Jahrestag des Ukrainekrieges
Yanchenko: „Fehler Deutschlands haben zu diesem Krieg geführt“

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Köln – Die Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe, Halyna Yanchenko, gibt Deutschland eine Mitverantwortung an dem Überfall Russlands auf die Ukraine. In einem Interview zum Anlass des ersten Jahrestages des Überfalls sagt Yanchenko im WDR-Radiosender COSMO: „Leider hat Deutschland in der Vergangenheit Fehler begangen, die zu diesem Krieg geführt haben.“ Deutschland habe 2008, gemeinsam mit Frankreich, wesentlich dazu beigetragen, dass die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wurde. „Nach Auffassung vieler Militäranalysten haben Deutschland und Frankreich damit eine Einladung an Russland geschickt, sich auf die Invasion und diesen massiven und blutigen Krieg vorzubereiten“, sagt die ukrainische Politikerin. Yanchenko leitet aus dieser Mitverantwortung ab, es sei „die moralische Pflicht Deutschlands und Frankreichs als unser Anwalt aufzutreten.“ Konkret fordert sie unter anderem eine stärkere Unterstützung für einen schnellen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Die 34-jährige Halyna Yanchenko ist seit 2019 Abgeordnete im ukrainischen Parlament und zählt zum Kreis der engeren Vertrauten um Präsident Selenskyi. Im Februar 2022 hat Russland eine militärische Invasion in der Ukraine gestartet, indem es Truppen über die Grenze schickte und eine massive Offensive auf ukrainisches Gebiet startete. Die Invasion folgte auf Wochen und Monate zunehmender Spannungen und Provokationen zwischen den beiden Ländern, die auf die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 zurückgehen. Die Invasion löste eine internationale Krise aus, als die Weltgemeinschaft schockiert und besorgt reagierte. Die Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Frankreich und andere NATO-Länder verurteilten die Invasion scharf und kündigten an, dass sie bereit seien, die Ukraine zu verteidigen. Die Kämpfe zwischen russischen Truppen und ukrainischen Verteidigungskräften sind seit Beginn der Invasion heftig, und es wird befürchtet, dass der Konflikt zu einem langen und verheerenden Krieg eskalieren könnte. Die humanitäre Lage ist ebenfalls alarmierend, da Zehntausende von Menschen auf der Flucht sind und humanitäre Organisationen Schwierigkeiten haben, Hilfe zu leisten. Die internationale Gemeinschaft hat die Invasion verurteilt und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland verhängt. Es wird jedoch erwartet, dass die Auswirkungen auf Russland begrenzt sein werden, da das Land ein großer Energieexporteur ist und wirtschaftliche Sanktionen den globalen Energiemarkt beeinträchtigen könnten. Die Ukraine und ihre Unterstützer fordern eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und eine friedliche Lösung des Konflikts, einschließlich des Rückzugs der russischen Truppen und der Rückgabe der Krim an die Ukraine. Die Situation bleibt jedoch ungewiss, da beide Seiten ihre Positionen verhärten und der Konflikt weiterhin eskaliert. Krim-Invasion
Die russische Invasion der Ukraine begann im Februar 2014, als russische Truppen die Halbinsel Krim annektierten. Seitdem haben russische Truppen und unterstützende separatistische Kräfte im Osten der Ukraine gekämpft, was zu tausenden von Todesfällen und Verletzungen sowie zu erheblichen Zerstörungen geführt hat. Die genauen Ursachen für die Invasion sind umstritten und komplex. Einige Argumente beinhalten die geopolitische Bedeutung der Krim für Russland, die Unterstützung russischer Bevölkerungsgruppen in der Ukraine und die Ablehnung der pro-westlichen Bewegung in der Ukraine durch die russische Regierung.  
 

Geschichte
23. Februar 1944: Die Deportation der Tschetschenen und Inguschen

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von Kemal Bölge

Heute vor 79 Jahren begann die Deportation der gesamten tschetschenischen und inguschischen Bevölkerung aus ihrer angestammten Heimat nach Zentralasien. Von 470.000 Menschen überlebten Tausende die höllischen Strapazen nicht.

Vorwurf der Kollaboration mit Nazi-Deutschland

Die Rote Armee befand sich noch im Krieg, als der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin persönlich den Befehl zur Deportation von fast 500.000 Tschetschenen und Inguschen gab. Kollaboration mit dem Feind lautete der Vorwurf an das tschetschenische und inguschische Volk, auch wenn diese in der Roten Armee gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft hatten.

