London – In einem aufsehenerregenden Interview mit dem US-Musikmagazin Rolling Stone hat U2-Frontmann Bono den rechtsextremen israelischen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, scharf angegriffen und dessen Entgleisungen mit der Rhetorik des Nazi-Funktionärs Heinrich Himmler verglichen. Der irische Sänger äußerte sich im Vorfeld des für den 13. November angekündigten neuen U2-Albums.
Bono, mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson, betonte im Gespräch, dass die neue Platte der Band in der „wahrscheinlich turbulentesten Zeit, die wir je erlebt haben“, entstanden sei. Dies beziehe sich auf die weltpolitische Lage. Unter anderem verarbeite der Song „The Tears of Things“ die jahrtausendealte Geschichte, die zur aktuellen Eskalation im Gazastreifen geführt habe.
Scharfe Kritik an Ben-Gvirs Äußerungen
Der Rockstar verurteilte zwar erneut den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel nachdrücklich, zeigte sich gleichzeitig jedoch schockiert über Äußerungen aus den Reihen der israelischen Regierung.
Insbesondere die Aussagen von Polizeiminister Ben-Gvir über die Bevölkerung in Gaza – wonach es dort Menschen gebe, die „nicht das Recht haben zu leben“ oder „nicht einmal menschlich seien“ – stießen beim Sänger auf Entsetzen.
Bono verglich diese Rhetorik direkt mit Äußerungen von Heinrich Himmler, dem Reichsführer der SS und einem der Hauptverantwortlichen für die Planung und Durchführung des Holocausts im Nationalsozialismus.
Gleichzeitig kritisierte der U2-Sänger die politische Rolle von Premierminister Benjamin Netanjahu scharf: Ein Minister, der solche Aussagen tätige, gehöre nicht in ein Regierungsamt. Netanjahu duldete Ben-Gvir jedoch nur, um seine eigene parlamentarische Mehrheit in der Koalition zu sichern.
Zweistaatenlösung und Nakba-Anerkennung gefordert
Bono stellte klar, dass er das Existenzrecht Israels weiterhin unterstütze, aber ebenso an der Seite der Palästinenser und ihres Rechts auf einen eigenen Staat stehe. Er gehe davon aus, dass die Rechtsfragen bezüglich der Handlungen Israels im Gazastreifen letztlich vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) und dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) geklärt werden.
Zudem forderte der Sänger Zugeständnisse, um das historische Unrecht der Nakba – der Massenvertreibung von Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 – aufzuarbeiten. Die Gerechtigkeit liege schließlich im Herzen des Judentums selbst, betonte Bono im Interview.
Umstrittener Hardliner: Die Kritik an Ben-Gvir
tamar Ben-Gvir gilt bei nationalen wie internationalen Beobachtern, Menschenrechtsorganisationen und politischen Analysten als eine der umstrittensten Figuren der israelischen Politik. Kritiker werfen dem Minister für nationale Sicherheit wiederholt Rechtsextremismus, Rassismus und gezielte Provokation vor.
Bevor er sein Ministeramt antrat, wurde Ben-Gvir mehrfach wegen rassistischer Hetze gegen Araber und der Unterstützung einer jüdischen Terrororganisation juristisch verurteilt; über Jahre hinweg hing in seinem Wohnzimmer ein Porträt von Baruch Goldstein, dem Attentäter des Massakers in der Höhle der Patriarchen.
Internationale Diplomaten sowie israelische Oppositionsmitglieder beschuldigen ihn regelmäßig, durch seine Rhetorik und Handlungen – etwa demonstrative Besuche auf dem Tempelberg oder Aufrufe zur Aushöhlung von Schutzrechten palästinensischer Zivilisten – Spannungen im Nahen Osten systematisch anzuheizen und die Rechtsstaatlichkeit zu untergraben.
U2’s Bono compares Ben-Gvir to Nazi Himmler over Gaza rhetoric https://t.co/SU5e5KSctv
— Haaretz.com (@haaretzcom) September 29, 2026
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