Corona-Pandemie
Deltacron: Neue Corona-Variante entdeckt

Nicosia – Forschende aus Zypern haben Medienberichten zufolge eine neue Variante des Coronavirus entdeckt. Leondios Kostrikis, Professor für Biowissenschaften an der Universität von Zypern und Leiter des Labors für Biotechnologie und molekulare Virologie, beschrieb seine Erkenntnisse in einem Interview mit Sigma TV am Freitag. „Derzeit gibt es Omicron- und Delta-Koinfektionen, und wir haben diesen Stamm gefunden, der eine Kombination dieser beiden ist“, sagte er. Die neue Entdeckung wurde „deltacron“ genannt, nachdem omicron-ähnliche genetische Signaturen in den delta-Genomen gefunden wurden, so Kostrikis. Etwa 25 Fälle des neuen Stammes seien entdeckt worden, aber es sei noch zu früh, um zu sagen, wie schädlich der „deltacron“-Stamm sein könnte. „Wir werden in Zukunft sehen, ob dieser Stamm pathologischer oder ansteckender ist oder ob er sich gegenüber Delta und Omikron durchsetzen wird“, wird Wissenschaftler Kostrikis zitiert. Einige Wissenschaftler zweifeln an neuer Deltakron-Variante Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die Ergebnisse von Kostrikis das Resultat einer Laborkontamination sein könnten. Kostrikis habe der Nachrichteagentur Bloomberg in einer E-Mail jedoch mitgeteilt, dass die von ihm identifizierten Fälle „auf einen evolutionären Druck auf einen Stamm der Vorfahren hinweisen, diese Mutationen zu erwerben und nicht auf ein einzelnes Rekombinationsereignis zurückzuführen sind“. Des Weiteren sei die Deltakron-Variante häufiger bei Patienten, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden nachgewiesen, als bei Menschen, die außerhalb des Krankenhauses auf die Variante getestet wurden. Der Professor für Biowissenschaften schlussfolgert daraus, dass die Hypothese der Kontamination nicht infrage kommt.

Auto-News
Ex-Audi-Manager Sander wird neuer Chef von Ford Deutschland

Köln – Der langjährige Audi-Manager Martin Sander soll neuer Chef von Ford Deutschland werden. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er tritt damit die Nachfolge von Gunnar Herrmann an, der Ende November vom Vorsitz der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Zudem soll der 54-Jährige nach Informationen der Zeitung auch die gesamte Pkw-Sparte von Ford Europa verantworten. An diesem Montag soll die Entscheidung der US-Konzernmutter zur neuen Führung mittags offiziell verkündet werden. Ein Ford-Sprecher wollte die Vorgänge weder kommentieren noch dementieren. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger steht mit Martin Sander erstmals wieder ein Manager an der Ford-Spitze, der nicht aus dem eigenen Unternehmen kommt. Der gebürtige Hildesheimer begann seine Karriere nach seinem Maschinenbau-Studium 1995 bei Audi in Ingolstadt. Es folgten verschiedene Führungsaufgaben in Marketing und Vertrieb. Nach Stationen in Kanada, Großbritannien und Amerika verantwortete Sander von 2016 bis 2019 das Geschäft für den Heimatmarkt. Seit Mitte 2019 war er für den Vertrieb Europa verantwortlich. Anfang November wurde bekannt, dass der Automanager das Ingolstädter Unternehmen verlässt. Nur kurze Zeit später gab Ford bekannt, seine Führungsstrukturen in Deutschland und Europa zu verändern und einen Generationswechsel einzuläuten.

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– Auto-News – Türkisches E-Auto TOGG kommt nach Deutschland

Die türkische E-Automarke TOGG, hierzulande auch als „Erdogan-Auto“ bezeichnet, kommt nach Deutschland.

Türkisches E-Auto TOGG kommt nach Deutschland

Kasachstan-Krise
Armenische Truppen treffen in Kasachstan ein

Almaty – Seit Tagen treffen auf Bitten des kasachischen Staatschefs Kassym-Schomart Tokajew Truppen der OVKS (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit) in Almaty ein. Hierzu gehören auch Verbände Armeniens, die am Samstag im wirtschaftlichen Zentrum Kasachstans landeten. Die OVKS ist ein, wenige Monate nachdem eine US-geführte Koalition in Afghanistan einmarschiert war, im Jahr 2002 unter der Führung Russlands in der moldauischen Hauptstadt Chișinău gegründetes internationales Militärbündnis. Hervorgegangen ist sie jedoch aus einer mit dem Vertrag über kollektive Sicherheit (VKS) von 1992 begründeten Staatenkooperation. Zu den Mitgliedern gehören Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Armenien hat derzeit den Vorsitz in der Organisation inne. Seine 3.600 Mann starke sogenannte Friedenstruppe wird von der UNO anerkannt. Insgesamt verfügt das Bündnis über eine 20.000 Mann starke schnelle Eingreiftruppe. Mindestens 164 Tote bei Protesten in Kasachstan Kasachstan wird in den letzten Wochen von den schwersten Unruhen seit Jahren erschüttert. Medienberichten zufolge sind bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften über 150 Menschen getötet und mehr als als 2200 Menschen verletzt worden. Es seien mittlerweile fast 6000 Menschen festgenommen worden, darunter auch viele Ausländer. Tokajew bezeichnete die Demonstranten als „Terroristen“ und „Banditen“. Er wies am Freitag Polizei und Armee an, „ohne Vorwarnung“ auf sie zu schießen. Die Regierung hat auch versucht, die Demonstrationen durch die Verhängung des Ausnahmezustands und die Sperrung von sozialen Netzwerken und Chat-Apps, darunter Facebook, WhatsApp, Telegram und erstmals auch die chinesische App WeChat, zu unterdrücken. Öffentliche Proteste ohne Genehmigung waren bereits illegal. Die Demonstrationen symbolisieren eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit der erdrückenden autoritären Regierung Kasachstans und mit der endemischen Korruption, die dazu geführt hat, dass sich der Reichtum auf eine kleine politische und wirtschaftliche Elite konzentriert. Die Wut kochte über, als die Regierung die Preisobergrenzen für Flüssiggas aufhob – ein kohlenstoffarmer Treibstoff, den viele Kasachen für den Antrieb ihrer Autos verwenden.

