"Kräfte auf den Neubau konzentrieren"
Stauforscher: Leverkusener Brücke hält nicht bis 2020

Köln (ots) – Der Einbau der Schranken und Absperranlagen vor der Leverkusener Rheinbrücke für alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen wird am 5. September beginnen und soll innerhalb von vier Wochen abgeschlossen sein. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in seiner Donnerstagausgabe. Die Anlage mit Waagen und Größenmessern wird nach Informationen des Landesbetriebs Straßen NRW Anfang Oktober in Betrieb gehen. Sie wird rund 4,5 Millionen Euro kosten. Die aufwendigen Sperranlagen sind nötig, weil das Fahrverbot täglich von bis zu 150 Lkw-Fahrern missachtet wird. Die Brücke wird während der Bauarbeiten nicht über einen längeren Zeitraum komplett gesperrt. „Es wird vorwiegend nachts gearbeitet“, sagte eine Sprecherin. „Vollsperrungen sind nicht auszuschließen. Auch sie sollen aber ausschließlich in der Nacht erfolgen und nicht mehr als 30 Minuten dauern.“ Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg/Essen fürchtet, dass sich die Staus vor der Leverkusener Rheinbrücke durch das neue Tempolimit von 40 km/h vor den Sperranlagendeutlich verlängern und zu einem Verkehrschaos führen werden. Er geht davon aus, dass die Brücke trotz der Sperranlagen nicht durchhalten wird, bis der erste Teil eines Neubaus steht. Das soll Ende 2020 der Fall sein. „Man versucht jetzt mit allen Mitteln zu retten, was zu retten ist und die Vibrationen aus der Brücke zu nehmen“, sagte Schreckenberg. Bei einem Bauwerk in einem solchen Zustand kann das auf Dauer nicht gelingen. Das ist eine Maßnahme, „einen dem Tode geweihten Patienten neues Leben einzuhauchen“. Das Land müsse alle Kräfte auf den Neubau konzentrieren. „Eigentlich müsste man zu drastischen Maßnahmen greifen, die Brücke sperren und sofort neu bauen.“ Auf der A 40 habe man gesehen, dass die Vollsperrung einer Autobahn funktionieren kann.

Syrien-Operation der Türkei
PYD-Führer Salih Muslim droht Türkei mit Niederlage in Syrien

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Ankara (nex) – Der Führer des syrischen PKK-Ablegers PYD, Salih Muslim, hat am Mittwoch in einem Tweet der Türkei gedroht. Er erklärte auf Twitter unter Bezugnahme auf die türkische Antiterroroperation gegen die Terrormilizen IS und YPG im nordsyrischen Grenzgebiet, die Türkei begebe sich in Syrien in einen „Sumpf“ und werde „ebenso eine Niederlage erleiden wie der IS“, nachdem dieser Ziele in Nordsyrien angesteuert habe. Mit Unterstützung durch Kampfflugzeuge der US-geführten Anti-IS-Koalition hat die Türkei Stellungen des IS entlang der türkisch-syrischen Grenze angegriffen. Ankara stuft die PYD auf Grund ihrer organischen Verbindung mit der PKK, die seit 1984 einen blutigen Krieg gegen den türkischen Staat führt, als terroristische Vereinigung ein. „Die Türkei ist im syrischen Sumpf. Sie wird wie Daesh besiegt werden“, erklärte Muslim auf Twitter in arabischer und englischer Sprache. Auf Türkisch erklärte er nur: „Die Türkei wird im syrischen Sumpf verlieren.“ Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan reagierte auf die Drohung, ohne Muslims Namen zu nennen. „Es gibt Leute, die meinen, die Türkei würde durch diese Operation in dieser oder jener Art beeinflusst werden. Ich rate ihnen, über ihre eigene Zukunft nachzudenken“, erklärte der Präsident.  

