Jerusalem-Krise
Strohmeyer: „Beim Massaker von Deir Yassin starben 250 Palästinenser“

Von Arn Strohmeyer Dr. Hermann Kuhn ist kein deutscher Polit-Promi, er ist eine Bremer Lokalgröße, saß für die Grünen im Landesparlament, der Bremischen Bürgerschaft, ist Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in der Hansestadt und Schatzmeister dieser Organisation auf Bundesebene. Aber als Chef der Bremer DIG hat er doch einen gewissen Einfluss. Vor allem die Bremer Medien kontaktieren ihn oft, wenn es um jüdische Probleme oder um Israel geht; dass die Kritiker der israelischen Politik dabei nie zu Wort kommen, versteht sich dabei von selbst, zu groß ist die Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf. Nun muss man nicht jedes Wort von Hermann Kuhn kommentieren und auf die Goldwaage legen, man kennt seine Position, die mit der offiziellen israelischen Position immer völlig identisch ist, aber die Jerusalem-Frage ist von so großer Bedeutung, dass man auf seine Aussage doch antworten muss, zumal sie sicher typisch für die Position der DIGs in Deutschland ist. Aufschlussreich an Kuhns Einstellung ist auch, dass sie im Widerspruch zur Haltung fast aller deutschen Medien und sogar zu der der Bundesregierung steht, die Trumps Coup kritisieren oder sogar verurteilen. Stramm hinter Trump Kuhn geht in seiner Stellungnahme zu Trumps Vorstoß auf die historischen „Fakten“ ein, um mit ihnen die israelische Position in der Jerusalem -Frage zu rechtfertigen. Er behauptet, dass Jordanien den im UN-Teilungsbeschluss vom November 1947 vorgesehenen Sonderstatus für Jerusalem durch sein militärisches Eingreifen 1948 zerstört habe. Die jordanische Armee habe in der Altstadt von Jerusalem Synagogen zerstört, die Juden vertrieben und alles getan, um Jerusalem zu erobern. Er schreibt wörtlich: „Das haben die Israelis unter großen Opfern verhindert; in den folgenden Kriegen, die ihnen aufgezwungen wurden, haben sie ganz Jerusalem unter ihre Kontrolle gebracht – hauptsächlich aus Gründen militärischer Sicherheit und um nach dem Vertreibungsunrecht den Zugang zur Klagemauer zu sichern.“ Es ist schon abenteuerlich, wie hier der wirkliche historische Ablauf der Ereignisse auf den Kopf gestellt wird! Er sah so aus: Es war nach dem für die Araber sehr nachteiligen UNO-Teilungsbeschluss zu Unruhen unter der arabischen Bevölkerung gekommen. Die zionistischen Streitkräfte der Hagana sowie die Untergrundgruppen Irgun und Sterngruppe gingen daraufhin sehr schnell zu militärischen Gegenaktionen über. Für die jüdischen Gruppen galt der von der politischen und militärischen Führung am 10. März 1948 beschlossene Plan Dalet, der besagte, dass palästinensische Dörfer zu zerstören seien (durch Inbrandsetzen, Sprengen und Verminung der Trümmer) und die Bevölkerung zu vertreiben sei. Im April 1948 begannen die jüdischen Truppen, Jerusalem anzugreifen – zuerst den Stadtteil Shaykh Jarrah. Der Befehl lautete: „Das Viertel besetzen und alle Häuser zerstören!“ Dass dies nicht sofort in die Tat umgesetzt wurde, war dem Eingreifen der Briten zu verdanken. Die zionistischen Truppen nahmen nun aber die anderen Stadtteile Jerusalems unter Beschuss, die Stadt wurde regelrecht belagert, auch die Altstadt, in der 2000 Juden, aber auch viele Christen und Moslems lebten, die dorthin geflüchtet waren. In den von den zionistischen Verbänden angegriffenen Stadtteilen kam es zu schweren Übergriffen, auch zu Plünderungen. Viele Häuser wurden zerstört, andere direkt von Juden übernommen. In dieser Zeit (am 9. April 1948) verübte die Irgun unter ihrem Anführer Menachem Begin auch das Massaker von Deir Yassin (ein Dorf in der Nähe Jerusalems), bei dem nach Angaben des Roten Kreuzes etwa 250 Palästinenser ermordet wurden. Das Massaker verfolgte vor allem die Absicht, die Palästinenser in Panik zu versetzen und sie zur Flucht zu veranlassen. Erst am 19. Mai 1948 rückte die jordanische Armee [die Arabische Legion] in Jerusalem ein. Die zionistischen Streitkräfte zerstörten so gut wie alle 41 arabischen Dörfer in dem Teil des Distrikts von Jerusalem, den sie eroberten und vertrieben 60 000 Araber aus West-Jerusalem und seiner Umgebung. In ganz Palästina sind zwischen dem 30. März und dem 15. Mai 1948 etwa 200 palästinensische Ortschaften besetzt und ihre