Der Plan zur Deportation dieser beiden nordkaukasischen Völker wurde bereits 31. Januar 1944 getroffen und am 23. Februar 1944 umgesetzt. Mitten in der Nacht marschierten Einheiten des Geheimdienstes des Innenministeriums (NKWD), des Volkskommissariats für Staatssicherheit (NKGB) und bis zu 100.000 Offiziere und Soldaten in die Städte und Ortschaften in Tschetschenien und Inguschetien ein. Wer sich der Anordnung widersetzte, wurde noch vor Ort erschossen.

Tausende überlebten die Strapazen nicht

Das Packen dauerte nur 15-20 Minuten. Jeder, einschließlich Schwangere, Mütter mit Kindern, Alte und Kranke, wurde zwangsläufig deportiert. Die Kranken wurden mit monströser Grausamkeit behandelt: Sie wurden entweder auf der Stelle erschossen oder zum Sterben allein gelassen. Nur wenige Habseligkeiten durften die Menschen mit sich führen, die in Viehwaggons eingesperrt, mitten im Winter in Tausende Kilometer entfernte Gebiete nach Zentralasien deportiert wurden. Faktoren wie die winterlichen Temperaturen, Hunger, Durst und grassierende Krankheiten machten vielen zu schaffen. Schätzungen gehen von über 470.000 Deportierten aus, wovon Tausende die höllischen Strapazen nicht überlebt haben.

Der 23. Februar 1944 stellt sowohl für die Tschetschenen als auch für die Inguschen einen Schicksalstag dar. In Kasachstan mussten die Deportieren in Bergwerken und Plantagen Zwangsarbeit verrichten, wobei von 1944-1953 über 73.000 an Hunger und Krankheiten starben. Erst unter Nikita Chruschtschow wurde es Überlebenden gestattet, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. In der türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft hat sich der Terminus technicus Mezalim für massenhafte Gewaltverbrechen an der muslimischen Zivilbevölkerung etabliert.

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Türkei-Erdbeben
Paderborn: Flugzeug mit Hilfsgütern für Türkei und Syrien

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Paderborn – Dänisches Militärflugzeug startete mit Hilfsgütern für Erdbebenopfer in die Krisenregion Etwa 600 Europaletten an Hilfsgütern haben die Menschen in der Region Paderborn für die Erdbebenopfer in der Türkei und in Syrien gespendet und zum Flughafen Paderborn/Lippstadt gebracht. Nach einem intensiven Austausch mit der türkischen Regierung und weiteren Beteiligten machte sich am heutigen Vormittag ein dänisches Militärflugzeug mit dringend benötigten Waren auf den Weg zum NATO-Stützpunkt Incirlik-Adana in die Türkei. Beim Abflug war der türkische Generalkonsul Ahmet Faik Davaz vor Ort und dankte allen Beteiligten für die großartige Unterstützung. An Bord sind haltbare Nahrungsmittel in Dosen, Isoliermatten, Decken, Winterkleidung und andere, besonders dringend benötigte Hilfsgüter. Aufgrund der überwältigenden Spendenbereitschaft waren deutlich mehr Hilfsgüter zusammengekommen, als die Deutsch-Türkische Gesellschaft in Paderborn erwartet hatte. „Deshalb mussten wir unsere Pläne zum Transport der wertvollen Spenden ganz neu ausrichten. Zudem haben wir von der türkischen Regierung eine Prioritätenliste bekommen, da nicht alle Hilfsgüter aus vielen weiteren Ländern auf einmal bewältigt werden können“, erläuterten Wolfgang Weigel und Recep Alpan von der Deutsch-Türkischen Gesellscgaft. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt hat die Aktion umfangreich unterstützt, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Rüther verdeutlichte: „Wir haben unsere Räumlichkeiten und unser Personal sehr gerne bereitgestellt, um die Spenden entgegenzunehmen, zu sortieren und für den Transport aufzubereiten“. Flughafen-Geschäftsführer Roland Hüser dankte dem gesamten Team: „Die Kolleginnen und Kollegen, die dabei im Einsatz waren, haben mit hoher Motivation und viel Herzblut auch am Wochenende gearbeitet, um die Spendenaktion zu einem vollen Erfolg zu machen“.

Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,8 erschütterte am 6. Februar die Türkei und Syrien, zerstörte ganze Wohnblocks und Krankenhäuser und hinterließ Tausende von Toten und Verletzten. Es folgten zwei weitere Beben der Stärke 7,6 und 6,0. Etliche Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet. Türkische Experten gehen nach groben Schätzungen von 180.000 Verschütteten aus.

Bei dem Erdbeben handelt es sich um die schwerste Erschütterungen in der Türkei, mindestens seit dem Erzincan-Beben des Jahres 1939. Das damalige Erdbeben erreichte  eine Stärke von 7,7. Mehr als 30.000 Menschen starben damals bei der Katastrophe in Ostanatolien.

