen abzuschließen. Der Ausnahmezustand zielt darauf ab, unsere öffentlichen Institutionen effizient vom Gülen-Netzwerk zu schützen und die Verschwörer davon abzuhalten, Beweismittel zu verstecken. Aber wir werden Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte schützen.
Unsere Sicherheitskräfte befürchten Gewalttaten bei der Pro-Erdogan-Demonstration.
Gürel: Es demonstrieren nicht nur Erdogan-Anhänger. Das Organisationskomitee ist breit aufgestellt und schließt viele Oppositionsgruppen und Nicht-Regierungsorganisationen mit ein. Die Menschen wollen für die Demokratie demonstrieren. Es gibt keinen Grund, Gewalt zu befürchten. Die Organisatoren tun alles, um einen friedliche Veranstaltung zu garantieren. Ich habe mit der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, telefoniert, um ihr das zu versichern. Diese Demonstration ist eine Stimme der Demokratie gegen den Putsch.
Warum hat Erdogan nichts getan, um seine aufgewühlten und aggressiven Anhänger zu beruhigen? Stattdessen erwägt die Regierung, die Todesstrafe wiedereinzuführen.
Gürel: Der Wunsch der Menschen, die Todesstrafe wiedereinzuführen, sollte als Reaktion auf den Putsch verstanden werden. Die Regierungen aller Länder sollten auf ihre Leute hören. Das wird gründlich geprüft und nach einer demokratischen Diskussion im Parlament entschieden, wenn die Zeit reif ist. Wir wollen vorschnelle Schlussfolgerungen vermeiden. Ich persönlich bin gegen die Todesstrafe. Aber als Politikerin, die vor wütenden Menschen steht, würde ich nicht sagen: „Nein, wir wollen keine Todesstrafe.“ Sie müssen bedenken, dass im Putsch 246 unschuldige Menschen gestorben sind, die meisten von ihnen Zivilisten.
Psychologie
Tics bei Kindern am besten ignorieren
Baierbrunn (ots) – Ob ständiges Zwinkern oder Augenrollen, Schulterzucken oder Räuspern – Schimpfen oder Verbote bringen bei kleinen Tics von Kindern nichts. Schließlich unterliegen Tics nicht der willentlichen Kontrolle.
„Am besten den Tic ignorieren und das Kind ganz normal behandeln“, rät der Münchner Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Roland Zeeb im Apothekenmagazin „Baby und Familie“. Er empfiehlt, gelassen zu bleiben und abzuwarten. Ein Besuch beim Kinder- und Jugendpsychiater ist bei einfachen Tics nicht notwendig. Häufig zeigen Kinder die Angewohnheit nur eine bestimmte Zeit.
„Tatsächlich dauern vorübergehende Tic-Störungen zwischen vier Wochen und zwölf Monaten“, erläutert die Berliner Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Felicitas Fritze. Ist der Tic selbst nach einem Jahr noch nicht verschwunden, bezeichnet man ihn als chronisch. Doch selbst dann schwächen sich die meisten Tics laut Zeeb im späteren Jugendalter deutlich ab „oder bilden sich völlig zurück“. Ist der Leidensdruck beim Kind groß, ist oft eine Verhaltenstherapie hilfreich – mit dem Ziel, wieder Kontrolle über den eigenen Körper zu gewinnen.


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