Studie
Facebook: Männer dominieren Kommentarspalten deutscher Medien

Hamburg (ots) – Jeder fünfte Deutsche checkt seinen Facebook-Account laut der aktuellen Online-Studie von ARD und ZDF täglich. Insofern ist davon auszugehen, dass auch die in den Facebook-Kommentarspalten veröffentlichten Äußerungen zur Meinungsbildung dieser Personen beitragen. „Wo, wenn nicht dort, finden diese Diskussionen statt, in denen Leute sich darüber verständigen, was die großen gesellschaftlichen Fragen sind“, so Juliane Leopold, freie Journalistin und Beraterin zu Social Media. Das NDR Medienmagazin „Zapp“ wollte wissen, wer diese Debatten bestimmt: Vom 23. Oktober bis zum 1. November 2017 sammelte ein Datenjournalist für „Zapp“ über die Programmierschnittstelle von Facebook alle Kommentare, die User unter den Beiträgen großer Medienhäuser verfasst hatten. Für die exklusive NDR Auswertung kamen insgesamt mehr als 700.000 Kommentare zusammen. Über den Vornamen der User wurde das Geschlecht bestimmt. Im Schnitt stammten 53 Prozent der Kommentare von Männern, 36 Prozent von Frauen. Bei 11 Prozent handelte es sich um Namen, die methodisch nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen waren. Dabei unterscheiden sich die Ergebnisse einzelner Facebook-Kommentarspalten erheblich in Bezug auf das Geschlechterverhältnis der Kommentatoren und Kommentatorinnen. So ist das Verhältnis von Männern und Frauen im betrachteten Zeitraum bei „Bild“ nahezu ausgeglichen – mit gut 47 Prozent Männern und knapp über 40 Prozent Frauen. Bei der „tageszeitung“ hingegen liegt ein deutlich ungleiches Verhältnis von fast 62 Prozent Männern und nur gut 25 Prozent Frauen vor. Am wenigsten ausgewogen ist das Geschlechterverhältnis bei den Kommentaren des Facebook-Auftritts der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit mehr als 68 Prozent Männern und knapp 22 Prozent Frauen. Ein solches Missverhältnis zeigt die Analyse sonst nur bei einem Special-Interest-Angebot für Männer wie „Men’s Health“ (mehr als 68 Prozent Männer / knapp 20 Prozent Frauen). Auch bei den Facebook-Kommentaren der Tagesschau und der „heute“-Sendung findet sich ein ungleiches Verhältnis (Tagesschau: mehr als 62 Prozent Männer / gut 26 Prozent Frauen, „heute“: gut 53 Prozent Männer/ gut 35 Prozent Frauen).

Prozess in den USA
Mithäftling: Reza Zarrab hat mich vergewaltigt

New York (nex) – Der Prozess um den in den USA vor Gericht stehenden türkisch-iranischen Goldhändlers Reza Zarrab hat erneut eine bizarre Wende genommen. Ein Mann aus der Elfenbeinküste beschuldigt Zarrab, den Hauptzeugen der US-Regierung, ihn in der Zelle des New Yorker Gefängnisses vergewaltigt zu haben. Der Kläger ist ein 62-jähriger Mann, der behauptet, dass er von Mitte 2016 bis März 2017 mit Zarrab eine Zelle geteilt habe und Letzterer nach der Beschwerde des Mannes in eine andere Einrichtung verlegt worden sei. Der 62-jährige Mann sagt weiter, Zarrab habe sich mit ihm angefreundet, seinen Anwalt bezahlt, Geld auf sein Gefängniskonto eingezahlt und auch Geld an seine Familie in Afrika überwiesen. Er habe dann begonnen, anzügliche Bemerkungen zu machen. Die erste von mehreren angeblichen sexuellen Übergriffen habe sich im November 2016 ereignet. In den nächsten zwei Monaten, so heißt es in der Klage, wurde die kleine Zelle für den Mann aus Afrika „zu einer Art Folterkammer“. Zarrab habe ihn auch mit einer Gurke angegriffen was Blutungen verursacht habe, berichtet New York Daily News. Er sei zu Beginn von Zarrabs Reichtum und Macht beeindruckt gewesen, zumal es ihm auch geholfen habe, sich „Sonderbehandlungen“ von Insassen und Wachen zu erkaufen. Zarrab hatte am Mittwoch zugegeben, für Alkohol, Medikamente und die Nutzung seines Mobiltelefons über seine Rechtsanwälte an Gefängniswächter 45.000 Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt zu haben. Die zwei Männer seien zunächst in verschiedenen Zellen in der gleichen Abteilung des Brooklyn-Gefängnisses untergebracht gewesen. Da beide schiitische Muslime seien, habe sich eine Freundschaft entwickelt,  so die Klage. Zarrabs Anwälte haben die Anschuldigungen zurückgewiesen.  

