Syrienkonflikt
Syrien: Turkmenen-Miliz Sultan-Murat-Brigade befreit al-Rai vom IS

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Berlin/Dortmund (eurasia/nex) – In einem Statement hat die Syrische Volksversammlung der Turkmenen angesichts der jüngsten Befreiung der mehrheitlich turkmenisch besiedelten Grenzstadt al-Rai, auch als Cobanbey bekannt, weitere Fortschritte der Freien Syrischen Armee gegen die Terrormiliz IS angekündigt. Schon zeitnah könnte die FSA auf Dscharablus vorrücken. Die YPG hingegen verfolge eine imperialistische Agenda auf Kosten der arabischen und turkmenischen Lokalbevölkerung.
Im Laufe der vergangenen Woche ereigneten sich in Nordsyrien zentrale Frontverschiebungen mit Implikationen für die Zukunft des Landes. Die US-geführten Demokratischen Kräfte Syriens, auch SDF genannt, nahmen die Stadt Manbidsch vom IS ein. Die Operationen der SDF, die von der kurdischen YPG dominiert wird, hatten zuvor mehr als zwei Monate angedauert. Weiter nördlich starteten die Turkmenen-Miliz Sultan Murat Brigade und andere FSA-Einheiten eine Offensive auf die vom IS gehaltene Turkmenen-Stadt al-Rai, die auch Cobanbey genannt wird. Am Mittwoch gaben die moderaten Rebellen bekannt, dass sie die Stadt befreiten.

Die Rebellen hatten die Stadt bereits im April kurzzeitig eingenommen. Damals reagierten die Extremisten vom IS allerdings mit einer Terrorwelle von Autobomben, die sie in die Stadt hineinfuhren. Die Stellungen der FSA wurden dadurch zerrüttet, was die Einheiten zum Abzug zwang. Erst am Donnerstag zerstörten die turkmenischen Rebellen der Sultan Murat Brigade drei mit Bomben gefüllte Autos des IS.

Das türkische Nachrichtenportal Suriye Gündemi veröffentlichte eine aktuelle Karte vom Frontverlauf in Nordsyrien. In Grün ist das von der FSA und Turkmenen-Milizen kontrollierte Gebiete zu sehen:

(Foto; Twitter/Suriye Gündemi)
(Foto; Twitter/Suriye Gündemi)

Auch am Freitag führte der IS Angriffe zur Rückeroberung der Stadt aus. Dabei bedient sich die Extremistenmiliz erneut der Autobomben. Die Rebellen schlagen diese bislang erfolgreich zurück:

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Der Region zwischen Cobanbey und der weiter östlich gelegenen Stadt Dscharablus ist Teil jener Linie in Richtung Azez im Osten, die als strategisch besonders bedeutsam erachtet wird. Insbesondere die Freie Syrische Armee möchte nach der Befreiung von Cobanbey als nächstes Dscharablus vom IS einnehmen. Doch auch die kurdische YPG, die über die Schirmorganisation SDF von den USA unterstützt wird, möchte Dscharablus neben der weiter im Südosten gelegenen Stadt el-Bab erobern. Das Ziel der YPG, die überdies als syrischer Ableger der verbotenen PKK gilt, ist es, ein geografisch zusammenhängendes „Kurdistan“ entlang der türkischen Grenze zu schaffen. Deshalb zielt es die umstrittene Kurden-Organisation darauf ab, den Korridor von Azez nach Dscharablus unter ihren Einfluss zu bringen, um alle drei von ihr kontrollierten Kantone auch territorial zu vereinen. Das lehnt die FSA vehement ab, nicht zuletzt, weil die Lokalbevölkerung zwischen Azez und Dscharablus mehrheitlich nicht kurdisch ist und den nationalistischen Kurs der YPG ablehnt.


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Dem IS stehen in Nordsyrien nichtsdestotrotz erhebliche Spannungen bevor. Sollte die YPG el-Bab einnehmen, würde der IS in Nordaleppo im Sandwich zwischen FSA und YPG von seiner selbsternannten Hauptstadt Rakka isoliert werden. Der Kampf um das sich ergebende Machtvakuum des IS in Nordsyrien wird die Spannungen zwischen der FSA, die von der Türkei unterstützt wird, und der YPG und ihrer SDF nochmals zuspitzen. Neue Kämpfe zwischen beiden Fraktionen sind nicht unwahrscheinlich.