Zum Thema

– Kasachstan-Krise – Bürgerkrieg in Kasachstan: Fakten und Vermutungen

Drei Tage nach dem Ausbruch der heftigsten Unruhen, die das unabhängige Kasachstan je gesehen hat, sind deren Auslöser und Hintergründe noch weitgehend unklar. Doch aus den Ereignissen und dem Verhalten einiger prominenter Akteure lassen sich bereits einige Rückschlüsse ziehen und Fragen formulieren.

Bürgerkrieg in Kasachstan: Fakten und Vermutungen
 

Albanien
Tirana: Tausende belagern Zentrale der Oppositionspartei

Tirana – In Albaniens Hauptstadt Tirana ist es heute zu schweren Unruhen am Hauptquartier der konservativen Oppositionspartei PD (Demokratische Partei) gekommen. Tausende Anhänger des ehemaligen albanischen Präsidenten und Ministerpräsidenten Sali Berisha belagerten das Gebäude. Die Demonstranten schlugen das Tor ein und drangen in das Gebäude ein. Mindestens ein Polizeibeamter und ein Demonstrant wurden verletzt und Dutzende Demonstranten verhaftet. Berisha wurde im vergangenen Jahr aus der Partei ausgeschlossen, nachdem Washington ihm wegen angeblicher Korruption die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt hatte. Im vergangenen Mai erklärte US-Außenminister Antony Blinken, Berisha sei während seiner Amtszeit als Premierminister von 2005 bis 2013 in korrupte Handlungen verwickelt gewesen und habe „seine Macht zu seinem eigenen Vorteil und zur Bereicherung seiner politischen Verbündeten und seiner Familienmitglieder genutzt“. Berisha bestritten die Vorwürfe. „Der Kampf wird weitergehen … wir betrachten das Parteigebäude als unser Zuhause, und wir werden unser Zuhause befreien“, sagte Berisha, kurz nachdem er von der Polizei unter Einsatz von Pfefferspray daran gehindert wurde, sich dem Gebäude wieder zu nähern und seine Anhänger zu befreien. Tief besorgt Der US-Botschafter in Albanien, Juri Kim, erklärte, Washington sei „tief besorgt“ über die Spannungen rund um den Sitz der Demokratischen Partei. „Wir rufen die Organisatoren der Proteste auf, Gewalt abzulehnen und Ruhe zu bewahren. Diejenigen, die zu Gewalt anstiften oder die Rechtsstaatlichkeit untergraben, werden zur Rechenschaft gezogen werden“, schrieb Kim in den sozialen Medien. https://youtu.be/FiG89MactAQ