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Türkei
Coupfacts.com: Neue Info-Seite zum Putschversuch in der Türkei

Istanbul (nex) – Eine spezielle Webseite mit allen Fakten zum vereitelten Putschversuch vom 15. Juli wurde veröffentlicht. Auf der Seite www.coupfacts.com wird der historische Widerstand der Türken gegen den Putschversuch vorgestellt, bei dem Hunderte Menschen getötet und Tausende verletzt worden waren. Auch die Rolle des Gülen-Netzwerks FETÖ beim gescheiterten Staatsstreich wird detailliert thematisiert. Die Webseite besteht aus fünf Rubriken – Putschversuch, Helden, Plätze, die in der Putschnacht eine wichtige Rolle gespielt haben, Reaktionen aus aller Welt und Schandmauer. In der Rubrik „Putschversuch“ werden in allen Einzelheiten die Ereignisse der Putschnacht mit Fotos und Videos erklärt. Die Rubrik „Helden“ gibt den Lesern einen Einblick in den Widerstand der Märtyrer. Hier werden die Geschichten der Märtyrer wie Ömer Halisdemir vorgestellt, der einem Putschkommandanten in den Kopf schoss. Letzterer hatte versucht, das Kommando über eine Spezialeinheit zu übernehmen. Safiye Bayat stellte sich den Panzern auf der Bosporusbrücke entgegen und versuchte, die Putschsoldaten zur Aufgabe zu bewegen. Die „Schandmauer“ porträtiert die tragische Gleichgültigkeit des Westens gegenüber dem Staatsstreich, der dem Widerstand vom 15. Juli gegenüber die Augen und Ohren verschloss. Die Videobotschaft des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogans von der Nacht des Putschversuchs ist ebenfalls auf der Webseite abrufbar. Die türkische Regierung hat für den vereitelten Staatsstreich, bei dem 240 Menschen getötet und 2.200 verletzt wurden, wiederholt das Gülen-Netzwerk FETÖ des seit Ende der 1990-er Jahre in den USA lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen und dessen Anhänger verantwortlich gemacht. Gülen wird vorgeworfen, über Jahrzehnte hinweg mit seiner elitären, intransparenten Vereinigung systematisch die staatlichen Institutionen unterwandert und vor allem im Militär, in der Polizei und im Justizsystem einen „Parallelstaat“ gegründet zu haben.

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Türkisch-kurdische Kooperation
Türkei: Kurdenführer Barzani und Erdogan planen Fortführung der Zusammenarbeit

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Ankara (nex) – Der Präsident der Autonomen kurdischen Gebiete (KRG), Masud Barzani, ist am gestrigen Dienstag mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem Ministerpräsidenten Binali Yildirim zusammengekommen. Während des fast zweistündigen Treffens im Präsidialkomplex auf dem Bestepe-Areal in Ankara wurde die Zusammenarbeit gegen Terrororganisationen wie den IS (Daesh), die PKK sowie das Gülen-Netzwerk FETÖ erörtert. Auf Barzanis Agenda standen gemeinsame Anti-Terror-Einsätze mit der Türkei zur Rückeroberung des vom IS (Daesh) besetzten Mossul. Diese sollen im Oktober beginnen und die Gebiete südlich, östlich und nördlich von Mossul komplett vom IS (Daesh) befreien. Während die Türkei die kurdischen Peschmerga mit Logistik und Ausbildung unterstützt, bleibt der potenzielle Flüchtlingsstrom als Resultat der Operationen ein Problempunkt. Es wurden Berichten zufolge Maßnahmen beschlossen, um an der türkisch-irakischen Grenze einer möglichen Flüchtlingswelle von 1,5 Millionen Menschen aus dem Irak in die Türkei entgegenzuwirken. Die USA planen für die besagte Operation militärische Unterstützung bereitzustellen; die KRG hat jedoch auch die Türkei eindringlich um militärische Unterstützung gebeten. Zwar ging es bei dem Treffen vorrangig um die Verbesserung der Zusammenarbeit beim Kampf gegen Terrorgruppen, dennoch standen auch fünf weitere Themen auf der Agenda, unter anderem die Schließung der Gülen-Schulen sowie den Kampf gegen die PKK und die PYD (Partei der Demokratischen Union), den syrischen Ableger der PKK. Ankara hat einen umfassenden Plan für die Mossul-Operation vorbereitet, der die logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung der Koalition vorsieht. Des Weiteren soll sie bei der Ausbildung der Peschmergakräfte im Militärcamp Diyala mitwirken. Es wurden auch Maßnahmen, um dem potenziellen Flüchtlingsstrom entgegenzuwirken und humanitäre Hilfe zu leisten, von türkischen und irakischen Regierungsvertretern angesprochen. Maßnahmen zur Aushebung von Gräben zum Schutz von Zivilisten und den Turkmenen in der Region sind vorgesehen. Die Türkei könnte zusätzliche Truppen an die Grenze für Gegenangriffe auf den IS (Daesh) entsenden  