Die YPG ist als Zweig der PKK ein fragwürdiger Partner bei der Bekämpfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Zahlreiche westliche und lokale Menschenrechtsorganisationen beschuldigten die Kurden-Miliz in der Vergangenheit, Menschenrechtsverletzungen gegen Dissidenten und Minderheiten verübt zu haben. Beispielsweise wurden in der nördlich von Rakka liegenden Stadt Tell Abyad zehntausende Turkmenen und sunnitische Araber gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die meisten Bürger Tell Abyads leben heute in Flüchtlingscamps in der Türkei.

Anfang dieser Woche nahmen Sicherheitskräfte der YPG willkürlich hochrangige Parteivertreter des oppositionellen Kurdischen Nationalrates (KNC) fest.

Die Syrische Volksversammlung der Turkmenen fordert für die Region zwischen Azez und Dscharablus die Einführung einer Flugverbotszone. Dieses Ansinnen wird von der Türkei, Frankreich und anderen internationalen Akteuren unterstützt. Die Umsetzung einer Flugverbotszone wird das Leben zahlreicher unschuldiger Zivilisten im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ schützen und den Kampf der Turkmenen am Boden beschleunigen.

Die Erklärung wurde vom Außenpolitik-Berater der Syrischen Volksversammlung der Turkmenen, Cemil Dogac Ipek, verfasst.


Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews

„Büroversehen“ mit Methode
Bund Deutscher Kriminalbeamter kritisiert „Terror-Bericht“ zur Türkei

Deutschland: Sabotiert „Parallelstruktur“ im Bundesinnenministerium deutsch-türkisches Verhältnis? Berlin (nex) – Der Bund Deutscher Kriminalbeamter rügte mit überraschend drastischen Worten das Bundesinnenministerium für dessen kritischen Regierungsbericht zur Türkei Das vermeintliche „Büroversehen“, demzufolge aus dem Bundesinnenministerium diffamierende Äußerungen über die Türkei in amtlichen Dokumenten der Öffentlichkeit zugespielt wurden, hat nun ein Nachspiel im deutschen Beamtenapparat selbst. So hat der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, im Handelsblatt deutlichen Unmut über die unautorisierten Querschüsse geäußert, die das deutsch-türkische Verhältnis in den letzten Tagen weiter belastet haben, und sieht darin sogar ein System. Er forderte personelle Konsequenzen im Bundesinnenministerium. „Man kann, darf und muss sogar die Türkei kritisieren, aber nicht auf diesem Weg. So werden Vorurteile und Hass gefördert, die ihren Weg auch in Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen auf unsere Straßen finden können“, erklärte Schulz gegenüber der Wirtschaftszeitung. Die Polizeibeamten, die auf den Straßen im Einsatz stehen, wären die Leidtragenden. Schulz bezweifelt überdies, dass tatsächlich ein „Büroversehen“ dazu geführt habe, dass eine Einschätzung über die Türkei an die Medien gesickert sei, die nicht ohne Einbeziehung des Auswärtigen Amtes hätte erfolgen dürfen. Es sei vielmehr eine „besorgniserregende Illoyalität“ innerhalb des Apparates zu verzeichnen, die Schulz auf eine Unzufriedenheit mit der Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik der Regierung zurückführt. Vermeintliche „Pannen“ in Form von unautorisierter Weitergabe nicht für die Öffentlichkeit bestimmter Informationen und Papiere an die Medien seien bereits häufig vorgekommen. Die Unterlagen würden weitergereicht, um gezielt Stimmung zu machen.

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Tourismus
Flughafen Istanbul: Warnung an Reisende vor Vergewaltigungsrisiko in Schweden