Einwohner vertrieben worden. Das ist ein klarer Beleg dafür, dass der israelische Mythos nicht der Wahrheit entspricht, dass die Araber „freiwillig“ geflüchtet sind. Das alles geschah, bevor ein einziger arabischer Soldat palästinensischen Boden betreten hat. Dass Israel Jerusalem aus „Gründen der Sicherheit und um nach dem Vertreibungsunrecht den Zugang zu Klagemauer zu sichern“, erobert hat, gehört auch ins Reich der Fabel. Denn einmal hatte Jerusalem natürlich aus der Bibel abgeleitete hohe symbolische Bedeutung für die Juden. Zum anderen hat Ben Gurion immer wieder betont, dass man mindestens 90 Prozent von Palästina in jüdischen Besitz bringen müsse, um einen lebensfähigen Staat zu errichten. Und dazu gehörte natürlich auch Jerusalem. Auch Kuhns Aussage, dass den „Israelis die folgenden Kriege aufgezwungen“ worden seien und dass sie deshalb Jerusalem unter ihre Kontrolle gebracht hätten, ist historisch längst widerlegt. Der erste Krieg, den der junge Staat Israel führte, war der gemeinsame Angriff mit Frankreich und Großbritannien 1956 auf Ägypten (der sogenannte „Suezkrieg). Nichts an diesem Überfall auf das Nachbarland war „aufgezwungen“. Auch der Krieg von 1967 (dem „Sechs-Tage-Krieg“, in dem Israel das Westjordanland, den Gazastreifen und die Golanhöhen eroberte) war nicht „aufgezwungen“, wie die Aussagen führender israelischer Militärs und Politiker bezeugen. So erklärte der spätere israelische Ministerpräsident Menachem Begin nach dem Krieg:
„Im Juni 1967 hatten wir die Wahl: Die Tatsache, dass das ägyptische Heer sich auf dem Sinai versammelt hatte, zeigte keineswegs, dass Nasser wirklich im Begriff war, uns anzugreifen. Wir müssen schon ehrlich zu uns selbst sein. Wir waren es, die entschieden haben, ihn anzugreifen.“
(The New York Times 21. August 1982) Der israelische General Matti Peled sagte:
„Die These, der zufolge im Juni 1967 der Genozid über unseren Häuptern schwebte und dass Israel um sein physisches Überleben kämpfte, war nichts als ein Bluff, der nach dem Krieg entstand und genährt wurde. Mit der Fälschung der Kriegsursachen und mit der Verschleierung der wahren Gründe versuchte die israelische Regierung, die Leute von dem Grundsatz der Teilannexion oder vollständigen Annexion von Gebieten zu überzeugen “
(Le Monde, 3. Juni 1972) Und der General und spätere israelische Regierungschef Itzhak Rabin erklärte:
„Ich glaube nicht, dass Nasser Krieg wollte. Seine Feldzüge, die er am 14. Mai auf dem Sinai unternahm, hätten nicht ausgereicht, um eine Offensive gegen Israel zu starten.“
(Le Monde, 29. Februar 1968) Dann behauptet Kuhn, dass es ein Segen für die Muslime sei, dass die Heiligen Stätten unter sicherer israelischer Kontrolle seien und sie dort ungestört beten könnten. Hat er noch nichts davon gehört, dass ständig Siedler und strenggläubige Juden auf dem Tempelberg provozieren, in die Al Aksa- Moschee eindringen und die dort betenden Muslime bedrängen? Im Juli gab es bei diesen Auseinandersetzungen sogar Tote und Verletzte. Im Jahr 2000 unternahm der damalige israelische Regierungschef Ariel Sharon eine provozierenden „Spaziergang“ auf den Tempelberg, der die zweite Intifada auslöste. Und schließlich: Strenggläubige jüdische Kreise kämpfen seit langem dafür, dass die Heiligen Stätten der Muslime abgerissen werden und an dieser Stelle der dritte jüdische Tempel gebaut wird. Kuhn geht dann des längeren auf die Position der Hamas ein, was völlig überflüssig ist, denn deren Position ist seit langem bekannt. Dass sie Trumps Vorgehen ablehnt, ist nun wirklich nicht überraschend, wobei Leute wie Kuhn nie darauf eingehen, (wohl aus Angst, dass sie das Objekt ihrer Dämonisierung verlieren könnten), dass die Hamas sich längst zur Zweistaaten-Lösung bekennt – also der Schaffung eines palästinensischen Staates aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die einzige Bedingung, die sie daran knüpft, ist die Abhaltung eines Referendums, das heißt die Zustimmung der Palästinenser. Viel aufschlussreicher ist, dass Kuhn mit keinem Wort auf die völkerrechtliche Situation der Stadt eingeht. Die Behauptung, dass der im UN-Teilungsbeschluss vorgesehene Sonderstatus für die Stadt durch den jordanischen Einmarsch zerstört worden sei, ist unsinnig. Denn die Israelis hatten ja schon vor