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Syrien
Türkischer Geheimdienst MIT tötet mutmaßliche Planer des Istanbul-Anschlags

Ankara – Bei einer gemeinsamen Anti-Terror-Operation der türkischen Armee und des Nachrichtendienstes MIT in Syrien sind durch einen gezielten Drohnenangriff  zwei mutmaßliche Planer des Terroranschlags von Istanbul, Halil Menci und Heval Ekrem, getötet worden. Die türkischen Sicherheitsbehörden hatten mit Hochdruck nach den mutmaßlichen PKK/YPG-Terroristen gefahndet, weil diese an den Planungen zum Sprengstoffanschlag am 13. November 2022 beteiligt gewesen sein sollen.

Bei dem Terroranschlag in der Istiklal Caddesi waren nach offiziellen Angaben 6 Menschen getötet und 81 verletzt worden. Wie türkische Medien berichten, war der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Extremist in einem PKW in Syrien unterwegs, als Angriffsdrohnen das Fahrzeug aus der Luft attackierten. Auf Filmaufnahmen ist ein völlig zerstörtes, abgebranntes Auto zu sehen, das am Straßenrand steht.

Mutmaßlicher Chefplaner des Terroranschlags weiter auf der Flucht

Die bulgarische Polizei hatte im Januar Hazni Gölge, den Fluchthelfer des mutmaßlichen Drahtziehers des Bombenanschlags von Istanbul, Bilal Hasan, in Swilengrad aufgespürt und festgenommen. Gegen das PKK/YPG-Mitglied lag ein Haftbefehl aus der Türkei vor, der kurze Zeit später den türkischen Strafverfolgungsbehörden am Grenzübergang Kapıkule überstellt wurde.

Laut Ermittlungen der Polizei war es der festgenommene Verdächtige, der kurz nach dem Anschlag den mutmaßlichen Drahtzieher des Sprengstoffanschlags zur Flucht ins Ausland geholfen haben soll. Die PKK wird von der Türkei und den USA sowie der EU als terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für den Tod von mehr als 40.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, verantwortlich gemacht.

Kemal Bölge

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Historie
Aydin-Massaker: Der schwarze Rauch über Karatepe

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von Kemal Bölge

Griechische Streitkräfte begingen am Abend des 18. Februar 1922 in dem Bergdorf Karatepe/Aydın einen Massenmord an der einheimischen Bevölkerung, der zu einem Synonym für Grauen und Unmenschlichkeit wurde.

Dort, wo über den Bergen der Stadt Köşk die pittoreske Landschaft von Oliven- und Feigenbäumen bestimmt wird, ereignete sich vor genau 101 Jahren, am 18. Februar 1922, eines der grausamsten Massaker an der türkisch-muslimischen Zivilbevölkerung in Westanatolien. Die griechische Armee hatte mit der Einnahme der Stadt Izmir am 15. Mai 1919 die Besetzung, Brandschatzung, Entvölkerung und Zerstörung Westanatoliens eingeläutet. Die Bewohner von Karatepe wurden von der griechischen Okkupationsarmee verdächtigt, den Widerstandskämpfern der „Kuvâ-yi Milliye“ („Nationale Streitkräfte“) Hilfe zu leisten, die gegen die Invasoren kämpften. An jenem Tag soll es in der Region bitterkalt gewesen sein, wie Muharrem Ayaz, ein Nachfahre einer Familie, die aus einem nahe gelegenen Dorf entstammt, aus den Erzählungen seiner Familie betont.

Zahlreiche Dorfbewohner werden in ihren Häusern erschossen

Unter Zuhilfenahme von ortskundigen griechischen Milizen rücken griechische Einheiten in das hoch gelegene Karatepe vor. Gegen 21 Uhr abends wird das gesamte Dorf von Soldaten umstellt, abgeriegelt und die Einwohner aufgefordert, sich auf dem zentralen Platz einzufinden. Den Menschen soll ein Kommuniqué vorgelesen werden, das sich danach als Falle herausstellt. Nur wenige finden sich auf dem Platz ein. Die griechischen Einheiten verschaffen sich mit Gewalt Zugang zu den Häusern der Bewohner. Manche werden vor Ort erschossen und viele in zwei Moscheen eingesperrt.