Jerusalem-Krise
Nach Trump-Entscheidung: Treffen zwischen Erdogan und Putin angekündigt

Ankara (nex) – Der russische Präsident Wladimir Putin wird am 11. Dezember auf Einladung seines Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan Ankara besuchen, so der Sprecher des türkischen Präsidenten am Freitag. Bei dem Treffen sollen bilaterale, regionale und globale Fragen, einschließlich der jüngsten Entwicklungen in Jerusalem und der aktuellen Lage in Syrien erörtert werden. Bereits am gestrigen Donnerstag habe Erdogan mit Putin telefoniert, um die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA zu besprechen. Das Telefongespräch fand einen Tag nach der Ankündigung Donald Trumps, trotz internationaler Proteste Jerusalem als Israels „ungeteilte“ Hauptstadt anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen zu wollen, statt. Das letzte Mal trafen sich die beiden Staatsoberhäupter am 22. November in der russischen Küstenstadt Sotschi, wo sie gemeinsam mit dem Iran die Situation in Syrien erörterten. Während eines Treffens in der kasachischen Hauptstadt Astana am 4. Mai unterzeichneten die Garantiemächte Russland, Türkei und Iran eine Vereinbarung zur Einrichtung einer Deeskalationszone in Syrien, die auch Idlib im Nordwesten Syriens an der türkischen Grenze einschließt.

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Jerusalem-Krise
Karsten Voigt (SPD) kritisiert Trumps Jerusalem-Entscheidung

Heilbronn (ots) – Der SPD-Politiker Karsten Voigt, von 1999 bis 2010 der Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, sieht nach der Jerusalem-Entscheidung von Donald Trump die Zukunft Israels gefährdet. Trump habe vor allen Dingen aus innenpolitischen Gründen so entschieden. Ein wichtiger Teil seiner Wähler – repräsentiert durch Vizepräsident Pence – seien die religiöse Rechte und hier insbesondere die Evangelikalen., sagte Voigt der „Heilbronner Stimme“. „Diesen Wählern hatte er im Wahlkampf diese Entscheidung versprochen. Nun setzt er dieses Versprechen gegen den überwiegenden Rat seiner außenpolitischen Berater durch“, so Voigt. Für den Nahen Osten, in dem sowieso schon an vielen Orten Gewalt, Krieg und Krisen herrschen, bedeute dies nichts Gutes, sagte Voigt. „Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Entscheidung – ebenso wie die andauernde Siedlungspolitik – auch die Zukunft eines demokratischen und mehrheitlich jüdischen Staates Israel gefährdet. Dies besorgt mich als Freund Israels am meisten“, betonte Voigt. Der US-Experte ergänzte: „Es wird viele Appelle zur Vernunft geben. Stimmen der Vernunft aber können die negativen Wirkungen von unvernünftigen Entscheidungen nicht neutralisieren.“

Zum Thema

– Jerusalem-Krise – Kommentar: Evangelikale Christen einer der Gründe für Trump-Entscheidung