Kasachstan-Krise
Bürgerkrieg in Kasachstan: Fakten und Vermutungen

Ein Gastbeitrag von Dr. Michael Reinhard Heß Drei Tage nach dem Ausbruch der heftigsten Unruhen, die das unabhängige Kasachstan je gesehen hat, sind deren Auslöser und Hintergründe noch weitgehend unklar. Doch aus den Ereignissen und dem Verhalten einiger prominenter Akteure lassen sich bereits einige Rückschlüsse ziehen und Fragen formulieren. Hier folgt der Versuch einer Zwischenbilanz. Stand der Dinge Die ersten Nachrichten über außergewöhnliche Unruhen erreichten mich am Mittwochvormittag, kurz vor 12 (deutscher Zeit) via WhatsApp. Um 10.42 las ich eine entsprechende Meldung aus dem Newsportal tengrinews.kz (die inzwischen nicht mehr abrufbar ist). Die Meldungen bezogen sich schwerpunktmäßig auf die Stadt Almaty. Im Laufe des Tages kamen immer weitere Nachrichten, darunter erschreckende und verstörende Bilder. Ein Video zeigte in schwarze Plastiksäcke gepackte Leichen, auf anderen war das brennende Gebäude der Stadtverwaltung (Aqimat) von Almaty zu sehen. Nachrichten über Übergriffe kamen auch aus den großen südkasachischen Städten Schimkent und Taraz. Eine entscheidende neue Entwicklung war dann der Auftritt von Präsident Toqajev am Mittwochabend. Auf Russisch – nicht in der ersten Landessprache Kasachisch – kündigte er schärfste Maßnahmen gegen die Aufrührer an. Spätestens zu dem Zeitpunkt war klar, dass es zu einer weiteren Eskalation der Gewalt mit unabsehbaren Folgen kommen würde. Im deutschen Fernsehen wurden Bilder von Militärs gezeigt, die auf einer großen Straße (wohl in Almaty) aus automatischen Langfeuerwaffen schossen, der Kommentar legte nahe, dass sie auf Demonstranten zielten. Am Freitag bezeichnete Toqajev dann Zehntausende der Protestierenden als „Terroristen“ (vergleiche den unten verlinkten Beitrag aus dem „Standard“), Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Samstag, 8. Januar, 10 Uhr deutscher Zeit) scheinen die gewaltsamen Zusammenstöße und die mörderische Unterdrückung des Volksaufstandes durch das Regime anzudauern. Versagen des Internetglobalismus Bevor man sich Gedanken über das machen kann, was gerade geschieht, ist es wichtig, sich einen wichtigen Aspekt der Ereignisse klar vor Augen zu halten, der wahrscheinlich bei allen noch kommenden ähnlichen Staatskrisen eine Rolle spielen wird (dass es vergleichbare Aufstände geben wird, ist schon aufgrund der autoritären Strukturen unvermeidlich, die überall in der Welt mit Ausnahme der westlich geprägten Länder herrschen). Dieser Aspekt betrifft das Internet und die Medien. Bereits einen Tag nach Beginn der Unruhen kamen nur noch wenige verlässliche Nachrichten aus Kasachstan. Unter den wenigen Medien, die weiter berichten, scheinen russlandbasierte wie RT Deutsch zu dominieren, was zu einer gewissen Einseitigkeit im Gesamtbild führen könnte. Das Internet scheint in Kasachstan weitestgehend abgeschaltet zu sein. Kontaktanfragen an Facebook-Freunde aus Kasachstan bleiben seit Tagen unbeantwortet. Offensichtlich konnte wer auch immer relativ problemlos die Internetkommunikation Kasachstans mit der Außenwelt weitgehend lahmlegen. Dadurch gibt es praktisch keine ausführlichen und objektiv überprüfbaren Nachrichten über das Geschehen. Es fehlt also auch die Möglichkeit, das Geschehen vor Ort dadurch zu beeinflussen, dass man Informationen nach außen trägt (und auf ihrer Basis zu Reaktionen auf der politischen oder anderen Ebene beiträgt). Diejenigen, die das kasachische Internet lahmgelegt haben, haben somit einen Großteil der Kontrolle über das, was über das Geschehen berichtet wird. Das ist gleichbedeutend damit, dass sie somit einen Großteil der Kontrolle über das Geschehen selber gewonnen haben, denn worüber nicht berichtet werden kann, das geschieht in den Augen der Weltöffentlichkeit nicht. Souverän ist vermutlich, wer das Internet kontrolliert. Was die Wirksamkeit von Medien auf der politischen Bühne betrifft, zeigt sich momentan also die Dysfunktionalität des Internetzeitalters. Das Internet versagt in Augenblicken politischer Krisen als Plattform für Korrektive nahezu total. Künftige Demonstranten, künftige politische Bewegungen werden diese Realität in Betracht ziehen müssen. Erinnerung an Zheltoqsan Diese mediale Situation bringt unweigerlich die Erinnerung an das Zheltoqsan-Massaker von 1986 zurück. Am 16. und 17. Dezember (Zheltoqsan ist das kasachische Wort für „Dezember“) 1986 kam es in Almaty, der früheren Hauptstadt Kasachstans, die immer das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des ganzen Landes geblieben ist, zu einem Aufstand gegen die kommunistische Führung. Auslöser war nach verbreiteter Darstellung die Fünfte Sitzung des Plenums des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) Kasachstans. Auf ihr stand am 16. Dezember nur ein einziger Punkt auf der Tagesordnung. Er betraf die Absetzung des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees Dinmuxamed Qonaev, eines ethnischen Kasachen. Qonaev wurde tatsächlich auch abgesetzt und durch einen ethnischen Russen, Gennadij Kolbin, ersetzt. Es kam zu öffentlichen Demonstrationen und Protesten im Stadtzentrum Almatys. Sie konzentrierten sich auf den Platz, über den das am 5. Januar 2022 angezündete Gebäude der Stadtverwaltung blickt. Damals hieß der Platz noch Brezhnev-Platz, heute Platz der Republik. Der Aufstand wurde von der sowjetischen Führung, deren oberster Chef der damals von vielen als Hoffnungsträger verehrte Michail Gorbatschow war, brutal niedergeschlagen. Die Zahl der Toten und Verletzten ist unbekannt. Schätzungen gehen von einigen Hundert Getöteten aus. Bis heute umgibt das Zheltoqsan-Massaker ein historischer Nebel. In Kasachstan wird es vielfach als Unterdrückung eines nationaler Aufstands gegen die russische beziehungsweise sowjetische Fremdherrschaft gedeutet. Die Aussagen über die Hintergründe von Zheltoqsan sind jedoch nach wie vor sehr lückenhaft und widersprüchlich. Weder in Kasachstan selber noch im Ausland ist es je zu einer unabhängigen und gründlichen Aufarbeitung gekommen. Gerüchte schreiben dem langjährigen autokratischen Herrscher Kasachstans, Nursultan Nazarbayev, eine Beteiligung zu. Wenn man die Art und Weise betrachtet, wie Kasachen in Almaty 1986 und 2022 auf die Straße gingen, dann ermordet wurden und wie das Ganze dann in einem Nebel der Medienzensur verschwindet, zeigt sich zumindest phänomenologisch eine deutliche Parallele. Der postsowjetische Modus Vivendi Möglicherweise beruht diese Parallele auf mehr als nur einer äußerlichen Ähnlichkeit. An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Rückblick in die spät- und postsowjetische Geschichte Kasachstans. Die Kasachische Sozialistische Sowjetrepublik veröffentlichte schon am 25. Oktober 1990, also lange vor dem Ende der Sowjetunion (26. Dezember 1991) eine Unabhängigkeitserklärung. Formal unabhängig wurde Kasachstan jedoch erst am 16. Dezember 