Systematische Tötung von Zivilisten und die Zerstörung von Moscheen und Wohnhäusern

Die Einwohner der Viertel Sarı Ahmetler, Helvacılar, Mahmutlar und Akçalar werden mit Waffengewalt in die Sarı Ahmetler-Moschee eingepfercht. Das gleiche Schicksal ereilt die Menschen des Sekiyurt-Viertels, die in die gleichnamige Moschee eingesperrt werden. Das Gotteshaus ist von den Mordkommandos umstellt, die aus ihren Maschinengewehren wahllos auf die hilflosen Zivilisten feuern. Anschließend werfen die griechischen Einheiten Handgranaten in die Menschenmenge. Um sicherzustellen, dass niemand das Gewaltverbrechen überlebt, treten die Soldaten an die Opfer heran, um diese mit dem Bajonett zu erdolchen.

Danach werden beide Gebetshäuser in Brand gesetzt, bei dem in der Sarı-Ahmetler-Moschee von 123 Einwohnern 98 in dem Gotteshaus grausam umkommen. 25 Verletzten gelingt es, aus dem Inferno zu fliehen. Kein Entkommen gab es für 56 Dorfbewohner, die in der Sekiyurt-Moschee in den Flammen den Tod fanden. Mit großer Skrupellosigkeit wurden in dieser Nacht schwangere Frauen, Kinder, Babys und ältere Menschen erschossen, andere bei lebendigem Leibe verbrannt. Manche der Opfer rannten im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben und suchten Schutz in den Wäldern.

Verzweifelte Hilfeschreie aus der brennenden Moschee

Das Gemetzel dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Zeitzeugen aus den benachbarten Bergdörfern berichteten von verzweifelten Hilfeschreien aus den brennenden Moscheen und einem stechend-beißenden Geruch in der Luft. Nach Einschätzung von Historikern, die Archivdokumente ausgewertet haben und Augenzeugenberichten starben bei den Angriffen auf die Zivilbevölkerung des Bergdorfs Karatepe sowie die benachbarten Dörfer über 200 Menschen. Die verantwortlichen Offiziere und Generäle der griechischen Armee wurden für diese Kriegsverbrechen an der türkisch-muslimischen Zivilbevölkerung juristisch nie zur Rechenschaft gezogen.

Filmbeitrag des YouTube Influencers Emre Gürbüzerol über Karatepe-Massaker

Der türkische YouTube Influencer Emre Gürbüzerol besuchte anlässlich des 100. Jahrestags des Massakers 2022 die Gedenkstätte in Karatepe („Karatepe Şehitliği“) und führte Interviews mit den Nachfahren der Opfer und von Überlebenden. Wer der türkischen Sprache mächtig ist und sich über die Hintergründe dieses Gewaltverbrechens informieren möchte, sollte sich diesen wertvollen Filmbeitrag („Aydın Karatepe Katliamı“) ansehen. Mezalim ist der Fachausdruck für massenhafte Gewaltverbrechen an Muslimen.

Am gestrigen Samstag wurde in der Region Köşk/Provinz Aydin, der Opfer des Karatepe-Massakers gedacht. An den Erinnerungsort kamen Vertreter der Stadtverwaltung, der Bürgermeister von Köşk, Nuri Güler sowie die lokale Bevölkerung. Zu Ehren der Opfer wurde ein gemeinsames Gebet verrichtet. Das Massaker von Karatepe nimmt in der kollektiven türkischen Erinnerungskultur einen wichtigen Platz ein. Jedes Jahr besuchen Tausende von Erwachsenen und Schulklassen die Gedenkstätte in Karatepe bei Köşk. In der türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft hat sich der Terminus technicus Mezalim für massenhafte Gewaltverbrechen an der muslimischen Zivilbevölkerung etabliert.

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Griechenland werde weiterhin „sein Bestes tun, um schwierige Zeiten zu überwinden, sowohl auf bilateraler als auch auf EU-Ebene“, so Dendias.

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NEX24-Interview
„Der Arbeitgeberverband ignoriert die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst“

Auf den enttäuschenden Verhandlungsauftakt haben die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit Warnstreiks geantwortet.

Am Freitag haben in Deutschland Zehntausende von Beschäftigten im öffentlichen Dienst ihre Arbeit niedergelegt, um ihrer Forderung nach Lohnsteigerungen Nachdruck zu verleihen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hatte für den 17. Februar zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen.

Beim derzeitigen Arbeitskampf geht es nicht nur um die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und den Kommunen, sondern auch um die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste sowie die bundesweiten Verhandlungen der Bodenverkehrsdienste. Sieben Flughäfen, darunter Frankfurt, München, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen, waren vom heutigen Streik betroffen. Ebenfalls bestreikt wurden auch Kitas und der öffentliche Nahverkehr. In vielen Städten fuhren keine Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen.

„Der Arbeitgeberverband ignoriert die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst“

Im Gespräch mit NEX24 kritisiert der Betriebsratsvorsitzende des Betreuungsdienstes FraCareServices, Farid Adel, die Arbeitgeber, weil die Löhne der Beschäftigten im öffentlichen Dienst seit Jahren stagnierten.