Istanbul (nex) – Die Headline stammt von einem Bericht der türkischen Zeitung Günes. Am vergangenen Sonntag hatte die schwedische Außenministerin Margot Wallström noch per Twitter erklärt, dass „die Entscheidung der Türkei, Sex mit Kindern unter 15 Jahren zu erlauben, revidiert werden muss. Kinder brauchen mehr Schutz, nicht weniger, vor Gewalt, sexuellem Missbrauch“. Der Vorwurf des Kindesmissbrauchs, der durch eine herabwürdigende Meldung am Flughafen Wien wie auch durch den Kommentar der schwedischen Außenministerin erhoben wurde, hat die Ressentiments gegen die Türkei wiederbelebt und Ankara veranlasst, eine offizielle Beschwerde einzulegen. Ankara ist verärgert über die besagte Nachrichtenmeldung, die am Flughafen Wien zu lesen war und die die Türkei fälschlicherweise beschuldigte, sexuelle Handlungen mit Kindern unter 15 Jahren zu erlauben. Die Meldung wurde nach harscher Kritik entfernt. Ankara brachte seine Enttäuschung zum Ausdruck. Es folgte ein schriftliches Statement des türkischen Außenministeriums mit folgendem Inhalt: „Wir bedauern zutiefst und verurteilen aufs Schärfste, dass ein von Fluggästen aus verschiedenen Ländern genutzter internationaler Flughafen im Zentrum von Europa von einer fragwürdigen Zeitung zur Verbreitung verantwortungsloser, verzerrter und verfälschter Meldungen missbraucht wird, die ein befreundetes Land diffamieren.“

Das Leid der Flüchtlingskinder
Schweden: Flüchtlingskinder zur Prostitution gezwungen

Dortmund (nex) – Schwedische Medien berichten von einem Verdacht, dass mehrere verwaiste Flüchtlingskinder in Unterkünften zur Prostitution gezwungen werden.
Berichten zufolge erklärte der in der südschwedischen Provinz tätige Polizeikommissar Mattias Sigfridsson, dass die Ermittlungen anlässlich der Behauptungen beschleunigt worden seien.
Die Tageszeitung Sydsvenskan berichtete am 9. August, dass etwa 15 Kinder nachts aus ihren Zimmern in einer Unterkunft verschwänden und am nächsten Morgen mit Wertgegenständen wie Golduhren und Geld wieder zurückkämen. „Das waren die Momente, in denen wir misstrauisch wurden“, erklärte Kristina Rosen, die Projektkoordinatorin der Asylunterkunft gegenüber Sydsvenskan und fügte hinzu: „Die Kinder bekommen seltsame Anrufe in der Asylunterkunft. So treten sie mit den Kunden in Kontakt. Dann gehen sie raus und kommen Stunden später mit Wertgegenständen zurück.“
 Eine weitere Tageszeitung, Aftonbladet, schrieb ebenfalls über unbeaufsichtigte Flüchtlingskinder, die in der Küstenstadt Malmö sexuell ausgebeutet würden. Viele Fälle, die der Polizei gemeldet würden, blieben ohne Schuldspruch.
In Skane wurden laut Sydsvenskan 32 Fälle von zur Prostitution gezwungenen Flüchtlingskindern festgestellt. Der Skandal wurde von in Flüchtlingsunterkünften arbeitendem Personal, der schwedischen Einwanderungsbehörde und Sozialdiensten aufgedeckt.
Ein anderes Problem stellen für Schweden die verheirateten Flüchtlingskinder aus Syrien dar. So kamen nach Angaben eines Kinder-Ombudsmanns im vergangenen Jahr 132 syrische im minderjährigen Alter verheiratete Flüchtlinge ins Land, deren Ehen von den Behörden anerkannt wurden, obwohl das Mindestheiratsalter in Schweden 18 Jahre beträgt.
„Die Gerichte sollten diese Kinderehen nicht genehmigen“, erklärte Kinder-Ombudsmann Ola Nilsson am gestrigen Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu und fügte hinzu, dass das schwedische Jugendamt versuche, minderjährige verheiratete Flüchtlinge unter Schutz zu stellen.Nilsson erzählte, dass in 80 Gemeinden 132 verheiratete Flüchtlinge ermittelt worden seien, deren Alter bei unter 18 Jahren liege. Die Paare hätten Heiratsdokumente aus ihrem Herkunftsland vorgelegt.