Für Evangelikale Christen in den Vereinigten Staaten ist die Entstehung Israels von Gott gewollt, Das sagte auch der Fernsehprediger Pat Robertson jüngst in einer Rede. Für Evangelikale sei „die Heilige Stadt Jerusalem“ deren „spirituelle Hauptstadt“ und das „Heilige Land zusätzliche Demonstration“, dass der Gott der Bibel existiere. Namhafte Evangelikale Gruppen hatten Donald Trump bereits im Mai in einem offenen Brief aufgefordert, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Kommentar: Evangelikale Christen einer der Gründe für Trump-Entscheidung

"Profitgier von Finanzmärkten"
IG Metall NRW wirft General Electric „Raubtierkapitalismus“ vor

Düsseldorf (ots) – Der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler, hat scharfe Kritik am Stellenabbau von General Electric in Deutschland geübt. Der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ sagte er: „General Electric macht in allen Geschäftsfeldern Milliardengewinne. Der geplante Stellenabbau ist daher völlig inakzeptabel.“ Auf Kosten der Beschäftigten solle kurzfristig Profit maximiert werden. „Das ist unsozial und betriebswirtschaftlich unvernünftig.“ Die IG Metall NRW fordere eine Investitionsstrategie statt Stellenabbaus. „Die Fertigung in Mönchengladbach ist profitabel“, erklärte Giesler. Diese solle nun wegen der Profitgier von Finanzmärkten und Anteilseignern geschlossen werden. „Das ist Raubtierkapitalismus pur. Wir können uns für Mönchengladbach durchaus Lösungen außerhalb von GE vorstellen.“ Der NRW-Bezirksleiter appellierte an die NRW-Landesregierung, sich einzuschalten: „Nach Thyssenkrupp und Siemens folgt nun General Electric. Jetzt ist die Landesregierung gefordert. Sie muss sich endlich entscheiden, ob sie dem Ausverkauf von industrieller Wertschöpfung in NRW weiter tatenlos zuschaut, oder ob sie sich im Sinne der Beschäftigten in diese Prozesse einschaltet.“

Gaza
Türkische Hilfsorganisation übergibt Palästinensern 320 Wohnungen

Ankara (tp/nex) – Das Türkische Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination, kurz TIKA, hat der palästinensischen Autonomiebehörde 320 fertiggestellte Wohnungen übergeben, die Familien erhalten sollen, deren Häuser bei Luftangriffen oder Vertreibungen aus ihren Siedlungen zerstört worden sind. Die dem türkischen Außenministerium unterstehende Organisationen TIKA ist für die Koordinierung und Förderung der wirtschaftlichen, kommerziellen, sozialen und kulturellen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern zuständig und arbeitet seit 1992 in rund 150 Ländern. Im Rahmen des jüngsten Aufbauprogramms des Gazastreifens hat die TIKA nun 320 Wohnungen fertiggestellt, die Familien erhalten sollen, deren Häuser bei Luftangriffen der israelischen Armee im Jahre 2014 zerstört wurden oder die ihre Häuser nach Vertreibungen aus Siedlungsgebieten verloren haben. In einer nächsten Phase sollen jetzt rund 110 Wohnungen in Ost-Jerusalem entstehen, die der palästinensischen Autonomiebehörde übergeben werden sollen. Ostjerusalem, vor allem der Gazastreifen ist von Hilfslieferungen internationaler humanitärer Organisationen und einzelner ausländischer Staaten abhängig. Im August 2017 waren 7 von 10 Einwohnern von humanitärer Hilfe aus dem Ausland abhängig, die Jugendarbeitslosigkeit lag bei rund 60 Prozent.

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Bekannt aus dem Film "Ayla"
Nur einen Tag nach ihrem Mann auch Nimet Dilbirligi verstorben

Istanbul (nex) – Nur einen Tag nach dem Tod ihres Mannes, verstarb heute auch die 85-jährige Nimet Dilbirligi in ihrer Istanbuler Wohnung. Ihr am Donnerstag mit 91 Jahren verstorbener Mann Süleyman Dilbirligi erlangte durch den Film „Ayla“ weltweite Bekanntheit. Dilbirligi lag seit dem 14. November auf der Intensivstation im Haydarpaşa-Krankenhaus in Istanbul. Bekanntheit erlangte der ehemalige Unteroffizier Dilbirligi durch den auf einer wahren Begebenheit basierenden türkischen Historiendrama “Ayla”.