Farid Adel ist Betriebsratsvorsitzender beim Betreuungsdienst FraCareServices GmbH, einem gemeinsamen Tochterunternehmen der Fraport AG und der Deutschen Lufthansa AG. Die Mitarbeiter von FraCareServices betreuen Reisende mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität am größten deutschen Flughafen. Als langjähriger Beschäftigter kennt er das Non-Profit-Unternehmen und den Flughafen sehr gut. Am Rande des heutigen Arbeitskampfes sprach NEX24 mit ihm über den heutigen Warnstreik und seine Erwartungen über die weiteren Tarifverhandlungen.

NEX24: Herr Adel, der Frankfurter Flughafen hat einen derartigen großen Streik mit massiven stornierten Flügen seit 30 Jahren nicht mehr erlebt. Halten Sie es für gerechtfertigt, gleich bei der ersten Tarifrunde mit den Warnstreiks fast den gesamten Flugbetrieb lahmzulegen? Betroffene Passagiere, die Fluggesellschaften und der Flughafenbetreiber Fraport sind verärgert.

Farid Adel: Die Gewerkschaft ver.di und der Arbeitgeberverband haben sich am 24. Januar 2023 in Potsdam getroffen, bei dem der Arbeitgeberverband, ohne ein Angebot vorzulegen, in die Verhandlungen ging. Es ist sehr bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit und Arroganz der Arbeitgeberverband versucht, die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu ignorieren. Für die Hilfsflüge in die Erdbebenregion in der Türkei und Syrien sowie für die Fluggesellschaften haben wir ausreichend Personal für den Notfall bereitgestellt.

(Foto: nex24)

NEX24: Hat der heutige Warnstreik Ihrer Ansicht nach etwas gebracht und wie groß war die Streikbereitschaft der Beschäftigten?

Farid Adel: Die KollegInnen im öffentlichen Dienst streiken schon seit Wochen in den verschiedenen Bundesländern, Städten und Kommunen. Wir, die Beschäftigten bei FraCareS, haben heute mit ca. 114 KollegInnen unsere Arbeit niedergelegt, damit wir diesbezüglich auch Gehör finden. FraCareS beschäftigt zurzeit etwa 670 Mitarbeiter. Die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat haben mit dem Arbeitgeber einen Notdienstplan vereinbart, sodass sie auch handlungsfähig bleiben.

NEX24: Was erwarten Sie von den Tarifverhandlungen zwischen den Arbeitgebern und ver.di?

Farid Adel: Unsere Forderung lautet: 10,5 Prozent mehr Lohn oder mindestens 500€! Dies wurde in einer Umfrage durch die Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes so entschieden. Wir hatten im Jahr 2022 ca. 8-9 Prozent Inflation und zurzeit sind wir für 2023 bei 6-8 Prozent. Unsere Löhne sind gleichgeblieben. Der Arbeitgeberverband kennt unsere Forderung und dies sollte auch bitte erfüllt werden.

Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte NEX24-Redakteur Kemal Bölge

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Wirtschaft
Mexiko könnte von der Umstrukturierung der globalen Lieferketten profitieren

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Ein Gastkommentar von Dina Ting

Mexiko ist eine Volkswirtschaft, die gut gerüstet ist, um von der Umstrukturierung der globalen Lieferketten zu profitieren, da sich zahlreiche multinationale Unternehmen von China abwenden.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes wuchs im vierten Quartal um 0,4 % gegenüber den vorangegangenen drei Monaten. Im Januar hob der IWF seine Prognose für das BIP-Wachstum des Landes im Jahr 2023 von 1,2 % auf 1,7 % an.

Im Rahmen eines allgemeinen Trends, der als „Nearshoring“ bezeichnet wird und die Produktion näher an den wichtigsten Handelspartnern ansiedelt, investieren globale Hersteller verstärkt in Mexiko. Das dürfte sich in positiven Impulsen für die Erwerbsbevölkerung Mexikos niederschlagen. Im Dezember belief sich die Arbeitslosenquote in Mexiko auf 2,8 % und war damit geringer als erwartet, während sie im Dezember 2021 noch bei 3,5 % gelegen hatte. Auch die Überweisungen (Geldsendungen von im Ausland arbeitenden Bürgern) nahmen in den letzten Jahren stark zu.