Türkei
Erdogan: „IS wurde gegründet, um Islamfeindlichkeit zu verbreiten“

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Ankara (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am gestrigen Donnerstag, dass Terrororganisationen wie IS (Daesh), Boko Haram und al-Qaida gegründet worden seien, um dem Islam zu schaden und Islamfeindlichkeit auf der ganzen Welt zu verbreiten. Wenn auch die terroristischen Gruppen unterschiedliche Namen hätten, teilten sie dieselben Motive, so Erdogan weiter. In seiner Rede im Präsidialkomplex während eines Empfangs islamischer Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt machte Erdogan deutlich, dass jene, die den Islam mit Terror in Verbindung bringen wollten, zum Ziel hätten, den Islam als eine den Terror unterstützende Religion darzustellen. Erdogan wies darauf hin, dass der IS (Daesh) Schatten auf den Islam werfe und mit diesem in keiner Weise in Verbindung gebracht werden könne. Solche Bemühungen der Assoziierung des Islams mit Terror könne nur als Islamophobie bezeichnet werden. Er betonte, dass „Muslime von Muslimen getötet werden“. Auch an Behauptungen, die Türkei unterstütze den IS (Daesh), äußerte Erdogan scharfe Kritik: „Der Daesh ist kein Repräsentant des Islams. Der Daesh ist eine Terrororganisation, die einen Schatten auf, ein dunkles Sargtuch über den Islam wirft .“ Der Präsident fügte hinzu, dass jene, die solche Behauptungen aufstellten, den IS nur unterstützten. Über die westlichen Länder sagte er: „Wir werden diesen Kampf überall führen. Der Westen hat diesen Kampf nicht verstanden und wird ihn nicht verstehen. Wir sind uns dessen bewusst. Sie verhalten sich nicht ehrlich. Wir sind uns auch dessen bewusst.“

Burka-Verbot
Oppermann: Burka-Verbot löst keine Probleme, sondern schafft neue

Osnabrück (ots) – SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann lehnt ein vor allem von Unionspolitikern gefordertes Burka-Verbot in Deutschland als politischen Aktionismus ab. In einem Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Oppermann, er persönlich lehne die Vollverschleierung von Frauen ab. „Sie ist für mich Ausdruck von Frauenfeindlichkeit und passt nicht zu den Werten einer offenen Gesellschaft.“ Doch helfe ein Verbot nicht weiter. Es bringe nicht die Männer, die eine Burka wollen, sondern ihre Frauen in eine schwierige Situation: „Sie werden dann das Haus womöglich gar nicht mehr verlassen. Das löst keine Sicherheitsprobleme, sondern zielt vielmehr auf kulturelle Abgrenzung. Einen solchen politischen Aktionismus brauchen wir nicht.“ Oppermann machte zudem deutlich, dass er die SPD als Vorreiter beim Thema innere Sicherheit sieht. Er betonte: „Die SPD war es, die im letzten Bundeshaushalt 3000 Stellen für die Bundespolizei durchgesetzt hat. Und seit Monaten fordern wir einen weiteren Aufbau.“ Sein Eindruck sei, „dass die Union uns hinterherläuft“. Die CDU/CSU-Innenminister der Länder kommen Ende dieser Woche zu einer Konferenz in Berlin zusammen, auf der ein Burka-Verbot und andere Forderungen zur inneren Sicherheit besprochen werden sollen. Eingeladen ist auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der sich mehrfach skeptisch zu einem Verbot der Vollverschleierung geäußert hat.  

Abgas-Skandal
Verbraucher-Chef fordert Entschädigungen für VW-Kunden

Düsseldorf (ots) – Deutschlands oberster Verbraucherschützer, Klaus Müller, hat den VW-Konzern aufgefordert, den im Dieselskandal geschädigten deutschen Kunden finanziell stärker entgegen zu kommen. „Wer betrügt wie Volkswagen, sollte seine Kunden unbedingt entschädigen“, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) „Rheinischen Post“. „Volkswagen wäre klug beraten, gegenüber seinen Kunden in Deutschland nicht einfach zur Nulllösung zu greifen“, sagte Müller. Es wäre für VW kein Problem, auch deutsche Kunden zu entschädigen. „Das kann ein pauschaler Betrag oder aber ein Entgegenkommen bei Service- und Reparaturleistungen sein, indem bei anstehenden Leistungen einer VW-Vertragswerkstatt die Rechnungen bis zu einem bestimmten Betrag übernommen werden“, sagte vzbv-Chef Müller. Die Kunden erwarteten auch in Deutschland ein „faires Angebot zur Wiedergutmachung, das sich der Konzern wohl auch leisten kann.“ Müller forderte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zudem auf, das Kraftfahrtbundesamt zu einer echten Kontrollbehörde für Gesundheits- und Umweltgefahren durch Autoabgase auszubauen. Dabei könnte auch die Kompetenz des Umweltbundesamts genutzt werden. „Dazu muss der Gesetzgeber endlich wirksame Reformvorschläge machen“, sagte er. „Dobrindt darf die Reformen beim Kraftfahrtbundesamt nicht nur ankündigen, sondern muss sie auch umsetzen. Tut er das nicht, wäre er ein schlechter Verkehrsminister.“