In “Ayla” trifft der türkische Feldwebel Süleyman im Koreakrieg in den 1950er Jahren ein verwaistes koreanisches Mädchen und nimmt es bei sich auf. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Vater-Kind-Beziehung. Der Soldat gibt ihr den Namen Ayla und bringt ihr Türkisch bei.

Als der Krieg endet, muss Süleyman das Mädchen zurücklassen. Zum Abschied geben sich beide das Wort, eines Tages wieder vereint zu sein.

Vor ein paar Jahren wurde dann ein Wiedersehen mit „Ayla“ und ihrem quasi Adoptivvater organisiert. „Ich bin sehr dankbar, dass dieser Film gemacht wurde, Süleyman war der Soldat, der mich erzogen hat, aber alle Türken waren meine Brüder und meine Familie“, sagte „Ayla“, die mit richtigem Namen Kim Eunja heißt, gegenüber türkischen Medien. Der türkische Premierminister Binali Yildirim sprach über den Kurznachrichtendienst Twitter den Hinterbliebenen sein Beileid aus.  

Jerusalem-Krise
Lateinamerikanische Länder verurteilen Trump-Entscheidung

New York (nex) – Die lateinamerikanischen und karibischen Länder haben am gestrigen Donnerstag heftige Einwände gegen die Entscheidung der USA, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen und ihre Pläne, ihre Botschaft dorthin zu verlegen, geäußert. Acht von 15 Staaten im UN-Sicherheitsrat, darunter Bolivien und Uruguay, forderten eine Dringlichkeitssitzung des Rates, um den Jerusalem-Plan zu erörtern. „Eine einseitige Entscheidung verletzt verschiedene Resolutionen des Sicherheitsrats und der Generalversammlung, untergräbt jegliche Versuche, eine friedliche Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt zu finden, und macht die bereits instabile Region noch instabiler“, betonte der bolivianische UN-Botschafter Sacha Llorenti. Llorenti gab des Weiteren auf Twitter bekannt, dass das Treffen am Freitagmorgen stattfinden werde. Auch Kuba gehört zu den Ländern, die die Ankündigung Washingtons kritisierten. Die USA „verletzen die legitimen Interessen des palästinensischen Volkes“. Die Entscheidung werde „schwerwiegende Konsequenzen“ für die Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten haben. Der ehemalige kolumbianische Präsident und Chef der Union der Südamerikanischen Nationen (UNASUR), Ernesto Samper, warnte vor den Folgen von Trumps Beschluss. „Jerusalem ist die einzige geographische Zone der Versöhnung zwischen Palästinensern und Juden“, twitterte er und: „Die Tatsache, dass @POTUS* es den Juden übergibt, bedeutet, dass es das Schlachtfeld eines neuen Religionskrieges in der Welt werden wird.“ (*POTUS steht als Abkürzung für President of the United States, Anm Red.)

Jerusalem-Krise
Kommentar: Evangelikale Christen einer der Gründe für Trump-Entscheidung