dem Eingreifen der Jordanier weite Teile der Stadt erobert. Außerdem hatte die zionistische Führung unter Ben Gurion den Teilungsplan wegen der arabischen Ablehnung längst für nichtig erklärt, abgesehen von der Klausel, die die Legalität des jüdischen Staates in Palästina anerkannte. Angesichts der arabischen Ablehnung würden Israels „Grenzen durch Gewalt entschieden, nicht durch die Teilungsresolution“, erklärte Ben Gurion. Die völkerrechtliche Lage der Stadt stellt sich so dar: Einer Besatzungsmacht ist die Annexion besetzten Territoriums – also bisher Ost-Jerusalem und die Golan-Höhen – nach Artikel 2.3 und 2.4 der UN-Charta verboten. Im Völkerrecht hat sich zudem die nach einem amerikanischen Außenminister benannte Stimson-Doktrin durchgesetzt, die den Erwerb fremden Territoriums durch militärische Eroberung für null und nichtig erklärt. So machte die UN-Resolution 298 vom 25. September 1971 mit aller Deutlichkeit klar, dass „alle legislativen und administrativen Aktivitäten Israels, um den Status von Jerusalem zu verändern, einschließlich von Land und Eigentum, der Übersiedlung der Bevölkerung und dem Erlass von Gesetzen zur Einverleibung besetzten Gebietes, vollkommen unwirksam sind und den Status nicht verändern können.“ In diesem Sinne hat sich jetzt auch der Völkerrechtler Professor Stefan Talmon von der Bonner Universität geäußert. Er sagte in einem Interview mit SPIEGEL-online:
„Präsident Trump verstößt zum einen gegen die UNO-Resolution zum Status von Ost-Jerusalem. Und er verstößt zum anderen gegen das Völkergewohnheitsrecht. Seit 1945 ist Konsens, dass ein Gebiet, das gewaltsam erobert wurde, nicht annektiert werden darf. Israel hat Ost-Jerusalem 1967 erobert und 1980 annektiert. Indem der US-Präsident diese Schritte anerkennt, kündigt er diesen Konsens auf.“
Auf das Argument, dass Trump ja durchaus zugestanden habe, dass der finale Status der Stadt und die Grenzen der israelischen Souveränität über Jerusalem in einem zukünftigen Abkommen geklärt werden sollten, antwortete der Völkerrechtler:
„Das ändert nichts daran, dass Präsident Trump Tatsachen anerkennt, die Israel völkerrechtswidrig geschaffen hat. Israel definiert seit 1980 ganz Jerusalem als seine Hauptstadt, das schließt Ost-Jerusalem mit ein. Im Jahr 2000 hat Israel jede Änderung dieses Zustandes an sehr hohe Zustimmungserfordernisse geknüpft, was die Rückgabe Ost-Jerusalems ohnehin unwahrscheinlich macht. Die USA übernehmen jetzt diese Position. Warum sollte Israels Regierung also bei zukünftigen Verhandlungen mit den Palästinensern ihre Haltung ändern, wenn sie die USA auf ihrer Seite haben?“
Und auf das Argument, dass Trump ja schließlich nur Fakten anerkenne, die seit langem beständen – eben, dass Israels Regierung und Parlament seit langem in Jerusalem säßen, antwortete Talmon:
„Das ist ein ganz schwaches Argument. Fakten schaffen kein Recht. Man stelle sich vor, die USA hätten 1960 die sowjetische und polnische Souveränität über die deutschen Ostgebiete anerkannt. So etwas müssen Verträge regeln, so wie das 1990 im Zwei-Plus-Vier-Vertrag auch passiert ist. Deutschland hat seine Gebietsansprüche erst dann endgültig aufgegeben und im Gegenzug dafür die Wiedervereinigung erlangt.“
Auf die Schlussfrage, ob Israel als souveräner Staat nicht das Recht habe, selbst über seine Hauptstadt zu bestimmen, sagt der Völkerrechtler:
„Ein Staat kann nur über das Gebiet entscheiden, das ihm völkerrechtlich zusteht. Und Ost-Jerusalem steht Israel völkerrechtlich nicht zu. Deutschland kann auch nicht Straßburg zu seiner Hauptstadt erklären.“
Da helfe auch die Berufung auf die Jahrtausende alte jüdische Geschichte Jerusalems nicht. Völkerrechtlich sei das irrelevant. Kleinasien hätte einmal den Griechen gehört. Und was würde Trump wohl sagen, wenn amerikanische Ureinwohner ihren Anspruch auf Washington geltend machen würden? Es ist schon paradox, dass ausgerechnet ein Politiker der Grünen, einer Partei also, die neben der Umwelt vor allem auch die Menschen- und Bürgerrechte in ihr Programm geschrieben hat (und zu den Menschenrechten gehört auch das Völkerrecht), von all dem nichts wissen will und historisch zu einer abenteuerlichen Beweisführung greift, um Israels Unrechtspolitik und Trumps völkerrechtswidrigen Schritt zu rechtfertigen.