Mexiko könnte führender Exporteur sauberer Kraftstoffe werden

Da im weltweiten Seeverkehrssektor nach wie vor ehrgeizige Dekarbonisierungsziele verfolgt werden, bietet Mexiko laut WEF erhebliche Vorteile für eine robuste Industrie „mit CO2-neutralen Schiffstreibstoffen“. Im letzten Jahr veröffentlichte Forschungsstudien verweisen auf Erwartungen, dass Mexiko dank seines umfangreichen Angebots an erneuerbaren Energien zu einem führenden Exporteur von sauberen Kraftstoffen avancieren kann, was nicht nur den Übergang Mexikos zu einer CO2-armen Wirtschaft beschleunigen, sondern auch neue umweltorientierte Arbeitsplätze schaffen wird.

Ende letzten Jahres stieg der mexikanische Aktienmarkt, gemessen am FTSE Mexico RIC Capped Index, auf Jahresbasis um 2 %, nachdem er im vierten Quartal um fast 14 % zugelegt hatte. Dennoch bleibt die Inflation in Mexiko trotz des frühzeitigen und aggressiven Eingreifens der Zentralbanken in Lateinamerika im vergangenen Jahr hartnäckig hoch. Die Analysten gehen jedoch weiterhin davon aus, dass die Inflation im Jahr 2023 nachlassen und unter dem Höchststand vom September bleiben wird.


Dina Ting

Head of Index Portfolio Management bei Franklin Templeton, Franklin Templeton ETFs EMEA

         

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– Wirtschaft – USA: Starkes Wachstum im Dienstleistungssektor Begründete Zweifel an einer sanften Landung. Was die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten über das Rezessionsrisiko aussagen.
USA: Starkes Wachstum im Dienstleistungssektor

Wirtschaft
USA: Starkes Wachstum im Dienstleistungssektor

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Gastkommentar von Florian Ielpo

Der US-Arbeitsmarktbericht für Januar hat bei den Anlegern begründete Zweifel geweckt. Die Märkte schienen weitgehend davon überzeugt zu sein, dass die Fed die nächste Zentralbank sei, die ihren Zinserhöhungszyklus beendet, und dass der Rückgang der Inflation beschlossene Sache sei. Doch die Nachricht, dass die US-Wirtschaft im vergangenen Monat mehr als 500.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, veranlasste die Anleger dazu, noch einmal umzudenken.
  • Der starke US-Arbeitsmarktbericht vom Januar hat die Annahme der Anleger erschüttert, dass eine weiche Landung möglich ist
  • Hinter der aktuellen Arbeitsmarktzahl verbirgt sich jedoch die bemerkenswerte Stärke des Dienstleistungssektors
  • Dieser Sektor ist allerdings der schlechteste aller Indikatoren, wenn es um das Risiko einer Rezession geht, wie eine historische Analyse zeigt. Anleger sollten ihm vorerst nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken.

Angesichts der derzeitigen großen wirtschaftlichen Unsicherheit ist diese Überraschung alles andere als willkommen, und die Märkte reagierten heftig. Betrachtet man die Zahlen des Beschäftigungsberichts im Einzelnen, so zeigt sich, dass nicht in allen Sektoren neue Stellen geschaffen wurden, sondern dass der größte Teil des Beschäftigungszuwachses auf den Dienstleistungssektor entfiel. Der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe, der sich von einem Wert unter 50, welcher auf eine Schrumpfung hindeutet, wieder in den Wachstumsbereich von 55,2 bewegt hat, lässt Zweifel an der von vielen erwarteten „flachen“ Rezession aufkommen.

Ist die Möglichkeit einer sanften Landung nun vorbei? Bedeutet die Stärke des Dienstleistungssektors, dass die Wirtschaft überhaupt nicht zu landen braucht? Eine interessante Sichtweise auf diese Frage findet sich bei den Konjunkturtheoretikern der späten 70er Jahre, aber ist ihre Botschaft noch aktuell?

Starkes Wachstum im Dienstleistungssektor

Das Problem des US-Arbeitsmarktberichts ist nicht die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze, sondern ihre Zusammensetzung. Der Bericht zeigt einen Anstieg von 443.000 Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft gegenüber den erwarteten 190.000. Rechnet man die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst hinzu, so haben die USA im Januar 517.000 neue Stellen geschaffen, was in der Tat eine erstaunlich hohe Zahl ist.

Einige Sektoren haben im Januar Arbeitskräfte entlassen, vor allem in verschiedenen Industriezweigen wie dem Transportwesen, dem Gesundheitswesen oder der Informationstechnologie. Diese Entlassungen stehen im Einklang mit den Ankündigungen großer Unternehmen während der Gewinnsaison für das vierte Quartal.