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Krieg gegen den Terror
Türkei: Oppositionsparteien CHP und MHP unterstützen Erdogans Militäroffensive in Syrien

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Ankara (nex) – Die türkische Militäroperation gegen die Terrormiliz IS (Daesh) im Norden von Syrien findet in der Türkei einen breiten politischen Konsens. Am Mittwoch haben die beiden größten Oppositionsparteien, die Republikanische Volkspartei (CHP) und die Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) ihre Unterstützung des Vorgehens der türkischen Streitkräfte zum Ausdruck gebracht. Der Vorsitzende der MHP, Dr. Devlet Bahçeli, betonte, es sei wichtig, die türkisch-syrische Grenze von Terroristen zu säubern. „Die Sicherheit in der türkisch-syrischen Grenzregion zu sichern, insbesondere, indem man die Versorgungsrouten des IS bezüglich Logistik und Personal komplett abschneidet, und indem man Terroristen daran hindert, unsere Grenzen zu infiltrieren, sind die wichtigsten Aufgaben“, machte Bahçeli deutlich. „Die Partei der Nationalistischen Bewegung sieht die Operation in Dscharablus als sehr positive Entwicklung und unterstützt sie uneingeschränkt.“ Man stehe hinter der Entschlossenheit und kompromisslosen Haltung der politischen Autorität. Dscharablus vom Daesh zu säubern wäre ein wichtiger Schritt, um Sicherheitsrisiken für die Türkei zu überwinden. Auf einer späteren Pressekonferenz nach einem Treffen des Parteivorstandes der CHP erklärte die Parteisprecherin und stellvertretende Vorsitzende Selin Sayek Boke, Daesh sei ein „Monster“, das sowohl in der Türkei selbst als auch in der Region eine Gefahr darstelle. Sie machte deutlich, dass ihre Partei die Regierung und die Operation „Schild des Euphrat“ unterstütze, die am frühen Mittwochmorgen begonnen hat und die Freie Syrische Armee gegen die Terrormilizen IS und YPG unterstützen soll. Die YPG sind die bewaffneten Truppen der PYD, die von der Türkei als syrischer Ableger der terroristischen PKK eingestuft wird. Der PYD wird unter anderem vorgeworfen, in den von ihr kontrollierten Gebieten Syriens ethnische Säuberungen zu betreiben. „Daesh ist die größte Gefahr für die Türkei. Daesh ist ein Monster“, erklärte Boke. Die Politikerin würdigte die Leistungen der türkischen Soldaten und wünschte ihnen eine sichere Rückkehr in die Türkei. Boke rief die Türkei dazu auf, Daesh innerhalb und außerhalb der Türkei zu bekämpfen. Seit Januar sind mindestens 21 Menschen nach Raketeneinschlägen aus dem Daesh-Gebiet in der türkischen Grenzregion Kilis ums Leben gekommen. Am letzten Wochenende tötete ein Selbstmordattentäter 54 Menschen bei einem Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep.

Bewährungsprobe im Antiterrorkrieg
Syrien: Türkische Spezialkräfte spielen Schlüsselrolle bei Militäraktion gegen IS