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Die Kritik des Vorsitzenden der deutsch-Israelischen Gesellschaft an dem diesjährigen Preisträger des Hannah-Arendt Preises Étienne Balibar geht ins Leere. Ein Kommentar.

Kommentar: Biltmore-Programm von 1942 – Wendepunkt in der Geschichte des Zionismus

Arn Strohmeyer
Arn Strohmeyer wurde 1942 in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er im Osten Deutschlands, später in Soest in Westfalen. Das Abitur machte er in Göttingen und hat dann dort und in Bonn Philosophie, Soziologie und Slawistik studiert und 1972 das Magisterexamen abgelegt. Darauf folgten Tätigkeit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und einer politischen Monatszeitschrift. Heute lebt und arbeitet er in Bremen.
Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten, Gabriele Schäfer Verlag Herne, ISBN 978-3-944487-48-9, 16,80 Euro.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Der Fall Ekrem Sahin
Mutter des in dänischer Haft getöteten Türken fordert Aufklärung

Ankara (nex) – Ankara wird den Tod des vor sechs Jahren in einem dänischen Gefängnis ums Leben gekommenen türkischen Staatsbürgers untersuchen, so das Ministerium für Auslandstürken (YTB) in einer Mitteilung am Freitag. Die Gewebeproben des im Jahre 2011 verstorbenen türkisch-dänischen Staatsbürgers Ekrem Sahin wurden nach Angaben des YTB zur Autopsie in die Türkei gebracht. Sahin sei nach einer Auseinandersetzung mit der dänischen Polizei während einer Ausweiskontrolle in Untersuchungshaft genommen worden. Er starb am 14. Februar 2011, sechs Monate vor seiner Freilassung. Türkischen Medienberichten zufolge sei Sahin am 11. Januar 2011 im Gefängnis der dänischen Stadt Kolding durch Wärter schwer misshandelt worden und infolgedessen drei Tage später im Krankenhaus verstorben. Als Todesgrund hätten dänischen Behörden Herzversagen angegeben. Die Familie hatte die Durchführung einer Autopsie durch türkische Beamte gefordert, Dänemark habe sich jedoch geweigert, Sahins Gewebeproben den Hinterbliebenen zu übergeben, obwohl der Körper bereits überstellt wurde, so die Mitteilung des YTB. Nermin Kalkan, die Mutter des Verstorbenen, stellte einen Antrag beim YTB, woraufhin auch das türkische Justiz- sowie Außenministerium eingeschaltet wurde. „Uns wurde gesagt, dass er an einem Herzversagen gestorben sei. Aber wir wollen die Wahrheit erfahren“, sagte Yusuf Şahin, ein Onkel des Verstorbenen, gegenüber türkischen Medien.  