1991 (symbolträchtig genau fünf Jahre nach dem Zheltoqsan-Massaker). Trotz seiner nominellen Unabhängigkeit und des Verschwindens der rechtlichen, kulturellen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen der Sowjetära blieb das nachsowjetische Kasachstan immer stark von der sowjetischen Tradition geprägt. An dieser Stelle soll kein Überblick über die nachsowjetische Geschichte Kasachstans gegeben werden. Vielmehr möchte ich mich auf einige persönliche Eindrücke konzentrieren, die aus meinen Besuchen in Kasachstan in der Zeit von 2016 bis 2020 stammen. Es geht mir hier nicht darum, eine wissenschaftliche Darstellung zum Thema, wie sowjetisch Kasachstan nach 1991 geblieben sei, zu liefern, sondern um einige wenige direkte Eindrücke, die vielleicht dabei helfen könnten, zu verstehen, wie Almaty und Kasachstan ticken. In der postsowjetischen Ära hatte sich in Kasachstan eine herrschende Elite herausgebildet, deren Machtanspruch faktisch von niemandem in Frage gestellt werden konnte. Nazarbayev führte das Land in der Phase nach der Unabhängigkeit mehr oder weniger autoritär, und erst nach der Promulgation einer nachsowjetischen Verfassung (26. März 1993) wurde der Weg frei zu theoretisch fairen Wahlen mit mehreren konkurrierenden Parteien. Diese Wahlen fanden am 7. März 1994 statt. Aufgrund von Irregularitäten erklärte der kasachische Verfassungsgerichtshof das Wahlergebnis jedoch für illegitim. Das führte zu einer Staats- und Regierungskrise, in deren Ergebnis die exekutiven und legislativen Befugnisse auf die Person Nazarbayevs konzentriert wurden. Faktisch wurde damit der autokratische Charakter des Staates zementiert. Diese Struktur führte naturgemäß auch zu einer Einbetonierung des Abstandes zwischen den herrschenden Eliten (die nicht homogen waren, es gab und gibt unter ihnen Sowjetnostalgiker, Russophile, kasachische Nationalisten usw.) und den einfachen Bürgern. In Almaty konnte man diesen Unterschied und Abstand buchstäblich mit Händen greifen und auf Schritt und Tritt sehen. Die Stadt liegt am Nordrand des mächtigen und pittoresken Ili-Alatau-Gebirges, nach Norden blickt man direkt in die leere Steppe. Auch wenn die mehr oder weniger schönen Relikte der sowjetischen (und zum Teil zaristischen, aus der aber aufgrund von Erdbebenschäden kaum etwas geblieben ist) Periode sich gleichmäßig über das ganze Stadtgebiet verteilen, besteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem reichen Osten und dem eher armen bis ärmlichen Westen der Stadt. Im Osten befinden sich die meisten offiziellen Gebäude, staatliche und andere Universitäten, Restaurants, Läden und Cafés, die zum Teil an westlichen Standard und vor allen Dingen an westliche Preise heranreichten. Nach Westen hin nimmt der Reichtum ab, die Zahl der offiziellen Gebäude und Einrichtungen ist geringer. Staatstragende Ideologie ist unter Nazarbayev die Lehre vom sogenannten „Ewigen Land“ (kasachisch: Mәŋgilik El) geworden. Hierbei handelt es sich um ein komplexes ideologisches Konstrukt aus historischen und pseudohistorischen Versatzstücken, mit dem im Kern der Herrschaftsanspruch der ethnischen Kasachen über das Land begründet werden sollte und den anderen im Land lebenden Minderheiten (die in der offiziellen Terminologie bisweilen als „Diasporas“ klassifiziert wurden, die ihr Zentrum anderswo hätten) ein weniger prestigereicher Status zugewiesen wurde, ohne sie offen zu diskriminieren (mehr zu Mәŋgilik El habe ich in Heß 2021 geschrieben). In gewisser Weise ließ dieses Gedankenkonstrukt die sowjetische Nationalitätenpolitik wieder auferstehen, bei der nominell zwar alle „Nationalitäten“ (russisch nacional´nosti) der Union gleich waren und unter der Ägide des Sozialismus nach „Freundschaft der Völker“ strebten, aber – honi soit qui mal y pense – die ethnischen Russen und anderen Slawen faktisch eben doch einen Tick „gleicher“ waren als die anderen „Gleichen“. Das ergab sich unter anderem aus der Dominanz des Russischen als offizieller Sprache für alle Sowjetbürger. Bei meinen Besuchen in Almaty traf ich immer wieder Schulkinder und Studenten, die das Vokabular und Gedankengut der Ideologie vom „Ewigen Land“ bis in die kleinsten Verästelungen perfekt auswendig hersagen konnten. Das Ganze funktionierte also, zumindest auf einer formalistischen Ebene. Der Staat und die Gesellschaft hatten eine Form und eine Lehre, die niemand anzweifeln durfte und auch kaum jemand anzweifelte, zumindest nicht offen. Allerdings war es eine hohle Fassade, ebenso wie das Gerede von der „Völkerfreundschaft“ in der Sowjetzeit meistens nur Propaganda darstellte. Die historischen Absurditäten, mit denen die Geschichtsingenieure des postsowjetischen kasachischen Regimes sich ihr „Ewiges Land“ zusammenzimmerten, werden schon einem oberflächlichen Betrachter klar. So wurden die indoeuropäischen Saken, die einst auf dem Gebiet Kasachstans eine bedeutende Kultur hervorgebracht hatten, ohne Umschweife mit den bekanntermaßen turksprachigen Kasachen amalgamiert. Das Fehlen unabhängiger Presse- und Wirtschaftsorgane und die faktische Isolation der kasachischen Wissenschaftler vom Rest der Welt (die Beschaffung von wissenschaftlicher Standardliteratur selbst über Kasachstan ist für viele, auch führende kasachische Professoren selbst im Zeitalter von E-Book und PDF ein echtes Problem) machten jede Art von Phantasieentwürfen durchsetzbar. Ein noch schlimmerer Effekt der Prävalenz des Ideologischen über die Wissenschaft dürfte jedoch gewesen sein, dass das auf diese Lehre gegründete (Selbst-)Vertrauen der herrschenden Eliten diese in wichtigen Teilen blind für die Realitäten sozialer, aber auch kultureller Art in ihrem eigenen Land machte. Auch hier haben sie sich offenbar als treue Erben der Sowjetunion und ihrer Satelliten (wie die DDR) erwiesen, die ja bekanntermaßen auch an ihrer Unfähigkeit, das fremde und eigene Vermögen richtig einzuschätzen, eingegangen sind. Konkret konfrontierte ich bei einem meiner Forschungsaufenthalte in Almaty einmal einen Bekannten, der hochrangiger Professor an einer staatsnahen Eliteuniversität war, mit einigen meiner diesbezüglichen Beobachtungen, die ich in und um Almaty gemacht hatte. Eine davon bezog sich auf einen sehr netten Nachtwächter, den ich mehrmals traf (aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Berlin und Almaty ist man als Besucher dort manchmal eher nachtaktiv). Jedesmal wenn ich an dem Concierge vorbeiging, der einsame Stunden in einem Wächterkabuff totschlagen musste, las er im Koran oder hörte islamische Gesänge und Texte im Radio. Eine weitere Beobachtung war, dass das Tragen islamischer Kopftücher bei kasachischen Frauen mit jedem meiner Besucher populärer zu werden schien, und zwar quer durch alle sozialen Schichten. Drittens – und das war eine der Beobachtungen, bei denen ich angefangen hatte, meine Eindrücke selbst ernstzunehmen – : Wenn man an einem beliebigen Freitagnachmittag in