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Ankara (nex) – Die türkischen Spezialkräfte Bordo Bereliler spielen eine Schlüsselrolle in der groß angelegten Militäraktion, die am Mittwoch um 4 Uhr morgens mit schwerem Artilleriefeuer begann und der so genannten „Freien Syrischen Armee“ (FSA) die Befreiung der grenznahen Stadt Dscharablus von der Terrormiliz IS ermöglichen soll. Gleichzeitig soll ein Vorrücken des PKK-Ablegers YPG auf die Stadt und deren Festigung westlich des Euphrat verhindert werden. Die FSA wird die Hauptlast des Bodenkampfes tragen, die Türkei beschießt massiv mit Artillerie und aus Flugzeugen IS-Stellungen in der Stadt. Auch türkische Panzer sollen die Grenze überschritten haben. Die Intervention erfolgt mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition und zumindest der Billigung Russlands. Die türkischen Streitkräfte stehen unter dem Kommando des Generalleutnants Zeki Aksakallı, der erst kürzlich im Rahmen des ersten Zusammentreffens nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli durch den Obersten Militärrat (YAŞ) unter dem Vorsitz des Premierministers Binali Yıldırım in diesen Rang erhoben worden war. Aksakallı selbst hatte im Zusammenhang mit der Vereitelung des Putschversuches eine Schlüsselrolle gespielt. Als damaliger Generalmajor merkte er, dass sein Stellvertreter, Brigadegeneral Salih Terzi, ein aktives Mitglied der Putschjunta war und in seiner Funktion für die Spezialaufträge der Truppen entlang der syrischen Grenze zuständig. Aksakallı wurde klar, dass Terzi am Tag des Putsches nicht die Aufgabe hatte, in Ankara zu sein – und tatsächlich sollte er dort im Auftrag der Putschisten das Hauptquartier der Spezialkräfte nahe der Stadt einnehmen. Er war selbst im Gebäude, als das Komplott ausgeführt werden sollte. Der Offizier konnte jedoch Oberstabsfeldwebel Ömer Halisdemir erreichen, der sich vor dem Gebäude befand, und ihm den Auftrag geben, Terzi und seine Begleiter mit allen Mitteln am Erreichen des Hauptquartiers zu hindern. Als Halisdemir die Herannahenden dazu aufforderte, stehenzubleiben, erschossen diese ihn auf der Stelle. Jedoch gelang es Aksakallı, zusammen mit loyalen Soldaten das Quartier unter Kontrolle zu behalten und im weiteren Verlaufe der Nacht die Luftwaffenbasis Akıncı einzunehmen, die von führenden Verschwörern als Kommandobasis verwendet wurde. Nach dem gefallenen Helden Halisdemir wurden seither Plätze und Schulen benannt. Wäre der Putsch gelungen, wäre der Verräter Terzi zum Chef der Spezialkräfte ernannt worden.

Kampf gegen den Terror
Türkischer Vize-Premier: „Türkei lehnt jegliche Präsenz der PYD an der syrischen Grenze ab“

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Ankara (nex) – „Die Türkei lehnt jegliche Präsenz der PYD, des syrischen Ablegers der PKK, an der syrischen Grenze ab“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus am gestrigen Dienstag. „Die Türkei kann nicht akzeptieren, dass die 911 Kilometer lange Grenze zwischen der Türkei und Syrien in die Hände einer Terrororganisation, der PYD, gerät“, warnte Kurtulmus bei NTV, einem privaten türkischen TV-Sender. Lokale Behörden teilten mit, dass die PYD Gewinne gegenüber den Streitkräften des Assad-Regimes in Nordostsyrien zu verzeichnen habe. Kurtulmus erklärte, Raketenangriffe von IS (Daesh) und PYD in Syrien „störten“ die Grenzen der Türkei, besonders in der Provinz Kilis. „Deshalb verfolgt die Türkei diese Vorgänge an der Grenze aus Gründen der nationalen Sicherheit und wegen der territorialen Integrität Syriens sehr aufmerksam“, fügte er hinzu. Kurtulmus wies erneut darauf hin, dass das Assad-Regime die Waffen niederlegen müsse und fügte hinzu: „Es gibt eine Politik in Syrien, die nicht funktioniert und keinen Fortschritt für die Welt darstellt. Sie muss rasch geändert werden und eine Friedensperspektive, die das syrische Volk verlangt, muss eröffnet werden.“    

"Völkischen Ethnonationalismus"
Kommentar: „Wer Loyalität fordert, sollte Zugehörigkeit fördern“

Von Yasin Baş „Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln.“ Was könnte der Anlass für die Forderung der Kanzlerin gewesen sein? Möglicherweise die Sorge, dass innenpolitische Konflikte nach dem Putschversuch in der Türkei auch auf deutschen Straßen ausgetragen werden könnten? Wenn dies die Absicht war, hätte sich unsere Kanzlerin konsequenterweise lange vorher zu Wort melden müssen. Nämlich dann schon, als die auch in Deutschland als Terrororganisation eingestufte PKK zum Teil gewaltsame Aktionen auf deutschen Straßen durchführte. Seit Jahren werden Vereinslokale und Einrichtungen von Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland von PKK-Aktivisten in Brand gesteckt und zerstört. Trotz offener Bekennerschreiben auf einschlägigen Internetseiten schaffen es solche terroristischen Angriffe kaum in die überregionalen Medien, noch weniger auf die politische Agenda.