Von Arn Strohmeyer – Bremen Die frühere israelische Ministerpräsidentin Golda Meir hat einmal den berühmt gewordenen Ausspruch getan: „Ich kenne kein palästinensisches Volk, das gibt es gar nicht.“ Und Shimon Peres, der später für seine Rolle beim Zustandekommen der Oslo-Verträge den Friedensnobelpreis bekommen hat, schreibt in seinen Lebenserinnerungen, dass man bei der zionistischen Besiedlung Palästinas die Ureinwohner dieses Landes gar nicht gesehen habe: „Es gab sie für uns gar nicht!“ Deshalb konnten die Zionisten, die etwa ab 1880 nach Palästina kamen, das Land auch als „leer“ bezeichnen, obwohl es in Wirklichkeit mit Arabern voll bewohnt war. Nach dieser Maxime, dass es die Palästinenser eigentlich gar nicht gab, haben die Großmächte (erst Großbritannien, später die USA,) die hinter dem zionistischen Projekt der Schaffung eines jüdischen Staates mitten im arabischen Raum standen, Politik gemacht. Ob es die Balfour-Erklärung der britischen Regierung von 1917 war, in der London den Juden zusagte, in Palästina eine „Heimstätte“ gründen zu können; ob es der UNO-Teilungsplan von 1947 war, der den nach Palästina eingewanderten Juden 56 Prozent von Palästina zusprach, den Arabern aber nur 42 Prozent, obwohl diese zwei Drittel der Bevölkerung stellten; oder ob es die Oslo Verträge von 1993 an waren, die den Palästinensern keine staatliche Souveränität verschafften, sondern nur die „Fortsetzung der Besatzung mit anderen Mitteln“, wie ein israelischer Kritiker geschrieben hat. Der palästinensische Wissenschaftler und Schriftsteller Edward Said merkte an, dass die Palästinenser durch die Oslo-Verträge die Souveränität erhalten hätten, von nun an ihre Müllabfuhr selbst organisieren zu dürfen. Seitdem sind sie In Reservaten (Westjordanland und Gazastreifen) eingesperrt und ganz der Willkür der israelischen Besatzer unterworfen. Mit anderen Worten: Die Palästinenser waren und sind in der internationalen Politik eine Nullgröße, sie spielen im Machtspiel der Großen keine Rolle. Man hat immer geglaubt, sie einfach übergehen zu können. Trump als zündelnder Chaosstifter In dieser unseligen Tradition stehend behandelt sie jetzt auch Donald Trump, und er stürzt den Nahen Osten damit in eine neue Phase der Ungewissheit, des Unfriedens, des Terrorismus und neuer Kriege. Denn mit seinem Coup, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, übergeht er die Palästinenser mit rücksichtsloser Brutalität. Wie Golda Meir scheint auch er zu glauben, dass es dieses Volk gar nicht gibt. Trump handelt völlig einseitig im Interesse Israels, weshalb der Jubel über seinen Schritt dort verständlich, aber sehr kurzsichtig ist. Der US-Präsident hatte bei seiner einsamen Entscheidung natürlich auch die amerikanische Innenpolitik im Blick: die große jüdische Klientel und Lobby in den USA – und die zahlenmäßig noch größere Gruppe der evangelikalen Christen, die Israel aus religiösen Gründen unterstützen. Beiden Gruppen hat er die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels im Wahlkampf versprochen, und sie spielen in seinen Plänen für die Wiederwahl im Jahr 2020 eine wichtige Rolle. Die Argumente in der Sache, die er für seinen Schritt anführt, sind allerdings ohne jede Überzeugungskraft. Er erkenne nur die Realität an, die schon lange bestehe, behauptet er, dass Jerusalem eben die Hauptstadt Israels sei. Nur: Diese Realität ist eine Realität auf tönernen Füßen, die Israel mit Waffengewalt 1967 geschaffen und mit der Annexion der Stadt 1980 eigenmächtig besiegelt hat – niemand auf der Welt außer der Regierung von Donald Trump erkennt diese Realität an. In den entsprechenden UNO-Resolutionen heißt es immer wieder, dass Israels Vorgehen völkerrechtlich null und nichtig ist und eine Lösung nur zwischen den Beteiligten selbst ausgehandelt werden kann. Trumps Schritt ist politisch nicht nur höchst gefährlich, er ist auch ein glatter Völkerrechtsbruch. Und Israel kann sich in seiner Politik des Landraubs und der Unterdrückung bestätigt fühlen. Sein Vorgehen ist auch deswegen so verantwortungslos, weil er sich über die politischen und religiösen Realitäten dieser Region so arrogant hinwegsetzt. Man muss wirklich kein Freund des türkischen Präsidenten Erdogan sein, aber er hat Recht, wenn er jetzt sagte:
„Niemand hat das Recht, wegen seiner persönlichen Ambitionen mit dem Schicksal von Milliarden Menschen zu spielen.“
Aber Trumps Rücksichtslosigkeit wird sich rächen. Die arabische, ja die ganze moslemische Welt wird, wenn sie ihr Gesicht, ihren Stolz und ihre Selbstachtung nicht verlieren will, diese einsame Entscheidung des Mannes im Weißen Haus nicht hinnehmen. Er hat die Brandfackel an die Zündschnur des Pulverfasses Nahost gelegt, er betätigt sich als zündelnder Chaosstifter. Die Politik der einstigen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien und später die Weltmacht USA haben den permanenten Krisenzustand in dieser Weltregion erst geschaffen, Trump tut nun Alles, dass es so bleibt, ja noch schlimmer wird. Das Paradoxe an der Situation dabei ist, dass die Palästinenser zwar ohnmächtig sind, aber sie sind als Realität da und deshalb nicht einflusslos. Ohne ihre gleichberechtigte Teilnahme an einer Lösung des Konfliktes wird es keinen Frieden geben. Das einzusehen ist offenbar sehr schwer, die Israelis wollten und wollen es in den Jahrzehnten der Existenz ihres Staates bis heute nicht wahrhaben und der Polit-Dilettant Trump hat es erst recht nicht begriffen. Der Preis für dieses Nicht-Verstehen aber wird von Tag zu Tag höher.
Arn Strohmeyer
Arn Strohmeyer wurde 1942 in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er im Osten Deutschlands, später in Soest in Westfalen. Das Abitur machte er in Göttingen und hat dann dort und in Bonn Philosophie, Soziologie und Slawistik studiert und 1972 das Magisterexamen abgelegt. Darauf folgten Tätigkeit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und einer politischen Monatszeitschrift. Heute lebt und arbeitet er in Bremen.
Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten, Gabriele Schäfer Verlag Herne, ISBN 978-3-944487-48-9, 16,80 Euro.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Gaza
Nach Jerusalem-Beschluss: Hamas ruft zu neuer Intifada auf