Jerusalem-Krise
Wegen Trump-Beschluss: Ägyptische Christen sagen Treffen mit US-Vizepräsidenten ab

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Kairo (nex) – Der Führer der ägyptischen Koptischen Kirche, Papst Tawadros II, hat aus Protest gegen die Entscheidung Washingtons, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ein bevorstehendes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence abgesagt. Zuvor hatten die palästinensischen Führer gesagt, dass Pence, der Ende des Monats die Region besuchen soll, in den besetzten Gebieten nicht willkommen sei. In einer Erklärung gab die koptisch-orthodoxe Kirche von Ägypten bekannt, sie habe sich dafür „entschuldigt“, Pence nicht empfangen zu können, wenn er am 20. Dezember die ägyptische Hauptstadt Kairo besucht. Trumps Entscheidung habe „die Gefühle von Millionen von Arabern nicht berücksichtigt“.
Am vergangenen Mittwoch hat US-Präsident Donald Trump formell Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und erklärt, er werde den Umzug seiner Botschaft aus Tel Aviv beginnen. Die umstrittene Entscheidung löste Wut und Proteste in den besetzten palästinensischen Gebieten und in einigen muslimischen Ländern aus. Es wurde auch von führenden Politikern der Welt weithin verurteilt. Der große Imam der Kairoer Al-Azhar-Moschee teilte ägyptischen Medienberichten zufolge am Freitag mit, dass auch er Pence nicht treffen werde. „Wie kann ich mit denen zusammensitzen, die etwas, was sie nicht besitzen, jenen gewähren, die es nicht verdienen?“, fragte Scheich Ahmed al-Tayeb. Während seiner Reise in die Region sollte Pence auch Israel mit einem Zwischenstopp in der palästinensischen Stadt Bethlehem besuchen.

Zum Thema

– New York – Orthodoxe Juden demonstrieren gegen Trumps Jerusalem-Beschluss

An den weltweiten Protestaktionen gegen den Beschluss des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, beteiligten sich am gestrigen Freitag auch antizionistisch-orthodoxe Juden.

Orthodoxe Juden demonstrieren gegen Trumps Jerusalem-Beschluss

Jerusalem-Krise
Arabische Liga fordert internationale Anerkennung Palästinas als Staat

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Kairo (nex) – Nach einer Dringlichkeitssitzung am Samstagabend in Kairo fordert die Arabische Liga nun die internationale Anerkennung Palästinas als Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Als Reaktion auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen zu wollen, rief der Chef der Arabischen Liga die Staatengemeinschaft dazu auf, den Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Ahmed Aboul Gheit bezeichnete Trumps Beschluss als „gefährlich und inakzeptabel“ und als „flagranten Angriff auf eine politische Lösung“ des israelisch-palästinensischen Konflikts, berichtet der Nachrichtensender Aljazeera. Die Erklärung von Aboul-Gheit erfolgte zu Beginn einer Dringlichkeitssitzung von Außenministern aus 22 arabischen Staaten in der ägyptischen Hauptstadt Kairo am Samstag. Trumps Entscheidung sei völkerrechtswidrig und werfe Fragen über die Rolle Amerikas als Friedensvermittler nicht nur im Nahen Osten auf. Der palästinensische Außenminister Riyad al-Maliki, der vor dem Treffen in Kairo vor Reportern sprach, sagte, dass die Palästinenser die USA nicht länger als Vermittler im Friedensprozess akzeptieren könnten, weil sie sich nun „als Streitpartei und nicht als Vermittler“ positioniert hätten. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch trotz internationaler Warnungen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt und die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Der Anführer der Hamas Ismail Hanijeh rief daraufhin zu einer neuen Intifada auf. Trumps Entscheidung komme einer “Kriegserklärung” gleich, sagte er. Hanijeh forderte die Palästinenser auf, am Freitag Proteste zu starten, die muslimischen Länder sollten ihre Beziehungen zu den USA abbrechen. Auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Gaza City sagte er: “Wir rufen das palästinensische Volk auf, am Freitag auf die Straße zu gehen und eine neue Intifada zur Verteidigung Jerusalems zu starten.” Aus Protest begannen Palästinenser bereits am Donnerstagmorgen einen Generalstreik. In Ost-Jerusalem und im Westjordanland blieben öffentliche Einrichtungen, Banken, Geschäfte sowie Schulen geschlossen. Seit Beginn der Proteste sind mindestens zwei Palästinenser ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Jerusalem bleibt der Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts. Die Palästinenser hoffen, dass Ost-Jerusalem, das zur Zeit von Israel besetzt ist, als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates dienen könnte. Während der ersten Intifada ( “Krieg der Steine“) von 1987 bis 1993 kamen etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ums Leben. Bei der zweiten Intifada (“Al-Aksa-Intifada”) von 2000 bis 2005 starben über 3500 Palästinenser und mehr als 1000 Israelis.