Alte Denkweisen völkischen Ethnonationalismus‘

Welche Befürchtungen könnten Merkel darüber hinaus dazu bewogen haben, mehr Loyalität zu erbitten? Wahrscheinlich könnte die von über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen unterschiedlicher Couleur in Köln ausgerichtete, aber gezielt als „Pro-Erdogan-Kundgebung“ oder „Erdogan-Demo“ verteufelte „Großveranstaltung für die Demokratie“ mit über 50.000 Teilnehmern ein Grund sein. Dass zu den unterstützenden Vereinen der Kundgebung auch mehrere Erdogan-Gegner zählten, interessierte große Teile der Medien und Politik nicht. Oder wurde diese Wirklichkeit bewusst ausgeblendet, weil es nicht in das öffentliche Leitbild passte? Trotz verschiedener Behinderungen und ständig neuen Auflagen konnte die Veranstaltung friedlich und ohne Probleme stattfinden. Zum Abschluss gab es sogar noch Blumen für die Sanitäter und die Polizei. Möglich, dass diese Veranstaltung so manchen Politiker besorgt hat. So erklärten manche Kolumnisten und einige Unionspolitiker der CDU/CSU, allen voran Jens Spahn, dass so genannte türkischstämmige Erdogan-Anhänger frei seien, Deutschland zu verlassen oder ihre deutschen Pässe zurückzugeben. Vor wenigen Tagen einigten sich zudem die Innenminister der Unionsparteien in der „Berliner Erklärung“ die doppelte Staatsbürgerschaft 2019 gegebenenfalls abzuschaffen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich ein Einwanderungsland im 21. Jahrhundert in alten Denkweisen des völkischen Ethnonationalismus verfängt. Ich habe mich geirrt. Manche populistischen Politiker haben anscheinend vor dem Hintergrund anstehender Wahlkämpfe doch noch genug rechten Drall, die AfD rechts zu überholen.

Merkels Wille zur Empathie gibt Hoffnung

Ein positives Signal von Kanzlerin Merkel ist dagegen ihr Wille zur Empathie. Merkel wolle ein offenes Ohr für die türkischstämmigen Menschen in Deutschland haben und versuchen sie zu verstehen. Die Regierung halte engen Kontakt mit den Migrantenverbänden. In diesem Zusammenhang wäre es angebracht, die Diffamierungskampagnen gegenüber den großen türkischstämmigen Verbänden zu beenden und wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren. Die Eskalationsstrategie einiger Behördenapparate (z.B. ein „Büroversehen“ im Innenministerium) scheinen im Gegensatz zu den außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik zu stehen. Und: Wer Loyalität fordert, sollte Zugehörigkeit und Wertschätzung fördern!

Loyalität der Türkischstämmigen gilt dem Grundgesetz

Ich glaube nicht, dass Millionen von türkischstämmigen Menschen, die im Zuge der Anwerbeabkommen nach Deutschland kamen sowie ihre Kinder und Enkel sich jemals illoyal gegenüber ihrer Heimat – Deutschland – verhalten haben. Deutschland ist wie für Millionen von Menschen auch Vaterland für die türkischstämmige Bevölkerung. Ferner ist es unaufrichtig, dass Menschen, die hier geboren, aufgewachsen und sozialisiert sind und auch hier sterben werden immer noch angezweifelt oder ausgegrenzt werden. Eine Diskussion um Loyalitäten zeigt, dass die türkischstämmigen Menschen immer noch unter dem Aspekt der Sicherheit bzw. als Sicherheitsrisiko behandelt werden. Loyalitätsentscheidungen von Menschen zu verlangen, die sich seit Jahrzehnten mit Hand, Schweiß, Kopf und Herz für die Entwicklung Deutschlands einsetzen, ist nichts als eine identitätsstiftende und künstliche Ausgrenzungsmethode. Die Loyalität der türkischstämmigen Menschen in unserem Land gilt nicht einer Partei, Religion oder Ideologie. Unsere Loyalität gilt unserem Staat Deutschland, seinem Grundgesetz und seinem Rechtssystem. Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung wies im Jahre 2015 genau das nach.