eines der ärmeren, östlichen Viertel Almatys ging, brauchte man nicht lange zu suchen, um kleine Stadtteilmoscheen zu finden, die innen randvoll waren und vor denen die Gläubigen sich draußen drängten (an der nächsten Straßenecke stand dann meistens mehr oder weniger nervös kasachische Polizei). Die vierte Beobachtung machte ich während einer Taxifahrt in das etwa 300 Kilometer von Almaty in Richtung chinesischer Grenze gelegene Zharkent. Meine Fahrer – allesamt junge Kasachen um die 30 – hielten mehrmals mitten im Nichts der Steppe an, um, auch im stärksten Wind, im Dunkeln oder bei Regen, das rituelle islamische Gebet zu verrichten. Meine an den Elite-Professor weitergegebene Analyse zu diesen Beobachtungen – deren Liste ließe sich problemlos fortsetzen ließe – war: Ihr (die Eliten) lebt in einer Art Blase, zimmert Euch Eure Ideologie nach Eurem Gusto zurecht, verbringt einen Großteil Eurer Zeit damit, neue Alphabete für das Kasachische zu entwerfen und in Euren eigenen Kreisen zu verkehren, aber Ihr merkt gar nicht, was direkt vor Eurer Haustür passiert. Ihr registiert überhaupt nicht, dass das „Volk“, also die Leute, die nicht auf die eine oder andere befriedigende Weise vom Reichtum der herrschenden Eliten profizitieren können, mit dem „Ewigen Land“ nichts am Hut haben, sondern von ganz andere Problemen geplagt werden und sich ganz andere Auswege erträumen. Mein Eindruck war, dass die offizielle Ideologie ebenso wie ihre Träger sich nicht wirklich um die kulturellen Bedürfnisse und Traditionen des Landes kümmerten. Mәŋgilik El war eine Kopfgeburt, die den Herrschaftsanspruch einer winzigen Elite festigen sollte, aber sie war nichts, wovon viele ärmere Kasachen wirklich überzeugt waren, abgesehen davon, dass sie nichts war, das ohne die Androhung sozialer, politischer oder sonstiger Sanktionen unvoreingenommene Beobachter wirklich hätte beeindrucken können. Der Riss Vielleicht habe ich ja nur Gespenster gesehen. Vielleicht war das „Ewige Land“ unter Nazarbayev ja wirklich eine harmonische und erfolgreiche Gesellschaft. Aber vielleicht ist die im postsowjetischen Kasachstan gewachsene Entfremdung zwischen den Herrschaftseliten und dem Volk, die oben konstatiert wurde, auch eine mögliche Erklärung für das, was seit Mittwoch im neuntgrößten Land der Erde geschieht. Die Reaktion der kasachischen Regierung auf die jüngsten Unruhen bestand aus zwei Schritten. Der erste war der Versuch, den Protestierenden durch die Rücknahme der Preiserhöhungen und durch die Entlassung der Regierung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Offensichtlich führte diese Maßnahme jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis. Dann folgte als zweiter Schritt das, was alle Beobachter fassungslos macht: Ohne auch nur einen Versuch zu unternehmen, mit den Protestierenden zu sprechen – die Entlassung der Regierung ist auch kein wirklicher Dialog – ging der Machthaber ansatzlos zur „schärfsten“ Form der Gewaltanwendung über und scheute sich selbst nicht, dazu fremdes Militär ins Land zu rufen. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollkommen klar ist, wer oder was die Unruhen eigentlich auslöste (Kamen sie von unten und spontan? Wurden sie provoziert? Waren die Gaspreise wirklich der Hauptgrund?), reproduziert das Verhalten Toqajevs genau jene Entfremdung zwischen Herrschaftseliten und breiter Volksmasse, von der oben die Rede war. Stünde Kasachstans Präsident gerade nicht selbst in einem Wirbelsturm, der wohl kaum Zeit für distanzierte Reflexionen lassen dürfte, müsste er sich der Unglaubwürdigkeit seiner Behauptung, Zehntausende (der „Standard“ spricht von 20.000) der Demonstrierenden seien „Terroristen“, wohl selbst bewusst werden. Egal, wie perfekt und effektiv man sich eine Terrororganisation auch vorstellen mag, sie kann schon per Definition (Terrorismus ist eine Aktionsform zur Durchsetzung bestimmter Ziele, setzt also Struktur und Planung voraus) nicht in der Lage sein, über Nacht, von einem Tag auf den anderen, 20.000 ihrer Anhänger aus dem Nichts auf die Straße zu bringen, ohne dass es Tage oder Wochen oder Monate der Vorbereitung gegeben hat. Wenn man daher für einen Augenblick annehmen möchte, dass die Zehntausende von „Terroristen“, die Toqajev als Schutzmäntelchen für die mörderische, mit ausländischer Hilfe umgesetzte Unterdrückung des Willens seines eigenen Volks herbeiphantasiert, nicht schon vorher dagewesen seien, ist Toqaevs Denunzierung der protestierenden Kasachen als„Terroristen“ also sehr realitätsfern. Für den anderen Fall, also die Annahme, dass schon vor dem 5. Januar Zehntausende von „Terroristen“ sich darauf vorbereitet hätten, den Staat und die Regierung anzugreifen, müsste Toqajev den offenkundig unerklärlichen Umstand erklären können, dass der ansonsten alles kontrollierende Sicherheitsapparat Kasachstans ausgerechnet dies nicht bemerkt haben soll. Die Zukunft Egal, wie die jetzige Katastrophe auch ausgehen mag, die Risse durch die kasachische Gesellschaft bleiben voerst bestehen. Es gibt soziale und wirtschaftliche Gegensätze, die nach Ausgleich schreien. Es gibt mentalitätsbedingte und kulturelle Bedürfnisse, die sich mit den Unterdrückungsmechanismen postsowjetischer Autokratie und deren löchrigen ideologischen Fassaden nicht übertünchen lassen. Solange die jetzige Phase des Chaos andauert, gibt es keine Möglichkeit, zu einer vernunftbasierten Auseinandersetzung mit den komplexen Realitäten des Landes zurückzukehren. Wenn die Unruhen erst einmal vorbei sind, dürfte es wohl nur die Möglichkeit der Rückkehr zu einer mehr oder weniger autoritären Regierungsform geben, wobei die entscheidende Unsicherheit in der Frage bestehen dürfte, wie stark diese von ausländischen Mächten, allen voran Russland, beeinflusst wäre. Die an sich wünschenswerte Alternative – ein freies, unabhängiges, demokratisches, sich selbst harmonisch entfaltendes Kasachstan – dürfte schon angesichts der geopolitischen Realitäten, bei denen auch Kasachstans Lage zwischen Russland und China und die gegenwärtige Positionierung des Westens eine Rolle spielen dürfe, wie so gut wie immer außerhalb der westlich geprägten Welt ein bloßer Traum sein. Zitierte Literatur/ Link Heß, Michael Reinhard: The state of the Steppe – conflicting accounts of history in the 550th anniversary gala of Kazakh statehood. In: Ders.: Building the Eternal Country. Studies on multi-ethnic Kazakhstan. Berlin: Gulandot. 33-86. Der Standard: Tokajew lässt ranghohe Beamte in Gewahrsam nehmen
Michael Reinhard Heß ist promovierter und habilitierter Turkologe und seit 2005 Privatdozent an der FU Berlin. Thema der Habilitation waren Leben und Sprache des aserbaidschanischen Dichters İmadәddin Nәsimi (1370–1417). Zum Thema Karabach hat er die Bücher „Panzer im Paradies“ (Dr. Köster 2016) und „Karabakh from the 13th century to 1920“ (Gulandot, 2020) verfasst.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar