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– Buch: “Die Antisemitenmacher” – Kommentar: Antizionismus bedeutet nicht Antisemitismus „Jeder sollte sich dessen bewusst werden, dass eine Debatte über den Nahost-Konflikt nichts mit Antisemitismus zu tun hat, sondern allein mit Fragen des Völkerrechts, der UNO-Charta, den Genfer Konventionen, die leider von den Israelis tagtäglich verletzt werden, und damit, dass man darüber reden darf und soll und auch eine eigene Meinung haben darf.“ Ein Kommentar.
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New York
Orthodoxe Juden demonstrieren gegen Trumps Jerusalem-Beschluss

New York (nex) – An den weltweiten Protestaktionen gegen den Beschluss des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, beteiligten sich am gestrigen Freitag auch antizionistisch-orthodoxe Juden. Die unter dem Namen „Neturei Karta“ bekannte Gruppe versammelte sich am Samstag vor der Zentrale der Vereinten Nationen in New York. Auf den Bannern, die von Mitgliedern der Gemeinschaft hochgehalten wurden, waren Sätze wie „Mr. Präsident, der Staat Israel stahl das Heilige Land“ oder „Man muss begreifen, dass Israel kein jüdischer Staat ist“, zu lesen. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch trotz internationaler Warnungen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt und die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt. Der Anführer der Hamas Ismail Hanijeh rief zu einer neuen Intifada auf. Trumps Entscheidung komme einer “Kriegserklärung” gleich, sagte er. Hanijeh forderte die Palästinenser auf, am Freitag Proteste zu starten, die muslimischen Länder sollten ihre Beziehungen zu den USA abbrechen. Auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Gaza City sagte er: “Wir rufen das palästinensische Volk auf, am Freitag auf die Straße zu gehen und eine neue Intifada zur Verteidigung Jerusalems zu starten.” Aus Protest begannen die Palästinenser bereits am Donnerstagmorgen einen Generalstreik. In Ost-Jerusalem und im Westjordanland blieben öffentliche Einrichtungen, Banken, Geschäfte sowie Schulen geschlossen. Seit Beginn der Proteste sind mindestens zwei Palästinenser ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Jerusalem bleibt der Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts. Die Palästinenser hoffen, dass Ost-Jerusalem, das zur Zeit von Israel besetzt ist, als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates dienen könnte. Während der ersten Intifada ( “Krieg der Steine“) von 1987 bis 1993 kamen etwa 2.200 Palästinenser und 200 Israelis ums Leben. Bei der zweiten Intifada (“Al-Aksa-Intifada”) von 2000 bis 2005 starben über 3.500 Palästinenser und mehr als 1.000 Israelis.

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Türkei
Demos gegen Trump-Entscheidung dauern an

Von Thomas Bernhard Auch heute protestierten Tausende Menschen in Istanbul gegen die US-Entscheidung zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels, schließlich hat USA-Präsident Trump nicht nur einen politischen Hauptstadt-Streit ausgelöst, es geht um weit mehr. Allerdings fanden derartige Proteste nicht nur in Istanbul, sondern fast in der gesamten Türkei statt. Allein im Istanbuler Bezirk Fatih und im Bereich der „Märtyrer Brücke“ versammelten sich Tausende Menschen, schwenkten unter Anderem palästinensische Flaggen und trugen Plakate mit der Aufschrift „Jerusalem ist unsere Ehre“. Sprecher, aber auch andere Demonstrationsteilnehmer machten dabei immer wieder darauf aufmerksam, dass Jerusalem ein heiliger Ort für mehrere Religionen, so für die Juden und Christen, sowie eben auch für Muslime ist. Muslime glauben, dass Mohammed hier seine Himmelsreise (Miradsch) angetreten hat. Anfangs haben Muslime auch in Richtung Jerusalem gebetet. Später wurde die Richtung dann nach Mekka geändert. (Koran, Sure 2:144). Heute gehört die Al-Aqsa-Moschee neben dem Felsendom in Jerusalem, neben Mekka und Medina zu den drei wichtigsten heiligsten Bereiche der Muslime. Aus diesem Grund ist die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des jüdischen Staats Israel längst nicht mehr alleinig die Frage einer Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina um eine Hauptstadtfrage. Es ist längst die auch eine religiöse Angelgenheit, die Trump in völlig unnötiger Art und Weise, auch noch zum total falschen Zeitraum, auslöste. Deutlich gemacht wird, bei den landesweiten Protesten auch immer wieder, dass man von muslimischer Seite keine bewaffnete Auseinandersetzung möchte, gleichzeitig fühlt man sich aber von der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten „vor den Kopf gestoßen“.