Die Gesamtzahl blieb jedoch mit 27.000 verlorenen Arbeitsplätzen im Vergleich zu den neu geschaffenen Stellen niedrig. Interessant ist, dass die meisten dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstanden sind. Wir sehen, dass 338.000 der 517.000 Arbeitsplätze aus diesem Sektor stammen. Betrachtet man die langfristigen Trends, so tragen diese Neueinstellungen dazu bei, die seit der Pandemie im Jahr 2020 verlorenen Arbeitskräfte zu ersetzen, die zu 17 Millionen Entlassungen im gesamten Dienstleistungssektor führten.

Unseren Schätzungen zufolge fehlen im Dienstleistungssektor immer noch 1,8 Millionen Arbeitsplätze, so dass diese mehr als 300.000 Neueinstellungen im Vergleich dazu gering erscheinen. Die Lage ist also gut, und der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe besagt nichts anderes. Dies ist der Hintergrund des überraschenden Beschäftigungswachstums im Januar. Bedeutet dies, dass die Gefahr einer Rezession neutralisiert wurde?

Die Realität des Konjunkturzyklus

Der Dienstleistungssektor ist, auch wenn er in den meisten entwickelten Volkswirtschaften systembedingt groß ist, aufgrund seiner mangelnden Volatilität einer der schlechtesten Orte, um nach Anzeichen für eine Verstärkung der rezessiven Kräfte zu suchen. Keine der Zeitserien, die ökonometrisch ausgewählt werden, um unser Wachstumssignal zu konstruieren, ist mit diesem Sektor verbunden: Die reale Konjunkturmeldung hat alle ökonometrischen Analysen überlebt, die wir zur Erstellung unserer Indikatoren eingesetzt haben.

Anzeichen einer Rezession sind in der Industrie und bei den Wohnungsbauinvestitionen zu finden, nicht im Dienstleistungssektor. Die Analyse der Wirtschaftswissenschaftler Robert Hodrick und Edward Prescott – dieselben, die den Hodrick-Prescott-Filter entwickelt haben, der kurzfristige Schwankungen in den Konjunkturdaten herausfiltert – sollte immer noch als Leuchtturm im derzeitigen Makro-Nebel betrachtet werden. Wir sollten den Daten zur Beschäftigung im Dienstleistungssektor nicht zu viel Bedeutung beimessen, denn hier ist es wahrscheinlich am unwahrscheinlichsten, dass eine Rezession zuerst eintritt.

Einfach ausgedrückt, zeigt der US-Arbeitsmarktbericht die derzeitige Stärke des Dienstleistungssektors. Wenn man jedoch versucht, das Risiko einer Rezession zu bewerten, sollten sich die Anleger auf etwas anderes konzentrieren.


Florian Ielpo Head of Macro, Multi Asset bei Lombard Odier Investment Managers

Türkei-Beben
Erdbeben: Türkei dankt Armenien für Hilfe

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Ankara – Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem armenischen Amtskollegen Ararat Mirsojan, dankte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Armenien für die Hilfe nach den verheerenden Erdbeben, die die Türkei in der letzten Woche heimgesucht hatten. Armenien reiche der Türkei in dieser schwierigen Zeit die Hand der Freundschaft und demonstriere Solidarität und Zusammenarbeit, sagte Çavuşoğlu am Mittwoch in Ankara. Mirsojans Besuch in der Türkei, sein zweiter seit März 2022, sei „bedeutsam“, da er auf die beiden Erdbeben der letzten Woche folgt. Çavuşoğlu wies darauf hin, dass Armenien nach den Beben ein 28-köpfiges Such- und Rettungsteam in die Türkei entsandt habe, das seit dem 8. Februar in Adıyaman im Einsatz sei. „Sie haben 100 Tonnen humanitäre Hilfe geschickt und angekündigt, weitere Hilfe zu schicken“, betonte der Minister und dankte dem Team für seine „harte Arbeit“, insbesondere für die Rettung eines kleinen Mädchens in Adıyaman. „Wir haben gesehen, wie glücklich sie waren, als sie versuchten, unsere Bürger zu retten“, so Çavuşoğlu. Unterdessen brachte Mirzoyan die Bereitschaft Armeniens zum Ausdruck, in diesen schwierigen Zeiten Frieden zu schaffen. Die Spitzendiplomaten hoffen auch, dass die jüngste Verbesserung der Beziehungen, insbesondere die Erdbebenhilfe, dazu beitragen könnte, die Pläne der beiden Nationen für eine formale Normalisierung nach jahrzehntelanger Feindseligkeit zu beschleunigen. Obwohl sie keinen genauen Zeitplan nannten, da die Gespräche zu diesem Zweck noch andauern, erklärten beide Minister, dass ihre Regierungen bereit seien, die Beziehungen vollständig wiederherzustellen, einschließlich der Öffnung der Grenze, die in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder geöffnet wurde, um den Transport humanitärer Hilfe in die erdbebengeschädigten Regionen zu erleichtern. Fünf Lastwagen mit Hilfsgütern aus Armenien überquerten die Grenze über den Kontrollpunkt Alican in der osttürkischen Provinz Iğdır, der auch 1988, als Armenien von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, genutzt wurde, um vom Türkischen Roten Halbmond (Kızılay) gesammelte Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu bringen. Im vergangenen Jahr erklärte der armenische Premierminister Nikol Pashinian, dass Armenien ohne Vorbedingungen diplomatische Beziehungen mit der Türkei aufnehmen wolle, und Vertreter beider Seiten vereinbarten, die Landgrenze für Drittstaatsangehörige, die beide Länder besuchen, so bald wie möglich zu öffnen, so die damalige Erklärung des Außenministeriums. Im Dezember 2021 ernannten die beiden Länder Sonderbeauftragte, die zur Normalisierung der Beziehungen beitragen sollten, ein Jahr nachdem Armenien in der umstrittenen Region Karabach gegen Türkeis Verbündeten Aserbaidschan verloren hatte. Im Februar 2022 nahmen die Türkei und Armenien nach einer zweijährigen Unterbrechung ihre ersten kommerziellen Flüge wieder auf.