Niemand darf aufgrund seiner politischen Anschauung benachteiligt werden

Gemäß Artikel drei, Absatz drei im Grundgesetz darf niemand „wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Obwohl laut unserer Verfassung niemand aufgrund seiner politischen Anschauung benachteiligt werden darf, können wir der Presse entnehmen, dass in letzter Zeit immer mehr türkische und türkischstämmige Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschengruppen und Einzelpersonen verdächtigt und diskreditiert werden. Die Androhung von Ausbürgerung, Ausweisung oder anderer repressiv-diskriminierender Maßnahmen gegen Menschen, die anderer politischer Anschauung sind, als die öffentlich gewünschte oder geforderte, werden niemals eine Distanz zu Deutschland und dem Rechtsstaat bewirken.

Heterogenität eine Chance für jedes Land

Den Vorteil von Doppel- bzw. Mehrsprachigkeit, Doppel- oder Mehrkulturalität, Doppel- oder Mehrstaatlichkeit zu begreifen, ist zugegebenermaßen für Leute, die immer nur einsprachig, monokulturell und monostaatlich gelebt haben, nicht ganz einfach. Aber auch hier können türkischstämmige Deutsche behilflich sein, diese Herausforderung zu bewältigen. Mehrkulturalität und Mehrsprachigkeit sind eine Chance für jedes Land der Welt. Natürlich gilt das aber nur für diejenigen Staaten, die diese Unterschiede auch zu Möglichkeiten umwandeln wollen und können. Denjenigen, die jegliche Differenzen als potentielle Gefahr und Risiko sehen, kann nur schwer weitergeholfen werden. Sie sind darin frei, mit ihren Scheuklappen weiter durchs Leben zu marschieren. Wenn in unserem Land aber wirklich Platz für jeden ist, muss sich auch die rückwärtsgewandte und fortschrittsfeindliche Haltung wandeln. Blinder Reaktionismus schadet unserer Gemeinschaft. Man kann sich an klassischen Einwanderungsstaaten wie den USA, Kanada und Australien oder an den neuen Einwanderungsstaaten Indien und China orientieren. Auch die Türkei hat jahrhundertealte Erfahrungen damit, Heterogenität als Chance zu nutzen.

Wir alle müssen Verfassungspatrioten sein

Ist es vielleicht ein Zeichen von Naivität oder Unwissenheit, dass manche Politiker, Medienverlage oder Personen der Öffentlichkeit die türkischstämmigen Bürger in Deutschland zur Entscheidung nötigen, sich für ein Land zu entscheiden? Wird dieser Druck eigentlich auch auf US- oder EU-Bürger ausgeübt? Wir, die Menschen mit türkischen Wurzeln, sehen beide Seiten als unsere Heimat an. Für uns gibt es kein „entweder-oder“, sondern ein „sowohl-als auch“. Die Türkei ist unser Mutterland. Und Deutschland? Deutschland ist unser Vaterland. Wir fühlen uns sowohl Deutschland als auch der Türkei, sowohl Europa als auch Asien in gleichem Maße verbunden. Wir sind und leben transnational. Wir träumen türkisch, aber auch deutsch. Es gibt sogar viele unter uns, die englisch und französisch zugleich träumen. Niemand darf uns zwingen, uns für nur eine Seite zu entscheiden. Jeder sollte uns mit unserem Mehrwert und unseren Vorteilen akzeptieren. Gibt uns unser Grundgesetzt hierbei keine Richtschnur? Kurz: Die Mehrheitsgesellschaft muss zumindest genauso loyal zur deutschen Verfassung stehen wie die Minderheiten. Wir müssen alle gemeinsam Verfassungspatrioten sein.