Jerusalem-Krise
Clarkson: Palästinenser sollten London zur US-Hauptstadt erklären

London (nex) – Der britische TV-Moderator Jeremy Clarkson rät den Palästinensern als Reaktion auf US-Präsident Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, bekannt zu geben, dass London die Hauptstadt der Vereinigten Staaten sei. Die ehemalige „Top-Gear“-Legende schrieb die provokative Nachricht auf Twitter nur 24 Stunden nach der umstrittenen Ankündigung von Donald Trump. „Palästinenser: Warum nicht verkünden, dass die Hauptstadt von Amerika, soweit es euch betrifft, London ist“, so Clarkson in seinem Tweet. Am vergangenen Mittwoch hatte Trump seine Absicht bekannt gegeben, die US-amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Er brach mit Jahrzehnten der Außenpolitik und des internationalen Konsenses der USA, indem er Jerusalem – eine von Israel und Palästina beanspruchte Stadt – offiziell als Hauptstadt des jüdischen Staates anerkennt. Dies hat eine große Empörung im Nahen Osten und in der internationalen Gemeinschaft ausgelöst. Jeremy Clarkson ist ein englischer TV-Star, Journalist und Schriftsteller. Bekannt ist er vor allem für die frühere Co-Moderation der BBC TV Show „Top Gear“ und ist der bekannteste Autoexperte der Welt. Clarksons Tweet geht eindeutig auf Kosten von Präsident Trumps Bewegung, und soll zeigen, dass eine bloße Erklärung die Tatsachen vor Ort nicht ändert – und dass die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt der Anerkennung Londons als die der USA gleichkommt. Das stimmt auch mit einer Aussage des türkischen Außenministers Mevlut Cavusoglu überein, der sagte, Trumps Anerkennung mache Jerusalem nicht automatisch zur Hauptstadt Israels:

„[…] mit der Ankündigung eines Landes kann Jerusalem nicht zur Hauptstadt Israels werden. Du kannst nicht kommen und sagen: „Ich bin eine große Macht, ich kann tun, was ich will.“

Wirtschaft
1 Billion-Marke: Deutsche Exporte brechen Rekord

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Wiesbaden (nex) – Die deutschen Exporte haben so früh wie noch nie in einem Jahr die Marke von einer Billion Euro geknackt. In den ersten zehn Monaten wuchsen die Ausfuhren um 6,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 1,06 Billionen Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. „Damit wurde erstmals schon in einem Oktober die Billionengrenze übertroffen”, sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ein wichtiger Treiber hinter dem Aufschwung sei die Euro-Zone, sagte Treier. Die Währungsunion habe ihre Konjunkturkrise endgültig hinter sich gelassen. Die deutschen Exporte dorthin seien deshalb in den ersten zehn Monaten mit 6,6 Prozent überdurchschnittlich gewachsen, weil Länder wie Frankreich, Italien und Spanien im Aufwind seien. Etwa 37 Prozent der deutschen Ausfuhren gingen in die Euro-Zone. Aber auch das Geschäft mit China, Russland und den USA wachse spürbar. Die Zahlen für den Monat Oktober: Im Oktober 2017 wurden von Deutschland Waren im Wert von 108,0 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 89,1 Milliarden Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die deutschen Exporte im Oktober 2017 um 6,8 % und die Importe um 8,3 % höher als im Oktober 2016. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Exporte gegenüber dem Vormonat September 2017 um 0,4 % ab, die Importe stiegen um 1,8 %. Die Außenhandelsbilanz schloss im Oktober 2017 mit einem Überschuss von 18,9 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2016 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz + 18,8 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Außenhandelsbilanzüberschuss im Oktober 2017 bei 19,9 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel einschließlich Ergänzungen zum Außenhandel (+ 20,4 Milliarden Euro), Dienstleistungen (- 3,6 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+ 5,5 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (- 4,2 Milliarden Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im Oktober 2017 mit einem Überschuss von 18,1 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2016 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 18,4 Milliarden Euro ausgewiesen. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im Oktober 2017 Waren im Wert von 64,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 59,6 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber Oktober 2016 stiegen die Exporte in die EU-Länder um 8,7 % und die Importe aus diesen Ländern um 10,1 %. In die Länder der Eurozone wurden im Oktober 2017 Waren im Wert von 40,4 Milliarden Euro (+ 8,6 %) geliefert und Waren im Wert von 39,8 Milliarden Euro (+ 9,3 %) aus diesen Ländern bezogen. In die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wurden im Oktober 2017 Waren im Wert von 24,1 Milliarden Euro (+ 9,1 %) exportiert und Waren im Wert von 19,8 Milliarden Euro (+ 11,9 %) von dort importiert. In die Länder außerhalb der Europäischen Union (Drittländer) wurden im Oktober 2017 Waren im Wert von 43,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 29,4 Milliarden Euro aus diesen Ländern importiert. Gegenüber Oktober 2016 nahmen die Exporte in die Drittländer um 4,1 % zu, die Importe von dort stiegen um 4,8 %.