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Corona-Pandemie
Landkreise fordern schnelle Impfpflicht

Osnabrück – Deutschlands Landkreise haben die Bundesregierung nach dem Corona-Gipfel zu mehr Einsatz für eine Impfpflicht aufgefordert: „Wir müssen mit aller Kraft die bestehende Impflücke vor allem bei den über 60-Jährigen schließen. Die Bundesregierung sollte deshalb in dieser Frage aus der Deckung kommen und sich klar zur Einführung einer Impfpflicht bekennen“, sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Er kritisierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) dafür, die Impfpflicht nicht selbst voranzutreiben: „Es reicht nicht aus, zu moderieren und auf einen fraktionsübergreifenden Beschluss des Bundestages zu warten. Die Bundesregierung muss vielmehr eine aktive Rolle einnehmen“, sagte Sager der „NOZ“. „Wenn wir eines nicht haben, ist es Zeit.“ Gerade weil eine solche Pflicht verfassungsfest ausgestaltet werden müsse, sei die Regierung selbst in der Verantwortung „und sollte diese nicht ganz einfache juristische Aufgabe nicht allein den Abgeordneten überlassen“. Zugleich lobte der Landkreistagspräsident die beschlossene Verkürzung von Quarantäne- und Isolationszeiten als „sinnvoll“. Damit werde ein guter Ausgleich zwischen der Eindämmung des Virus und der Sicherung wichtiger Infrastrukturbereiche geschaffen. Dazu gehörten neben beispielsweise den Lehrern auch Kinder und Jugendliche. „Gut, dass das nun so verabredet worden ist. Denn es ist ein wichtiger Beitrag, die Schulen wie versprochen offen zu halten.“

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Der türkische Gesundheitsminister hat die Bevölkerung erneut aufgerufen, sich impfen zu lassen.