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Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”. Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Türkei nach dem Putschversuch
Türkei: Streitkräfte werden nach Putschversuch aus Stadtzentren ins Umland verlegt

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Istanbul (nex/aa) – Wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, wurde der Transport von Militärfahrzeugen an andere Standorte als Teil des Projekts der türkischen Regierung, nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli Militärstützpunkte in Gebiete außerhalb der Stadtzentren zu verlegen, in einer Kaserne in Istanbul in Angriff genommen.
Gepanzerte Fahrzeuge der Bastepe Kaserne im Istanbuler Distrikt Sultangazi wurden auf Militärlastwagen geladen und sind nun auf dem Weg zu den Kasernen in Corlu und Besiktepe in der Provinz Tekirdag. Insgesamt sechs Militärlastwagen haben die Bastabya-Kaserne nach einer Zeremonie mit Polizeieskorte in Richtung Stützpunkte in Vorstädten verlassen. Die übrigen gepanzerten Fahrzeuge in Bastabya werden nach und nach im Einklang mit der Entscheidung der Regierung, bis zum 11. September dieses Jahres die Militärkasernen aus den Stadtzentren hinaus zu verlagern, weggebracht werden.
Bastabya war eine der Kasernen, von der in der Nacht des von Anhängern des Gülen-Netzwerks FETÖ durchgeführten Putschversuchs gepanzerte Fahrzeuge am Flughafen Istanbul Atatürk und Polizeihauptquartier im Vatan Boulevard aufgefahren waren. Der ehemalige Chef der Sicherheitsabteilung der Polizeizentrale von Istanbul, Mithat Aynaci, war in einem der Panzer eingesperrt, die während des Putschversuchs in den Vatan Boulevard aufgefahren waren. Das Schicksal der leerstehenden Kasernen in Ankara und Istanbul ist Diskussionsthema, seit die Regierung nach dem Putschversuch deren Schließung beziehungsweise Verlagerung in Vororte angekündigt hat.
Zu Beginn des Putschversuchs wurden die zwei Hauptbrücken von Istanbul mit Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen des Ersten Armeekommandos in Istanbul gesperrt. Nach der Vereitelung des Putschversuchs ergaben sich die Soldaten auf der Bosporusbrücke den Sicherheitskräften. Nach Angaben des Generalstabs wurden im Zuge des Putschversuchs 35 Flugzeuge, darunter 24 Kampfjets, 37 Hubschrauber, 74 Panzer, 246 gepanzerte Fahrzeuge und drei Schiffe eingesetzt.

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Terroranschlag in Gaziantep
Türkischer Außenminister: „Unsere Grenzen müssen vollständig vom IS gesäubert werden“

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Ankara (nex) – Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte am gestrigen Montag nach dem Selbstmordanschlag am Wochenende in der südosttürkischen Provinz Gaziantep mit mindestens 54 Toten, darunter 29 Kinder, dass der IS (Daesh) von der syrischen Grenzregion vollständig entfernt werden müsse. „Unsere Grenze muss vollständig vom IS (Daesh) gesäubert werden“, betonte Cavusoglu in einer Fernsehsendung. „Es ist unser natürlichstes Recht, zuhause und im Ausland gegen eine solche Terrororganisation zu kämpfen“, so der Außenminister weiter. Ein Selbstmordattentäter im Kindesalter – er sei zwischen 12 und 14 Jahre alt gewesen – habe vermutlich den Anschlag am 20. August im Auftrag von IS-Terroristen in der südosttürkischen Provinz Gaziantep nahe der syrischen Grenze durchgeführt, teilte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit. Cavusoglu wies darauf hin, dass die Türkei bereits eine aktive Rolle im Kampf gegen den IS (Daesh) spiele, indem sie der Anti-IS-Koalition die Nutzung eines wichtigen Luftwaffenstützpunktes im Süden des Landes für Luftschläge gegen die extremistische Gruppierung erlaube. Des Weiteren betonte der Politiker, dass die Türkei ein „Hauptziel des IS“ sei, weil die Regierung seine Bezugsquellen für ausländische Terrorkämpfer durch ein Einreiseverbot für 55.000 Mitglieder und die Ausweisung von etwa 4.000 Verdächtigen trockengelegt habe. „In diesem Sinne haben wir dem IS den größten Schaden zugefügt“, schlussfolgerte er. Der Außenminister unterstrich, dass die Türkei und Erdogan eine Schlüsselrolle beim Besiegen der Ideologie des IS (Daesh) spielten und fügte hinzu: „Deshalb steht Recep Tayyip Erdogan ganz oben auf ihrer Abschussliste.“