"Alkohol führt zu Enthemmung"
Minister wollen Alkohol in Bus und Bahn verbieten

Halle (ots) – In Sachsen-Anhalts Landesregierung gibt es Überlegungen, das Trinken von Alkohol in Bussen und Bahnen zu untersagen. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung. Mindestens zwei Ressortchefs fordern ein Verbot: Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). „Alkohol führt zu Enthemmung und das birgt immer die Gefahr von Gewalt“, sagte Stahlknecht der MZ. Ein Trink-Verbot im öffentlichen Nahverkehr würde er deshalb „außerordentlich begrüßen“. Gesundheitsministerin Grimm-Benne will mit einem Verbot vor allem Kinder und Jugendliche schützen. Am Dienstag berät das Kabinett den Entwurf für den neuen ÖPNV-Plan. Vorgelegt hat ihn Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) – ein Alkoholverbot steht allerdings nicht drin. Webel hält es für nicht praktikabel. Er beruft sich auf frühere Beratungen der Verkehrsministerkonferenz. Zwar könne ein Trink-Verbot „grundsätzlich“ positive Effekte auf die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste haben, heißt es in der Kabinettsvorlage. Aber, so warnt der Minister: Die Verkehrsbetriebe seien nicht in der Lage, das Verbot auch durchzusetzen. „Genauso wenig kann man verhindern, dass sich Menschen schon vor der Fahrt betrinken, mit den gleichen negativen Folgen.“

Internationaler Kinderfriedenspreis
Libanon: Syrischer Flüchtling gründete mit 12 Jahren Schule

Den Haag (nex) – Ein jugendlicher syrischer Flüchtling gewann am Montag einen renommierten internationalen Preis für den Bau einer Schule und für die Ausbildung von Hunderten von Kindern, die vor dem Konflikt in Syrien in den Libanon geflohen waren. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, war Mohamad al Jounde gerade mal 12 Jahre alt, als er beschloss, eine Schule im Bekaa Valley Flüchtlingslager zu gründen. Er hatte seine Verwandten und Freiwillige darum gebeten, beim Bau des Gebäudes mitzuhelfen und eine Reihe von Fächern zu unterrichten, von Englisch über Mathematik bis hin zur Fotografie. Drei Jahre später zählt die Schule bereits mehr als 200 Schüler, von denen einige erst fünf Jahre alt sind und beschäftigt mehrere professionelle Lehrer. Überdies bietet sie einen Unterricht zur Gleichstellung der Geschlechter und Alphabetisierungskurse für erwachsene Flüchtlinge an. „Ich war glücklich, nicht nur Lehrer, sondern Freund zu sein, und wir sind eine Familie geworden – wir sind gemeinsam stärker geworden“, sagte Jounde, Gewinner des diesjährigen Internationalen Kinderfriedenspreises, der von der niederländischen Stiftung Dutch KidsRights Foundation ins Leben gerufen wurde. in Den Haag. „Es geht nicht nur darum, Lesen und Schreiben zu lehren, sondern auch jungen Flüchtlingen einen sicheren Raum zu geben, um sich auszudrücken“, so der 16-Jährige. Es sei sehr wichtig, diesen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, sonst könnten sie eine „verlorene Generation werden“, so Jounde. Zu den bisherigen Preisträgern gehört auch Malala Yousafzai, die jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises, die 2012 in Pakistan von den Taliban angeschossen wurde, weil sie sich für das Recht der Mädchen auf Bildung eingesetzt hatte. Der bereits sieben Jahre andauernde Bürgerkrieg in Syrien hat Hunderttausende von Menschenleben gekostet und  weitere 11 Millionen entwurzelt. Mehr als 2,5 Millionen syrische Kinder sind Flüchtlinge, etwa 500.000 von ihnen leben im Libanon, sagte KidsRights gegenüber Reuters. Viele kämpften darum, genügend Nahrung zu bekommen oder Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten. Fast die Hälfte der Sechs- bis 14-Jährigen besuche keine Schulen.