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Israel
Knessetabgeordneter Golan bezeichnet Siedler als „Untermenschen“

Tel Aviv – Der israelische Knessetabgeordnete Yair Golan bezeichnete die in der illegalen Westjordanland-Siedlung Homesh lebenden Siedler am Mittwoch als „Untermenschen“. „Das sind keine Menschen, das sind Untermenschen, sie sind verachtenswert“, so der stellvertretende Wirtschaftsminister und Mitglied der linken Meretz-Partei. Golan warf den Siedlern vor, palästinensisches Eigentum zu zerstören. „Jetzt rufen die Siedler ‚Scham und Schande‘, weil sie evakuiert werden sollen“, so Golan. „Sie erwähnen nicht, dass diese Leute, die sich dort [in Homesh] niederlassen wollen, im [palästinensischen] Dorf Burka randalieren, Grabsteine zerschlagen und ein Pogrom veranstalten. Wir, das jüdische Volk, das im Laufe der Geschichte unter Pogromen gelitten hat, führen jetzt Pogrome gegen andere durch“, so der israelische Minister weiter. Golans Äußerungen wurden in Israel jedoch scharf verurteilt. Die Likud-Partei forderte Golans Rücktritt. Selbst Politiker der Mitte und der Linken bezeichneten seine Äußerungen als unangemessen. Premierminister Naftali Bennett, der die rechtsgerichtete Jamina-Partei leitet, erhob ebenfalls schwere Vorwürfe. Golans Worte seien „schockierend, beleidigend und grenzen an Verleumdung“, sagte Bennett. „Diejenigen, die sich in Judäa und Samaria niederlassen, sind die Pioniere von heute. Wir haben kein fremdes Land eingenommen, wir haben das Land unserer Vorfahren zurückerobert“, so Bennet. Golan, ehemaliger Vize-Generalstabschef der IDF, betonte in einem Interview, dass sich die Siedler nach israelischem Recht illegal auf dem Homesh-Hügel aufhielten. „Als ich die Abteilung Judäa und Samaria [besetztes Westjordanland] [der Armee] befehligte, habe ich niemanden dort siedeln lassen“, sagte Golan. Das Land, auf dem die Siedler ihre Häuser gebaut haben, gehöre Palästinensern aus dem Dorf Burka im Norden des besetzten Westjordanlands. Auch die IDF beschuldigte Siedler aus Homesh, „Eigentum zu zerstören und palästinensische Flaggen am Rande des Dorfes Burka zu verbrennen“. Wie die israelische Tageszeitung The Jerusalem Post berichtet, beschuldigte die NRO Yesh Din die Siedler zudem, Gräber auf dem palästinensischen Dorffriedhof geschändet zu haben. Golan twitterte später, dass er keine pauschale Anschuldigung erhoben habe. „Meine Worte bezogen sich auf diejenigen, die Gräber schänden, unschuldige Menschen angreifen und Eigentum zerstören“, stellte Golan klar. „Was ist die richtige Art, mit solchen Leuten umzugehen? Welches sind die richtigen Worte, um sie zu nennen? Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen: Das ist nicht unser Judentum.“

Literatur
Cevdet Kudret-Literaturpreis 2021 für Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu von der Uni Köln