Kurden gegen PYD
Syrien: Kurden protestieren gegen PKK-Ableger PYD

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Syrien: Kurden protestieren gegen PYD-Diktatur in Kamischli Erbil (nex) – Westliche Länder ignorieren Menschenrechtsverletzungen durch den syrisch-kurdischen PKK-Ableger PYD, weil sie davon ausgehen, diese Gruppe am besten für ihre Interessen instrumentalisieren zu können. Diesen Vorwurf erhob der jüngst kurzzeitig von Angehörigen der Gruppe entführte Kurdenpolitiker Ibrahim Biro, der selbst Vorsitzender des Syrisch-Kurdischen Nationalrats ist, am Mittwoch in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu. Die PYD bekämpfe, so Biro, aktiv jede Gruppe, die sie für eine Gefahr hinsichtlich ihrer Dominanz in den syrischen Kurdengebieten halte, und sie nutze den Kampf gegen den IS als Vorwand dafür. „Sie nutzen den Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen den IS aus, um ihre Gegner anzugreifen“, erklärte Biro. In den letzten Monaten soll die PYD vermehrt in von ihr kontrollierten Gegenden ethnische Säuberungen durchgeführt, willkürlich politische Gegner inhaftiert und lokale Anwohner zwangsrekrutiert haben. Mehrfach habe die PYD auch Abkommen gebrochen, die mit den westlichen Partnern abgeschlossen worden seien – und Letztere hätten beide Augen zugedrückt. Der Kurdische Nationalrat, eine Koalition aus syrisch-kurdischen Parteien, die in Opposition zur PYD stehen, habe ein umfangreiches Dossier aus Dokumenten zusammengestellt, die Verletzungen von Vereinbarungen und völkerrechtlicher Konventionen vonseiten der PYD nachvollziehbar machten. Man wolle dieses in Erbil ausländischen Diplomaten übergeben. „Wir werden zur Aggression der PYD gegen unser Volk nicht schweigen“, erklärte Biro. „Die syrischen Kurden haben nicht gegen Damaskus revoltiert, um jetzt einen neuen Diktator zu bekommen.“ Biro forderte die westlichen Mächte dazu auf, ihre Unterstützung für die PYD zu „überdenken“. Es gebe auch ausreichend syrische Peshmerga, die gegenüber dem Kurdischen Nationalrat loyal seien und auch bereit wären, den Antiterrorkampf zu unterstützen. „Die PYD ist nicht die einzige bewaffnete Kraft in der Region“, erklärte Biro. Er kündigte an, dass die Peshmerga des Kurdischen Nationalrats in Kürze auch in Nordsyrien ihre Präsenz zeigen würden. „Wir haben aus Erfahrung gelernt“, so Biro. „Unser Volk hat sich nie auf die Seite der PYD gestellt. Sie mögen Waffen und Geld haben, aber die meisten Menschen teilen ihre Ideologie nicht. Wir haben die Tyrannei des Baath-Regimes Assads bekämpft und weisen jetzt die Tyrannei eines kurdisch-baathistischen Regimes zurück.“ Über seine Entführung erzählte Biro, dass er von Angehörigen niedriger Ränge der YPG verschleppt und sechs Stunden lang festgehalten worden sei. Höhere Funktionäre der PYD seien nicht anwesend gewesen. Man habe ihm mit Folter und Verstümmelung gedroht und ihn aufgefordert, sich in Syrien nicht blicken zu lassen. „Ich lasse es mir aber von niemandem verbieten, in meiner Heimat zu sein“, sagte Biro. „Ich werde selbstverständlich nach Syrien gehen.“ Am Dienstag protestierten hunderte kurdische Bürger in Kamischli (Provinz al-Hasakah) gegen die, so die Einwohner, unterdrückerische Politik der PYD, wie sie sich unter anderem in der Verschleppung Biros gezeigt habe. Derzeit sollen sich anonymen Quellen zufolge noch mindestens 30 PYD-Gegner in der Gewalt des PKK-Ablegers befinden.