Gaza (nex) – Nach der Entscheidung von Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, kündigt die palästinensische Hamas eine neue Intifada an. Angesichts der Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hat der Anführer der Hamas Ismail Hanijeh zu einer neuen Intifada aufgerufen. Trumps Entscheidung komme einer „Kriegserklärung“ gleich. Hanijeh forderte die Palästinenser auf, am Freitag Proteste zu starten, die muslimischen Länder sollen ihre Beziehungen zu den USA abbrechen. Auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Gaza City sagte er: „Wir rufen das palästinensische Volk auf, am Freitag auf die Straße zu gehen und eine neue Intifada zur Verteidigung Jerusalems zu starten.“ US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch trotz internationaler Warnungen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt und die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Aus Protest begannen die Palästinenser am Donnerstagmorgen einen Generalstreik. In  Ost-Jerusalem und im Westjordanland blieben öffentliche Einrichtungen, Banken, Geschäfte sowie Schulen geschlossen. Jerusalem bleibt der Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts. Die Palästinenser hoffen, dass Ost-Jerusalem, das zur Zeit von Israel besetzt ist, als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates dienen könnte. Wie das israelische Militär am Donnerstag mitteilte, habe der Generalstab entschieden, die militärische Präsenz im besetzten Westjordanland zu verstärken. Es sollen mehrere zusätzliche Bataillone ins Westjordanland verlegt werden. Als Teil der Vorbereitung auf „mögliche Entwicklungen“ seien Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt worden. Während der ersten Intifada ( „Krieg der Steine“) von 1987 bis 1993 kamen etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ums Leben. Bei der zweiten Intifada („Al-Aksa-Intifada“) von 2000 bis 2005 starben über 3500 Palästinenser und mehr als 1000 Israelis.

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