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Ukraine-Krieg
EKD-Bevollmächtigte: Man wird Putin besiegen müssen

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Köln – Die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin, Prälatin Anne Gidion, hält eine militärische Niederwerfung der russischen Angreifer in der Ukraine für unumgänglich. „Man wird Putin besiegen müssen, ohne das russische Volk als Ganzes auf Dauer in Mithaftung für seine Untaten zu nehmen“, sagte Gidion dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe). Auch die Bibel kenne die Kategorie des Sieges, betonte die protestantische Theologin. Um Gerechtigkeit herbeizuführen, müssten bisweilen „Mächtige vom Thron gestürzt“ werden. Rat und Synode der EKD hatten ganz klar das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung“ betont. „Und wir sagen angesichts eines Angriffskriegs auf einen souveränen Staat auch, dass die Ukrainer auch unser Wertesystem und die Demokratie verteidigen. Dafür brauchen sie Waffen.“ Gidion räumte ein, dass es in der evangelischen Kirche unterschiedliche Positionen zu den Fragen von militärischer Gegenwehr und Waffen gebe. Mit der früheren Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, die aktuell das „Friedensmanifest“ von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht unterstützt, an der Spitze hätte die EKD „möglicherweise eine andere Argumentationstektonik“. Margot Käßmann verteidigt „Manifest für den Frieden“ Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat eine einseitig militaristische Logik in der Diskussion über den Ukraine-Krieg kritisiert. Es gehe nicht um den Sieg der Ukraine, sondern „um einen Waffenstillstand als vordringliches Ziel“, sagte Käßmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag-Ausgabe). Der öffentliche Diskurs spiegele bisher nicht wider, dass die Hälfte der Menschen in Deutschland die Waffenlieferungen kritisch sehe. „Aber diese Haltung wird in der Debatte gnadenlos niedergemacht. Das ist gefährlich für die Demokratie.“ Deshalb unterstütze sie das von der Publizistin Alice Schwarzer und der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht initiierte „Manifest für den Frieden“, so Käßmann. Sie gehört zu den Erstunterzeichnenden des Aufrufs, den in einer Woche fast eine halbe Million Menschen unterschrieben haben. Das Reden von Sieg bringe keine Perspektiven, sagte die Theologin weiter. „Die westlichen Bündnispartner müssen der Ukraine sagen, was ihre Ziele sind. Wie lang soll der Krieg dauern? Was soll das Ende sein, an dem dann Verhandlungen beginnen müssen? Ich sage: Das Ende muss schnellstmöglich kommen.“ In scharfen Worten verwahrte die frühere Landesbischöfin von Hannover sich gegen die Kritik des ukrainischen Vize-Außenministers Andrii Melnyk, der Käßmann wegen ihrer Unterstützung des Manifests als „Pastorin der Schande“ bezeichnet hat. „Ich frage mich, ob er auch nur die geringste Ahnung vom Neuen Testament und seiner Botschaft vom Frieden für die Menschen hat.“ Den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill, der den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine religiös als metaphysischen Kampf für das Gute rechtfertigt, nannte Käßmann einen Verräter an christlichen Grundüberzeugungen. „Ich bin davon überzeugt, dass sich aus dem Evangelium keine Legitimation für Gewalt ableiten lässt. Die Kirchen sind immer in die Irre gegangen, wenn sie Waffen gesegnet haben.“