Der Cevdet Kudret-Literaturpreis, der nach dem 1992 verstorbenen und bis dahin führenden Literaturhistoriker und Schriftsteller der Türkei benannt ist, geht in der Sparte “Untersuchung und Forschung” 2021 an Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu. Die Preisträgerin, die seit letztem Jahr am Orientalischen Institut der Universität zu Köln forscht und unterrichtet, wurde für ihr Werk „Yazının Önünde: Edebi Metnin Anlamının Teşekkülünde Okurun Rolü“ [Vor dem Schreiben: Die Rolle der Leser*innen bei der Bedeutungsbildung des literarischen Textes] ausgezeichnet. Das Werk mit dem Titel „Yazının Önünde“ wurde im Juni 2021 im Hece-Verlag veröffentlicht. Es handelt sich um die 2017 angenommene, überarbeitete und neu editierte Doktorarbeit von Gündoğdu. Urteil der Jury: Besondere Erzählstruktur, die die Beziehung der Leser*innen an die Materie stets lebendig hält Die Jury, die sich aus Armağan Ekici, Besim Dellaloğlu, Hatice Aynur, Sevengül Sönmez und Tuncay Birkan zusammensetzt, urteilte:
„Ausgehend von der hermeneutischen Denktradition sowie der Rezeptionstheorie, hat die Autorin die bedeutende Rolle der Romane von Ahmet Mithat Efendi in der Entstehung der Figur des modernen ‘Lesers’ in der Osmanischen Literatur untersucht. Dabei hat sie nicht nur die gegebene Theorie an den Forschungsgegenstand angewandt, sondern auch eine Erzählstruktur geschaffen, die zu dem Forschungsfeld selbst beitragen kann und mit der sie das Interesse der Leser*innen an ihren Thesen stets lebendig und wachzuhalten vermag.“
Die Cevdet Kudret-Literaturpreise werden in Kooperation mit der Familie Cevdet Kudrets und der Istanbuler Mimar Sinan Universität der Bildenden Künste vergeben. „Ich fühle mich geehrt, dass meine Arbeit von der angesehenen Auswahlkommission für den Cevdet Kudret Literaturpreis gewürdigt wurde. Auch die sorgfältige Begründung für die Auszeichnung ist für mich sehr wertvoll“, so Dr. Gündoğdu gegenüber NEX24. Forschungsaufenthalt an der Universität Washington Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu wurde am 17. März 1986 in Adapazarı/Sakarya in der Türkei geboren. Sie absolvierte die Hochschule für Fremdsprachen in Kocaali und die Fakultät für türkische Sprache und Literatur der Universität des 19. Mai in Samsun. Ihren Masterabschluss erhielt sie 2012 mit ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Geciktirilmiş Öykü Tekniği Üzerine Bir Karşılaştırma: Tristram Shandy Beyefendi’nin Hayatı ve Görüşleri / Karı Koca Masalı“. Daraufhin promovierte die junge Akademikerin an derselben Universität, wo sie 2017 ihren Doktortitel erlangte. Ihre Dissertation trug den Titel: „Edebî Metnin Anlamının Teşekkülünde Okurun Rolü“. Während ihrer Promotion befand sich Gündoğdu für ein Forschungsjahr als Gastwissenschaftlerin an der University of Washington. Von 2018 bis 2021 war die Literaturwissenschaftlerin als Lehrpersonal in der Fakultät für türkische Sprache und Literatur der Universität des 19. Mai Samsun tätig. Seit dem Wintersemester 2021/2022 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Orientalischen Seminar der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Yasin Baş/Köln

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Russland
Putin-Sprecher bezeichnet Impfgegner als „gefährliche Irre“

Moskau – Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere davon zu überzeugen, die Impfung abzulehnen, sind „gefährliche Irre“, sagte der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dmitri Peskow sprach in einer speziellen Fernsehsendung über das zweite Jahr mit Covid-19, zusammen mit anderen Regierungsvertretern. Auf die Frage, was er von Impfgegnern halte, ließ der Putin-Sprecher keine Zweifel aufkommen. „Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere davon zu überzeugen, die Impfung abzulehnen, sind gefährliche Irre. Das sind zwei Worte. Ein Wort allein kann es nicht ausdrücken“, sagte er der TV-Moderatorin Nailya Asker-Zade. Der Gesundheitsminister des Landes, Michail Muraschko, bezeichnete diejenigen, die sich weigern, sich impfen zu lassen, als „unvernünftig“, während Anna Popowa, die Leiterin der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor, behauptete, die Impfgegner seien „von Angst getrieben“. Wie der russische Nachrichtensender RT berichtet, befragte die Moderatorin in der Sendung auch einige Mediziner nach ihrer Meinung über die Impfgegner-Bewegung. Andrei Shkoda, der Chefarzt des Moskauer Städtischen Klinischen Krankenhauses bezeichnete das Phänomen als „militante Ignoranz“, während der stellvertretende Chefarzt einer anderen Moskauer medizinischen Einrichtung, Sergey Tsarenko, die Gegner schlichtweg als „Idioten“ bezeichnete. Russland kämpft zur Zeit mit einer Welle von Corona-Infektionen, die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist jedoch sehr gering. Laut Muraschko haben nur 62 Prozent der Russen über 60 Jahren ihre erste Dosis erhalten. Damit liegt das Land weit hinter dem Ziel einer Impfquote von 80 Prozent mit vollständigem Impfschutz.

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Corona-Pandemie
Kinderärzte fordern allgemeine Impfpflicht „sofort“

Osnabrück – Kinderärztepräsident Thomas Fischbach fordert „eine allgemeine Impfpflicht, und zwar sofort!“, um die Impflücke bei den Erwachsenen zu schließen. Die Politik habe sich viel zu lange vor dem unbequemen Thema gedrückt und wolle die Impfpflicht nun auf die lange Bank schieben, beklagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Das wäre fatal, denn umso länger müssen Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen leiden.“ Fischbach ergänzte: „Kinder dürften nicht länger dafür herhalten müssen, die wirklich Gefährdeten, also ungeimpfte Erwachsene, zu schützen. Denn das ist unanständig.“ Die Impfquote bei den Jugendlichen ab zwölf Jahren sei mit über 60 Prozent bemerkenswert hoch, betonte der BVKJ-Präsident weiter. Auch das spreche dafür, Schulen offen zu halten. Der Verbandschef ist zudem erbost über einen fortdauernden Mangel an Corona-Impfstoff für Minderjährige. „Es kann nicht sein, dass die Impfzentren bei der Biontech-Zuteilung bevorzugt würden und für die Kinderarztpraxen nur der Überschuss bleibt“, sagte Fischbach der NOZ. Biontech ist der einzige Impfstoff, der zurzeit für Minderjährige zugelassen ist. „Ich bekomme die Hälfte von dem, was ich verimpfen könnte“, klagte der Pädiater mit einer Praxis in Solingen, der auch regelmäßig in Impfzentren impft. „Wir brauchen einen höheren Biontech-Anteil, das liegt doch auf der Hand, stattdessen wird weiter nur der Mangel verwaltet.“ Auch das zeige, dass Kinder in der Pandemie zurückstecken müssten.

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