Geschichte
23. Februar 1944: Die Deportation der Tschetschenen und Inguschen

Heute vor 79 Jahren begann die Deportation der gesamten tschetschenischen und inguschischen Bevölkerung aus ihrer angestammten Heimat nach Zentralasien.

Teilen

von Kemal Bölge

Heute vor 79 Jahren begann die Deportation der gesamten tschetschenischen und
inguschischen Bevölkerung aus ihrer angestammten Heimat nach Zentralasien. Von 470.000 Menschen überlebten Tausende die höllischen Strapazen nicht.

Vorwurf der Kollaboration mit Nazi-Deutschland

Die Rote Armee befand sich noch im Krieg, als der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin persönlich den Befehl zur Deportation von fast 500.000 Tschetschenen und Inguschen gab. Kollaboration mit dem Feind lautete der Vorwurf an das tschetschenische und inguschische Volk, auch wenn diese in der Roten Armee gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft hatten.

Der Plan zur Deportation dieser beiden nordkaukasischen Völker wurde bereits 31. Januar 1944 getroffen und am 23. Februar 1944 umgesetzt. Mitten in der Nacht marschierten Einheiten des Geheimdienstes des Innenministeriums (NKWD), des Volkskommissariats für Staatssicherheit (NKGB) und bis zu 100.000 Offiziere und Soldaten in die Städte und Ortschaften in Tschetschenien und Inguschetien ein. Wer sich der Anordnung widersetzte, wurde noch vor Ort erschossen.

Tausende überlebten die Strapazen nicht

Das Packen dauerte nur 15-20 Minuten. Jeder, einschließlich Schwangere, Mütter mit Kindern, Alte und Kranke, wurde zwangsläufig deportiert. Die Kranken wurden mit monströser Grausamkeit behandelt: Sie wurden entweder auf der Stelle erschossen oder zum Sterben allein gelassen. Nur wenige Habseligkeiten durften die Menschen mit sich führen, die in Viehwaggons eingesperrt, mitten im Winter in Tausende Kilometer entfernte Gebiete nach Zentralasien deportiert wurden. Faktoren wie die winterlichen Temperaturen, Hunger, Durst und grassierende Krankheiten machten vielen zu schaffen. Schätzungen gehen von über 470.000 Deportierten aus, wovon Tausende die höllischen Strapazen nicht überlebt haben.

Der 23. Februar 1944 stellt sowohl für die Tschetschenen als auch für die Inguschen einen
Schicksalstag dar. In Kasachstan mussten die Deportieren in Bergwerken und Plantagen
Zwangsarbeit verrichten, wobei von 1944-1953 über 73.000 an Hunger und Krankheiten
starben. Erst unter Nikita Chruschtschow wurde es Überlebenden gestattet, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. In der türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft hat sich der Terminus technicus Mezalim für massenhafte Gewaltverbrechen an der muslimischen Zivilbevölkerung etabliert.

Auch interessant

– Historie –
„Schwarzer Januar“: Sowjet-Massaker in Aserbaidschan

Januar 1990: Vor genau 33 Jahren marschieren sowjetische Truppen in Baku ein und verüben dort ein Massaker, das den Aserbaidschanern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

„Schwarzer Januar“: Sowjet-Massaker in Aserbaidschan

Auch interessant

Gartenschaukel auswählen – 10 Merkmale, auf die es wirklich ankommt

Eine Gartenschaukel ist für viele der Inbegriff von Sommer und Entspannung. Damit der Traum nicht zur Enttäuschung wird, zeigen wir, welche 10 Merkmale eine...

Microsoft feuert Israel-Chef Haimovich: Azure speicherte 200 Millionen Stunden palästinensischer Telefongespräche

Tel Aviv/Redmond – Microsoft hat seinen Israel-Chef Alon Haimovich sowie mehrere leitende Manager der israelischen Niederlassung entlassen. Das berichtete die israelische Wirtschaftszeitung Globes am...

Immobilienpreis-Ranking: Münchner Altstadt fast doppelt so teuer wie Berlin-Mitte

Ein aktuelles immowelt Ranking der Angebotspreise von Wohnimmobilien in den Stadtteilen der 15 größten deutschen Städte zeigt: Spitzenpreise im Münchner Zentrum: Altstadt-Lehel (12.689 Euro pro...

Europas digitales Dilemma: Warum der KI-Boom die Abhängigkeit von US-Techkonzernen verschärft

Während Europa Milliarden in künstliche Intelligenz investiert, wächst gleichzeitig die Sorge vor einer neuen strategischen Abhängigkeit — nicht von Energie oder Rohstoffen, sondern von...

Änderungsanträge zum Apothekengesetz: Milliardenschwere Einsparpotentiale bleiben auf der Strecke

Berlin - Die jetzt bekannt gewordenen Änderungsanträge zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) stoßen beim AOK-Bundesverband auf Kritik. Die Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann kritisiert vor allem die...

Headlines

Israel-Umfrage: Mehrheit fordert Netanjahu-Rücktritt

Jerusalem – Eine neue Umfrage des israelischen Maariv-Blattes, durchgeführt vom privaten Lazar-Institut zeigt ein klares Bild: 55 Prozent der...

Erster Bürgermeister in 61 Jahren: Mamdani meidet Israel-Tag

New York – Zohran Mamdani, seit Januar 2026 Bürgermeister von New York City und der erste Muslim in diesem...

Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder." Mit diesen Worten...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische...

Meinung

Lefkoşa: Israeli mit menschlichen Embryonen im Koffer

Lefkoşa/Nordzypern - Was Sicherheitsbehörden am Flughafen Ercan im türkisch kontrollierten Nordzypern am 19. Mai entdeckten, sorgte für Aufsehen: In dem Gepäck eines 24-jährigen israelischen Staatsangehörigen...

Israel-Umfrage: Mehrheit fordert Netanjahu-Rücktritt

Jerusalem – Eine neue Umfrage des israelischen Maariv-Blattes, durchgeführt vom privaten Lazar-Institut zeigt ein klares Bild: 55 Prozent der Befragten wollen, dass Premierminister Benjamin...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...