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LKA befürchtet Eskalation
Handgranatenangriff auf PKK-Verein: Osmanen Germania-Vize festgenommen

Saarbrücken: Vizechef der „Osmanen Germania“ nach Angriff auf Schischa-Café unter Verdacht Saarbrücken (nex) – Wie mehrere Medien unter Berufung auf die AFP berichten, ist am Mittwochabend im saarländischen St. Ingbert der 39-jährige Vizepräsident der Rockergruppe „Osmanen Germania“ festgenommen worden. Hintergrund der Polizeiaktion gegen den auch wegen des Verdachts auf Drogenhandel gesuchten Mann, der mittels einer Flucht durch mehrere Gärten versucht habe, sich dem Zugriff zu entziehen, sei ein Vorfall von Anfang August gewesen. Der Rocker sei an einem Handgranatenangriff auf ein Schischa-Café in Saarbrücken beteiligt gewesen, das regelmäßig von Angehörigen der PKK-Rockergruppe „Bahoz“ frequentiert wird. Zwischen dieser und den offiziell als Boxklub geltenden „Osmanen“ war es bereits zuvor zu einer Reihe wechselseitiger Übergriffe gekommen. Die politischen Konflikte in der Türkei würden auch in Deutschland zu einer Eskalation der Gewalt zwischen türkischen und PKK-nahen Rockergruppen beitragen, zitiert der „Spiegel“ eine Quelle aus dem baden-württembergischen LKA. Einem vertraulichen Lagebericht zufolge sei mit „exzessiver Gewalt“ und dem Einsatz scharfer Schusswaffen zu rechnen.    
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Gründer der BBP
Türkei: Ermittlungen im Todesfall Muhsin Yazicioglus wiederaufgenommen

Ankara (nex) – Die Ermittlungen im Todesfall Muhsin Yazicioglus, eines bekannten türkischen Politikers, wurden auf Antrag seiner Familienangehörigen wegen einer möglichen Beteiligung des Gülen-Netzwerks (FETÖ) an dem Ereignis wiederaufgenommen. Der Gründer und ehemalige Vorsitzende der Partei der Großen Einheit (BBP) war 2009 auf den Weg von der südtürkischen Provinz Kahramanmaras in die zentraltürkische Provinz Yozgat bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft Kahramanmaras hatte im Juni die Klage abgewiesen, Yazicioglus Familie stellte jedoch am vergangenen Dienstag einen Antrag auf Neueinreichung der Strafanzeige im Fall des abgestürzten Hubschraubers. Die Klageschrift, in der der in den USA lebende FETÖ-Anführer und ehemalige Prediger Fethullah Gülen, der festgenommene Konteradmiral Süleyman Manka, die Geheimdienstmitarbeiter Ali Orhan Dinc und Ramazan Akyürek, der auch in den Mordfall Hrant Dink verwickelt sein soll, als Verdächtige aufgeführt werden, haben neben Yazicioglus Frau Gülefer Yazicioglu 14 weitere Kläger unterzeichnet. Die Kläger weisen auf Gülens Predigt vom 30. März 2009 – also fünf Tage nach dem Unfall – hin, in der er kontroverse Bemerkungen im Zusammenhang mit Yazicioglu und seinem Tod machte. Nach Angaben der Familienanwälte soll Gülen gesagt haben, dass „er am Donnerstag gestorben und sein Leichnam am Freitag entdeckt worden ist.“ Yazicioglus Tod beschrieb er als einen „Rauswurf durch eine göttliche Ohrfeige“. Weiter heißt es in der Anklage, dass die damals an den Such- und Rettungsaktionen beteiligten Soldaten von Gülen geschützt worden seien, es bei dem Einsatz Schwachstellen gegeben habe und die Soldaten die Suchoperation im wahrscheinlichsten Gebiet verhindert hätten. In der Klageschrift steht: „Gülen erklärte: ‚Sie sagen, die Soldaten hätten ihre Arbeit nicht getan. Ich bin der Meinung, dass sie es getan haben. Jeder hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um in der Angelegenheit zu helfen.‘ Diese Aussage führte uns zu der Annahme, dass er die Wahrheit verbirgt.“ In seiner Predigt habe sich Gülen auf das Schicksal konzentriert. Er habe hervorgehoben, wie wichtig es sei, sich dem göttlichen Willen zu unterwerfen und seinen Anhängern und auch anderen Menschen den Rat gegeben, dies zu tun. „Unsere Menschen sind gutmütig. Sie suchen nicht hinter jedem Ereignis nach einer Falle“, habe er gesagt und hinzugefügt: „Selbst wenn du betrogen wurdest, sollst du nicht betrügen, weil das eine Sünde ist. Wenn du betrogen wurdest, könntest du geopfert werden“, und soll sich dabei auf Yazicioglu bezogen haben.